(19)
(11) EP 2 645 050 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
09.05.2018  Patentblatt  2018/19

(21) Anmeldenummer: 13001460.8

(22) Anmeldetag:  21.03.2013
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
F42C 19/08(2006.01)
F42B 35/00(2006.01)

(54)

Verfahren und Vorrichtung zur Messung des Verlaufs einer Deflagrationsfront in einem zylindrischen Gefechtskopf mit wenigstens zwei Zündeinrichtungen

Method and apparatus for measuring the course of a deflagration front in a cylindrical warhead with at least two ignition devices

Procédé et dispositif de mesure du déroulement d'un front de déflagration dans une tête militaire cylindrique avec au moins deux dispositifs d'allumage


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR

(30) Priorität: 27.03.2012 DE 102012006044

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
02.10.2013  Patentblatt  2013/40

(73) Patentinhaber: TDW Gesellschaft für verteidigungstechnische Wirksysteme mbH
86529 Schrobenhausen (DE)

(72) Erfinder:
  • Graswald, Markus
    85051 Ingolstadt (DE)

(74) Vertreter: Isarpatent 
Patent- und Rechtsanwälte Behnisch Barth Charles Hassa Peckmann & Partner mbB Friedrichstrasse 31
80801 München
80801 München (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
EP-A2- 2 239 536
DE-C2- 10 008 914
US-A- 4 815 385
DE-A1- 10 227 002
US-A- 3 392 524
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und Vorrichtung zur Messung des Verlaufs einer Deflagrationsfront in einem zylindrischen Gefechtskopf mit wenigstens zwei sich gegenüber liegenden Zündeinrichtungen und einer Sprengladung.

    [0002] In der US 4,815,385, welche eine Basis für den Oberbegriff der unabhängigen Ansprüche bildet, ist eine Blastladung beschrieben, die zwei gegenüber liegende Zündstellen aufweist. In einem bestimmten Abstand zu den Zündstellen ist jeweils eine Ionisationssonde angeordnet, mit deren Hilfe ausschließlich das Vorbeilaufen der Detonationsfront detektiert wird. Eine weitere Auswertung ist nicht beschrieben.

    [0003] Die FR 2 775 770 zeigt eine Wirkladung mit zwei gegenüber liegenden Zündstellen. Diese sind mittels einer parallel zur Hauptachse der Ladung angeordneten und gegebenenfalls verzögernd wirkenden Zündleitung verbunden. Diese weist jedoch keine messtechnischen Eigenschaften auf.

    [0004] Aus der DE 199 61 204 A1 ist eine Zündeinrichtung für einen zylindrischen Gefechtskopf bekannt geworden, die neben einer ersten Zündeinrichtung zur detonativen Auslösung der Sprengladung noch eine weitere Zündeinrichtung zur gesteuerten Deflagration der Sprengladung aufweist. Die beiden Zündeinrichtungen sind etwa auf der Längsachse der Sprengladung gegenüberliegend angeordnet. Mittels geeigneter Wahl der Zündzeitpunkte der beiden Zündeinrichtungen ist eine nahezu beliebige Einstellung des deflagrierenden Anteils der Sprengladung möglich. Daraus ergibt sich eine Einstellbarkeit der Leistungsabgabe des Gefechtskopfes zwischen 0 und 100%.

    [0005] Eine Variante hierzu zeigt die DE 102 27 002 A1, wobei die deflagrativ wirksame weitere Ladung als eine projektilbildende Ladung ausgeführt ist. Die EP 2 239 536 A2 beschreibt eine zylindrische Wirkladung, bei der sowohl die Splitterform als auch die von der Wirkladung abgegebene Leistung in weiten Grenzen einstellbar ist.

    [0006] Eine Messung des Verlaufs der Deflagrationsfront ist jedoch bei allen Dokumenten nicht vorgesehen.

    [0007] Die genannten Einrichtungen haben sich bewährt, jedoch ergibt sich in der Praxis der Wunsch, die relative zeitliche Lage der beiden Zündzeitpunkte nicht nur nach festen Vorgaben einstellen zu können.

    [0008] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine nach diesem Verfahren arbeitende Vorrichtung zur Messung des Verlaufs der Deflagrationsfront in der Sprengladung zu entwickeln, welche aufgrund Kenntnis des jeweiligen tatsächlichen Orts der Deflagrationsfront eine präzisere Ermittlung des Zündzeitpunkts der weiteren Zündeinrichtung ermöglicht.

    [0009] Diese Aufgabe wird überraschend einfach durch das gemäß der Erfindung vorgeschlagenen Verfahrens zur Messung des Verlaufs einer Deflagrationsfront in einem zylindrischen Gefechtskopf mit wenigstens zwei an den durch die Längsachse definierten Enden des Gefechtskopfes sich gegenüber liegenden Zündeinrichtungen und einer Sprengladung gelöst das dadurch gekennzeichnet ist, dass mittels wenigstens einer etwa parallel zur Längsachse des Gefechtskopfes angeordneten Messvorrichtung die aktuelle Position einer von einer ersten Zündstelle ausgehenden Deflagrationsfront gemessen wird und das Ergebnis der Messung aktuell zur Ermittlung des Zündzeitpunkts einer zweiten Zündstelle in einer Zündsignalverarbeitung ausgewertet wird.

    [0010] Die Aufgabe wird darüber hinaus in einfacher Weise durch die gemäß der Erfindung vorgeschlagene Vorrichtung zur Messung des Verlaufs einer Deflagrationsfront in einem zylindrischen Gefechtskopf mit wenigstens zwei an den durch die Längsachse definierten Enden des Gefechtskopfes sich gegenüber liegenden Zündeinrichtungen und einer Sprengladung gelöst, die dadurch gekennzeichnet ist, dass mittels wenigstens einer etwa parallel zur Längsachse des Gefechtskopfes angeordneten Messvorrichtung die aktuelle Position einer von einer ersten Zündstelle ausgehenden Deflagrationsfront gemessen wird und das Ergebnis der Messung aktuell zur Ermittlung des Zündzeitpunkts einer zweiten Zündstelle in einer Zündsignalverarbeitung ausgewertet wird.

    [0011] Eine Ausgestaltung der Erfindung ergibt sich dadurch, dass die Messvorrichtung aus einer koaxialen Anordnung eines leitfähigen Rohres und eines darin über seine gesamte Länge isoliert angeordneten Widerstandsdrahts besteht, wobei das der Zündeinrichtung Z2 nähere Ende des Widerstandsdrahts und das Rohr mit der Zündsignalverarbeitung verbunden sind.

    [0012] Eine weitere Ausgestaltung besteht darin, dass die Messvorrichtung aus einem Lichtwellenleiter und einer an diesem angeordneten Fotodiode besteht, wobei die Fotodiode mit der Zündsignalverarbeitung verbunden ist.

    [0013] Der besondere Vorteil des Verfahrens und der hierfür vorgeschlagenen Vorrichtungen zur Durchführung des Verfahrens liegen darin begründet, dass unabhängig von der Art der für die Deflagration verwendeten Einrichtung jeweils eine aktuelle kontinuierlichen Messung des Verlaufs der Deflagration oder auch einer Detonation durchgeführt werden kann, deren Ergebnis dann den Zündzeitpunkt der weiteren Zündeinrichtung beeinflusst.

    [0014] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung schematisch vereinfacht dargestellt und wird im Folgenden näher beschrieben, ohne dass dadurch die Erfindung ausschließlich auf dieses Beispiel beschränkt wäre.

    [0015] Die einzige Figur der Zeichnung zeigt einen vereinfachten Längsschnitt durch einen Gefechtskopf G. Dieser weist einen geschlossenen Mantel M auf, dessen Innenraum mit der Sprengladung S befüllt ist. An den durch die Längsachse L definierten Enden des Gefechtskopfes G sind gegenüber liegend eine erste Zündeinrichtung Z1 und eine weitere Zündeinrichtung Z2 angeordnet.

    [0016] Im Ausführungsbeispiel ist die erste Zündeinrichtung Z1 zur Auslösung eines deflagrativen Abbrandes der Sprengladung S vorgesehen. Dazu wird mittels der Zündeinrichtung Z1 eine zentral in der Sprengladung S gelagerte Sprengschnur SPS initiiert. Deren Abbrand löst eine Deflagrationsfront D aus, die sich im Beispiel von der Zündeinrichtung Z1 weg in Richtung der weiteren Zündeinrichtung Z2 bewegt.

    [0017] Die jeweils aktuelle Lage dieser Deflagrationsfront wird von der erfindungsgemäß vorgeschlagenen Messvorrichtung MV erfasst und an die Zündsignalverarbeitung Z weitergeleitet, welche dann den Zündzeitpunkt der weiteren Zündeinrichtung ermittelt.

    [0018] Eine mögliche Ausführungsform der Messvorrichtung besteht darin, dass in einem dünnwandigen Metallröhrchen, welches parallel zur Längsachse L des

    [0019] Gefechtskopfes G in der Sprengladung S, beispielsweise in der Nähe des Mantels M, angeordnet ist, ein Widerstandsdraht über seine gesamte Länge isoliert angeordnet. An dem der ersten Zündeinrichtung näher liegenden Ende ist das Röhrchen mit dem Widerstandsdraht kurzgeschlossen. Im Ruhezustand lässt sich somit ein definierter Widerstand am anderen Ende des Röhrchens messen. Die Messvorrichtung MV reagiert nach der Initiierung der Zündeinrichtung Z1 auf die deflagrative Reaktion der Sprengladung S und dem sich daraus ergebenden mitlaufenden Kurzschluss des Röhrchens mit einem messbaren Abfall des Widerstandes. Dieser kann nun in der Zündsignalverarbeitung Z zur Ermittelung des Zündzeitpunkts der Zündeinrichtung Z2 verwendet werden.

    [0020] Eine denkbare Alternativlösung, die jedoch nicht andere gleich wirkende Lösungen ausschließt, ist die Verwendung eines Lichtwellenleiters anstelle des Röhrchens. Eine am Ende des Lichtwellenleiters montierte Fotodiode detektiert die Flammenfront der Deflagrationsfront D, deren Signal dann wiederum zur Ermittelung des Zündzeitpunkts der Zündeinrichtung Z2 ausgewertet wird.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Messung des Verlaufs einer Deflagrationsfront in einem zylindrischen Gefechtskopf mit wenigstens zwei an den durch die Längsachse (L) definierten Enden des Gefechtskopfes sich gegenüber liegenden Zündeinrichtungen und einer Sprengladung, dadurch gekennzeichnet, dass mittels wenigstens einer etwa parallel zur Längsachse (L) des Gefechtskopfes angeordneten Messvorrichtung (MV) die aktuelle Position einer von einer ersten Zündstelle (Z1) ausgehenden Deflagrationsfront (D) gemessen wird und das Ergebnis der Messung aktuell zur Ermittlung des Zündzeitpunkts einer zweiten Zündstelle (Z2) in einer Zündsignalverarbeitung (Z) ausgewertet wird.
     
    2. Vorrichtung zur Messung des Verlaufs einer Deflagrationsfront in einem zylindrischen Gefechtskopf mit wenigstens zwei an den durch die Längsachse (L) definierten Enden des Gefechtskopfes sich gegenüber liegenden Zündeinrichtungen und einer Sprengladung, dadurch gekennzeichnet, dass mittels wenigstens einer etwa parallel zur Längsachse (L) des Gefechtskopfes angeordneten Messvorrichtung (MV) die aktuelle Position einer von einer ersten Zündstelle (Z1) ausgehenden Deflagrationsfront (D) gemessen wird und das Ergebnis der Messung aktuell zur Ermittlung des Zündzeitpunkts (Z2) einer zweiten Zündstelle in einer Zündsignalverarbeitung (Z) ausgewertet wird.
     
    3. Vorrichtung zur Messung des Verlaufs einer Deflagrationsfront nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Messvorrichtung (MV) aus einer koaxialen Anordnung eines leitfähigen Rohres und eines darin über seine gesamte Länge isoliert angeordneten Widerstandsdrahts besteht, wobei das der Zündeinrichtung Z2 nähere Ende des Widerstandsdrahts und das Rohr mit der Zündsignalverarbeitung (Z) verbunden sind.
     
    4. Vorrichtung zur Messung des Verlaufs einer Deflagrationsfront nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Messvorrichtung aus einem Lichtwellenleiter und einer an diesem angeordneten Fotodiode besteht, wobei die Fotodiode mit der Zündsignalverarbeitung (Z) verbunden ist.
     


    Claims

    1. Method for measuring the progression of a deflagration front in a cylindrical warhead comprising at least two ignition means, positioned opposite one another at the ends of the warhead which are defined by the longitudinal axis (L), and an explosive charge, characterised in that, by means of at least one measurement device (MV) arranged approximately parallel to the longitudinal axis (L) of the warhead, the current position of a deflagration front (D) proceeding from a first ignition point (Z1) is measured, and the result of the measurement is evaluated in an ongoing manner to determine the time of ignition of a second ignition point (Z2) in an ignition signal processing system (Z).
     
    2. Device for measuring the progression of a deflagration front in a cylindrical warhead comprising at least two ignition means, positioned opposite one another at the ends of the warhead which are defined by the longitudinal axis (L), and an explosive charge, characterised in that, by means of at least one measurement device (MV) arranged approximately parallel to the longitudinal axis (L) of the warhead, the current position of a deflagration front (D) proceeding from a first ignition point (Z1) is measured, and the result of the measurement is evaluated in an ongoing manner to determine the time of ignition of a second ignition point (Z2) in an ignition signal processing system (Z).
     
    3. Device for measuring the progression of a deflagration front according to claim 2, characterised in that the measurement device (MV) consists of a coaxial arrangement of a conductive tube and a resistance wire arranged therein so as to be insulated over the entire length thereof, both the end of the resistance wire closer to the ignition means (Z2) and the pipe being connected to the ignition signal processing system (Z).
     
    4. Device for measuring the progression of a deflagration front according to claim 2, characterised in that the measurement device consists of an optical fibre and a photodiode arranged thereon, the photodiode being connected to the ignition signal processing system (Z).
     


    Revendications

    1. Procédé de mesure du déroulement d'un front de déflagration dans une tête militaire cylindrique avec au moins deux dispositifs d'allumage mutuellement opposés aux extrémités de la tête militaire définies par l'axe longitudinal (L) et une charge explosive, caractérisé en ce que la position actuelle d'un front de déflagration (D) partant d'un premier point d'allumage (Z1) est mesurée au moyen d'au moins un dispositif de mesure (MV) disposé approximativement parallèlement à l'axe longitudinal (L) de la tête militaire et le résultat de la mesure est évalué de manière actuelle dans un traitement des signaux d'allumage (Z) pour déterminer le moment d'allumage d'un second point d'allumage (22) .
     
    2. Dispositif de mesure du déroulement d'un front de déflagration dans une tête militaire cylindrique avec au moins deux dispositifs d'allumage mutuellement opposés aux extrémités de la tête militaire définies par l'axe longitudinal (L) et une charge explosive, caractérisé en ce que la position actuelle d'un front de déflagration (D) partant d'un premier point d'allumage (Z1) est mesurée au moyen d'au moins un dispositif de mesure (MV) disposé approximativement parallèlement à l'axe longitudinal (L) de la tête militaire et le résultat de la mesure est évalué de manière actuelle dans un traitement des signaux d'allumage (Z) pour déterminer le moment d'allumage d'un second point d'allumage (Z2).
     
    3. Dispositif de mesure du déroulement d'un front de déflagration selon la revendication 2, caractérisé en ce que le dispositif de mesure (MV) est constitué d'un agencement coaxial d'un tube conducteur et d'un fil de résistance disposé dans celui-ci isolé sur toute sa longueur, l'extrémité du fil de résistance la plus proche du dispositif d'allumage (Z2) et le tube étant reliés au traitement des signaux d'allumage (Z).
     
    4. Dispositif de mesure du déroulement d'un front de déflagration selon la revendication 2, caractérisé en ce que le dispositif de mesure est constitué d'un guide d'ondes optiques et d'une photodiode disposée sur celui-ci, la photodiode étant reliée au traitement des signaux d'allumage (Z).
     




    Zeichnung








    Angeführte Verweise

    IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



    Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

    In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente