Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Entschichten von keramischen Hartstoffschichten
von Stahl- und Hartmetall-Substraten, nämlich von Stahl- und Hartmetall-Substraten,
die auf einem Teil ihrer Oberfläche eine keramische Hartstoffschicht aufweisen. Weiterhin
betrifft die Erfindung für das Verfahren geeignete Halterungen.
Stand der Technik
[0002] Hartmetall-Werkzeuge finden unter anderem Verwendung in der Werkzeugindustrie und
bestehen in der Regel aus Wolfram-Carbidkörner und Cobalt als Matrix. Um eine Verbesserung
der Oberflächeneigenschaften zu erzielen, werden diese Werkzeuge je nach Anwendungszweck
mit einer Hartstoffschicht, wie z. B. Titannitrid oder Chromnitrid, durch Vakuumbeschichtungsverfahren
beschichtet. Hartstoffschichten können je nach Anwendungszweck des Werkzeuges als
einzelne Schicht oder als Multilayer vorliegen und beinhalten mindestens eins der
chemischen Elemente Al, Ti, Cr, Si, wobei es sich um Oxide, Nitride, Carbide oder
Mischverbindungen, z.B. Carbonitride handelt. Man bezeichnet diese Hartstoffschichten
auch als keramische Schichten.
[0003] Ein Entschichten der Hartstoffschicht, nämlich einer keramischer Schicht, wird notwendig,
wenn das Werkzeug nach dem Gebrauch und Nachschleifen wieder verwendet werden soll
oder eine fehlerhafte Beschichtung von dem Werkzeug zu entfernen ist. Die Schwierigkeit
beim der Entschichten besteht einerseits in den unterschiedlichen aufgebrachten Materialien,
welche in einer Hartstoffschicht zum Einsatz kommen oder ob Multilagen oder Einzelschichten
vorliegen und andererseits in der chemischen Unbeständigkeit des Hartmetalls an sich.
Werkzeuge aus Schnellarbeitsstahl werden mit den gleichen Hartstoffschichtmaterialien
beschichtet wie Hartmetall-Werkzeuge. Sie sind jedoch in der Herstellung günstiger
und lassen sich auf Grund ihrer chemischen Beständigkeit leichter Entschichten als
Hartmetall-Werkzeuge.
[0004] Die Entschichtungsprozesse werden nach Gruppen unterschiedlicher Hartstoffschichten
unterteilt, wobei eine erste Gruppe Ti und Al basierende Schichten auf Hartmetallwerkzeugen
und Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen umfasst, z. B. TiN, TiCN, TiAIN, AlTiN, TiAlN/SiN,
vorliegend als Monoblock-Schicht, Gradient-Schicht oder Multilagen-Schicht. Üblich
ist hier ein Entschichtungsverfahren, welches auf dem nasschemischen Entfernen von
Hartstoffschichten unter Verwendung von komplex zusammengesetzter Wasserstoffperoxidlösungen
basiert, wobei typischerweise das Hartmetallwerkzeug durch das Anlegen einer Schutzspannung
geschützt wird. Die Entschichtungszeit liegt ausgehend von einer 2 µm dicken, Monoblock
Hartstoffschicht zwischen 4 - 24 h und ist damit sehr lang. Ebenso ist der Verbrauch
der Chemikalien, die bei diesen sehr langen Entschichtungszeiten ständig erneuert
werden müssen, sehr hoch. Bei komplexen Schichtsystemen, wie beispielsweise AITiCrN
versagt dieses Verfahren. Ein Entschichten ist nicht mehr möglich.
[0005] Bei Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen wird ebenfalls eine nasschemische Entfernung von
Hartstoffschichten unter Verwendung von komplex zusammengesetzten Wasserstoffperoxidlösungen
durchgeführt, jedoch ohne Anwendung von Schutzspannung auf dem Werkzeug, dafür unter
erhöhter Temperatur. Die Entschichtungszeit liegt ausgehend von einer 2 µm dicken,
Monoblock Hartstoffschicht zwischen 1- 4 h.
[0006] Eine zweite Gruppe umfasst Cr basierende Schichten auf Hartmetallwerkzeugen und Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen,
z. B. CrN, AlCrN. Üblich ist hier ein Entschichtungsverfahren für beide Werkzeugtypen,
welches auf dem nasschemischen Einsatz eines Gemisches aus Permanganatlösung und Lauge
beruht. Der Chemikalienverbrauch ist hier gering und die Entschichtungszeiten von
einer 2 µm dicken Hartstoffschicht, welche bei 1 Stunde liegt, ist relativ kurz.
[0007] Eine dritte Gruppe umfasst CrTi basierende Schichten auf Hartmetallwerkzeugen und
Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen, z. B. CrTiN, AlTiCrN. Für diese hoch komplex aufgebauten
Hartstoffschichtsysteme sind keine chemischen Entschichtungsmöglichkeiten auf Hartmetall-Werkzeugen
bekannt. Derart beschichtete Werkzeuge mussten mittels mechanischer Verfahren entschichtet
werden und der Aufwand ist hierfür sehr hoch.
[0008] Das Entschichten von Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen basiert auf einem elektrochemischen
Verfahren, welches als Elektrolyten eine komplex zusammengesetzte basische Peroxidlösung
aufweist. Die Chemikalien sind beim Entschichten schnell verbraucht und damit wird
der Aufwand sehr hoch. Bei einigen Varianten der AlTiCrN- Hartstoffschicht versagt
hier aber das Verfahren.
[0009] Weitere auf dem Markt zugängliche Entschichtungsprozesse arbeiten ebenso im nasschemischen
Bereich und zeigten bezüglich der Angreifbarkeit des Hartmetall-Werkzeuges gute Resultate
bei den Hartstoff-Schichtsystemen der 1. und 2. Gruppe. Jedoch war auch die Entschichtungszeit
unangemessen hoch.
Im Bereich des Entschichtens der ersten und zweiten Gruppe von Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen
sind die bekannten Prozesse teilweise ähnlich aufgebaut wie das oben erwähnte Verfahren.
[0010] Mit den bekannten Entschichtungsprozessen müssen bei den Hartstoff-Schichtsystemen
der dritten Gruppe, wenn sie überhaupt einsetzbar sind, nur sehr langsame Entschichtungszeiten
auf Hartmetall-Werkzeugen von wesentlich mehr als 24 h in Kauf genommen werden.
[0011] In der nachstehenden Tabelle sind die bekannten und in der Industriepraxis verwendeten
Hartstoffschichten nach Gruppen und Haftvermittlungsschicht in einem Überblick aufgeführt.

[0012] Ein Verfahren zum Entschichten von Hartmetallwerkzeugen ist aus der
WO 99/54528 A1 bekannt, welches das Absprengen einer Hartstoffschicht vom Hartmetallwerkzeug ermöglicht.
Dabei wird auf dem Hartmetallwerkzeug elektrolytisch eine Wolframoxidschicht gebildet,
die anschliessend in einer mechanischen Nachbehandlung entfernt werden muss. Dieses
Verfahren ist sehr schnell, da es Entschichtungszeiten der ersten und zweiten Gruppe
unter 30 min verspricht. Nachteilig ist hier die Notwendigkeit einer mechanischen
Nachbehandlung der gebildeten Wolframoxidschicht.
[0013] Aus der
WO 2003/085 174 A2 ist ein Verfahren bekannt, welches Oberflächenbereiche mittels gepulsten Strom von
Bauteilen entfernt. Als Bauteil wird beispielhaft eine Turbinenschaufel angegeben,
welche aus einer Nickel-Cobalt-Superlegierung besteht. Die zu entfernende Schicht
ist metallisch mit insbesondere der Zusammensetzung MCrAIY, wobei M für ein Element
aus der Gruppe Eisen, Kobalt oder Nickel steht. Für ein Entschichten von keramischen
Schichten von Werkstücken, nämlich von Stahl- und Hartmetall-Substraten, die auf einem
Teil ihrer Oberfläche eine keramische Hartstoffschicht aufweisen, ist das aus der
WO 2003/085 174 A2 bekannte Verfahren in der dort offenbarten Form nicht geeignet.
Darstellung der Erfindung
[0014] Die vorliegende Erfindung setzt sich zur Aufgabe, ein Verfahren zum Entschichten
vorzuschlagen, welches Hartstoffschichten der ersten Gruppe schneller und einfacher
von Hartmetall-Werkzeugen entfernt, Hartstoffschichten der zweiten Gruppe von Hartmetall-
und Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen gleichwohl zu entschichten vermag, und Hartstoffschichten
der dritten Gruppe, die bislang nicht oder nur teilweise chemisch entfernt werden
können, ebenso schnell und einfach auf Hartmetall- sowie Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen
entschichten kann.
[0015] Die Aufgabe der Erfindung wird durch ein Verfahren nach Anspruch 1 gelöst. Die Massnahmen
der Erfindung haben zunächst einmal zur Folge, dass für keramisch beschichtete Hartmetall-Werkstücke
und für Werkstücke mit einer keramischen Hartstoffschicht ein Verfahren zur Verfügung
gestellt wird, welches bis zu einer Haftschicht oder bis zur Hartmetallschicht die
keramische Schicht entfernt. Dadurch bleibt das Werkstück, insbesondere in dem Bereich,
in dem sich keine keramische Schicht befindet, vom chemischen Angriff verschont. Gemäss
der vorliegenden Erfindung wird allenfalls erst in einem zweiten Schritt diese sehr
dünne Haftvermittlungsschicht entfernt, nämlich - wie bekannt und üblich - mit peroxidischen
Lösungen unter Schutzspannung am Werkzeug.
[0016] Da die Entschichtungszeit im Verfahrensschritt gemäss der vorliegenden Erfindung
im Minutenbereich und im zweiten, herkömmlichen Schritt aufgrund der sehr dünnen Haftschicht
ebenfalls im Minutenbereich liegt, findet kein Angriff mehr auf dem Hartmetall statt.
Damit wird der Nachteil des Verfahrens aus der
WO 2003/085 174 A2 behoben, dass das Werkstück in dem Bereich, in dem sich keine zu entschichtende Oberflächenschicht
befindet, angegriffen würde.
[0017] Bei Hartstoffschichtsystemen der ersten und der dritten Gruppe ohne eine TiN-Haftvermittlungsschicht
wird das Verfahren gemäss der vorliegenden Erfindung zu schnellen Entschichtungszeiten
führen, jedoch wird das Hartmetall hier angegriffen und muss über mechanische Methoden,
wie Nachschleifen, Aufpolieren oder Mikrostrahlen nachbehandelt werden. Für Schnellarbeitsstahl-Werkzeuge
ist das Verfahren gemäss der vorliegenden Erfindung für keramische Hartstoffschichten
der zweiten und dritten Gruppe vorgesehen. Liegt eine Haftvermittlungsschicht aus
TiN vor, so wird bis zu dieser mit dem neuen Verfahren entschichtet und in einem zweiten
Schritt mit üblichen Methoden, diese sehr dünne Haftvermittlungsschicht entfernt.
Dies geschieht mit peroxidischen Lösungen unter erhöhter Temperatur. Liegt keine Haftvermittlungsschicht
aus TiN vor, so wird mit dem Verfahren vollständig entschichtet. Es empfiehlt sich
aber in einem weiteren Schritt ein nach Stand der Technik übliches peroxidisches Entschichtungsbad
unter erhöhter Temperatur einzusetzen, um Verfärbungen, die während dem Einsatz des
neuen Verfahrens entstehen können, zu entfernen.
[0018] Vorteilhaft ist es, wenn die Endpunkterkennung dadurch durchgeführt wird, dass die
Spannung gemessen oder bestimmt wird, die zum Erreichen eines bestimmten Stromes benötigt
wird, nach einem Beobachten eines Absinken der Spannung die Spannung wieder ihren
ursprünglichen Wert erreicht.
[0019] Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Werkstücke in eine Halterung gesteckt werden,
die so ausgebildet ist, dass sie Werkstücke mit unterschiedlichen Durchmessern aufzunehmen
vermag, sie dabei zu kontaktieren und gleichzeitig die unbeschichteten Werkstoffoberflächen
vor Angriff zu schützen, um sie dann im gepulsten Verfahren zu entschichten.
[0020] Als geeignete und vorteilhafte Elektrolyte haben sich 2 bis 50 %ige Mineralsäuren
mit einem pH-Wert 0.5 bis -1.1, vorzugsweise 5 bis 25 %ige Salpetersäure mit einem
pH-Wert von 0.09 bis -0.7 und einer Stoffmengenkonzentration c= 0.81 mol/dm
3 bis 4.54 und höchst vorzugsweise 8 bis 15 %ige Salpetersäure mit einem pH-Wert -0.12
bis -0.41und einer Stoffmengenkonzentration c= 1.32 mol/dm
3 bis 2.58 als saurer Elektrolyt und eine Lösung von 1 L Wasser, 10 ml bis 500 ml einer
50%igen Lauge mit einem pH-Wert 13.1 bis 14.8 und einer Stoffmengenkonzentration c=
0.14 mol/dm
3 bis 6.9, vorzugsweise 20 ml bis 100 ml einer 50%igen Lauge mit einem pH-Wert 13.4
bis 14.1 und einer Stoffmengenkonzentration c= 0.27 mol/dm
3bis 1.36 und höchst vorzugsweise 30 ml bis 80 ml einer 50%igen KOH mit einem pH-Wert
13.6 bis 14.0 und einer Stoffmengenkonzentration c= 0.405 mol/dm
3 bis 1.0 und 4 g bis 55 g eines Oxidationsmittels, vorzugsweise 10 g bis 35 g eines
Permanganats mit einer Stoffmengenkonzentration c= 0.06 mol/dm
3 bis 0.23 und höchst vorzugsweise 15 g bis 25 g Kaliumpermanganat mit einer Stoffmengenkonzentration
c= 0.095 mol/dm
3 bis 0.158 als basischer Elektrolyt herausgestellt.
[0021] Bei einen sauren Elektrolyt ist es vorteilhaft, wenn die Spannungsquelle einen Strom
von 10 A bis 50 A, vorzugsweise 20 A bis 40 A und höchst vorzugsweise 26 A bis 35
A, stromgesteuert gepulst, vorzugsweise unipolar und höchst vorzugsweise unipolar
mit einer rechteckigen Pulsform mit einer Frequenz von 1 Hz bis 40 Hz, vorzugsweise
2 Hz bis 20 Hz und höchst vorzugsweise 3 Hz bis 8 Hz und einem Tastverhältnis (Duty
Cycle) von grösser 25 % , vorzugsweise grösser 50 % und höchst vorzugsweise grösser
75 % liefert.
[0022] Dagegen ist es bei einem basischen Elektrolyt vorteilhaft, wenn die Spannungsquelle
einen Strom von 50 A bis 200 A, vorzugsweise 80 A bis 150 A und höchst vorzugsweise
90 A bis 115 A, stromgesteuert gepulst, vorzugsweise unipolar und höchst vorzugsweise
unipolar mit einer rechteckigen Pulsform mit einer Frequenz von 5 Hz bis 40 Hz, vorzugsweise
10 Hz bis 35 Hz und höchst vorzugsweise 20 Hz bis 30 Hz und einem Tastverhältnis (Duty
Cycle) von kleiner 50 % , vorzugsweise kleiner 35 % und höchst vorzugsweise kleiner
25 % liefert.
[0023] Eine vorteilhafte Halterung zum Durchführen des Verfahrens für eine Vielzahl von
Werkstücken weist ein leitendes Grundgehäuse mit elektrischer Kontaktierung und mindestens
einer Stromzufuhr, einen Deckel mit Bohrungsöffnungen und Abdichtungen für verschiedene
Stopfen auf, welche vorzugsweise wiederum mit Bohrungen verschiedener Durchmesser
versehen sind.
[0024] Vorteilhaft ist es, wenn die Halterung das Grundgehäuse und der Deckel und die Stromzufuhrschienen
mit einer elektrisch isolierenden Schicht beschichtet sind, wobei das Isolatormaterial
beständig gegen Chemikalien und nicht an den Kontaktflächen aufgebracht ist, die Stopfen,
welche mit Bohrungen verschiedener Durchmesser versehen sind, um verschiedene Durchmesser
von Werkstücken aufnehmen zu können, aus elektrisch nicht leitenden Materialien, die
chemikalienbeständig sind, angefertigt sind, vorzugsweise aus Polyoxymethylen. Dabei
können die Stopfen mit O-Ringen ausgestattet sein, um ein Eindringen von Chemikalien
zwischen dem Werkstück und dem Stopfen zu verhindern.
[0025] Eine vorteilhafte Halterung zum Durchführen des Verfahrens bei Werkstücken, die an
mehreren Teilbereichen unbeschichtete Oberflächen aufweisen, insbesondere Wälzfräser,
umfasst eine isolierende Bodenplatte in welche eine Stahlaufnahme mit elektrischen
Kontakten und Stromzufuhr eingebracht ist und als Anode dient und gleichzeitig das
aufzunehmende Werkstück vor chemischen Angriff schützt und vorzugsweise das Werkstück
stehend festhält. Einem leitenden Zylinder, der als Kathode vorgesehen ist und welcher
über elektrische Kontakte kontaktiert werden kann, einen Kunststoffstopfen 60 welcher
das Werkstück an anderer Stelle vor chemischen Angriff schützt. Dabei kann der Zylinder,
die Kunststoffaufnahme und die Stahlaufnahme austauschbar ausgebildet sein, um die
verschiedenen Grössen und Formen von Werkstücken abdecken und kontaktieren zu können.
[0026] Die vorbenannten sowie die beanspruchten und in den nachfolgenden Ausführungsbeispielen
beschriebenen, erfindungsgemäss zu verwendenden Elemente unterliegen in ihrer Grösse,
Formgestaltung, Materialverwendung und ihrer technischen Konzeption keinen besonderen
Ausnahmebedingungen, so dass die in dem jeweiligen Anwendungsgebiet bekannten Auswahlkriterien
uneingeschränkt Anwendung finden können.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0027] Weitere Einzelheiten, Vorteile und Merkmale des Gegenstandes der vorliegenden Erfindung
ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung der dazu gehörenden Zeichnungen, in
denen - beispielhaft - erfindungsgemässe Standschirme erläutert werden. In den Zeichnungen
zeigt:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung der Anordnung zur Durchführung des Verfahrens gemäss
einem ersten Ausführungsbeispiel der Erfindung mit einer Halterung für eine Vielzahl
von Werkstücken;
- Figur 2
- eine perspektivische Ansicht einer Halterung zur Aufnahme von einer Vielzahl von Werkstücken,
in diesem Fall von Schaftwerkzeuges, zur Positionierung im Elektrolyt;
- Figur 3
- eine detaillierte Darstellung der funktionalen Elemente nach Figur 2;
- Figur 4
- eine Ansicht von der Seite auf die Halterung gemäss Figur 2 und 3;
- Figur 5
- eine schematische Darstellung der Anordnung zur Durchführung des Verfahrens gemäss
einem zweiten Ausführungsbeispiel der Erfindung;
- Figur 6
- eine perspektivische Ansicht einer alternativen Halterung zur Aufnahme eines Werkstückes,
hier eines Walzfräsers, bei dem die zu entschichtende Oberflächen zwischen zwei unbeschichteten
Teilbereichen liegt, entsprechend der Anordnung aus Figur 5;
- Figur 7
- eine detaillierte Darstellung der funktionalen Elemente nach Figur 6;
- Figur 8
- eine perspektivische Darstellung, nämlich eine Fotografie der Halterung gemäss Figur
2 bis 4, in der Schaftwerkzeuge eingesetzt sind;
- Figur 9
- eine Darstellung, nämlich eine Fotografie der Halterung gemäss Figur 2 bis 4, in der
Schaftwerkzeuge eingesetzt sind;
- Figur 10
- eine Darstellung, nämlich eine Fotografie der Schaftwerkzeuge gemäss Figur 8 und 9,
nach der Entschichtung;
- Figur 11
- eine perspektivische Darstellung, nämlich eine Fotografie eines Werkstückes zum Einsatz
in die Halterung gemäss Figur 5 bis 7; und
- Figur 12
- eine Darstellung des Spannungsverlaufes, der zur Endpunkterkennung verwendbar ist.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0028] Hartstoffschichten aus der ersten Gruppe und der dritten Gruppe können vom Schichtaufbau
her eine TiN-Haftvermittlungsschicht mit einer Schichtdicke < 0.5 µm zwischen Werkzeug
und eigentlicher Hartstoffschicht aufweisen. Sie bildet eine Übergangsphase zur eigentlichen
funktionellen Hartstoffschicht.
[0029] Es hat sich herausgestellt, dass sich diese Hartstoffschichten der ersten und der
dritten Gruppe in einem geeigneten nasschemischen Ansatz mit Hilfe von elektrischen
Pulsen gezielt von der Oberfläche bis hin zu der Haftschicht aus TiN innerhalb kürzester
Zeit entschichten lassen.
[0030] Auch wurde aus den Versuchen ersichtlich, dass, wenn Hartstoffschichten keine TiN-Haftschicht
zwischen Hartmetall-Werkzeug und Hartstoffschicht aufweisen, durch den gleichen nasschemischen
Ansatz und mit Hilfe von elektrischen Pulsen ebenso schnell entschichtet werden kann.
Dies gilt besonders für die Hartstoffschichten der zweiten Gruppe. Jedoch wird hier
das Hartmetall-Werkzeug an der Oberfläche angegriffen und muss nachbehandelt werden.
[0031] Weiterhin wurde mittels Versuchen festgestellt, dass sich Hartstoffschichten der
zweiten und dritten Gruppe in einem geeigneten nasschemischen Ansatz mit Hilfe von
elektrischen Pulsen gezielt bis entweder zur TiN- Haftschicht oder bei Abwesenheit
einer solchen bis auf die Oberfläche des Schnellarbeitsstahl-Werkzeuges innerhalb
kurzer Zeit entschichten lassen.
[0032] Hartstoffschichten der ersten Gruppe können nicht mit diesem Verfahren auf Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen
entschichtet werden, da der hier verwendete nasschemische Ansatz das Schnellarbeitsstahl-Substrat
zerstört.
[0033] Bei der gepulsten Entschichtung dient das beschichtete Werkzeug als positiver Pol
(elektrische Anode), Stahlbleche oder Stahlringe oder andere metallische Gegenstände
als negativer Pol (elektrische Kathode). Der eingesetzte Elektrolyt ist abhängig von
den keramischen Bestandteilen in der Hartstoffschicht.
[0034] So kommen für die klassifizierten Hartstoffschichten zwei verschiedene Elektrolytmedien
zum Einsatz, nämlich für Hartstoffschichten der ersten Gruppe, also Ti, Al basierende
Schichten ein saurer Elektrolyt, im hier beschriebenen Ausführungsbeispiel bestehend
aus 10 - 15 % Salpetersäure (c = 1.67 - 2.58 mol/l) und einem pH- Wert von - 0,23
pH bis - 0,41 pH und für Hartstoffschichten der zweiten und dritten Gruppe, also Cr
und CrTi basierende Schichten ein basischer Elektrolyt, im hier beschriebenen Ausführungsbeispiel
bestehend aus 1 L Wasser mit 50 mL KOH 50 % (c = 0.67 mol/l) und 20.6 g Kaliumpermanganat
(c = 0,13 mol/l) und einem pH-Wert der Lösung: von 13.5. Im hier beschriebenen Ausführungsbeispiel
werden beide Elektrolyte bei Raumtemperatur betrieben. Mittels eines Pulsgenerators
wird nun ein gleichmässig positives stromgepulstes Signal induziert, bis die Entschichtung
eingetreten ist. Die Entschichtungszeit liegt bei einer 2 µm dicken Hartstoffschicht
zwischen 10 sec und 5 min., je nach Hartstoffschicht, eingesetztem Elektrolyten und
verwendetem Werkzeugmaterial.
[0035] Der angelegte Strom pro Werkzeug ist abhängig von der beschichteten Oberfläche, somit
auch vom Durchmesser und Geometrie des Werkzeugs, von der Art der keramischen Beschichtung
und damit auch vom Elektrolyten und kann über Versuche spezifisch ermittelt werden.
Der angelegte Strom für ein Hartmetall-Schaftfräser (Ø=8mm. Beschichtete Länge 40mm)
mit Beschichtung des Schichttyp der zweiten Gruppe mit einer Schichtdicke 3 µm, welcher
im basischen Elektrolyten entschichtet wird, liegt bei 10 - 11 A. Der angelegte Strom
bei dem gleichen Hartmetall-Schaftwerkzeug wie oben beschrieben, jedoch beschichtet
mit einem Schichttyp der ersten Ggruppe, welches aber mit dem sauren Elektrolyten
entschichtet wird, beträgt 3 A. Werden mehrere Werkzeuge in der Halterung eingespannt
verhalten sich die Werkzeuge wie Widerstände in einer Parallelschaltung.
[0036] Bei Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen wurden die gleichen Abhängigkeiten wie bei den
Hartmetall-Werkzeugen festgestellt. Der angelegte Strom pro Schnellarbeitsstahl-Werkzeug
mit einem Durchmesser zwischen 6 mm bis 12 mm, welches im basischen Elektrolyten entschichtet
wird, liegt bei 10 - 11 A. Im sauren Elektrolyten ist ein entsprechendes Entschichten
nicht möglich, da das Werkzeug zerstört würde.
[0037] Die Frequenz des Pulses und seine Funktionsform sind ebenso kritische Parameter bei
dieser Art des Entschichtens. Es wird stromgesteuert gepulst, vorzugsweise mit einer
gleichmässigen Geometrie und höchst vorzugsweise mit einer rechteckigen bipolaren
Pulsform. Die Frequenz des Pulses liegt beim basischen Elektrolyten bei 5 Hz bis 40
Hz, vorzugsweise 10 Hz bis 35 Hz und höchst vorzugsweise 20 Hz bis 30 Hz und einem
Tastverhältnis (Duty Cycle) von kleiner 50 %, vorzugsweise kleiner 35 % und höchst
vorzugsweise kleiner 25 %. Im sauren Elektrolyten beträgt die Frequenz 1 Hz bis 40
Hz, vorzugsweise 2 Hz bis 20 Hz und höchst vorzugsweise 3 Hz bis 8 Hz und einem Tastverhältnis
(Duty Cycle) von grösser 50 % , vorzugsweise grösser 70 % und höchst vorzugsweise
grösser 85 %.
[0038] Der auf den Werkzeugen zurück bleibende TiN-Haftlayer wird anschliessend mittels
einem für das Grundmaterial, also Schnellarbeitsstahl oder Hartmetall, geeigneten
nasschemischen Verfahren entschichtet. Bei Verwendung von z.B. Wasserstoffperoxidlösungen,
wo das Hartmetallwerkzeug durch das Anlegen einer Schutzspannung geschützt wird, kann
der TiN-Haftlayer innerhalb von 5 - 10 min entfernt werden. Ein Angriff des Hartmetalls
findet in dieser kurzen Zeit nicht statt.
[0039] Werden Hartstoffschichtsysteme mit dem gepulsten Verfahren entschichtet, welche keine
TiN-Haftlayer aufweisen, so wird im sauren wie im basischen Elektrolyten das Hartmetall
angegriffen. Eine Nachbehandlung mittels Nachschleifen oder Mikrostrahlen oder Polieren
ist dann nötig. Ebenfalls kann ein leichter Angriff auf Schnellarbeitsstahl-Werkzeugen
unter Einsatz des basischen Elektrolyten vorkommen. Dieser Angriff ist jedoch nur
minimal und bewirkt eine leichte optische Mattierung der Oberfläche.
[0040] Nichtbeschichtete Flächen, wie beispielsweise Schäfte von Schaftwerkzeugen, werden
durch das gepulste Verfahren im sauren und im basischen Elektrolyten angegriffen und
müssen demzufolge durch eine geeignete Halterung mit Schutzstopfen abgedeckt werden.
Für Schaftwerkzeuge wurde speziell eine Halterung mit Schutzstopfen für das gepulste
Entschichtungsverfahren entwickelt. Die Halterung kann jedoch auch für z. B. andere
chemische Ablöseverfahren, wo Angriffe auf das Hartmetall stattfinden können, eingesetzt
werden. Die Halterung hat die Funktion, Schaftwerkzeuge mit unterschiedlichen Durchmessern
aufzunehmen, sie dabei zu kontaktieren und gleichzeitig die unbeschichteten Schaftoberflächen
vor Angriff zu schützen, um sie dann im gepulsten Verfahren zu entschichten.
[0041] Die Halterung 50 für Schaftwerkzeuge besteht aus einem leitenden Grundgehäuse 52
mit elektrischer Kontaktierung und mindestens einem Stromzufuhrelement, im vorliegenden
Ausführungsbeispiel einer Stromzuführungsschiene 56, einen Deckel 55 mit Bohrungsöffnungen
und Abdichtungen für verschiedene Stopfen 54, welche vorzugsweise wiederum mit Bohrungen
verschiedener Durchmesser versehen sind. Grundgehäuse 52 und Deckel 55 und Stromzufuhrschienen
56 werden mit einem Isolator beschichtet, wobei das Isolatormaterial beständig gegen
Chemikalien sein muss und nicht an den Kontaktflächen aufgebracht sein darf. Die Stopfen
54, welche mit Bohrungen verschiedener Durchmesser versehen sind, um verschiedene
Durchmesser von Schaftwerkzeugen aufnehmen zu können, sind aus nicht leitenden Materialien,
die chemikalienbeständig sind, angefertigt. Die Stopfenhöhe variiert, um verschieden
hohe, nicht beschichtete Schaftlängen abdecken zu können. Die Stopfen 54 sind mit
O-Ringen ausgestattet, um ein Eindringen von Chemikalien zwischen Schaft und Stopfen
54 zu verhindern. In Figur 3 ist zudem eine Kontaktschiene 57 dargestellt, auf der
das Werkzeug 10 steht, und eine zweiseitige Kontaktfeder 58, wobei die Kontaktschiene
57 als Festklemmvorrichtung für die Kontaktfeder dient.
[0042] Charakteristisch bei Verwendung der Halterung in Kombination mit den Führungs-Stopfen
ist, dass nach der gepulsten Entschichtung und anschliessender Entfernung der TiN-Haftschicht
ein kleiner Ring von nichtentschichteter oder leicht angegriffener Fläche auf dem
Schaftwerkzeug zurück bleibt, da eine geringe Überlappung zwischen Stopfen und beschichteter
Schaftfläche und / oder eine geringe Überlappung zwischen freier Schaftoberfläche
und Elektrolyt vorliegt.
[0043] Eine spezielle Ausführung einer Halterung hat die Funktion, z.B. Wälzfräser mit unterschiedlichen
Durchmessern aufzunehmen, sie dabei zu kontaktieren und gleichzeitig die unbeschichteten
Oberflächen vor Angriff zu schützen, um sie dann im gepulsten Verfahren zu entschichten.
[0044] Die Halterung besteht aus einer Bodenplatte 75, in welche eine isolierende Aufnahme
74 eingebracht ist und das aufzunehmende Werkstück 10 vor chemischen Angriff schützt
und vorzugsweise das Werkstück 10 stehend festhält. Eine elektrische Kontaktierung
76 für das Werkstück dient als Anode, einem leitenden Zylinder 72, der als Kathode
vorgesehen ist und welcher über elektrische Kontakte kontaktiert werden kann, und
einem isolierenden Stopfen 60, welcher das Werkstück 10 an anderer Stelle vor chemischen
Angriff schützt. Der Zylinder 72, die isolierende Aufnahme 74 und der isolierende
Stopfen 60 können ausgetauscht werden um die verschiedenen Grössen und Formen der
Werkstücke 10 abdecken und kontaktieren zu können.
[0045] Das Verfahren zum Entschichten von Schaftwerkzeugen wird im hier beschriebenen Ausführungsbeispiel
- dargestellt in Figur 1 - wie folgt vorgenommen:
1. Die zu entschichtenden Schaftwerkzeuge 10 werden in die von Durchmesser und Höhe
passenden Schutzstopfen gesteckt und in die Halterung 50 eingedrückt.
2. Die Halterung mit den zu entschichtenden Schaftwerkzeugen 10 wird mit dem Pluspol
eines Strompulsgebers 40 kontaktiert.
3. Es muss entschieden werden, welches elektrolytische Bad 30 verwendet werden soll,
nämlich ein saurer Elektrolyt für Schichten der ersten Gruppe und ein basischer Elektrolyt
für Schichten der zweiten und dritten Gruppe.
4. Die kontaktierte Halterung 50 wird in das ausgewählte Elektrolytbad 30 gestellt.
5. Zwei Elektroden 20 aus Stahl werden beidseitig der Halterung platziert und diese
mit dem negativen Pol des Strompulsgebers kontaktiert. Der Abstand der Stahlelektroden
zum Schaftwerkzeug liegt bei 0.5 cm bis max. 2.5 cm.
6. Am Pulsgenerator 40 werden für Schaftwerkzeuge (mit Durchmesser 6 mm bis 12 mm)
die Bedingungen eingestellt. Es wird dabei von 9 Schaftwerkzeugen pro Entschichtung
ausgegangen. Die Halter im hier beschriebenen Ausführungsbeispiel sind für 9 Werkzeuge
konzipiert.)
| Schichten der 1. Gruppe: |
Schichten der 2. und 3. Gruppe: |
| 1. Beispiel: |
1. Beispiel: |
| Anzahl Schaftwerkzeuge 9 mit |
Anzahl Schaftwerkzeuge 9 mit |
| Durchmesser 12 mm |
Durchmesser 12 mm |
| Strom: 15 A |
Strom: 100 A |
| Spannung (U0Max): 40 V Stromgesteuert, Pulsform rechteckig |
Spannung (U0Max): 50 V Stromgesteuert, Pulsform rechteckig |
| Frequenz 5 Hz |
Frequenz 25 Hz |
| Symmetrie/Tastverhältnis: 98% |
Symmetrie/Tastverhältnis: 20% |
| 2. Beispiel: |
2. Beispiel: |
| Anzahl Schaftwerkzeuge 9 mit |
Anzahl Schaftwerkzeuge 9 mit |
| Durchmesser 6 mm |
Durchmesser 6 mm |
| Strom: 15 A |
Strom: 100 A |
| Spannung (U0Max): 40 V Stromgesteuert, Pulsform rechteckig |
Spannung (U0Max): 50 V Stromgesteuert, Pulsform rechteckig |
| Frequenz 5 Hz |
Frequenz 25 Hz |
| Symmetrie/Tastverhältnis: 98% |
Sym metrie/Tastverhältn is: 20% |
7. Einschalten des Pulsgenerators 40. Die Entschichtung beginnt augenblicklich.
8. Bei Schaftwerkzeugen 10 der ersten Gruppe wird eine Endpunkterkennung verwendet.
Bei Werkzeugen der ersten Gruppen wurde überraschenderweise ein Effekt erkannt, der
als Endpunkterkennung dienen kann. Die elektrische Spannungsquelle generiert eine
Funktion des Stroms über die Entschichtungszeit, dadurch wird ein ständig exakter
stabiler Strom generiert. Da sich die Oberfläche der Werkzeuge im Entschichtungsprozess
und somit auch der Widerstand verändert ist ein Absinken der Spannung festzustellen.
Wenn die Titannitridschicht erreicht ist steigt der Widerstand so stark an bis die
Spannung ihren Ursprünglichen Wert erreicht hat. Die Spannungskurve liegt hierbei
im Bereich von ca. 2-10 V und es ist eine Spannungsdifferenz von ca. 2-4 V zu erwarten.
Bei Werkzeugen der zweiten und dritten Gruppe wird alle 20 bis 30 sec. die Stromzufuhr
gestoppt und die Halterung mit den Schaftwerkzeugen auf Entschichtung kontrolliert.
9. Die Entschichtung ist je nach Zusammensetzung der Hartstoffschicht bei 2 µm Schichtdicke
innerhalb 10 sec bis 30 min bis auf das Werkzeug oder den TiN-Haftlayer beendet.
[0046] Die TiN-Haftschicht wird anschliessend mit einem herkömmlichen nasschemischen Ansatz
vollständig entschichtet. Die Entschichtung ohne TiN-Haftlayer benötigt die gleiche
gepulste Entschichtungszeit. Eine weitere chemische Entschichtung ist nicht nötig,
allerdings erfolgt eine mechanische Nachbehandlung wegen des Angriffs des Substrates.
[0047] Ein etwas anderer Ablauf ist bei einem Ausführungsbeispiel zum Entschichten von Wälzfräsern
vorgesehen, dargestellt in Figur 5:
1. Der zu entschichtende Wälzfräser 10 wird mit dem Pluspol eines Strompulsgebers
30 kontaktiert und in die Halterung gemäss Figur 6 und 7 gestellt und mit einem Schutzstopfen
60 versehen..
2. Es muss entschieden werden, welches elektrolytische Bad 30 verwendet werden soll,
nämlich ein saurer Elektrolyt für Schichten der ersten Gruppe und ein basischer Elektrolyt
für Schichten der zweiten und dritten Gruppe.
3. Der kontaktierte Wälzfräser 10 wird in das ausgewählte Elektrolytbad 30 gestellt.
Mit Abstand von 0.5 cm bis max. 2,5 cm wird eine Ring-StahlElektrode aus rostfreiem
Stahl, welche vergoldet wurde, um den Wälzfräser mittig platziert. Diese Stahlelektrode
wird mit dem negativen Pol des Pulsgenerators 30 verbunden.
4. Am Pulsgenerator 30 werden die Bedingungen für den Wälzfräser 10 eingestellt.
| Schichten der 1. Gruppe: |
Schichten der 2. und 3. Gruppe: |
| 1. Beispiel: |
1. Beispiel: |
| Wälzfräser mit Durchmesser 47 mm; Höhe 1510 mm |
Wälzfräser mit Durchmesser 47 mm; Höhe 1510 mm |
| Strom: 30 A |
Strom: 30 A |
| Spannung (U0Max): 40 V Stromgesteuert, Pulsform rechteckig |
Spannung (U0Max): 50 V Stromgesteuert, Pulsform rechteckig |
| Frequenz 5 Hz |
Frequenz 25 Hz |
| Svmmetrie/Tastverhältnis: 98% |
Symmetrie/Tastverhältnis: 20% |
| 2. Beispiel: |
2. Beispiel: |
| Wälzfräser mit Durchmesser 33 mm; Höhe 110 mm |
Wälzfräser mit Durchmesser 33 mm; Höhe 110 mm |
| Strom: 30 A |
Strom: 30 A |
| Spannung (U0Max): 40 V Stromgesteuert, Pulsform rechteckig |
Spannung (U0Max): 50 V Stromgesteuert, Pulsform rechteckig |
| Frequenz 5 Hz |
Frequenz 25 Hz |
| Svmmetrie/Tastverhältnis: 98% |
Symmetrie/Tastverhältnis: 20% |
5. Einschalten des Pulsgenerators 30. Die Entschichtung beginnt augenblicklich.
6. Alle 20 bis 30 sec. wird die Stromzufuhr gestoppt und die Halterung 50 mit dem
Walzfräser 10 auf Entschichtung kontrolliert.
7. Die Entschichtung ist je nach Zusammensetzung der Hartstoffschicht bei 2 µm Schichtdicke
innerhalb 1 min bis 10 min bis auf den TiN-Haftlayer beendet.
[0048] Die TiN-Haftschicht wird anschliessend mit einem herkömmlichen nasschemischen Ansatz
vollständig entschichtet. Die Entschichtung ohne TiN-Haftlayer benötigt die gleiche
gepulste Entschichtungszeit. Eine weitere chemische Entschichtung ist nicht nötig,
allerdings eine mechanische Nachbehandlung wegen des Angriff des Substrates.
Entschichtungsbeispiele:
Beispiel 1:
[0049] 9 Hartmetall-Schaftwerkzeuge (Spiralbohrer d = 12 mm, K Sorte) mit einer 3.4 µm dicken
AlTiN-Schicht (Schichttyp-Tabelle: Schicht # 6) und vorhandenen TiN-Haftvermittlungsschicht
wurden im speziell entwickelten Halter mit Schutzstopfen eingebracht und in einer
10 %igen Salpetersäurelösung als Elektrolyt eingetaucht, bei einem gepulsten Strom
I
Funktion von 15 A mit einer Frequenz von 5Hz, einem Tastverhältnis von 98% bis auf den Haftschichtlayer
TiN entschichtet. Die Stahlelektroden hatten einen Abstand zum Hartmetall-Werkzeug
von 1 - 2 cm. Die Entschichtungsdauer betrug 2 min und wurde mit der Endpunkterkennung
abgeschlossen. In einem weiteren Prozess-Schritt, der dem Stand der Technik entspricht,
wird der TiN-Haftlayer in einem peroxidischen Entschichtungsbad unter Einwirkung von
Schutzspannung auf den Schaftwerkzeugen vollständig entschichtet. Die Entschichtungszeit
hier beträgt ca. 5 bis 10 min. Im Rasterelektronenmikroskop konnten keine Angriffe
auf den Werkzeugen nach der Entschichtung festgestellt werden.
Beispiel 2:
[0050] Ein Hartmetall-Wälzfräser (d = 470 mm) mit einer 7.2 µm dicken AITiN-Schicht (Schichttyp-Tabelle:
Schicht # 6), einer Färbedeckschicht bestehend aus Al, Ti, N und vorhandener TiN-Haftvermittlungsschicht
wurde in einer 12 %igen Salpetersäurelösung als Elektrolyt eingetaucht, bei einem
gepulsten Strom I
Funktion von 30 A mit einer Frequenz von 5Hz, einem Tastverhältnis von 98% bis auf den Haftschichtlayer
TiN entschichtet. Die Ring-Stahlelektrode hatte einen Abstand zum HM-Werkzeug von
1.5 cm. Die Entschichtungsdauer betrug 3 min.
Beispiel 3 :
[0051] 9 Hartmetall-Stangen (d = 6 mm, K Sorte) mit jeweils einer 3.7 µm dicken Ti-AlN/SiN
- Schicht (Schichttyp-Tabelle: Schicht # 7) und vorhandenen TiN-Haftvermittlungsschicht
wurden im speziell entwickelten Halter mit Schutzstopfen eingebracht und in einer
12 %igen Salpetersäurelösung als Elektrolyt eingetaucht, bei einem gepulsten Strom
I
Funktion von 15 A mit einer Frequenz von 5Hz, einem Tastverhältnis von 98% bis auf den Haftschichtlayer
TiN entschichtet. Die Stahlelektroden hatten einen Abstand zum Hartmetall-Werkzeug
von 1 - 2 cm. Die Entschichtungsdauer betrug 2 min und wurde mit der Endpunkterkennung
abgeschlossen.
Beispiel 4:
[0052] 9 Hartmetall-Schaftwerkzeuge (d = 12 mm, K Sorte) mit einer 3.1 µm dicken AlTiCrN-Schicht
(Schichttyp-Tabelle: Schicht # 23) und vorhandenen TiN-Haftvermittlungsschicht wurden
im speziell entwickelten Halter mit Schutzstopfen eingebracht und in einer basischen
Kaliumpermanganatlösung mit folgender Zusammensetzung 1L H
2O; 50 ml KOH (50%); 20.6 g KMnO
4 eingetaucht, bei einem gepulsten Strom I
Funktion von 100 A mit einer Frequenz von 25Hz, einem Tastverhältnis von 20% bis auf den Haftschichtlayer
TiN entschichtet. Die Stahlelektroden hatten einen Abstand zum Hartmetall-Werkzeug
von 1 - 2 cm. Die Entschichtungsdauer betrug 2 min. In einem weiteren Prozess-Schritt,
der dem Stand der Technik entspricht, wird der TiN-Haftlayer in einem peroxidischen
Entschichtungsbad unter Einwirkung von Schutzspannung auf den Schaftwerkzeugen vollständig
entschichtet. Die Entschichtungszeit hier beträgt ca. 5 bis 10 min. Im Rasterelektronenmikroskop
konnten keine Angriffe auf den Werkzeugen nach der Entschichtung festgestellt werden.
Beispiel 5:
[0053] Ein Hartmetall-Wälzfräser (d = 470 mm) mit einer 5.7 µm dicken AlTiCrN-Schicht (Schichttyp-Tabelle:
Schicht # 23) und vorhandener TiN-Haftvermittlungsschicht wurde in einer basischen
Kaliumpermanganatlösung mit folgender Zusammensetzung 1L H
2O; 50 ml KOH (50%); 20.6 g KMnO
4 als Elektrolyt eingetaucht, bei einem gepulsten Strom I
Funktion von 30 A mit einer Frequenz von 25Hz, einem Tastverhältnis von 20% bis auf den Haftschichtlayer
TiN entschichtet. Die Ring-Stahlelektrode hatte einen Abstand zum HM-Werkzeug von
1.5 cm. Die Entschichtungsdauer betrug 2 min.
Beispiel 6 :
[0054] 9 Hartmetall-Stangen (d = 10 mm, K Sorte) mit jeweils einer 3.4 µm dicken AlTiCrN
- Schicht (Schichttyp-Tabelle: Schicht # 22) ohne TiN-Haftvermittlungsschicht wurden
im speziell entwickelten Halter mit Schutzstopfen eingebracht und in einer basischen
Kaliumpermanganatlösung mit folgender Zusammensetzung 1L H
2O; 50 ml KOH (50%); 20.6 g KMnO
4 als Elektrolyt eingetaucht, bei einem gepulsten Strom I
Funktion von 100 A mit einer Frequenz von 25Hz, einem Tastverhältnis von 20% vollständig entschichtet.
Die Stahlelektroden hatten einen Abstand zum Hartmetall-Werkzeug von 1 - 2 cm. Die
Entschichtungsdauer betrug 2 min. Das Substrat wurde angegriffen. Anschliessend wurde
die angegriffene Oberfläche bei 1.5 bar nassgestrahlt. Die Oberfläche wurde mittels
REM untersucht. Man erkennt dabei eine Aufrauhung der Oberfläche.
[0055] In einem vergleichenden Frästest einerseits mit einem Hartmetallwerkzeug, das ohne
TiN-Haftschicht entschichtet und anschliessend wiederbeschichtet wurde und andererseits
einem Neuwerkzeug, welches nur beschichtet wurde, zeigte sich nach folgendem Arbeitsablauf
- Beschichten mit AITiCrN ohne TiN-Haftschicht
- Entschichten mit gepulstem Verfahren / KMnO4 basisch
- Nassstrahlen mit F400A bei 1.2bar
- Nachschärfen der Stirn (entschichtete Werkzeuge und ein Neuwerkzeug)
- Kantenbehandlung in der Otec (KV1:2 / 25rpm / 5min)
- Beschichten mit AICrN
- Otec: Polish walnut (Toppen)
- Qualitätskontrolle: Alicona, SEM
- Fehlmann: Frästest!
folgendes Resultat: Nach einmaligem Wiederaufbereiten von HM-Schaftfräsern ist eine
sehr beachtliche Standmenge von rund 80% gegenüber dem Neuwerkzeug möglich.
Beispiel 7 :
[0056] 8 Schnellarbeitsstahl-Werkzeuge (d = 6 mm, Standart) mit jeweils einer 2.8 µm dicken
AlCrTiN - Schicht (Schichttyp-Tabelle: Schicht # 25) mit TiN-Haftvermittlungsschicht
wurden im speziell entwickelten Halter mit Schutzstopfen eingebracht und in einer
basischen Kaliumpermanganatlösung mit folgender Zusammensetzung 1L H
2O; 50 ml KOH (50%); 20.6 g KMnO
4 als Elektrolyt eingetaucht, bei einem gepulsten Strom I
Funktion von 100 A mit einer Frequenz von 25Hz, einem Tastverhältnis von 20% entschichtet.
Die Stahlelektroden hatten einen Abstand zum Schnellarbeitsstahl-Werkzeug von 1 -
2 cm. Die Entschichtungsdauer betrug 1 min. In einem weiteren Prozess-Schritt, der
dem Stand der Technik entspricht, wird der TiN-Haftlayer in einem peroxidischen Entschichtungsbad
unter Einwirkung von Schutzspannung auf den Schaftwerkzeugen vollständig entschichtet.
Die Entschichtungszeit hier beträgt ca. 10 bis 15 min.
Beispiel 8 :
[0057] Ein Schnellarbeitsstahl-Wälzfräser (d = 700 mm) mit einer 2.6 µm dicken AlTiCrN-Schicht
ohne TiN-Haftvermittlungsschicht (Schichttyp-Tabelle: Schicht # 22) wurde in einer
basischen Kaliumpermanganatlösung mit folgender Zusammensetzung 1L H
2O; 50 ml KOH (50%); 20.6 g KMnO
4 als Elektrolyt eingetaucht, bei einem gepulsten Strom I
Funktion von 30 A mit einer Frequenz von 25Hz, einem Tastverhältnis von 20% bis auf den Haftschichtlayer
TiN entschichtet. Die Ring-Stahlelektrode hatte einen Abstand zum Schnellarbeitsstahl-Wälzfräser
von 1.0 cm. Die Entschichtungsdauer betrug 11 min. In einem weiteren Prozess-Schritt,
der dem Stand der Technik entspricht, wird in einem peroxidischen Entschichtungsbad
unter erhöhter Temperatur die bräunlichen Verfärbungen, die durch das gepulste Entschichten
entstand, entfernt. Die Verweildauer im Bad beträgt hier ca. 5min.
1. Verfahren zum Entschichten von keramischen Hartstoffschichten zumindest eines Werkstückes
(10), das auf einem Teil seiner Oberfläche eine keramische Hartstoffschicht aufweist,
wobei zumindest eine Elektrode (20) als Kathode in einer Elektrolytflüssigkeit (30)
angeordnet ist,
wobei das Werkstück (10) oder die Werkstücke als Anode zumindest teilweise ebenfalls
in der genannten Elektrolytflüssigkeit (30) angeordnet sind,
wobei ein Pulsgeneratormittel (40) zum Erzeugen von Spannungspulsen zwischen der oder
den Kathoden und der oder den Anoden angeordnet ist, und
wobei Schutzelemente vorgesehen sind,
mit den Schritten, dass die zu entschichtenden Werkstücke (10) in die von Durchmesser
und Höhe passenden Schutzelemente gesteckt und in eine Halterung (50) eingedrückt
werden, die Halterung mit den zu entschichtenden Werkstücke (10) mit dem Pluspol des
Pulsgeneratormittels (40) kontaktiert wird,
ein saures elektrolytisches Bad ausgewählt wird, die kontaktierte Halterung (50) in
das ausgewählte Elektrolytbad gestellt wird, zumindest eine Elektrode (20) an einem
vorbestimmten Abstand zur Halterung (50) platziert und diese mit dem negativen Pol
des Pulsgeneratormittels (40) kontaktiert wird,
das Entschichten mittels des Pulsgeneratormittels (40) durchgeführt wird,
wobei fortlaufend eine Endpunkterkennung oder in zeitlichen Abständen eine Kontrolle
auf Entschichtung durchgeführt wird, wobei die Endpunkterkennung dadurch durchgeführt
wird, dass die Spannung gemessen oder bestimmt wird, die zum Erreichen eines bestimmten
Stromes benötigt wird, nach einem Beobachten eines Absinken der Spannung die Spannung
wieder ihren ursprünglichen Wert erreicht, dadurch gekennzeichnet, dass als Elektrolyt 2 bis 50 %ige Mineralsäuren mit einem pH-Wert 0.5 bis -1.1 verwendet
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Werkstücke (10) in eine Halterung (50) gesteckt werden, um sie zu kontaktieren
und gleichzeitig die unbeschichteten Werkstoffoberflächen vor Angriff zu schützen,
um sie dann zu entschichten.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Spannungsquelle so eingerichtet ist, dass sie einen Strom von 10 A bis 50 A,
bei einer Spannung (U0Max) von 20 V bis 60 V stromgesteuert gepulst mit einer Frequenz von 1 Hz bis 40 Hz und
einem Tastverhältnis von grösser 25 % liefert.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei als Halterung bei Werkstücken (10),
die an mehreren Teilbereichen unbeschichtete Oberflächen aufweisen, insbesondere Wälzfräser,
eine Halterung verwendet wird mit einer Bodenplatte (75), in welcher eine isolierende
Aufnahme das aufzunehmende Werkstück vor chemischen Angriff schützt, einer elektrischen
Kontaktierung (76) für die Stromzufuhr und als Anode, einem leitenden Zylinder (72),
der als Kathode vorgesehen ist und welcher über elektrische Kontakte, vorzugsweise
eine Stromschiene (56) kontaktiert werden kann, und einem isolierenden Stopfen (60),
welcher das Werkstück (10) an anderer Stelle vor chemischen Angriff schützt.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass eine Halterung verwendet wird, bei der der Zylinder (72), die isolierende Aufnahme
und der isolierende Stopfen (60) austauschbar ausgebildet sind, um die verschiedenen
Grössen und Formen von Werkstücken (10) abdecken und kontaktieren zu können.