[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Trocknen einer Fadenschar mit einem Eingang,
einem Ausgang und mindestens zwei Trockenzylindern zwischen dem Eingang und dem Ausgang,
wobei ein Fadenscharpfad zwischen dem Eingang und dem Ausgang die Trockenzylinder
auf einem Teil ihres Umfangs umschlingt.
[0002] Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Trocknen einer Fadenschar, bei dem
man die Fadenschar durch eine Trocknungsvorrichtung mit mindestens zwei Trockenzylindern
zwischen einem Eingang und einem Ausgang leitet, wobei die Fadenschar die Trockenzylinder
teilweise umschlingt.
[0003] Vor der Weiterverarbeitung zu einer textilen Flächenware müssen die Fäden einer Fadenschar
in der Regel vorbehandelt werden. Ein Beispiel einer derartigen Vorbehandlung ist
das sogenannte Schlichten, bei dem eine Schlichte auf die Fäden aufgetragen wird.
Die Schlichte wird vielfach mit Hilfe einer wässrigen Lösung auf die Fäden aufgebracht,
so dass die Fadenschar vor der Weiterverarbeitung getrocknet werden muss.
[0004] Eine Möglichkeit der Trocknung besteht darin, dass man die Fadenschar über Trockenzylinder
leitet. Ein Trockenzylinder weist eine umlaufende Oberfläche auf, die beheizt ist.
Wenn die Fadenschar auf dieser Oberfläche aufliegt, wird sie erwärmt, so dass die
in einem Verfahrensschritt zuvor eingebrachte Feuchtigkeit, beispielsweise bei einem
Schlichteauftrag, verdunsten kann.
[0005] Das Trocknen der Fadenschar ist zwar notwendig, belastet aber die Fäden, was zu einer
Verschlechterung der Qualität der Fadenschar führen kann.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Belastung der Fäden beim Trocknen
klein zu halten.
[0007] Diese Aufgabe wird bei einer Vorrichtung der eingangs genannten Art dadurch gelöst,
dass jeder Trockenzylinder einen eigenen Rotationsantrieb aufweist und eine Steuereinrichtung
vorgesehen ist, die die Rotationsantriebe einzeln ansteuert.
[0008] Damit ist es möglich, die Umlaufgeschwindigkeiten der Trockenzylinder an die Geschwindigkeit
der Fadenschar anzupassen. Diese Geschwindigkeit ändert sich lokal beim Trocknen.
So dehnen sich beispielsweise die Fäden der Fadenschar und die Spannung der Fäden
steigt. Andere Arten von Fäden können schrumpfen. Durch die Steuerung der Rotationsantriebe
kann man diesen Gegebenheiten Rechnung tragen und die Rotationsgeschwindigkeit und/oder
das Drehmoment, mit dem die Rotationsantriebe die jeweiligen Trockenzylinder antreiben,
gezielt auf die lokalen Bedingungen der Fäden der Fadenschar abstimmen.
[0009] Vorzugsweise steuert die Steuereinrichtung den Rotationsantrieb eines Trockenzylinders,
der näher am Ausgang angeordnet ist, mit einer anderen Geschwindigkeit an, als den
Rotationsantrieb eines Trockenzylinders, der weiter vom Ausgang entfernt ist. In einigen
Fällen kann die Geschwindigkeit des Trockenzylinders, der näher am Ausgang angeordnet
ist, höher sein als die Geschwindigkeit des Trockenzylinders, der weiter vom Ausgang
entfernt ist. Damit trägt man der Tatsache Rechnung, dass sich die Fäden der Fadenschar
dehnen, wenn sie über die Trockenzylinder geführt werden. Wenn sich die Fäden dehnen,
muss bei einer konstanten Zufuhrgeschwindigkeit nach der Dehnung eine größere Länge
Faden abgeführt werden. Dies lässt sich auf einfache Weise dadurch erreichen, dass
man einen Trockenzylinder, auf den die Fadenschar später trifft, mit einer höheren
Rotationsgeschwindigkeit als einen zuvor angeordneten Trockenzylinder antreibt. Damit
lässt sich auf einfache Weise ein Schlupf zwischen der Fadenschar und der Oberfläche
des Trockenzylinders verhindern oder zumindest klein halten. In anderen Fällen haben
die Fäden ein anderes elastisches Verhalten, so dass sie sich zusammenziehen, wenn
sie getrocknet werden. In diesen Fällen steuert die Steuereinrichtung den Rotationsantrieb
des Trockenzylinders, der näher am Ausgang angeordnet ist, mit einer niedrigeren Geschwindigkeit
an als den Rotationsantrieb eines Trockenzylinders, der weiter weg vom Ausgang angeordnet
ist. Bevorzugterweise ist die Steuereinrichtung verbunden mit Mitteln zur Erfassung
mindestens eines Parameters, der ausgewählt ist aus einer Gruppe, die Feuchtigkeit,
Fadenspannung und Dehnung einer Fadenschar aufweist, die den Fadenscharpfad durchläuft.
Die Steuereinrichtung bekommt dadurch Informationen, nach denen sie die Rotationsantriebe
steuern kann.
[0010] Bevorzugterweise weisen die Mittel mindestens einen Sensor auf. Mit einem derartigen
Sensor, der beispielsweise durch Tänzerwalzen gebildet ist, um eine Spannung der Fäden
festzustellen, oder der als Feuchtigkeitssensor ausgebildet ist, um die Feuchtigkeit
der Fäden festzustellen, lässt sich auf einfache Weise die Information gewinnen, die
die Steuereinrichtung benötigt.
[0011] Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass die Mittel eine Antriebsparameter-Auswerteeinrichtung
aufweisen. Wenn die Rotationsantriebe beispielsweise als Elektromotoren ausgebildet
sind, lässt sich aus Kenngrößen der zugeführten elektrischen Energie, wie Strom, Spannung,
Leistung und/oder Frequenz, eine Information über die Drehgeschwindigkeit und/oder
das aufgebrachte Drehmoment gewinnen. Wenn sich beispielsweise die Oberfläche eines
Trockenzylinders mit einem Schlupf gegenüber der Fadenschar bewegt, dann ändert sich
die Stromaufnahme des entsprechenden Rotationsantriebs. Dies lässt sich durch die
Antriebsparameter-Auswerteeinrichtung leicht ermitteln.
[0012] Vorzugsweise steuert die Steuereinrichtung die Rotationsantriebe auf eine gleiche
Dehnung der Fadenschar pro Trockenzylinder. Mit anderen Worten nimmt die Länge der
Fadenschar bei jedem Trockenzylinder um das gleiche Maß zu. Dementsprechend erhöht
sich auch die Rotationsgeschwindigkeit und damit auch die Umlaufgeschwindigkeit der
Oberfläche des Trockenzylinders von Trockenzylinder zu Trockenzylinder um das gleiche
Maß.
[0013] In einer alternativen Ausgestaltung ist bevorzugterweise vorgesehen, dass die Steuereinrichtung
die Rotationsantriebe auf eine gleiche Fadenspannungszunahme der Fadenschar pro Trockenzylinder
steuert. Da die verbleibende Feuchtigkeit in den Fäden bei jedem Trockenzylinder weiter
reduziert wird, ändert sich das elastische Verhalten der Fäden entsprechend. In diesem
Fall ist die Geschwindigkeitsveränderung der Trockenzylinder nicht linear, wird aber
entsprechend der Fadenspannungszunahme gesteuert.
[0014] Die Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art dadurch gelöst, dass
man die Trockenzylinder einzeln ansteuert.
[0015] Wie oben im Zusammenhang mit der Vorrichtung beschrieben, ist es damit auf einfache
Weise möglich, die Umlaufgeschwindigkeit der Trockenzylinderoberflächen an die jeweiligen
lokalen Gegebenheiten der Fadenschar anzupassen. Wenn die Fadenschar trocknet, dann
ändert sich das elastische Verhalten und die Fäden der Fadenschar dehnen sich oder
schrumpfen. Durch eine einzelne Ansteuerung der Trockenzylinder, also die Einstellung
der Rotationsgeschwindigkeit und damit der Umlaufgeschwindigkeit der Oberfläche der
Trockenzylinder, lässt sich nun erreichen, dass man dem zunehmenden Trocknungsverlauf
Rechnung trägt.
[0016] Hierbei ist bevorzugt, dass man einen Trockenzylinder, der näher am Ausgang angeordnet
ist, mit einer anderen Geschwindigkeit antreibt als einen Trockenzylinder, der weiter
vom Ausgang entfernt ist. Bei einer höheren Geschwindigkeit trägt man der Tatsache
Rechnung, dass sich die Fäden beim Trocknen etwas dehnen. Bei einer konstanten Zufuhrgeschwindigkeit
muss nach einer Dehnung des Fadens mehr Länge pro Zeit abtransportiert werden. Dies
wird durch eine Steigerung der Drehgeschwindigkeiten der Trockenzylinder im Verlaufe
der Trocknung erreicht. Wenn die Fäden schrumpfen, nimmt die Drehgeschwindigkeit der
Trockenzylinder vom Eingang zum Ausgang ab.
[0017] Vorzugsweise erfasst man mindestens einen Parameter der Fadenschar, der aus der Gruppe
Feuchtigkeit, Fadenspannung und Dehnung der Fadenschar gewählt ist, und wählt die
Geschwindigkeit der Trockenzylinder in Abhängigkeit von dem mindestens einen Parameter.
Damit lässt sich eine Zielgröße vorgeben, auf die die Drehgeschwindigkeit der Trockenzylinder
eingestellt werden soll.
[0018] Vorzugsweise erfasst man den Parameter mit Hilfe mindestens eines Sensors. Ein derartiger
Sensor kann beispielsweise mit der Fadenschar berührend oder berührungslos zusammenwirken.
[0019] Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass man den Parameter aus Antriebsparametern
der Rotationsantriebe ermittelt. In diesem Fall ist ein zusätzlicher Eingriff in die
Fadenschar nicht erforderlich. Antriebsparameter können beispielsweise Strom und/oder
Spannung und/oder Leistung und/oder Frequenz sein, die man den elektrischen Rotationsantrieben
zuführt.
[0020] Vorzugsweise steuert man die Trockenzylinder auf eine gleiche Dehnung der Fadenschar
pro Trockenzylinder.
[0021] Alternativ dazu kann vorgesehen sein, dass man die Trockenzylinder auf eine gleiche
Fadenspannungszunahme pro Trockenzylinder steuert. Die Wahl der richtigen Führungsgröße
richtet sich beispielsweise nach den Eigenschaften der zu trocknenden Fadenscharen.
Fäden mit einer höheren Elastizität werden vorzugsweise auf eine gleiche Dehnung gesteuert.
Weniger elastische Fäden werden vorzugsweise so gesteuert, dass ihre Spannung bei
jedem Trockenzylinder um das gleiche Maß zunimmt.
[0022] Die Erfindung wird im Folgenden anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen in Verbindung
mit der Zeichnung beschrieben. Hierin zeigen:
- Fig. 1
- eine stark schematisierte Darstellung einer Vorrichtung zum Trocknen einer Fadenschar,
- Fig. 2
- verschiedene Kenngrößen der Fadenschar bei einer ersten Vorgehensweise und
- Fig. 3
- die Kenngrößen der Fadenschar bei einer zweiten Vorgehensweise.
[0023] Eine Vorrichtung 1 zum Trocknen einer Fadenschar 2 weist im vorliegenden Ausführungsbeispiel
vier Trockenzylinder 3, 4, 5, 6 auf. Die Fadenschar 2 ist so durch die Vorrichtung
1 hindurchgeführt, dass sie jeden Trockenzylinder mit einem möglichst großen Umschlingungswinkel
umschlingt. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel umschlingt die Fadenschar 2 jeden
der Trockenzylinder 3-6 um mindestens 180°. Die Fadenschar 2 liegt dabei auf der Oberfläche
der jeweiligen Trockenzylinder 3-6 auf. Die Trockenzylinder 3-6 sind in hier nicht
dargestellter Weise beheizt, d.h. die Oberfläche der Trockenzylinder 3-6 weist eine
erhöhte Temperatur auf.
[0024] Die erhöhte Temperatur der Oberflächen der Trockenzylinder 3-6 bewirkt, dass eine
Feuchtigkeit, die in der Fadenschar 2 enthalten ist, verdunstet, die Fadenschar 2
also beim Durchlaufen durch die Vorrichtung 1 getrocknet wird.
[0025] Jeder Trockenzylinder 3-6 weist einen eigenen Rotationsantrieb 7, 8, 9, 10 auf. Die
Rotationsantriebe 7-10 sind mit einer Steuereinrichtung 11 verbunden, die die Rotationsantriebe
7-10 einzeln ansteuert. Die Steuereinrichtung 11 kann dabei Mittel 12 umfassen und
die Antriebsparameter der Rotationsantriebe 7-10 auswerten. Bei diesen Antriebsparametern
kann es sich beispielsweise um den von dem jeweiligen Rotationsantrieb 7-10 aufgenommenen
Strom oder die Spannung oder elektrische Leistung handeln. Auch die Frequenz kann
durch die Mittel 12 ermittelt werden, um so beispielsweise eine Aussage über die Rotationsgeschwindigkeit
der jeweiligen Trockenzylinder 3-6 und damit über eine Umlaufgeschwindigkeit der Oberfläche
der Trockenzylinder 3-6 zu gewinnen.
[0026] Die Steuereinrichtung kann auch mit schematisch dargestellten Sensoren 13-16 in Verbindung
stehen (die Verbindungen sind hier aus Gründen der Übersicht nicht eingezeichnet),
um bestimmte Parameter der Fadenschar 2 zu ermitteln. Zu diesen Parametern können
beispielsweise Feuchtigkeit, Fadenspannung oder Dehnung der Fadenschar 2 gehören.
[0027] Wenn die Fadenschar 2 die Vorrichtung 1 zum Trocknen durchläuft, nimmt der Feuchtigkeitsgehalt
der Fadenschar ab. Diese Feuchtigkeitsabnahme ist beim ersten Trockenzylinder 3 am
größten und beim letzten Trockenzylinder 6 am kleinsten. Mit der Abnahme der Feuchtigkeit
ändert sich das elastische Verhalten der Fäden der Fadenschar 2. Darüber hinaus dehnen
sich die Fäden der Fadenschar 2.
[0028] Die Figuren 2 und 3 zeigen nun unterschiedliche Konzepte, um die Rotationsantriebe
7-10 durch die Steuereinrichtung 11 zu steuern.
[0029] In Figur 2 ist eine Vorgehensweise dargestellt, bei der die Fadenspannungszunahme
bei jedem Trockenzylinder 3-6 gleich sein soll.
[0030] Im Einzelnen zeigt Figur 2 mit verschiedenen Kurvenverläufen die Feuchtigkeit 17,
die Dehnung 18 und die Spannung 19 der Fäden der Fadenschar. Darüber hinaus sind die
Geschwindigkeiten 20 der Oberflächen der Trockenzylinder 3, 4, 5, 6 dargestellt und
die Geschwindigkeit 21 der Fadenschar 2 am Eingang 22 der Vorrichtung 1.
[0031] Man kann erkennen, dass die Abnahme der Feuchtigkeit 17 am ersten Trockenzylinder
3 am größten ist. Die weiteren Trockenzylinder 4, 5, 6 bewirken zwar ebenfalls eine
Verringerung der Feuchtigkeit 17, die absolute Feuchtigkeitsabnahme pro Trockenzylinder
ist jedoch geringer.
[0032] Die größte Dehnung der Fäden der Fadenschar 2 ergibt sich zwischen dem Eingang 22
der Vorrichtung 1 und dem ersten Trockenzylinder 3. Dementsprechend ist die Geschwindigkeit
20 der Oberfläche des ersten Trockenzylinders 3 auch größer als die Geschwindigkeit
21 der Fadenschar 2 am Eingang 22 der Vorrichtung 1.
[0033] Die Trockenzylinder sind nun so gesteuert, dass die Zunahme der Fadenspannung 19
bei jedem der Trockenzylinder 3, 4, 5, 6 gleich ist. Diese Zunahme ist durch Doppelpfeile
24 dargestellt.
[0034] Da die in der Fadenschar 2 verbleibende Feuchtigkeit zunehmend vermindert wird, ändert
sich das elastische Verhalten der Fäden entsprechend. Als Ergebnis wird die Geschwindigkeit
20, mit der sich die Oberflächen der Trockenzylinder 3, 4, 5, 6 bewegen, entsprechend
erhöht. Diese Erhöhung erfolgt hier nicht linear. Gleichwohl ist die Geschwindigkeit
der Oberfläche des letzten Trockenzylinders 6, also des Trockenzylinders der dichter
an einem Ausgang 23 der Vorrichtung 1 angeordnet ist, größer als die Geschwindigkeiten
der vorangehenden Trockenzylinder 3-5.
[0035] Für andere Arten von Fäden kann man auch vorsehen, dass der Trockenzylinder, der
näher am Ausgang 23 der Einrichtung 1 angeordnet ist, mit einer geringeren Rotationsgeschwindigkeit
angetrieben wird als die Rotationsgeschwindigkeiten der vorangehenden Trockenzylinder
3-5.
[0036] Die gesamte Fadenspannungsdifferenz zwischen dem Eingang 22 und dem Ausgang 23, also
zwischen einer vorangegangenen Behandlungseinrichtung (beispielsweise einer Schlichteeinrichtung)
und einer nachgeschalteten Behandlungseinrichtung, wird in gleichgroße Schritte unterteilt.
[0037] Wenn beispielsweise die Fadenspannung am Eingang 22 2000 N und die Fadenspannung
am Ausgang 23 3500 N beträgt, dann muss jeder der vier Trockenzylinder 3-6 die Spannung
um 375 N erhöhen.
[0038] Figur 3 zeigt eine andere Vorgehensweise. Auch hier sind die Feuchtigkeit 17, die
Dehnung 18 und die Spannung 19 der Fadenschar 2 sowie die Geschwindigkeit 20 der Trockenzylinder
3-6 dargestellt. Ebenfalls dargestellt ist die Geschwindigkeit 21 der Fadenschar 2
am Eingang 22.
[0039] In dieser Vorgehensweise werden die Trockenzylinder 3-6 so gesteuert, dass sich bei
jedem der Trockenzylinder 3-6 die gleiche Dehnung 25 ergibt.
[0040] Dies hat zur Folge, dass die Fadenspannung mehr als linear ansteigt, was auf die
abnehmende Elastizität der Fäden zurückzuführen ist.
[0041] Die Wahl der Vorgehensweise richtet sich nach den Eigenschaften der Fadenschar. Fäden
mit einer höheren Elastizität werden bevorzugt mit einer gleichbleibenden Dehnung
pro Trockenzylinder 3-6 behandelt. Weniger elastische Fäden werden vorzugsweise mit
einer gleichbleibenden Fadenspannungszunahme pro Trockenzylinder behandelt.
[0042] Mit beiden Vorgehensweisen kann man erreichen, dass ein Schlupf zwischen der Fadenschar
2 und den Oberflächen der Trockenzylinder 3-6 vermieden wird. Dadurch wird die Fadenschar
weniger beansprucht und aufgeraut.
[0043] Die Steuereinrichtung 11 kann die notwendigen Informationen von den Sensoren 13-16
(andere Sensoren können zusätzlich oder alternativ vorgesehen sein) gewinnen. Derartige
Sensoren können beispielsweise pneumatisch vorgespannte Tänzerwalzen sein, um die
Fäden zu spannen. Man kann Federn oder andere Sensoren verwenden, um die notwendige
Information von der Fadenschar 2 auf den Trockenzylindern 3-6 oder zwischen den Trockenzylindern
3-6 zu gewinnen.
[0044] Bei einer sensorlosen Betriebsweise kann man die Parameter der Rotationsantriebe
7-10 auswerten, beispielsweise Drehmoment, Geschwindigkeit, Schlupf, Leistung, Motorstrom,
Motorspannung etc.
[0045] Mit den dargestellten Vorgehensweisen kann man die lokale Feuchtigkeit und Elastizität
der Fadenschar berücksichtigen. Als Ergebnis wird die Qualität der Fadenschar signifikant
verbessert, weil die Fäden weicher, elastischer, widerstandsfähiger und deswegen in
einem wesentlich besseren Zustand für die Weiterverarbeitung sind.
[0046] Damit ergibt sich bei der Weiterverarbeitung der Fadenschar 2 beispielsweise ein
besserer Baumaufbau. Bei einer glatteren Oberfläche der Fäden der Fadenschar 2 kann
man etwas Schlichte einsparen.
[0047] Wenn man den Schlupf zwischen der Fadenschar 2 und dem Trockenzylinder 3-6 vermeiden
kann, wird die Staubentwicklung erheblich vermindert, was unter Umweltschutzgesichtspunkten
von Vorteil ist. Dargestellt wurde eine Vorgehensweise bei Fäden, die sich mit abnehmendem
Feuchtigkeitsgehalt dehnen. Bei anderen Fäden, die mit abnehmendem Feuchtigkeitsgehalt
schrumpfen, kann man entsprechend vorgehen, wobei dann die Geschwindigkeit der Oberflächen
der Trockenzylinder 3-6 vom Eingang 22 zum Ausgang 23 abnimmt.
1. Vorrichtung (1) zum Trocknen einer Fadenschar (2) mit einem Eingang (22), einem Ausgang
(23) und mindestens zwei Trockenzylindern (3-6) zwischen dem Eingang (22) und dem
Ausgang (23), wobei ein Fadenscharpfad zwischen dem Eingang (22) und dem Ausgang (23)
die Trockenzylinder (3-6) auf einem Teil ihres Umfangs umschlingt, dadurch gekennzeichnet, dass jeder Trockenzylinder einen eigenen Rotationsantrieb (7-10) aufweist und eine Steuereinrichtung
(11) vorgesehen ist, die die Rotationsantriebe (7-10) einzeln ansteuert.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (11) den Rotationsantrieb (10) eines Trockenzylinders (6),
der näher am Ausgang (23) angeordnet ist, mit einer anderen Geschwindigkeit ansteuert
als den Rotationsantrieb (7) eines Trockenzylinders (3), der weiter vom Ausgang (23)
entfernt ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (11) verbunden ist mit Mitteln (12; 13-16) zur Erfassung mindestens
eines Parameters, der ausgewählt ist aus einer Gruppe, die Feuchtigkeit, Fadenspannung
und Dehnung einer Fadenschar (2) aufweist, die den Fadenscharpfad durchläuft.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel mindestens einen Sensor (13-16) aufweisen.
5. Vorrichtung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel eine Antriebsparameter-Auswerteeinrichtung (12) aufweisen.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (11) die Rotationsantriebe (7-10) auf eine gleiche Dehnung
der Fadenschar (2) pro Trockenzylinder (3-6) steuert.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (11) die Rotationsantriebe (7-10) auf eine gleiche Fadenspannungszunahme
der Fadenschar (2) pro Trockenzylinder (3-6) steuert.
8. Verfahren zum Trocknen einer Fadenschar (2), bei dem man die Fadenschar (2) durch
eine Trocknungsvorrichtung (1) mit mindestens zwei Trockenzylindern (3-6) zwischen
einem Eingang (22) und einem Ausgang (23) leitet, wobei die Fadenschar (2) die Trockenzylinder
(3-6) teilweise umschlingt, dadurch gekennzeichnet, dass man die Trockenzylinder (3-6) einzeln ansteuert.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass man einen Trockenzylinder (3-6), der näher am Ausgang (23) angeordnet ist, mit einer
höheren Geschwindigkeit antreibt als einen Trockenzylinder (3), der weiter vom Ausgang
(23) entfernt ist.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass man mindestens einen Parameter der Fadenschar (2) erfasst, der aus der Gruppe Feuchtigkeit,
Fadenspannung und Dehnung der Fadenschar gewählt ist, und die Geschwindigkeit der
Trockenzylinder (3-6) in Abhängigkeit von dem mindestens einen Parameter wählt.
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass man den Parameter mit Hilfe mindestens eines Sensors (13-16) erfasst.
12. Verfahren nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass man den Parameter aus Antriebsparametern der Rotationsantriebe (7-10) ermittelt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass man die Trockenzylinder (3-6) auf eine gleiche Dehnung der Fadenschar (2) pro Trockenzylinder
steuert.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass man die Trockenzylinder (3-6) auf eine gleiche Fadenspannungszunahme der Fadenschar
(2) pro Trockenzylinder steuert.