[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Papier, Pappe und Karton
durch Entwässern eines Papierstoffs auf einem Sieb in Gegenwart mindestens eines Polymeren
als Retentionsmittel unter Blattbildung und Trocknen der Blätter.
[0002] Aus der
US-A 4,421,602 ist die Verwendung von partiell hydrolysierten Homopolymerisaten des N-Vinylformamids
als Retentions-, Entwässerungs- und Flockungsmittel bei der Herstellung von Papier
bekannt.
[0003] Außerdem ist es bekannt, bei der Herstellung von Papier aus Störstoffe enthaltenden
Papierstoffen Fixiermittel zu verwenden, vgl.
Tappi Journal, August 1988, Seiten 131 - 134. Bekannte Fixiermittel sind beispielsweise Kondensate aus Dicyandiamid und Formaldehyd
oder Kondensate aus Dimethylamin und Epichlorhydrin. Aus der
EP-A 438 707 ist weiterhin bekannt, hydrolysierte Homo- und/oder Copolymerisate des N-Vinylformamids
mit einem Hydrolysegrad von mindestens 60 % als Fixiermittel bei der Herstellung von
Papier zu verwenden. Sie können auch in Kombination mit einem kationischen Retentionsmittel
eingesetzt werden. Der K-Wert der hydrolysierten Polymeren des N-Vinylformamids beträgt
höchstens 150 (gemessen in 5 %iger wässriger Kochsalzlösung bei einer Polymerkonzentration
von 0,5 Gew.-% und einer Temperatur von 25°C) entsprechend einer Molmasse M
w von ca. 900 000.
[0004] Weitere bekannte Retentionsmittel sind beispielsweise Polyamidoamine, die durch Kondensation
von Adipinsäure und Diethylentriamin, Pfropfen der Kondensationsprodukte mit Ethylenimin
und Vernetzen der so erhältlichen Reaktionsprodukte mit Bischlorhydrinethern von Polyethylenglykolen
erhältlich sind, hochmolekulare Polyethylenimine, hochmolekulare Polyacrylamide und
Copolymerisate aus Acrylamid und Dimethylaminoethylacrylat-methochlorid mit einer
Molmasse M
w von mindestens 3 Millionen, vgl. Beispiele der
EP-A 438 707.
[0005] Gemäß der Lehre der
EP-A 649 941 wird die Ablagerung von Störstoffen in der Papiermaschine z.B. auf metallischen Oberflächen,
Sieben und Filzen dadurch reduziert, dass man zum Papierstoff ein wasserlösliches
Copolymerisat zusetzt, das mindestens 5 Mol-% eines N-Vinylcarbonsäureamids oder eines
Hydrolysates davon enthält. Der Hydrolysegrad der N-Vinylcarbonsäureamide beträgt
nach den Angaben in den Beispielen 5 bis 20 Mol-%.
[0006] Außerdem sind als Retentionsmittel verschiedene Kombinationen aus Polymeren und einem
als Flockungsmittel wirkenden, feinteiligen, anorganischen Feststoff wie Bentonit,
kolloidale Kieselsäure oder Silica bekannt. So wird beispielsweise in
Wochenblatt für Papierfabrikation, Band 13, 493-592 (1979) die Verwendung von kationischen Polyelektrolyten in Kombination mit Bentonit beschrieben.
Bei diesem Verfahren dosiert man zunächst Bentonit zum Papierstoff und anschließend
den kationischen Polyelektrolyten, wobei der Papierstoff gegebenenfalls einem Schergefälle
unterworfen werden kann.
[0007] Aus der
EP-B 235 893 ist bekannt, einem Papierstoff zunächst ein synthetisches kationisches Polymer mit
einer Molmasse von mehr als 500 000 in einer Menge von mehr als 0,03 Gew.-%, bezogen
auf trockenen Papierstoff, unter Bildung von Flocken zuzusetzen, die dann in einem
anschließenden Scherschritt zu Mikroflocken zerteilt werden. Danach wird dann Bentonit
zugegeben und der so erhaltene Papierstoff unter Blattbildung entwässert.
[0008] Nach dem aus der
EP-A 335 575 bekannten Verfahren zur Herstellung von Papier wird die Pulpe nacheinander mit zwei
verschiedenen wasserlöslichen, kationischen Polymeren, und zwar einem Fixiermittel
und einem Retentionsmittel versetzt, anschließend mindestens einer Scherstufe unterworfen
und danach mit Bentonit behandelt. Erst dann erfolgt die Entwässerung des Pulpe unter
Blattbildung.
[0009] Aus der
EP-A 711 371 ist ein weiteres Verfahren zur Herstellung von Papier bekannt. Bei diesem Verfahren
wird ein synthetisches, kationisches, hochmolekulares Polymer zu einer Dickstoff-Cellulose-Suspension
gegeben. Nach dem Verdünnen des flockulierten Dickstoffs wird vor dem Entwässern ein
Koagulationsmittel, das aus einem anorganischen Koagulationsmittel und/oder einem
zweiten, niedermolekularen und hochkationischen wasserlöslichen Polymer besteht, zugegeben.
[0010] In der
EP-A 910 701 wird ein Verfahren zur Herstellung von Papier und Karton beschrieben, wobei man zur
Papierpulpe nacheinander ein niedrigmolekulares oder mittelmolekulares kationisches
Polymer auf Basis Polyethylenimin oder Polyvinylamin und anschließend mit ein hochmolekulares
kationisches Polymer wie Polyacrylamid, Polyvinylamin oder kationische Stärke zusetzt.
Nachdem diese Pulpe mindestens einer Scherstufe unterworfen wurde, wird sie durch
Zugabe von Bentonit geflockt und der Papierstoff entwässert.
[0011] Aus der
EP-A 608 986 ist bekannt, daß man bei der Papierherstellung ein kationisches Retentionsmittel
zum Dickstoff dosiert. Ein weiteres Verfahren zur Herstellung von Papier und Karton
ist aus der
US-A 5,393,381, der
WO 99/66130 und der
WO 99/63159 bekannt, wobei man ebenfalls ein Mikropartikelsystem aus einem kationischen Polymer
und Bentonit verwendet. Als kationisches Polymer wird ein wasserlösliches, verzweigtes
Polyacrylamid eingesetzt.
[0012] In der
WO 01/34910 wird ein Verfahren zur Herstellung von Papier beschrieben, bei dem zu der Papierstoffsuspension
ein Polysaccharid oder ein synthetisches, hochmolekulares Polymer dosiert wird. Anschließend
muß eine mechanische Scherung des Papierstoffs erfolgen. Die Reflockulation erfolgt
durch Dosage einer anorganischen Komponente wie Kieselsäure, Bentonit oder Clay und
eines wasserlöslichen Polymers.
[0013] Aus der
US 6,103,065 ist ein Verfahren zur Verbesserung der Retention und der Entwässerung von Papierstoffen
bekannt, wobei man zu einem Papierstoff nach dem letzten Scheren ein kationisches
Polymer mit einer Molmasse von 100 000 bis 2 Millionen und einer Ladungsdichte von
mehr als 4,0 meq./g zusetzt, gleichzeitig oder danach ein Polymer mit einer Molmasse
von mindestens 2 Millionen und einer Ladungsdichte von weniger als 4,0 meq./g zugibt
und danach Bentonit dosiert: Es ist bei diesem Verfahren nicht erforderlich, den Papierstoff
nach der Zugabe der Polymeren einer Scherung zu unterwerfen. Nach Zugabe der Polymeren
und des Bentonits kann die Pulpe ohne weitere Einwirkung von Scherkräften unter Blattbildung
entwässert werden.
[0014] Aus der
WO 04/15200 ist ebenfalls ein Mikropartikelsystem aus einem kationischen Polymer und einer feinteiligen
anorganischen Komponente als Retentionsmittel bei der Herstellung von Papier bekannt.
Als kationische Polymere kommen beispielsweise kationische Polyacrylamide, Vinylamineinheiten
enthaltende Polymere und/oder Polydiallyldimethylammoniumchlorid mit einer mittleren
Molmasse M
w von jeweils mindestens 500 000 und einer Ladungsdichte von höchstens 4,0 meq/g in
Betracht.
[0015] WO 98/01623 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von Papier und Karton durch Entwässern von
Pulpen, unter Blattbildung und Trocknen der Blätter, wobei die Pulpen zunächst mit
(a) Polyethyleniminen Molmasse M
w von mehr als 500000 oder Vinylamineinheiten enthaltende Polymerisate einer Molmasse
von 5000 bis 3 Millionen und danach mit (b) kationischen Polyacrylamiden oder Vinylamineinheiten
enthaltenden Polymerisaten versetzt werden, wobei die Molmassen M
w der Polymerisate jeweils mindestens 4 Millionen betragen, und die Pulpe dann mindestens
einer Scherstufe unterwirift und durch Zugabe von Bentonit, kolloidaler Kieselsäure
oder Clay flockt.
[0016] US 6576086 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von Papier, Pappe und Karton durch Entwässern
eines Störstoffe enthaltenden Papierstoffs in Gegenwart von Fixiermitteln, wobei man
als Fixiermittel Umsetzungsprodukte einsetzt, die durch Reaktion von Amino- und/oder
Ammoniumgruppen enthaltenden Polymeren ausgewählt aus der Gruppe enthaltend der Vinyl
amineinheiten enthaltenden Polmerisate, Polyalkylenpolyamine, Polyamidoamine, mit
Ethylenimin gepfropften Polyamidoamine, die gegebenenfalls vernetzt sind, Polydiallyldimethylammoniumchloride,
Dialkylaminoalkylacrylamid-Einheiten oder Dialkylaminoalkylmethacrylamid-Einheiten
enthaltende Polymere; Polyallylamine und Dicyandiamid- und Formaldehyd- Kondensate
mit Reaktivleimungsmitteln für Papier im Gewlchtsverhältnis Polymer zu Reaktivleimungsmittel
von 15000:1 bis 1:1 erhältlich sind und Verwendung der so erhältlichen Umsetzungsprodukte
als Fixiermittel für wasserlösliche und für wasserunlösliche Störstoffe bei der Herstellung
von Papier, Pappe und Karton aus Störstoffe enthaltenden Papierstoffen.
[0017] Die oben beschriebenen Mikropartikelsysteme sind technisch aufwendig, weil man für
die Dosierung der feinteiligen anorganischen Flockungsmittel spezielle Vorrichtungen
benötigt.
[0018] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein weiteres Verfahren zur
Herstellung von Papier zur Verfügung zu stellen, wobei man gegenüber dem Stand der
Technik eine kürzere Entwässerungszeit, eine verbesserte Füllstoffretention und Papiere
mit einer verbesserten Formation erhält.
[0019] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst mit einem Verfahren zur Herstellung von Papier,
Pappe und Karton durch Entwässern eines Papierstoffs auf einem Sieb in Gegenwart mindestens
eines Polymeren als Retentionsmittel unter Blattbildung und Trocknen der Blätter,
wenn man die Blattbildung in Abwesenheit von feinteiligen anorganischen Flockungsmitteln
vornimmt und als Retentionsmittel
- (a) durch Hydrolyse von Poly-N-vinylformamiden erhältliche kationische Vinylamineinheiten
enthaltende Polymere mit einer Molmasse Mw von mindestens 1.2 Millionen, die durch Homopolymerisation von N-Vinylformamid zu
Poly-N-vinylformamid und anschliessende Hydrolyse der einpolymerisierten Vinylformamideinheiten
zu Vinylamineinheiten hergestellt werden, wobei der Hydrolysegrad dieser Polymeren
1 bis 50 % beträgt, und wobei die Polymeren eine Ladungsdichte (bestimmt bei pH 7)
von 0,2 bis 4 meq/g haben,
und
- (b) mindestens ein kationisches Polyacrylamid und/oder ein kationisches Polymethacrylamid
mit einer Molmasse Mw von jeweils mindestens 3 Millionen, wobei die kationischen Polyacrylamide bzw. die
kationischen Polymethacrylamide 7 bis 30 Mol-% mindestens eines kationischen Monomeren
einpolymerisiert enthalten, und wobei die kationischen Poly(meth)acrylamide mindestens
ein kationisches Monomer aus der Gruppe Dimethylaminoethylacrylat und Dimethylaminoethylmethacrylat,
in Form der freien Basen, Salze und/oder in quaternierter Form einpolymerisiert enthalten,
einsetzt,
wobei man pro Gewichtsteil der Komponente (a) 0,25 bis 0,4 Gewichtsteile der Komponente
(b) verwendet.
[0020] Aus Poly-N-vinylformamiden erhältliche kationische Vinylamineinheiten enthaltende
Polymere mit einer Molmasse M
w von jeweils mindestens 1.2 Millionen sind bekannt. Sie werden durch Homopolymerisation
von N-Vinylformamid zu Poly-N-vinylformamid und anschließende Hydrolyse der einpolymerisierten
Vinylformamideinheiten zu Vinylamineinheiten hergestellt. Vinylamineinheiten enthaltende
Polymere sind die durch Hydrolyse von Poly-N-vinylformamiden erhältlichen kationischen
Polymere. Der Hydrolysegrad dieser Polymeren beträgt 1 bis 50 % und liegt meistens
in dem Bereich von 2 bis 40, insbesondere von 2 bis 30 %. Die Polymeren der Komponente
(a) haben eine Ladungsdichte (bestimmt bei pH 7) von 0,2 bis 4 meq/g. Die Vinylamineinheiten
enthaltenden Polymere und Poly-N-vinylformamide der Komponente (a) des Retentionsmittels
haben eine Molmasse M
w von mindestens 1,2 Millionen. Die Herstellung von Homo polymerisaten von N-Vinylformamid
mit den obengenannten Spezifikationen wird beispielsweise in der
US 6,132,558, Spalte 2, Zeile 36 bis Spalte 5, Zeile 25 ausführlich beschrieben. Die dort gemachten
Ausführungen werden hiermit durch Bezugnahme zum Offenbarungsgehalt der vorliegenden
Erfindung gemacht.
[0021] Als Komponente (b) des Retentionsmittelsystems kommen kationische Polyacrylamide,
kationische Polymethacrylamide sowie Mischungen der genannten Verbindungen in Betracht,
sofern sie jeweils eine Molmasse M
w von mindestens 3 Millionen haben. Polymerisate dieser Art werden in der zum Stand
der Technik genannten
EP-A 335 575 beschrieben. Darüber hinaus sind solche Polymere handelsübliche Produkte. Sie werden
bekanntlich durch Polymerisieren von Acrylamid oder Methacrylamid in Gegenwart von
kationischen Monomeren hergestellt.
[0022] Geeignete kationische Monomere sind beispielsweise die Ester und Amide von ethylenisch
ungesättigten C
3- bis C
6-Carbonsäuren mit Aminoalkoholen. Beispiele für kationische Monomere sind Dimethylaminoethylacrylat,
Diethylaminoethylacrylat, Dimethyl-aminoethylmethacrylat, Diethylaminoethylmethacrylat,
Dimethylaminopropylacrylat, Diethylaminopropylacrylat, Dimethylaminopropylmethyacrylat,
Diethylaminopropylmethacrylat, Dimethylaminoethylacrylamid, Diethylaminoethylacrylamid,
Dimethylaminoethylmethacrylamid, Diethylaminoethylmethacrylamid, Dimethylaminopropylacrylamid,
Dimethylaminopropylmethacrylamid und Diethylaminopropylmethacrylamid.
[0023] Die kationischen Monomeren können bei der Copolymerisation in Form der freien Basen,
der Salze mit Mineralsäuren wie Schwefelsäure, Salzsäure oder Phosphorsäure, der Salze
mit organischen Säuren wie Ameisensäure, Essigsäure, Propionsäure, Benzolsulfonsäure
oder p-Toluolsulfonsäure und/oder in quaternierter Form eingesetzt werden. Als Quatemierungsmittel
kommen beispielsweise C
1- bis C
18-Alkylhalogenide wie Methylchlorid, Ethylchlorid, n-Propylchlorid, Isopropylchlorid
und/oder Stearylchlorid sowie Benzylchlorid in Betracht,
[0024] Die kationischen Polyacrylamide bzw. die kationischen Polymethacrylamide enthalten
7 bis 30 Mol-% mindestens eines kationischen Monomers einpolymerisiert. Die Molmassen
der kationischen Polymeren und die der nichtionischen Polymeren betragen mindestens
3 Millionen und liegen meistens in dem Bereich von 5 Millionen bis 15 Millionen.
[0025] Das Retentionsmittel enthält insbesondere als Komponente
- (a) ein hydrolysiertes Polyvinylformamid mit einem Hydrolysegrad von 1 bis 50 % und
einer Molmasse Mw von mindestens 1,2 Millionen
und als Komponente
- (b) ein Copolymerisat aus 93 bis 70 Mol-% Acrylamid und 7 bis 30 Mol-% mindestens
eines kationischen Monomeren mit einer Molmasse Mw von mindestens 3 Millionen.
[0026] Die kationischen Polyacrylamide und die kationischen Polymethacrylamide enthalten
vorzugsweise als kationisches Monomer Dimethylaminoethylacrylat-methochlorid oder
Dimethylaminoethylacrylamid-methochlorid einpolymerisiert. Diese Methochloride sind
durch Alkylierung von Dimethylaminoethylacrylat bzw. von Dimethylaminoethylacrylamid
mit Methylchlorid leicht zugänglich.
[0027] Die Komponenten (a) und (b) des Retentionsmittels werden dem Papierstoff, bezogen
auf trockenen Papierstoff, in einer Menge von
- (a) 0,001 bis 0,8 Gew.-%, vorzugsweise 0,01 bis 0,5 Gew.-%
und
- (b) 0,001 bis 0,8 Gew.-%, vorzugsweise 0,01 bis 0,2 Gew.-%
zugesetzt.
Das Verhältnis der Komponenten (a) und (b) beträgt pro Gewichtsteil der Komponente
(a) 0,25 bis 0,4 Gewichtsteile der Komponente (b). Das Retentionsmittel kann dem Papierstoff
- in aller Regel erfolgt die Dosierung des Retentionsmittels erfindungsgemäß in den
Dünnstoff - beispielsweise in Form einer Mischung aus den Komponenten (a) und (b)
zugeführt werden. Man kann jedoch auch so vorgehen, dass man zunächst beispielsweise
nach der letzten Scherstufe vor dem Stoffauflauf die Komponente (a) und anschließend
die Komponente (b) dosiert. Beide Komponenten können jedoch auch getrennt voneinander
aber gleichzeitig vor oder nach einer Scherstufe in den Dünnstoff eingebracht werden.
Am vorteilhaftesten dosiert man zunächst mindestens eine Verbindung der Komponente
(a) und anschließend mindestens eine Verbin dung der Komponente (b). Die Verbindung
der Komponente (a) kann dabei beispielsweise vor einer Scherstufe und die Verbindung
der Komponente (b) nach der letzten Scherstufe vor dem Stoffauflauf dem Papierstoff
zugeführt werden. Beide Verbindungen können jedoch auch vor der letzten Scherstufe
vor dem Stoffauflauf oder nach der letzten Stufe vor dem Stoffauflauf zum Papierstoff
dosiert werden, Man kann jedoch auch die Komponente (a) an verschiedenen Stellen in
den Dünnstoff dosieren und Scherkräfte auf das System einwirken lassen und die Komponente
vor der letzten Scherstufe vor dem Stoffauflauf oder danach zufügen. Ebenso ist es
möglich, zunächst die Komponente (b) dem Papierstoff zuzugeben und danach die Komponente
(a) des Retentionsmittels zu dosieren.
[0028] Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung von Kombinationen aus
- (a) durch Hydrolyse von Poly-N-vinylformamiden erhältliche kationische Vinylamineinheiten
enthaltende Polymere mit einer Molmasse Mw von mindestens 1,2 Millionen, die durch Homopolymerisation von N-Vinylformamid zu
Poly-N-vinylformamid und anschliessende Hydrolyse der einpolymerisierten Vinylformamideinheiten
zu Vinylamineinheiten hergestellt werden, wobei der Hydrolysegrad dieser Polymeren
1 bis 50 % beträgt, und wobei die Polymeren eine Ladungsdichte (bestimmt bei pH 7)
von 0,2 bis 4 meq/g haben,
und
- (b) mindestens ein kationisches Polyacrylamid und/oder ein kationisches Polymethacrylamid
mit einer Molmasse Mw von jeweils mindestens 3 Millionen, wobei die kationischen Polyacrylamide bzw. die
kationischen Polymethacrylamide 7 bis 30 Mol-% mindestens eines kationischen Monomeren
einpolymerisiert enthalten, und wobei die kationischen Poly(meth)acrylamide mindestens
ein kationisches Monomer aus der Gruppe Dimethylaminoethylacrylat und Dimethylaminoethylmethacrylat,
in Form der freien Basen, Salze und/oder in quaternierter Form einpolymerisiert enthalten,
einsetzt,
wobei man pro Gewichtsteil der Komponente (a) 0,25 bis 0,4 Gewichtsteile der Komponente
(b) verwendet
als alleiniges Retentionsmittel bei der Herstellung von Papier, Pappe und Karton.
[0029] Erfindungsgemäß können sämtliche Papierqualitäten, Pappe und Karton hergestellt werden,
beispielsweise Papiere für den Zeitungsdruck, sogenannte mittelfeine Schreib- und
Druckpapiere, Naturtiefdruckpapiere und auch leichtgewichtige Streichrohpapiere. Man
kann beispielsweise Holzschliff, thermomechanischen Stoff (TMP), chemothermomechanischen
Stoff (CTMP), Druckschliff (PGW) sowie Sulfit- und Sulfatzellstoff einsetzen. Als
Rohstoffe für die Herstellung der Pulpe kommen auch Zellstoff und Holzstoff sowie
Altpapier und gestrichener Ausschuss in Betracht. Holzstoff und Zellstoff werden vor
allem in den sogenannten integrierten Papierfabriken in mehr oder weniger feuchter
Form direkt ohne vorherige Eindickung bzw. Trocknung weiter zu Papier verarbeitet.
Aufgrund der nicht vollständig daraus entfernten Verunreinigungen enthalten diese
Fasermaterialien noch Stoffe, die den üblichen Papierherstellungsprozess stark stören.
Wenn solche Papierstoffe eingesetzt werden, empfiehlt es sich, in Gegenwart eines
Fixiermittels zu arbeiten.
[0030] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren können sowohl füllstofffreie als auch füllstoffhaltige
Papiere hergestellt werden. Der Füllstoffgehalt im Papier kann bis zu maximal 40 Gew.-%
betragen und liegt vorzugsweise in dem Bereich von 5 bis 30 Gew.-%. Geeignete Füllstoffe
sind beispielsweise Clay, Kaolin, native und präzipitierte Kreide, Titandioxid, Talkum,
Calciumsulfat, Bariumsulfat, Aluminiumoxid, Satinweiß oder Mischungen der genannten
Füllstoffe.
[0031] Die Papierherstellung kann in Gegenwart der üblichen Prozesschemikalien in den üblichen
Mengen vorgenommen werden z.B. von Masseleimungsmitteln wie insbesondere Alkyldiketen-Dispersionen,
Harzleim, Alkenylsuccinimid-Dispersionen oder leimend wirkenden Polymerdispersionen,
Verfestigungsmitteln wie mit Epichlorhydrin vernetzten Polyamidoaminen, Polyvinylaminen
eines mittleren Molekulargewichts oder Stärke, Fixiermitteln, Bioziden, Farbstoffen
und Füllstoffen. Die Dosierung der üblichen Prozesshilfsmittel erfolgt vorzugsweise
in den Dünnstoff.
[0032] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhält man, verglichen mit den Erzeugnissen,
die nach bekannten Verfahren hergestellt werden, Papiere mit einer verbesserten Formation,
einer verbesserten Füllstoffverteilung, einer besseren Opazität und einer verbesserten
Bedruckbarkeit. Das erfindungsgemäße Verfahren ist gegenüber den Mikropartikel-Verfahren
einfacher in der Durchführung und ergibt eine gegenüber dem Stand der Technik verbesserte
Füllstoffretention und Formation.
[0033] In den Beispielen bedeuten die Prozentangaben für die Einsatzstoffe immer Gewichtsprozent.
Die Molmassen M
w der Polymeren wurden mit Hilfe der statischen Lichtstreuung bestimmt.
[0034] Die Entwässerungszeit wurde bestimmt, indem man eine Probe des Papierstoffs in einem
Schopper-Riegler-Testgerät entwässerte und die Zeit in Sekunden bestimmte, innerhalb
der 300 ml Filtrat anfielen.
[0035] Die Bestimmung der Ascheretention (First Pass Ash Retention) erfolgte durch Berechnung
der Differenz zwischen der Aschekonzentration des Papierstoffs in der Headbox und
der Aschekonzentration im Siebwasser geteilt durch die Aschekonzentration des Papierstoffs
in der Headbox und Multiplikation mit 100. Sie wird in Prozent angegeben. Die Beurteilung
der Formation (On-line Formation Index) erfolgte durch Messung der zu prüfenden Blätter
mit Hilfe des Measure IT Optical Properties Measurement OP 4255 (Formationssensor
von der Firma ABB). Je niedriger der gemessene Wert, desto besser ist die Formation.
[0036] In den Beispielen wurden folgende Polymere verwendet:
| PVAm 1: |
Polyvinylamin mit einer Molmasse Mw von 1,2 Millionen und einer Ladungsdichte von 3,0 meq/g |
| PAM 1: |
Copolymerisat aus 70 Gew.-% Acrylamid und 30 Gew.-% Dimethylaminoethylacrylat- methochlorid
mit einer Molmasse Mw von 8 Millionen und einer Ladungsdichte von 1,7 meq/g |
[0037] Der verwendete Bentonit war mit wässriger Natriumcarbonatlösung aktiviert worden.
Beispiele
[0038] Auf einer Doppelsiebpapiermaschine, die mit einer Geschwindigkeit von 1500 m/min
holzhaltiges Druckpapier produzierte, wurde jeweils ein Papierstoff aus 50 % TMP,
30 % deinktem Altpapier, 20 % gebleichtem Kraftzellstoff und Calciumcarbonat als Füllstoff
sowie den im Beispiel 1 und den Vergleichsbeispielen 1 bis 3 angegebenen Zusatzstoffen
entwässert. Der Feststoffgehalt des Siebwassers betrug immer 0,55 %. Der Füllstoffgehalt
des Papiers betrug 30 %. Das Papier hatte ein Flächengewicht von 52-56 g/m
2.
Beispiel 1
[0039] Dem oben angegebenen Papierstoff wurden nach der letzten Scherstufe und vor dem Stoffauflauf
0,03 % PVAm 1 und 0,01 % PAM 1 zugesetzt. Die Entwässerungszeit betrug 31 Sekunden,
die Ascheretention 42 % und der Index für die Formation 5,9.
Vergleichsbeispiel 1
[0040] Gemäß der Lehre der
EP-A 235 893 dosierte man 0,04 % PVAm 1 und 0,015 % PAM 1 zum oben beschriebenen Papierstoff vor
der letzten Scherstufe und danach 0,3 % Bentonit vor dem Stoffauflauf. Die Entwässerungszeit
einer den Bentonit enthaltenden Probe betrug 38 Sekunden, die Ascheretention 37 %
und der Index für die Formation 6,9.
Vergleichsbeispiel 2
[0041] Zu dem oben beschriebenen Papierstoff wurden nach der letzten Scherstufe und vor
dem Stoffauflauf 0,025 % PAM 1 dosiert. Die Entwässerungszeit dieses Papierstoffs
betrug 41 Sekunden, die Ascheretention 36 % und der Index für die Formation 7,4.
Vergleichsbeispiel 3
[0042] Zu dem oben beschriebenen Papierstoff dosierte man nach der letzten Scherstufe vor
dem Stoffauflauf 0,05 % PVAm 1. Die Entwässerungszeit dieses Papierstoffs betrug 38
Sekunden, die Ascheretention 39 % und der Index für die Formation 6,4.