[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von oberflächenbehandeltem
Corten-Stahl, umfassend die Schritte des Reinigens, Aktivierens, Färbens und Versiegelns
der Oberfläche. Die Erfindung betrifft zudem Corten-Stähle, hergestellt durch das
erfindungsgemäße Verfahren.
Stand der Technik
[0002] Corten-Stähle (z.B. Werkstoff Nr. 1.8946 ASTM A 242 und 1.8963 ASTM A 588 gemäß ASTM
A 242) bilden bei Bewitterung auf ihrer Oberfläche eine Rostschicht aus, die an ihrer
Basis besonders dicht ist und den Weitergang der Korrosion verhindert, oder zumindest
deutlich verlangsamt. Die Oberflächen weisen dann eine rotbraune Rostschicht auf.
[0003] Wegen der relativ guten Korrosionsbeständigkeit gepaart mit günstigen Beschaffungskosten
sind Corten-Stähle attraktiv für eine Verwendung in der Architektur z.B. als Fassadenverkleidungen.
Sie weisen aber einige Nachteile auf, die den günstigen Kosten einer Verwendung in
großem Umfang bisher entgegenstehen.
[0004] Der Korrosionsprozess an der Oberfläche kommt speziell in aggressiver Atmosphäre,
wie sie in Städten und Industriegebieten meist vorliegt, nicht vollständig zum Stillstand.
Die Rostschicht auf Corten-Stählen ist dann an ihrer äußeren Oberfläche porös und
mechanisch nicht stabil. Sie gibt bei Berührung oder in ablaufendes Wasser Rostpartikel
ab, die zu Rostflecken an Händen oder Kleidung führen können.
[0005] Aus der Literatur sind zahlreiche Versuche bekannt, die Rostschicht auf Corten-Stählen
durch Aufbringen von Lackschichten oder durch Imprägnieren mit Wachsen zu stabilisieren.
Alle diese Versuche schlugen fehl, weil Lackschichten auf dem instabilen Untergrund
nicht haften, sondern abblättern und Wachse selbst nicht dauerhaft wetterbeständig
sind.
[0006] Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass eine farbliche Gestaltung außer Rostbraun
nicht möglich ist. Die optische Wertigkeit solcher Oberflächen ist nicht sehr hoch
und die Möglichkeit architektonische Akzente über Farbgebung zu erzielen ist deutlich
eingeschränkt.
[0007] Ein wesentlicher Nachteil bei der Verwendung von Corten-Stahl in der Architektur
besteht darin, dass sich die Patina erst langsam nachträglich bildet und es Jahre
dauern kann, bis der endgültige Zustand erreicht ist und das Gebäude das gewünschte
Aussehen zeigt.
[0008] Es gibt eine Reihe von Rezepturen zur Vorbehandlung neuen Corten-Stahls, um auf schnellem
Weg eine Rostschicht mit einem Aussehen zu erzeugen, das dem Endzustand ähnlich ist.
Diese Rezepturen basieren meist auf wässrigen Lösungen mit sehr korrosiven Säuregemischen,
die im wesentlichen Salzsäure enthalten und daneben eine Reihe anderer Säuren wie
Schwefelsäure oder Salpetersäure. Der wesentliche Nachteil diese Vorbehandlungen besteht
darin, dass die erzielten Rostschichten nicht denen aus der natürlichen Alterung entsprechen
und Reste der korrosiven Medien aus der Vorbehandlung enthalten können, die wegen
der Porosität der Schichten nicht rückstandsfrei ausgespült werden konnten. Die Folge
ist, dass diese Substanzen, wie zum Beispiel Chloride, Korrosion fördern und das Verlangsamen
der späteren Korrosion mit der Bildung einer schützenden Patina behindern können.
[0009] Es besteht erhebliches Interesse in der Architektur kostengünstige Corten-Stähle
einsetzen zu können, deren Oberflächen außer in tristem Rostbraun auch in anderen
Farben gestaltet werden können, die stabil gegen Witterung und Abrieb sind und die
keine Rostflecke verursachen. Diesen Anforderungen entspricht die vorliegende Erfindung.
Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung neue Corten-Stähle sowie Verfahren
zu deren Herstellung bereitzustellen, wobei diese Corten-Stähle oben genannte Vorteile
aufweisen und/oder oben genannte Nachteile überwinden.
Zusammenfassung der Erfindung
[0010] Der Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren, wie in den Ansprüchen
definiert, um mittels einer nasschemische Behandlung von Oberflächen auf Corten-Stählen
kontrolliert und gezielt unterschiedliche Farbeffekte zu erzeugen und die gefärbten
Oberflächen dauerhaft vor weiterer Korrosion und Veränderung sowie Verschmutzung zu
schützen.
[0011] Die vorliegende Erfindung betrifft somit ein Verfahren zur Herstellung von oberflächenbehandeltem
Corten-Stahl, umfassend die Schritte:
Schritt (i): Bereitstellen von Corten-Stahl und Durchführen einer Behandlung, umfassend
oder bestehend aus den Stufen:
Stufe (1): Reinigen von zumindest einem Teil von mindestens einer Oberfläche des Corten-Stahls;
Stufe (2): Aktivieren von zumindest einem Teil der gereinigten Oberfläche des Corten-Stahls
aus Stufe (1) durch in Kontakt bringen der gereinigten Oberfläche mit einer wässrigen
Aktivierungslösung, enthaltend Fluoridionen, ein oder mehrere Oxidationsmittel und
optional ein oder mehrere Stabilisatoren für das/die Oxidationsmittel, gefolgt von
einem optionalen Spülschritt mit Wasser, um zumindest einen Teil der wässrigen Aktivierungslösung
von der aktivierten Oberfläche zu entfernen; und
Stufe (3): Färben von zumindest einem Teil der aktivierten Oberfläche des Corten-Stahls
aus Stufe (2) durch Behandeln der aktivierten Oberfläche mit Wasser für eine Zeitdauer
von mindestens 30 Minuten und solange, bis die gewünschte Färbung der Oberfläche des
Corten-Stahls erreicht ist; Durchführen eines optionalen Spülschritts mit Wasser,
falls noch wässrige Aktivierungslösung auf der gefärbten Oberfläche vorhanden ist;
und Durchführen eines Trocknungsschrittes; und
Schritt (ii): Versiegeln von zumindest einem Teil der gefärbten Oberfläche aus Stufe
(3) von Schritt (i) durch Aufbringen einer farblosen, transparenten Beschichtung,
woraufhin der oberflächenbehandelte Corten-Stahl erhalten wird.
[0012] Die Erfindung betrifft auch einen Corten-Stahl mit behandelter Oberfläche, enthaltend
eine farblose, transparente, Beschichtung auf einer gefärbten Oberfläche des Corten-Stahls,
wobei die Oberflächenbehandlung nach einem Verfahren gemäß der vorliegenden Erfindung
durchgeführt wird.
Beschreibung der Erfindung
[0013] Das gegenständliche Verfahren beinhaltet eine Behandlung der Oberfläche von Corten-Stahl
in 2 Schritten. In Schritt (i) wird Corten-Stahl bereitgestellt und durch nasschemische
Behandlung eine gewünschte Farbe erzeugt. Schritt (ii) besteht aus der Versiegelung
der gefärbten Oberfläche, um sie dauerhaft vor weiterer Korrosion und Veränderung
zu schützen und ihr wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften zu verleihen.
[0014] Die vorliegende Erfindung betrifft somit ein Verfahren zur Herstellung von oberflächenbehandeltem
Corten-Stahl, umfassend oder bestehend aus den Schritten:
- (i) Bereitstellen von Corten-Stahl und Durchführen einer Behandlung, umfassend oder
bestehend aus den Stufen:
- (1) Reinigen von zumindest einem Teil von mindestens einer Oberfläche des Corten-Stahls;
- (2) Aktivieren von zumindest einem Teil der gereinigten Oberfläche des Corten-Stahls
aus Stufe (1) durch in Kontakt bringen der gereinigten Oberfläche mit einer wässrigen
Aktivierungslösung, enthaltend Fluoridionen, beispielsweise stammen die Fluoridionen
aus Flußsäure, Ammoniumbiflourid, Natriumbifluorid, Kaliumbifluorid, insbesondere
aus Fluorwasserstoff (HF), ein oder mehrere Oxidationsmittel und optional ein oder
mehrere Stabilisatoren für das/die Oxidationsmittel, gefolgt von einem optionalen
Spülschritt mit Wasser, um zumindest einen Teil der wässrigen Aktivierungslösung von
der aktivierten Oberfläche zu entfernen; wenn keine Glättung der Oberfläche erfolgen
muss, kann auch HCl, H2SO4 oder FeCl3 eingesetzt werden, und
- (3) Färben von zumindest einem Teil der aktivierten Oberfläche des Corten-Stahls aus
Stufe (2) durch Behandeln der aktivierten Oberfläche mit Wasser für eine Zeitdauer
von mindestens 30 Minuten und solange, bis die gewünschte Färbung der Oberfläche des
Corten-Stahls erreicht ist; Durchführen eines optionalen Spülschritts mit Wasser,
falls noch wässrige Aktivierungslösung auf der gefärbten Oberfläche vorhanden ist;
und Durchführen eines Trocknungsschrittes; und
- (ii) Versiegeln von zumindest einem Teil der gefärbten Oberfläche aus Stufe (3) von
Schritt (i) durch Aufbringen einer farblosen, transparenten Beschichtung, woraufhin
der oberflächenbehandelte Corten-Stahl erhalten wird.
Schritt (i):
[0015] Schritt (i) umfasst die Bereitstellung von Corten-Stahl, sowie eine Behandlung umfassend
die drei Stufen (1) Reinigen, (2) Aktivieren und (3) Färben.
[0016] Zunächst wird Corten-Stahl bereitgestellt. Beispielsweise kann ein Corten-Stahl gemäß
Richtanalyse umfassen oder bestehen aus: Eisen als Hauptbestandteil (beispielsweise
größer 90 Gew.-% oder größer 95 Gew.-%), sowie ein oder mehrere Bestandteile, ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus: Kohlenstoff in einem Anteil von 0 bis 0,16 Gew.-%, Chrom
in einem Anteil von 0,40 bis 0,65 Gew.-%, Silizium in einem Anteil von 0,30 bis 0,50
Gew.-%, Mangan in einem Anteil von 0,80 bis 1,25 Gew.-%, Phosphor in einem Anteil
von 0 bis 0,030 Gew.-%, Schwefel in einem Anteil von 0 bis 0,030 Gew.-%, Kupfer in
einem Anteil von 0,10 bis 0,40 Gew.-%, Vanadium in einem Anteil von 0,02 bis 0,10
Gew.-%, und Nickel in einem Anteil von 0 bis 0,40 Gew.-%. Die vorstehenden Prozentangaben
beziehen sich auf die Gesamtmasse aller Bestandteile im Corten-Stahl.
[0017] In einer Ausführungsform besteht der Corten-Stahl aus Eisen in einem Anteil von mindestens
90 Gew.-%, oder mindestens 95 Gew.-%, sowie den Bestandteilen: Kohlenstoff in einem
Anteil von 0 bis 0,16 Gew.-%, Chrom in einem Anteil von 0 bis 0,65 Gew.-%, Silizium
in einem Anteil von 0 bis 0,50 Gew.-%, Mangan in einem Anteil von 0 bis 1,25 Gew.-%,
Phosphor in einem Anteil von 0 bis 0,030 Gew.-%, Schwefel in einem Anteil von 0 bis
0,030 Gew.-%, Kupfer in einem Anteil von 0 bis 0,40 Gew.-%, Vanadium in einem Anteil
von 0 bis 0,10 Gew.-%, und Nickel in einem Anteil von 0 bis 0,40 Gew.-%.
[0018] Beispiele für Corten-Stähle sind der Werkstoff Nr. 1.8946 und 1.8963 gemäß ASTM A
242 und A 588.
[0019] Der Corten-Stahl kann als Werkstoff/Ausgangsmaterial, z.B. als Stahlblech, oder Produkt,
z.B. als Bestandteil eines fertigen Bauwerks, vorliegen. Der Corten-Stahl sollte nicht
behandelt oder beschichtet sein. Allerdings muss die Oberfläche sauber sein.
[0020] Der bereitgestellte Corten-Stahl wird dann gereinigt. Das Reinigen in Stufe (1) von
Schritt (i) erfolgt derart, dass die gereinigte Oberfläche des Corten-Stahls metallisch
sauber, fettfrei und rostfrei ist.
[0021] Das Reinigen in Stufe (1) von Schritt (i) kann derart erfolgen, dass die Oberfläche
des Corten-Stahls zuerst einer alkalischen Abkochentfettung (beispielsweise mit AK
161 der Firma Schlötter), anschließend einer Zwischenspülung der Oberfläche mit Wasser,
gefolgt von einer Behandlung mit einer Sparbeize (z.B. BESTA-S von der Firma POLIGRAT,
Deutschland, enthaltend Schwefelsäure Amidosulfonsäure, Oxalsäure, Inhibitoren oder
einer Sparbeize enthaltend beispielsweise Schwefelsäure, ortho-Phosphorsäure, Dimethylsulfoxid
und Hexamethyltetramin), ebenfalls gefolgt von einer Spülbehandlung in Stadtwasser/Trinkwasser/Leitungswasser,
unterzogen wird.
[0022] Die zweite Stufe, Stufe (2) in Schritt (i), dient zum Aktivieren der gereinigten
Oberfläche bzw. den gereinigte Oberflächen für das nachfolgende Färben. Das Aktivieren
erfolgt durch eine Behandlung der gereinigten Oberfläche mit einer wässrigen Aktivierungslösung
(Lösung A) durch Tauchen und/oder Besprühen. Die Behandlungszeit bei Raumtemperatur
(20°C) kann beispielsweise 2 bis 30 Minuten, oder 2 bis 15 Minuten, bevorzugt 2 bis
5 Minuten dauern.
[0023] Die wässrige Aktivierungslösung kann unter Verwendung von Trink-/Brauch-/Leitungswasser
hergestellt werden, indem HF und Oxidationsmittel sowie ein oder mehrere optionale
Stabilisatoren für das Oxidationsmittel zugesetzt werden. Bevorzugt enthält die wässrige
Aktivierungslösung, bezogen auf den pKa Wert, keine stärkeren Säuren als HF. Bevorzugt
enthält die wässrige Aktivierungslösung HF als einzige Säure.
[0024] Bevorzugt besteht die wässrige Aktivierungslösung aus HF, Oxidationsmittel(n), optional
ein oder mehrere Stabilisatoren für das/die Oxidationsmittel, und Trink-/Brauch-/Leitungswasser.
[0025] Die wässrige Aktivierungslösung kann Fluoridionen, beispielsweise durch Verwendung
von Fluorwasserstoff, in einer Menge, bezogen auf das Gewicht der wässrigen Aktivierungslösung,
von größer als 0 Gew.-% und kleiner oder gleich 3 Gew.-%, oder größer als 0,5 Gew.-%
und kleiner oder gleich 3 Gew.-%, bevorzugt größer als 0,5 Gew.-% und kleiner oder
gleich 1 Gew.-%, enthalten. Vorteilhafterweise wird eine Lösung mit einer derartigen
Menge an Fluorid nicht als giftig eingestuft. Der aktive Fluoridanteil wird anhand
des Materialabtrages eines Probebleches bestimmt. Aktiver Fluoridgehalt und Materialabtrag
sind linear verknüpft.
[0026] Bevorzugt stammt zumindest ein Teil der Menge oder auch die gesamte Menge an Fluoridionen
aus Fluorwasserstoff, der der wässrigen Aktivierungslösung zugesetzt wurde. Die Fluoridionen
können auch aus anderen Quellen stammen, beispielsweise Ammoniumbifluorid, Natriumbifluorid,
und/oder Kaliumbifluorid.
[0027] Ein geeignetes und bevorzugtes Oxidationsmittel ist Wasserstoffperoxid. Wasserstoffperoxid
kann als wässrige Lösung eingesetzt werden. Die Menge an Oxidationsmittel kann in
Abhängigkeit des eingesetzten Oxidationsmittels vom Fachmann gewählt werden, beispielsweise
indem einfache Testversuche durchgeführt werden.
[0028] Die wässrige Aktivierungslösung kann beispielsweise das/die Oxidationsmittel, bevorzugt
Wasserstoffperoxid, in einer Menge von größer als 0 Gew.-% und kleiner oder gleich
30 Gew.-%, oder von größer als 0 Gew.-% und kleiner oder gleich 20 Gew.-%, bevorzugt
größer als 3 Gew.-% und kleiner oder gleich 20 Gew.-%, oder größer als 3 Gew.-% und
kleiner oder gleich 10 Gew.-%, enthalten.
[0029] Die wässrige Aktivierungslösung kann insbesondere Fluoridionen, beispielsweise aus
Fluorwasserstoff, in einer Menge, bezogen auf das Gewicht der wässrigen Aktivierungslösung,
von größer als 0,5 Gew.-% und kleiner oder gleich 3 Gew.-%, bevorzugt größer als 0,5
Gew.-% und kleiner oder gleich 1 Gew.-%, und das/die Oxidationsmittel, bevorzugt Wasserstoffperoxid,
in einer Menge, bezogen auf das Gewicht der wässrigen Aktivierungslösung, von größer
als 3 Gew.-% und kleiner oder gleich 20 Gew.-%, enthalten.
[0030] Geeignete optionale Stabilisatoren für das Oxidationsmittel sind beispielsweise Gemische
aus Harnstoff und einer oder mehreren Alkandiphosphonsäuren, die gegebenenfalls mit
einer oder mehreren Hydroxyl- oder Aminogruppen substituiert sind, bzw. deren Salze.
Die Kohlenwasserstoffkette der Alkandiphosphonsäuren umfasst bevorzugt 1, 2, 3 oder
4 C-Atome. Beispiele solcher Alkandiphosphonsäuren sind Alkylendiphosphonsäuren oder
amino- bzw. hydroxy-substituierte Alkylidendiphosphonsäuren. Eine besonders geeignete
Alkylidendiphosphonsäure ist 1-Hydroxyethan-1,1-diphosphonsäure. Geeignete Stabilisatoren
sind auch in
EP 1 903 081 beschrieben.
[0031] Die Menge an Stabilisatoren in der wässrigen Aktivierungslösung kann wie in
EP 1 903 081 beschrieben gewählt werden. Eine besonders hohe Wirksamkeit dieses Stabilisators
wurde beobachtet, wenn das Gewichtsverhältnis von Harnstoff zu freien Alkandiphosphonsäuren
im Bereich von 100:1 bis 20:1 liegt. Vorzugsweise liegt dieses Gewichtsverhältnis
zwischen 60:1 und 35:1, insbesondere bei etwa 50:1.
[0032] Der Stabilisator dient der Stabilisierung von wässrigen peroxidhaltigen Lösungen.
Darunter werden in erster Linie wässrige Wasserstoffperoxid-haltige Lösungen verstanden,
es können aber auch andere peroxidhaltige Lösungen auf diese Weise stabilisiert werden,
etwa Lösungen, die Perschwefelsäuren und/oder Peroxycarbonsäuren, wie etwa Peressigsäure,
bzw. deren Salze enthalten. Chloride/ Phosphate sollten nicht vorhanden sein.
[0033] Die Konzentration einer stabilisierten wässrigen Lösung von Wasserstoffperoxid kann
dabei etwa 30 oder 35% betragen, sie kann aber auch geringer sein, etwa 20%, 10% oder
5%.
[0034] Beispielsweise kann Lösung A Fluoride in einer Menge von maximal 1 Gew.-% enthalten,
so wie Flußsäure 0,8%, und eine stark oxidierende Komponente, wie z.B. Wasserstoffperoxid,
in einer Menge von ca. 5 Gew.-% mit einem geeigneten Stabilisator (z.B. gemäß
EP1903081 (A2) von der Firma POLIGRAT).
[0035] Beispielsweise erfolgt das Aktivieren durch eine Behandlung der gereinigten Oberfläche
in einer wässrigen Lösung (Lösung A) durch Tauchen oder Besprühen. Lösung A enthält
beispielsweise Fluoride in einer Menge von maximal 1 Gew.-% HF und eine stark oxidierende
Komponente wie z.B. Wasserstoffperoxid in einer Menge von ca. 5% Gew.-% mit einem
geeigneten Stabilisator (z.B. gemäß
EP1903081 (A2) bzw. Produkt C600, C410 oder C400 von der Firma POLIGRAT). Die Behandlungszeit
bei Raumtemperatur beträgt ca. 2 bis 5 Minuten.
[0036] Der Begriff "Stadt-/Trink-/Brauch-/Leitungswasser" wie hier verwendet, betrifft natürliches
Wasser mit den üblicherweise enthaltenen Mineralstoffen und Spurenelementen.
[0037] In einer Ausführungsform enthält die wässrige Aktivierungslösung HF in einer Menge
von 0,5 Gew.-% bis 1 Gew.-%, Wasserstoffperoxid in einer Menge von 2 Gew.-% bis 10
Gew.-% und optional ein oder mehrere Stabilisatoren.
[0038] Nach der Aktvierung der Oberfläche kann ein optionaler Spülschritt mit Wasser durchgeführt
werden, um die wässrige Aktivierungslösung teilweise oder vollständig zu entfernen.
Wird die wässrige Aktivierungslösung nicht oder nur teilweise entfernt, so hat dies
Auswirkungen auf den nachfolgenden Färbeschritt. Je nach gewünschter Farbe der Oberfläche
kann die verbleibende Menge der wässrigen Aktivierungslösung eingestellt werden. Je
weniger gespült wird, desto dunkler wird die Farbe.
[0039] In der dritten Stufe von Schritt (i) erfolgt das eigentliche Färben der Oberflächen.
[0040] Hierbei kann das Behandeln der aktivierten Oberfläche in Stufe (3) von Schritt (i)
mit Wasser, beispielsweise mit einem pH-Wert in dem Bereich von 6-8, über einen Zeitraum
von beispielsweise 30 Minuten bis 15 Stunden, bevorzugt 1 Stunde bis 12 Stunden, durchgeführt
werden.
[0041] Das Behandeln mit Wasser kann grundsätzlich durch Besprühen mit Wasser und durch
Feuchthalten erfolgen. Die Oberfläche soll während der Behandlung zwischendurch nicht
trocknen. Bevorzugt wird Stufe (3) somit so durchgeführt, dass die Oberfläche während
der Behandlungsdauer nicht vollständig trocknet. Eine feuchte Oberfläche könnte beispielsweise
durch einen einfachen Test mit einem Taschentuch durchgeführt werden, wobei das Taschentuch
nach Kontakt mit der Oberfläche feucht/nass erscheint. Beim Feuchthalten kann die
zu behandelnde Oberfläche beispielsweise derart abgedeckt werden, beispielsweise mit
Kunststofffolien, dass das Trocknen der Oberfläche zumindest verlangsamt wird. Bevorzug
erfolgt das Feuchthalten durch leichtes Besprühen bzw. Vernebeln mit Wasser, ähnlich
einer Sprühbewässerung in einem Gewächshaus. Die Wassermenge kann vom Fachmann hierbei
so gewählt werden, dass die zu behandelnde Fläche vollständig und gleichmäßig feucht
gehalten wird, insbesondere um einen gleichmäßigen Farbton zu erhalten. Je gleichmäßiger
und dünner der Wasserfilm desto gleichmäßiger wird die erzielte Farbe. Ablaufendes
Wasser erzeugt strukturierte Färbungen.
[0042] Es kann Stadt-/Trink-/Brauch-/Leitungswasser verwendet werden, beispielsweise Münchner
Trinkwasser.
[0043] Grundsätzlich gibt es zwei Varianten für die Färbung der Oberflächen abhängig von
der gewünschten Farbe.
Variante 1 zur Erzeugung von goldgelben, orangenfarbigen oder hellbraunen Oberflächen:
[0044] Nach der Behandlung in Lösung A werden die Oberflächen mit Wasser, beispielsweise
Stadtwasser, abgespült und anschließend beispielsweise liegend, schräg stehend oder
senkrecht stehend durch leichtes Besprühen und Feuchthalten mit Wasser, beispielsweise
Stadtwasser, behandelt. Je nach Dauer der Behandlung entstehen dann auf der Oberfläche
des Corten-Stahls unterschiedliche Farben und zwar beispielsweise nach zirka
| 1 Stunde: |
Gold |
| 3 Stunden: |
Orange |
| 12 Stunden: |
Hellbraun |
[0045] Das Verfahren kann daher beispielsweise so durchgeführt werden, dass der optionale
Spülschritt mit Wasser in Stufe (2) von Schritt (i) durchgeführt wird und das Färben
der aktivierten Oberfläche in Stufe (3) von Schritt (i) durch Besprühen und Feuchthalten
der aktivierten Oberfläche durchgeführt wird. Hierbei wird bevorzugt sehr wenig Wasser
verwendet, beispielsweise 0,2 - 1 l/m
2 und h.
Variante 2 zur Erzeugung von olivgrünen und dunkelbraunen Oberflächen:
[0046] Nach der Behandlung in Lösung A werden die Oberflächen, z.B. Bleche, ohne Spülen
mit Wasser beispielsweise in horizontaler, schräger oder vertikaler Lage für die Dauer
von beispielsweise 1 bis 2 Minuten mit Wasser, beispielsweise Stadtwasser, besprüht
und anschließend nur feucht gehalten. Je nach Dauer der Behandlung entstehen auf der
Oberfläche des Corten-Stahls folgende Farben beispielsweise nach etwa zirka
3 Stunden: Olivgrün
12 Stunden: Dunkelbraun
[0047] Das Verfahren kann daher beispielsweise so durchgeführt werden, dass der optionale
Spülschritt mit Wasser in Stufe (2) von Schritt (i) nicht durchgeführt wird und das
Färben der aktivierten Oberfläche in Stufe (3) von Schritt (i) unter Verwendung von
wenig Wasser, insbesondere nur durch Feuchthalten und nicht durch Spülen, erfolgt,
beispielsweise durch einmaliges Besprühen mit Wasser und anschließendem Feuchthalten
durch Abdecken der Oberfläche, oder durch kontinuierliches oder intervallartiges leichtes
Besprühen mit Wasser, wie oben beschrieben, um ein Abwaschen der Aktivierungslösung
gering zu halten.
[0048] Strukturierte Farbeffekte, beispielsweise Streifen, erhält man, indem man die Oberflächen
in den ersten Minuten, beispielsweise 10 Minuten nach der Behandlung in Lösung A,
in senkrechter oder schräger Position bearbeitet. Abhängig von der Steilheit der Oberflächen
bei der Bearbeitung und der Intensität mit der die Oberflächen berieselt oder besprüht
werden, entstehen aus den ursprünglichen Ablaufspuren des Wassers unterschiedlich
feine oder grobe Strukturen.
[0049] Nach dem Erreichen der gewünschten Farbe werden die Oberflächen sorgfältig getrocknet
und weiter behandelt in Schritt (ii).
[0050] In Schritt (ii) werden die farbigen Oberflächen mittels einer geeigneten, farblos
transparenten Beschichtung, bevorzugt einer Sol-Gel-Beschichtung/Sol-Gel-Lack (z.B.
POLIANT oder POLISEAL von POLIGRAT), versiegelt.
[0051] Das Versiegeln in Schritt (ii) kann somit beispielsweise unter Verwendung einer Sol-Gel-Beschichtung
erfolgen, wobei die Sol-Gel-Beschichtung nach dem Aufbringen eingebrannt wird, um
eine glaskeramische Struktur zu erzielen. Es ist jedoch auch möglich, andere anorganische,
transparente, dichte und chemisch beständige Beschichtungen zu verwenden, die in der
Lage sind die Farbschicht vollständig zu imprägnieren.
[0052] Es versteht sich für den Fachmann, dass der bevorzugte Sol-Gel-Lack zunächst in Form
eines flüssigen Sols mit darin schwebenden kolloidalen Partikeln aufgebracht wird,
das sich anschließend in ein Gel umwandelt und schließlich eine feste, harte Lackschicht
bildet. Wenn also vom "Auftragen des Sol-Gel-Lacks" bzw. dem "Härten des Sol-Gel-Lacks"
die Rede ist, weiß der Fachmann, in welchem Zustand sich das Sol-Gel-System dabei
befindet.
[0053] Vorzugsweise handelt es sich bei dem Sol um ein Kieselsol, basierend auf Silanen,
die in Lösemittel, etwa Alkohol, gelöst werden. Wahlweise könne diese Kieselsole auch
ein oder mehrere weitere Sol-bildende Elemente wie etwa Al, Ti, Zr, Mg, Ca oder Zn
aufweisen, die Si-Atome in den kolloidalen Strukturen ersetzen.
[0054] Die Ausgangsverbindungen zur Bildung der Sole und schließlich des Sol-Gel-Lacks sind
hydrolysierbare Silane der Formel SiR
4, wobei die 4 Reste R 2-4 hydrolysierbare Reste OR' und 0-2 nicht-hydrolysierbare
Reste R" umfassen. Diese Ausgangs-Silane können also auch als Si(OR')
4-nR"
n mit n = 0,1 oder 2 dargestellt werden. Wenn zusätzliche Sol-bildende Elemente, wie
sie eben beschrieben wurden, eingesetzt werden, sind entsprechende Verbindungen gemäß
den Wertigkeiten der Elemente als Ausgangsverbindungen zu wählen, etwa AlR
3, usw.
[0055] Die hydrolysierbaren Reste OR' sind Hydroxy-, Alkoxy- und/oder Cycloalkoxyreste.
Geeignete Beispiele hierfür umfassen etwa Hydroxy-, Methoxy-, Ethoxy-, n-Propoxy-,
Isopropoxy-, n-Butoxy-, i-Butoxy-, t-Butoxy-, Pentoxy-, Hexoxy-, Cyclopentyloxy-,
Cyclohexyloxyreste, wobei insbesondere Ethoxy-, n-Propoxy- und Isopropoxyreste bevorzugt
werden. Die hydrolysierbaren Reste OR' können gleich oder verschieden voneinander
sein.
[0056] Die nicht-hydrolysierbaren Reste R", so sie vorhanden sind, sind Alkyl- und/oder
Cycloalkylreste. Geeignete Beispiele hierfür umfassen etwa Methyl-, Ethyl-, n-Propyl-,
Isopropyl-, n-Butyl-, i-Butyl-, t-Butyl-, Pentyl-, Hexyl-, Cyclopentyl-, Cyclohexylreste,
wobei insbesondere Methyl-, Ethyl-, n-Propyl- und Isopropylreste bevorzugt werden.
Die nicht-hydrolysierbaren Reste R" können ebenfalls gleich oder verschieden voneinander
sein.
[0057] Die Ausgangsverbindungen der Sole können aus einer einzigen Art von Silan bestehen,
häufig werden sie aber Gemische aus mehreren Silanen (und gegebenenfalls zusätzlichen
Sol-bildenden Ausgangsverbindungen anderer Elemente) umfassen. Bevorzugt ist, dass
zumindest eine der Komponenten der Ausgangsverbindungen ein Silan der Formel Si(OR')
4-nR"
n mit n = 0 ist, also Si(OR')
4. Beispielsweise kann ein bevorzugter Sol-Gel-Lack die Ausgangsmaterialien TEOS (Tetraethoxyorthosilan)
und MTES (Methyltriethoxysilan) und/oder DMDES (Dimethyldiethoxysilan) umfassen.
[0058] Daneben können natürlich auch andere, auf dem Gebiet der Sol-Gel-Systeme übliche
Zusatzstoffe eingesetzt werden, beispielsweise zusätzliche Netzwerkbildner, wie etwa
Acryloxypropyltrimethoxysilan bzw. Methacryloxypropyltrimethoxysilan, die für weitere
organische Vernetzungen sorgen können, insbesondere wenn ein nicht unerheblicher Teil
der Ausgangsverbindungen sogenannte netzwerkwandelnde Verbindungen der Formel Si(OR')
4-nR"
n mit n = 1 oder 2 sind.
[0059] Im Sol sind die Ausgangsverbindungen zum Teil zu den entsprechenden Hydroxyverbindungen
(etwa Orthokieselsäure, Trihydroxyalkylsilan, usw.) hydrolysiert, was durch die Zugabe
eines Katalysators, etwa von Säure, begünstigt werden kann. Aufgrund der hohen Neigung
zur Kondensation dieser Hydroxyverbindungen können diese nun unter Abspaltung von
Wasser zu kleineren Siloxannetzwerken kondensieren. In dem Sol liegen bereits kolloidale
Partikel vor, die Siloxan-Bindungen enthalten. Siloxan-Bindungen sind Bindungen der
Form ≡Si-O-Si≡, wobei "≡" drei voneinander unabhängige beliebige Bindungen mit anderen
Elementen, insbesondere mit OH, OR' und R", symbolisiert, wodurch eine dreidimensionale
vernetzte Struktur in den kolloidalen Partikeln entsteht. Dabei haben OR' und R" dieselbe
Bedeutung wie oben.
[0060] Das Auftragen des Sol-Gel-Lacks kann dabei auf jede beliebige Art und Weise erfolgen,
etwa durch Eintauchen, Fluten, Aufsprühen oder Aufstreichen. Vorzugsweise erfolgt
er jedoch durch Aufsprühen, da dies eine genaue Kontrolle der pro Flächeneinheit aufgebrachten
Menge ermöglicht.
[0061] Dabei kann die Menge nach Bedarf eingestellt werden. Beispielsweise kann ein Sol-Gel-Lackschicht
eine Schichtdicke von bis zu etwa 6 µm aufweisen, oder von etwa 0,5 bis 3 µm.
[0062] Die Viskosität des Sol-Gel-Lacks kann vom Fachmann eingestellt werden. Es ist bekannt,
dass das Sol bei entsprechend hoher Verdünnung in seinem Lösemittel ausreichend dünnflüssig
ist, um in die eventuell vorhandenen Poren einer Oberfläche einzudringen.
[0063] Geeignete Lösemittel für das Sol sind Wasser und vor allem Alkohole wie Methanol,
Ethanol, n-Propanol oder Isopropanol, wobei Ethanol und Isopropanol aufgrund ihrer
physikalischen Eigenschaften und der geringen Toxizität ihrer Dämpfe bevorzugt werden.
[0064] Daraufhin lässt man das aufgetragene Sol zu einem Gel reagieren. Diese Reaktion überführt
das flüssige Sol in eine feste Gelschicht, in der sich die kolloidalen Partikel des
Sols durch weitere Hydrolyse und Kondensation miteinander und mit noch nicht hydrolysierten
und kondensierten Ausgangsverbindungen vernetzen. Dies kann beispielsweise durch Verdunsten
des alkoholischen Lösemittels beim Trocknen geschehen.
[0065] Nach dem Trocknen der Oberflächen werden die Sol-Gel-Beschichtungen eingebrannt,
wodurch eine glaskeramische Struktur bildet, die fest haftet, alterungsbeständig und
unempfindlich gegen Umwelteinflüsse ist und die Farbeffekte dauerhaft konserviert.
Das Einbrennen der Beschichtung kann vom Fachmann nach üblicher Vorgehensweise durchgeführt
werden.
[0066] Beispielsweise werden die mit dem Gel beschichteten Oberflächen einer thermischen
Härtung unterzogen. Dies geschieht bei erhöhten Temperaturen, wobei sich das Gel in
eine farblose, transparente, glasartige Schicht umwandelt. Die Kieselsol-Bestandteile
wandeln sich dabei in ein noch stärker vernetztes Siliziumdioxid um, das je nach Zusammensetzung
des zugrundeliegenden Sols weitere Bestandteile wie etwa Aluminiumoxid, Titanoxid
oder Zirkoniumoxid enthalten kann. Diese Schichten sind hart, geschlossen und beständig
gegen viele der Chemikalien, mit denen eine Oberfläche unter gewöhnlichen Umständen
in Berührung kommen kann, sowie gegen Temperaturen bis etwa 500°C.
[0067] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird die beschichtete Oberfläche bei der
anschließenden Härtung des Gels Temperaturen von 160 °C bis 220°C ausgesetzt. Diese
Härtung sollte für eine Dauer von mindestens 10 Minuten, vorzugsweise 20 bis 45 Minuten,
beispielsweise 30 Minuten lang erfolgen. Die Härtung wird vorzugsweise bei Temperaturen
zwischen 180°C und 210°C, beispielsweise bei 200°C, durchgeführt, aber auch Temperaturen
unterhalb von 180°C eignen sich hierfür. Dabei wandelt sich das Gel in einen harten,
farblosen und transparenten, glasartigen Lack um, der die Oberfläche dicht versiegelt,
seinerseits keine Risse aufweist und der Oberfläche eine hohe Härte und Verschleißbeständigkeit
verleiht.
[0068] Die Prozesse der Gelbildung und der Härtung des Gels können dabei ineinander übergehen,
da etwa eine Gelbildung durch Trocknen und Verdunsten des Lösemittels zumindest teilweise
auch noch zu Beginn der Behandlung zur Härtung erfolgen kann. Auch ein solches Verfahren,
bei dem die Prozesse der Gelbildung und der Härtung des Gels ineinander übergehen,
ist von der Erfindung umfasst.
[0069] Es können jedoch auch andere herkömmliche Härtungsverfahren, insbesondere eine kathodische
Härtung, durchgeführt werden. Die kathodische Härtung kann dabei beispielsweise gemäß
der Patentanmeldung
DE 21 26 129 erfolgen.
[0070] Die Erfindung betrifft auch einen Corten-Stahl mit behandelter Oberfläche.
[0072] Die vorliegende Erfindung betrifft dem gegenüber ein Corten-Stahl mit einer farblosen,
transparenten Beschichtung auf einer gefärbten Oberfläche - ausgenommen Rostbraun
- des Corten-Stahls, wobei die Oberfläche nach einem, wie vorstehend, beschriebenem
Verfahren behandelt wurde, und das Versiegeln in Schritt (ii) dieses Verfahrens, unter
Verwendung einer Sol-Gel-Beschichtung erfolgt, wobei die Sol-Gel-Beschichtung nach
dem Aufbringen eingebrannt wird, um eine glaskeramische Beschichtung zu erzielen.
Der erfindungsgemäße Corten-Stahl unterscheidet sich strukturell von bekannten Corten-Stählen,
was an der Farbe und den Eigenschaften, wie Stabilität gegen Korrosion, erkennbar
ist.
Beispiele
Beispiel 1
[0073] Ein Blech aus Werkstoff-Nr. 1.8963 in den Abmessungen 500x500x1,5 mm wurde in einer
wässrigen Abkochentfettung (AK 161 von Fa. Schlötter) bei 60°C für die Dauer von 10
Minuten entfettet.
[0074] Anschließend wurden die Oberflächen zweimal mit Stadtwasser gespült und dann in einer
Sparbeize (BESTA-S von der Firma POLIGRAT, Deutschland) bei 60°C für die Dauer von
2 Minuten entrostet.
[0075] Die Oberflächen wurden anschließend zweimal mit Stadtwasser gespült und dann bei
Raumtemperatur (20 °C) aktiviert durch Tauchen in einer wässrigen Lösung mit 0,8%
HF-Gew und 5%-Gew Wasserstoffperoxid sowie mit einem Stabilisator für das Peroxid
(Produkt C600 von POLIGRAT) für die Dauer von 4 Minuten.
[0076] Die Oberflächen wurden anschließend einmal mit Stadtwasser gespült und dann hingelegt.
In liegender Stellung wurden die Oberflächen durch leichtes Besprühen mit Stadtwasser
für die Dauer von 3 Stunden bei Raumtemperatur feucht gehalten. Dabei entstand eine
orangenfarbige Oberfläche.
[0077] Die Oberfläche wurde getrocknet und anschließend mit dem Sol-Gel-Verfahren POLIANT
von der Firma POLIGRAT im Sprühverfahren beschichtet und für die Dauer von 30 Minuten
bei 200°C eingebrannt.
[0078] Die erzielte Oberfläche war orangefarbig mit einer attraktiven Streifenstruktur aus
helleren und dunkleren Farbtönen mit Metalliceffekt, die das Licht irisierend reflektierte.
Die Oberfläche war hydrophob, sodass Wasser abperlte ohne feuchte Spuren zu hinterlassen.
Beispiel 2:
[0079] Ein Blech, entsprechend dem Beispiel 1, wurde wie in Beispiel 1 vorbehandelt und
aktiviert. Anschließend wurde das Blech ohne Spülprozess liegend und bei Raumtemperatur
mittels Besprühen mit Stadtwasser feucht gehalten. Nach einer Dauer von 3 Stunden
und einem abschließenden Spülen wies das Blech eine olivgrüne Oberfläche auf. Die
weitere Behandlung erfolgte wie in Beispiel 1, wobei der Metalliceffekt auf der Oberfläche
im Vergleich zu Beispiel 1 etwas schwächer ausgeprägt war.
Zitierte Druckschriften
1. Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Corten-Stahl, umfassend die Schritte:
(i) Bereitstellen von Corten-Stahl und Durchführen einer Behandlung, umfassend die
Stufen:
(1) Reinigen von zumindest einem Teil von mindestens einer Oberfläche des Corten-Stahls;
(2) Aktivieren von zumindest einem Teil der gereinigten Oberfläche des Corten-Stahls
aus Stufe (1) durch in Kontakt bringen der gereinigten Oberfläche mit einer wässrigen
Aktivierungslösung, enthaltend Fluoridionen, ein oder mehrere Oxidationsmittel und
optional ein oder mehrere Stabilisatoren für das/die Oxidationsmittel; und
(3) Färben von zumindest einem Teil der aktivierten Oberfläche des Corten-Stahls aus
Stufe (2) durch Behandeln der aktivierten Oberfläche mit Wasser für eine Zeitdauer
von mindestens 30 Minuten und solange, bis die gewünschte Färbung der Oberfläche des
Corten-Stahls erreicht ist; und
(ii) Versiegeln von zumindest einem Teil der gefärbten Oberfläche aus Stufe (3) von
Schritt (i) durch Aufbringen einer farblosen, transparenten Beschichtung, woraufhin
der oberflächenbehandelte Corten-Stahl erhalten wird.
2. Das Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Corten-Stahl umfasst: Eisen als Hauptbestandteil,
sowie ein oder mehrere Bestandteilen, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus: Kohlenstoff
in einem Anteil von 0 bis 0,16 Gew.-%, Chrom in einem Anteil von 0,40 bis 0,65 Gew.-%,
Silizium in einem Anteil von 0,30 bis 0,50 Gew.-%, Mangan in einem Anteil von 0,80
bis 1,25 Gew.-%, Phosphor in einem Anteil von 0 bis 0,030 Gew.-%, Schwefel in einem
Anteil von 0 bis 0,030 Gew.-%, Kupfer in einem Anteil von 0,10 bis 0,40 Gew.-%, Vanadium
in einem Anteil von 0,02 bis 0,10 Gew.-%, und Nickel in einem Anteil von 0 bis 0,40
Gew.-%.
3. Das Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei das Reinigen in Stufe (1) von Schritt
(i) derart erfolgt, das die gereinigte Oberfläche des Corten-Stahls metallisch sauber,
fettfrei und rostfrei ist.
4. Das Verfahren nach einem vorangegangenen Anspruch, wobei die wässrige Aktivierungslösung
Fluoridionen in einer Menge von größer als 0 Gew.-% und kleiner oder gleich 3 Gew.-%
enthält, und/oder die wässrige Aktivierungslösung das/die Oxidationsmittel in einer
Menge von größer als 0 Gew.-% und kleiner oder gleich 20 Gew.-%, enthält.
5. Das Verfahren nach einem vorangegangenen Anspruch, wobei das Behandeln der aktivierten
Oberfläche in Stufe (3) von Schritt (i) mit Wasser über eine Dauer von zwischen 30
Minuten und 15 Stunden bis zur gewünschten Farbe der Oberfläche, durchgeführt wird.
6. Das Verfahren nach einem vorangegangenen Anspruch, wobei ein optionaler Spülschritt
mit Wasser in Stufe (2) von Schritt (i) durchgeführt wird und das Färben der aktivierten
Oberfläche in Stufe (3) von Schritt (i) durch Besprühen und Feuchthalten der aktivierten
Oberfläche durchgeführt wird.
7. Das Verfahren nach einem vorangegangenen Anspruch, wobei das Versiegeln in Schritt
(ii) unter Verwendung einer Sol-Gel-Beschichtung erfolgt, wobei die Sol-Gel-Beschichtung
nach dem Aufbringen eingebrannt wird, um eine glaskeramische Struktur zu erzielen.
8. Das Verfahren nach einem vorangegangenen Anspruch, wobei zumindest ein Teil der Menge
an Fluoridionen aus Fluorwasserstoff stammt, der der wässrigen Aktivierungslösung
zugesetzt wurde.
9. Corten-Stahl mit einer farblosen, transparenten Beschichtung auf einer gefärbten Oberfläche
- ausgenommen Rostbraun - des Corten-Stahls, wobei die Oberfläche nach einem Verfahren
gemäß einem der Ansprüche 1-6 oder 8 behandelt wurde, und das Versiegeln in Schritt
(ii) dieses Verfahrens unter Verwendung einer Sol-Gel-Beschichtung erfolgt, wobei
die Sol-Gel-Beschichtung nach dem Aufbringen eingebrannt wird, um eine glaskeramische
Beschichtung zu erzielen.
1. A method for the surface treatment of Corten steel, comprising the steps:
(i) providing Corten steel and carrying out a treatment comprising the stages:
(1) cleaning at least a portion of at least one surface of the Corten steel;
(2) activating at least a portion of the cleaned surface of the Corten steel from
stage (1) by bringing the cleaned surface into contact with an aqueous activating
solution containing fluoride ions, one or more oxidizing agents, and optionally one
or more stabilizers for the oxidizing agent(s); and
(3) colouring at least a portion of the activated surface of the Corten steel from
stage (2) by treating the activated surface with water for a period of at least 30
minutes and until the desired coloration of the surface of the Corten steel is achieved;
and
(ii) sealing at least a portion of the coloured surface from stage (3) of step (i)
by applying a colourless, transparent coating, as the result of which the surface-treated
Corten steel is obtained.
2. The method according to Claim 1, wherein the Corten steel comprises: iron as the main
component, as well as one or more components selected from the group consisting of:
carbon in a proportion of 0 to 0.16% by weight, chromium in a proportion of 0.40 to
0.65% by weight, silicon in a proportion of 0.30 to 0.50% by weight, manganese in
a proportion of 0.80 to 1.25% by weight, phosphorus in a proportion of 0 to 0.030%
by weight, sulfur in a proportion of 0 to 0.030% by weight, copper in a proportion
of 0.10 to 0.40% by weight, vanadium in a proportion of 0.02 to 0.10% by weight, and
nickel in a proportion of 0 to 0.40% by weight.
3. The method according to Claim 1 or 2, wherein the cleaning in stage (1) of step (i)
takes place in such a way that the cleaned surface of the Corten steel is metallically
clean, free of grease, and free of rust.
4. The method according to a preceding claim, wherein the aqueous activating solution
contains fluoride ions in a quantity of greater than 0% by weight and less than or
equal to 3% by weight, and/or the aqueous activating solution contains the oxidizing
agent(s) in a quantity of greater than 0% by weight and less than or equal to 20%
by weight.
5. The method according to a preceding claim, wherein the treatment of the activated
surface in stage (3) of step (i) is carried out with water over a period of between
30 minutes and 15 hours, up to the desired colour of the surface.
6. The method according to a preceding claim, wherein an optional rinsing step with water
in stage (2) of step (i) is carried out, and the colouring of the activated surface
in stage (3) of step (i) is carried out by spraying and keeping the activated surface
moist.
7. The method according to a preceding claim, wherein the sealing in step (ii) takes
place using a sol-gel coating, the sol-gel coating being burned in after the application
in order to achieve a glass ceramic structure.
8. The method according to a preceding claim, wherein at least a portion of the amount
of fluoride ions originates from hydrogen fluoride, which has been added to the aqueous
activating solution.
9. A Corten steel having a colourless, transparent coating on a coloured surface, with
the exception of rust brown, of the Corten steel, wherein the surface has been treated
by a method according to one of Claims 1-6 or 8, and the sealing in step (ii) of this
method takes place using a sol-gel coating, the sol-gel coating being burned in after
the application in order to achieve a glass ceramic coating.
1. Procédé de traitement superficiel d'acier Corten, comprenant les étapes suivantes
:
(i) mise à disposition d'acier Corten et réalisation d'un traitement comprenant les
opérations de :
(1) nettoyage d'au moins une partie d'au moins une surface de l'acier Corten ;
(2) activation d'au moins une partie de la surface nettoyée de l'acier Corten à l'opération
(1) par mise en contact de la surface nettoyée avec une solution d'activation aqueuse,
contenant des ions fluorure, un ou plusieurs agents d'oxydation et facultativement
un ou plusieurs stabilisateurs pour le ou les agent(s) d'oxydation ; et
(3) coloration d'au moins une partie de la surface activée de l'acier Corten à l'opération
(2) par traitement de la surface activée avec de l'eau pendant une durée d'au moins
30 minutes et jusqu'à ce que la coloration souhaitée de la surface de l'acier Corten
soit atteinte ; et
(ii) scellement d'au moins une partie de la surface colorée au cours de l'opération
(3) à l'étape (i) par application d'un revêtement incolore transparent, après quoi
l'acier Corten traité en surface est obtenu.
2. Procédé selon la revendication 1, dans lequel l'acier Corten comprend : du fer comme
constituant principal, ainsi qu'un ou plusieurs constituants choisis dans le groupe
constitué de : carbone dans une proportion de 0 à 0,16 % en poids, chrome dans une
proportion de 0,40 à 0,65 % en poids, silicium dans une proportion de 0,30 à 0,50
% en poids, manganèse dans une proportion de 0,80 à 1,25 % en poids, phosphore dans
une proportion de 0 à 0,030 % en poids, soufre dans une proportion de 0 à 0,030 %
en poids, cuivre dans une proportion de 0,10 à 0,40 % en poids, vanadium dans une
proportion de 0,02 à 0,10 % en poids et nickel dans une proportion de 0 à 0,40 % en
poids.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, dans lequel l'opération de nettoyage (1) effectuée
à l'étape (i) est réalisée de sorte que la surface nettoyée de l'acier Corten soit
métalliquement propre, exempte de graisse et de rouille.
4. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel la solution d'activation
aqueuse contient des ions fluorure dans une proportion supérieure à 0 % en poids et
inférieure ou égale à 3 % en poids, et/ou la solution d'activation aqueuse contient
le ou les agent(s) d'oxydation dans une proportion supérieure à 0 % en poids et inférieure
ou égale à 20 % en poids.
5. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le traitement de la
surface activée au cours de l'opération (3) à l'étape (i) avec de l'eau est réalisé
pendant une durée comprise entre 30 minutes et 15 heures jusqu'à ce que la couleur
souhaitée de la surface soit obtenue.
6. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel une étape facultative
de rinçage avec de l'eau est réalisée au cours de l'opération (2) à l'étape (i), et
la coloration de la surface activée au cours de l'opération (3) à l'étape (i) est
réalisée par aspersion et maintien humide de la surface activée.
7. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel l'étape de scellement
(ii) est effectuée en utilisant un revêtement sol-gel, le revêtement sol-gel étant
cuit après l'application pour obtenir une structure vitrocéramique.
8. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel au moins une partie
de la quantité d'ions fluorure provient de fluorure d'hydrogène qui a été ajouté à
la solution d'activation aqueuse.
9. Acier Corten pourvu d'un revêtement incolore transparent sur une surface colorée -
excepté en brun rouille - de l'acier Corten, la surface ayant été traitée moyennant
un procédé selon l'une des revendications 1 à 6 ou 8, et l'étape de scellement (ii)
effectuée au cours dudit procédé étant réalisée en utilisant un revêtement sol-gel,
le revêtement sol-gel étant cuit après l'application pour obtenir un revêtement vitrocéramique.