[0001] Die Erfindung betrifft einen hartstoffbeschichteten Körper mit mehreren mittels CVD
aufgetragenen Hartstoffschichten.
[0002] An Schneidwerkzeuge, die für die zerspanende Bearbeitung verwendet werden, werden
hohe Anforderungen hinsichtlich der Standfestigkeit und der Belastbarkeit gestellt,
insbesondere bei der Zerspanung harter oder zäher Materialien wie vergüteten bzw.
gehärteten Stählen durch Drehen mit hohen Schnittgeschwindigkeiten. Der Schneidwerkstoff
soll insbesondere abrasionsbeständig sein, was bereits frühzeitig dazu führte, dass
Hartmetall- oder Cermetsubstratkörper mit Oberflächenbeschichtungen versehen worden
sind, wobei zunächst Carbide, Nitride oder Carbonitride des Titans und später auch
Aluminiumoxidschichten als Verschleißschutzschichten verwendet worden sind. Bekannt
sind auch mehrlagige Verschleißschutzschichten aus unterschiedlichen Hartstoffen.
Als verschleißmindernde Schichten sind beispielsweise Aluminiumoxidschichten bekannt,
die auf einer oder mehreren Zwischenlagen wie beispielsweise Titancarbonitrid oder
Titannitrid angeordnet sind.
[0003] Aus der
WO 03/085152 A2 ist die Verwendung einer Ti-AI-N-Schicht bekannt, die als monophasige Schicht mit
Aluminiumgehalten bis 60% mittels PVD erzeugt werden kann. Bei höheren Aluminiumgehalten
entsteht allerdings ein Gemisch aus kubischem und hexagonalem TiAIN und bei noch höheren
Aluminiumanteilen nur noch die weichere und nicht verschleißfeste hexagonale Wurtzitstruktur.
[0004] Es ist auch bekannt, dass mittels Plasma-CVD einphasige Ti
1-xAl
xN-Hartstoffschichten mit x = 0,9 herstellbar sind. Nachteilig sind jedoch hierbei
die unzureichende Homogenität der Schichtzusammensetzung und der relativ hohe Chlorgehalt
in der Schicht.
[0005] Soweit für die Herstellung von Ti
1-xAl
xN-Hartstoffschichten PVD- oder Plasma-CVD-Verfahren eingesetzt wurden, war deren Anwendung
auf Temperaturen unter 700 °C beschränkt. Nachteilig ist, dass die Beschichtung komplizierter
Bauteilgeometrien Schwierigkeiten bereitet. PVD ist ein gerichteter Prozess, bei dem
komplexe Geometrien unregelmäßig beschichtet werden. Das Plasma-CVD erfordert eine
hohe Plasmahomogenität, da die Plasmaleistungsdichte einen direkten Einfluss auf das
Ti/Al-Atomverhältnis der Schicht hat. Die Herstellung einphasiger kubischer Ti
1-xAl
xN-Schichten mit hohem Aluminiumanteil ist mit den industriell eingesetzten PVD-Verfahren
nicht möglich.
[0006] Auch eine TiAIN-Abscheidung mit einem konventionellen CVD-Verfahren bei Temperaturen
über 1.000 °C ist nicht möglich, da das metastabile Ti
1-xAl
xN bei solch hohen Temperaturen in TiN und hexagonales AIN zerfällt.
[0007] Schließlich ist bei dem in der
US 6,238,739 B1 beschriebenen Verfahren, durch einen thermischen CVD-Prozess ohne Plasmaunterstützung
Ti
1-xAl
xN-Schichten mit x zwischen 0,1 und 0,6 bei Temperaturen zwischen 550 °C und 650 °C
herzustellen, eine Eingrenzung auf kleinere Aluminiumgehalte mit x ≤ 0,6 gegeben.
Als Gasmischung werden in dem dort beschriebenen Prozess Aluminium- und Titanchloride
sowie NH
3 und H
2 verwendet. Auch bei dieser Beschichtung sind hohe Chlorgehalte bis zu 12 At% in Kauf
zu nehmen.
[0008] In der
WO 2007/003648 A1 wird zur Verbesserung der Verschleißfestigkeit und der Oxidationsbeständigkeit vorgeschlagen,
einen hartstoffbeschichteten Körper mit einem ein- oder mehrlagigen Schichtsystem
mittels CVD herzustellen, das mindestens eine Ti
1-xAl
xN-Hartstoffschicht enthält, wozu der Körper in einem Reaktor bei Temperaturen im Bereich
von 700 °C bis 900 °C mittels CVD ohne Plasmaanregung beschichtet wird und als Precursoren
Titanhalogenide, Aluminiumhalogenide und reaktive Stickstoffverbindungen verwendet
werden, die bei erhöhter Temperatur gemischt werden. Im Ergebnis wird ein Körper mit
einer einphasigen Ti
1-xAl
xN-Hartstoffschicht in der kubischen NaCl-Struktur mit einem Stöchiometriekoeffizienten
x > 0,75 bis x = 0,93 oder einer mehrphasige Schicht erhalten, deren Hauptphase aus
Ti
1-xAl
xN mit kubischer NaCl-Struktur mit einem Stöchiometriekoeffizienten x > 0,75 bis x
= 0,93 besteht, wobei als weitere Phase Ti
1-xAl
xN in Wurtzitstruktur und/oder TiN
x in NaCl-Struktur enthalten sind. Der Chlorgehalt liegt im Bereich zwischen 0,05 bis
0,9 At%. Aus diesem Dokument ist auch bekannt, dass die Ti
1-xAl
xN-Hartstoffschicht oder -schichten bis zu 30 Massen% amorphe Schichtbestandteile enthalten
können. Der Härtewert der erhaltenen Schichten liegt im Bereich 2.500 HV bis 3.800
HV.
[0009] Um die Haftung einer Ti
1-xAl
xN-Hartstoffschicht bei hoher Verschleißfestigkeit zu verbessern, wird in der nicht
vorveröffentlichten
DE 10 2007 000 512 zudem vorgeschlagen, dass das auf einen Substratkörper aufgetragene Schichtsystem
aus einer auf den Körper aufgebrachten Anbindungsschicht aus Titannitrid, Titancarbonitrid
oder Titancarbid besteht, worauf eine Phasengradientenschicht folgt und schließlich
eine Außenlage aus einer ein- oder mehrphasigen Ti
1-xAl
xN-Hartstoffschicht. Die Phasengradientenschicht besteht an ihrer der Anbindungsschicht
zugewandten Seite aus einem TiN/h-AIN-Phasengemisch und weist mit zunehmender Schichtdicke
einen zunehmenden Phasenanteil von fcc-TiAIN mit einem Anteil von mehr als 50% und
damit einhergehend simultaner Abnahme der Phasenanteile von TiN und h-AlN auf.
[0010] Neben der Abrasions- und Oxidationsbeständigkeit einer Schicht auf einem Hartmetall-,
Cermet- oder Substratkörper ist für die Anwendung dieses Werkstoffes bei zerspanenden
Bearbeitungen, insbesondere bei hohen Schnittgeschwindigkeiten, die thermische Beständigkeit
der Beschichtung von großer Bedeutung. Im Bereich einer Schneidkante eines Schneideinsatzes
entstehen beim Drehen von harten Werkstücken Temperaturen, die deutlich oberhalb von
1.000 °C liegen. Bei solchen Temperaturen wirken sich unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten,
die für die Substrate zwischen den einzelnen Lagen bestehen, erheblich aus. Hierbei
kommt es zur Ausbildung von Spannungen zwischen den einzelnen Lagen und, sofern durch
Wärmeleitung die hohe Temperatur von der äußeren Schicht bis zum Substratkörper transportiert
wird, im ungünstigsten Falle zu einem Ablösen der Beschichtung, womit der Schneideinsatz
unbrauchbar wird.
[0011] Es ist somit Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen hartstoffbeschichteten Körper
zu schaffen, dessen Beschichtung durch Auswahl der einzelnen Schichten eine bessere
thermische Isolationswirkung hinsichtlich des Wärmetransportes hat.
[0012] Diese Aufgabe wird durch einen hartstoffbeschichteten Körper nach Anspruch 1 gelöst.
Der hartstoffbeschichtete Körper besitzt mehrere Schichten, wobei auf einer Ti
1-xAl
xN- und/oder Ti
1-xAl
xC- und/oder einer Ti
1-xAl
xCN-Schicht mit x = 0,65 bis 0,95 eine Al
2O
3-Schicht als Außenschicht angeordnet ist.
[0013] Die Verwendung einer Ti
1-xAl
xN-, Ti
1-xAl
xC- oder Ti
1-xAl
xCN-Schicht anstelle einer nach dem Stand der Technik allgemein verwendeten TiCN-Schicht
hat den Vorteil, dass die Wärmeleitfähigkeit in der unterhalb der Al
2O
3-Schicht angeordneten Schicht um etwa 80% geringer ist, so dass sich die Ti
1-xAl
xN-, Ti
1-xAl
xC- oder Ti
1-xAl
xCN-Schicht als signifikant verbesserte thermische Isolation zum Substratkörper erweist.
Die äußere Al
2O
3-Schicht ist auch oxidationsbeständiger und im Vergleich zu einer TiCN-Außenlage um
ca. 50% härter, so dass sich eine höhere Verschleißbeständigkeit ergibt.
[0014] Überraschenderweise ist darüber hinaus festgestellt worden, dass eine Ti
1-xAl
xN-, Ti
1-xAl
xC- oder Ti
1-xAl
xCN-Schicht als Zwischenlage im Vergleich zu einer TiN- oder TiCN-Zwischenlage keine
Rissneigung besitzt, so dass sich das nach dem Stand der Technik nachteilig auswirkende
typische Rissnetz nicht ausbildet. Insbesondere bei unterbrochenem Schnitt wirkt sich
der verbesserte Rissbildungswiderstand standzeiterhöhend aus.
[0015] Die Ti
1-xAl
xCN-, Ti
1-xAl
xC- oder die Ti
1-xAl
xN-Schicht kann einphasig sein und eine kubische Struktur aufweisen, oder mehrphasig
sein und neben einer kubischen Hauptphase eine weitere Phase in Wurtzitstruktur und/oder
TiN aufweisen. Bis zu 30 Massen% können amorphe Schichtbestandteile enthalten sein.
Der Chlorgehalt liegt zwischen 0,01 bis zu 3 At%.
[0016] Nach einer Weiterbildung der Erfindung kann eine TiN- und/oder TiCN-Schicht als Anbindungsschicht
an den Substratkörper, der aus einem Hartmetall, einem Cermet oder einer Keramik besteht,
verwendet werden, so dass die Schichtfolge von innen nach außen TiN- oder TiCN-TiAlC(N)-Al
2O
3 lautet.
[0017] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung sind auch zwischen der Al
2O
3-Außenschicht und der Ti
1-xAl
xN-Schicht, Ti
1-xAl
xC-Schicht oder der Ti
1-xAl
xCN-Schicht TiCN-Schichten möglich.
[0018] Vorzugsweise liegt der Aluminiumanteil als Metallanteil zwischen 70% und 90%. Die
Schichtdicke einer Ti
1-xAl
xN-Schicht, Ti
1-xAl
xC-Schicht oder einer Ti
1-xAl
xCN-Schicht kann zwischen 2 µm bis 10 µm, vorzugsweise 3 µm bis 7 µm, variieren. Die
vorgenannte Schicht kann auch Anteile an hexagonalem Aluminiumnitrid enthalten, maximal
25%.
[0019] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist es auch möglich, anstelle einer einzigen
Zwischenlage eine mehrlagige Schicht aus einer oder mehreren Doppellagen oder Dreifachlagen
des Typs (Ti
1-xAl
xN, Ti
1-xAl
xC, Ti
1-xAl
xCN)
n mit n = natürlicher Zahl anzuordnen. Die TiAlN/TiAlCN/TiAlC-Wechselschicht besitzt
dann eine Gesamtdicke, die sich aus der Summe der Dicken jeder einzelnen Schicht ergibt,
welche zwischen 1 nm bis 5 nm liegt. Vorzugsweise sollte die Gesamtdicke mindestens
1 µm bis 5 µm betragen. Im einfachsten Fall werden jeweils dünne, lediglich einige
nm dicke Einzellagen aus Ti
1-xAl
xN oder Ti
1-xAl
xCN oder Ti
1-xAl
xC nacheinander bis zum Erreichen der gewünschten Gesamtdicke zwischen 1 µm und 5 µm
aufgetragen. Es ist jedoch auch ein alternierendes Schichtsystem aus den vorgenannten
Zusammensetzungen möglich, einschließlich solcher Schichten, die Lagen mit einem Gradientenverlauf
besitzen, bei dem der C-Anteil nach außen sinkt oder steigt.
[0020] Die TiAlN-, TiAIC- oder TiAICN-Schicht kann bis zu 30% amorphe Bestandteile und Chlorgehalte
bis zu 3 At% beinhalten.
[0021] Zur Herstellung wird der aus einem Hartmetall, einem Cermet oder einer Keramik bestehende
Substratkörper einer CVD-Beschichtung bei Beschichtungstemperaturen zwischen 650 °C
und 900 °C unterzogen, wobei in die Gasatmosphäre Titan- und Aluminiumchloride sowie
Ammoniak zur Herstellung einer TiAlN-Schicht eingeleitet werden. Nach Herstellung
einer ersten, zwischen 2 µm und 10 µm, vorzugsweise 3 µm bis 7 µm, dicken Schicht
wird in konventioneller Weise mittels des CVD-Verfahrens eine mindestens 2 µm, maximal
10 µm dicke Al
2O
3-Schicht aufgetragen.
1. Hartstoffbeschichteter Körper mit mehreren, jeweils mittels CVD auf ein Substrat aufgetragenen
Schichten,
dadurch gekennzeichnet, dass das Substrat ein Hartmetall, ein Cermet oder eine Keramik ist, auf dem eine Al2O3-Schicht als Außenschicht auf einer Ti1-xAlxN-Schicht und/oder Ti1-xAlxC-Schicht und/oder Ti1-xAlxCN-Schicht mit x = 0,65 bis 0,95 angeordnet ist, wobei der Körper ein Schneidwerkzeug
für unterbrochene Schnitte ist.
2. Hartstoffbeschichteter Körper nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine TiN- und/oder TiCN-Schicht als Anbindungsschicht an das Substrat.
3. Hartstoffbeschichteter Körper nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen der Al2O3-Außenschicht und der Ti1-xAlxN-Schicht, Ti1-xAlxC-Schicht oder Ti1-xAlxCN-Schicht eine TiCN-Schicht angeordnet ist.
4. Hartstoffbeschichteter Körper nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass in der Ti1-xAlxN-Schicht, Ti1-xAlxC-Schicht oder Ti1-xAlxCN-Schicht 0,7 ≤ x ≤ 0,9 ist.
5. Hartstoffbeschichteter Körper nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass unterhalb der Al2O3-Schicht eine mehrlagige Schicht aus einer oder mehreren Doppellagen oder Dreifachlagen
aus der Gruppe (Ti1-xAlxN, Ti1-xAlxCN, Ti1-xAlxC)n angeordnet ist.
6. Hartstoffbeschichteter Körper nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Dicke der äußeren Schicht zwischen 1 µm bis 5 µm, die Dicke der Ti1-xAlxN-Schicht, Ti1-xAlxC-Schicht oder Ti1-xAlxCN-Schicht 1 µm bis 5 µm und die Dicke etwaiger weiterer Anbindungs- oder Zwischenschichten
zwischen 1 µm bis 5 µm liegt.
7. Hartstoffbeschichteter Körper nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Ti1-xAlxN-Schicht, Ti1-xAlxC-Schicht oder Ti1-xAlxCN-Schicht maximal 25% an hexagonalem AIN enthält.
8. Hartstoffbeschichteter Körper nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Ti1-xAlxN-Schicht, Ti1-xAlxC-Schicht oder Ti1-xAlxCN-Schicht kein Rissnetz ausbildet.
9. Verwendung eines hartstoffbeschichteten Körpers gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8
als Schneidwerkzeug zum Zerspanen mit unterbrochenem Schnitt.