[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Kunststofffenstern.
[0002] Kunststofffenster werden im Wesentlichen wie folgt hergestellt:
Eingesetzt wird eine Kunststoffmasse, die durch Einbringen von Pigmenten, wie beispielsweise
Titandioxid, durchgefärbt ist und dann in die entsprechende Form gebracht wird. Um
eine gleichmäßige Verteilung des Pigments zu erreichen, werden Dispergierhilfsmittel
als Additive zugesetzt. Um eine besonders glatte Oberfläche zu erzielen, müssen dem
Kunststoff verschiedene weitere Additive zugesetzt werden. Bei der Verarbeitung werden
Gleitmittel benötigt. Auch zur Verbesserung der Bewitterungseigenschaften sind weitere
Additive notwendig. Auf diese Weise kann aber aufgrund der notwendigen Pigmente nur
eine begrenzte Farbauswahl hergestellt werden. Daher ist es üblich, die sichtbaren
Bereiche der Fenster mit Dekorfolien zu ummanteln.
[0003] Solche Dekorfolien können ganz unterschiedliche gestalterische Möglichkeiten eröffnen,
beispielsweise den Eindruck von Holzfenstern oder dunkleren Farben. Problematisch
hierbei ist, dass die Folien auf den Kunststoffmaterialien schlecht haften. Ursächlich
hierfür ist insbesondere die Anwesenheit von Additiven und Gleitmitteln.
[0004] Um diese Probleme zu verringern, müssen die zu ummantelnden Bereiche intensiv gereinigt
werden, was auf Grund der Verwendung von Lösungsmitteln unter Umweltaspekten und Arbeitssicherheitsaspekten
nicht wünschenswert ist. Auf der anderen Seite kann auf das Durchfärben der Kunststoffe
nicht verzichtet werden, da die Bereiche, die nicht von der Folie ummantelt werden
können, insbesondere in dem Bereich des Fensters, der beim Schließen nicht sichtbar
ist, nicht hinreichend eben sind, um beklebt zu werden. Wird der Kunststoff jedoch
nicht durchgefärbt, sind die nicht ummantelten Bereiche optisch wenig ansprechend.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, ein Verfahren zur Herstellung von Kunststofffenstern
bereitzustellen, das zumindest einige der Nachteile des Standes der Technik überwinden
kann.
[0006] Gelöst wird die Aufgabe durch ein Verfahren zur Herstellung von Kunststofffenstern
umfassend die Schritte:
- Bereitstellen eines Kunststoffflügels und eines Kunststoffrahmens umfassend jeweils
Sichtbereiche und Nicht-Sichtbereiche
- Lackieren der Nicht-Sichtbereiche
- Montage einer Dekorfolie in den Sichtbereichen.
[0007] Erfindungsgemäß umfasst das Kunststofffenster einen beweglichen Teil, der als Kunststoffflügel
bezeichnet wird, und einen ebenfalls aus Kunststoff gefertigten Rahmen, der mit einer
Wand verbunden wird. Kunststoffflügel und Kunststoffrahmen sind zueinander beweglich,
beispielsweise in Form von Drehfenstern, Drehkippfenstern, Kippfenstern, Schiebefenstern,
etc.
[0008] Durch die Beweglichkeit gibt es Bereiche, die in einem geschlossenen Zustand nicht
sichtbar sind und Bereiche, die unabhängig vom Zustand des Fensters sichtbar sind.
[0009] Der Sichtbereich eines Fensters ist somit der Bereich der Oberfläche des Kunststofffensters,
der unabhängig von der Bewegung des Fensters sichtbar ist. Die verbleibenden Bereiche
sind die Nicht-Sichtbereiche der Oberfläche des Kunststofffensters.
[0010] Als Materialien für die Herstellung des Kunststoffflügels oder des Kunststoffrahmens
hat sich insbesondere Polyvinylchlorid (PVC) als geeignet erwiesen. Das PVC kann mit
weiteren Kunststoffen oder organische bzw. anorganischen Füllstoffen gefüllt sein.
[0011] Da erfindungsgemäß auf den Zusatz von Additiven verzichtet werden kann, umfasst das
Kunststofffenster nur ein geringen oder keinen Anteil an Additiven, sondern besteht
im Wesentlichen aus einem Polymer und gegebenenfalls Polymer-füllenden Füllstoffen.
Der Anteil an Additiven liegt bevorzugt < 5 Gew.-%, noch mehr bevorzugt < 1 Gew.-%.
[0012] Die Dispergierhilfsmittel, die üblicherweise verwendet werden, neigen dazu, aus dem
Polymer heraus zu wandern, insbesondere unter UV-Einwirkung. Damit beeinträchtigen
sie in einer klassischen Anwendung die Haftung zwischen Kunststoff und Lack. Dies
wird durch das erfindungsgemäße Verfahren vermieden. Im Gegensatz hierzu sind die
Nichtsichtbereiche nicht dauerhaft dem Wetter ausgesetzt und daher weniger empfindlich.
Da erfindungsgemäß kein Pigment verwendet werden muss, kann insbesondere auf die Dispergierhilfsmittel
verzichtet werden.
[0013] Die Nichtsichtbereiche werden erfindungsgemäß mit einem Lack beschichtet. UV-Lacke
und Zweikomponentenlacke, sowohl wasser- als auch lösemittelbasiert haben sich dabei
als geeignet erwiesen.
[0014] Auf den Sichtbereichen werden Dekorfolien montiert. Typische Dekorfolien bestehen
aus PVC. Die Dekorfolien werden typisch Mittels eines Klebstoffes montiert. Hierbei
haben sich beispielsweise Schmelzkleber auf Basis von Polyamiden, Polyethylen oder
Polyurethan als geeignet erwiesen.
[0015] Erfindungsgemäß kann auf den sonst üblichen lösemittelhaltigen Reinigungsschritt
der Kunststoffoberfläche verzichtet werden, bevor die Montage der Dekorfolie erfolgt.
Trotzdem werden hervorragende Haftwerte erzielt.
[0016] Gegenstand der Erfindung ist auch ein Kunststofffenster umfassend einen Kunststoffflügel
und eine Kunststoffrahmen, die jeweils Sichtbereiche und Nicht-Sichtbereiche aufweisen,
wobei die Nicht-Sichtbereiche lackiert sind und die Sichtbereiche mit einer Dekorfolie
versehen sind.
Figuren
[0017]
Figur 1 zeigt einen Querschnitt durch ein geschlossenes Fenster.
Figur 2 zeigt das Fenster im geöffneten Zustand.
[0018] Markiert sind beispielhaft einige Sichtbereiche 1 und Nicht-Sichtbereiche 2.
Beispiel
[0019] Ein PVC Material ohne Zusatz von färbenden Pigmenten mit einem geringen Anteil an
Verarbeitungshilfsmittel (< 1 Gew.-%) wurde zu Profilen stranggepresst und zu Fensterrahmen
bzw. Fensterflügeln montiert.
[0020] Die bei geschlossenem Fenster nicht sichtbaren Flächen wurden mit einem Primer behandelt
und holzfarben lackiert. Die großen Sichtflächen sowohl des Rahmens als auch des Flügels
wurden mit einer holzfarbenen Dekorfolie, die eine holztypische Maserung als Motiv
trug, beklebt. Aufgrund der geringen Additivanteile zeigten sowohl der Lack als auch
die Dekorfolie gute Haftwerte und hervorragende Alterungsbeständigkeit in einem simulierten
Alterungstest.
1. Verfahren zur Herstellung von Kunststofffenstern umfassend die Schritte:
- Bereitstellen eines Kunststoffflügels und eines Kunststoffrahmens umfassend jeweils
Sichtbereiche und Nicht-Sichtbereiche
- Lackieren der Nicht-Sichtbereiche
- Montage einer Dekorfolie in den Sichtbereichen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Kunststoffflügel oder der Kunststoffrahmen einen
Kunststoff umfasst, der ausgewählt wird aus Polyvinylchlorid und PVC mit organischen
oder anorganischen Füllstoffen.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 2, wobei das Lackieren mit einem Lack erfolgt,
der ausgewählt wird aus UV-Lacken und Zweikomponentenlacken, die wasserbasierend oder
lösemittelbasierend sein können.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei das Material der Dekorfolie ausgewählt
wird aus PVC.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet ist, dass die Montage durch Kleben erfolgt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, wobei das Kleben mittels eines Klebstoffs ausgewählt aus
Thermoklebstoffen auf Basis von Polyamiden, Polyethylenen oder Polyurethanen erfolgt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, bei der Kunststoff <1 Gew.-% anorganische
Pigmente erhält.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei der Kunststoff <1 Gew.-% Dispergierhilfsmittel
enthält.
9. Kunststofffenster umfassend einen Kunststoffflügel und eine Kunststoffrahmen, die
jeweils Sichtbereiche und Nicht-Sichtbereiche aufweisen, wobei die Nicht-Sichtbereiche
lackiert sind und die Sichtbereiche mit einer Dekorfolie versehen sind.