[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein System und ein Verfahren zum automatischen
Beseitigen eines Kurzschlusses in einem Energiebus, über den in einer industriellen
Anlage angeordnete dezentrale Funktionseinheiten mit elektrischer Energie versorgt
werden.
[0002] Derartige dezentrale Funktionseinheiten werden im Besonderen in Schienenverkehrsnetzwerken
z.B wie die Eisenbahn eingesetzt, wo diese genutzt werden, um Fahrzeug beeinflussende
und/oder Fahrzeug überwachende Einheiten zu steuern und bezüglich der Funktionalität
zu überwachen und um Prozessdaten aufzunehmen und zurück an eine zentrale Steuerungs-
und/oder Überwachungszentrale, wie zum Beispiel eine Leitstelle oder ein Stellwerk,
zu melden. Als zugbeeinflussende Einheiten, die also Anweisungen an den Fahrzeugführer
geben oder sogar direkt Eingriffe in der Fahrzeugsteuerung vornehmen oder direkt einen
sicheren Fahrweg einstellen, können beispielsweise Signale, Weichen, Balisen, Linienleiter,
Gleismagnete und dergleichen sowie auch Sensoren zum Erfassen von Prozessgrössen des
fahrenden Zuges, wie Leistungsaufnahme, Geschwindigkeit und dergleichen, betrachtet
werden. Als Zug- und Gleisabschnitt überwachende Einheiten können ebenfalls Balisen
und Linienleiter, aber auch Achszähler und Gleisstromkreise und andere Gleisfreimeldesysteme
genannt werden. Grundsätzlich betrifft die vorliegende Erfindung aber alle industriellen
Anlagen, in denen funktionale Einheiten über grössere Strecken verteilt sind und dennoch
zentral gesteuert werden müssen. Die zentrale Steuerung kann dabei von einer ortsfesten
Leitstelle, aber auch durch eine nicht-ortsfeste virtuelle Leitstelle wahrgenommen
werden.
[0003] Im Eisenbahnverkehr ist es üblicherweise so, dass diese dezentralen Funktionseinheiten
von einem Stellwerk oder einem abgesetzten Stellwerkrechner gesteuert werden. Für
den Datentransfer zwischen dem Stellwerk und den Funktionseinheiten im Gleisbereich
sind heute in der Regel standardisierte Kupferkabel vorgesehen, für deren klassische
Stelldistanzlängen wegen der physikalischen Übertragungsparameter, den Kabelbelägen
(RLC), bei 10 km in der Praxis die obere Grenze liegt. Bei gewissen Typen von Funktionseinheiten
kann diese obere Limite jedoch auch nur bei maximal 6,5 km liegen.
[0004] Aus dem Projekt Sinet® der Siemens Schweiz AG und der dazu korrespondierenden europäischen
Patentanmeldung
EP 2 301 202 A1 sind eine Einrichtung und ein Verfahren zur Steuerung und/oder Überwachung von entlang
eines Verkehrsnetzwerks angeordneten dezentralen Funktionseinheiten bekannt, welche
folgenden Kernpunkte umfassen:
- a) ein übergeordnetes Steuerungssystem, das mit den dezentralen Funktionseinheiten
mittels Datentelegrammen Informationen austauscht,
- b) ein Datentransportnetzwerk mit einer Anzahl von Netzzugangspunkten, wobei das übergeordnete
Steuerungssystem über mindestens einen Netzzugangspunkt an dem Datentransportnetzwerk
angekoppelt ist;
- c) Kommunikationseinheiten, die jeweils an einem Netzzugangspunkt angeschlossen sind,
wobei:
- d) die dezentralen Funktionseinheiten zu Untergruppen mit jeweils eigenem Subnetzwerk
zusammengefasst sind; und wobei
- e) das Subnetzwerk jeder der Untergruppen an jedem seiner beiden Ende jeweils über
eine Kommunikationseinheit und über einem Netzzugangspunkt an dem Datentransportnetzwerk
angekoppelt ist.
[0005] Auf diese Weise kann für die Ankopplung der dezentralen Funktionseinheiten ein digitales
Datentransportnetzwerk genutzt werden, welches in jeder Weise robust gegen ein einfaches
Fehlerereignis ist, dennoch eine sehr geschickte Verwendung von sehr breit in der
Bahntechnik eingesetzten Cu-Kabeln, zum Beispiel bisher vorhandenen Stellwerkskabeln,
erlaubt und schliesslich auch nur eine vergleichsweise geringe Zahl von Netzzugangspunkten
benötigt.
[0006] Eine derartige Einrichtung ist dabei in besonders vorteilhafter Weise für ein Schienennetz
für den Eisenbahnverkehr einsetzbar. Folglich ist dann zweckmässig, mittels den dezentralen
Funktionseinheiten verkehrsüberwachende und verkehrssteuernde Funktionseinheiten,
wie insbesondere Signale, Weichen, Achszähler, Gleisstromkreise, punkt- und linienförmige
Zugbeeinflussungselemente, an das Datentransportnetzwerk anzukoppeln.
[0007] Der Aufbau von technischen Anlagen, besonders auch in der Bahninfrastruktur, ist
aufgrund der über 100 jährigen Geschichte des Industrieanlagenbaus und des Eisenbahnwesens
auf Robustheit und Zuverlässigkeit ausgelegt. In der damaligen Konzeption wurden besonders
die Aussenelemente der Bahnsicherungsanlagen über relativ kräftige Kabeladern angeschlossen,
um die Schaltzustände über die definierten Distanzen sicher detektieren zu können,
d.h. die Auslegung erfolgt entsprechend der Spitzenbelastungen mit ausreichender Reserve.
Mit dem Schaltvorgang der Aussenelemente wird über die Energiezuführung auch die Information
übermittelt. Daraus folgt aber in naheliegender Weise auch, dass die möglichen Distanzen
durch den detektierbaren Energiefluss begrenzt sind. Unter heutigen Flexibilitäts-,
Kosten- und Ressourcenpolitischen -Aspekten sind diese etablierten Konzepte neben
der durch die
EP 2 301 202 A1 offenbarten Kommunikationsstruktur dringend auch im Bereich der Energiezuführung
zu innovieren und so die bisherige Kopplung von Information und Energie aufzulösen.
[0008] Hierzu offenbart die internationalen Patentanmeldung
WO 2013/013908 A1 eine Lösung. Diese Lösung sieht eine Einrichtung und ein Verfahren zum Betreiben
von in einer industriellen Anlage angeordneten dezentralen Funktionseinheiten vor,
umfassend:
- a) ein übergeordnetes Steuerungssystem, das mit den dezentralen Funktionseinheiten
mittels Datentelegrammen Informationen austauscht,
- b) ein Datentransportnetzwerk mit einer Anzahl von Netzzugangspunkten, wobei das übergeordnete
Steuerungssystem über mindestens einen Netzzugangspunkt an dem Datentransportnetzwerk
angekoppelt ist;
- c) Kommunikationseinheiten, die an einem Netzzugangspunkt angeschlossen sind und den
dezentralen Funktionseinheiten den Zugang zu dem Datentransportnetzwerk bereitstellen,
und
- d) ein Energietransportnetz, an das die dezentralen Funktionseinheiten angeschlossen
sind und das die dezentralen Funktionseinheiten mit elektrischer Energie versorgt.
Auf diese Weise ist nun auch das Energietransportnetz vollkommen von einem Stellwerk
entkoppelt.
[0009] Ausgehend von der heutigen Stellwerkarchitektur mit dezentralen Stationen, aber Punkt-zu-Punkt-Energiezuführung,
wird hiermit ein neuer, innovativer Ansatz beschritten, der von der Siemens Schweiz
AG unter dem Namen Sigrid® vertrieben. Die heutigen kabel- und arbeitsintensiven Punkt-
zu Punkt-Verbindungen für die Stromversorgung bzw. die Energieversorgung der peripheren
Elemente entlang dem Gleis (Element Controller oder auch dezentrale Funktionseinheit
genannt) werden ersetzt durch adernsparende und einfach zu montierende Bus- oder Ringleitungen.
[0010] Die in der
WO 2013/013908 A1 offenbarte Lösung beschränkt sich aber längst nicht nur auf den beschriebenen Anwendungsfall
der Stellwerksarchitektur von Bahnanlagen, sondern geht weit darüber hinaus. Als zukünftige
Beispiele werden das Energiemanagement für Gebäude oder für Grossanlagen in der produzierenden
oder verarbeitenden Industrie auf der Basis dezentraler Energieversorgung gesehen.
[0011] Wenn der Energiebus zwischen zwei Stellwerken oder sonstigen Einrichtungen mit Anschluss
zu den Energieversorgungsnetzen verlegt wird, so kann die Versorgung der angeschlossenen
Verbraucher (dezentrale Funktionseinheiten) von beiden Speiseseiten erfolgen. Dadurch
wird eine bisher noch nicht verfügbare Redundanz der Energieversorgung geschaffen.
Die dezentralen Funktionseinheiten - auch Element Controller oder kurz EC genannt)
werden dabei durch Netzknoteneinheiten - auch Buskoppler oder kurz SND - Smart Node
Device genannt - an den Datenbus und den Energiebus angeschlossen, die Steuerungs-,
Überwachungs- und Diagnosefunktionen übernehmen können. Die SND können beispielsweise
den Energiebus unterbrechen bzw. durchschalten, sowie Ströme und Spannungen im Energiebus
messen.
[0012] Einfache Defekte, also beispielsweise Kurzschlüsse oder Unterbrüche, im Energiebus
führen bei korrekter Behandlung aufgrund der Redundanz nicht unmittelbar zu einem
Ausfall von Elementen. Im Fall einer ausfallenden Speiseseite würde die Versorgung
aller dezentralen Funktionselemente von der zweiten Speiseseite übernommen.
[0013] Dennoch ist es an dieser Stelle bisher nur mit einer unzulässig langen Reaktionszeit
möglich einen Kurzschluss zwischen zwei Netzknoteneinheiten und/oder zwischen einer
Netzknoteneinheit und einer Einspeisestelle zu lokalisieren und in einer Weise zu
beheben, dass alle dezentralen Funktionseinheiten aufgrund der Redundanz weiter mit
Elektrizität versorgt werden können.
[0014] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein System und ein Verfahren
zur automatischen Beseitigung eines Kurzschlusses in einem Energiebus anzugeben, der
in einer industriellen Anlage angeordnete dezentrale Funktionseinheiten mit elektrischer
Energie vorsorgt. Dabei soll der Kurzschluss im Energiebus zuverlässig und schnell
detektierbar und lokalisierbar sein, sodass umgehend Massnahmen zur Wiederherstellung
der korrekten Funktion des Energiebusses eingeleitet werden können.
[0015] Die Aufgabe wird bezüglich des Systems erfindungsgemäss durch ein System zum automatischen
Beseitigen eines Kurzschlusses in einem Energiebus, über den in einer industriellen
Anlage angeordnete dezentrale Funktionseinheiten mit elektrischer Energie versorgt
werden, wobei:
- a) ein übergeordnetes Steuerungssystem vorgesehen ist, das mit den dezentralen Funktionseinheiten
mittels Datentelegrammen Informationen über einen Datenbus austauscht,
- b) Netzknoteneinheiten sequentiell zwischen zwei Speisepunkten eines ringartig aufgebauten
Energiebusses angeordnet sind, die den dezentralen Funktionseinheiten den Zugang zu
dem Energiebus und optional auch zum Datenbus bereitstellen,
- c) die Netzknoteneinheiten über ein steuerbares Schaltmodul verfügen, das einen ersten
Schalter und einen zweiten Schalter umfasst, wobei mit den beiden Schaltern je ein
Zugang zu den beiden Speisepunkten schaltbar ist,
- d) ein Auswertemodul vorgesehen ist, das die gemessene Spannung und/oder den gemessenen
Strom innerhalb einer Netzknoteneinheit und/oder unter benachbarten Netzknoteneinheiten
und/oder in mindestens einem der beiden Speisepunkte auf einen Kurzschluss des Energiebusses
auswertet, wobei bei einer Detektion eines Kurzschlusses eine zeitlich gestaffelte
Abschaltung mindestens eines Teils der Netzknoteneinheiten von dem Energiebus durch
Öffnen des ersten oder des zweiten Schalters ausführbar ist; und
- e) ein Abschaltzeitpunkt für jede Netzknoteneinheit in Abhängigkeit von einer in der
Netzknoteneinheit vorherrschenden Stromrichtung und von der Position der Netzknoteneinheit
im Energiebus vorgesehen ist.
[0016] Bezüglich des Verfahrens wird diese Aufgabe erfindungsgemäss durch ein Verfahren
zum automatischen Beseitigen eines Kurzschlusses in einem Energiebus gelöst, über
den in einer industriellen Anlage angeordnete dezentrale Funktionseinheiten mit elektrischer
Energie versorgt werden, wobei:
- a) ein übergeordnetes Steuerungssystem vorgesehen ist, das mit den dezentralen Funktionseinheiten
mittels Datentelegrammen Informationen über einen Datenbus austauscht,
- b) Netzknoteneinheiten sequentiell zwischen zwei Speisepunkten eines ringartig aufgebauten
Energiebusses angeordnet sind, die den dezentralen Funktionseinheiten den Zugang zu
dem Energiebus und optional auch zum Datenbus bereitstellen,
- c) die Netzknoteneinheiten über ein steuerbares Schaltmodul verfügen, das einen ersten
Schalter und einem zweiten Schalter umfasst, wobei mit den beiden Schaltern je ein
Zugang zu den beiden Speisepunkten schaltbar ist,
- d) ein Auswertemodul vorgesehen ist, das die gemessene Spannung und/oder den gemessenen
Strom innerhalb einer Netzknoteneinheit und/oder unter benachbarten Netzknoteneinheiten
und/oder in mindestens einer der beiden Speisepunkte auf einen Kurzschluss des Energiebusses
auswertet, wobei bei einer Detektion eines Kurzschlusses eine zeitlich gestaffelte
Abschaltung zumindest eines Teils der Netzknoteneinheiten ausgeführt wird; und
- e) ein Abschaltzeitpunkt für jede Netzknoteneinheit in Abhängigkeit von einer in der
Netzknoteneinheit vorherrschenden Stromrichtung und von der Position der Netzknoteneinheit
im Energiebus vorgesehen ist.
[0017] Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die dem Kurzschluss am nächsten liegenden
Netzknoteneinheiten zuerst den Energiebus unterbrechen, wobei dieser Unterbruch durch
das Öffnen des jeweils zur Seite des Kurzschlusses gerichteten Schalters der Netzknoteneinheit
erfolgt. Mit der Detektion des Kurzschlusses startet daher die Zeit bis zum jeweiligen
Abschaltzeitpunkt der Netzknoteneinheit, wobei dieser Abschaltzeitpunkt für jede Netzknoteneinheit
in Abhängigkeit von der Stromrichtung und der Position im Energiebus projektiert ist.
Jede Netzknoteneinheit kennt daher ihren jeweiligen Abschaltzeitpunkt, sobald ein
Kurzschluss detektiert wurde. Als Kurzschluss kann dabei beispielsweise ein Zustand
des Energiebusses charakterisiert werden, der einen vorprojektierten Abschaltstrom
überschreitet und/oder der die Spannung des Energiebusses unterhalb eine vorprojektierte
Abschaltspannung fallen lässt.
[0018] Als besonders sinnvoll hat es dabei erwiesen, wenn bei einen Stromfluss durch einen
der beiden Speisepunkte die diesem Speisepunkt am entferntesten liegende Netzknoteneinheit
den frühesten Abschaltzeitpunkt zur Auftrennung des Energiebusses zum anderen Speisepunkt
aufweist und sich die weiteren Abschaltzeitpunkte sequentiell von Netzknoteneinheit
zu Netzknoteneinheit mit einem vorgebbaren Zeitintervall gestaffelt in Richtung zum
versorgenden Speisepunkt erhöhen.
[0019] Typischerweise kann dieses vorgebbare Zeitintervall im einstelligen Millisekundenbereich
liegen, vorzugsweise zum Beispiel 1 ms betragen. Letztendlich hängt dieses Zeitintervall
aber von der Dimensionierung des Energiebusses und der dezentralen Funktioneinheit
ab. Beträgt beispielsweise die maximale Zahl von in dem Energiebus sequentiell angeordneten
Netzknoteneinheiten 16 Netzknoteneinheiten, ergibt sich unter der Randbedingung, dass
eine dezentrale Funktionseinheit E einen Versorgungsunterbruch für 20 ms puffern kann,
der Wert von rund einer Millisekunde für dieses Zeitintervall (bei Bevorratung einer
kleinen Reserve).
[0020] Grundsätzlich könnte auch eine kaskadierte Abschaltung der Netzknoteneinheiten vorgesehen
sein, wobei dann die gestaffelte Abschaltung zur Auftrennung des Energiebusses von
Netzknoteneinheiten solange ausführbar sein kann, bis das Auswertemodul das Vorliegen
eines Kurzschlusses verneint.
[0021] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung kann realisiert werden, wenn
das Auswertemodul allen Netzknoteneinheiten nach der Detektion eines Kurzschlusses
eine Mitteilung über das Vorliegen des Kurzschlusses zusammen mit einem Zeitstempel
zusendet. Diese Variante erfordert jedoch eine hinreichend schnelle Kommunikation
zwischen dem Auswertemodul und den Netzknoteneinheiten.
[0022] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung, die diesbezüglich praktisch
keine Kommunikation zwischen den Netzknoteneinheiten zur selekten Abschaltung des
Energiebusses benötigt, kann erreicht werden, wenn jede Netzknoteneinheit selbst über
das Auswertemodul verfügt. So kann jede Netzknoteneinheit selbsttätig das Vorliegen
eines Kurzschlusses detektieren. Mit der Detektion des Kurzschlusses startet daher
die Zeit bis zum jeweiligen Abschaltzeitpunkt der Netzknoteneinheit, wobei dieser
Abschaltzeitpunkt für jede Netzknoteneinheit in Abhängigkeit von der Stromrichtung
und der Position im Energiebus projektiert ist. Jede Netzknoteneinheit kennt daher
ihren jeweiligen Abschaltzeitpunkt. Die Zeit bis zu diesem Abschaltzeitpunkt beginnt
in dem Moment der Detektion des Kurzschlusses zu laufen.
[0023] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung sind den übrigen
Unteransprüchen zu entnehmen.
[0024] Vorteilhafte Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung werden anhand der Zeichnung
näher erläutert. Dabei zeigen:
- Figur 1
- in schematischer Ansicht eine Stellwerkarchitektur mit einem Datenbus und einem Energiebus;
- Figur 2
- in schematischer Ansicht eine Netzknoteneinheit zur Verbindung einer dezentralen Funktionseinheit
mit dem Datenbus und Energiebus;
- Figur 3
- in schematischer Ansicht Beispiele für die Kurzschlussabschaltung des Energiebusses
durch die Netzknoteneinheiten; und
- Figur 4
- in tabellarischer Ansicht die Staffelung der zeitlichen Abschaltzeitpunkte für die
Netzknoteneinheiten in Abhängigkeit von der Position der Netzknoteneinheiten im Energiebus
und von der Stromrichtung.
[0025] Figur 1 zeigt schematisch eine Stellwerkarchitektur mit einem System Sys, das u.a.
ein Stellwerk STW, einen redunant abgebauten Datenbackbone NB1, NB2, einen Datenbus
CB und einen Energiebus EB mit zwei Speisestellen PS1 und PS2 aufweist. Das Stellwerk
STW steuert einen Zugverkehr auf einem Gleisabschnitt G, in welchem Signale S, Weichen
W, ein Bahnübergang Bue und Achszähler AC angeordnet sind. Diese Zugsicherungs- und
Zugbeeinflussungskomponenten koppeln jeweils mit einer dezentralen Funktionseinheit
- auch Element Controller Unit E genannt - an dem Datenbus CB und dem Energiebus EB
an. Die dezentralen Funktionseinheiten E sind dabei so an den ringförmigen Datenbus
CB angeschlossen, dass über jede Seite des ringförmigen Datenbusses CB entweder der
Zugriff auf den Datenbackbone NB1 bzw. NB2 gegeben ist. Der Datenbus CB koppelt dabei
mit entsprechenden Routern/Switches SW an dem jeweiligen Datenbackbone NB1, NB2 an.Zudem
gewährleistet der sequentielle Anschluss der Element Controller Unit E an den ringförmigen
Energiebus, dass jede Element Controller Unit E von beiden Seiten her und damit redundant
mit elektrischer Energie versorgt werden kann.
[0026] Figur 2 zeigt nun schematisch die daten- und energieversorungstechnische Anschaltung
der Element Controller Unit E einer Zugbeeinflussungskomponente, hier zum Beispiel
eine Weiche W, an den Datenbus CB und den Energiebus EB. Ein derartiger Anschaltpunkt
umfasst eine Netzknoteneinheit SND und den eigentlichen Element Controller EC. Die
Netzknoteneinheit SND umfasst eine Kommunikationseinheit SCU zum Datenaustausch über
beide Äste des Datenbusses CB. Energieseitig ist die Netzknoteneinheit SND so ausgestaltet,
dass sie an beiden Ästen des Energiebusses EB ankoppelt und damit immer, ggfs. über
andere Netzknoteneinheiten SND hinweg - ein Zugang zu beiden Einspeisepunkten PS1
und PS2 besteht (wie in Figur 1 gezeigt). Die Netzknoteneinheit SND verfügt weiter
über eine Steuer- und Auswertelogik SL, die zum Beispiel in das Schaltmodul S integriert
sein kann, und steuert und überwacht damit den Energiebus EB. Im Besonderen detektiert
die Steuer-und Auswertelogik Stromüberschreitungen und/oder Spannungseinbrüche innerhalb
des Energiebusses EB und/oder beim angeschlossenen Verbraucher (SPU mit EC) und wertet
diese Daten auf einen möglicherweise vorliegenden Kurzschluss aus.
[0027] Somit wird die Netzknoteneinheit immer in redundanter Weise von zwei Seiten her mit
elektrischer Energie versorgt und verfügt daher im Rahmen eines Schaltmoduls S über
einen linken Schalter S1 und einen rechten Schalter S2 sowie über einen Lastschalter
S3 zur Versorgungseinheit SPU des Element Controllers EC.
[0028] Die Netzknoteneinheit SND versorgt auch die Kommunikationseinheit SCU mit Spannung
und kann mit dieser auch über eine Ethernet-Verbindung Daten austauschen und ist damit
in den Datenbus CB eingebunden (z.B. Aktivieren des Handbetriebs des SND über Fernzugriff
und Betätigen der Schalter S1 bis S3, Abgabe von Diagnosedaten an das Stellwerk oder
ein übergeordnetes Service- und Diagnosesytem, Abfrage der aktuellen Spannungen, Ströme,
Energie- und Leistungswerte, Parametrierung des SND, Daten für Aufladung eines hier
nicht weiter dargestellten Energiespeichers oder die Anmeldung eines zukünftigen Leistungsbedarfs).
In die Netzknoteneinheit SND ist hier über den Schalter S3 die Versorgungseinheit
SPU integriert, die die Spannung des Energiebusses EB auf die für den Element Controller
EC erforderliche Eingangsspannung konvertiert. Zudem ist eine Datenverbindung zwischen
dem Schaltmodul S der Netzknoteneinheit SND und der Versorgungseinheit SPU, z.B. in
Form einer serielle RS 422, vorgesehen. Energietechnisch typisch ist hier zum Beispiel
eine dreiphasige Verbindung mit 400 VAC. Der Element Controller EC steuert und versorgt
in Figur 2 vorliegend die Weiche W. Dabei empfängt der Element Controller EC Datentelegramme
von einem übergeordneten Stellwerksrechner CPU via einer Ethernet-Verbindung von der
Kommunikationseinheit SCU und gibt über diese Kommunikationseinheit SCU die Rückmeldungen
an den Stellwerksrechner CPU. Der Stellwerksrechner CPU kann auch ein entsprechendes
Auswertemodul repräsentieren, dass die empfangenen Daten bestimmungsgemäss auswertet.
Vorliegend wird aber in diesem Ausführungsbeispiel der Schwerpunkt auf die in die
Netzknoteneinheit integrierte Steuer- und Auswertelogik gelegt.
[0029] Figur 3 zeigt in schematischer Ansicht drei Beispiele a) bis c) für die Kurzschlussabschaltung
des Energiebusses EB durch die jeweils betroffenen Netzknoteneinheiten. Ausgehend
von drei Kurzschlussfällen KS1, KS2 und KS3 wird das Verhalten bei Kurzschlussabschaltungen
näher erklärt. PS1 bzw. PS2 sind die Einspeisestellen für den für den Energiebus EB.
Im weiteren Verlauf wird die Einspeisestelle PS1 auch als linke Einspeisestelle PS1
und entsprechend die Einspeisestelle PS2 als rechte Einspeisestelle PS2 bezeichnet.
In der vorliegenden Darstellung sind sieben Netzknoteneinheiten SND1 bis SND7 sequentiell
in den Energiebus EB geschaltet. Die gesamten Stromverbraucher der Element Controller
Unit E werden hier vereinfacht entsprechend als Verbraucher V1 bis V7 bezeichnet.
Stromverbraucher in diesem Sinne sind dabei u.a. die Element Controller EC und die
vorgeschaltete Versorgungseinheit SPU. Diese Notation wurde in der Figur 3 der besseren
Übersichtichkeit halber nur für das Bespiel a) eingefügt und gilt für die Beispiele
b) und c) entsprechend.
[0030] Jede Netzknoteneinheit SND1 bis SND7 misst den Bussstrom i und die Richtung, in welcher
der Bussstrom fliesst. Wenn nun der Grenzwert für den Kurzschlussstrom überschritten
wird und/oder die Busspannung unter einen definierten Wert fällt, so geht die jeweilige
Netzknoteneinheit in einen Kurzschlussmodus. Der Energiebus wird durch die Netzknoteneinheiten
SND1 bis SND7 nicht sofort aufgetrennt, sondern die Reaktion der Busabschaltung erfolgt
gestaffelt z.B. im ms Schritten wie in der Tabelle in Figur 4 gezeigt. Die Wartezeit
der Netzknoteneinheit SND1 bis SND7 ist abhängig von der Position im Energiebus EB
und von der Anzahl der im Energiebus EB vorhandenen Netzknoteneinheiten SND1 bis SND7.
[0031] Im Kurzschlussfall KS1 in Figur 3a) befindet sicher der Kurzschluss zwischen der
Netzknoteneinheit SND7 und der rechten Speisestelle PS2. Hier fliesst der Strom von
links nach rechts, und jede Netzknoteneinheit SND1 bis SND7 stellt mit ihrer jeweiligen
Auswertelogik zu einem allen Netzknoteneinheiten gemeinsamen Zeitpunkt T0 das Vorliegen
des Kurzschlusses fest. Da der Strom i in jeder der Netzknoteneinheiten SND1 bis SND7
von links nach rechts fliesst, öffnet die Netzknoteneinheit SND7 ihren rechten Schalter
S2 zum Zeitpunkt T0+1ms. Diese Netzknoteneinheit SND7 ist somit die erste Netzknoteneinheit,
die den rechten Ast des Energiebusses EB von den übrigen Netzknoteneinheiten separiert.
Damit besteht für den ganzen übrigen linken Ast des Energiebusses der Kurzschlussfall
KS1 nicht mehr fort. Es kommt daher zu keiner weiteren Abschaltung des rechten Astes
des Energiebusses. Wäre der Strom i komplett in die andere Richtung geflossen, wäre
die Netzknoteneinheit SND1 ganz links die erste Netzknoteneinheit gewesen, die durch
Öffnen ihres linken Schalters S1 die Verbindung zum linken Ast des Energiebusses unterbrochen
hätte. Durch das in Figur 4 tabellarisch angegebenen Verzögerungsschema schaltet die
Netzknoteneinheit SND, die jeweils am nächsten beim Kurzschluss liegt, automatisch
als erstes ab. Die auf dem jeweiligen Ast weiter entfernten Netzknoteneinheiten messen
zu dem Zeitpunkt, an dem sie abschalten dürften, bereits keinen Kurzschluss mehr.
In einem Bus mit dem Maximalausbau von 16 Netzknoteneinheiten wäre also ein Kurzschluss
spätestens nach 16ms vom Energiebus abgetrennt. Der Vollständigkeit halber sei zum
Kurzschlussfall KS1 noch erwähnt, dass auch die linke Speisestelle PS2 hier nach spätestens
8ms die Einspeisung unterbricht, falls der Kurzschlussfall dann immer noch vorliegen
sollte und somit durch die gestaffelte Abschaltung der betroffenen Netzknoteneinheiten
nicht automatisch von beiden Ästen des Energiebusses EB isoliert werden konnte.
[0032] Bei dem zweiten Kurzschlussfall KS2 tritt der Kurzschluss zwischen den Netzknoteneinheiten
SND4 und SND5 (Fall b) auf. Der Strom i fliesst hier für die Netzknoteneinheiten SND1
bis SND4 von links und für die Netzknoteneinheiten SND5 bis SND7 von rechts. Gemäss
der Tabelle in Figur 4 ist die Netzknoteneinheit SND4 ist die erste Netzknoteneinheit
im Energiebus EB, die nach der Detektion des Kurzschlusses zum Zeitpunkt T0 für den
Fall "Strom von links" ihren rechten Schalter S2 zum Zeitpunkt T0 + 4ms öffnet. Damit
ist der Kurzschlussfall KS2 für die Netzknoteneinheiten SND1 bis SND4 nach 4ms behoben.
Die Netzknoteneinheit SND5 öffnet zum Zeitpunkt T0 + 5ms ihren linken Schalter S1,
wie dies in der Tabelle für die Netzknoteneinheit SND5 bei "Strom von rechts" vorgesehen
ist. Damit ist der Kurzschlussfall KS2 für die Netzknoteneinheiten SND5 bis SND7 nach
5ms behoben. Wenn nun die beiden Netzknoteneinheiten SND4 und SND5 ihre Schalter S2
bzw. S1 geöffnet haben, ist der Kurzschluss vom Energiebus EB abgetrennt und die Ströme
und Spannungen normalisieren sich augenblicklich wieder, sodass die übrigen Netzknoteneinheiten,
hier SND1 bis SND3, SND6 und SND7 gar nicht mehr schalten.
[0033] Für den in Figur 3c) gezeigten Kurzschlussfall KS3 tritt der Kurzschluss zwischen
den Netzknoteneinheiten SND1 und SND2. Hier fliesst der Kurzschlusstrom nur für die
Netzknoteneinheit SND1 von links (also Versorgung von linken Speisestelle PS1) und
für die Netzknoteneinheiten SND2 bis SND7 rechts (also Versorgung von der rechten
Speisestelle SP2). Gemäss der Tabelle in Figur 4 ist die Netzknoteneinheit SND2 ist
die erste Netzknoteneinheit im Energiebus EB, die nach der Detektion des Kurzschlusses
zum Zeitpunkt T0 für den Fall "Strom von rechts" ihren linken Schalter S1 zum Zeitpunkt
T0 + 2ms öffnet. Damit ist der Kurzschlussfall KS3 für die Netzknoteneinheiten SND2
bis SND7 nach 2ms behoben. Die Netzknoteneinheit SND1 öffnet zum Zeitpunkt T0 + 7ms
ihren rechten Schalter S2, wie dies in der Tabelle für die Netzknoteneinheit SND1
bei "Strom von links" vorgesehen ist. Damit ist der Kurzschlussfall KS3 für die Netzknoteneinheit
SND1 nach 7ms behoben. Wenn nun die beiden Netzknoteneinheiten SND2 und SND1 ihre
Schalter S1 bzw. S2 geöffnet haben, ist der Kurzschluss nach 7ms vom Energiebus EB
abgetrennt und die Ströme und Spannungen normalisieren sich augenblicklich wieder,
sodass die übrigen Netzknoteneinheiten, hier SND3 bis SND7, gar nicht mehr schalten.
[0034] Die im vorangehend beschriebenen Ausführungsbeispiele erläutern so ein System und
ein Verfahren, welche im Falle eines Kurzschlusses am Energiebus EB den Energiebus
selektiv an jenem Streckenteil derart auftrennt, dass nur derjenige Streckenteil,
an welchem der Kurzschluss tatsächlich stattfindet, abgetrennt wird. Die selektive
Auftrennung des Busses erfolgt dabei über die Netzknoteneinheiten SND (Sigrid Node
Device), welche entlang dem Energiebus EB eingesetzt werden. Da die Einspeisung des
Energiebusses EB redundant erfolgt, bleiben damit alle am Energiebus EB angeschlossenen
Verbraucher V1 bis V7 verfügbar und es ergeben sich keine Einschränkungen für die
industrielle Anlage, hier für den Bahnverkehr. Mit der Detektion des Kurzschlussfalles
KS1 bis KS3 wird eine Diagnosemeldung abgegeben, sodass der defekte Streckenteil repariert
werden kann und das System wieder instand gestellt werden kann. Als Verbraucher V1
bis V7 am Energiebus EB werden die Element Controller (z.B. Steuer- und Meldegeräte
für Gleisfreimeldung, Signalsteuerung, Bahnübergangssteuerung und Weichensteuerung)
mit ihren vorgeschalteten Speisegeräten PSU (Power Supply Unit) bezeichnet.
[0035] Im vorliegenden Ausführungsbeispiel wird das Vorliegen eines Kurzschlussfalles bejaht,
wenn wenn der Busstrom i einen vorprojektierten Abschaltstrom überschreitet und optional
die Busspannung unterhalb eine bestimmte Limite von z.B. nominal 750 VDC auf unter
500 VDC fällt. Diese Werte können aber auch noch tiefer oder höher liegen.
[0036] Ebenso wurde hier angenommen, dass die Netzknoteneinheiten und ihre Verbraucher V1
bis V7 mit ihren vorgeschalteten Spannungskonvertern PSU robust für einen Spannungsunterbruch
von bis zu ca. 20 ms sind. Auch dieser Werte kann für andere Ausführungsbeispiele
auch anders dimensioniert sein, wie z.B. 30ms oder 50 ms.
[0037] Die Vorteile, die sich mit der vorliegenden Erfindung und ihren vorteilhaften Ausgestaltungen
ergeben, können nachfolgend wie folgt zusammengefasst werden:
- a) es erfolgt eine gezielte Abschaltung des Energiebusses EB im Falle eines Kurzschlusses
so, dass durch die redundante Buseinspeisung kein Verbraucher V1 bis V7 vom Energiebus
EB weggetrennt wird und damit die dezentralen Verbraucher für den (Bahn-)Betrieb verfügbar
bleiben;
- b) das Verfahren und das System kommen ohne Kommunikation zwischen den Netzknoteneinheiten
SND1 bis SND7 aus, die selektive Busabschaltung vorzunehmen; es genügt an dieser Stelle
eine vorgängige Projektierung in den Netzknoteneinheiten, d.h. im Besonderen kennt
die Netzknoteneinheit ihren Abschaltzeitpunkt für den Fall, dass im Zeitpunkt T0 ein
Kurzschluss detektiert wird;
- c) die Abschaltung des Teiles des Energiebusses EB mit dem Kurzschluss erfolgt elektronisch,
d.h. es müssen keine Sicherungen gewechselt werden;
- d)die Lokalisation des Kurzschlusses bzw. des Teilsegmentes im Energiebus, innerhalb
welchem der Kurzschluss stattfindet, ist sehr einfach möglich;
- e) die Möglichkeit der automatischen Wiederanschaltung des durch den Kurzschluss gestörten
Abschnitts des Energiebusses besteht; die Anzahl erlaubter Versuche kann in den Netzknoteneinheiten
SND entsprechend projektierbar werden;
- f) es besteht zudem die Möglichkeit mit einem Remote-Eingriff auf die Netzknoteneinheiten
einzuwirken und den Kurzschluss-gestörten Abschnitt manuell wieder anzuschalten, z.B.
nach Beseitigung der Kurzschlussursache.
[0038] Der besondere erfinderische Pfiff liegt damit darin, dass die im Energiebus EB sequentiell
eingebundenen Netzknoteneinheiten SND ein abhängig von der Position der Netzknoteneinheit
im Energiebus EB und der Stromrichtung in der Netzknoteneinheit zeitlich gestaffelte
Bus-Abschaltzeiten aufweisen. Diese Abschaltzeiten sind abhängig von der Stromrichtung
des Energiebusses EB im betrachteten Netzknoteneinheit SND. Die Benutzung der Position
der Netzknoteneinheit SND im Energiebus EB in Kombination mit der Stromrichtung auf
dem Energiebus EB, ist der Schlüssel für die Bestimmung der individuellen Abschaltverzögerung
der am Energiebus EB beteiligten Netzknoteneinheiten SND sowie für die Ortung der
Teilstrecke, auf der zwischen zwei Netzknoteneinheiten SND liegend der Kurzschluss
aufgetreten ist. Das Verfahren und das System Sys brauchen so keine Kommunikation
zwischen den Netzknoteneinheiten SND, um die selektive Busabschaltung vorzunehmen,
es genügt eine vorgängige Projektierung in der Netzknoteneinheit SND bzgl. der Position
der Netzknoteneinheit SND am Energiebus EB (Nummer in der Busreihenfolge) und der
Anzahl SND am gleichen Energiebus.
[0039] Anstelle der Anzahl SND im Energiebus EB kann alternativ auch die max. Anzahl SND
für die Berechnung der Abschaltzeiten berücksichtigt werden. Die Reaktion auf einen
Kurzschluss erfolgt dann etwas verzögerter; sie kann aber unter 20 ms (Millisekunden)
gehalten werden, falls für die Schrittfolge pro SND 1 ms angenommen wird (wenn die
max. Anzahl der SND in einem Energiebus EB - wie in diesem Ausführungsbeispiel - auf
16 begrenzt ist).
[0040] Bei der Projektierung der Netzknoteneinheit muss der Netzknoteneinheit SND also mitgeteilt
werden, wie viele SND im Bus vorhanden sind und an welcher Position es liegt. Aus
diesen Informationen kann das SND sich dann auch die notwendigen Reaktionszeiten für
das Abschalten beim Kurzschlussfall berechnen, womit durch die Bereitstellung der
entsprechenden Formel der Abschaltzeitpunkt ebenfalls vorbestimmt ist. Ein Kurzschluss
eines an der Netzknoteneinheit SND angeschlossenen Verbrauchers V1 bis V7 hat für
die restlichen Netzknoteneinheiten SND am Energiebus EB die gleiche Wirkung wie ein
Kurzschluss im Energiebus EB. Hier schaltet aber die betroffene Netzknoteneinheit
SND ohne Verzögerung den Verbraucher V1 bis V7ab, sodass es zu keinen Busabschaltungen
kommt. Sollte in diesem Fall einen Netzknoteneinheit nicht unverzüglich den Verbraucher
abschalten, würden die unmittelbar benachbarten Netzknoteneinheit die fehlerhafte
Netzknoteneinheit mit ihrem den Kurzschluss auslösenden Verbraucher vom Energiebus
beidseitig abtrennen.
1. System (Sys) zum automatischen Beseitigen eines Kurzschlusses in einem Energiebus
(EB), über den in einer industriellen Anlage angeordnete dezentrale Funktionseinheiten
(E) mit elektrischer Energie versorgt werden, wobei:
a) ein übergeordnetes Steuerungssystem (STW) vorgesehen ist, das mit den dezentralen
Funktionseinheiten (E) mittels Datentelegrammen Informationen über einen Datenbus
(CB, NB1, NB2) austauscht,
b) Netzknoteneinheiten (SND, SND1 bis SND7) sequentiell zwischen zwei Speisepunkten
(PS1, PS2) eines ringartig aufgebauten Energiebusses (EB) angeordnet sind, die den
dezentralen Funktionseinheiten (E) den Zugang zu dem Energiebus (EB) und optional
auch zum Datenbus (CB) bereitstellen,
c) die Netzknoteneinheiten (SND) über ein steuerbares Schaltmodul (S) verfügen, das
einen ersten Schalter (S1) und einen zweiten Schalter (S2) umfasst, wobei mit den
beiden Schaltern (S1, S2) je ein Zugang zu den beiden Speisepunkten (PS1, PS2) schaltbar
ist,
d) ein Auswertemodul (CPU, SL) vorgesehen ist, das die gemessene Spannung und/oder
den gemessenen Strom innerhalb einer Netzknoteneinheit (SND) und/oder unter benachbarten
Netzknoteneinheiten (SND) und/oder in mindestens einem der beiden Speisepunkte (PS1,
PS2) auf einen Kurzschluss des Energiebusses (EB) auswertet, wobei bei einer Detektion
eines Kurzschlusses eine zeitlich gestaffelte Abschaltung mindestens eines Teils der
Netzknoteneinheiten (SND) von dem Energiebus (EB) durch Öffnen des ersten oder des
zweiten Schalters (S1, S2) ausführbar ist; und
e) ein Abschaltzeitpunkt für jede Netzknoteneinheit (SND) in Abhängigkeit von einer
in der Netzknoteneinheit (SND) vorherrschenden Stromrichtung und von der Position
der Netzknoteneinheit (SND) im Energiebus (EB) vorgesehen ist.
2. System nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
bei einen Stromfluss durch einen der beiden Speisepunkte (PS1, PS2) die diesem Speisepunkt
(PS1, PS2) am entferntesten liegende Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) den frühesten
Abschaltzeitpunkt zur Auftrennung des Energiebusses (EB) zum anderen Speisepunkt (PS1,
PS2) aufweist und sich die weiteren Abschaltzeitpunkte sequentiell von Netzknoteneinheit
(SND, SND1 bis SND7) zu Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) mit einem vorgebbaren
Zeitintervall gestaffelt in Richtung zum versorgenden Speisepunkt (PS1, PS2) erhöhen.
3. System nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das vorgebbare Zeitintervall im einstelligen Millisekundenbereich liegt, vorzugsweise
1 ms beträgt.
4. System nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die gestaffelte Abschaltung zur Auftrennung des Energiebusses (EB) von Netzknoteneinheiten
(SND, SND1 bis SND7) solange ausführbar ist, bis das Auswertemodul (CPU, SL) das Vorliegen
eines Kurzschlusses verneint.
5. System nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Auswertemodul (CPU, SL)allen Netzknoteneinheiten (SND, SND1 bis SND7) nach der
Detektion eines Kurzschlusses eine Mitteilung über das Vorliegen des Kurzschlusses
zusammen mit einem Zeitstempel zusendet.
6. System nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
jede Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) für beide Richtungen des Stromflusses
den jeweiligen Abschaltzeitpunkt kennt.
7. System nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
jede Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) über ein Auswertemodul (SL) verfügt.
8. Verfahren zum automatischen Beseitigen eines Kurzschlusses in einem Energiebus (EB),
über den in einer industriellen Anlage angeordnete dezentrale Funktionseinheiten (E)
mit elektrischer Energie versorgt werden, wobei:
a) ein übergeordnetes Steuerungssystem (STW) vorgesehen ist, das mit den dezentralen
Funktionseinheiten (E) mittels Datentelegrammen Informationen über einen Datenbus
(CB, NB1, NB2) austauscht,
b) Netzknoteneinheiten (SND) sequentiell zwischen zwei Speisepunkten (PS1, PS2) eines
ringartig aufgebauten Energiebusses (EB) angeordnet sind, die den dezentralen Funktionseinheiten
(E) den Zugang zu dem Energiebus (EB) und optional auch zum Datenbus (CB, NB1, NB2)
bereitstellen,
c) die Netzknoteneinheiten (SND) über ein steuerbares Schaltmodul (S) verfügen, das
einen ersten Schalter (S1) und einem zweiten Schalter (S2) umfasst, wobei mit den
beiden Schaltern (S1, S2) je ein Zugang zu den beiden Speisepunkten (PS1, PS2) schaltbar
ist,
d) ein Auswertemodul (CPU, SL) vorgesehen ist, das die gemessene Spannung und/oder
den gemessenen Strom innerhalb einer Netzknoteneinheit (SND) und/oder unter benachbarten
Netzknoteneinheiten (SND) und/oder in mindestens einer der beiden Speisepunkte (PS1,
PS2) auf einen Kurzschluss des Energiebusses (EB) auswertet, wobei bei einer Detektion
eines Kurzschlusses eine zeitlich gestaffelte Abschaltung zumindest eines Teils der
Netzknoteneinheiten (SND, SND1 bis SND7) ausgeführt wird; und
e) ein Abschaltzeitpunkt für jede Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) in Abhängigkeit
von einer in der Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) vorherrschenden Stromrichtung
und von der Position der Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) im Energiebus (EB)
vorgesehen ist.
9. Verfahren nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
bei einen Stromfluss durch einen der beiden Speisepunkte (PS1, PS2) die diesem Speisepunkt
(PS1, PS2) am entferntesten liegende Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) den frühesten
Abschaltzeitpunkt zur Auftrennung des Energiebusses zum anderen Speisepunkt (PS1,
PS2) aufweist und sich die weiteren Abschaltzeitpunkte sequentiell von Netzknoteneinheit
(SND, SND1 bis SND7) zu Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) mit einem vorgebbaren
Zeitintervall gestaffelt in Richtung zum versorgenden Speisepunkt (PS1, PS2) erhöhen.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
das vorgebbare Zeitintervall im einstelligen Millisekundenbereich liegt, vorzugsweise
1 ms beträgt.
11. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass
die gestaffelte Abschaltung zur Auftrennung des Energiebusses (EB) von Netzknoteneinheiten
(SND, SND1 bis SND7) solange ausgeführt wird, bis das Auswertemodul (CPU, SL) das
Vorliegen eines Kurzschlusses verneint.
12. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass
das Auswertemodul (CPU, SL) allen Netzknoteneinheiten (SND, SND1 bis SND7) nach der
Detektion eines Kurzschlusses eine Mitteilung über das Vorliegen des Kurzschlusses
zusammen mit einem Zeitstempel zusendet.
13. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche 8 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass
jede Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) für beide Richtungen des Stromflusses
den jeweiligen Abschaltzeitpunkt kennt.
14. System nach einem der vorangehenden Ansprüche 8 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass
jede Netzknoteneinheit (SND, SND1 bis SND7) über eine Auswertemodul (SL) verfügt.