[0001] Die Erfindung betrifft ein beschichtetes Implantat mit einem Grundkörper aus einer
biokorrodierbaren Magnesiumlegierung.
Stand der Technik und Hintergrund der Erfindung
[0002] Implantate haben in vielfältiger Ausführungsform Anwendung in der modernen Medizintechnik
gefunden. Sie dienen beispielsweise der Unterstützung von Gefäßen, Hohlorganen und
Gangsystemen (Endovaskuläre Implantate, z.B. Stents), zur Befestigung und temporären
Fixierung von Gewebeimplantaten und Gewebstransplantationen, aber auch zu orthopädischen
Zwecken, zum Beispiel als Nagel, Platte oder Schraube. Eine besonders häufig verwendete
Form eines Implantats ist der Stent.
[0003] Die Implantation von Stents hat sich als eine der wirkungsvollsten therapeutischen
Maßnahmen bei der Behandlung von Gefäßerkrankungen etabliert. Stents haben den Zweck,
in Hohlorganen eines Patienten eine Stützfunktion zu übernehmen. Stents herkömmlicher
Bauart weisen dazu eine filigrane Tragstruktur aus metallischen Streben auf, die zur
Einbringung in den Körper zunächst in einer komprimierten Form vorliegt und am Ort
der Applikation aufgeweitet wird. Einer der Hauptanwendungsbereiche solcher Stents
ist das dauerhafte oder temporäre Weiten und Offenhalten von Gefäßverengungen, insbesondere
von Verengungen (Stenosen) der Herzkranzgefäße. Daneben sind beispielsweise auch A-neurysmenstents
bekannt, die vorrangig zur Abdichtung des Aneuryrismas dienen. Die Stützfunktion ist
zusätzlich gegeben.
[0004] Stents besitzen eine Umfangswandung von ausreichender Tragkraft, um das verengte
Gefäß im gewünschten Maße offen zu halten, und einen rohrförmigen Grundkörper durch
den der Blutfluss ungehindert weiterläuft. Die Umfangswandung wird in der Regel von
einer gitterartigen Tragstruktur gebildet, die es erlaubt, den Stent in einem komprimierten
Zustand mit kleinem Außendurchmesser bis zur zu behandelnden Engstelle des jeweiligen
Gefäßes einzuführen und dort beispielsweise mit Hilfe eines Ballonkatheters soweit
aufzuweiten, dass das Gefäß den gewünschten, vergrößerten Innendurchmesser aufweist.
Alternativ besitzen Form-Gedächtnis-Materialien wie Nitinol die Fähigkeit zur Selbstexpansion,
wenn eine Rückstellkraft wegfällt, die das Implantat auf einem kleinen Durchmesser
hält. Die Rückstellkraft wird in der Regel durch einen Schutzschlauch auf das Material
ausgeübt.
[0005] Das Implantat, insbesondere der Stent, besitzt einen Grundkörper aus einem Implantatwerkstoff.
Ein Implantatwerkstoff ist ein nicht lebendes Material, das für eine Anwendung in
der Medizin eingesetzt wird und mit biologischen Systemen in Wechselwirkung tritt.
Grundvoraussetzungen für den Einsatz eines Werkstoffes als Implantatwerkstoff, der
bei bestimmungsgemäßen Zweck mit der Körperumgebung in Kontakt steht, ist dessen Körperverträglichkeit
(Biokompatibilität). Unter Biokompatibilität wird die Fähigkeit eines Werkstoffes
verstanden, in einer spezifischen Anwendung eine angemessene Gewebereaktion hervorzurufen.
Dies beinhaltet eine Anpassung der chemischen, physikalischen, biologischen und morphologischen
Oberflächeneigenschaften eines Implantates an das Empfängergewebe mit dem Ziel einer
klinisch erwünschten Wechselwirkung. Die Biokompatibilität des Implantatswerkstoffs
ist weiterhin abhängig vom zeitlichen Ablauf der Reaktion des Biosystems in das implantiert
wird. So treten relativ kurzfristig Reizungen und Entzündungen auf, die zu Gewebeveränderungen
führen können. Biologische Systeme reagieren demnach in Abhängigkeit von den Eigenschaften
des Implantatswerkstoffs in verschiedener Weise. Entsprechend der Reaktion des Biosystems
können die Implantatswerkstoffe in bioaktive, bioinerte und degradierbare/resorbierbare
Werkstoffe unterteilt werden.
[0006] Implantatwerkstoffe umfassen Polymere, metallische Werkstoffe und keramische Materialien
(zum Beispiel als Beschichtung). Biokompatible Metalle und Metalllegierungen für Permanentimplantate
beinhalten beispielsweise rostfreie Stähle (zum Beispiel 316L), Kobaltbasislegierungen
(zum Beispiel CoCrMo-Gußlegierungen, CoCrMo-Schmiedelegierungen, CoCrWNi-Schmiedelegierungen
und CoCrNiMo-Schmiedelegierungen), Reintitan und Titanlegierungen (z. B. cp Titan,
TiA16V4 oder Ti-A16Nb7) und Goldlegierungen. Im Bereich biokorrodierbarer Stents wird
der Einsatz von Magnesium oder Reineisen sowie biokorrodierbaren Basislegierungen
der Elemente Magnesium, Eisen, Zink, Molybdän und Wolfram vorgeschlagen. Die vorliegende
Erfindung befasst sich mit biokorrodierbaren Basislegierungen des Magnesiums.
[0007] Bekannt ist ferner, dass sich ein höheres Maß an Biokompatibilität erreichen lässt,
wenn Implantatwerkstoffe mit Beschichtungen aus besonders gewebsverträglichen Materialien
versehen werden. Diese Materialien sind zumeist organischer oder synthetisch-polymerer
Natur und teils natürlichen Ursprungs. Weitere Strategien zur Vermeidung der Restenose
konzentrieren sich darauf, die Proliferation durch Medikation, z. B. Behandlung mit
Cytostatika, zu hemmen. Die Wirkstoffe können zum Beispiel auf der Implantatoberfläche
in Form einer Beschichtung bereitgestellt werden.
[0008] Der Einsatz biokorrodierbarer Magnesiumlegierungen für temporäre Implantate mit filigranen
Strukturen ist insbesondere dadurch erschwert, als dass die Degradation des Implantats
in vivo sehr rasch verläuft. Um die Korrosionsrate, d. h. die Abbaugeschwindigkeit,
zu mindern, sind verschiedene Ansätze in der Diskussion. Zum Einen wird versucht,
auf Seiten des Implantatswirkstoffs durch entsprechende Legierungsentwicklung die
Degradation zu verlangsamen. Zum Anderen sollen Beschichtungen eine temporäre Hemmung
des Abbaus bewirken. Letzterer Ansatz erfordert demnach, dass die Beschichtung für
einen reproduzierbaren Zeitraum die Korrosion verhindert oder hemmt, dann jedoch rasch
eine vollständige Auflösung des Implantats ermöglicht.
Zusammenfassung der Erfindung
[0009] Ein oder mehrere der zuvor angesprochenen Nachteile des Standes der Technik werden
mit Hilfe des erfindungsgemäßen Implantats mit einem Grundkörper aus einer biokorrodierbaren
Magnesiumlegierung und einer Beschichtung gelöst oder zumindest gemindert. Die Beschichtung
des Implantats umfasst:
- (i) eine auf dem Grundkörper aufgetragene Grundschicht aus einem basischen Polymer
mit einer Repetiereinheit, die Einheiten der Formeln (1) oder (2) enthält

und
- (ii) eine polymere Deckschicht, die direkt auf der Grundschicht aufgetragen ist.
[0010] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass sich die Korrosion von Implantaten
aus biokorrodierbaren Magnesiumlegierungen dadurch zeitlich hinauszögern lässt, dass
eine doppellagige polymere Beschichtung aus einer auf dem Grundkörper aufgetragenen
Grundschicht und einer diese Grundschicht abdeckenden Deckschicht aufgebracht wird.
Das Polymer der Grundschicht weist eine Imidgruppe der Formel (1) oder ein Amid-Ammonium-Salz
der Formel (2) als einen basischen Bestandteil seiner Repetiereinheit auf. Durch eine
basische Mikroumgebung an der Oberfläche des Grundkörpers wird der Abbau der Magnesiumlegierung
verzögert. Die basische Mikroumgebung wird durch das Polymer der Grundschicht erzeugt,
das in den Repetiereinheiten die genannte Gruppe aufweist. Durch ein Schichtsystem,
bestehend aus einer Lewisbase und einer polymeren Deckschicht, kann das chemische
Potential lokal verändert werden.
[0011] Vorzugsweise ist das basische Polymer der Grundschicht ein Polymer der Formel (3)
oder (4):

wobei j, k, 1 und m so gewählt sind, dass das Polymer eine Molmasse im Bereich von
50.000 bis 100.000 g/mol, insbesondere 80.000 bis 90.000 g/mol, aufweist. Diese Molmassenbereiche
haben sich in der experimentellen Testung als besonders vorteilhaft erwiesen. Vorzugsweise
ist j = k und 1 = m. Polymere, die unter Formel (3) (Polyisobutylen-alt-maleimid;
CAS-Nr: 89360-06-5) und Formel (4) (CAS-Nr: 52032-17-4) fallen, sind kommerziell erhältlich.
[0012] Nach einer weiteren bevorzugten Variante enthält die Deckschicht Polylactid-co-Glycolid
(PLGA) oder besteht aus diesem Polymer. Die Deckschicht kann insbesondere einen Wirkstoff
enthalten.
[0013] Eine Beschichtung im Sinne der Erfindung ist eine zumindest abschnittsweise Auftragung
der Komponenten der Beschichtung auf den Grundkörper des Implantats. Vorzugsweise
wird die gesamte Oberfläche des Grundkörpers des Implantats von der Beschichtung bedeckt.
Eine Schichtdicke liegt vorzugsweise im Bereich von 1 nm bis 100 µm, besonders bevorzugt
300 nm bis 15 µm. Die erfindungsgemäße Beschichtung kann direkt auf die Implantatoberfläche
aufgetragen werden oder es sind weitere Zwischenschichten vorgesehen; so kann gegebenenfalls
der Grundkörper des Implantats eine anorganische Grundschicht aufweisen, die die Haftung
der erfindungsgemäßen Beschichtung verbessert. Auf die erfindungsgemäße Beschichtung
können weitere Schichten aufgetragen werden (zum Beispiel so genannte top coat - Schichten).
Verfahren zur Beschichtung von Implantaten sind dem Fachmann bekannt.
[0014] Als biokorrodierbar im Sinne der Erfindung werden Legierungen bezeichnet, bei denen
in physiologischer Umgebung ein Abbau/Umbau stattfindet, so dass der aus dem Werkstoff
bestehende Teil des Implantates ganz oder zumindest überwiegend nicht mehr vorhanden
ist.
[0015] Unter Magnesiumlegierung wird vorliegend ein metallisches Gefüge verstanden, dessen
Hauptkomponente Magnesium ist. Hauptkomponente ist die Legierungskomponente, deren
Gewichtsanteil an der Legierung am höchsten ist. Ein Anteil der Hauptkomponente beträgt
vorzugsweise mehr als 50 Gew.%, insbesondere mehr als 70 Gew.%. Die Legierung ist
so in ihrer Zusammensetzung zu wählen, dass sie biokorrodierbar ist. Als Prüfmedium
zur Testung des Korrosionsverhaltens einer in Frage kommenden Legierung dient künstliches
Plasma, wie es nach EN ISO 10993-15:2000 für Biokorrosionsuntersuchungen vorgeschrieben
ist (Zusammensetzung NaCl 6,8 g/l, CaCl
2 0,2 g/l, KCl 0,4 g/l, MgSO
4 0,1 g/l, NaHCO
3 2,2 g/l, Na
2HPO
4 0,126 g/l, NaH
2PO
4 0,026 g/l). Eine Probe der zu untersuchenden Legierung wird dazu in einem verschlossenen
Probenbehälter mit einer definierten Menge des Prüfmediums bei 37 °C und pH 7,38 gelagert.
In zeitlichen Abständen - abgestimmt auf das zu erwartende Korrosionsverhalten - von
wenigen Stunden bis zu mehreren Monaten werden die Proben entnommen und in bekannter
Weise auf Korrosionsspuren untersucht. Das künstliche Plasma nach EN ISO 10993-15:2000
entspricht einem blutähnlichen Medium und stellt damit eine Möglichkeit dar, eine
physiologische Umgebung im Sinne der Erfindung reproduzierbar nachzustellen.
[0016] Der Begriff Korrosion bezieht sich vorliegend auf die Reaktion eines metallischen
Werkstoffes mit seiner Umgebung, wobei eine messbare Veränderung des Werkstoffs bewirkt
wird, die ― bei Einsatz des Werkstoffs in einem Bauteil - zu einer Beeinträchtigung
der Funktion des Bauteils führt. Ein Korrosionssystem besteht hier aus dem korrodierenden
metallischen Werkstoff sowie einem flüssigen Korrosionsmedium, das in seiner Zusammensetzung
die Verhältnisse in physiologischer Umgebung nachstellt oder ein physiologisches Medium,
insbesondere Blut ist. Werkstoffseitig beeinflussen die Korrosion Faktoren, wie die
Zusammensetzung und Vorbehandlung der Legierung, mikro- und submikroskopische Inhomogenitäten,
Randzoneneigenschaften, Temperatur- und Spannungszustand und insbesondere die Zusammensetzung
einer die Oberfläche bedeckenden Schicht. Auf Seiten des Mediums wird der Korrosionsprozess
durch Leitfähigkeit, Temperatur, Temperaturgradienten, Azidität, Salinität, Volumen-Oberflächen-Verhältnis,
Konzentrationsunterschied sowie Strömungsgeschwindigkeit beeinflusst.
[0017] An der Phasengrenzfläche zwischen Werkstoff und Medium laufen Redox-Reaktionen ab.
Für eine schützende bzw. hemmende Wirkung müssen vorhandene Schutzschichten und/oder
die Produkte der Redox-Reaktionen eine gegen das Korrosionsmedium ausreichend dichte
Struktur ausbilden, eine bezogen auf die Umgebung erhöhte thermodynamische Stabilität
aufweisen und im Korrosionsmedium wenig löslich oder unlöslich sein. In der Phasengrenzfläche,
genauer in einer sich in diesem Bereich ausbildenden Doppelschicht, laufen Ad- und
Desorptionsprozesse ab. Die Vorgänge in der Doppelschicht sind geprägt von den dort
ablaufenden Transport- und Diffusionsprozessen. Bei Magnesiumlegierungen ist in der
Regel eine allmähliche Alkalisierung der Doppelschicht zu beobachten. Fremdstoffablagerungen,
Verunreinigungen und Korrosionsprodukte beeinflussen den Korrosionsprozess. Die Vorgänge
bei der Korrosion, insbesondere der Geschwindigkeitsbestimmende Schritt, sind demnach
hoch komplex und lassen sich gerade im Zusammenhang mit einem physiologischen Korrosionsmedium,
also Blut oder künstlichem Plasma, nicht oder nur im geringen Umfang voraussagen,
da Vergleichsdaten fehlen. Schon aus diesem Grunde ist das Auffinden einer korrosionshemmenden
Beschichtung, d. h. einer Beschichtung, die nur zur temporären Herabsetzung der Korrosionsrate
eines metallischen Werkstoffs der weiter oben genannten Zusammensetzung in physiologischer
Umgebung dient, eine außerhalb der Routine eines Fachmanns liegende Maßnahme. Dies
gilt insbesondere für Stents, welche bei der Implantation lokal hohen plastischen
Verformungen ausgesetzt sind. Konventionelle Ansätze mit starren korrosionshemmenden
Schichten sind unter derartigen Voraussetzungen ungeeignet.
[0018] Der Vorgang der Korrosion lässt sich durch Angabe einer Korrosionsrate quantifizieren.
Ein zügiger Abbau ist mit einer hohen Korrosionsrate verbunden, und umgekehrt. Bezogen
auf den Abbau des gesamten Formkörpers wird ein im Sinne der Erfindung beschichtetes
Implantat zur Herabsetzung der Korrosionsrate führen. Die erfindungsgemäße korrosionshemmende
Beschichtung kann im Laufe der Zeit selbst abgebaut werden bzw. kann die von ihr abgedeckten
Bereiche des Implantats nur noch in einem immer geringeren Umfang schützen. Daher
ist der Verlauf der Korrosionsrate für das gesamte Implantat nicht linear. Vielmehr
ergibt sich zu Beginn der einsetzenden korrosiven Prozesse eine relativ niedrige Korrosionsrate,
die im Laufe der Zeit ansteigt. Dieses Verhalten wird als temporäre Herabsetzung der
Korrosionsrate im Sinne der Erfindung verstanden und zeichnet die korrosionshemmende
Beschichtung aus. Im Falle von Koronarstents soll die mechanische Integrität der Struktur
über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten nach Implantation aufrechterhalten
werden.
[0019] Implantate im Sinne der Erfindung sind über ein chirurgisches Verfahren in den Körper
eingebrachte Vorrichtungen und umfassen Befestigungselemente für Knochen, beispielsweise
Schrauben, Platten oder Nägel, chirurgisches Nahtmaterial, Darmklammern, Gefäßclips,
Prothesen im Bereich des Hart- und Weichgewebes und Ankerelemente für Elektroden,
insbesondere von Schrittmachern oder Defibrillatoren. Das Implantat besteht ganz oder
in Teilen aus dem biokorrodierbaren Werkstoff. Wenn das Implantat nur in Teilen aus
dem biokorrodierbaren Werkstoff besteht, so ist dieser Teil entsprechend zu beschichten.
Vorzugsweise ist das Implantat ein Stent.
[0020] Die Deckschicht kann einen oder mehrere Wirkstoffe enthalten, der nach der Implantation
freigesetzt wird. Der Wirkstoff kann in das polymere Material eingebettet sein.
[0021] Unter Wirkstoff im erfindungsgemäßen Sinne wird ein Arzneistoff mit pharmazeutischer
Wirkung verstanden, der im menschlichen oder tierischen Körper zur Heilung, Linderung,
Verhütung oder Erkennung von Krankheiten dient. Wirkstoffe umfassen insbesondere Paclitaxel,
Sirolimus und dessen Derivate. Insbesondere sind Wirkstoffe vorteilhaft, die auf mTOR
wirken, sowie RAS Inhibitoren, insbesondere solche, die die Adhäsion von RAS an die
Zellmembran verhindern.
Kurzbeschreibung der Figuren
[0022] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels und der dazugehörigen
Figuren näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung des Aufbaus der erfindungsgemäßen Beschichtung; und
- Fig. 2
- eine lichtmikroskopische Aufnahme eines beschichteten Stents nach Testung.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0023] Fig. 1 illustriert stark schematisiert den Aufbau einer erfindungsgemäßen Beschichtung.
Ein Grundkörper 10 aus einer biokorrodierbaren Magnesiumlegierung wird von einer polymeren
Grundschicht 12 bedeckt. Direkt auf der Grundschicht 12 wird eine polymere Deckschicht
14 aufgetragen.
[0024] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Ausführungsbeispiel
[0025] Ein Stent aus einer biokorrodierbaren Magnesiumlegierung wird in eine Lösung von
Polyisobutylen-alt-maleimid (2 g in 40 ml DMF) für 45 min. bei Raumtemperatur getaucht.
Nach der Entnahme und Trockentupfen wird der Stent auf einem fusselfreien Tuch an
der Luft für 30 min. getrocknet. Anschließend wird der Stent in eine Lösung von PLGA
(Handelsname Resomer LG 502; 0,2 gin 40 ml CHCl
3) für 40 Sek. bei Raumtemperatur getaucht. Es folgt erneutes Abtupfen und Trocknen
für 1 h bei 75°C im Ofen.
Stents wurden wie folgt getestet:
[0026] Beschichtete und unbeschichtete Stents aus einer biokorrodierbaren Magnesiumlegierung
wurden auf einem Ballonkatheter montiert. Für das Korrosionsexperiment wurden die
Stents mit dem Ballon in 200 ml einer PBS Lösung (100 mM; pH 7,38) getaucht und in
dieser Lösung dilatiert und freigesetzt. Die Lösung wurde gerührt und auf Raumtemperatur
gehalten.
[0027] Figur 2 ist eine lichtmikroskopische Aufnahme eines erfindungsgemäß beschichteten
Stents nach Testung. Es ist deutlich die noch erhaltene Struktur des Stents erkennbar.
Deutlich ist der metallische Glanz zu erkennen, der zeigt, dass der Grundkörper zwar
angegriffen aber noch vorhanden ist.
[0028] Zu Vergleichszwecken wurden Stents ohne Beschichtung, nur mit Grundschicht, nur mit
Deckschicht und einem homogenen Gemisch aus den polymeren Materialien der Grund- und
Deckschicht demselben Korrosionstest unterzogen. Alle diese Stents haben sich unter
gleichen Bedingungen komplett aufgelöst; selbst Fragmente konnten nicht mehr geborgen
und analysiert werden. Sowohl das Polyisobutylen-alt-maleimid als auch das PLGA allein
zeigten demnach keinen die Korrosion hemmenden Einfluss.
[0029] Durch das Polymer der Grundschicht, das in jeder zweiten Repetiereinheit eine Imidgruppe
aufweist, wird eine basische Mikroumgebung erzeugt. In einer ähnlichen Betrachtungsweise
wird die Elektronendichte in der Grundschicht zum Substrat hin verschoben, wodurch
das Substrat "edler" wird und seine Korrosionsgeschwindigkeit verlangsamt wird. Dieser
Effekt wird beobachtet, wenn die Grundschicht Elektronenpaardonatoren, insbesondere
Elemente der 5. und/oder 6. Hauptgruppe des Periodensystems enthält. Die Elemente
dieser Hauptgruppen, insbesondere die Elemente Schwefel, Stickstoff, Phosphor und
Sauerstoff, verfügen über ungepaarte Elektronenpaare, die leicht verschiebbar sind.
Diese Ergebnisse bestätigen, dass durch die basische Mikroumgebung das chemische Potential
lokal beeinflusst werden kann. Die Maleinimidgruppe wirkt als Elektronendonor (Lewisbase).
Der basische Einfluss muss - das zeigen die Experimente - durch eine weitere Polymerschicht
geschützt werden.
1. Implantat mit einem Grundkörper aus einer biokorrodierbaren Magnesiumlegierung und
einer Beschichtung umfassend:
(i) eine auf dem Grundkörper aufgetragene Grundschicht aus einem basischen Polymer
mit einer Repetiereinheit, die Einheiten der Formeln (1) oder (2) enthält

und
(ii) eine polymere Deckschicht, die direkt auf der Grundschicht aufgetragen ist.
2. Implantat nach Anspruch 1, bei dem das basische Polymer der Grundschicht ein Polymer
der Formel (3) oder (4) ist

wobei j, k, 1 und m so gewählt sind, dass das Polymer eine Molmasse im Bereich von
50.000 bis 100.000 g/mol aufweist.
3. Implantat nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Deckschicht Polylactid-co-Glycolid
(PLGA) enthält.
4. Implantat nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Deckschicht einen Wirkstoff
enthält.
5. Implantat nach Anspruch 4, bei dem der Wirkstoff Paclitaxel, Sirolimus oder ein Derivat
von Sirolimus ist.
6. Implantat nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem das Implantat ein Stent
ist.
7. Implantat nach einem der vorhergehenden Ansprüche bei der die Grundschicht einen Elektronenpaardonator
enthält.
8. Implantat nach Anspruch 7, bei der die Grundschicht als Elektronenpaardonator ein
oder mehrere Elemente der 5. Hauptgruppe des Periodensystems, insbesondere Stickstoff
oder Phosphor, enthält.
9. Implantat nach Anspruch 7, bei der die Grundschicht Elektronenpaardonator ein oder
mehrere Elemente der 6. Hauptgruppe des Periodensystems, insbesondere Schwefel oder
Sauerstoff, enthält.
1. An implant having a base body composed of a biocorrodible magnesium alloy and a coating
comprising:
(i) a base layer, which is applied to the base body, composed of a basic polymer having
a repeater unit that contains units of formula (1) or (2)

and
(ii) a polymeric cover layer that is applied directly to the base layer.
2. The implant according to claim 1, wherein the basic polymer of the base layer is a
polymer having the formula (3) or (4)

wherein j, k, l and m are selected such that the polymer has a molar mass in the range
50,000 to 100,000 g/mol.
3. The implant according to one of the preceding claims, wherein the cover layer contains
poly(lactide-co-glycolide) (PLGA).
4. The implant according to one of the preceding claims, wherein the cover layer contains
an active ingredient.
5. The implant according to claim 4, wherein the active ingredient is paclitaxel, sirolimus,
or a derivative of sirolimus.
6. The implant according to one of the preceding claims, wherein the implant is a stent.
7. The implant according to one of the preceding claims, wherein the base layer contains
an electron-pair donor.
8. The implant according to claim 7, wherein the base layer, as the electron-pair donor,
contains one or more elements of the 5th main group of the periodic table, in particular nitrogen or phosphorous.
9. The implant according to claim 7, wherein the base layer, as the electron-pair donor,
contains one or more elements of the 6th main group of the periodic table, in particular sulphur or oxygen.
1. Implant avec un corps de base constitué d'un alliage de magnésium bio-corrodable et
d'un revêtement comprenant :
(i) une couche de base appliquée sur le corps de base et constituée d'un polymère
basique avec une unité de répétition contenant des unités des formules (1) ou (2)

et
(ii) une couche de couverture polymère appliquée directement sur la couche de base.
2. Implant selon la revendication 1, dans lequel le polymère basique de la couche de
base est un polymère de la formule (3) ou (4)

dans lesquelles j, k, 1 et m sont choisis de telle sorte que le polymère présente
une masse moléculaire comprise entre 50.000 et 100.000 g/mol.
3. Implant selon l'une des revendications précédentes, dans lequel la couche de couverture
contient un polylactide-co-glycolide (PLGA).
4. Implant selon l'une des revendications précédentes, dans lequel la couche de couverture
contient une substance active.
5. Implant selon la revendication 4, dans lequel la substance active est un paclitaxel,
un sirolimus ou un dérivé de sirolimus.
6. Implant selon l'une des revendications précédentes, dans lequel l'implant est un stent.
7. Implant selon l'une des revendications précédentes, dans lequel la couche de base
contient un donneur à paire d'électrons.
8. Implant selon la revendication 7, dans lequel la couche de base en tant que donneur
à paire d'électrons contient un ou plusieurs éléments du 5e groupe principal du système périodique, en particulier de l'azote ou du phosphore.
9. Implant selon la revendication 7, dans lequel la couche de base donneuse à paire d'électrons
contient un ou plusieurs éléments du 6e groupe principal du système périodique, en particulier du soufre ou de l'oxygène.