[0001] Die Erfindung betrifft ein Fahrzeugrückhaltesystem zur Anordnung auf einem Brückenbauwerk
gemäß den Merkmalen im Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Ein derartiges Fahrzeugrückhaltesystem zählt im Umfang der
DE 103 18 357 B4 zum Stand der Technik. Es umfasst einen aus Leitschwellen schussweise zusammengesetzten
Leitschwellenstrang aus Stahl. Die Leitschwellen bestehen jeweils aus einem im Querschnitt
trapezförmigen Gehäuse mit seitlichen Aufstandflügeln, einem oberhalb des Gehäuses
verlaufenden Holm sowie aus den Holm zum Gehäuse distanzierenden Pfosten. Jede Leitschwelle
ist mit mindestens einem Gleitleistenset versehen, welches einen mit einem Pfosten
gekoppelten U-förmigen Stützschuh und ein mit diesem verbundenes flaches Schubelement
aufweist. Das Schubelement in Form einer Gleitschiene ist in der Draufsicht keilförmig
ausgebildet. Es liegt zwischen zwei Führungsleisten einer auf dem Brückenbauwerk verankerbaren
Gleitbahn. An dem dem Fahrweg zugewandten breiten Ende des Schubelements sind Querwulste
vorgesehen, die mit Bremskonsolen zusammen wirken, welche längsverschieblich an den
Führungsleisten der Gleitbahn befestigt sind. Diese Bremskonsolen werden bei einem
Aufprall eines Kraftfahrzeugs auf den Leitschwellenstrang von den Querwulsten kontaktiert,
wenn das Schubelement etwa die Hälfte seines vorbestimmten Verlagerungswegs zurückgelegt
hat. Dieser Verlagerungsweg erlaubt daher ein vergleichsweise weiches Auffangen auch
leichterer Kraftfahrzeuge und ihr Entlangführen an dem Leitschwellenstrang, ohne dass
die Kraftfahrzeuge in den Fahrweg zurück geschleudert werden.
[0003] Ist der Verlagerungsweg bis zum Kontakt der Querwulste mit den Bremskonsolen, zum
Beispiel beim Aufprall eines LKW's, erschöpft, wird einer weiteren Verlagerung des
Schubelements ein Widerstand entgegengesetzt, der durch die Höhe der Vorspannung der
Bremskonsolen an der Gleitbahn bestimmt werden kann. Die Bremskonsolen verlagern sich
dann zusammen mit dem Schubelement entlang der Gleitbahn, so dass das Fahrzeugrückhaltesystem
auf diese Weise die Wucht des Aufpralls des Kraftfahrzeugs abfängt und die kinetische
Energie in Reibungs-, Verformungs- und Wärmeenergie umwandelt.
[0004] Obwohl sich das bekannte Fahrzeugrückhaltesystem bei seiner Verwendung auf Brückenbauwerken
in der Praxis bewährt hat, besitzt es jedoch die Eigenschaft, dass es aus mehreren
Einzelteilen gebildet wird, deren Herstellung und Montage demzufolge mit einem größeren
Aufwand verbunden ist.
[0005] Der Erfindung liegt - ausgehend vom Stand der Technik - die Aufgabe zugrunde, das
bekannte Fahrzeugrückhaltesystem im Sinne einer wirtschaftlicheren Fertigung und einfacheren
Montage zu verbessern.
[0006] Die Lösung dieser Aufgabe besteht nach der Erfindung in den Merkmalen des Anspruchs
1.
[0007] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand der Ansprüche 2 bis 6.
[0008] Erfindungsgemäß sind nunmehr sowohl die Gleitbahn als auch das auf der Gleitbahn
flächig abgestützte Schubelement aus Stahlplatten gebildet und durch Langlöcher in
dem Schubelement sowie Bohrungen in der Gleitbahn durchsetzende Schraubbolzen mit
einer definierten Vorspannung untereinander und mit dem Brückenbauwerk verbunden.
Das Gleitleistenset wird auf diese Weise bezüglich seiner Einzelteile auf ein Minimum
reduziert. Der Herstellungsaufwand wird herabgesetzt und in Folge davon auch die Montage
vereinfacht.
[0009] Aufgrund des gezielt großflächigen Kontakts des mit dem U-förmigen Stützschuh gekoppelten
Schubelements mit der Gleitbahn und der definierbaren Vorspannung des Schubelements
mit der Gleitbahn einerseits und mit dem Brückenbauwerk andererseits über Langlöcher
in dem Schubelement sowie Bohrungen in der Gleitbahn durchsetzende Schraubbolzen kann
das Fahrzeugrückhaltesystem so auf einem Brückenbauwerk verankert werden, dass auch
LKW's der höchsten Gewichtsklasse von etwa 40 Tonnen einwandfrei unter begrenzter
bogenförmiger Auslenkung des Leitschwellenstrangs an diesem entlang geführt und nicht
in den Fahrweg zurückgeschleudert werden. Auch wird vermieden, dass eine in der Regel
auf dem Brückenbauwerk befestigte Brückenkappe bei einem Fahrzeugaufprall vom Brückenbauwerk
abgerissen wird. Aber auch bei einem Aufprall von Personenkraftwagen (PKW) kleinerer
Größenordnung wird der von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) geforderte ASI-Wert,
d. h. die Bremsverzögerung, eingehalten. Demnach wird selbst bei leichteren PKW das
erfindungsgemäße Fahrzeugrückhaltesystem unter gleich welchem Aufprallwinkel auch
immer zumindest begrenzt verlagert, so dass die Aufprallenergie in Reibungs- und/oder
Verformungsenergie sowie Wärmeenergie umgewandelt wird.
[0010] Das Schubelement besitzt zweckmäßig dieselbe Breite wie die Gleitbahn.
[0011] Vorzugsweise sind auf jeder Seite des Stützschuhs zwei mit Abstand hintereinander
ausgerichtete Langlöcher vorgesehen, die dann jeweils von einem Schraubbolzen durchsetzt
sind. Folglich werden Schubelement und Gleitbahn mittels nur vier Schraubbolzen miteinander
und auf dem Brückenbauwerk mit Vorspannung festgelegt, so dass jedes neue Gleitleistenset
an einer Leitschwelle lediglich aus dem mit dem Stützschuh verbundenen Schubelement,
der Gleitbahn und den vier Schraubbolzen besteht.
[0012] Es ist ferner von Vorteil, dass der Stützschuh an dem einem Fahrweg zugewandten Ende
über zwei Schraubbolzen und an dem gegenüberliegenden Ende über einen Schraubbolzen
mit dem Schubelement verbunden ist. Diese Gestaltung kommt dem Sachverhalt zugute,
dass jede Leitschwelle des Leitschwellenstrangs in Bezug auf ihre vertikale Mittellängsebene
asymmetrisch gestaltet ist, um in Abhängigkeit von den örtlichen Gegebenheiten auf
der dem Fahrweg abgewandten Seite mehr Raum zur Verlagerung des Leitschwellenstrangs
bei einem Fahrzeugaufprall zu ermöglichen. Das heißt, der Aufstandflügel auf der Fahrwegseite
ist breiter als der auf der dem Fahrweg abgewandten Seite ausgebildet.
[0013] Es ist für eine Verlagerung des Leitschwellenstrangs ausreichend, wenn die Länge
des Schubelements etwa 2/3 der Länge der Gleitbahn entspricht.
[0014] Des Weiteren ist es aus Materialersparnisgründen sinnvoll, dass das Schubelement
dicker als die Gleitbahn bemessen ist.
[0015] Die Erfindung ist nachfolgend anhand eines in den Zeichnungen veranschaulichten Ausführungsbeispiels
näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- in der Perspektive im Schema einen Ausschnitt aus einem Brückenbauwerk mit einem auf
einer Brückenkappe angeordneten Fahrzeugrückhaltesystem;
- Figur 2
- in vergrößerter Darstellung in der Perspektive ein Detail der Figur 1 mit nur einer
Leitschwelle vor ihrer Verlagerung durch ein aufprallendes Kraftfahrzeug;
- Figur 3
- in der Perspektive eine Leitschwelle während einer Verlagerung;
- Figur 4
- in der Perspektive ein Gleitleistenset einer Leitschwelle vor der Verlagerung und
- Figur 5
- das Gleitleistenset der Figur 4 nach der Verlagerung durch ein Kraftfahrzeug.
[0016] Mit 1 ist in der Figur 1 ein Teil eines Brückenbauwerks aus Beton bezeichnet, das
randseitig mit einer im vertikalen Querschnitt L-förmigen Brückenkappe 2 versehen
ist.
[0017] Wie auch die Figur 2 erkennen lässt, verläuft beim Ausführungsbeispiel oberhalb des
kurzen vertikalen Schenkels 3 der Brückenkappe 2 ein Brückengeländer 4. Im seitlichen
Abstand zum Brückengeländer 4 erstreckt sich auf dem langen horizontalen Schenkel
5 der Brückenkappe 2 ein Fahrzeugrückhaltesystem 6 mit einem stählernen Leitschwellenstrang
7 aus schussweise zusammengesetzten Leitschwellen 8. Durch den Leitschwellenstrang
7 und das Brückengeländer 4 wird ein Betriebsweg 9 für Dienstpersonal gebildet. Der
Leitschwellenstrang 7 begrenzt einen Fahrweg 10 für Kraftfahrzeuge 11.
[0018] Wie insbesondere die Figuren 2 und 3 erkennen lassen, weist jede Leitschwelle 8 ein
im vertikalen Querschnitt trapezförmiges Gehäuse 12 mit seitlichen Aufstandflügeln
13, einen oberhalb des Gehäuses 12 verlaufenden, im Querschnitt etwa C-förmigen Holm
14 sowie den Holm 14 zum Gehäuse 12 distanzierende Pfosten 15 mit einem ebenfalls
C-förmigen Querschnitt auf. Die Pfosten 15 sind einerseits an der Oberseite des Gehäuses
12 über Ronden 16 befestigt und andererseits an einem im Gehäuse 12 knapp oberhalb
der Aufstandflügel 13 angeordneten Horizontalblech 16 (siehe auch Figuren 4 und 5).
[0019] Insbesondere aus der Figur 3 ist erkennbar, dass jede Leitschwelle 8 bezüglich ihrer
vertikalen Mittellängsebene derart asymmetrisch ausgebildet ist, dass der dem Fahrweg
10 zugewandte Aufstandflügel 13 breiter als der dem Fahrweg 10 abgewandte Aufstandflügel
13 bemessen ist.
[0020] Zwei aufeinander folgende Leitschwellen 8 sind im Höhenbereich der Gehäuse 12 über
endseitige Verbindungsbleche 17 und im Bereich der Holme 14 über C-förmige Kuppelstücke
18 unter Einsatz von Schraubbolzen 19 miteinander verbunden. Auch die Aufstandflügel
13 benachbarter Leitschwellen 8 sind durch Koppelbleche 20 aneinander geschraubt.
[0021] Jede Leitschwelle 8 umfasst im Bereich eines Pfostens 15 ein Gleitleistenset 21 (siehe
Figuren 4 und 5), welches einen mit dem Pfosten 15 gekoppelten U-förmigen Stützschuh
22 mit dem darauf befestigten Horizontalblech 16 und ein mit diesem verbundenes plattenartiges
Schubelement 23 aufweist, das auf einer Gleitbahn 24 flächig abgestützt ist. Sowohl
die Gleitbahn 24 als auch das Schubelement 23 sind aus Stahlplatten gebildet. Das
Schubelement 23 und die Gleitbahn 24 sind durch Langlöcher 25 in dem Schubelement
23 sowie durch nicht näher dargestellte Bohrungen in der Gleitbahn 24 durchsetzende
Schraubbolzen 26 mit einer definierten Vorspannung untereinander und mit dem Brückenbauwerk
1 verbunden.
[0022] Auf jeder Seite des mit dem Gehäuse 12 vorzugsweise durch Schweißung verbundenen
Stützschuhs 22 sind zwei mit Abstand hintereinander ausgerichtete Langlöcher 25 vorgesehen.
Jedes Langloch 25 wird von einem Schraubbolzen 26 durchsetzt.
[0023] Der Stützschutz 22 ist an dem dem Fahrweg 10 zugewandten Ende 27 über zwei Schraubbolzen
28 und an dem gegenüberliegenden Ende 29 über einen Schraubbolzen 30 mit dem Schubelement
23 verbunden. Er dient auch als Wasserdurchlauf, wozu in den Aufstandflügeln 13 Durchgangslöcher
31 vorgesehen sind.
[0024] Die Länge des Schubelements 23 entspricht etwa 2/3 der Länge der Gleitbahn 24, während
die Breite von Schubelement 23 und Gleitbahn 24 gleich groß bemessen ist.
[0025] Das Schubelement 23 ist dicker als die Gleitbahn 24 gestaltet.
Bezugszeichen:
[0026]
- 1 -
- Brückenbauwerk
- 2 -
- Brückenkappe
- 3 -
- Schenkel v. 2
- 4 -
- Brückengeländer
- 5 -
- Schenkel v. 2
- 6 -
- Fahrzeugrückhaltesystem
- 7 -
- Leitschwellenstrang
- 8 -
- Leitschwelle
- 9 -
- Betriebsweg
- 10 -
- Fahrweg
- 11 -
- Kraftfahrzeug
- 12 -
- Gehäuse
- 13 -
- Aufstandflügel
- 14 -
- Holm
- 15 -
- Pfosten
- 16 -
- Horizontalblech
- 17 -
- Verbindungsbleche
- 18 -
- Kuppelstücke
- 19 -
- Schraubbolzen
- 20 -
- Koppelbleche
- 21 -
- Gleitleistenset
- 22 -
- Stützschuh
- 23 -
- Schubelement
- 24 -
- Gleitbahn
- 25 -
- Langlöcher in 23
- 26 -
- Schraubbolzen
- 27 -
- Ende v. 22
- 28 -
- Schraubbolzen
- 29 -
- Ende v. 29
- 30 -
- Schraubbolzen
- 31 -
- Durchgangslöcher in 13
1. Fahrzeugrückhaltesystem (6) zur Anordnung auf einem Brückenbauwerk (1), das einen
aus Leitschwellen (8) schussweise zusammen gesetzten Leitschwellenstrang (7) aus Stahl
umfasst, bei welchem jede Leitschwelle (8) mit mindestens einem Gleitleistenset (21)
versehen ist, welches einen mit einem Pfosten (15) der Leitschwelle (8) gekoppelten
U-förmigen Stützschuh (22) und ein mit diesem verbundenes flaches Schubelement (23)
aufweist, das mit dem Leitschwellenstrang (7) gegen einen vorbestimmbaren Widerstand
entlang einer auf dem Brückenbauwerk (1) verankerbaren Gleitbahn (24) quer zur Längserstreckung
des Leitschwellenstrangs (7) verlagerbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass sowohl die Gleitbahn (24) als auch das auf der Gleitbahn (24) flächig abgestützte
Schubelement (23) aus Stahlplatten gebildet und durch Langlöcher (25) in dem Schubelement
(23) sowie Bohrungen in der Gleitbahn (24) durchsetzende Schraubbolzen (26) mit einer
definierten Vorspannung untereinander und mit dem Brückenbauwerk (1) verbunden sind.
2. Fahrzeugrückhaltesystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass auf jeder Seite des Stützschuhs (22) zwei mit Abstand hintereinander ausgerichtete
Langlöcher (25) vorgesehen sind.
3. Fahrzeugrückhaltesystem nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass jedes Langloch (25) von einem Schraubbolzen (26) durchsetzt ist.
4. Fahrzeugrückhaltesystem nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Stützschuh (22) an dem einem Fahrweg (10) zugewandten Ende (27) über zwei Schraubbolzen
(28) und an dem gegenüberliegenden Ende (29) über einen Schraubbolzen (30) mit dem
Schubelement (23) verbunden ist.
5. Fahrzeugrückhaltesystem nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Länge des Schubelements (23) etwa zwei Drittel der Länge der Gleitbahn (24) entspricht.
6. Fahrzeugrückhaltesystem nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Schubelement (23) dicker als die Gleitbahn (24) bemessen ist.