[0001] Die Erfindung betrifft eine Stauchvorrichtung und ein Verfahren zum Stauchen eines
entlang einer Walzstraße bewegten Walzgutes.
[0002] In Warmwalzstraßen gewalzte Walzgüter (Brammen) werden beim Walzen verbreitert. Häufig
überschreitet die Breitung eines Walzgutes dabei zumindest abschnittsweise eine vorgesehene
Walzgutbreite, so dass im Walzprozess eine Reduzierung der Breitung durch ein so genanntes
Stauchen des Walzgutes vorgenommen wird. Das Stauchen eines Walzgutes in Warmwalzstraßen
erfolgt häufig in so genannten Stauchwalzwerken, deren Breitenreduktion jedoch beschränkt
ist. Für große Stauchabnahmen werden so genannte Stauchpressen eingesetzt, welche
über einen längeren Kontaktbereich eine Breitenreduzierung eines Walzgutes vornehmen
und dadurch eine bessere Durchstauchung des Walzgutes ermöglichen.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine verbesserte Stauchvorrichtung und
ein verbessertes Verfahren zum Stauchen eines entlang einer Walzstraße bewegten Walzgutes
anzugeben.
[0004] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß hinsichtlich der Stauchvorrichtung durch die Merkmale
des Anspruchs 1 und hinsichtlich des Verfahrens durch die Merkmale des Anspruchs 12
gelöst.
[0005] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0006] Eine erfindungsgemäße Stauchvorrichtung zum Stauchen eines entlang einer Walzstraße
bewegten Walzgutes umfasst zwei an sich quer zur Bewegung des Walzgutes gegenüber
liegenden Seiten des Walzgutes angeordnete und jeweils mit dem Walzgut mitbewegbare
und an das Walzgut andrückbare Stauchwerkzeuge und je Stauchwerkzeug wenigstens drei
unabhängig voneinander steuer- oder regelbare Linearantriebe, mittels derer das jeweilige
Stauchwerkzeug in einer zu einer Oberfläche des Walzgutes parallelen Arbeitsebene
zweidimensional in alle Richtungen verschiebbar und um eine zu der Arbeitsebene orthogonalen
Drehachse drehbar ist.
[0007] Eine erfindungsgemäße Stauchvorrichtung weist also Stauchwerkzeuge auf, die durch
Linearantriebe in der Arbeitsebene in alle Richtungen verschiebbar und drehbar sind.
Dadurch können dem Walzgut mittels der Stauchvorrichtung fast beliebige ebene Stauchkonturen
aufgeprägt werden. Insbesondere können damit an den Enden von Walzgütern auftretende
Deformationen, so genannte Schopfkonturen (dog bones), vermieden oder reduziert werden,
die zu Störungen der Produktion bei der Weiterverarbeitung der Walzgüter führen können
und daher entfernt werden müssen.
[0008] Eine Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass die wenigstens drei Linearantriebe
jedes Stauchwerkzeuges einen parallelkinematischen Antrieb bilden.
[0009] Unter einem parallelkinematischen Antrieb wird hier ein Antrieb verstanden, der ein
Objekt mittels einer Mehrzahl von in ihrer Länge veränderbaren und einzeln ansteuerbaren
stabartigen Aktuatoren sowie gegebenenfalls mittels Gelenken bewegt.
[0010] Derartige Antriebe sind vorteilhaft, da sie wegen der geringen Masse der Aktuatoren
eine hohe Dynamik sowie eine relativ gleichmäßige Belastung der Aktuatoren ermöglichen.
[0011] Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht sechs unabhängig voneinander steuer-
oder regelbare Linearantriebe je Stauchwerkzeug vor, wobei diese sechs Linearantriebe
derart ausgebildet und angeordnet sind, dass das jeweilige Stauchwerkzeug mittels
der sechs Linearantriebe dreidimensional in alle Richtungen verschiebbar und beliebig
drehbar ist.
[0012] Die technischen Vorzüge derartiger Antriebe sind die völlige Programmierbarkeit der
Bewegungen, der Steifigkeiten in allen Richtungen und das Fehlen jedweder Führungen
mit Gelenken. Allerdings erfordern diese Antriebe einen relativ hohen steuerungstechnischen
Aufwand und relativ komplexe (sphärische) Gelenke zur Verbindung der Linearantriebe
mit einem Stauchwerkzeug.
[0013] Eine zur vorgenannten Ausgestaltung alternative Ausgestaltung der Erfindung sieht
vor, dass jedes Stauchwerkzeug mittels einer Führungsvorrichtung in der Arbeitsebene
gehalten wird und jeder parallelkinematische Antrieb drei Linearantriebe zur Bewegung
des jeweiligen Stauchwerkzeuges in der Arbeitsebene aufweist.
[0014] Die Führungsvorrichtung entlastet dabei vorteilhaft die Linearantriebe, so dass die
Linearantriebe im Wesentlichen das Stauchwerkzeug nur in der Arbeitsebene bewegen
müssen, es aber nicht in der Arbeitsebene halten müssen. Der technische Hintergrund
für diese Entlastung ist einerseits das Gewicht des Stauchwerkzeuges und der Linearantriebe
selbst und andererseits die Tatsache, dass aufgrund von wechselnden Walzgutdicken
die resultierende Stauchkraft etwas außerhalb der Arbeitsebene liegen kann. Dies führt
zu auf das Antriebssystem wirkenden Querkräften und Biegemomenten, die je nach technischer
Ausführung Komponenten des Antriebssystems zu sehr belasten oder aus der Arbeitsebene
heraus verformen könnten.
[0015] Ein weiterer Vorteil der vorgenannten Ausgestaltung liegt in der Vereinfachung der
Wartung der Stauchvorrichtung. Beispielsweise kann ein Linearantrieb bei Verwendung
einer Führungsvorrichtung relativ einfach ausgetauscht werden, da das Stauchwerkzeug
durch die Führungsvorrichtung in der Arbeitsebene gehalten wird und daher beim Austausch
eines Linearantriebs nicht zusätzlich gestützt werden muss.
[0016] Vorzugsweise wird jede Führungsvorrichtung dabei durch einen Führungsmechanismus
gebildet, der aus wenigstens zwei festen Körpern und wenigstens einem rotatorischen
und/oder wenigstens einem translatorischen Lager besteht. Vorzugsweise umfasst der
Führungsmechanismus ferner wenigstens ein ebenes Zweigelenk.
[0017] Unter einem ebenen Zweigelenk wird dabei ein zweiteiliges Führungselement verstanden,
dessen Teile relativ zueinander und gemeinsam in einer Ebene um zu der Ebene orthogonale
Achsen schwenkbar sind.
[0018] Derartige "armartige" Führungsmechanismen sind relativ einfach und flexibel gemeinsam
mit Linearantrieben realisierbar und eignen sich daher besonders vorteilhaft als Führungsvorrichtungen
zur Führung der Stauchwerkzeuge erfindungsgemäßer Stauchvorrichtungen.
[0019] Alternativ kann die Führungsvorrichtung beispielsweise wenigstens eine Führungsplatte
aufweisen, die ein Stauchwerkzeug in der Arbeitsebene hält. Diese Realisierung einer
Führungsvorrichtung hat die Vorzüge hoher Steifigkeit und konzeptioneller Einfachheit,
aber die Nachteile, dass die Führungsplatte nahe am Stauchprozess ist und vom Schmutz
dieser rauen Umgebung beeinträchtigt werden kann.
[0020] Weiterhin kann die Führungsvorrichtung alternativ beispielsweise mindestens ein Seil
oder einen verformbaren Stab oder eine Kette oder ein sonstiges "querflexibles" mechanisches
Element aufweisen, das in seiner Längsrichtung hohe Steifigkeit, in Querrichtung jedoch
niedrige Steifigkeit aufweist, wobei dieses Element im Wesentlichen normal zur Arbeitsebene
angeordnet ist und einerseits mit wenigstens einem Stauchwerkzeug und andererseits
mit einem feststehenden System (Rahmen) verbunden ist. Die Grundidee ist dabei, die
Gewichte der Stauchwerkzeuge sowie von Teilen der Linearantriebe durch ein im Wesentlichen
lotrechtes, biegeweiches Element aufzunehmen. Es handelt sich dabei also um eine elastische
Führung. Solche Elemente können dünne Stäbe, Seile, Ketten, Bänder aus Metallen oder
hochfesten Kunststoffen sein. Dabei können auch mehrere solcher Elemente verwendet
werden.
[0021] Ferner wird vorzugsweise zumindest eines der "querflexiblen" mechanischen Elemente
in zumindest einem seiner Endpunkte mit zumindest einer Komponente eines Linearantriebs
gegenüber dem feststehenden System oder gegenüber einem Stauchwerkzeug verschoben.
Der technische Hintergrund dieser Verschiebung ist, dass die Stauchbewegungen typisch
Hübe von etwa 80 mm aufweisen. Diese Bewegungen erfolgen mit relativ hohen Arbeitsfrequenzen
von etwa 1 Hz. Bei Änderungen der Walzgutbreiten kommen aber weitere Verschiebungen
in Walzgutbreitenrichtung hinzu, und zwar typisch maximal 800 mm pro Seite. Die letzteren,
großen Verschiebungen können von einem "querflexiblen" Element realistisch, d. h.
mit vertretbaren Längen dieser Elemente, nur schwer und nur mit nicht mehr vernachlässigbaren
Höhenschwankungen aufgenommen werden; periodische Hübe von 80 mm können hingegen relativ
leicht und mit kleinen Abweichungen in der Höhe aufgenommen werden. Daher werden die
Anlenkungspunkte eines querflexiblen Elements vorzugsweise entweder im festen System
oder im Werkzeugsystem mit einem Antrieb (z. B. mit einem Hydraulikzylinder) verschoben,
und zwar um im Wesentlichen nur die langsamen und großen Verschiebungen zur Anpassung
an die Brammenbreite auszugleichen. Die schnellen und kurzen Stauchhübe werden dagegen
durch das "querflexible" Element aufgenommen.
[0022] Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass wenigstens ein Linearantrieb
über wenigstens eine Komponente der Führungsvorrichtung auf das jeweilige Stauchwerkzeug
einwirkt.
[0023] Diese Ausgestaltung ermöglicht einerseits kinematische Vorteile, z. B. dass die Kraftgeometrie
für die Wirkung eines Linearantriebs bei verschiedenen Walzgutbreiten weniger variiert,
und kann den Linearantrieb andererseits vom Stauchprozess mit den hohen Temperaturen
und der Verschmutzung fernhalten.
[0024] Eine besonders bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass wenigstens
ein Linearantrieb ein hydraulischer Antrieb ist.
[0025] Hydraulische Antriebe eignen sich aufgrund der zum Stauchen eines Walzgutes erforderlichen
hohen Kräfte und Leistungen besonders vorteilhaft als Linearantriebe der Stauchwerkzeuge.
[0026] Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass wenigstens ein Linearantrieb
ein offener oder geschlossener hydrostatischer Antrieb mit einer verstellbaren Hydraulikpumpe
ist. Derartige Antriebe werden im Folgenden auch als hydraulisch primärgesteuerte
Antriebe bezeichnet.
[0027] Durch eine verstellbare Hydraulikpumpe kann ein hydraulischer Linearantrieb vorteilhaft
besonders genau auf die erforderliche Stauchkraft eingestellt werden.
[0028] Bei der vorgenannten Ausgestaltung ist vorzugsweise mindestens eine verstellbare
Hydraulikpumpe "durch Null schwenkbar". Eine "durch Null schwenkbare Pumpe" ermöglicht
vorteilhaft eine direkte und präzise Steuerung des Antriebs in den Totpunkten. Die
Alternative wäre, an einem Totpunkt mit Ventilen die Förderrichtung umzuschalten;
das jedoch führt typischerweise zu raschen Druckausgleichvorgängen und ruckartigen
Bewegungen der Antriebe, die meist aufwändige schaltungstechnische und/oder regelungstechnische
Maßnahmen zur Vermeidung unerwünschter Konsequenzen erfordern.
[0029] Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass mindestens einer der hydraulischen
Linearantriebe mehr als einen Hydraulikzylinder aufweist, wobei sich mehrere Verdrängungsvolumina
der Hydraulikzylinder bei der Bewegung der Kolben in den Hydraulikzylindern gegenseitig
ausgleichen, indem die aus wenigstens einem Verdrängungsvolumen ausfließenden Hydraulikflüssigkeitsströme
die in wenigstens ein Verdrängungsvolumen einfließenden Hydraulikflüssigkeitsströme
kompensieren.
[0030] Diese Ausgestaltung der Erfindung ermöglicht vorteilhaft einerseits, Tankvolumina
zur Zu- und Abführung von Hydraulikflüssigkeit aus dem hydraulischen System zu vermeiden
oder zumindest zu reduzieren, und andererseits, geschlossene, druckvorgespannte hydrostatische
Antriebe zu realisieren. Letztere Antriebe sind aus regelungstechnischen Gründen zur
Erzielung hoher Genauigkeiten vorteilhaft. Mit einer Druckvorspannung werden überall
hohe Steifigkeiten der Hydraulikflüssigkeitsäulen sichergestellt. Treten hingegen
niedrige Drücke auf, kann sich durch Ausgasen gelöster Luft die effektive Hydraulikflüssigkeitsteifigkeit
wesentlich verringern mit negativen Auswirkungen für Regelgüte und Stabilität.
[0031] Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass wenigstens ein Linearantrieb
eine Kombination eines offenen oder geschlossenen hydrostatischen Antriebs mit einer
verstellbaren Hydraulikpumpe und eines schaltenden Antriebs ist, wobei bei dem schaltenden
Antrieb in wenigstens einem Verdrängungsraum wenigstens eines Zusatz-Hydraulikzylinders
mittels eines Schaltventils ein Druck wahlweise auf einen von wenigstens zwei verschiedenen
diskreten Werten einstellbar ist.
[0032] Ein derart "schaltbarer" Druck für einen Zusatz-Hydraulikzylinder kann vorteilhaft
von einer entfernten Systemdruckquelle bereitgestellt werden, so dass dafür Vorort,
d. h. im Bereich des Walzgutes, keine entsprechenden Pumpen oder Motoren und der dafür
notwendige Raum benötigt werden. Durch den wenigstens einen Zusatz-Hydraulikzylinder
wird ferner der primärgesteuerte Hydraulikzylinder entlastet, so dass von ihm nur
ein Bruchteil der gesamten Hydraulikleistung erbracht und Vorort erzeugt werden muss.
Dadurch werden Vorort nur relativ kleine und einfache Hydraulikpumpen und Antriebsmotoren
benötigt.
[0033] Vorzugsweise weist dabei zumindest einer der hydraulischen Linearantriebe wenigstens
einen Differentialhydraulikzylinder auf, dessen kolbenseitige Zylinderkammer mit wenigstens
einem ersten Anschluss wenigstens einer verstellbaren Hydraulikpumpe verbunden ist,
und wenigstens eine Zylinderkammer wenigstens eines weiteren Hydraulikzylinders ist
mit einem zweiten Anschluss dieser wenigstens einen Hydraulikpumpe verbunden.
[0034] Der Zweck und Vorteil dieser Ausgestaltung der Erfindung besteht vor allem darin,
einen hydrostatischen Linearantrieb zu realisieren, der in beide Bewegungsrichtungen
wirkt, d. h. für das Stauchen und in Rückhubrichtung. Die Bewegung des Systems kann
damit in erster Ordnung durch eine Förderstromverstellung der Hydraulikpumpen gesteuert
werden. Die Regelung hat dann nur mehr Fehler als Folge der Kompressibilität der Hydraulikflüssigkeit
bzw. sonstiger Nachgiebigkeiten im System (z. B. der Rahmenstruktur) auszugleichen.
[0035] Bei der vorgenannten Ausgestaltung der Erfindung ist vorzugsweise eine gerade Anzahl
verstellbarer Hydraulikpumpen für den hydrostatischen Linearantrieb vorgesehen, wobei
erste Anschlüsse aller dieser Pumpen hydraulisch zusammengeführt auf die Kolbenseite
eines ersten Differentialhydraulikzylinders wirken und zweite Anschlüsse der Pumpen
mit insgesamt zwei hydraulisch völlig getrennten Leitungen verbunden sind, wobei eine
Hälfte der Pumpen mit einer ersten dieser Leitungen und die zweite Hälfte der Pumpen
mit der zweiten dieser Leitungen verbunden sind und jede dieser Leitungen mit einer
Stangenseite wenigstens eines weiteren Hydraulikzylinders verbunden ist, dessen Kolbenfläche
schaltend betrieben wird (vgl. Figur 6).
[0036] Der Zweck und Vorteil dieser Ausgestaltung der Erfindung besteht darin, mit den verstellbaren
Pumpen einen Ausgleich von Momenten auf den Linearantrieb herzustellen. Solche Momente
entstehen durch eine Stauchkraft, die etwas außermittig auf den Antrieb wirkt, und/oder
durch die Gewichtskraft des Werkzeugs.
[0037] Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht wenigstens einen redundanten Linearantrieb
vor, um bedarfsweise einen Linearantrieb zur Bewegung eines Stauchwerkzeuges zu ersetzen
oder zu unterstützen.
[0038] Diese Ausgestaltung der Erfindung ist insbesondere vorteilhaft, wenn mehrere kleine
Linearantriebe kostengünstiger sind als ein größerer Linearantrieb oder andere technische
oder wirtschaftliche Vorteile bieten, wie beispielsweise Redundanz, Montage- und/oder
Wartungsfreundlichkeit, Standardisierung oder Nutzung von Antriebstechnologien, die
in der darstellbaren Kraft oder Leistung beschränkt sind.
[0039] Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass zur Entlastung von Linearantrieben,
Lagern oder Komponenten der Führungsvorrichtung auf wenigstens ein Stauchwerkzeug
mittels einer Vorrichtung Kräfte eingeprägt werden, die im Wesentlichen die Gewichtskräfte
der Stauchwerkzeuge und/oder Komponenten der Linearantriebe zumindest teilweise kompensieren.
[0040] Diese Ausgestaltung der Erfindung ermöglicht vorteilhaft eine Verringerung von Spannungen
und Deformationen in den Linearantrieben als Folge von Gewichtskräften der Stauchwerkzeuge
und/oder Komponenten der Linearantriebe.
[0041] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Stauchen eines entlang einer Walzstraße bewegten
Walzgutes werden dem Walzgut Stauchkonturen aufgeprägt, indem zwei Stauchwerkzeuge
einer Stauchvorrichtung an sich quer zur Bewegung des Walzgutes gegenüber liegenden
Seiten des Walzgutes angeordnet und jeweils mittels der Linearantriebe geregelt oder
gesteuert an das Walzgut angedrückt werden.
[0042] Das Verfahren realisiert die oben bereits genannten Vorteile der erfindungsgemäßen
Stauchvorrichtung beim Stauchen eines Walzgutes.
[0043] Dabei ist vorzugsweise wenigstens ein Linearantrieb als ein hybrider hydraulischer
Linearantrieb mit einem primärgesteuerten Hydraulikzylinder und wenigstens einer verstellbaren
Hydraulikpumpe und/oder wenigstens einem bedarfsweise zuschaltbaren digital gesteuerten
Zusatz-Hydraulikzylinder ausgebildet.
[0044] Vorzugsweise wird dabei wenigstens ein Linearantrieb geregelt, insbesondere mittels
einer Positionsregelung oder/und Geschwindigkeitsregelung oder/und Druckregelung oder/und
Kraftregelung.
[0045] Eine Positionsregelung von Linearantrieben ermöglicht vorteilhaft insbesondere, Triftkorrekturen
für Bewegungen der Stauchwerkzeuge vorzunehmen. Eine Geschwindigkeitsregelung ermöglicht
vorteilhaft, insbesondere rasche Bewegungsanteile dieser Bewegungen zu kontrollieren.
Eine Druck- oder/und Kraftregelung in Richtung der Stauchbewegung ermöglicht, dass
beide Seiten des Walzgutes dieselbe Stauchkraft erfahren und folglich keine resultierende
Kraft auf das Walzgut wirkt, die das Walzgut verrücken könnte.
[0046] Ferner werden beispielsweise wenigstens zwei Linearantriebe mittels einer Impedanzregelung
eines Stauchwerkzeuges oder beider Stauchwerkzeuge in Kombination miteinander geregelt.
Diese Ausgestaltung der Erfindung berücksichtigt, dass das für das Stauchen relevante
Geschehen von den Stauchwerkzeugen bestimmt wird. Beim Stauchen gibt es die Stauchrichtung
in Walzgutbreitenrichtung und die Vorschubbewegung in Längsrichtung. Beim Stauchen
soll die Werkzeuglängsbewegung synchron zur Walzgutbewegung erfolgen; am einfachsten
ist, die Stauchwerkzeuge durch Reibungskräfte diese Längsbewegung einfach mitmachen
zu lassen und somit Zwangskräfte von den Stauchwerkzeugen auf das Walzgut in diese
Richtung weitgehend zu vermeiden. Mechanisch bzw. regelungstechnisch heißt das, die
Werkzeugkräfte in diese Richtung weitgehend zu Null zu regeln. In Stauchrichtung ist
hingegen die geforderte Stauchung bei jedem Stauchhub zu erzielen, bevor Stauchwerkzeuge
wieder abheben.
[0047] Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass zumindest ein Regler für
mindestens einen der Linearantriebe einen Beobachter für eine nicht bekannte Stauchkraft
nutzt.
[0048] Diese Ausgestaltung berücksichtigt, dass eine aktuelle Stauchkraft regelungstechnisch
als eine Störung aufgefasst werden kann, sofern sie nicht über Stauchkraftmodelle
oder eine direkte Messung bekannt ist. Die Stauchkraft bestimmt insbesondere wesentlich
die "Einfederung" relativ weicher hydraulischer Antriebe. Um dies regelungstechnisch
möglichst gut zu kompensieren, ist eine zumindest näherungsweise Kenntnis der aktuellen
Stauchkraft hilfreich. Dies kann vorteilhaft durch einen Beobachter erfolgen.
[0049] Die oben beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung sowie
die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich
im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen, die im Zusammenhang
mit den Zeichnungen näher erläutert werden. Dabei zeigen:
- FIG 1
- schematisch und ausschnittsweise eine Draufsicht auf ein Walzgut und eine Stauchvorrichtung
zum Stauchen des Walzgutes,
- FIG 2
- eine perspektivische Darstellung eines Stauchwerkzeuges und einer Führungsvorrichtung
mit einem einfachen Führungsmechanismus zur Führung des Stauchwerkzeuges in einer
Arbeitsebene,
- FIG 3
- ein Stauchwerkzeug, jeweils drei Hydraulikzylinder und Kolben zum Bewegen des Stauchwerkzeuges
und eine Führungsvorrichtung mit einem zweifachen Führungsmechanismus zur Führung
des Stauchwerkzeuges in einer Arbeitsebene,
- FIG 4
- in einer perspektivischen Darstellung ein Stauchwerkzeug und fünf Hydraulikzylinder
zum Bewegen des Stauchwerkzeuges,
- FIG 5
- einen hybriden hydraulischen Linearantrieb mit einem primärgesteuerten Hydraulikzylinder,
einer verstellbaren Hydraulikpumpe und vier bedarfsweise durch eine digitale Steuerung
zuschaltbaren Zusatz-Hydraulikzylindern, und
- FIG 6
- einen hybriden hydraulischen Linearantrieb mit einem primärgesteuerten Hydraulikzylinder,
zwei verstellbaren Hydraulikpumpen und zwei bedarfsweise zuschaltbaren digital gesteuerten
Zusatz-Hydraulikzylindern.
[0050] Einander entsprechende Teile sind in allen Figuren mit den gleichen Bezugszeichen
versehen.
[0051] Figur 1 zeigt schematisch und ausschnittsweise eine Draufsicht auf ein Walzgut 1,
das entlang einer Walzstraße in einer Bewegungsrichtung 2 bewegt wird, und eine Stauchvorrichtung
10 zum Stauchen des Walzgutes 1. Dabei zeigt Figur 1 nur eine an einer ersten Seite
des Walzgutes 1 angeordnete Hälfte der Stauchvorrichtung 10, umfassend ein Stauchwerkzeug
20, drei Linearantriebe 30 und einen Hydraulikspeicher 40. Die nicht dargestellte
andere Hälfte der Stauchvorrichtung 10 ist an einer der ersten Seite des Walzgutes
1 quer zu dessen Bewegung gegenüber liegenden (nicht dargestellten) Seite des Walzgutes
1 angeordnet und wie die dargestellte Hälfte der Stauchvorrichtung 10 ausgebildet,
d. h. auch die nicht dargestellte Hälfte der Stauchvorrichtung 10 umfasst ein Stauchwerkzeug
20, drei Linearantriebe 30 und einen Hydraulikspeicher 40. Die Stauchvorrichtung 10
wird mit dem Walzgut 1 in der Bewegungsrichtung 2 mitbewegt.
[0052] Jedes Stauchwerkzeug 20 umfasst einen Kopfteil 21 zum Kontaktieren des Walzgutes
1 und einen den Kopfteil 21 tragenden Rumpfteil 22.
[0053] Jeder Linearantrieb 30 umfasst einen Hydraulikzylinder 31, einen in dem Hydraulikzylinder
31 geführten Kolben 32, eine bezüglich eines Volumenstroms verstellbare Hydraulikpumpe
33 zur Erzeugung eines den Kolben 32 antreibenden Drucks und einen elektrischen Antriebsmotor
34 für die Hydraulikpumpe 33. Die Hydraulikpumpe 33 ist einerseits mit dem Hydraulikzylinder
31 des Linearantriebs 30 und andererseits mit dem jeweiligen Hydraulikspeicher 40
verbunden.
[0054] In dem Hydraulikspeicher 40 herrscht ein einen Umgebungsdruck wesentlich übersteigender
Druck, der vorzugsweise etwa halb so groß wie der maximale Arbeitsdruck eines Hydraulikzylinders
31 ist. Dadurch kann die Leistung der elektrischen Antriebsmotoren 34 verringert werden,
da beim weitgehend kraftlosen Rückhub Energie in die Hydraulikspeicher 40 fließt,
die beim kraftraubenden Stauchhub auf der Saugseite einen höheren Druck zur Verfügung
stellt, der das erforderliche Motormoment zur Erzeugung eines hohen Drucks in den
Hydraulikzylindern 31 verringert. Damit können die Antriebsmotoren 34 gegenüber einer
Ausführung ohne Hydraulikspeicher 40 um etwa 50 % niedriger dimensioniert werden.
[0055] Dargestellt ist ferner eine Versorgungseinheit 41 mit einem Versorgungstank 42 für
Hydraulikflüssigkeit, die dem Hydrauliksystem bedarfsweise zugeführt wird.
[0056] Der Rumpfteil 22 jedes Stauchwerkzeuges 20 ist an die Kolben 32 dreier Linearantriebe
30 gekoppelt. Die Linearantriebe 30 sind einzeln und unabhängig voneinander steuerbar
oder regelbar und derart angeordnet, dass jedes Stauchwerkzeug 20 über drei Linearantriebe
30 in einer Arbeitsebene, die zu einer Oberfläche des Walzgutes 1 und der Zeichenebene
der Figur 1 parallel ist, zweidimensional in alle Richtungen verschiebbar und um eine
zu der Arbeitsebene orthogonalen Drehachse drehbar ist. Die drei ein Stauchwerkzeug
20 antreibenden Linearantriebe 30 bilden damit einen parallelkinematischen Antrieb
des Stauchwerkzeuges 20.
[0057] Der Kopfteil 21 jedes Stauchwerkzeuges 20 hat die Form eines geraden Prismas mit
einer parallel zu der Arbeitsebene angeordneten Grundfläche, die die Form eines konvexen
Fünfecks mit zwei dem Walzgut 1 zugewandten Seiten, die einen stumpfen Innenwinkel
einschließen, hat. Dadurch kann die dem Walzgut 1 zugewandte Oberfläche des Kopfteil
21 wie eine Rampe zum Stauchen des Walzgutes 1 wirken.
[0058] Mittels der Linearantriebe 30 werden die Kopfteile 21 der beiden Stauchwerkzeuge
20 zum Stauchen des Walzgutes 1 von dessen sich gegenüber liegenden Seiten gleichzeitig
an das Walzgut 1 angedrückt. Dadurch, dass die Stauchwerkzeuge 20 durch die Linearantriebe
30 in der Arbeitsebene in alle Richtungen verschiebbar und drehbar sind, können dem
Walzgut 1 mittels der Stauchvorrichtung 10 beliebige ebene Stauchkonturen aufgeprägt
werden. Figur 1 zeigt beispielhaft eine Kraftrichtung 3 einer Kraft, die das Walzgut
1 auf ein Stauchwerkzeug 20 ausübt, wenn das Stauchwerkzeug 20 an das Walzgut 1 zu
dessen Stauchen angedrückt wird.
[0059] Figur 2 zeigt eine perspektivische Darstellung eines Stauchwerkzeuges 20 und einer
Führungsvorrichtung 50 mit einem einfachen Führungsmechanismus zur Führung des Stauchwerkzeuges
20 in einer Arbeitsebene. Der einfache Führungsmechanismus besteht aus einem Paar
zweier Teilarme 51, 52, die miteinander durch ein erstes Führungsgelenk 53 verbunden
sind. Ferner ist ein erster Teilarm 51 über ein zweites Führungsgelenk 56 mit dem
Rumpfteil 22 des Stauchwerkzeuges 20 und der zweite
[0060] Teilarm 52 über ein drittes Führungsgelenk 54 beweglich mit einem Fixierungsglied
55 zur Befestigung der Führungsvorrichtung 50 verbunden. Mittels der Führungsgelenke
53, 54, 56 sind die Teilarme 51, 52 relativ zueinander und zu dem Fixierungsglied
55 um zu der Arbeitsebene orthogonale Schwenkachsen schwenkbar, so dass der einfache
Führungsmechanismus ein ebenes Zweigelenk bildet, das Bewegungen des Stauchwerkzeuges
20 in der Arbeitsebene zulässt. Das Stauchwerkzeug 20 wird mittels in Figur 2 nicht
dargestellten Linearantrieben 30 bewegt (vgl. Figur 3). Die Führungsvorrichtung 50
dient der Entlastung der Linearantriebe 30, so dass die Linearantriebe 30 im Wesentlichen
das Stauchwerkzeug 20 nur in der Arbeitsebene bewegen müssen, es aber nicht in der
Arbeitsebene halten müssen.
[0061] Figur 3 zeigt ein Stauchwerkzeug 20, jeweils drei Hydraulikzylinder 31 und Kolben
32 zum Bewegen des Stauchwerkzeuges 20 und eine zu der in Figur 2 dargestellten Führungsvorrichtung
50 alternative Führungsvorrichtung 50 mit einem zweifachen Führungsmechanismus zur
Führung des Stauchwerkzeuges 20 in einer Arbeitsebene. Dieser Führungsmechanismus
besteht aus zwei einfachen Führungsmechanismen, die jeweils wie der in Figur 2 dargestellte
einfache Führungsmechanismus ausgebildet sind, wobei die ersten Teilarme 51 dieser
beiden einfachen Führungsmechanismen mit verschiedenen Enden des Rumpfteils 22 des
Stauchwerkzeuges 20 verbunden sind und beide einfachen Führungsmechanismen Bewegungen
des Stauchwerkzeuges 20 in einer gemeinsamen Arbeitsebene zulassen. Die Hydraulikzylinder
31 und Kolben 32 sind Bestandteile dreier Linearantriebe 30, um das Stauchwerkzeug
20 in der Arbeitsebene zu bewegen. Dabei sind die Kolben 32 zweier Linearantriebe
30 wie in Figur 1 mit dem Rumpfteil 22 des Stauchwerkzeuges 20 verbunden, während
der Kolben 32 des dritten Linearantriebs 30 mit dem ersten Führungsgelenk 53 eines
der einfachen Führungsmechanismen verbunden ist und über dieses Führungsgelenk 53
über den ersten Teilarm 51 auf das Stauchwerkzeug 20 einwirkt.
[0062] Figur 4 zeigt in einer perspektivischen Darstellung ein Stauchwerkzeug 20 und fünf
von insgesamt sechs Hydraulikzylinder 31 zum Bewegen des Stauchwerkzeuges 20, wobei
der sechste Hydraulikzylinder 31 der Übersichtlichkeit halber nicht dargestellt ist.
Jeder der sechs Hydraulikzylinder 31 und ein in ihm geführter Kolben 32 sind Bestandteile
eines Linearantriebs 30 zum Bewegen des Stauchwerkzeuges 20. Die Kolben 32 sind jeweils
mit dem Rumpfteil 22 des Stauchwerkzeuges 20 verbunden. Dabei sind die sechs Linearantriebe
30 derart an dem Rumpfteil 22 angeordnet, dass das Stauchwerkzeug 20 mittels der sechs
Linearantriebe 31 dreidimensional in alle Richtungen verschiebbar und beliebig drehbar
ist. Die sechs Linearantriebe 31 bilden damit einen dreidimensionalen parallelkinematischen
Hexapodenantrieb des Stauchwerkzeuges 20, der eine Alternative zu einem der anhand
der Figuren 1 bis 3 beschriebenen ebenen Antriebe eines Stauchwerkzeuges 20 ist.
[0063] Figur 5 zeigt einen "hybriden" hydraulischen Linearantrieb 30, umfassend einen primärgesteuerten
Hydraulikzylinder 31 mit einem Kolben 32, eine verstellbare Hydraulikpumpe 33, vier
bedarfsweise durch eine digitale Steuerung zuschaltbare Zusatz-Hydraulikzylinder 35
mit je einem Kolben 32, ein mit allen Kolben 32 verbundenes Kolbenverbindungselement
36 und zwei Schaltventile 37, um Zusatz-Hydraulikzylinder 35 bedarfsweise zuzuschalten.
[0064] Mittels jedes Schaltventils 37 ist in jeweils zwei der Zusatz-Hydraulikzylinder 35
ein Druck wahlweise auf einen von zwei verschiedenen diskreten Werten einstellbar.
Ein derart "schaltbarer" Druck für die Zusatz-Hydraulikzylinder 35 kann vorteilhaft
von einer entfernten Systemdruckquelle 44 bereitgestellt werden, so dass dafür Vorort,
d. h. im Bereich des Walzgutes 1, keine entsprechenden Pumpen oder Motoren und der
dafür notwendige Raum benötigt werden. Durch die Zusatz-Hydraulikzylinder 35 wird
ferner der primärgesteuerte Hydraulikzylinder 31 entlastet, so dass von ihm nur ein
Bruchteil der gesamten Hydraulikleistung erbracht und Vorort erzeugt werden muss.
Dadurch werden im Bereich des Walzgutes 1 nur relativ kleine und einfache Hydraulikpumpen
33 und Antriebsmotoren 34 benötigt. Die Verwendung mehrerer Zusatz-Hydraulikzylinder
35 ermöglicht vorteilhaft die Verwendung von Zusatz-Hydraulikzylindern 35 relativ
kleiner Zylindergrößen und vermeidet die Verwendung oder Entwicklung großer Sonderzylinder.
[0065] Dabei sind der primärgesteuerte Hydraulikzylinder 31 und die Zusatz-Hydraulikzylinder
35 derart ausgebildet und miteinander hydraulisch verbunden, dass eine dem primärgesteuerten
Hydraulikzylinder 31 unterseitig, d. h. von einem dem Kolbenverbindungselement 36
abgewandten Ende, zugeführte Hydraulikflüssigkeitsmenge diejenige Hydraulikflüssigkeitsmenge
kompensiert, die aus dem primärgesteuerten Hydraulikzylinder 31 und den Zusatz-Hydraulikzylindern
35 oberseitig, d. h. von deren dem Kolbenverbindungselement 36 zugewandten Enden,
insgesamt abgeführt wird, und dass entsprechend eine aus dem primärgesteuerten Hydraulikzylinder
31 unterseitig abgeführte Hydraulikflüssigkeitsmenge diejenige Hydraulikflüssigkeitsmenge
kompensiert, die dem primärgesteuerten Hydraulikzylinder 31 und den Zusatz-Hydraulikzylindern
35 oberseitig insgesamt zugeführt wird. Dazu entspricht die unterseitige Querschnittsfläche
des Kolbens 32 des primärgesteuerten Hydraulikzylinder 31 der Summe aller oberseitigen
Ringflächen des primärgesteuerten Hydraulikzylinders 31 und der Zusatz-Hydraulikzylinder
35, wobei die oberseitige Ringfläche eines Hydraulikzylinders 31, 35 als die Differenz
der Querschnittsflächen des Innenraums des Hydraulikzylinder 31, 35 und dessen oberseitigen
Kolbens 32 definiert ist.
[0066] Figur 5 zeigt auch einen Rückführungstank 45, der aus den Zusatz-Hydraulikzylindern
35 rückgeführte Hydraulikflüssigkeit aufnimmt und aus dem Hydraulikflüssigkeit beim
Ausfahren der Kolben 32 angesaugt wird. Ferner zeigt Figur 5 einen Hydraulikspeicher
40 und eine Mindestdruckquelle 46 zur Erzeugung eines Mindestdrucks für den primärgesteuerten
Hydraulikzylinder 31, wobei der Hydraulikspeicher 40 und die Mindestdruckquelle 46
über Rückschlagventile 47 mit dem primärgesteuerten Hydraulikzylinder 31 und der Hydraulikpumpe
33 verbunden sind.
[0067] Figur 6 zeigt einen "hybriden" hydraulischen Linearantrieb 30, der eine Alternative
zu dem in Figur 5 dargestellten Linearantrieb 30 ist, und einen primärgesteuerten
Hydraulikzylinder 31 mit einem Kolben 32, zwei verstellbare Hydraulikpumpen 33, zwei
bedarfsweise zuschaltbare digital gesteuerte Zusatz-Hydraulikzylinder 35 mit je einem
Kolben 32 und ein Schaltventil 37, um Zusatz-Hydraulikzylinder 35 bedarfsweise zuzuschalten.
Im Unterschied zu dem in Figur 5 dargestellten Linearantrieb 30 weist der in Figur
6 dargestellte Linearantrieb 30 zwei unabhängig voneinander verstellbare Hydraulikpumpen
33 auf, die gemäß Figur 6 jeweils mit dem primärgesteuerten Hydraulikzylinder 31 und
mit einem der Zusatz-Hydraulikzylinder 35 verbunden sind. Dadurch können vorteilhaft
außermittige Kräfte auf das Kolbenverbindungselement 36 kompensiert werden.
[0068] Jeder der in Figur 5 und 6 dargestellten "hybriden" hydraulischen Linearantriebe
30 kann einen der in den Figuren 1, 3 und 4 dargestellten Linearantriebe 30 ersetzen.
Dadurch ergeben sich verschiedene Ausführungsbeispiele erfindungsgemäßer Stauchvorrichtungen
10. Beispielsweise kann ein Stauchwerkzeug 20 wie in Figur 3 mit einer zwei einfache
Führungsmechanismen aufweisenden Führungsvorrichtung 50 und drei Linearantrieben 30
verbunden sein, wobei aber die beiden direkt mit dem Stauchwerkzeug 20 verbundenen
Linearantriebe 30 jeweils als ein in Figur 5 oder Figur 6 dargestellter "hybrider"
hydraulischer Linearantrieb 30 ausgebildet sind.
[0069] Obwohl die Erfindung im Detail durch bevorzugte Ausführungsbeispiele näher illustriert
und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele
eingeschränkt und andere Variationen können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden,
ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0070]
- 1
- Walzgut
- 2
- Bewegungsrichtung
- 3
- Kraftrichtung
- 10
- Stauchvorrichtung
- 20
- Stauchwerkzeug
- 21
- Kopfteil
- 22
- Rumpfteil
- 30
- Linearantrieb
- 31
- Hydraulikzylinder
- 32
- Kolben
- 33
- Hydraulikpumpe
- 34
- Antriebsmotor
- 35
- Zusatz-Hydraulikzylinder
- 36
- Kolbenverbindungselement
- 37
- Schaltventil
- 40
- Hydraulikspeicher
- 41
- Versorgungseinheit
- 42
- Versorgungstank
- 44
- Systemdruckquelle
- 45
- Rückführungstank
- 46
- Mindestdruckquelle
- 47
- Rückschlagventil
- 50
- Führungsvorrichtung
- 51, 52
- Teilarm
- 53, 54, 56
- Führungsgelenk
- 55
- Fixierungsglied
1. Stauchvorrichtung (10) zum Stauchen eines entlang einer Walzstraße bewegten Walzgutes
(1), umfassend
- zwei an sich quer zur Bewegung des Walzgutes (1) gegenüber liegenden Seiten des
Walzgutes (1) angeordnete und jeweils mit dem Walzgut (1) mitbewegbare und an das
Walzgut (1) andrückbare Stauchwerkzeuge (20)
- und je Stauchwerkzeug (20) wenigstens drei unabhängig voneinander steuer- oder regelbare
Linearantriebe (30), mittels derer das jeweilige Stauchwerkzeug (20) in einer zu einer
Oberfläche des Walzgutes (1) parallelen Arbeitsebene zweidimensional in alle Richtungen
verschiebbar und um eine zu der Arbeitsebene orthogonalen Drehachse drehbar ist.
2. Stauchvorrichtung (10) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die wenigstens drei Linearantriebe (30) jedes Stauchwerkzeuges (20) einen parallelkinematischen
Antrieb bilden.
3. Stauchvorrichtung (10) nach Anspruch 1 oder 2,
gekennzeichnet durch sechs unabhängig voneinander steueroder regelbare Linearantriebe (30) je Stauchwerkzeug
(20), wobei diese sechs Linearantriebe (30) derart ausgebildet und angeordnet sind,
dass das jeweilige Stauchwerkzeug (20) mittels der sechs Linearantriebe (30) dreidimensional
in alle Richtungen verschiebbar und beliebig drehbar ist.
4. Stauchvorrichtung (10) nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass jedes Stauchwerkzeug (20) mittels einer Führungsvorrichtung (50) in der Arbeitsebene
gehalten wird und jeder parallelkinematische Antrieb drei Linearantriebe (30) zur
Bewegung des jeweiligen Stauchwerkzeuges (20) in der Arbeitsebene aufweist.
5. Stauchvorrichtung (10) nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass jede Führungsvorrichtung (50) durch einen Führungsmechanismus gebildet wird, der
aus wenigstens zwei festen Körpern und wenigstens einem rotatorischen und/oder wenigstens
einem translatorischen Lager besteht.
6. Stauchvorrichtung (10) nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass der Führungsmechanismus wenigstens ein ebenes Zweigelenk umfasst.
7. Stauchvorrichtung (10) nach einem der Ansprüche 4 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Linearantrieb (30) über wenigstens eine Komponente der Führungsvorrichtung
(50) auf das jeweilige Stauchwerkzeug (20) einwirkt.
8. Stauchvorrichtung (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Linearantrieb (30) ein hydraulischer Antrieb ist.
9. Stauchvorrichtung (10) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Linearantrieb (30) ein offener oder geschlossener hydrostatischer
Antrieb mit einer verstellbaren Hydraulikpumpe (33) ist.
10. Stauchvorrichtung (10) nach Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Linearantrieb (30) eine Kombination eines offenen oder geschlossenen
hydrostatischen Antriebs mit einer verstellbaren Hydraulikpumpe (33) und eines schaltenden
Antriebs ist, wobei bei dem schaltenden Antrieb in wenigstens einem Verdrängungsraum
wenigstens eines Zusatz-Hydraulikzylinders (35) mittels eines Schaltventils (37) ein
Druck wahlweise auf einen von wenigstens zwei verschiedenen diskreten Werten einstellbar
ist.
11. Stauchvorrichtung (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch wenigstens einen redundanten Linearantrieb (30), um bedarfsweise einen Linearantrieb
(30) zur Bewegung eines Stauchwerkzeuges (20) zu ersetzen oder zu unterstützen.
12. Verfahren zum Stauchen eines entlang einer Walzstraße bewegten Walzgutes (1) mittels
einer Stauchvorrichtung (10) mit zwei Stauchwerkzeugen (20), wobei
- dem Walzgut (1) Stauchkonturen aufgeprägt werden, indem die Stauchwerkzeuge (20)
an sich quer zur Bewegung des Walzgutes (1) gegenüber liegenden Seiten des Walzgutes
(1) angeordnet und jeweils mittels wenigstens eines Linearantriebes (30) geregelt
oder gesteuert an das Walzgut (1) angedrückt werden.
13. Verfahren nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Linearantrieb (30) als ein hybrider hydraulischer Linearantrieb mit
einem primärgesteuerten Hydraulikzylinder (31) und wenigstens einer verstellbaren
Hydraulikpumpe (33) und/oder wenigstens einem bedarfsweise zuschaltbaren digital gesteuerten
Zusatz-Hydraulikzylinder (35) ausgebildet ist.
14. Verfahren nach Anspruch 12 oder 13,
dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Linearantrieb (30) mittels einer Positionsregelung oder/und Geschwindigkeitsregelung
oder/und Druckregelung oder/und Kraftregelung geregelt wird.
15. Verfahren nach Anspruch 12 oder 13,
dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens zwei Linearantriebe (30) mittels einer Impedanzregelung eines Stauchwerkzeuges
(20) oder beider Stauchwerkzeuge (20) in Kombination miteinander geregelt werden.