[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft die Gebiete makromolekulare Chemie, Verfahrenstechnik
und Materialwissenschaften.
Stand der Technik
[0002] Zur Herstellung von Nano- und Mesofasern sind dem Fachmann eine Vielzahl an Verfahren
bekannt, von denen dem Elektrospinnverfahren ("Electrospinning") derzeit die größte
Bedeutung zukommt. Bei diesem Verfahren, welches beispielsweise von
D.H. Reneker, H.D. Chun in Nanotechn. 7 (1996), Seite 216 f beschrieben ist, wird üblicherweise eine Polymerschmelze oder eine Polymerlösung an
einer als Elektrode dienenden Kante einem hohen elektrischen Feld ausgesetzt. Dies
kann beispielsweise dadurch erreicht werden, dass die Polymerschmelze oder Polymerlösung
in einem elektrischen Feld unter geringem Druck durch eine mit einem Pol einer Spannungsquelle
verbundene Kanüle extrudiert wird. Auf Grund der dadurch erfolgenden elektrostatischen
Aufladung der Polymerschmelze oder Polymerlösung entsteht ein auf die Gegenelektrode
gerichteter Materialstrom, der sich auf dem Weg zur Gegenelektrode verfestigt. In
Abhängigkeit von den Elektrodengeometrien werden mit diesem Verfahren Vliese bzw.
so genannte Nonwovens oder Ensambles geordneter Fasern erhalten.
[0003] In der
DE 101 33 393 A1 wird ein Verfahren zur Herstellung von Hohlfasern mit einem Innendurchmesser von
1 bis 100 nm offenbart, bei dem eine Lösung eines wasserunlöslichen Polymers - beispielsweise
eine Poly-L-lactid-Lösung in Dichlormethan oder eine Polyamid-46-Lösung in Pyridin
- elektroversponnen wird. Ein ähnliches Verfahren ist auch aus der
WO 01/09414 A1 und der
DE 103 55 665 A1 bekannt.
[0004] Aus
DE 196 00 162 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung von Rasenmäherdraht oder textilen Flächengebilden
bekannt, bei dem Polyamid, Polyester oder Polypropylen als fadenbildendes Polymer,
ein maleinsäureanhydrid-modifizierter Polyethylen/Polypropylen-Kautschuk sowie ein
oder mehrere Alterungsstabilisatoren zusammengegeben, aufgeschmolzen und miteinander
vermischt werden, bevor diese Schmelze schmelzversponnen wird.
[0005] Die
DE 10 2004 009 887 A1 betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Fasern mit einem Durchmesser von < 50
µm durch elektrostatisches Verspinnen oder Versprühen einer Schmelze von mindestens
einem thermoplastischen Polymeren.
[0006] Durch das Elektrospinnen von Polymerschmelzen lassen sich nur Fasern mit Durchmessern
größer 1 µm herstellen. Für eine Vielzahl von Anwendungen, z.B. Filtrationsanwendungen,
werden jedoch Nano- und/oder Mesofasem mit einem Durchmesser von weniger als 1 µm
benötigt, die sich mit den bekannten Elektrospinnverfahren nur durch Einsatz von Polymerlösungen
herstellen lassen.
[0007] Allerdings weisen diese Verfahren den Nachteil auf, dass die zu verspinnenden Polymere
zunächst in Lösung gebracht werden müssen. Für wasserunlösliche Polymere, wie Polyamide,
Polyolefine, Polyester und Polyurethane, müssen daher nicht-wässrige Lösungsmittel
- regelmäßig organische Lösungsmittel - eingesetzt werden, die in der Regel toxisch,
brennbar, reizend, explosiv und/oder korrosiv sind.
[0008] Bei wasserlöslichen Polymeren, wie Polyvinylalkohol, Polyethylenoxid, Polyvinylpyrrolidon
oder Hydroxypropylcellulose, kann zwar auf den Einsatz nicht-wässriger Lösungsmittel
verzichtet werden, jedoch sind die auf diese Weise erhaltenen Fasern naturgemäß in
Wasser löslich, weshalb deren technische Anwendung stark eingeschränkt ist. Aus diesem
Grund müssen diese Fasern nach dem Elektrospinnen durch mindestens einen weiteren
Verarbeitungsschritt, beispielsweise durch chemische Vernetzung, gegenüber Wasser
stabilisiert werden, was einen erheblichen technischen Auswand darstellt und die Herstellungskosten
der Fasern erhöht.
[0009] Die
WO 2004 / 080681 A1 betrifft Vorrichtungen und Verfahren zur elektrostatischen Verarbeitung von Polymerformulierungen.
Die Polymerformulierungen können Lösungen, Dispersionen, Suspensionen, Emulsionen,
Mischungen davon oder Polymerschmelzen sein. Als Verfahren zur elektrostatischen Verarbeitung
ist unter Anderem Elektrospinning genannt. In der
WO 2004 / 080681 A1 sind jedoch keine konkreten Polymerformulierungen erwähnt, die zum Elektrospinnen
geeignet sind.
[0010] In der
WO 2004 / 048644 A2 ist die Elektrosynthese von Nanofasem und Nano-Composit-Filmen offenbart. Zum Elektroverspinnen
werden Lösungen von geeigneten Ausgangssubstanzen eingesetzt. Gemäß der Beschreibung
umfasst der Begriff "Lösungen" dabei auch heterogene Mischungen wie Suspensionen oder
Dispersionen. Unter anderem können gemäß
WO 2004 / 048644 A2 Fasern aus elektrisch leitfähigen Polymeren hergestellt werden. Diese werden gemäß
WO 2004 / 046644 A2 bevorzugt aus den die entsprechenden Monomeren enthaltenden Lösungen erhalten.
[0011] Die
DE 10 2005 008 926 A1, "Verfahren zur Herstellung von Nano- und Mesofasern durch Elektrospinning von kolloidalen
Dispersionen" betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Polymerfasern, wobei eine
kolloidale Dispersion wenigstens eines im Wesentlichen wasserunlöslichen Polymers
in einem wässrigen Medium elektroversponnen wird. In diesem Verfahren ist es erstmals
gelungen, wässrige Polymerdispersionen mittels eines Elektrospinnverfahrens zu verspinnen,
wobei Polymerfasern, insbesondere Nano- und Mesofasern, erhalten werden.
[0012] Mit Hilfe des in
DE 10 2005 008 926 A1 beschriebenen Verfahrens ist es gelungen, die vorstehend erwähnten Nachteile des
Standes der Technik zu vermeiden und ein Verfahren zur Herstellung von wasserstabilen
Polymerfasern, insbesondere von Nano- und Mesofasern, nach dem Elektrospinnverfahren
bereitszustellen, bei dem auf den Einsatz von nicht wässrigen Lösungsmitteln zur Herstellung
einer Polymerlösung sowie eine Nachbehandlung der elektroversponnenen Fasern zur Stabilisierung
derselben gegenüber Wasser verzichtet werden kann.
[0013] Die prioritätsältere nicht vorveröffentlichte Anmeldung
EP 06119248.0 vom 21.08.2006 beschreibt ein gegenüber der
DE 10 2005 008 926 A1 optimiertes Verfahren zum Elektrosverspinnen von wässrigen Polymerdispersionen, mit
dem Polymerfasern mit optimierten strukturellen und/oder mechanischen Eigenschaften
erhalten werden können. Dabei wird eine kolloidale Dispersion wenigstens eines im
Wesentlichen wasserunlöslichen Polymers in einem wässrigen Medium elektroversponnen.
Das Verfahren gemäß
EP 06119248.0 ist dadurch gekennzeichnet, dass die kolloidale Dispersion mindestens ein nichtionisches
Tensid enthält.
[0014] Mit dem Verfahren gemäß
EP 06119248.0 können Fasern mit einer hohen Wasserbeständigkeit erhalten werden, die sich durch
eine gute mechanische Stabilität auszeichnen. Es ist möglich, mit dem Verfahren gemäß
EP 06119248.0 Nano- und Mesofasem mit einem Durchmesser von weniger als 1 µm aus wässrigen Dispersionen
herzustellen, so dass der Einsatz von nicht wässrigen, toxischen, brennbaren, reizenden,
explosiven und/oder korrosiven Lösungsmitteln vermieden werden kann. Da die gemäß
dem Verfahren gemäß
EP 06119248.0 hergestellten Fasern aus im Wesentlichen wasserunlöslichen Polymeren aufgebaut sind,
ist ein nachfolgender Verfahrensschritt zur Wasserstabilisierung der Fasern nicht
erforderlich.
[0015] Bislang gibt es jedoch kein Verfahren, dass es gestattet, wässrige Lösungen umfassend
gegensinnig geladene Polyelektrolyte zu Fasern zu verarbeiten und dabei Fasern zu
erhalten, die nicht wasserlöslich sind.
Aufgabe
[0016] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zum Elektrospinnen wässriger
Polymersysteme bereitzustellen, mit dem wasserstabile Polymerfasern erhalten werden
können, also ohne dass eine Desintegration der Fasern nach anschließendem Wasserkontakt
erfolgt.
Lösung der Aufgabe
[0017] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren, bei dem wässrige Lösungen
umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte elektroversponnen und die ladungstragenden
Gruppen der eingesetzten Polysäuren vor dem Elektrospinnen zu 0,01 bis 99,99 % neutralisiert
werden.
[0018] Es wurde überraschenderweise gefunden, dass wässrige Lösung von gegensinning geladenen
Polyektrolyten nach dem Elektrospinnen in Wasser unlöslich sind. Bei anschließender
Wasserbehandlung wird keine Desintegration der elektrogesponnenen Fasern beobachtet.
[0019] Gegenüber dem bisherigen technischen Stand können jetzt auch wasserlösliche Polymere
mit Hilfen von Polyektrolyten aus wässrigen Systemen versponnen werden, ohne dass
eine weitere Nachbehandlung, z. B. thermische oder photochemische Vernetzung, notwendig
ist. Damit wird die Verwendung von korrosiven, toxischen, brennbaren, reizenden, explosiven
etc. Lösungsmitteln obsolet. Die dadurch vielfach notwendige Verwendung wasserlöslicher
Polymere mit anschließendem Vernetzungsschritt wird unnötig, woraus wesentliche technische
Vorteile resultieren.
[0020] Polyelektrolyte sind Polymere, die an jeder Repetiereinheit ionische Gruppen tragen.
Damit die Polyektrolyteigenschaften hervortreten, muss es zur Dissoziation kommen,
die jedoch selbst in Wasser eingeschränkt sein kann. Durch entsprechende Zusätze,
z. B. Säuren oder Basen, kann die Dissoziationsfähigkeit und damit die Polyektrolytstärke
gesteigert werden. Werden gegensinnig geladene Polyektrolyte eingesetzt, kann es unter
Ladungsausgleich zur Bildung von Polyektrolytenkomplexen kommen, die in der Regel
nur schwer wieder hydrolysierbar sind. Es gibt eine Reihe technisch verfügbarer Polyelektrolyte
bzw. Polymere, die durch Säure bzw. Basenbehandlung Polyektrolytcharakter annehmen.
Beispielsweise, aber nicht erschöpfend, seien genannt:
Positiv geladene Polyektrolyte: Polyvinylamin, Poly(diallyldimethyl-ammoniumchlorid),
Polypyridin, Polyethylenimin.
Negativ geladene Polyelektrolyte: Polyacrylsäure, Polyalkohol, Polystyrolsulfonsäure.
Dem Fachmann sind zahlreich weitere Polyelektrolyte bekannt. Er kann sie einsetzen,
ohne den Schutzbereich der Patentansprüche zu verlassen.
[0021] Geeignete Basen, mit deren Hilfe die Polyelektrolytstärke der erfindungsgemäß einzusetzenden
negativ geladenen Polyelektrolyten eingestellt werden kann, sind beispielsweise, aber
nicht erschöpfend, LiOH, NaOH, KOH, Ca(OH)
2, Mg(OH)
2 und Ba(OH)
2.
Erfindungsgemäß werden ladungstragende Gruppen der eingesetzten Polysäuren zu 0,01
bis 99,99 % vor dem Elektrospinnen neutralisiert, bevorzugt zu 0,1 bis 10 % und besonders
bevorzugt zu 0,1 bis 1 %.
Geeignete Säuren, mit deren Hilfe die Polyelektrolytstärke der erfindungsgemäß einzusetzenden
positiv geladenen Polyelektrolyte eingestellt werden kann, sind beispielsweise, aber
nicht erschöpfend, HCl, HBr, HI, H
2SO
4.
[0022] In einer bevorzugten Ausführungsform werden Fremdionenzusätze entfernt, bevor die
Lösung elektroversponnen wird. Dem Fachmann ist bekannt, wie er Fremdionen entfernen
kann, beispielsweise mit Hilfe von Ionenaustauschern.
[0023] In einer bevorzugten Ausführungsform beträgt das molare Verhältnis der negativ geladenen
zu den positiv geladenen Polyelektrolyten 6:4 bis 4:6, besonders bevorzugt 1:1.
[0024] Bei dem wässrigen Medium, in dem die Polyelektrolyte vorliegen, handelt es sich im
Allgemeinen um Wasser. Das wässrige Medium kann neben Wasser weitere Zusatzstoffe
enthalten, z.B. Zusatzstoffe zur Neutralisation ladungstragender Gruppen oder zur
Veränderung von Leitfähigkeit und Oberflächenspannung der zu verspinnenden Lösung.
Geeignete Zusatzstoffe sind dem Fachmann bekannt. Optional kann die zum Elektrospinnen
eingesetzte wässrige Lösung von Poly-elektrolyten mindestens ein nichtionisches Tensid
enthalten.
Mit Hilfe nichtionischer Tenside können physikalische Eigenschaften der zu ver-spinnenden
wässrigen Polyelektrolytlösungen gezielt verändert werden, beispielsweise Viskosität,
Oberflächenspannung und Leitfähigkeit. Des Weiteren beeinflussen Nichtiontenside die
Verfahrensbedingungen beim Elektrospinnen sowie die Stabilität und die Morphologie
der erhaltenen Fasern, insbesondere im Falle von Meso- und Nanofasern.
[0025] In dem erfindungsgemäßen Verfahren können grundsätzlich beliebige dem Fachmann bekannte
Tenside eingesetzt werden.
[0026] Ohne an eine Theorie gebunden zu sein wird angenommen, dass durch den Einsatz nichtionischer
Tenside eine sterische Stabilisierung der Polyelektrolyte erzielt wird. Dadurch kann
die mechanische Stabilität der mit dem erfindungsgemäßen Verfahren erhaltenen Fasern
verbessert werden. Des Weiteren wurde gefunden, dass durch den Einsatz von nichtionischen
Tensiden die Bildung von Fasern durch Elektrospinning gegenüber einem Versprühen der
wässrigen Poyelektrolytlösung verbessert werden kann. Weiterhin wurde gefunden, dass
durch die Anwesenheit von ionischen Tensiden eine Abnahme der Viskosität der kolloidalen
Dispersion erreicht werden kann, wodurch die Herstellung dünnerer und kompakterer
Fasern als ohne Zusatz von nichtionischen Tensiden möglich ist. Des Weiteren kann
eine Zunahme der Leitfähigkeit der Dispersionen sowie eine Abnahme der Oberflächenspannung
festgestellt werden.
[0027] Geeignete nichtionische Tenside sind dem Fachmann bekannt und werden z.B. aus der
Gruppe bestehend aus (Oligo)oxyalkylengruppen enthaltenden Tensiden, Kohlenhydratgruppen
enthaltenden Tensiden und Aminoxiden ausgewählt.
[0028] Unter "(Oligo)oxyalkylen" -(OR
1)
n- ist dabei zu verstehen, dass die (Oligo)oxyalkylengruppen enthaltenden Tenside eine
oder mehrere Oxyalkylengruppen aufweisen können. In der allgemeinen Formel -(OR
1)
n- bedeutet R
1 eine Alkylengruppe, bevorzugt eine Alkylengruppe mit 2 bis 4 Kohlenstoffatomen und
n steht für eine natürliche Zahl größer oder gleich 1, bevorzugt 3 bis 30. Dabei stellt
n herstellungsbedingt üblicherweise einen Mittelwert der Zahl der Oxalkylengruppen
dar. Wenn n größer als 1 ist, können die Reste R
1 in den Oxalkylengruppen gleich oder verschieden sein.
[0029] Geeignete (Oligo)oxalkylengruppen enthaltende Tenside sind z.B. ausgewählt aus der
Gruppe bestehend aus (Oligo)oxyethylengruppen (= Polyethylenglycolgruppen) enthaltenden
Tensiden, (Oligo)oxypropylengruppen enthaltenden Tensiden, (Oligo)oxybutylengruppen
enthaltenden Tensiden und Tensiden, die zwei oder mehr verschiedene Oxyalkylengruppen,
z.B. (Oligo)oxyethylengruppen und (Oligo)oxypropylengruppen, in statistischer Reihenfolge
oder in Form von Blöcken (Blockcopolymerisat) enthalten, z.B. Blockcopolymerisate
auf Basis von Polypropylenoxid und Ethylenoxid. Bevorzugt sind die (Oligo)oxyalkylengruppen
enthaltenden Tenside ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Fettalkoholalkoxylaten,
alkoxylierten Triglyceriden und beidseitig alkylierten Polyalkylenglykolethern. Geeignete
Alkoxylate oder alkoxylierte Verbindungen sind z.B. Ethoxylate, Propoxylate, Butoxylate
oder statistische oder Blockcopolymere (oder -oligomere) aufgebaut aus zwei oder mehr
verschiedenen Alkoxylaten, z.B. Ethoxylaten und Propoxylaten.
[0030] Geeignete Kohlenhydratgruppen enthaltende Tenside sind z.B. ausgewählt aus der Gruppe
bestehend aus Alkylpolyglycosiden, Saccharoseestern, Sorbinanestern (Sorbitane), z.B.
Polyoxyethylensorbitantrioleat, und Fettsäure-N-methylglucamiden (Fettsäureglucamide).
[0031] Wie aus der vorstehend genannten Gruppe von Tensiden hervorgeht, können die erfindungsgemäß
geeigneten nichtionischen Tenside entweder (Oligo)oxyalkylengruppen oder Kohlenhydratgruppen
oder sowohl (Oligo)oxyalkylengruppen als auch Kohlenhydratgruppen enthalten.
[0032] Geeignete Aminoxide sind insbesondere Alkyldimethylaminoxide.
[0033] Es ist möglich, einzelne Tenside oder Mischungen zweier oder mehrer Tenside in dem
erfindungsgemäßen Verfahren einzusetzen.
[0034] Die vorstehend genannten nichtionischen Tenside sind dem Fachmann bekannt und kommerziell
erhältlich oder nach dem Fachmann bekannten Verfahren herstellbar.
[0035] Die erfindungsgemäßen nichtionischen Tenside können grundsätzlich in solchen Mengen
in den wässrigen Lösungen enthalten sein, die nicht zur Koagulation führen. Die optimalen
Mengen sind dabei unter anderem von dem eingesetzten Tensid und der Anwendungstemperatur
abhängig. Bevorzugt ist das mindestens eine nichtionische Tensid in einer Menge von
0,5 bis 10 Gew.%, besonders bevorzugt 0,3 bis 5 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht
der eingesetzten Polyelektrolyte, in den wässrigen Lösungen enthalten. Es wurde gefunden,
dass besonders gute Verfahrensergebnisse - sowohl in Bezug auf die Bildung der Polymerfasern
als auch in Bezug auf die Qualität, z.B. die mechanische Stabilität der Polymerfasern
- erzielt werden, wenn 0,3 bis 1 Gew.-%, bevorzugt 0,5 bis 1 Gew.%, bezogen auf das
Gesamtgewicht der wässrigen Lösung, des nichtionischen Tensids, z.B. eines Blockcopolymers
auf Basis verschiedener Alkylenoxide, z.B. auf Basis von Propylenoxid und Ethylenoxid,
eingesetzt werden.
[0036] Das gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren in den wässrigen Polyelektrolytlösungen
enthaltene mindestens eine nichtionische Tensid kann entweder bereits während der
Herstellung der wässrigen Polyelektrolytlösungen oder nachträglich im Anschluss an
die Herstellung der wässrigen Polyelektrolytlösungen zugegeben werden. In einer bevorzugten
Ausführungsform wird das mindestens eine nichtionische Tensid nachträglich zu der
fertigen wässrigen Polyelektrolytlösung vor Beginn des Elektrospinnverfahrens zugegeben.
[0037] Ein besonderer Vorteil der vorliegenden Erfindung ist, dass die zu verspinnenden
Polyelektrolyte nicht zwingend vernetzt sein müssen und auch die Vernetzung nach dem
Elektroverspinnen nicht zwingend notwendig ist.
[0038] Optional können jedoch auch Lösungen vernetzter Polyelektrolyte oder Lösungen von
Gemische vernetzter und unvernetzter Polyelektrolyte elektroversponnen werden, und/oder
es kann optional nach dem Elektroverspinnen eine zusätzliche Vernetzung durchgeführt
werden.
[0039] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält
die Lösung umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte neben den gegensinnig geladenen
Polyelektrolyten und dem mindestens einen nichtionischen Tensid zusätzlich wenigstens
ein wasserlösliches Polymer, wobei unter wasserlöslichem Polymer im Sinne der vorliegenden
Erfindung ein Polymer mit einer Löslichkeit in Wasser von mindestens 0,1 Gew.-% verstanden
wird.
[0040] Ohne an eine Theorie gebunden zu sein, kann das bevorzugt zusätzlich in den Lösungen
umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte vorliegende wenigstens eine wasserlösliche
Polymer als sogenanntes Templatpolymer dienen. Mit Hilfe des Templatpolymers wird
die Faserbildung aus der Lösung umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte (Elektrospinning)
gegenüber einem Versprühen (Elektrospraying) weiter begünstigt. Das Templatpolymer
dient dabei als eine Art "Klebstoff" für die Polyelektrolyte in der Spinnlösung.
[0041] Bei dem wasserlöslichen Polymer kann es sich um ein Homopolymer, Copolymer, Blockcopolymer,
Pfropfcopolymer, Sternpolymer, hochverzweigtes Polymer, Dendrimer oder eine Mischung
aus zwei oder mehreren der vorgenannten Polymertypen handeln. Nach den Erkenntnissen
der vorliegenden Erfindung beschleunigt / begünstigt der Zusatz wenigstens eines wasserlöslichen
Polymers nicht nur die Faserbildung. Es wird vielmehr auch die Qualität der erhaltenen
Fasern deutlich verbessert.
[0042] Grundsätzlich können der Lösung umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte in
einem wässrigen Medium alle dem Fachmann bekannten wasserlöslichen Polymere zugesetzt
sein, wobei insbesondere mit aus der aus Polyvinylalkohol; Polyalkylenoxiden, z.B.
Polyethylenoxiden; Poly-N-vinylpyrrolidon; Hydroxymethylcellulosen; Hydroxyethylcellulosen;
Hydroxypropylcellulosen; Carboxymethylcellulosen; Maleinsäuren; Alginaten; Collagenen;
Kombinationen aufgebaut aus zwei oder mehr der vorstehend genannten Polymere bildenden
Monomereinheiten, Copolymeren aufgebaut aus zwei oder mehr die vorstehend genannten
Polymere bildenden Monomereinheiten, Pfropfcopolymeren aufgebaut aus zwei oder mehr
der die vorstehend genannten Polymere bildenden Monomereinheiten, Sternpolymeren aufgebaut
aus zwei oder mehr der die vorstehend genannten Polymere bildenden Monomereinheiten
und Dendrimeren aufgebaut aus zwei oder mehr die vorstehend genannten Polymere bildenden
Monomereinheiten bestehenden Gruppe ausgewählten wasserlöslichen Polymeren besonders
gute Ergebnisse erzielt werden.
[0043] In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist das wasserlösliche
Polymer ausgewählt aus Polyvinylalkohol, Polyethylenoxiden und Poly-N-vinylpyrrolidon.
Die vorstehend genannten wasserlöslichen Polymere sind kommerziell erhältlich bzw.
können gemäß dem Fachmann bekannten Verfahren hergestellt werden.
[0044] Unabhängig von der Ausführungsform beträgt der Feststoffgehalt der erfindungsgemäß
einzusetzenden Lösung umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte - bezogen auf
das Gesamtgewicht der Lösung - vorzugsweise 5 bis 60 Gew.-%, besonders bevorzugt 10
bis 50 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt 10 bis 40 Gew.%.
[0045] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält die in dem erfindungsgemäßen
Verfahren einzusetzende Lösung umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte mindestens
ein nichtionisches Tensid und gegebenenfalls wenigstens ein wasserlösliches Polymer
in einem wässrigen Medium, bezogen auf das Gesamtgewicht der Lösung, 0 bis 25 Gew.-%,
besonders bevorzugt 0,5 bis 20 Gew.% und ganz besonders bevorzugt 1 bis 15 Gew.-%,
wenigstens eines wasserlöslichen Polymers.
[0046] Somit enthalten die erfindungsgemäß eingesetzten Lösungen umfassen gegensinnig geladene
Polyelektrolyte, jeweils bezogen auf die Gesamtmenge der Lösung,
- i. 5 bis 60 Gew.%, bevorzugt 10 bis 50 Gew.-%, besonders bevorzugt 10 bis 40 Gew.-%
an gegensinnig geladenen Polyelektrolyten,
- ii. 0 bis 10 Gew.-%, bevorzugt 0,3 bis 5 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,3 bis 1 Gew.%
wenigstens eines nichtionischen Tensids,
- iii. 0 bis 25 Gew.-%, bevorzugt 0,5 bis 20 Gew.%, besonders bevorzugt 1 bis 15 Gew.%
mindestens einen wasserlöslichen Polymers, und
- iv. 5 bis 94,9 Gew.-%, bevorzugt 10 bis 89,2 Gew.%, besonders bevorzugt 15 bis 88,5
Gew.-% Wasser.
[0047] Das Gewichtsverhältnis von gegensinnig geladenen Polyelektrolyten zu dem bevorzugt
in den wässrigen Lösungen vorliegendenm wasserlöslichen Polymer ist abhängig von den
eingesetzten Polymeren. Beispielsweise können die gegensinnig geladenen Polyelektrolyten
und das bevorzugt eingesetzte wasserlösliche Polymer in einem Gewichtsverhältnis von
10:1, bevorzugt 9:1, besonders bevorzugt 8:2 bis 2:8 eingesetzt werden.
[0048] Die erfindungsgemäß einzusetzende Lösung umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte
kann auf alle dem Fachmann bekannte Arten elektroversponnen werden, beispielsweise
durch Extrusion der Lösung unter geringem Druck durch eine mit einem Pol einer Spannungsquelle
verbundene Kanüle auf eine in Abstand zu dem Kanülenausgang angeordnete Gegenelektrode.
Vorzugsweise wird der Abstand zwischen der Kanüle und der als Kollektor fungierenden
Gegenelektrode sowie die Spannung zwischen den Elektroden derart eingestellt, dass
sich zwischen den Elektroden ein elektrisches Feld von vorzugsweise 0,5 bis 2 kV/cm,
besonders bevorzugt 0,75 bis 1,5 kV/cm und ganz besonders bevorzugt 0,8 bis 1 kV/cm
ausbildet.
[0049] Gute Ergebnisse werden insbesondere erhalten, wenn der Innendurchmesser der Kanüle
50 bis 500 µm beträgt.
[0050] Je nach Verwendungszweck der gewonnenen Fasern kann es zweckmäßig sein, diese nachträglich
chemisch miteinander zu verknüpfen oder z.B. durch einen chemischen Vermittler miteinander
zu vernetzen. Dadurch lässt sich beispielsweise die Stabilität einer von den Fasern
gebildeten Faserlage weiter verbessern, insbesondere in Bezug auf die Wasser- und
Temperaturbeständigkeit.
[0051] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind Fasern, insbesondere Nano-
und Mesofasern, die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlich sind. Die erfindungsgemäßen
Fasern zeichnen sich dadurch aus, dass die auf Grund der erfindungsgemäßen Zugabe
des nichtionischen Tensids gegenüber Fasern, die ohne Zugabe des nichtionischen Tensids
hergestellt werden, optimierte strukturelle und/oder mechanische Eigenschaften, insbesondere
auf die Gleichmäßigkeit, Kompaktheit und Stabilität, aufweisen.
[0052] Vorzugsweise beträgt der Durchmesser der erfindungsgemäßen Fasern 10 nm bis 50 µm,
besonders bevorzugt 50 nm bis 2 µm und ganz besonders bevorzugt 100 nm bis 1 µm. Die
Länge der Fasern hängt vom Verwendungszweck ab und beträgt in der.Regel 50 µm bis
hin zu mehreren Kilometern.
[0053] Des Weiteren betrifft die vorliegende Erfindung Lösungen umfassend gegensinnig geladene
Polyelektrolyte in einem wässrigen Medium, welche zudem wenigstens 0,5 Gew.-% eines
wasserlöslichen Polymers mit einer Löslichkeit in Wasser von mindestens 0,1 Gew.-%
und mindestens ein nichtionisches Tensid enthalten.
[0054] In einer bevorzugten Ausführungsform enthalten die erfindungsgemäßen Lösungen umfassend
gegensinnig geladene Polyelektrolyte, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der Lösung,
- i. 5 bis 60 Gew.-%, bevorzugt 10 bis 50 Gew.-%, besonders bevorzugt 10 bis 40 Gew.-%
gegensinnig geladene Polyelektrolyte,
- ii. 0 bis 10 Gew.%, bevorzugt 0,3 bis 5 Gew.%, besonders bevorzugt 0,3 bis 1 Gew.-%
wenigstens eines nichtionischen Tensid,
- iii. 0 bis 25 Gew.%, bevorzugt 0,5 bis 20 Gew.%, besonders bevorzugt 1 bis 15 Gew.-%
mindestens einen wasserlöslichen Polymers, und
- iv. 5 bis 94,9 Gew.%, bevorzugt 10 bis 89,2 Gew.%, besonders bevorzugt 15 bis 88,5
Gew.% Wasser.
[0055] Geeignete gegensinnig geladene Polyelektrolyte, wässrige Medien, wasserlösliche Polymere
und nichtionische Tenside und geeignete Mengen dieser Komponenten in den Lösungen
umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte sind vorstehend genannt. Die erfindungsgemäßen
Lösungen umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte werden bevorzugt in dem erfindungsgemäßen
Verfahren eingesetzt.
[0056] Des Weiteren betrifft die vorliegende Erfindung die Verwendung der oben genannte
Lösung in einem Verfahren zur Herstellung von Polymerfasern durch ein Elektrospinnverfahren.
[0057] Ein bevorzugtes Elektrospinnverfahren und geeignete Tenside hierzu sind vorstehend
genannt.
[0058] Durch die Verwendung der nichtionischen Tenside in dem Elektrospinnverfahren kann
zum Einen eine Verbesserung des Elektrospinnverfahrens im Hinblick auf eine Begünstigung
der Faserbildung (Elektrospinning) gegenüber einem Versprühen der bevorzugt in dem
Elektrospinnverfahren eingesetzten kolloidalen Dispersion erzielt werden. Zum Anderen
können die strukturellen und mechanischen Eigenschaften der gemäß dem Elektrospinnverfahren
hergestellten Polymerfasern verbessert werden, insbesondere in Bezug auf die Faserqualität,
Gleichmäßigkeit und Stabilität und die Verspinnbarkeit der Fasern.
[0059] Weitere Ziele, Merkmale, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der Erfindung ergeben
sich aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen und den Zeichnungen.
Dabei bilden alle beschriebenen und/oder bildlich dargestellten Merkmale für sich
oder in beliebiger Kombination den Gegenstand der Erfindung, unabhängig von ihrer
Zusammenfassung in den Ansprüchen oder deren Rückbeziehung.
Ausführungsbeispiele
[0060] Es wurden zwei technisch verfügbare Polyelektrolyte eingesetzt:
Polyacrylsäure (PAS) und
Poly(diallyldimethylammoniumchlorid) (Poly(DADMAC)).
[0061] Es wurden eine 25 % Gew.-%ige Lösung von PAS und eine Lösung mit 20 Gew.-% Poly(DADMAC)
angesetzt.
[0062] Des Weiteren wurde eine wässrige NaOH-Lösung mit 4 Gew.% NaOH angesetzt. 1 g dieser
Lösung wurde entnommen und mit H
2O auf 20 g aufgefüllt.
[0063] Es wurden PAS/ Poly(DADMAC)-Lösungen im Verhältnis 1:1 hergestellt, d.h. 1 g PAS-Lösung
wurde jeweils mit 1,25 g Poly(DADMAC)-Lösung gemischt und elektroversponnen.
[0064] Ein Teil der Acrylsäure-Gruppen wurde mit obiger NaOH-Lösung neutralisiert (Versuche
2 bis 5). Beim Kontrollversuch (Versuch 1) erfolgte keine Neutralisation der Acrylsäuregruppen.
[0065] Die Fasern wurde nach dem Elektrospinnen jeweils für 1 h bei 20 °C mit Wasser behandelt,
um das Ausmaß einer möglichen Desintegration der elektrogesponnenen Fasern zu ermitteln.
[0066] Die Fasern des Kontrollversuchs wurden nach der Wasserbehandlung unter dem Digitalmikroskop
untersucht und fotografiert.
[0067] Diejenigen Fasern, bei denen die Acrylsäuregruppen vor dem Elektrospinnen teilweise
mit NaOH neutralisiert worden waren, wurden sowohl unmittelbar nach dem
[0068] Spinnen (d.h. vor Wasserbehandlung) als auch nach 1 h Wasserbehandlung bei 20 °C
unter dem Rasterelektronenmikroskop untersuch t und fotografiert.
[0069] Die Elektrospinnbedingungen zeigt Tab. 1:
Tab. 1: Elektrospinnbedingungen für die PAS / Poly(DADMAC)-Fasern
| Abstand Kanüle/Gegenelektrode: |
20 cm |
| Spannung (Kanüle): |
20 kV |
| Spannung (Gegenelektrode): |
5 kV |
| Vorschub (Spritze): |
Stufe 1 |
| Luftfeuchte: |
50% |
| Temperatur: |
15 °C |
| Kanülendurchmesser: |
0,55 mm |
| Spritze: |
1 mL |
[0070] Eine Übersicht über die Versuche 1 bis 5 gibt Tabelle 2:
Tab. 2: Neutralisation und Nachbehandlung der Fasern
| Versuch |
Anteil der mit 0,2%-iger NaOH neutralisierten Säuregruppen |
Wasserbehandlung der Fasern nach Elektrospinnen |
siehe Figur |
| 1 |
- |
1 h |
2 |
| 2 |
0,1 % |
- |
3 |
| 3 |
0,1 % |
1 h |
4 |
| 4 |
1 % |
- |
5 |
| 5 |
1 % |
1 h |
6 |
Bezugszeichenliste
[0071]
- 1
- Spannungsquelle
- 2
- Kapillardüse
- 3
- Spritze
- 4
- Polyelektrolytlösung
- 5
- Gegenelektrode
- 6
- Faserbildung
- 7
- Fasermatte
Abbildungslegenden
[0072]
Fig. 1
Fig 1 zeigt eine schematische Darstellung einer zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Elektrospinnverfahrens geeigneten Vorrichtung.
Die Vorrichtung umfasst eine Spritze 3, an deren Spitze sich eine Kapillardüse 2 befindet. Diese Kapillardüse 2 ist mit einem Pol einer Spannungsquelle 1 verbunden. Die Spritze 3 nimmt die zu verspinnenden Polyelektrolytlösungen 4 auf. Gegenüber dem Ausgang der Kapillardüse 2 ist in einem Abstand von etwa 20 cm eine mit dem anderen Pol der Spannungsquelle
1 verbundene Gegenelektrode 5 angeordnet, die als Kollektor für die gebildeten Fasern fungiert.
Während der Betriebs der Vorrichtung wird an den Elektroden 2 und 5 eine Spannung zwischen 18 kV und 35 kV eingestellt und die Polyelektrolytlösung 4 unter einem geringen Druck durch die Kapillardüse 2 der Spritze 3 ausgetragen. Auf Grund der durch das starke elektrische Feld von 0,9 bis 2 kV/cm
erfolgenden elektrostatischen Aufladung der Polyelektrolyte in der Lösung entsteht
ein auf die Gegenelektrode 5 gerichteter Materialstrom, der sich auf dem Wege zur Gegenelektrode 5 unter Faserbildung 6 verfestigt, infolge dessen sich auf der Gegenelekrode 5 Fasern 7 mit Durchmessern im Mikro- und Nanometerbereich abscheiden.
Fig. 2:
Digitalmikroskopische Aufnahme elektrogesponnener Polyelektrolytkomplexfasern (PEKOF)
mit Polyacrylsäure (PAS) : Poly(DADMAC) = 1 : 1. Bei der Herstellung dieser Fasern
wurde die Polyacrylsäure vor dem Spinnen nicht neutralisiert ( 0 % neutralisiert).
Die Fasern wurden nach dem Spinnen einer einstündigen Wasserbehandlung bei 20 °C unterzogen.
Fig. 2 zeigt die Fasern nach dieser einstündigen Wasserbehandlung bei 20 °C.
Fig. 3
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme elektrogesponnener PEKOF mit Polyacrylsäure
(PAS) : Poly(DADMAC) = 1 : 1. Vor dem Spinnen wurden 0,1 % der Acrylsäuregruppen mit
einer 0,2 Gew.% NaOH-Lösung neutralisiert. Fig. 3 zeigt diese Fasern unmittelbar nach
dem Spinnen und vor der Wasserbehandlung.
Fig. 4
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme elektrogesponnener PEKOF mit Polyacrylsäure
(PAS) : Poly(DADMAC) = 1 : 1. Vor dem Spinnen wurden 0,1 % der Acrylsäuregruppen mit
einer 0,2 Gew.% NaOH-Lösung neutralisiert. Nach dem Spinnen wurden die Fasern einer
einstündigen Wasserbehandlung bei 20 °C unterzogen. Fig. 4. zeigt die Fasern nach
einstündiger Wasserbehandlung bei 20 °C.
Fig. 5
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme elektrogesponnener PEKOF mit Polyacrylsäure
(PAS) : Poly(DADMAC) = 1 : 1. Vor dem Spinnen wurden 1 % der Acrylsäuregruppen mit
einer 0,2 Gew.% NaOH-Lösung neutralisiert. Fig. 5 zeigt diese Fasern unmittelbar nach
dem Spinnen und vor der Wasserbehandlung.
Fig. 6
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme elektrogesponnener PEKOF mit Polyacrylsäure
(PAS) : Poly(DADMAC) = 1 : 1. Vor dem Spinnen wurden 1 % der Acrylsäuregruppen mit
einer 0,2 Gew.-% NaOH-Lösung neutralisiert. Nach dem Spinnen wurden die Fasern einer
einstündigen Wasserbehandlung bei 20 °C unterzogen. Fig. 6. zeigt die Fasern nach
einstündiger Wasserbehandlung bei 20 °C.
1. Verfahren zur Herstellung von Polymerfasern, wobei eine wässrige Lösung umfassend
gegensinnig geladene Polyelektrolyte elektroversponnen wird, dadurch gekennzeichnet, dass die ladungstragenden Gruppen der eingesetzten Polysäuren vor dem Elektrospinnen zu
0,01 bis 99,99 % neutralisiert werden.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass positiv geladene Polyelektrolyte ausgewählt aus der Gruppe Polyvinylamin, Poly(diallyldimethylammoniumchlorid),
Polypyridin und Polyethylenimin eingesetzt werden.
3. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass negativ geladene Polyelektrolyte ausgewählt aus der Gruppe Polyacrylsäure, Polyalkohol
und Polystyrolsulfonsäure eingesetzt werden.
4. Verfahren gemäß Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die ladungstragenden Gruppen der eingesetzten Polysäuren vor dem Elektrospinnen zu
zu 0,1 bis 10 %, bevorzugt zu 0,1 bis 1 %, neutralisiert werden.
5. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass Fremdionenzusätze vor dem Elektrospinnen entfernt werden.
6. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das molare Verhältnis der negativ geladenen zu den positiv geladenen Polyelektrolyten
6:4 bis 4:6 beträgt, bevorzugt 1:1.
7. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die wässrige Lösung umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte des Weiteren mindestens
ein nichtionisches Tensid enthält.
8. Verfahren gemäß Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine nichtionische Tensid in einer Menge von 0,1 bis 10 Gew.-%, bevorzugt
0,3 bis 5 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,3 bis 1 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt 0,5
bis 1 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der wässrigen Lösung, eingesetzt wird.
9. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die wässrige Lösung umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte zusätzlich mindestens
ein wasserlösliches Polymer mit einer Löslichkeit in Wasser von mindestens 0,1 Gew.-%
enthält.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Feststoffgehalt der wässrigen Lösung, bezogen auf das Gesamtgewicht der Lösung,
5 bis 60 Gew.%, bevorzugt 10 bis 50 Gew.-%, besonders bevorzugt 10 bis 40 Gew.-% beträgt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Lösung, bezogen auf das Gesamtgewicht der Lösung, 0 bis 25 Gew.-%, bevorzugt
0,5 bis 20 Gew.-% und besonders bevorzugt 1 bis 15 Gew.-% eines wasserslöslichen Polymers
enthält.
12. Faser erhältlich durch ein Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 11.
13. Faser nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass diese einen Durchmesser von 10 nm bis 50 µm, bevorzugt 50 nm bis 2 µm und besonders
bevorzugt von 100 nm bis 1 µm aufweist wobei die Faser eine Länge von mindestens 50
µm aufweist.
14. Wässrige Lösung umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte sowie, jeweils bezogen
auf das Gesamtgewicht der Lösung,
i. 10 bis 40 Gew.-% gegensinnig geladene Polyelektrolyte,
ii. 0,3 bis 1 Gew.-% wenigstens eines nichtionischen Tensids,
iii. 1 bis 15 Gew.-% mindestens eines wasserlöslichen Polymers und
iv. 15 bis 88,5 Gew.-% Wasser.
15. Verwendung einer wässrigen Lösung gemäß Anspruch 14 in einem Verfahren zur Herstellung
von Polymerfasern, wobei eine wässrige Lösung umfassend gegensinnig geladene Polyelektrolyte
elektroversponnen wird und die ladungstragenden Gruppen der eingesetzten Polysäuren
vor dem Elektrospinnen zu 0,01 bis 99,99 % neutralisiert werden.
1. Method for producing polymer fibres, an aqueous solution comprising polyelectrolytes
of opposite charge being electrospun, characterised in that the charge-carrying groups of polyacids used are neutralised to 0.01 to 99.99 % before
electrospinning.
2. Method according to claim 1, characterised in that positively charged polyelectrolytes selected from among the group containing polyvinylamine,
poly(diallydimethylammonium chloride), polypyridine and polyethyleneimine are used.
3. Method according to either claim 1 or claim 2, characterised in that negatively charged polyelectrolytes selected from among the group containing polyacrylic
acid, polyalcohol and polystyrene sulfonic acid are used.
4. Method according to claim 3, characterised in that the charge-carrying groups of polyacids used are neutralised to 0.1 % to 10 %, preferably
to 0.1 % to 1 %, before electrospinning.
5. Method according to any of claims 1 to 4, characterised in that foreign-ion additives are removed prior to electrospinning.
6. Method according to any of claims 1 to 5, characterised in that the molar ratio of the negatively charged to the positively charged polyelectrolytes
is 6:4 to 4:6, preferably 1:1.
7. Method according to any of claims 1 to 6, characterised in that the aqueous solution comprising polyelectrolytes of opposite charge further contains
at least one non-ionic surfactant.
8. Method according to claim 7, characterised in that the at least one non-ionic surfactant is used in an amount of from 0.1 to 10 % by
weight, preferably from 0.3 to 5 % by weight, particularly preferably from 0.3 to
1 % by weight, most preferably from 0.5 to 1 % by weight, in relation to the total
weight of the aqueous solution.
9. Method according to any of claims 1 to 8, characterised in that the aqueous solution comprising polyelectrolytes of opposite charge additionally
contains at least one water-soluble polymer having a solubility in water of at least
0.1 % by weight.
10. Method according to any of claims 1 to 9, characterised in that the solids content of the aqueous solution, in relation to the total weight of the
solution, is 5 to 60 % by weight, preferably 10 to 50 % by weight, particularly preferably
10 to 40 % by weight.
11. Method according to any of claims 1 to 10, characterised in that the solution contains 0 to 25 % by weight of a water-soluble polymer, preferably
0.5 to 20 % by weight and particularly preferably 1 to 15 % by weight, in relation
to the total weight of the solution.
12. Fibre obtained by a method according to any of claims 1 to 11.
13. Fibre according to claim 12, characterised in that said fibre has a diameter of from 10 nm to 50 µm, preferably from 50 nm to 2 µm,
and particularly preferably from 100 nm to 1 µm, the fibre having a length of at least
50 µm.
14. Aqueous solution comprising polyelectrolytes of opposite charge and, in relation to
the total weight of the solution in each case,
i. 10 to 40 % by weight of polyelectrolytes of opposite charge,
ii. 0.3 to 1 % by weight of at least one non-ionic surfactant,
iii. 1 to 15 % by weight of at least on water-soluble polymer and
iv. 15 to 88.5 % by weight water.
15. Use of an aqueous solution according to claim 14 in a method for producing polymer
fibres, wherein an aqueous solution comprising polyelectrolytes of opposite charge
is electrospun and the charge-carrying groups of polyacids used are neutralised to
0.01 to 99.99 % prior to electrospinning.
1. Procédé de fabrication de fibres polymères, dans lequel une solution aqueuse comprenant
des polyélectrolytes à charges opposées est électrofilée, caractérisé en ce que les groupements porteurs de charges des polyacides utilisés sont neutralisés à 0,01
à 99,99 % avant l'électrofilage.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'on utilise des polyélectrolytes à charge positive choisis dans le groupe de la
polyvinylamine, du poly(chlorure de diallyl-diméthylammonium), de la polypyridine
et de la polyéthylèneimine.
3. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 ou 2, caractérisé en ce que l'on utilise des polyélectrolytes à charge négative choisis dans le groupe de l'acide
polyacrylique, des polyalcools et de l'acide polystyrènesulfonique.
4. Procédé selon la revendication 3, caractérisé en ce que les groupements porteurs de charges des polyacides utilisés sont neutralisés à 0,1
à 10 %, de préférence à 0,1 à 1 %, avant l'électrofilage.
5. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que l'on élimine les additions d'ions étrangers avant l'électrofilage.
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que le rapport molaire des polyélectrolytes à charge négative aux polyélectrolytes à
charge positive est de 6:4 à 4:6, de préférence de 1:1.
7. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 6, caractérisé en ce que la solution aqueuse comprenant des polyélectrolytes à charges opposées contient par
ailleurs au moins un agent tensioactif non ionique.
8. Procédé selon la revendication 7, caractérisé en ce que le au moins un agent tensioactif non ionique est utilisé en quantité de 0,1 à 10
% en poids, de préférence de 0,3 à 5 % en poids, mieux encore de 0,3 à 1 % en poids,
bien mieux encore de 0,5 à 1 % en poids, par rapport au poids total de la solution
aqueuse.
9. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 8, caractérisé en ce que la solution aqueuse comprenant des polyélectrolytes à charges opposées contient en
outre au moins un polymère hydrosoluble avec une solubilité dans l'eau d'au moins
0,1 % en poids.
10. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 9, caractérisé en ce que la teneur en solides de la solution aqueuse, par rapport au poids total de la solution,
atteint 5 à 60 % en poids, de préférence 10 à 50 % en poids, mieux encore 10 à 40
% en poids.
11. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 10, caractérisé en ce que la solution contient, par rapport au poids total de la solution, 0 à 25 % en poids,
de préférence 0,5 à 20 % en poids et, mieux encore, 1 à 15 % en poids d'un polymère
hydrosoluble.
12. Fibre obtenue par un procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 11.
13. Fibre selon la revendication 12, caractérisée en ce qu'elle présente un diamètre de 10 nm à 50 nm, de préférence de 50 nm à 2 µm, mieux encore
de 100 nm à 1 µm, la fibre ayant une longueur d'au moins 50 µm.
14. Solution aqueuse comprenant des polyélectrolytes à charges opposées ainsi que, respectivement
par rapport au poids total de la solution,
i. 10 à 40 % en poids de polyélectrolytes à charges opposées,
ii. 0,3 à 1 % en poids d'au moins un agent tensioactif non ionique,
iii. 1 à 15 % en poids d'au moins un polymère hydrosoluble et
iv. 15 à 88,5 % en poids d'eau.
15. Utilisation d'une solution aqueuse selon la revendication 14 dans un procédé de fabrication
de fibres polymères, dans lequel une solution aqueuse comprenant des polyélectrolytes
à charges opposées est électrofilée et les groupements porteurs de charges des polyacides
utilisés sont neutralisés à 0,01 à 99,99 % avant l'électrofilage.