[0001] Die Erfindung betrifft eine Lösung zur Fahr- und Fahrerdatenerfassung, nämlich zur
Erfassung von Daten, wie zum Beispiel Lenk- und Ruhezeiten, welche die Arbeitszeit
und das Fahrverhalten von Kraftfahrern insbesondere im gewerblichen Gütertransport
und bei der gewerblichen Personenbeförderung dokumentieren. Sie bezieht sich auf ein
Verfahren zur Aufzeichnung entsprechender Daten und auf ein zur Durchführung des Verfahrens
geeignetes System. Bei Letzterem handelt es sich im weitesten Sinne um einen Tachographen
beziehungsweise Fahrtenschreiber, welcher vorliegend jedoch aus einer Mehrzahl von
Komponenten besteht, die nur teilweise lokal, das heißt in dem Fahrzeug angeordnet
sind, in Bezug auf welches die Daten erfasst werden.
[0002] Tachographen oder Fahrtenschreiber werden eingesetzt, um die Sicherheit im Straßenverkehr
zu gewährleisten beziehungsweise zu erhöhen. Sie finden vor allem Einsatz in LKWs,
Reisebussen und Kleintransportern. Mit ihrer Hilfe wird insbesondere erfasst, ob die
Fahrer eines entsprechenden Kraftfahrzeugs die gesetzlich festgelegten Lenk- und Ruhezeiten
einhalten. Gesetzliche Festlegungen zu den Lenk- und Ruhezeiten bestehen vor allem,
um sicherzustellen, dass die Kraftfahrer ausgeruht und somit mutmaßlich nur bei körperlich
guter Verfassung am Straßenverkehr teilnehmen und nicht etwa aufgrund von Übermüdung
ein erhöhtes Unfallrisiko in Kauf nehmen. Zudem können diese Daten arbeitsrechtlich,
insbesondere im Zusammenhang mit der Dokumentation von Arbeitsstunden und mit der
dadurch gegebenen Möglichkeit einer Überprüfung des den Kraftfahrern tatsächlich gezahlten
Stundenlohns bezüglich der Einhaltung eines gesetzlichen Mindestlohns von Bedeutung
sein. Im Hinblick auf die Verkehrssicherheit ermöglichen es die durch die Fahrtenschreiber
aufgezeichneten Daten, wie Zeitstempel, Geschwindigkeit, Entfernungskilometer und
Daten zur Fahrzeug- und/oder Fahreridentifikation, den Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden,
insbesondere der Polizei, zu überprüfen, ob bestehende gesetzliche Regelungen zu den
Lenk- und Ruhezeiten oder zur Geschwindigkeit durch die Fahrer auch eingehalten werden.
[0003] In ihrer ursprünglichen Ausbildungsform sind Tachographen mit dem Tachometer eines
Fahrzeugs gekoppelte elektromechanische Einheiten, welche Fahrdaten auf einer von
dem Fahrer jeweils in den Tachographen einzulegenden Diagrammscheibe aus Papier beziehungsweise
Pappe über der Zeit aufzeichnen. Bei Stillstand des Fahrzeugs wird die Aufzeichnung
unterbrochen, so dass im Nachhinein aus den Aufzeichnungen auf der entsprechenden
Diagrammscheibe zu erkennen ist, in welchen Zeiträumen ein Fahrzeug durch den Fahrer
bewegt wurde beziehungsweise durch ihn die Fahrt zur Einlegung einer Ruhepause unterbrochen
wurde. Aufgrund des hohen Wettbewerbs und Preisdrucks insbesondere im Gütertransportgewerbe
wird jedoch dieses Überwachungsprinzip im Grunde bereits von Beginn an und leider
in ständig steigendem Maße durch Manipulationen unterlaufen. Beispielsweise werden
durch die Kraftfahrer mehrere unterschiedliche Scheiben zur Aufzeichnung der Lenk-
und Ruhezeiten verwendet. Hierdurch ist praktisch keine Möglichkeit mehr gegeben,
die tatsächlichen Lenk- und Ruhezeiten eines Fahrers zu kontrollieren.
[0004] In neuerer Zeit erfolgte beziehungsweise erfolgt eine Umstellung auf digitale Tachographen,
wodurch zumindest vorübergehend eine Verringerung der Zahl von Manipulationen erreicht
werden konnte. Digitale Tachographen speichern die relevanten Daten für im Allgemeinen
365 Tage in einem versiegelten Speichermodul eines entsprechenden, im jeweiligen Fahrzeug
verbauten Gerätes. Zusätzlich werden auf einer personengebundenen Fahrerkarte in Form
einer Chipkarte oder dergleichen persönliche Daten des Fahrers gespeichert, mit denen
dieser sich vor Fahrtantritt gegenüber dem digitalen Tachographen identifizieren muss.
Auf dieser Karte werden zudem während der Fahrt erfasste Daten fahrerspezifisch für
28 Tage aufgezeichnet. Leider ist inzwischen festzustellen, dass auch bei digitalen
Tachographen die Zahl der Manipulationen zunimmt und damit die Sicherheit im Straßenverkehr
beeinträchtigt wird. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 50 % aller digitalen
Fahrtenschreiber beziehungsweise Tachographen, das heißt insbesondere die durch sie
aufgezeichneten Daten, manipuliert werden.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, eine technische Lösung zur Aufzeichnung von Fahr- und
Fahrerdaten, wie insbesondere von Fahr- und Ruhezeiten, aber auch von Angaben zur
Fahrzeuggeschwindigkeit und zu gefahrenen Entfernungskilometern und dergleichen, zur
Verfügung zu stellen, durch welche Manipulationen im Zusammenhang mit der Datenerfassung
sowie Manipulationen aufgezeichneter Daten weitgehend verhindert, zumindest aber Manipulationsversuche
für die Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden besser erkennbar werden. Hierzu sind
ein Verfahren und ein zur Durchführung des Verfahrens ausgebildetes System anzugeben.
[0006] Die Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Hauptanspruchs gelöst.
Ein die Aufgabe lösendes, zur Durchführung des Verfahrens geeignetes System wird durch
den ersten beziehungsweise den unabhängigen Sachanspruch charakterisiert. Vorteilhafte
Aus- und Weiterbildungen der Erfindung sind durch die Unteransprüche gegeben.
[0007] Nach dem zur Lösung der Aufgabe vorgeschlagenen Verfahren werden Fahr-und Fahrerdaten,
nämlich die Arbeitszeit und das Fahrverhalten eines Kraftfahrers dokumentierende Daten,
wie aus dem Stand der Technik grundsätzlich bereits bekannt, mittels eines in einem
Kraftfahrzeug angeordneten Tachographen lokal, das heißt in dem Tachographen innerhalb
des Kraftfahrzeugs aufgezeichnet. Gegenüber diesem Tachographen identifiziert sich
ein jeweiliger Kraftfahrer vor dem Antritt einer Fahrt mittels eines personalisierten
Identifikationsmoduls. Bei dem Identifikationsmodul kann es sich beispielsweise um
eine von dem Kraftfahrer mitzuführende Smartcard handeln, auf welcher zu dem Kraftfahrer
persönliche, ihn eindeutig identifizierende Merkmale, wie natürlich insbesondere Name
und Geburtsdatum, abgespeichert sind.
[0008] Bei den Fahr- und Fahrerdaten handelt es sich zunächst um Daten zur Fahrzeugidentifikation
und Daten zur Identifikation des Fahrers, welche während des Identifikationsvorgangs
aus dem von dem Fahrer mitgeführten Identifikationsmodul ausgelesen werden. Darüber
hinaus handelt es sich um wiederholt, gegebenenfalls periodisch erfasste Daten, nämlich
insbesondere um während der Fahrt erfasste Daten, wie Fahrgeschwindigkeit und zurückgelegte
Entfernungskilometer, sowie um Daten zu Lenk-, Arbeits-, Bereitschafts- und Ruhezeiten
und dergleichen. Dabei wird jeder Datensatz aus erfassten Daten jeweils mit einem
Zeitstempel versehen. Alle vorgenannten Daten werden in einem lokalen Speicher abgelegt,
mit welchem der Tachograph ausgestattet ist.
[0009] Erfindungsgemäß werden die in dem lokalen Speicher des Tachographen abgelegten beziehungsweise
abzulegenden Daten durch den Tachographen zusätzlich unter Nutzung eines Mobilfunknetzes
automatisiert, nämlich Machine-to-Machine (Machine to Machine beziehungsweise Maschine-zu-Maschine
= M2M), an eine zentrale Datenbank übertragen, welche von mindestens einem entfernt
angeordneten, über ein Netzwerk zugänglichen Server gehalten wird. Die automatisiert,
M2M erfolgende Datenübertragung vollzieht sich dabei ohne, dass dies durch den Fahrer
oder andere Personen veranlasst werden müsste und zudem ohne die Möglichkeit eines
menschlichen Eingreifens. Auf die in der vorgenannten zentralen Datenbank gespeicherten,
die Arbeitszeit und das Fahrverhalten einer Mehrzahl von Kraftfahrern dokumentierenden
Daten ist über ein webbasiertes Portal ausschließlich dazu ermächtigten Personen ein
Vollzugriff (Vollzugriff = Zugriff lesend und schreibend auf alle Daten) ermöglicht.
[0010] Grundsätzlich kann ein Zugriff auf die in der Datenbank gespeicherten Daten auch
den Fahrern und/oder den Spediteuren beziehungsweise Betreibern entsprechender Fuhrunternehmen
ermöglicht sein, jedoch handelt es sich dann dabei lediglich um einen lesenden Zugriff.
Vorzugsweise ist dieser lesende Zugriff für Fahrer und/oder den Spediteure darüber
hinaus auf Daten beschränkt, welche im Hinblick auf die Gewährleistung der Verkehrssicherheit
und auf eventuelle Manipulationsversuche für die Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden
nicht relevant sind. Ein sowohl schreibender als auch lesender Zugriff ist über das
genannte webbasierte Portal jedoch vorzugsweise nur Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden,
wie der Polizei ermöglicht. Einen schreibenden Zugriff auf die Datenbank haben darüber
hinaus selbstverständlich die Tachographen der einzelnen in das Verfahren einbezogenen
Kraftfahrzeuge, jedoch erfolgt dieser Zugriff im Wege einer nicht über das besagte
Portal geführten, automatisierten M2M-Kommunikation.
[0011] In Weiterbildung des Verfahrens umfassen die in der zentralen Datenbank gehaltenen
Fahr- und Fahrerdaten jeweils auch aktuelle Positionsdaten, die auf der Basis einer
Zellortung einer Mobilfunksende- und Empfangseinheit bestimmt werden, mit welcher
ein Fahr- und Fahrerdaten an die zentrale Datenbank übertragender Tachograph ausgestattet
ist. Hierbei handelt es sich um Daten zu der im Moment der Übertragung der übrigen
Fahr- und Fahrerdaten jeweils augenblicklichen Position des diese Daten übermittelnden
Tachographen beziehungsweise der von diesem für die Übertragung genutzten, fest an
ihn gebundenen Mobilfunksende- und Empfangseinheit.
[0012] Dabei besteht eine Möglichkeit darin, dass die Positionsdaten durch den jeweiligen,
die Fahr- und Fahrerdaten übermittelnden Tachographen selbst, das heißt eine Steuer-
und Verarbeitungseinheit dieses Tachographen, aus den jeweils aktuellen, Funkzellendaten
des Mobilfunknetzes, welches durch seine Mobilfunksende- und Empfangseinheit genutzt
wird, bestimmt und gemeinsam mit den übrigen Fahr- und Fahrerdaten an die zentrale
Datenbank übertragen werden. Vorzugsweise ist das Verfahren jedoch so gestaltet, die
Positionsdaten der Mobilfunksende- und Empfangseinheit durch den mindestens einen
auch die zentrale Datenbank haltenden Server auf der Grundlage von Funkzellendaten
bestimmt werden, die dieser unmittelbar nach dem Empfang der übrigen durch einen jeweiligen
Tachographen übermittelten Fahr- und Fahrerdaten bei technischen Einheiten des zugehörigen
Mobilfunkproviders anfordert.
[0013] Sowohl die Fahr- und Fahrerdaten als auch die Positionsdaten werden an die von dem
mindestens einen Server gehaltene Datenbank zeitperiodisch, vorzugsweise in zeitlichen
Abständen von 30 Sekunden bis 1 Minute, übermittelt beziehungsweise in dieser gespeichert.
Soweit vorstehend und im Patentanspruch 1 die Rede davon ist, dass an die zentrale
Datenbank die in dem lokalen Speicher abgelegten oder abzulegenden Daten übertragen
werden, soll dies zum Ausdruck, dass die Übertragung der betreffenden Daten nicht
unmittelbar in Echtzeit beziehungsweise nicht absolut parallel mit ihrer Speicherung
in dem lokalen Speicher erfolgen muss. Vielmehr kann die Übertragung an die zentrale
Datenbank auch mit einem geringfügigen Zeitverzug von jedoch vorzugsweise nur wenigen
Sekunden erfolgen, zumal die Daten auch im Falle einer parallelen Übertragung bei
der Datenbank erst einige Zeit nach der Speicherung in dem lokalen Speicher eintreffen
werden. Zudem können sich gegebenenfalls auch die Daten- beziehungsweise Dateiformate
der einerseits im lokalen Speicher abgelegten und andererseits an die zentrale Datenbank
übertragenen Daten voneinander unterscheiden. Wichtig ist es insoweit nur, dass den
auf die Datenbank zugreifenden Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden ein Zugriff
auf die dort abgespeicherten Daten, insbesondere auch sehr zeitnah zum Zeitpunkt ihrer
Erfassung am und/oder im Kraftfahrzeug ermöglicht ist. Darüber hinaus soll unabhängig
von Daten- und Dateiformaten vorzugsweise - nämlich gemäß einer noch anzusprechenden
Weiterbildung des Verfahrens - ein Vergleich der lokal gespeicherten mit den zentral
in der Datenbank gehaltenen Daten gewährleistet sein, um eventuelle Manipulationen
oder Manipulationsversuche unmittelbar erkennen zu können.
[0014] Entsprechend einer besonders bevorzugten Verfahrensgestaltung ist den dazu berechtigten
Personen, nämlich insbesondere den Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden der über
das webbasierte Portal vermittelte Zugang zu der von dem mindestens einen entfernt
angeordneten Server gehaltenen Datenbank mittels mobiler Endgeräte, wie beispielsweise
Tablet-PCs oder Smartphones, ermöglicht. Hierzu sind die betreffenden mobilen Endgeräte
mit einer durch sie verarbeitbaren Programmanwendung, vorzugsweise mit einer Miniprogrammanwendung
(App) ausgestattet.
[0015] Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung des Verfahrens ist es vorgesehen, dass mit
Hilfe eines durch eine Steuer- und Verarbeitungseinrichtung verarbeitbaren Algorithmus
eventuelle, zwischen den durch einen Tachographen lokal gespeicherten Daten und den
mit diesen korrespondierenden, in der zentralen Datenbank des mindestens einen Servers
gespeicherten Daten bestehende Unterschiede ermittelt und hierzu entsprechende Vermerke
über einen vermeintlichen Manipulationsversuch zumindest in der zentralen Datenbank
mit den insbesondere für die Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden zugänglichen Daten
abgespeichert werden. So ist es beispielsweise denkbar, dass im Wege einer entsprechenden
Auswertung festgestellt wird, dass laut der lokal in dem Speicher des Tachographen
gespeicherten Daten ein jeweils betrachtetes Kraftfahrzeug innerhalb einer Zeitspanne
x - y still stand, während in der Datenbank auf dem mindestens einen Server eine Veränderung
der Position verzeichnet ist. Dies deutet jedoch auf einen Manipulationsversuch hin,
bei welchem versucht worden sein könnte, die lokal gespeicherten Daten zu ändern oder
falsche Fahrzeug und/oder Fahreridentifikationsdaten zu verwenden.
[0016] Durch den für die Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden gegebenen Zugriff auf die
Datenbank und aufgrund der Unterstützung durch den vorgenannten Algorithmus werden
demnach Manipulationsversuche sehr schnell erkennbar. Die gesamte Datenerfassung und
Speicherung erfolgt somit für die Behörden sehr transparent. Die in der zentralen
Datenbank gehaltenen Daten werden dort für einen vordefinierten Zeitraum, beispielsweise
für eine Zeitdauer von vorzugsweise 3 Monaten bis 6 Monaten, gegebenenfalls von 12
Monaten, gehalten.
[0017] Eine weitere mögliche Weiterbildung des Verfahrens kann darin bestehen, dass eventuelle
zwischen den Daten im Speicher des Tachographen und den Daten in der zentralen Datenbank
bestehende und mittels des vorgenannten Algorithmus festgestellte Diskrepanzen durch
den mindestens einen die zentrale Datenbank haltenden Server auch an den im Kraftfahrzeug
angeordneten Tachographen übermittelt werden. Hierdurch ist die Möglichkeit eröffnet,
im Falle des Bestehens derartiger Diskrepanzen im Extremfall beispielsweise nach dem
Ausschalten der Zündung ein erneutes Starten des Kraftfahrzeugs mittels geeigneter,
durch den Tachographen angesteuerter Aktoren zumindest vorübergehend zu verhindern.
[0018] Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass der jeweilige Tachograph beim Eingang von
Informationen über bestehende Unplausibilitäten mittels entsprechender, dafür ausgebildete
Aktoren in anderer Weise, zum Beispiel durch eine vorübergehende Drosselung der maximalen
Fahrzeuggeschwindigkeit, Einfluss auf das Fahrverhalten des betroffenen Kraftfahrzeugs
nimmt. Auch kann das Verfahren derart weitergebildet sein, dass im Falle festgestellter
Unplausibilitäten durch den mindestens einen, die zentrale Datenbank haltenden Server
an den jeweiligen Tachographen eine für den Kraftfahrer bestimmte Information übermittelt
wird, welche durch den Tachographen ausgegeben wird. Letzteres kann zum Beispiel durch
die Ausgabe einer auf eine Unplausibilität hinweisenden Text- oder Sprachmitteilung
über entsprechende Ausgabemittel beziehungsweise Ausgabeeinheiten, also über ein Display
beziehungsweise einen Lautsprecher des Tachographen oder über mit ihm verbundene Ausgabeeinheiten
geschehen. Hierbei ist es dann auch denkbar, dass die Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden
im Zusammenhang mit Verkehrskontrollen auf die zentrale Datenbank zugreifen und Einsicht
in die Fahr- und Fahrerdaten von sich auf dem Weg zu einem entsprechenden Kontrollposten
befindenden Kraftfahrzeugen und Kraftfahrern nehmen und im Falle dessen, dass sie
dabei auf Unplausibilitäten aufmerksam werden, eine Mitteilung an den mindestens einen
die Datenbank haltenden Server übermitteln, welcher dieser an den Tachographen des
betroffenen Kraftfahrzeugs weiterleitet. So ist es beispielsweise denkbar, dass von
einer Unplausibilität betroffener Kraftfahrer beziehungsweise der Kraftfahrer eines
hiervon betroffenen Fahrzeugs durch die Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden dazu
aufgefordert wird den entsprechenden Kontrollposten oder/und den nächsten Parkplatz
anzusteuern.
[0019] Ein sehr vorteilhafter Anwendungsfall der vorgeschlagenen Lösung, welcher sich aus
der Speicherung von Fahr- und Fahrerdaten an zentraler Stelle, nämlich in der zentralen
Datenbank, ergibt, besteht in der Möglichkeit einer Identifikation und Ortung von
Gefahrguttransportern durch die Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden Sicherheitsbehörden
oder durch Rettungsdienste. Für diesen Anwendungsfall ist es vorgesehen, dass entsprechende
zusätzliche Angaben, zum Beispiel zur Gefahrenklasse eines beförderten Gefahrengutes
an die zentrale Datenbank übertragen werden. Mit dem Onlinezugriff auf die Daten über
das webbasierte Portal könnten die Sicherheits- und/oder Ordnungsbehörden gezielter
kontrollieren und Rettungskräfte oder sonstige Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes
sowie von entsprechenden Leitsteilen könnten im Falle eines Unfalls mit Gefahrengut
schneller und gezielter reagieren. Voraussetzung wäre es hierbei, dass der Kraftfahrer
die insoweit erforderlichen Angaben zur Übertragung an die zentrale Datenbank in den
Tachographen eingibt beziehungsweise mittels eines mit dem Tachographen gekoppelten
Lesegeräts beispielsweise von einem Frachtschein in diesen einliest. Gegebenenfalls
könnte die Möglichkeit das Kraftfahrzeug zu starten oder dieses in Bewegung zu setzen,
daran gebunden sein, dass der Kraftfahrer zunächst einer entsprechenden Verpflichtung
nachkommt.
[0020] Das die Aufgabe lösende, zur Durchführung des Verfahrens ausgebildete System zur
Aufzeichnung von Fahr- und Fahrerdaten soll nachfolgend anhand der Fig. 1 erläutert
werden, welche ein Ausführungsbeispiels des Systems in einer stark schematischen Darstellung
zeigt.
[0021] Demnach besteht das System aus einem in dem jeweiligen in das Verfahren einbezogenen
Kraftfahrzeug 1
1 - 1
n angeordneten Tachographen 3
1 - 3
n und einem von diesem Tachographen vor Fahrtantritt auszulesenden Identifikationsmodul
4
1 - 4
n eines das jeweilige Kraftfahrzeug 1
1 - 1
n führenden Kraftfahrers 2
1 - 2
n. Bei dem Identifikationsmodul 4
1 - 4
n handelt es sich beispielsweise um eine Smartbeziehungsweise Chipkarte, welche von
dem Kraftfahrer 2
1 - 2
n zur Identifikation entweder in einen entsprechenden Schacht eines Lesegeräts beziehungsweise
einer Leseeinheit des Tachographen 3
1 - 3
n einzustecken ist oder mit einem durch den Tachographen 3
1 - 3
n, beispielsweise über eine Bluetooth-Verbindung, auszulesenden Transponder mit den
Profildaten des Kraftfahrers 2
1 - 2
n ausgestattet ist.
[0022] Neben dem in dem Kraftfahrzeug 1
1 - 1
n angeordneten Tachographen 3
1 - 3
n mit dem lokalen Speicher umfasst das System mindestens einen über ein Netzwerk zugänglichen
Server 6, der mit dem Tachographen 3
1 - 3
n nach dem Prinzip der Machine-to-Machine-Kommunikation Daten automatisiert über eine
mit dem Tachographen 3
1 - 3
n gekoppelte Mobilfunksende- und Empfangseinrichtung 5
1 - 5
n und ein Mobilfunknetz austauscht. Durch diesen mindestens einen Server 6 - insoweit
kann es sich hierbei auch um eine Cloud-Lösung mit einer Mehrzahl von Servern 6 handeln
- wird die zentrale Datenbank 7 gehalten, in welcher alle in lokalen Speichern der
Kraftfahrzeuge 1
1 - 1
n abgespeicherten Daten nach erfolgter Übermittlung durch die Tachographen 3
1 - 3
n nochmals abgespeichert werden. Neben Daten zu Lenk- und Ruhezeiten und gegebenenfalls
zur Geschwindigkeit und zu den bei einer Fahrt zurückgelegten Entfernungskilometern
können insbesondere die in der zentralen Datenbank abgelegten Daten auch Positionsdaten
umfassen, welche im Zuge der Datenübertragung an den mindestens einen Server 6 beziehungsweise
an die von diesem gehaltene zentrale Datenbank 7 für eine zur Datenübertragung genutzte
Mobilfunksende- und Empfangseinrichtung 5
1 - 5
n des jeweiligen Tachographen 3
1 - 3
n im Wege einer Funkzellenortung ermittelt werden.
[0023] Zum System gehört weiterhin ein durch den mindestens einen, vorzugsweise als Teil
einer Cloud-Lösung im Internet angeordneten Server 6 bereitgestelltes webbasiertes
Portal, welches dazu berechtigten Personen, insbesondere der Sicherheits- und/oder
Ordnungsbehörden, mittels dazu ausgebildeter und entsprechend ausgestatteter Endgeräte
8
1 - 8
n einen Zugriff auf die in der zentralen Datenbank 7 abgelegten Fahr- und Fahrerdaten
gestattet. Ein solcher Zugriff kann diesen Personen unter Nutzung von stationären
PC-Arbeitsplätzen und/oder von mobilen Endgeräten, wie Laptops, Tablet-PCs oder Smartphones
ermöglicht sein. Auf den betreffenden, mit einer Einheit für einen Netzwerkzugriff,
insbesondere für den Zugang zum Internet ausgestatten Endgeräten 8
1 - 8
n ist dazu eine den Zugriff auf die Daten steuernde sowie die Daten an dem betreffenden
Endgerät 8
1 - 8
n visualisierende Programmanwendung installiert. Im Falle des Einsatzes mobiler Endgeräte
8
1 - 8
n für den Zugriff auf die zentrale Datenbank 7 handelt es sich bei dieser Programmanwendung
vorzugsweise um eine App.
1. Verfahren zur Aufzeichnung von Fahr- und Fahrerdaten, nämlich von die Arbeitszeit
und das Fahrverhalten eines Kraftfahrers dokumentierenden Daten, mittels eines Tachographen
(31 - 3n) in einem Kraftfahrzeug (11 - 1n), gegenüber welchem sich der Kraftfahrer (21 - 2n) vor dem Antritt einer Fahrt mittels eines Identifikationsmoduls (41 - 4n) identifiziert und welcher die Daten in einem lokalen Speicher des Tachographen (31 - 3n) speichert, dadurch gekennzeichnet, dass die in dem lokalen Speicher abgelegten oder abzulegenden Daten durch den Tachographen
(31 - 3n) zusätzlich über ein Mobilfunknetz automatisiert Machine-to-Machine an eine zentrale,
auf mindestens einem entfernt angeordneten und über ein Netzwerk zugänglichen Server
(6) gehaltene Datenbank (7) übertragen werden, wobei dazu ermächtigten Personen über
ein webbasiertes Portal mittels computerbasierter Endgeräte (81 - 8n) ein Zugriff auf die in dieser zentralen Datenbank (7) gespeicherten, die Arbeitszeit
und das Fahrverhalten einer Mehrzahl von Kraftfahrern (21 - 2n) dokumentierenden Daten ermöglicht ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die in der zentralen Datenbank (7) gehaltenen Fahr- und Fahrerdaten auch Positionsdaten
umfassen, die auf der Basis einer Zellortung einer Mobilfunksende- und Empfangseinheit
(51 - 5n) bestimmt werden, mit welcher ein Fahr- und Fahrerdaten an die zentrale Datenbank
übertragender Tachograph (31 - 3n) ausgestattet ist.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Positionsdaten der Mobilfunksende- und Empfangseinheit (51 - 5n) durch den mindestens einen auch die zentrale Datenbank (7) haltenden Server (6)
auf der Grundlage von Funkzellendaten bestimmt werden, die von ihm bei technischen
Einheiten des zugehörigen Mobilfunkproviders unmittelbar nach dem Empfang sonstiger
von dem mit der Mobilfunksende- und Empfangseinheit (51 - 5n) ausgestatteten Tachographen (31 - 3n) übertragener Fahr- und Fahrerdaten angefordert werden.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Zugang zu in der zentralen Datenbank (7) des mindestens einen Servers (6) gespeicherten
Daten den dazu ermächtigten Personen mittels mobiler Endgeräte (81 - 8n) und mit Hilfe einer durch diese mobilen Endgeräte (81 - 8n) verarbeiteten Miniprogrammanwendung ermöglicht ist.
5. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass auf der Grundlage eines Vergleichs der zu einem Kraftfahrer (21 - 2n) und dem von ihm gesteuerten Kraftfahrzeug (11 - 1n) in dem lokalen Speicher eines Tachographen (31 - 3n) gespeicherten Daten mit den korrespondierenden an die zentrale Datenbank (7) übermittelten
und dort gespeicherten Daten von einer Steuer- und Verarbeitungseinrichtung mittels
einer dazu verarbeiteten Programmanwendung Unplausibilitäten ermittelt und in der
zentralen Datenbank (7) dokumentiert werden.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass Informationen zu ermittelten Unplausibilitäten von dem mindestens einen, die zentrale
Datenbank (7) haltenden Server (6) an den jeweiligen Tachographen (31 - 3n) des betroffenen Kraftfahrzeugs (11 - 1n) übermittelt werden und dieser nach dem Empfang dieser Informationen und einem Ausschalten
der Zündung des mit dem Tachographen (31 - 3n) ausgestatteten Kraftfahrzeugs (11 - 1n) ein erneutes Starten dieses Kraftfahrzeugs (11 - 1n) durch ein Einwirken auf entsprechend ausgebildete Aktoren des Kraftfahrzeugs (11 - 1n) zumindest vorübergehend verhindert.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass Informationen zu ermittelten Unplausibilitäten von dem mindestens einen, die zentrale
Datenbank (7) haltenden Server (6) an den jeweiligen Tachographen (31 - 3n) des betroffenen Kraftfahrzeugs (11 - 1n) übermittelt werden und dieser über dafür ausgebildete Aktoren Einfluss auf das Fahrverhalten
des Kraftfahrzeugs nimmt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass im Falle festgestellter Unplausibilitäten durch den mindestens einen, die zentrale
Datenbank (7) haltenden Server (6) an den jeweiligen Tachographen (31 - 3n) eine Information übermittelt wird, welche über Ausgabemittel des Tachographen (31 - 3n) oder über mit diesem gekoppelte Ausgabemittel ausgegeben wird.
9. System zur Aufzeichnung von Fahr- und Fahrerdaten, nämlich von die Arbeitszeit und
das Fahrverhalten eines Kraftfahrers (21 - 2n) dokumentierenden Daten, mit jeweils einem in einem jeweiligen Kraftfahrzeug (11 - 1n) angeordneten Tachographen (31 - 3n) zur Erfassung der Fahr- und Fahrerdaten, welcher mit einem lokalen Speicher und
mit einer Leseeinrichtung zum Auslesen eines von einem Kraftfahrer (21 - 2n) mitgeführten Identifikationsmoduls (41 - 4n) ausgestattet ist, mittels welchem sich ein Kraftfahrer (11 - 1n) vor dem Antritt einer Fahrt gegenüber dem Tachographen (31 - 3n) identifiziert, dadurch gekennzeichnet, dass der Tachograph (31 - 3n) mit einer Mobilfunksende- und Empfangseinrichtung (51 - 5n) ausgestattet ist und dass das System weiterhin umfasst mindestens einen mit dem
Tachographen (31 - 3n) über ein Mobilfunknetz automatisiert, nämlich Machine-to-Machine, kommunizierenden
Server (6), eine von dem mindestens einen Server gehaltene zentrale Datenbank (7)
mit die Arbeitszeit und das Fahrverhalten einer Mehrzahl von Kraftfahrern (21 - 2n) dokumentierenden Daten und stationäre oder mobile computerbasierte Endgeräte (81 - 8n) für einen dazu ermächtigten Personen über ein Netzwerk und über ein durch den mindestens
einen Server (6) bereitgestelltes webbasiertes Portal ermöglichten Zugriff auf die
zentrale Datenbank (7), wobei der Tachograph (31 - 3n) mit einer Steuer- und Verarbeitungseinrichtung und einer von dieser verarbeiteten
Programmanwendung ausgestattet ist, welche dazu ausgebildet ist, die erfassten Fahr-
und Fahrerdaten in dem lokalen Speicher des Tachographen (31 - 3n) zu speichern und diese Daten mittels der Mobilfunksende- und Empfangseinrichtung
(51 - 5n) Machine-to-Machine an die von dem mindestens einen Server (6) gehaltene zentrale
Datenbank (7) zu übertragen und wobei die computerbasierten Endgeräte (81 - 8n) mit einer Programmanwendung für den webbasierten Zugriff auf die zentrale Datenbank
(7) ausgestattet sind.
10. System nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Tachograph (31 - 3n) mit einer von seiner Steuer- und Verarbeitungseinrichtung verarbeitbaren Programmanwendung
zur Bestimmung von Positionsdaten des Tachographen (31 - 3n) auf der Basis einer Zellortung seiner Mobilfunksende- und Empfangseinheit (51 - 5n) und zur Speicherung dieser Positionsdaten in dem lokalen Speicher des Tachographen
(31 - 3n) sowie zu deren Übertragung an die zentrale Datenbank (7) ausgestattet ist.