[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren für einen Rollbetrieb eines Kraftfahrzeugs mit
Verbrennungsmotor, insbesondere eines Nutzfahrzeugs. Die Erfindung betrifft insbesondere
ein Verfahren für einen Rollbetrieb, bei dem der Verbrennungsmotor im unbefeuerten
Betrieb bei geschlossenem Triebstrang geschleppt wird.
[0002] Zur Kraftstoffeinsparung werden Kraftfahrzeuge bei geeigneten Strecken, insbesondere
Gefällen, in einem sog. Roll- oder Segelmodus betrieben.
[0003] Der dem Fachmann bekannte Segelmodus eines Kraftfahrzeugs oder Hybridfahrzeugs besteht
darin, dass die kinetische Energie des Kraftfahrzeugs in Rollphasen genutzt wird,
um eine möglichst hohe Rollgeschwindigkeit aufrechtzuerhalten und somit eine möglichst
hohe Rolldistanz zu erreichen. Dabei wird beispielsweise gemäß der Schrift
DE 10 2008 029 453 A1 der Motor des Fahrzeugs vom restlichen Antriebsstrang entkoppelt, was durch Öffnen
der Kupplung oder durch eine Neutralschaltung im Getriebe passiert, um die bremsende
Wirkung des Schleppmoments des Motors zu reduzieren. Die an eine Rollphase anschließende
Zugphase kann infolge der erhaltenen Rollgeschwindigkeit bzw. erzielten Rolldistanz
zu einem späteren Zeitpunkt einsetzen und/oder mit geringerer Motorleistung erfolgen.
Daraus erwächst ein Potential zur Einsparung von Kraftstoff.
[0004] Nachteilig an dieser Betriebsweise ist, dass der Motor im Leerlaufbetrieb läuft,
wodurch das Kraftstoffverbrauchsreduzierungspotential verringert wird.
[0005] Eine komplette Abschaltung des Verbrennungsmotors im Rollbetrieb wäre für den Kraftstoffverbrauch
die ideale Lösung. Im Stand der Technik ist es daher ferner bekannt, den Kraftstoffverbrauch
während des Segelns zusätzlich zu reduzieren, indem der Motor nicht nur - anstatt
bei hoher Drehzahl geschleppt zu werden - vom Antriebsstrang entkoppelt und befeuert
im Motorleerlauf betrieben wird, sondern auch vollständig abgestellt wird und bei
einer sich anschließenden Zugphase wieder zugestartet wird.
[0006] In diesem Fall werden die über den Motor angetriebenen Nebenverbraucher wie etwa
der Generator oder der Klimakompressor jedoch nicht mehr gespeist. In der praktischen
Umsetzung ist diese Variante daher mit Nachteilen verbunden, insbesondere, da für
den Fahrzeugbetrieb von Nutzfahrzeugen wichtige Nebenaggregate (z. B. der Luftpresser
oder die Lenkhelfpumpe) auch im Rollbetrieb weiterhin zuverlässig angetrieben werden
müssen.
[0007] Eine alternative bekannte Variante zur Einsparung von Kraftstoff während Fahrzeugrollphasen
ist ein Rollbetrieb, bei dem die Kraftstoffzufuhr des Motors während einer Rollphase
unterbrochen wird. Dabei bleibt der Motor mit dem Antriebsstrang gekoppelt und wird
unbefeuert geschleppt. Dieser Betrieb wird auch als Schubbetrieb mit Schubabschaltung
oder Betrieb mit Motorbremse bezeichnet. Ein Teil der kinetischen Energie wird dabei
für die erforderliche Antriebsleistung der Nebenaggregate aufgewendet.
[0008] Diese Betriebsweise ermöglicht ein Potential zur Einsparung von Kraftstoff durch
Vermeidung des Motorleerlaufbetriebs und stellt die Versorgung der Nebenaggregate
sicher. Nachteilig an dieser Betriebsweise ist die resultierende Schleppverlustleistung,
z. B. aufgrund von Reibungsverlusten des unbefeuerten Betriebs des Motors. Diese Schleppleistung
bremst das Fahrzeug und reduziert somit die kinetische Energie des Fahrzeuges.
[0009] Es ist somit eine Aufgabe der Erfindung, ein verbessertes Rollbetriebsverfahren bereitzustellen,
mit dem Nachteile herkömmlicher Techniken vermieden werden können. Die Aufgabe der
Erfindung ist es insbesondere, ein Rollbetriebsverfahren mit verbesserter Kraftstoffeffizienz
bereitzustellen, das gleichzeitig einen sicheren Betrieb der Nebenaggregate ermöglicht.
[0010] Diese Aufgaben werden durch ein Betriebsverfahren für ein Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor
gemäß den Merkmalen des Hauptanspruchs gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen und
Anwendungen der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche und werden in der
folgenden Beschreibung unter teilweiser Bezugnahme auf die Figuren näher erläutert.
[0011] Erfindungsgemäß wird ein Verfahren für einen Rollbetrieb eines Kraftfahrzeugs mit
Verbrennungsmotor vorgeschlagen, insbesondere ein derartiges Verfahren für ein Nutzfahrzeug,
wobei im Rollbetrieb der Verbrennungsmotor im unbefeuerten Betrieb und bei geschlossenem
Triebstrang, d. h. bei nicht getrenntem Kraftschluss, geschleppt wird. Die Kraftstoffzufuhr
ist somit unterbrochen, und der Motor wird durch das Fahrzeug geschleppt, also in
Drehbewegung gehalten. Ein solcher Rollbetrieb wird auch als Schubbetrieb bezeichnet.
[0012] Gemäß allgemeinen Gesichtspunkten der Erfindung erfolgt der Rollbetrieb mit verringertem
Motorschleppmoment bzw. verringerter Motorschleppleistung. Hierzu umfasst das Kraftfahrzeug
Mittel zur Verringerung eines Motorschleppmoments und damit einer Motorschleppleistung
des Verbrennungsmotors, mittels derer die Motorschleppleistung während des Rollbetriebs
reduziert wird, so dass der Verbrennungsmotor im Rollbetrieb mit der reduzierten Motorschleppleistung
geschleppt wird.
[0013] Eine besonderer Vorzug der Erfindung liegt somit darin, dass im Vergleich zu einem
herkömmlichen Schubbetrieb Reibungsverluste im Schleppbetrieb reduziert werden und
folglich auch die resultierende Fahrzeugverzögerung. Damit kann die an eine Rollphase
anschließende Zugphase infolge der erhaltenen höheren Rollgeschwindigkeit bzw. erzielten
weiteren Rolldistanz zu einem späteren Zeitpunkt einsetzen und/oder mit geringerer
Motorleistung erfolgen. Daraus erwächst ein Potential zur Einsparung von Kraftstoff
im Vergleich zu einem herkömmlichen Schubbetrieb. Gleichzeitig kann die Versorgung
und der Antrieb der Nebenaggregate gewährleistet werden.
[0014] Vorzugsweise sind die Mittel zur Verringerung einer Motorschleppleistung so ausgelegt,
dass durch den geschleppten Motor alle Nebenaggregate ausreichend versorgt werden
können und die verbleibende Verlustleistung des Motors möglichst klein ausfällt.
[0015] Die Erfindung ist hinsichtlich der Wahl der Mittel zur Verringerung einer Motorschleppleistung
nicht auf eine bestimmte Auswahl beschränkt und/oder hinsichtlich der konstruktiven
Ausgestaltung dieser Mittel nicht auf einen bestimmten Aufbau beschränkt.
[0016] Vorteilhafterweise können die Mittel zur Verringerung der Motorschleppleistung so
ausgeführt sein, einen Ventiltrieb im Rollbetrieb so zu verändern, dass eine von der
Brennkraftmaschine im nicht befeuerten Betrieb zu leistende Kompressionsarbeit und/oder
Ladungswechselarbeit verringert wird, so dass die Rotation des Brennkraftmaschine
gegen einen geringeren Widerstand erfolgt und daher mit weniger mechanischer Energie
erreicht werden kann. Beispielsweise kann eine an sich bekannte Dekompressionsdauerbremse
so eingesetzt werden, dass diese im Rollbetrieb für eine gezielte Zylinderdekompression
eingesetzt wird.
[0017] Gemäß einer besonders vorteilhaften Variante können die Mittel zur Verringerung der
Motorschleppleistung eine Sperreinrichtung umfassen, die so stellbar ist, dass sie
das Schließen einer oder mehrerer Auslassventile der Zylinder des Verbrennungsmotors
verhindert. Dadurch erfolgt eine gezielte Dekompression der Zylinder und es erfolgt
keine Schleppverlustleistung durch die zu leistende Kompressionsarbeit.
[0018] Eine Möglichkeit der erfindungsgemäßen Realisierung sieht hierbei vor, dass die Sperreinrichtung
so stellbar ist, dass sie eine Bewegung eines Kipphebels und/oder einer Kipphebelwelle,
die mit einem Zylinderauslassventil zum Öffnen und Schließen desselben in Wirkverbindung
stehen, derart beschränkt, dass das Auslassventil in einem offenen Zustand verbleibt.
Eine derartige Anordnung kann für alle Auslassventile vorgesehen sein. Beispielsweise
kann die Sperreinrichtung als Sperrstift vorgesehen sein, der im Rollbetrieb so gestellt
werden kann, dass er in Eingriff mit einer Rastnase an der Kipphebelwelle bringbar
ist und so eine weitere Rotation der Kipphebelwelle in eine das Zylinderauslassventil
in eine Schließstellung bringende Drehstellung blockiert. Diese Variante bietet den
Vorteil, dass herkömmliche Verbrennungsmotoren mit einer geringfügigen konstruktiven
Modifikation durch Anbringung der stellbaren Sperreinrichtung, z. B. des Sperrstiftes,
so angepasst werden, dass sie den Rollbetrieb mit reduziertem Motorschleppmoment ermöglichen.
[0019] Gemäß einer weiteren Variante können die Mittel zur Verringerung der Motorschleppleistung
eine Abschaltung des Ventiltriebes der Zylinder bewirken, derart, dass ein Zylinderbetrieb
bei geschlossenen Ventilen ohne Ladungswechsel erfolgt. Die Zylinder wirken folglich
als Gasfedern, die die aufgebrachte Kompressionsarbeit nach Erreichen des oberen Totpunkts
wieder zu einem großen Teil zurückgeben, so dass die aufzubringende Kompressionsarbeit
im Vergleich zu einem normalen Ventiltrieb reduziert ist.
[0020] Gemäß einer weiteren Ausgestaltungsform kann das Verfahren für den Rollbetrieb die
nachfolgende Schritte umfassen: ein Vorgeben eines oberen und unteren Schwellenwertes
für eine Fahrzeugbeschleunigung im Rollbetrieb; und ein Vorausberechnen eines Beschleunigungsverlaufs
des Fahrzeuges für den Rollbetrieb in Abhängigkeit von Topographiedaten für einen
vorgegebenen vorausliegenden Streckenabschnitt der Fahrtroute; wobei der Rollbetrieb
bei Erreichen oder Beginn eines Gefällestreckenabschnitts aktiviert wird, für den
vorausberechnet wurde, dass der vorausberechnete Beschleunigungsverlauf länger als
eine Mindestdauer oder Mindeststrecke innerhalb der oberen und unteren Schwellenwerte
für die Fahrzeugbeschleunigung liegt.
[0021] Dadurch kann eine geeignete Fahrsituation, z. B. eine längere Gefällestrecke mit
geeignetem Steigungsverlauf, erkannt werden, die sich für den Rollbetrieb eignet,
um den Rollbetrieb bei Erreichen dieser Gefällestrecke zu initiieren. Der obere und
der Schwellwert für die Fahrzeugbeschleunigung geben somit einen geeigneten Bereich
an, in dem die Fahrzeugbeschleunigung in einem für den Rollbetrieb vorteilhaften Bereich
liegt.
[0022] Ferner kann der zuvor aktivierte Rollbetrieb deaktiviert werden, wenn die aktuelle
Fahrzeuggeschwindigkeit, die Fahrzeugbeschleunigung oder ein Steigungsgrad auf einer
aktuellen Position einer Fahrtroute vorgegebene Schwellenwerte für diese Größen übersteigen.
[0023] Beispielsweise kann die Vorausberechnung des Beschleunigungsverlaufs des Fahrzeuges
für den Rollbetrieb mit verringerter Schleppleistung unter Verwendung eines Fahrzeugmodells
erfolgen, das ein Beschleunigungsverhalten des Fahrzeugs im nichtbefeuerten Betrieb
in Abhängigkeit von der Topographie der Fahrtroute und der aktuellen Geschwindigkeit
angibt. Das Fahrzeugmodell kann in Form einer Kennlinie in der Geschwindigkeitsregelanlage
hinterlegt sein.
[0024] Das Fahrzeugmodell kann beispielsweise einen Beladungszustand, ein Gesamtgewicht,
eine Achslast, einen Rollreibungswiderstand, einen Strömungswiderstand des Kraftfahrzeugs
und/oder einen durch Komponenten der Antriebseinheit verursachten Verlustwiderstand
der Antriebseinheit berücksichtigen. Anhand dieser Parameter kann ein Beschleunigungsverhalten
des Fahrzeugs im nichtbefeuerten Betrieb, beispielsweise im Rollbetrieb oder im Schubbetrieb,
berechnet werden.
[0025] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Steuerung eines Betriebs
eines Kraftfahrzeugs mit Verbrennungsmotor, insbesondere eines Nutzfahrzeugs, wobei
die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens, wie dieses vorstehend beschrieben
wurde, eingerichtet ist.
[0026] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Nutzfahrzeug mit einer solchen Vorrichtung.
[0027] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung werden im Folgenden unter Bezug auf
die beigefügten Zeichnungen beschrieben. Es zeigen:
- Figur 1
- ein Ablaufdiagramm zur Illustration eines Verfahrens für den Rollbetrieb gemäß einem
Ausführungsbeispiel;
- Figur 2A, 3A, 4A
- Beschleunigungszustände eines Fahrzeugs im Rollbetrieb entlang einer Gefällestrecke;
und
- Figur 2B, 3B, 4B
- Positionen eines Fahrzeugs im Rollbetrieb entlang einer Gefällestrecke.
[0028] Figur 1 illustriert beispielhaft ein Ablaufdiagramm eines Verfahrens für den Rollbetrieb
gemäß einem Ausführungsbeispiel.
[0029] Hierbei zeigt die Figur 2B die Topographie einer Fahrtroute des Fahrzeugs 4 als relative
Höhenkurve an. Der in Figur 2B gezeigte Streckenabschnitt zeigt einen Streckenabschnitt
mit einer längeren Gefällestrecke. In Figur 2B befindet sich das Fahrzeug am Beginn
der Gefällestrecke.
[0030] Während des normalen befeuerten Fahrbetriebs wird gemäß Schritt S1 der vorausliegende
Streckenabschnitt von einer Fahrzeugsteuereinrichtung kontinuierlich überwacht, um
eine geeignete Fahrsituation zu bestimmen, in der der Rollbetrieb aktiviert werden
kann. Dies kann beispielsweise in an sich bekannter Weise durch eine Vorausberechnung
der auftretenden Fahrzeugverzögerung und unter Berücksichtigung der Sollgeschwindigkeit
des Fahrzeuges, beispielweise einer für Nutzfahrzeuge vorgegebenen Höchstgeschwindigkeit,
erfolgen. Eine Über- bzw. Unterschreitung der Sollgeschwindigkeit wird in bestimmten
Grenzen zur Ausnutzung von Schwungspitzen zugelassen, so dass das Rollen in bestimmten
Beschleunigungsgrenzen stattfinden kann. Die Vorausberechnung des Beschleunigungsverlaufs
des Fahrzeuges für den Rollbetrieb kann in Abhängigkeit von Topographiedaten für einen
vorgegebenen vorausliegenden Streckenabschnitt 5 der Fahrtroute erfolgen.
[0031] Die Vorausberechnung des Beschleunigungsverlaufs des Fahrzeuges für den Rollbetrieb
mit verringerter Schleppleistung erfolgt unter Verwendung eines Fahrzeugmodells, das
ein Beschleunigungsverhalten des Fahrzeugs im nichtbefeuerten Betrieb in Abhängigkeit
von der Topographie der Fahrtroute und der aktuellen Geschwindigkeit angibt. Das Fahrzeugmodell
kann einen Beladungszustand, ein Gesamtgewicht, eine Achslast, einen Rollreibungswiderstand,
einen Strömungswiderstand des Kraftfahrzeugs und/oder einen durch Komponenten der
Antriebseinheit verursachten Verlustwiderstand der Antriebseinheit berücksichtigen.
[0032] Derartige Fahrzeugmodelle und das Berechnen der Beschleunigung des Fahrzeugs im nicht
befeuerten Betrieb auf Gefällestrecken sind an sich aus dem Stand der Technik bekannt
und müssen hier nicht detaillierter beschrieben werden. Derartige Ansätze sind beispielsweise
aus der
DE 10 2006 001 818 A1 oder der
DE 10 2010 005 045 A1 bekannt.
[0033] In diesem Dokument wird lediglich festgestellt, dass ein derartiges Fahrzeugmodell
in Form einer Berechnungsfunktion und/oder in Form einer Kennlinie 3 in der Geschwindigkeitsregelanlage
hinterlegt sein kann, die in Abhängigkeit der Gefälle-/Höheinformation der Fahrtroute
das Beschleunigungsverhalten des Fahrzeugs beschreibt.
[0034] Mit dem Fahrzeugmodell kann dann vorausberechnet werden, wie sich ein vorausliegendes
Gefälle auf den Beschleunigungsverlauf des Fahrzeugs bei gegebener Sollwerteinstellung
der Tempomat- bzw. Bremsomatfunktion auswirkt.
[0035] Die Topographie einer Fahrtroute kann als Topographiedaten von einem Navigationsgerät
bereitgestellt werden. Das Navigationsgerät kann ferner die aktuelle Fahrzeugposition
und Fahrtrichtung bereitstellen und der gespeicherten Topographie der Fahrtroute zuordnen.
[0036] Figur 2A zeigt eine in der Fahrzeugsteuerung hinterlegte Kennlinie 3, die eine Fahrzeugbeschleunigung
a (Y-Achse in Figur 2A) im Rollbetrieb in Abhängigkeit von der Fahrbahnsteigung s
(X-Achse in Figur 2A) angibt. Ferner gehen in das Verfahren jeweils ein vorgegebener
oberer Schwellenwert 1 und ein unterer Schwellenwert 2 für eine Fahrzeugbeschleunigung
a ein. Derartige Schwellenwerte sind nicht fest definiert, sondern je nach Fahrzeug
frei parametrierbar.
[0037] Der Rollbetrieb wird bei Beginn eines Gefällestreckenabschnitts aktiviert, für den
vorausberechnet wurde, dass der vorausberechnete Beschleunigungsverlauf länger als
eine Mindestdauer oder Mindeststrecke innerhalb der oberen und unteren Schwellenwerte
1, 2 für die Fahrzeugbeschleunigung liegt. Bei Erreichen der in Figur 2B gezeigten
Fahrzeugposition sind diese Bedingungen erfüllt, so dass der Rollbetrieb von der Fahrzeugsteuereinrichtung
entsprechend der Schritte S2 und S3 aktiviert wird.
[0038] Gemäß einer alternativen Ausführungsform kann die Bestimmung einer geeigneten Fahrsituation,
in der der Rollbetrieb aktiviert werden kann, auch ohne die Verwendung von Topographie-
und GPS-Daten bzw. ohne eine Vorausberechnung der auftretenden Fahrzeugverzögerung
erfolgen. Beispielsweise kann der Rollbetrieb ohne Vorausschau nur anhand des aktuellen
Fahrzeugzustandes, z. B. in Abhängigkeit der Fahrzeuggeschwindigkeit und der Steigung,
initiiert werden. Gemäß dieser Variante kann dann bei Initiierung des Rollbetriebs
nicht zugleich die Dauer der Rollphase bestimmt werden, sondern der Rollbetrieb wird
wiederum anhand des aktuellen Fahrzeugzustandes beendet, beispielsweise, wenn die
Fahrzeuggeschwindigkeit und/oder die Steigung unter vorbestimmte Schwellenwerte fallen.
[0039] In Schritt S2 wird zunächst der Rollbetrieb aktiviert, d. h., die Kraftstoffzufuhr
wird unterbrochen, und der Motor wird durch das Fahrzeug geschleppt, also in Drehbewegung
gehalten. Hierbei bleibt der Triebstrang geschlossen.
[0040] In Schritt S3 wird anschließend das Motorschleppmoment reduziert. Vorstehend wurde
bereits erwähnt, dass eine Möglichkeit hierfür ist, einen Sperrstift an der Kipphebelwelle
vorzusehen, der für den Rollbetrieb so gestellt wird, dass er in Eingriff mit einer
Rastnase an der Kipphebelwelle bringbar ist und so eine weitere Rotation der Kipphebelwelle
in eine das Zylinderauslassventil in eine Schließstellung bringende Drehstellung blockiert.
Eine derartige Sperreinrichtung in Form des Sperrstiftes ist das sog. Rocker-Stop
Device (RSD) der Firma Jacobs Vehicle Systems®. Die Verwendung einer derartigen Vorrichtung
wird bisher dazu genutzt, durch eine gezielte Dekompression der Zylinder der Brennkraftmaschine
einen Motoreinschaltvorgang zu beschleunigen bzw. die Fahrzeugvibrationen bei Abstellen
des Motors und des Fahrzeugs zu reduzieren. Erfindungsgemäß kann diese bekannte Vorrichtung
auch zur gezielten Reduzierung des Motorschleppmoments im geschleppten Rollbetrieb
verwendet werden.
[0041] Vorstehend wurde ferner erwähnt, dass eine weitere Variante zur Verringerung des
Motorschleppmoments darin besteht, eine Abschaltung des Ventiltriebes der Zylinder
zu bewirken, derart, dass ein Zylinderbetrieb bei geschlossenen Ventilen ohne Ladungswechsel
erfolgt. Die Zylinder wirken folglich als Gasfedern, die die aufgebrachte Kompressionsarbeit
nach Erreichen des oberen Totpunkts wieder zu einem großen Teil zurückgeben, so dass
die aufzubringende Kompressionsarbeit im Vergleich zu einem normalen Ventiltrieb reduziert
ist. Ein derartiger Ansatz ist im PKW-Bereich zur Teilabschaltung von Zylindern bei
niederen Drehzahlbereichen bekannt, wobei jedoch ein Teil der Zylinder weiterhin befeuert
wird, deren Wirkungsgrad sich erhöht, weil sich die Betriebspunkte zu höheren Lasten
hin verlagern.
[0042] Hierbei werden die Brennräume der nicht befeuerten Zylinder noch einmal mit Luft
gefüllt, z. B. mit Frischgas oder Abgas. Dieser Lufteinschluss führt zu einem minimalen
Druck im Zylinder und einem entsprechend niedrigen Energieaufwand. Bei einem derartigen
bekannten System erfolgt beispielsweise das Schließen der Ventile über eine spezielle
Aktuatorik: Auf der Ein- und der Auslassnockenwelle sitzen je zwei verschiebbare Hülsen,
die sogenannten Nockenstücke, auf speziellen Verzahnungen. Sie sind für Ventile der
Zylinder zuständig. Jedes Nockenstück trägt an seinen Enden je zwei unterschiedliche
Profile nebeneinander: ein herkömmliches Vollprofil und einen so genannten Nullhubnocken.
Die Vollprofile betätigen im normalen befeuerten Zylinderbetrieb die Rollenschlepphebel
und über diese die Ventile. Sie verhalten sich also wie ganz konventionelle Nocken.
Die Nullhubnocken wiederum rotieren über den Schlepphebeln. Sie betätigen sie nicht,
die Ventilfedern halten die Ventile geschlossen. Gleichzeitig legt das Motormanagement
die Einspritzung still. In die Außenseiten der rotierenden Nockenstücke sind spiralförmige
Nuten eingefräst, über die sich die Hülsen blitzschnell um einige Millimeter auf den
Wellen verschieben lassen. Bekommen elektromagnetische Aktuatoren in der Zylinderkopfhaube
durch die Motorsteuerung ein Signal, greifen zwei integrierte Metallstifte von außen
in die Nuten ein und bringen sie in Endposition. Von federbelasteten Kugeln werden
die Nockenstücke schließlich arretiert.
[0043] Für den erfindungsgemäßen Rollbetrieb kann diese Aktuatorik so abgewandelt werden,
dass damit alle Zylinderventile geschlossen werden und alle Zylinder bei geschlossenen
Ventilen im nicht befeuerten Schleppbetrieb betrieben werden.
[0044] Nach Aktivierung des Rollbetriebs rollt das Fahrzeug 4 im geschleppten Betrieb, d.
h. geschlossenem Triebstrang, und mit reduziertem Motorschleppmoment die Steigung
5 hinunter. Der Kraftstoffverbrauch in diesem Zustand ist gleich null. Die Rollphase
kann dadurch verlängert werden, da das Fahrzeug eine geringere Verzögerung erfährt.
[0045] Figur 3B zeigt einen Fahrzustand des Rollbetriebs in der Mitte der Steigung. Figur
3A zeigt den korrespondierenden Wert der Fahrzeugbeschleunigung in diesem Punkt, die
sich innerhalb der vorgegebenen Schwellenwerte 1, 2 befindet.
[0046] Der Rollmodus wird beendet, wenn aufgrund einer Steigungsänderung die Fahrzeugbeschleunigung
oder -geschwindigkeit außerhalb der für den Rollbetrieb zulässigen Grenzen liegt (Schritt
S4). Dies ist in Figur 4B illustriert, die das Fahrzeug 4 nach Durchfahren der Gefällestrecke
und am Beginn einer Steigung zeigt. In diesem Punkt wird das Fahrzeug im Schleppbetrieb
so stark abgebremst, dass die Fahrzeugbeschleunigung unter den unteren Schwellwert
2 sinkt, was in Figur 4A illustriert ist. Der Rollmodus wird daraufhin beendet, wobei
die Mittel zur Verringerung der Motorschleppleistung zunächst die Verringerung der
Schleppleistung rückgängig machen, und danach der Motor vom Schlepp- in den befeuerten
Betrieb überführt wird, so dass der Fahrbetrieb im normalen befeuerten Betrieb und
mit nicht reduziertem Schleppmoment fortgesetzt wird (Schritt S5).
[0047] Obwohl die Erfindung unter Bezugnahme auf bestimmte Ausführungsbeispiele beschrieben
worden ist, ist es für einen Fachmann ersichtlich, dass verschiedene Änderungen ausgeführt
werden können und Äquivalente als Ersatz verwendet werden können, ohne den Bereich
der Erfindung zu verlassen. Zusätzlich können viele Modifikationen ausgeführt werden,
ohne den zugehörigen Bereich zu verlassen. Folglich soll die Erfindung nicht auf die
offenbarten Ausführungsbeispiele begrenzt sein, sondern die Erfindung soll alle Ausführungsbeispiele
umfassen, die in den Bereich der beigefügten Patentansprüche fallen.
Bezugszeichenliste
[0048]
- 1
- Oberer Schwellenwert
- 2
- Unterer Schwellenwert
- 3
- Kennlinie
- 4
- Fahrzeugposition
- 5
- Fahrstrecke
1. Verfahren für einen Rollbetrieb eines Kraftfahrzeugs mit Verbrennungsmotor, insbesondere
eines Nutzfahrzeugs, wobei im Rollbetrieb der Verbrennungsmotor im unbefeuerten Betrieb
bei geschlossenem Triebstrang geschleppt wird und wobei Mittel zur Verringerung einer
Motorschleppleistung des Verbrennungsmotors vorgesehen sind, mittels derer die Motorschleppleistung
während des Rollbetriebs verringert wird, so dass der Verbrennungsmotor im Rollbetrieb
mit der verringerten Motorschleppleistung geschleppt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel zur Verringerung der Motorschleppleistung ausgeführt sind, einen Ventiltrieb
im Rollbetrieb so zu verändern, dass eine von der Brennkraftmaschine im nicht befeuerten
Betrieb zu leistende Kompressionsarbeit und/oder Ladungswechselarbeit verringert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel zur Verringerung der Motorschleppleistung eine Sperreinrichtung umfassen,
die so stellbar ist, dass sie das Schließen einer oder mehrerer Auslassventile der
Zylinder des Verbrennungsmotors verhindert.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
(a) dass die Sperreinrichtung so stellbar ist, dass sie eine Bewegung eines Kipphebels und/oder
einer Kipphebelwelle, die mit einem Zylinderauslassventil zum Öffnen und Schließen
desselben in Wirkverbindung stehen, derart beschränken, dass das Auslassventil in
einem offenen Zustand verbleibt; und/oder
(b) dass die Sperreinrichtung als ein Sperrstift ausgeführt ist.
5. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel zur Verringerung der Motorschleppleistung eine Abschaltung des Ventiltriebes
der Zylinder bewirken, derart, dass ein Zylinderbetrieb bei geschlossenen Ventilen
ohne Ladungswechsel erfolgt.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch die Schritte:
Vorgeben eines oberen (1) und unteren (2) Schwellenwertes für eine Fahrzeugbeschleunigung
im Rollbetrieb;
Vorausberechnen eines Beschleunigungsverlaufs des Fahrzeuges für den Rollbetrieb in
Abhängigkeit von Topographiedaten für einen vorgegebenen vorausliegenden Streckenabschnitt
(5) der Fahrtroute;
wobei der Rollbetrieb bei Beginn eines Gefällestreckenabschnitts aktiviert wird, für
den vorausberechnet wurde, dass der vorausberechnete Beschleunigungsverlauf länger
als eine Mindestdauer oder Mindeststrecke innerhalb der oberen (1) und unteren (2)
Schwellenwerte für die Fahrzeugbeschleunigung liegt; und
wobei der zuvor aktivierte Rollbetrieb deaktiviert wird, wenn die aktuelle Fahrzeuggeschwindigkeit,
die Fahrzeugbeschleunigung oder ein Steigungsgrad auf einer aktuellen Position einer
Fahrtroute vorgegebene Schwellenwerte für diese Größen übersteigen.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch ein Betreiben des Kraftfahrzeugs in einer zweiten Rollbetriebsart, bei der der Verbrennungsmotor
im unbefeuerten Betrieb und bei geschlossenem Triebstrang mit einer nichtverringerten
Motorschleppleistung geschleppt wird, wobei die zweite Rollbetriebsart aktiviert wird,
falls zumindest eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:
(a) die aktuelle Fahrzeuggeschwindigkeit übersteigt einen vorgegebenen Geschwindigkeitsschwellenwert
für den Rollbetrieb mit verringerter Schleppleistung;
(b) die aktuelle Fahrzeugbeschleunigung übersteigt den vorgegebenen oberen Beschleunigungsschwellenwert
für den Rollbetrieb mit verringerter Schleppleistung,
(c) ein Steigungsgrad auf einer aktuellen Position einer Fahrtroute übersteigt einen
vorgegebenen Schwellenwert für den Steigungsgrad.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorausberechnung des Beschleunigungsverlaufs des Fahrzeuges für den Rollbetrieb
mit verringerter Schleppleistung unter Verwendung eines Fahrzeugmodells erfolgt, das
ein Beschleunigungsverhalten des Fahrzeugs im nichtbefeuerten Betrieb in Abhängigkeit
von der Topographie der Fahrtroute und der aktuellen Geschwindigkeit angibt.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Fahrzeugmodell einen Beladungszustand, ein Gesamtgewicht, eine Achslast, einen
Rollreibungswiderstand, einen Strömungswiderstand des Kraftfahrzeugs und/oder einen
durch Komponenten der Antriebseinheit verursachten Verlustwiderstand der Antriebseinheit
berücksichtigt.
10. Vorrichtung zur Steuerung eines Betriebs eines Kraftfahrzeugs mit Verbrennungsmotor,
insbesondere eines Nutzfahrzeugs, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche
eingerichtet ist.
11. Nutzfahrzeug mit einer Vorrichtung nach Anspruch 10.