[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Abbau einer Chrom, Eisen, Nickel,
Zink und Radionuklide enthaltenden Oxidschicht, insbesondere zum Abbau von auf Innenflächen
von Systemen und Komponenten eines Kernkraftwerks abgeschiedenen Oxidschichten, mittels
einer eine Säure enthaltenden wässrigen Dekontaminationslösung.
[0002] Die Erfindung betrifft insbesondere ein Verfahren zum umfassenden Abbau der Radionuklide
im Primärsystem sowie der Hilfssysteme in einem Kernkraftwerk unter Nutzung des vorhandenen
Betriebsmediums und der kraftwerkseigenen Betriebssysteme.
[0003] Während des Leistungsbetriebes eines Kernkraftwerkes werden bei einer Betriebstemperatur
von > 180°C auf den mediumbenetzten Innenflächen der Systeme und Komponenten oxidische
Schutzschichten gebildet. Dabei werden Radionuklide mit in die Oxidmatrix eingebaut.
Ziel chemischer Dekontaminationsverfahren ist es diese Oxidschicht aufzulösen um die
mit eingebundenen Radionuklide entfernen zu können. Hierdurch soll erreicht werden,
dass im Falle einer Revision die Strahlenbelastung des Revisionspersonals so gering
wie möglich gehalten oder im Falle des Rückbaus des Kernreaktors die metallischen
Werkstoffe der Komponenten problemlos einem Wiederverwertungskreislauf zugeführt werden
können.
[0004] Die oxidischen Schutzschichten gelten auf Grund ihrer Zusammensetzung und Struktur
(Fe0.5Ni1.0Cr1.5O4, NiFe2O4) als chemisch nicht auflösbar. Durch eine vorlaufende
oxidative chemische Behandlung der Oxidstruktur kann diese aufgebrochen und die schwerlösliche
Oxidmatrix in leichtlösliche Metalloxide überführt werden. Dieses Aufbrechen der Oxidmatrix
geschieht mittels Oxidation des dreiwertigen Chroms in das sechswertige Chrom:
Fe
0.5Ni
1.0Cr
1·5O4 / NiFe
2O
4 / Fe
3O
4 → Oxidation → CrO
42-, FeO, NiO, Fe
2O
3 Gleichung (1)
[0005] Als Oxidationsbehandlung hat sich weltweit die sogenannte "Permanganat-Voroxidation"
entsprechend Gleichung (2) durchgesetzt, wobei folgende drei Oxidationsbehandlungen
zur Verfügung stehen:
"NP" Oxidation = Salpetersäure + Kaliumpermanganat (nitric acid, permanganate) (siehe z. B. EP 0 675 973 B1)
"AP" Oxidation = Natriumhydroxid + Kaliumpermanganat (alkaline, permanganate) "HP" Oxidation = Permangansäure (siehe z. B. EP 0 071 336 A1, EP 0 160 831 B1)
Mn-VII + Cr-III → Mn-IV + Cr-VI 2 MnO
41- + Cr
2O
3→ 2 MnO
2 + Cr
2O
72- Gleichung (2)
[0006] Das Mangan-Ion liegt im Permanganat in der Oxidationsstufe 7 vor und wird entsprechend
Gleichung (2) in die Oxidationsstufe 4 reduziert, zeitgleich wird das in dreiwertiger
Oxidationsstufe vorliegende Chrom in die Oxidationsstufe 6 aufoxidiert. Für die Oxidation
von 1 mol Cr
2O
3 werden, unter sauren Bedingungen entsprechend Gleichung (2), 2 mol MnO
4- benötigt.
[0007] Eine chemische Dekontamination eines gesamten Primärsystems einschließlich aller
aktivitätsführenden Hilfssysteme wurde bisher nur in wenigen Kernkraftwerken durchgeführt.
Weltweit wurden in den letzten Jahren an die 50 unterschiedlichste Dekontaminationsverfahren
entwickelt. Von all diesen Verfahren haben sich nur die Technologien durchgesetzt,
die auf einer vorlaufenden Voroxidation mit Permanganaten (MnO
4-) aufbauen.
[0008] Zur Verfügung stehende chemische Dekontaminationsverfahren werden grundsätzlich derzeit
mit folgender Verfahrens-Sequenz (= Dekontaminations-Zyklus) durchgeführt:
Schritt I: Voroxidations-Schritt
Schritt II: Reduktions-Schritt
Schritt III: Dekontaminations-Schritt
Schritt IV: Zersetzungs-Schritt
Schritt V: Endreinigungs-Schritt.
[0009] Die Schrittfolge I bis V wird hierbei drei bis sechs Mal (drei bis sechs Dekontaminations
-Zyklen) hintereinander durchgeführt.
[0010] Alle Verfahren verwenden Permanganate (Kaliumpermanganat, Permangansäure) zur Voroxidation
(I) und Oxalsäure zur Reduktion (II). Unterschiede weisen die Verfahren nur im Dekontaminationsschritt
(III) auf. Hier werden unterschiedliche Chemikalien und Chemikalienmischungen eingesetzt.
[0011] Die bisherigen Dekontaminationsverfahren bauen auf das zuvor erläuterte Konzept auf.
Die schwerlöslichen oxidischen Schutzschichten werden im Zuge eines Voroxidationsschrittes
in leichter lösliche Oxidverbindungen umgewandelt und verbleiben auf der Systemoberfläche.
Während der Voroxidation erfolgt daher kein Aktivitätsaustrag aus den zu dekontaminierenden
Systemen. Ein Abbau der Dosisleistung findet in dieser Zeitphase einer Dekontamination
bisher nicht statt.
[0012] Erst nach dem zweiten Verfahrensschritt (II) der Reduktion der Permanganate und des
gebildeten Braunsteins mittels Oxalsäure sowie im Dekontaminationsschrittes (III)
werden die Oxide gelöst und die gelösten Kationen/Radionuklide ausgetragen und auf
Ionenaustauscherharze gebunden.
[0013] Während der Voroxidation (I) bildet sich bei allen bisher zum Einsatz gelangten Dekontaminations-Technologien
Manganoxihydrat [MnO(OH)
2] bzw. Braunstein (MnO
2), wie Gleichungen (2) verdeutlichen.
[0014] Das Manganoxyhydrat/Mangandioxid ist unlöslich und scheidet sich auf der Innenoberfläche
der Komponenten / Systeme ab. Mit zunehmender Manganoxyhydrat / Mangandioxid Abscheidung
wird die gewünschte Oxidation der oxidischen Schutzschicht behindert. Zusätzlich verbleiben
die umgewandelten Eisen und Nickeloxide ungelöst auf der Oberfläche, so dass sich
die Sperrschicht auf der Oberfläche weiter verstärkt.
[0015] Am Ende des Voroxidationsschrittes liegen im zu dekontaminierenden System folgende
neue, im Verfahrensschritt (I) eingebrachte bzw. entstandene chemische Verbindungen
vor:
auf der Systemoberfläche: MnO2, NiO, FeO, Fe2CO3, Fe3O4
in der Voroxidationslösung: KMnO4, NaOH bzw. HNO3, kolloidales MnO(OH)2, CrO42- bzw. Cr2O72-.
[0016] Am Ende des Voroxidationsschrittes liegen demnach noch sämtliche Metalloxide einschließlich
der Radionuklide im zu dekontaminierenden System vor. Das sich gebildete Manganoxyhydrat/Mangandioxid
wurde teilweise in nicht durchströmte Systembereiche eingetragen und kann in den weiterführenden
Verfahrensschritten nicht mehr ausgetragen/entfernt werden.
[0017] Nach dem Stand der Technik erfolgt im Zuge der Oxidation der Oxidschicht kein Abbau
von Radioaktivität, also keine Dekontamination, da praktisch keine Kationen aus der
Oxidschicht heraus gelöst werden, welche mit Hilfe eines Kationentauschers entfernt
werden könnten. Die Auflösung der Oxidschicht erfolgt vielmehr in einem zweiten Verfahrensschritt
mit Hilfe von Oxalsäure, dem ein Reduktionsschritt zur Reduktion überschüssiger Permangansäure
sowie von Manganoxidhydrat vorgeschaltet ist. Erst nach diesen Verfahrensschritten
werden Kationen durch Ionentausch aus der Reinigungslösung (Dekontaminationslösung)
entfernt.
[0018] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die Nachteile des Standes der Technik
zu vermeiden, insbesondere eine Vereinfachung des Verfahrensablaufs zu ermöglichen,
wobei die Bildung von Braunstein und Metall-Oxalate vermieden werden soll. Das Entstehen
von CO
2 soll ausgeschlossen werden. Auch soll das Freisetzen oxidischer Partikel weitgehend
vermieden werden.
[0019] Zur Lösung der Aufgabe ist im Wesentliche vorgesehen, dass das Auflösen der Oxidschicht
in einem einzigen Behandlungsschritt mit Hilfe einer wässrigen in einem ersten Kreislauf
(K1) strömenden Dekontaminationslösung mit Methansulfonsäure als Säure erfolgt, dass
Methansulfonsäure während der gesamten Dekontaminationsdurchführung sowohl als Protonenlieferant
zur Einstellung der Dekontaminationslösung auf einen pH-Wert ≤ 2,5 als auch als Oxidlösemittel
in der Dekontaminationslösung verbleibt, dass der Aufschluss von chromhaltigen Oxidschichten
mit Permangansäure erfolgt und dass nach Abbau der Permangansäure die Lösung bei Aufrechterhaltung
des Betriebs des ersten Kreislaufs (K1) über eine Bypass-Leitung in einem zweiten
Kreislauf (K2) einen Ionenaustauscher (IT) durchströmt, in dem die in der Dekontaminationslösung
vorhandenen 2- und 3-wertigen Kationen sowie die gelösten Radionuklide fixiert werden,
bei gleichzeitiger Freisetzung von Methansulfonsäure.
[0020] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe im Wesentlichen dadurch gelöst,
- dass die Oxidation der Oxidschicht und deren Auflösung in einem einzigen Behandlungsschritt
mit Hilfe einer wässrigen Dekontaminationslösung erfolgt,
- dass Methansulfonsäure als Dekontaminationssäure eingesetzt wird,
- dass die Methansulfonsäure sowohl zum Einstellen des pH-Wertes als auch zum Auflösen
der Metalloxide verwendet wird, und
- dass die löslichen Methansulfonate, nach Abbau des Permangansäure, über eine Bypass-Leitung
einen Ionenaustauscher durchströmt, in dem die gelösten Kationen und Radionuklide
fixiert werden, bei gleichzeitiger Freisetzung von Methansulfonsäure.
[0021] Dabei ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass zu Beginn des Verfahrensablaufs der pH-Wert
durch Zudosieren der Methansulfonsäure vorgegeben wird. Während des oxidativen Abbaus
der Schicht und der in diesem Zusammenhang durchgeführten Verfahrensschritte bedarf
es keiner weiteren Zugabe von Methansulfonsäure. Erfindungsgemäß ist ein Verfahren
zum Abbau des Aktivitätsinventars in Komponenten und Systemen vorgesehen, wobei mit
einer Dekontaminationslösung die Oxidschichten der mediumbenetzten Innenflächen entfernt
werden. Dabei können die Dekontamination mit kraftwerkseigenen Systemen ohne Hilfe
von externen Dekontaminationshilfssystemen durchgeführt werden, der Aktivitätsabbau
ohne Braunstein-Bildung und sonstige Kationen-Ausfällungen sowie ohne CO
2-Anfall und ohne Freisetzung von oxidischen Partikeln stattfinden und die Metalloxide
zeitgleich chemisch gelöst werden und als Kationen / Anionen zusammen mit dem Mangan
und den Nukliden (Co-60, Co-58, Mn-54 etc.) auf Ionenaustauscherharzen fixiert werden.
[0022] Das Verfahren kann unter Verwendung des Kreislaufs oder eines Teilskreislaufs durchgeführt
werden, der in einer kerntechnischen Anlage wie Kernkraftwerk vorhanden ist. Insoweit
werden anlageeigene wie kraftwerkseigene Systeme genutzt.
[0023] Im Gegensatz zu den bisherigen zuvor erläuterten Dekontaminations-Konzepten erfolgt
erfindungsgemäß die chemische Umwandlung der schwerlöslichen Oxide in leichtlösliche
Oxide, das Auflösen der Oxide/Radionuklide und der Austrag und das Fixieren der gelösten
Kationen an Ionenaustauscher in einem einzigen Verfahrensschritt.
[0024] Des Weiteren und im Gegensatz zum Stand der Technik wird erfindungsgemäß im Zuge
des Voroxidationsschrittes die eingesetzten Permangansäure vollständige zum Mn
2+- Kation umgewandelt. Eine Manganoxyhydrat /Braunstein-Ausfällung findet nicht statt.
[0025] Durch die Reaktion von Mn-VII zu Mn-II stehen 5 Äquivalente (Elektronen) für die
Oxidation von Cr
2O
3 zur Verfügung. Dies bedeutet, dass im Vergleich mit den bisherigen Dekontaminationsverfahren
entsprechend der erfindungsgemäßen Lehre nahezu die doppelte Cr
2O
3 Menge zu Chromat/Dichromat aufoxidiert werden kann.
[0026] Bei den bisherigen permanganatbasierten Dekontaminations-Konzepten werden pro 100
g eingesetzter Permanganat-Ionen:
43 g Cr-III zu Cr-VI aufoxidiert
72,5 g MnO(OH)2 fallen aus.
[0027] Beim Dekontaminations-Konzept entsprechend der vorliegenden Erfindung werden pro
100 g eingesetzter Permanganat-Ionen
73 g Cr-III zu Cr-VI aufoxidiert
es treten keine MnO(OH)
2 / MnO
2 - Ausfällungen auf.
[0028] Nach der erfindungsgemäßen Lehre werden sowohl der pH-Wert als auch die Permangansäure
und der Protonenlieferant (Methansulfonsäure) nach einem festen logistischen Schema
so aufeinander abgestimmt, dass im Zuge der Dekontamination-Durchführung:
- kein Braunstein entstehen kann
- die durch den Zerfall der schwerlöslichen Spinell- / Magnetit-Oxide entstehenden Einzeloxide
(FeO, Fe2O3, Fe3O4, NiO) zeitgleich chemisch gelöst werden
- die sich bildende Mangan-, Eisen- und Nickel-Methansulfonate eine hohe Löslichkeit
aufweisen
- die gelösten Kationen (Fe3+, Fe2+˙ Ni2+ und Mn2+) sowie die Radionuklide auf Ionenaustauscher fixiert werden.
[0029] Die zuvor beschriebene Bildung von Mangandioxid nach der NP-, AP- bzw. HP-Oxidation
wird erfindungsgemäß durch Einsatz von Permangansäure im sauren Bereich (pH < 2,5,
vorzugsweise pH ≤ 2,2 , insbesondere pH ≤ 2) vermieden. Das sich im sauren Medium
bildende Mn
2+ wird entsprechend der Erfindung mittels Ionenaustauscher bereits während des "Dekontaminations-Schritts"
aus der Lösung entsprechend Gleichung (3) entfernt:
a) 6HMnO
4 + 5Cr
2O
3 + 2H
+ → 6Mn
2+ + 5Cr
2O
72- + 4H
2O Gleichung (3)
b) Mn
2+ + H
2KIT→ [Mn
2+-KIT] + 2 H
+ Gleichung (4)
[0030] Die Fig. 1 zeigt das Zusammenspiel zwischen dem pH-Wert (= Säurekonzentration) und
des Permanganat-Gehalts. Wird der pH-Wert in der dargestellten Kurve überschritten,
entsteht bei der Oxidation-Reaktion Braunstein [Gleichungen (2) und (3)]. Wird die
Kurve unterschritten, läuft die Reaktion zum Mn
2+ Kation [Gleichung (4)].
[0031] Entsprechend vorliegender Erfindung wird der erforderliche pH-Wert von < 2,5, insbesondere
≤ 2,2, bevorzugt pH ≤ 2,0 durch Zugabe von Methansulfonsäure eingestellt. Von allen
zur Verfügung stehenden Säuren erfüllt Methansulfonsäure die für den erfindungsgemäßen
Dekontaminationsprozess erforderlichen Bedingungen, wie
- Methansulfonsäure ist gegenüber Permanganat beständig
- sie wird weder oxidativ zerstört noch chemisch verändert
- Permangansäure wird durch Methansulfonsäure nicht reduziert, eine Braunsteinbildung
(MnO2) findet nicht statt
- Metalloxide werden aufgelöst und bilden leichtlösliche Methansulfonate
- eine zusätzliche Zugabe von Mineralsäuren (Schwefelsäure, Salpetersäure), organischen
Carbonsäuren (Oxalsäure, Ascorbinsäure etc.) und Komplexbildner ist nicht erforderlich
- die gelösten Kationen werden auf Kationenaustauscherharze gebunden, die Methansulfonsäure
steht dem Prozess wieder zur Verfügung
- ein Grundmaterialangriff findet nicht statt.
[0032] Aufgrund der vorstehend aufgeführten Eigenschaften steht Methansulfonsäure am Ende
des "oxidativen Dekontaminations-Schrittes" für die Folgeschritte weiterhin zur Verfügung.
[0033] Die im Zuge des "oxidativen Dekontaminations-Schrittes" entstehenden Oxide (NiO,
Ni
2O
3, FeO,) werden von der Methansulfonsäure bereits während der "HMnO
4-Phase" aufgelöst.
[0034] Entsprechend vorliegender Erfindung wird für die pH Einstellung Methansulfonsäure
verwendet. Die Menge der Methansulfonsäure, die zur Vermeidung der MnO(OH)
2 Bildung erforderlich ist, orientiert sich an der Permanganat-Konzentration. Mit steigender
Permanganat-Konzentration muss der pH Wert erniedrigt, das heißt eine höhere Säurekonzentration
eingestellt werden (Fig. 1).
[0035] Als Richtwert gelten folgende pH-Werte:
- bei 0,1 mol Permangansäure pro Liter ein pH-Wert von ca. 1
- bei 0,01 mol Permanganat pro Liter ein pH-Wert von ca. 2.
[0036] Während der Durchführung der "HMnO
4-Phase" wird die Konzentration der freien Protonen (H
+) durch die Bildung von Metall-Methansulfonate reduziert. Die Menge der gelösten Fe-,
Ni-, Zn-, Mn-Kationen werden daher in die Ermittlung des zusätzlichen Methansulfonsäure-Bedarfs
entsprechend folgender Formeln mit einbezogen:
mg CH
3SO
3-1/Liter = [mg Kation/Liter] x [Kationen-spezifischer Faktor].
[0037] In Abhängigkeit von der Fe/Cr/Ni/Zn - Zusammensetzung der Schutzschicht kann entsprechend
vorliegender Erfindung in Abhängigkeit von der eingesetzten HMnO
4 - Menge jeweils vorlaufend exakt die Menge der Einzelkationen berechnet werden, die
in der jeweiligen "HMnO
4-Phase" freigesetzt werden. Dies ist möglich, da sich die eingesetzte HMnO
4-Menge zu 100% in Mn
2+ umwandelt und dabei die erzeugte Dichromat-Menge stöchiometrisch entsteht. Die Menge
des oxidierten Cr-III gibt wiederum die Menge der umgewandelten Fe-/Cr-/Ni-/Zn - Oxide
und somit der in der "HMnO
4-Phase" entstehenden Fe-/Ni-/Zn-/Mn - Ionen vor.
[0038] Während der Oxidumwandlung in der "HMnO
4-Phase" und des zeitgleich ablaufenden Auflösens der neuen Oxidstrukturen wird das
zu dekontaminierende System im Kreislauf K1 ohne Ionenaustauscher - Einbindung, also
ohne Kreislauf K2 betrieben. Dies soll prinzipiell anhand Fig. 3 verdeutlicht werden.
Während der gesamten Dekontaminations-durchführung ist der Kreislauf K1 in Betrieb.
Der Kreislauf K2 wird im Bypass zu Kreislauf 1 zugeschaltet, wenn die Umwandlung der
HMnO
4-Menge zu 100% in Mn
2+ beendet ist.
[0039] Um den erforderlichen Einsatz von Methansulfonsäure zu minimieren, wird die oxidative
"HMnO
4-Phase" vorzugsweise mit einer HMnO
4-Konzentration von ≤ 50 ppm HMnO
4 durchgeführt. Während des "HMnO
4-Phase" laufen folgende chemische Teilreaktionen ab (Gleichungen (4) bis (7)):
Oxidieren und Lösen des in der Schutzschichte (Fe0.5Ni1.0Cr1.5O4) eingebundenen Cr2O3:
6HMnO4 + 5Cr2O3 + 12CH3SO3H → 6 [Mn (CH3SO3)2] + 5H2Cr2O7 + 4H2O Gleichung (4)
[0040] Durch die Oxidation des Cr-III-Oxids unter Bildung von wasserlöslichem Dichromat
werden Ni-II-Oxid (NiO), Fe-III-Oxid (Fe
2O
3) und Zn-II-Oxid (ZnO) aus der Oxidmatrix freigesetzt und von der Methansulfonsäure
aufgelöst (Gleichung (5) bis (7)).
NiO + 2 CH
3SO
3H → Ni (CH
3SO
3)
2 + H
2O
Gleichung (5)
Fe2O3 + 6 CH
3SO
3H → 2 [Fe (CH
3SO
3)
3] + 3 H
2O
Gleichung (6)
ZnO + 2 CH
3SO
3H → Zn (CH
3SO
3)
2 + H
2O
Gleichung (7)
[0041] Die vorstehend dargestellten chemischen Reaktion (Gleichungen (4) bis (7)) laufen
zeitgleich ab.
[0042] Zur Beschleunigung der "HMnO
4-Reaktion" sowie der "Methansulfonsäure-Reaktionen" wird eine Prozesstemperatur von
vorzugsweise 60°C bis 120°C eingestellt.
[0043] Entsprechend vorliegender Erfindung erfolgt die Dekontamination vorzugsweise in einem
Temperaturbereich von 85°C bis 105°C.
[0044] Dies soll auch anhand des Schaubilds in Fig. 3 verdeutlicht werden. Während der Umwandlung
des Permanganats zu Mn
2+ wird die Lösung im zu dekontaminierenden System (Kreislauf K1) umgewälzt. Nach der
Umwandlung des Permanganats wird die Lösung durch den Ionenaustauscher IT im Bypass
über einen Reinigungskreislauf K2 geführt.
[0045] Voraussetzung für die Einbindung eines Ionenaustauschers ist, dass sich das Permanganat
vollständig oder im Wesentlichen vollständig zu Mn
2+ umgesetzt hat und die Lösung frei von MnO
4--Ionen ist (Richtwert < 2 ppm MnO
4).
[0046] Während des Betriebes des Ionenaustauschers IT werden die zwei- und dreiwertigen
Kationen (Mn-II, Fe-II, Fe-III, Zn-II und Ni-II) sowie die Radionuklide (Co-58, Co-60,
Mn-54 etc.) aus der Lösung entfernt. Zeitgleich wird die Methansulfonsäure freigesetzt
und steht dem Prozess wieder zur Verfügung. Siehe Gleichungen (8) bis (11).
Freisetzung der Methansulfonsäure
[0047]
Mn(CH
3SO
4)
2 + H
2KIT → 2 CH
3SO
4H + [Mn
2+-KIT]
Gleichungen (8)
Ni(CH
3SO
4)
2 + H
2KIT → 2 CH
3SO
4H + [Ni
2+-KIT]
Gleichungen (9)
Fe(CH
3SO
4)
2 + H
2KIT → 2 CH
3SO
4H + [Fe
2+-KIT]
Gleichungen (10)
2 Fe(CH
3SO
4)
3 + 3H
2KIT → 6 CH
3SO
4H + [Fe
3+-KIT]
Gleichungen (11)
[0048] Der Betrieb des Ionenaustauschers IT erfolgt bei einer Prozesstemperatur von ≤ 100°C.
[0049] Der Betrieb des Ionenaustauschers IT erfolgt solange im Bypass, bis alle gelösten
Kationen, Anionen und Radionuklide auf dem Ionenaustauscherharz fixiert sind.
[0050] Entsprechend der vorliegenden Erfindung wird nach erfolgter Ionentauscher-Reinigung
der Pypass Kreislauf K2 geschlossen und in den Kreislauf K1 erneut Permangansäure
zugegeben. Die zuvor erläuterten Verfahrensschritte werden solange wiederholt, bis
kein weiterer Aktivitätsaustrag aus dem zu dekontaminierenden System K1 mehr erfolgt.
[0051] Fig. 2 zeigt die zwei Phasen des Dekontaminations-Verfahrens, wobei die einzelnen
Phasen wie folgt definiert sind:
- HMnO4-Phase = Aufbrechen und Auflösen der Oxidmatrix, Kreislaufbetrieb K1
Methansulfonsäure + Permangansäure
- IT-Betrieb = Fixieren der gelösten Kationen und Radionuklide an Ionenaustauscherharze
Kreislaufbetrieb K1 + paralleler Kreislaufbetrieb K2 Methansulfonsäure / Methansulfonate
[0052] Fig. 2 zeigt beispielhaft die Verläufe der Kationenkonzentrationen bei einer viermaligen
HMnO
4-Dosierung im Zuge einer DWR-Primärsystemdekontamination.
[0053] Nach dem Stand der Technik ist es üblich, nach Ablauf der Voroxidation, das überschüssige
Permanganat mit Oxalsäure zu reduzieren (Schritt II) und anschließend durch eine Zugabe
von weiteren Dekontaminationschemikalien den Dekontaminationsschritt (Schritt III)
einzuleiten.
[0054] Zum Zeitpunkt der Reduktion (Schritt II) befinden sich bei diesen herkömmlichen Verfahren
in der Lösung noch sämtliche Inhaltsstoffe des Voroxidationsschrittes (Rest-Permanganat,
kolloidales MnO(OH)
2, Chromat und Nickel-Permanganat) sowie alle umgewandelten Metall-Oxide auf der System-
bzw. Komponentenoberfläche.
[0055] Da die Metall-Ionen teilweise in gelöster Form (MnO
4-, CrO
42-) als auch als leichtlösliche Metalloxide (NiO, FeO, MnO
2/MnO(OH)
2) vorliegen, treten bereits im Zuge des zweiten Verfahrensschrittes der Reduktion
(Schritt II) hohe Kationengehalte in der Lösung auf.
[0056] Zeitgleich entstehen durch die Reduktion des Permanganats, des Chromats und des Braunsteins
mit der Oxalsäure große Mengen an CO
2 (s. Gleichungen (12 bis 14)). Diese an der Oberfläche ablaufende CO
2-Bildung führt zu einer Mobilisierung von Oxidpartikeln, die sich dann in strömungsarmen
Zonen des Systems absetzen und dort zu einer Erhöhung der Dosisleistung führen.
2 HMnO
4 + 7H
2C
2O
4 → 2 MnC
2O
4 + 10 CO
2 + 8 H
2O
Gleichung (12)
MnO
2 + 2 H
2C
2O
4 → MnC
2O
4 + 2 CO
2 + 2 H
2O
Gleichung (13)
Cr
2O
72- + 3 H
2C
2O
4 + 8 (H
3O)
+ → 2 Cr
3+ + 6 CO
2 + 15 H
2O
Gleichung (14)
[0057] Die vorstehend beschriebene CO
2-Bildung und Freisetzung von Oxidpartikeln tritt bei der vorliegenden Erfindung nicht
auf. Die Oxalat-Verbindungen, die aus zweiwertigen Kationen und der Reduktionschemikalie
"Oxalsäure" gebildet werden, haben nur eine begrenzte Löslichkeit in Wasser. Je nach
der Verfahrenstemperatur liegt die Löslichkeit der zweiwertigen Kationen bei:
| |
50 °C |
80 °C |
Einheit |
| NiC2O4 |
ca. 3 |
ca. 6 |
mg Ni-II/ Liter |
| FeC2O4 |
ca. 15 |
ca. 45 |
mg Fe-II/Liter |
| MnC2O4 |
ca. 120 |
ca. 170 |
mg Mn-II/Liter |
[0058] Rechnerisch werden bei einer Primärsystemdekontamination bei Einsatz der bisherigen
Dekontaminationsverfahren pro Dekontaminationszyklus große Kationenmengen freigesetzt.
Dies führt bereits im Reduktions-Schritt zu Oxalat-Ausfällungen auf den Innenflächen
der Systeme.
[0059] Die oxidischen Schutzschichten eines Primärsystems eines Druckwasserkernkraftwerkes
ergeben üblicherweise in Summe ein Gesamtoxidinventar von 1.900 kg bis 2.400 kg [Fe,Cr,Ni-Oxid].
[0060] Bei der Dekontamination eines Primärsystems eines Druckwasserreaktors muss daher
mit folgender maximaler Kationenfreisetzung gerechnet werden:
Chrom → 70 bis 80 kg Cr
Nickel → 100 bis 120 kg Ni
Eisen → 190 bis 210 kg Fe
[0061] Bei der Primärsystemdekontamination werden üblicherweise 3 Dekontaminationszyklen
durchgeführt. Bei einem Gesamtvolumen von ca. 600 m
3 und einer gleichmäßigen Verteilung der Kationen über 3 Zyklen ist pro Zyklus mit
folgenden Konzentrationen an zweiwertigen Kationen zu rechnen:
Nickel → 67 ppm Ni
Eisen → 117 ppm Fe
[0062] Diese Überschlagsrechnung zeigt auf, dass bei allen bisherigen Dekontaminationsverfahren,
die zur Reduktion und/oder Dekontamination Oxalsäure einsetzten, eine Fe
2+ - und Ni
2+- Oxalatbildung nicht vermieden werden kann.
[0063] Liegen, wie zuvor beschrieben, nach Beendigung eines Dekontaminationszyklusses noch
Oxalat Reste im System vor, muss im darauffolgenden Zyklus mehr Permanganat eingesetzt
werden, wie die Gleichungen (15), (16) zeigen:
3NiC
2O
4 + 2HMnO
4 + H
2O 3 NiO + 2MnO(OH)
2 + 6CO
2 Gleichung (15)
3FeC
2O
4 + 2HMnO
4 + H
2O 3 FeO + 2MnO(OH)
2 + 6CO
2 Gleichung (16)
[0064] Dies führt, ohne dass das Dekontaminationsergebnis verbessert wird, zu einem höheren
Permanganatbedarf und daraus resultierend zu einer erhöhten MnO(OH)
2 Abscheidung auf den Oberflächen und letztendlich zu einem höheren Anfall an radioaktiven
Abfall. Zusätzlichen erhöht sich der Kationeneintrag im Folgezyklus, die Gefahr einer
erneuten Oxalatbildung steigt und der Anfall an Ionenaustauscherharzen wird weiter
erhöht.
[0065] Die bereits gelösten Radionuklide (Co-58, Co-60, Mn-54) werden in die Oxalat-Schicht
mit eingebunden. Dies führt zu einer Rekontamination in den Systemen.
[0066] Wie bereits zuvor beschrieben, liegen entsprechend der vorliegenden Erfindung alle
freigesetzten Kationen (Ni-II, Mn-II, Fe-II, Fe-III, Zn-II) sowie das Dichromat in
der oxidativen "HMnO
4-Phase" der Dekontamination gelöst vor und die Fixierung der Kationen und Anionen
erfolgt durch Zuschalten des Bypasses (Kreislauf K2) zeitnah auf Ionenaustauscherharze.
[0067] Jedes Kernkraftwerk [DWR, SWR etc.] hat eine eigene spezifische Oxidstruktur, Oxidzusammensetzung,
Löseverhalten der Oxide und Oxid-/Aktivitätsinventar. Für die Vorplanung einer Dekontamination
können nur Annahmen getroffen werden. Erst im Zuge der Durchführung der Dekontamination
zeigt sich dann, ob die vorlaufend getroffenen Annahmen richtig waren.
[0068] Ein Dekontaminationskonzept muss daher in der Lage sein, während der Durchführung
sich den jeweiligen Veränderungen anzupassen.
[0069] Mit vorliegender Erfindung kann gezielt auf alle nur denkbaren neuen Anforderungen
reagiert werden. Die zuvor aufgezeigten Detailschritte können je nach Art und Menge
des im System vorliegenden Oxid- /Aktivitätsinventars beliebig wiederholt werden.
[0070] Eine Dekontamination, entsprechend der vorliegenden Erfindung, benötigt im Vergleich
zu den bisherigen Verfahrenstechniken eine sehr niedrige Chemikalien-Konzentration.
Die benötigten Chemikalien-Mengen können daher mit in Kernkraftwerken (KKW) vorhandenen
eigenen Dosiersystemen dosiert und die anfallenden Kationen mittels KKW eigenen Reinigungssystemen
(Ionenaustauscher) entfernt werden. Große externe Dekontaminationseinrichtungen müssen
nicht installiert werden.
[0071] Durch Steuerung des Gesamtprozesses von der Kraftwerkswarte des Kernkraftwerkes aus
können die Prozessparameter schnell den jeweiligen neuen Anforderungen angepasst werden
(Chemikaliendosierung, Chemikalienkonzentrationen, Prozesstemperatur, Zeitpunkt der
IT-Tauscher-Einbindung, Schrittfolgen etc.).
[0072] Die Verfahrensvariationen können bei Bedarf solange durchgeführt werden, bis der
gewünschte Aktivitätsaustrag bzw. die gewünschte Dosisleistungsreduktion erzielt wurde.
[0073] Die in der Lösung vorliegende Methansulfonsäure verbleibt während der Durchführung
aller Verfahrensschritte in der Lösung. Die Konzentration wird dabei nicht verändert.
Erst am Ende der Gesamtdekontaminationsdurchführung wird die Methansulfonsäure im
Zuge der Endreinigung auf Ionenaustauscherharze gebunden.
[0074] Weitere Einzelheiten, Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich nicht nur
aus den Ansprüchen - für sich und/oder in Kombination-, sondern auch sowohl aus den
bereits zuvor beschriebenen als auch nachstehend ergänzend erläuterten Figuren 1 bis
3, die selbsterklärend sind.
[0075] Die Figuren zeigen:
- Fig. 1
- der pH-Arbeitsbereich nach der Erfindung im Vergleich zum Stand der Technik,
- Fig. 2
- Änderung der Permangansäure-Konzentration und der Kationen- und Dichromsäure-Konzentration
in Abhängigkeit von der Prozessdauer,
- Fig. 3
- Prinzipdarstellung des Dekontaminationskreislaufes (K1) sowie des IT-Reinigungskreislaufs
(K2)
[0076] Anhand des Schaubilds in Fig. 1 wird verdeutlicht, dass dann, wenn der pH-Wert in
Abhängigkeit von der Permangansäure-Konzentration unterhalb der in Fig. 1 gezeichneten
schräg verlaufenden Gerade liegt, sichergestellt ist, dass Braunstein sich nicht bilden
kann. Nach dem Stand der Technik wird bei einem pH-Wert und einer Permangansäure-Konzentration
gearbeitet, die oberhalb der Geraden liegt. Hierdurch bedingt, bildet sich Braunstein.
Die Gerade bestimmt sich dabei nach der Gleichung (2) und (3).
[0077] Die erfindungsgemäße Dekontamination ist rein prinzipiell der Fig. 2 zu entnehmen.
Während aller Phasen der Dekontamination ist die Dekontaminationslösung, um einen
pH-Wert von ≤ 2,5 zu gewährleisten, mit Methansulfonsäure unterlegt. Im Verfahrensschritt
"HMnO
4-Phase" wird in die Lösung Permangansäure zudosiert, um den unlöslichen Fe,CrNi-Oxidverband
in leichtlösliche Metalloxide umzuwandeln, die Metalloxide zeitgleich aufzulösen und
leicht lösliche Methansulfonate zu bilden. Das Cr-III-Oxid wird zu Cr-VI oxidiert
und liegt in der Lösung als Dichromsäure vor. Nachdem das Permanganat vollständig
oder im Wesentlichen vollständig zu Mn
2+ umgesetzt worden ist und die Lösung im Wesentlichen frei von MnO
-4-Inonen ist, durchströmt im Verfahrensschritt "IT-Betrieb" die Lösung über einen Bypass
den Ionenaustauscher IT (Kreislauf K2), in dem die gelösten Kationen und Radionuklide
fixiert werden. Im Zuge des IT-Betriebes wird die Methansulfonsäure wieder frei und
steht dem Prozess wieder zur Verfügung.
[0078] Sodann wird erneut der Lösung, die nicht mehr den Kationenaustauscher durchströmt,
entsprechend des zu oxidierenden Cr
-3 im Fe,CrNi-Oxidverband erneut Permangansäure zugegeben.
[0079] Im Verfahrensschritt "HMnO
4-Phase" erfolgt chemisch eine Umwandlung der schwer löslichen Fe, Cr, Ni-Struktur
in leichter lösliche Oxidformen mittels Permangansäure. Das Lösen der umgewandelten
Oxidformen erfolgt mit Methansulfonsäure. Verfahrenstechnisch wird dies in einem Kreislaufbetrieb
(Kreislauf K1) (Fig. 3) in einer Methansulfonsäure /Permangansäure-Lösung durchgeführt.
Der Kreislaufbetrieb K1 bleibt solange aufrechterhalten, bis die Permangansäure vollständig
verbraucht und zu Mn
2+ umgewandelt worden ist. Üblicherweise dauert die Umwandlung der Permangansäure zu
Mn
2+, wenn zu Beginn des Prozesses die Permangansäure-Konzentration im Bereich zwischen
30 und 50 ppm eingestellt wird, 2 bis 4 Stunden. Die Umwandlung der Oxidstruktur sowie
das Auflösen der umgewandelten Oxide erfolgt zeitgleich. Die Endprodukte des Auflösungsprozesses
sind Metallsalze der Methansulfonsäure. Nach Abschluss der "HMnO
4-Phase" beginnt die "IT-Phase". Dabei werden die als Methansulfonate vorliegende Metall-Kationen
und Nuklide-im Bypass (Kreislauf K2) über Ionenaustauscherharze gefahren und dort
fixiert. Während der "IT-Phase" sind beide Kreisläufe K1 und K2 in Betrieb. Bei dem
Tauschervorgang wird die Methansulfonsäure wieder freigestellt und steht der Dekontaminationslösung
wieder zur Verfügung.
1. Verfahren zum Abbau einer Chrom, Eisen, Nickel, Zink und Radionuklide enthaltenden
Oxidschicht, insbesondere zum Abbau von auf Innenflächen von Systemen und Komponenten
eines Kernkraftwerks abgeschiedenen Oxidschichten, mittels einer eine Säure enthaltenden
wässrigen Dekontaminationslösung,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Auflösen der Oxidschicht in einem einzigen Behandlungsschritt mit Hilfe einer
wässrigen in einem ersten Kreislauf (K1) strömenden Dekontaminationslösung mit Methansulfonsäure
als Säure erfolgt, dass Methansulfonsäure während der gesamten Dekontaminationsdurchführung
sowohl als Protonenlieferant zur Einstellung der Dekontaminationslösung auf einen
pH-Wert ≤ 2,5 als auch als Oxidlösemittel in der Dekontaminationslösung verbleibt,
dass der Aufschluss von chromhaltigen Oxidschichten mit Permangansäure erfolgt und
dass nach Abbau der Permangansäure die Lösung bei Aufrechterhaltung des Betriebs des
ersten Kreislaufs (K1) über eine Bypass-Leitung in einem zweiten Kreislauf (K2) einen
Ionenaustauscher (IT) durchströmt, in dem die in der Dekontaminationslösung vorhandenen
2- und 3-wertigen Kationen sowie die gelösten Radionuklide fixiert werden, bei gleichzeitiger
Freisetzung von Methansulfonsäure.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der Dekontaminationslösung eine Methansulfonsäure-Konzentration von ≤ 3.500 ppm
eingestellt wird, vorzugsweise 500 bis 1000 ppm.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der oxidativen Phase des Dekontaminationsprozesses, in der die Dekontaminationslösung
in den ersten Kreislauf (K1) strömt, die Permangansäure auf eine maximale Konzentration
von 200 ppm, vorzugsweise 50 ppm, eingestellt wird.
4. Verfahren nach zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die abzutragende Dicke der Oxidschicht durch die Menge des eingesetzten Permangansäure
gesteuert wird.
5. Verfahren nach zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass alle Phasen der Dekontamination bei einer Temperatur zwischen 60 °C und 120 °C, besonders
bevorzugt zwischen 85 °C und 105 °C, durchgeführt werden.
6. Verfahren nach zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass während des Strömens der Dekontaminationslösung durch die Ionentauscherharze im zweiten
Kreislauf (K2) durch Entzug der Mn-II -/ Fe-II -/ Fe-III - /Ni-II -Ionen mittels der
Ionentauscherharze die Methansulfonsäure regeneriert wird.
7. Verfahren nach vorzugsweise zumindest Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die auf den Innenflächen eines Kühlmittelkreislaufes eines Kernkraftwerks oder dessen
Komponenten abgeschiedene Oxidschicht durch die im Kreislauf (K1) geführte Permangansäure
und Methansulfonsäure enthaltende Dekontaminationslösung schichtweise oxidiert und
aufgelöst wird, dass nach vollständigem Verbrauch der Permangansäure bei weiterem
Kreislaufbetrieb die Dekontaminationslösung über einen Bypass durch einen Ionenaustauscher
zum Binden der in der Lösung vorhandenen Fe-, Ni-, Zn-, Mn-Kationen und Radionuklide
in einen zweiten Kreislauf (K2) geführt wird, dass anschließend der Methansulfonsäure-Lösung
erneut Permangansäure zugeführt wird, dass zuvorige Verfahrensschritte (HMnO4-Phase,
IT-Phase) in einem Umfang wiederholt werden, bis aus dem zu dekontaminierenden System
(Kreislauf K1) kein Aktivitätsaustritt (Radionuklid-Freisetzung) mehr feststellbar
ist.
8. Verfahren nach zumindest Anspruch 1 oder Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass zu Beginn des Abbaus der Oxidschicht der pH-Wert mittels der Methansulfonsäure eingestellt
wird und dass während des Abbaus der Oxidschicht und Durchführung der weiteren Verfahrensschritte
ein weiteres Zugeben von Methansulfonsäure unterbleibt.
9. Verfahren nach zumindest Anspruch 1 oder Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass der pH-Wert mittels der Methansulfonsäure auf einen Wert < 2,5, vorzugsweise < 2,2,
insbesondere ≤ 2,0, eingestellt wird.
10. Verfahren nach zumindest Anspruch 1 oder Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass als der erste Kreislauf (K1) ein Kreislauf oder ein Teilkreislauf von diesem von
einer kerntechnischen Anlage, insbesondere ein Kühlmittelkreislauf oder der Teil von
diesem, verwendet wird.
1. A process for dissolving a chromium, iron, nickel, zinc and radionuclides containing
oxide layer, in particular for breaking down oxide layers deposited on inner surfaces
of systems and components of a nuclear power plant, by means of an aqueous decontamination
solution containing an acid,
characterized in
that the dissolving of the oxide layer takes place in a single treatment step with the
aid of an aqueous decontamination solution flowing in a first loop (K1) with methanesulfonic
acid as the acid, such that during the entire carrying out of the decontamination
methanesulfonic acid remains in the decontamination solution both as a proton donor
to adjust the decontamination solution at a pH ≤ 2.5 and as oxide solvent, that the
dissolution of chrome-containing oxide layers is done with permanganic acid and that
following break-down of the permanganic acid the solution flows, while maintaining
the operation of the first loop (K1) via a bypass line in a second loop (K2), through
an ion exchanger (IT), in which the present 2- and 3-valent cations and the dissolved
radionuclides are fixed, with simultaneous release of methanesulfonic acid.
2. The process according to claim 1,
characterized in
that in the decontamination solution, a methanesulfonic acid concentration of ≤ 3,500
ppm is set, preferably 500 to 1000 ppm.
3. The process according to claim 1 or 2,
characterized in
that in the oxidation stage of the decontamination process, during which the decontamination
solution flows into the first loop (K1), the permanganic acid is set to a maximum
concentration of 200 ppm, preferably 50 ppm.
4. The process according to at least one of the preceding claims,
characterized in
that the thickness of the oxide layer to be removed is controlled by the amount of permanganic
acid used.
5. The process according to at least one of the preceding claims,
characterized in
that all stages of decontamination are carried out at a temperature between 60 °C and
120 °C, more preferably between 85 °C and 105 °C.
6. The process according to at least one of the preceding claims,
characterized in
that during flowing of the decontamination solution through the ion exchange resins in
the second loop (K2) said methanesulfonic acid is regenerated by removing the Mn-II/Fe-II/Fe-III/Ni-II
ions by means of said ion exchange resins.
7. The process according to preferably at least claim 1,
characterized in
that the oxide layer deposited on the inner surfaces of a coolant loop of a nuclear power
plant or its components is oxidized and dissolved in layers by the decontamination
solution containing permanganic acid and methanesulfonic acid recirculating in a first
loop (K1) so that after complete consumption of said permanganic acid, in further
recirculating operation the decontamination solution is recirculated in a second loop
(K2) via a bypass through an ion exchanger to bind Fe, Ni, Zn, Mn cations and radionuclides
present in the solution so that afterwards said methanesulfonic acid solution is again
supplied with permanganic acid so that prior process steps (HMnO4 stage, IT stage) are repeated to an extent until no more discharge of activity (radionuclide
release) from the system to be decontaminated (loop K1) is detectable.
8. The process according to at least claim 1 or claim 7,
characterized in
that at the beginning of breaking down the oxide layer the pH is set by means of methanesulfonic
acid and that during breaking down the oxide layer and carrying out further process
steps a further addition of methanesulfonic acid is stopped.
9. The process according to at least claim 1 or claim 7,
characterized in
that the pH is set by means of methanesulfonic acid to a value < 2.5, preferably < 2.2,
in particular ≤ 2.0.
10. The process according to at least claim 1 or claim 7,
characterized in
that a loop or a partial loop thereof of a nuclear installation, in particular a coolant
loop or part thereof is used as the first loop (K1).
1. Procédé de décomposition d'une couche d'oxyde contenant du chrome, du fer, du nickel,
du zinc et des radionucléides, en particulier de décomposition de couches d'oxydes
déposées sur des surfaces intérieures de systèmes et de composants d'une centrale
nucléaire, au moyen d'une solution aqueuse de décontamination contenant un acide,
caractérisé en ce
que la décomposition de la couche d'oxyde a lieu lors d'une unique phase de traitement
à l'aide d'une solution aqueuse de décontamination avec acide méthylsulfonique en
tant qu'acide s'écoulant dans un premier circuit (K1), que durant la totalité du déroulement
de la décontamination, l'acide méthylsulfonique reste dans la solution de décontamination
en tant que fournisseur de protons pour régler la solution de décontamination sur
un pH ≤ 2,5, ainsi qu'en tant que dissolvant d'oxydes, que la dissolution de couches
d'oxydes contenant du chrome a lieu avec de l'acide permanganique, et qu'après décomposition
de l'acide permanganique, le premier circuit (K1) étant maintenu en service, la solution,
en passant par une conduite de dérivation dans un deuxième circuit (K2), traverse
un échangeur d'ions (IT) dans lequel sont fixés les cations bivalents et trivalents
présents dans la solution de décontamination ainsi que les radionucléides dissous,
avec dégagement simultané d'acide méthylsulfonique.
2. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce
que dans la solution de décontamination est établie une concentration d'acide méthylsulfonique
≤ 3500 ppm, de préférence comprise entre 500 et 1000 ppm.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2,
caractérisé en ce
que dans la phase oxydative du processus de décontamination, dans laquelle la solution
de décontamination s'écoule dans le premier circuit (K1), la concentration de l'acide
permanganique est réglée au maximum à 200 ppm, de préférence à 50 ppm.
4. Procédé selon au moins une des revendications précédentes,
caractérisé en ce
que l'épaisseur de couche d'oxyde à enlever est déterminée par la quantité d'acide permanganique
mis en oeuvre.
5. Procédé selon au moins une des revendications précédentes,
caractérisé en ce
que toutes les phases de la décontamination sont effectuées à une température comprise
entre 60 °C et 120 °C, en particulier et de préférence entre 85 °C et 105 °C.
6. Procédé selon au moins une des revendications précédentes,
caractérisé en ce
que durant l'écoulement de la solution de décontamination à travers les résines échangeuses
d'ions dans le deuxième circuit (K2), l'acide méthylsulfonique est régénéré au moyen
des résines échangeuses d'ions par extraction des ions Mn II / Fe II / Fe III / Ni
II.
7. Procédé selon de préférence au moins la revendication 1,
caractérisé en ce
que la couche d'oxyde déposée sur les surfaces intérieures d'un circuit de réfrigérant
d'une centrale nucléaire ou de ses composants est oxydée et décomposée en couches
successives par une solution de décontamination circulant dans le circuit (K1) et
contenant de l'acide permanganique et de l'acide méthylsulfonique, qu'après consommation
intégrale de l'acide permanganique, le circuit étant maintenu en service, la solution
de décontamination, en passant par une conduite de dérivation dans un deuxième circuit
(K2), traverse un échangeur d'ions afin de fixer les cations Fe, Ni, Zn, Mn et les
radionucléides présents dans la solution, qu'ensuite est de nouveau ajouté de l'acide
permanganique à la solution d'acide méthylsulfonique, que les phases de procédé précédentes
(phase HMnO4, phase IT) sont réitérées jusqu'à ce qu'aucun dégagement d'activité (dégagement de
radionucléides) ne soit constaté en provenance du système à décontaminer (circuit
K1).
8. Procédé selon au moins la revendication 1 ou la revendication 7,
caractérisé en ce
qu'au début de la décomposition de la couche d'oxyde, le pH est réglé au moyen de l'acide
méthylsulfonique, et que durant la décomposition de la couche d'oxyde et le déroulement
des phases successives du procédé, un ajout supplémentaire d'acide méthylsulfonique
n'a pas lieu.
9. Procédé selon au moins la revendication 1 ou la revendication 7,
caractérisé en ce
que le pH est réglé au moyen de l'acide méthylsulfonique sur une valeur < 2,5, de préférence
< 2,2, en particulier ≤ 2,0.
10. Procédé selon au moins la revendication 1 ou la revendication 7,
caractérisé en ce
qu'en tant que premier circuit (K1) est utilisé un circuit ou une partie dudit circuit
d'une installation de technique nucléaire, en particulier un circuit de réfrigérant
ou la partie dudit circuit.