[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Elevationsausgleichsvorrichtung für ein Waffensystem
und ein Waffensystem mit einer derartigen Elevationsausgleichsvorrichtung.
[0002] Ein Waffensystem kann ein oder mehrere Waffen aufweisen, die zum Verstellen eines
Elevationswinkels des Waffensystems um eine Elevationsachse verschwenkbar sind. Unter
der Elevation oder dem Elevationswinkel ist vorliegend ein Neigungswinkel gegenüber
einer Horizontalen zu verstehen. In der Artillerie ist unter der Elevation insbesondere
die Rohrerhöhung zwecks Entfernungseinstellung zu verstehen. Beim Verschwenken des
Waffensystems wirkt aufgrund der zu bewegenden oder elevierenden Masse und der Anordnung
der einzelnen Subsysteme des Waffensystems, wie beispielsweise der Waffe, einer Optronik
oder dergleichen, ein Unwuchtmoment. Zum Ausgleichen dieses Unwuchtmoments kann das
Waffensystem ein Ausgleichselement aufweisen, das eine vorgespannte Federeinheit aufweisen
kann, welche mit Hilfe ihrer Federkraft auf eine Antriebswelle des Waffensystems mit
einem Ausgleichsmoment wirkt. Das Ausgleichsmoment wirkt dem Unwuchtmoment entgegen.
[0003] Zum Verschwenken des Waffensystems kann dieses ein Antriebselement umfassen, das
auf die Antriebsachse ein Restmoment aufbringen kann. Das Restmoment kann eine Differenz
der Beträge des Unwuchtmoments und des Ausgleichsmoments sein. Die Größe des Restmoments
beziehungsweise des Unwuchtmoments erfährt eine Varianz, wenn der elevierenden Masse
weitere variable Subsysteme hinzugefügt werden, wie zum Beispiel eine oder mehrere
Munitionsbehälter, welche sich während des bestimmungsgemäßen Einsatzes des Waffensystems
leeren und somit zu einem sich ändernden Unwuchtmoment beitragen. Über den überschwenkten
Bereich der elevierenden Masse, das heißt, über den Elevationsbereich des Waffensystems
hinweg, ändert sich dieses Unwuchtmoment aufgrund der geometrischen Verschiebung des
Gesamtschwerpunktes der elevierenden Masse hin oder weg von der Elevationsachse. Diese
Varianz muss durch die Antriebseinrichtung ausgeglichen werden.
[0004] Die Antriebseinrichtung kann Teil einer Waffenstabilisierungsanlage sein, welche
aufgrund der Anforderungen an das Gesamtsystem über den gesamten Elevationsbereich
hinweg gleichbleibend gute Leistungen erbringen muss. Da aber durch die Varianz des
Unwuchtmoments und damit des Restmoments die Waffenstabilisierungsanlage an dieser
Stelle eine variable Eingangsgröße hat, kann dies oftmals nicht im geforderten Rahmen
dargestellt werden. Dies führt zu über den Elevationsbereich unterschiedlichen Standardabweichungen
der erzeugten Trefferbilder, insbesondere bei der Bekämpfung von Zielen aus der Fahrt
heraus, was der Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems nicht zuträglich ist.
[0005] Vor diesem Hintergrund besteht eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung darin, eine
verbesserte Elevationsausgleichsvorrichtung für ein Waffensystem zur Verfügung zu
stellen.
[0006] Demgemäß wird eine Elevationsausgleichsvorrichtung für ein Waffensystem vorgeschlagen.
Die Elevationsausgleichsvorrichtung umfasst eine Antriebswelle, die zum Verstellen
eines Elevationswinkels des Waffensystems um eine Elevationsachse verschwenkbar ist,
eine Ausgleichseinrichtung, die dazu eingerichtet ist, bei einem Verstellen des Elevationswinkels
ein auf die Antriebswelle wirkendes Ausgleichsmoment zu erzeugen, das einem auf die
Antriebswelle wirkenden Unwuchtmoment des Waffensystems entgegenwirkt, wobei die Ausgleichseinrichtung
ein verschiebbares Loslager umfasst, eine Sensorik, die dazu eingerichtet ist, den
Elevationswinkel und einen Füllstand einer Munitionszuführungs-und/oder Munitionsfördereinheit
des Waffensystems zu erfassen, und ein Stellelement, mit dessen Hilfe das Loslager
verschiebbar ist, um eine Vorspannung der Ausgleichseinrichtung in Abhängigkeit von
Sensorsignalen der Sensorik derart zu verstellen, dass sich das Ausgleichsmoment bei
dem Verstellen des Elevationswinkels und bei einem sich verändernden Füllstand der
Munitionszuführungs- und/oder Munitionsfördereinheit an eine Veränderung des Unwuchtmoments
anpasst.
[0007] Dadurch, dass sich das Ausgleichsmoment an eine Veränderung des Unwuchtmoments anpasst,
kann ein von einer Antriebseinrichtung zum Stabilisieren des Waffensystems oder zum
Verstellen des Elevationswinkels auf die Antriebswelle aufzubringendes Restmoment
reduziert werden. Hierdurch kann die Antriebseinrichtung deutlich kleiner dimensioniert
werden. Dadurch reduziert sich die Leistungsaufnahme beziehungsweise der Leistungsbedarf
eines Waffensystems mit einer derartigen Elevationsausgleichsvorrichtung. Ferner kann
eine deutliche Leistungsverbesserung des Waffensystems aufgrund des Wegfalls der unbestimmten
Varianz des Unwuchtmoments und damit eine deutliche Reduzierung der Standardabweichung
der erzeugten Trefferbilder erreicht werden.
[0008] Unter dem Elevationswinkel ist vorliegend ein Neigungswinkel eines Laufs oder Rohrs,
insbesondere einer Symmetrieachse des Laufs oder Rohrs, einer Waffe zu einer Horizontalen
zu verstehen. Die Horizontale ist dabei senkrecht zu einer Schwerkraftrichtung angeordnet.
Insbesondere ist die Vorspannung der Ausgleichseinrichtung derart verstellbar, dass
sich das Ausgleichsmoment bei dem Verstellen des Elevationswinkels über einen gesamten
Verstellbereich desselben an die Veränderung des Unwuchtmoments anpasst. Darunter,
dass sich das Ausgleichsmoment an die Veränderung des Unwuchtmoments anpasst, ist
zu verstehen, dass ein Betrag des Ausgleichsmoments proportional, insbesondere direkt
proportional, zu einem Betrag des Unwuchtmoments ist. Das heißt, falls der Betrag
des Unwuchtmoments größer wird, wird auch der Betrag des Ausgleichsmoments in der
gleichen Größenordnung größer, und falls sich der Betrag des Unwuchtmoments verkleinert,
verkleinert sich auch der Betrag des Ausgleichsmoments in der gleichen Größenordnung.
[0009] Im Betrieb des Waffensystems kann um die Elevationsachse das Unwuchtmoment wirken.
Das Unwuchtmoment kann dabei im oder entgegen dem Uhrzeigersinn orientiert sein. Das
Ausgleichsmoment ist dementsprechend entgegen oder im Uhrzeigersinn orientiert. Das
Unwuchtmoment wirkt, da sich ein Gesamtschwerpunkt einer elevierenden Masse, das heißt,
einer bewegten Masse des Waffensystems, aufgrund der Anordnung der Subsysteme des
Waffensystems, wie beispielsweise der Waffe, einer Optronik oder einer Munitionszuführungs-und/oder
Munitionsfördereinheit bezüglich der Elevationsachse verändert. Über den überschwenkten
Bereich der elevierenden Masse, das heißt, dem Elevationsbereich des Waffensystems
hinweg, kann sich der Betrag und/oder die Wirkungsrichtung dieses Unwuchtmoments aufgrund
der geometrischen Verschiebung des Gesamtschwerpunkts der elevierenden Masse hin zu
oder weg von der Elevationsachse ändern. Ferner kann sich auch der Betrag der elevierenden
Masse selbst, beispielsweise aufgrund eines Munitionsverbrauchs, ändern.
[0010] Dadurch, dass die Vorspannung der Ausgleichseinrichtung im Betrieb des Waffensystems
in Abhängigkeit der zuvor genannten Eingangsgrößen, wie beispielsweise der Veränderung
der elevierenden Masse aufgrund eines sich verändernden Füllstands des Munitionsbehälters
oder dem Elevationswinkel, verändert werden kann, kann auch der Betrag des Ausgleichsmoments
angepasst werden, so dass das Unwuchtmoment beziehungsweise das von der Antriebseinrichtung
auf die Antriebswelle aufzubringende Restmoment über den gesamten Elevationsbereich
in dem Einsatzbereich des Waffensystems hinweg konstant gehalten werden kann.
[0011] Gemäß einer Ausführungsform ist mit Hilfe des Stellelements die Vorspannung der Ausgleichseinrichtung
derart verstellbar, dass bei dem Verstellen des Elevationswinkels ein aus einer Differenz
des Unwuchtmoments und des Ausgleichsmoments resultierendes Restmoment konstant ist.
[0012] Insbesondere ist das Restmoment über den gesamten Verschwenkbereich des Waffensystems
stets konstant. Das Restmoment ergibt sich insbesondere aus einer Differenz eines
Betrags des Unwuchtmoments und eines Betrags des Ausgleichsmoments. Mit Hilfe des
Restmoments wird die Antriebswelle um die Elevationsachse zum Verstellen des Elevationswinkels
verschwenkt. Das Restmoment kann auch zum Halten des Waffensystems in einem definierten
Elevationswinkel, das heißt, zum Stabilisieren des Waffensystems, auf die Antriebsachse
wirken.
[0013] Die Ausgleichseinrichtung umfasst zum Verstellen der Vorspannung desselben ein mit
Hilfe des Stellelements verschiebbares Loslager.
[0014] Vorzugsweise umfasst die Ausgleichseinrichtung ein erstes Loslager und ein zweites
Loslager. Das Stellelement ist insbesondere dazu eingerichtet, das zweite Loslager
zu verschieben. Insbesondere ist das Stellelement dazu eingerichtet, das zweite Loslager
linear zu verschieben. Unter einer linearen Bewegung ist vorliegend eine Bewegung
entlang einer Geraden zu verstehen. Das Stellelement kann aber auch dazu eingerichtet
sein, das zweite Loslager entlang einer Steuerkurve zu verschieben. Hierzu kann beispielsweise
eine Kulissenführung vorgesehen sein.
[0015] Die Elevationsausgleichsvorrichtung umfasst eine Sensorik, wobei das Stellelement
dazu eingerichtet ist, die Vorspannung der Ausgleichseinrichtung in Abhängigkeit von
Sensorsignalen der Sensorik zu verstellen.
[0016] Hierdurch kann das Ausgleichsmoment auf Basis der Sensorsignale der Sensorik im Betrieb
der Elevationsausgleichsvorrichtung stets nachgeregelt werden.
[0017] Gemäß einer weiteren Ausführungsform umfasst die Elevationsausgleichsvorrichtung
einen Regelkreis, der die Sensorik, das Stellelement, die Ausgleichseinrichtung und/oder
ein Steuerelement aufweist.
[0018] Das Steuerelement kann beispielsweise ein Rechner sein oder einen Rechner umfassen.
Das Steuerelement ist optional. Das Steuerelement kann eine Motorsteuerung sein. Mit
Hilfe des Steuerelements können die Sensorsignale der Sensorik in Steuersignale für
das Stellelement umgewandelt werden.
[0019] Die Sensorik ist dazu eingerichtet, den Elevationswinkel und einen Füllstand einer
Munitionszuführungs- und/oder Munitionsfördereinheit zu erfassen.
[0020] Die Sensorik kann eine Vielzahl an Sensoren, wie beispielsweise optische Sensoren,
Drehmomentsensoren oder dergleichen umfassen. Beispielsweise kann die Sensorik auch
einen Schusszähler umfassen. Die Sensorik kann weiterhin einen Neigungssensor umfassen.
Die Sensorik kann auch dazu eingerichtet sein, ein Drehmoment an der Antriebswelle
zu erfassen. Beispielsweise kann hierzu ein Drehmomentsensor vorgesehen sein.
[0021] Gemäß einer weiteren Ausführungsform ist die Ausgleichseinrichtung mit Hilfe eines
Kopplungselements, insbesondere eines Zahnradgetriebes, mit der Antriebswelle gekoppelt.
[0022] Das Kopplungselement kann beispielsweise auch eine Zahnstange oder ein Kettenantrieb
sein. Das Kopplungselement koppelt vorzugsweise das erste Loslager der Ausgleichseinrichtung
mit der Antriebswelle.
[0023] Gemäß einer weiteren Ausführungsform umfasst die Ausgleichseinrichtung ein mechanisches
Federelement, ein hydraulisches Element und/oder ein pneumatisches Element.
[0024] Das mechanische Federelement kann beispielsweise eine Zylinderfeder, eine Blattfeder
oder eine beliebige andere Feder sein. Das hydraulische Element kann beispielsweise
ein Hydraulikkolben sein. Das pneumatische Element kann beispielsweise ein Pneumatikkolben
sein. Die Ausgleichseinrichtung kann auch mehrere mechanische Federelemente, hydraulische
Elemente und/oder pneumatische Elemente umfassen.
[0025] Gemäß einer weiteren Ausführungsform umfasst das Stellelement einen Elektromotor,
ein pneumatisches Antriebselement und/oder ein hydraulisches Antriebselement.
[0026] Der Elektromotor kann beispielsweise ein rotatorischer Motor oder ein Line-armotor
sein. Das hydraulische Antriebselement kann beispielsweise ein Hydraulikmotor oder
ein Hydraulikkolben sein. Das pneumatische Antriebselement kann ein Pneumatikmotor
oder ein Pneumatikkolben sein. Das Stellelement kann auch unterschiedliche Antriebselemente
und/oder Elektromotoren umfassen.
[0027] Gemäß einer weiteren Ausführungsform weist das Stellelement eine Steuerkurve auf,
mit deren Hilfe ein Loslager der Ausgleichseinrichtung zum Verstellen der Vorspannung
desselben in Wirkverbindung ist.
[0028] In diesem Fall ist das Stellelement bevorzugt nicht aktiv angetrieben. Das Loslager,
insbesondere das zweite Loslager, der Ausgleichseinrichtung ist in der Steuerkurve
zwangsgeführt. Das Loslager und die Steuerkurve bilden dann eine Kulissenführung.
Hierdurch kann auf ein aktives Stellelement verzichtet werden. Hierdurch reduzieren
sich die Kosten zur Herstellung der Elevationsausgleichsvorrichtung.
[0029] Gemäß einer weiteren Ausführungsform ist die Ausgleichseinrichtung in das Stellelement
integriert.
[0030] Beispielsweise ist das Stellelement als Elektromotor ausgebildet, in dessen Gehäuse
die Ausgleichseinrichtung in Form eines Federelements integriert ist. Hierdurch ergibt
sich ein besonders kompakter Aufbau.
[0031] Weiterhin wird ein Waffensystem mit einer Waffe und einer derartigen Elevationsausgleichsvorrichtung
vorgeschlagen.
[0032] Das Waffensystem kann eine oder mehrere Waffen aufweisen. Die Waffe kann ein Kaliber
von zum Beispiel 5,56 x 45 mm NATO aufweisen. Die Waffe ist eine vollautomatische
Schusswaffe, insbesondere ein Maschinengewehr. Das Waffensystem kann für einen stationären
oder mobilen Betrieb geeignet sein. Insbesondere ist das Waffensystem für eine Verwendung
an und/oder auf einem Fahrzeug, insbesondere einem Landfahrzeug, einem Wasserfahrzeug
oder einem Luftfahrzeug, geeignet.
[0033] Gemäß einer Ausführungsform umfasst das Waffensystem eine Antriebseinrichtung zum
Verschwenken der Antriebswelle.
[0034] Die Antriebseinrichtung ist dazu eingerichtet, das Restmoment auf die Antriebswelle
aufzubringen, um diese um die Elevationsachse zu verschwenken, um den Elevationswinkel
einzustellen. Die Elevationsausgleichsvorrichtung und die Antriebseinrichtung können
Teil einer Waffenstabilisierungsanlage des Waffensystems sein.
[0035] Gemäß einer weiteren Ausführungsform weist die Antriebseinrichtung ein Antriebselement
und ein Kopplungselement, insbesondere ein Zahnradgetriebe, zum Koppeln des Antriebselements
mit der Antriebswelle auf.
[0036] Das Antriebselement kann beispielsweise ein Elektromotor, ein Hydraulikmotor, ein
Pneumatikmotor, ein Hydraulikkolben oder ein Pneumatikkolben sein. Das Kopplungselement
kann auch ein Kettenantrieb oder dergleichen sein.
[0037] Gemäß einer weiteren Ausführungsform umfasst das Waffensystem eine Munitionszuführungs-
und/oder Munitionsfördereinheit, deren Füllstand mit Hilfe einer Sensorik der Elevationsausgleichsvorrichtung
ermittelbar ist.
[0038] Die Sensorik kann hierzu einen Schusszähler umfassen. Die sich aufgrund einer Entleerung
eines Munitionsbehälters der Munitionszuführungs- und/oder Munitionsfördereinheit
verändernde elevierende Masse des Waffensystems kann somit mit Hilfe der Sensorik
erfasst werden. Die Vorspannung der Ausgleichseinrichtung kann dann derart verändert
werden, dass sich das Ausgleichsmoment an die verändernde elevierende Masse des Waffensystems
anpasst.
[0039] Weitere mögliche Implementierungen der Elevationsausgleichsvorrichtung und/oder des
Waffensystems umfassen auch nicht explizit genannte Kombinationen von zuvor oder im
Folgenden bezüglich der Ausführungsbeispiele beschriebenen Merkmale oder Ausführungsformen.
Dabei wird der Fachmann auch Einzelaspekte als Verbesserungen oder Ergänzungen zu
der jeweiligen Grundform der Elevationsausgleichsvorrichtung und/oder des Waffensystems
hinzufügen.
[0040] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Aspekte der Elevationsausgleichsvorrichtung
und/oder des Waffensystems sind Gegenstand der Unteransprüche sowie der im Folgenden
beschriebenen Ausführungsbeispiele der Elevationsausgleichsvorrichtung und/oder des
Waffensystems. Im Weiteren werden die Elevationsausgleichsvorrichtung und/oder das
Waffensystem anhand von bevorzugten Ausführungsformen unter Bezugnahme auf die beigelegten
Figuren näher erläutert.
- Fig. 1
- zeigt eine schematische Aufsicht einer Ausführungsform eines Waffen-systems;
- Fig. 2
- zeigt eine schematische Seitenansicht des Waffensystems gemäß Fig. 1; und
- Fig. 3
- zeigt eine schematische Ansicht einer Ausführungsform eines Stel-lelements für das
Waffensystem gemäß Fig. 1.
[0041] In den Figuren sind gleiche oder funktionsgleiche Elemente mit denselben Bezugszeichen
versehen worden, sofern nichts anderes angegeben ist.
[0042] Die Fig. 1 zeigt eine schematische Aufsicht einer Ausführungsform eines Waffensystems
1. Die Fig. 2 zeigt eine schematische Seitenansicht des Waffensystems 1. Das Waffensystem
1 umfasst eine Waffe 2. Die Waffe 2 weist ein Kaliber von zum Beispiel 5,56 x 45 mm
NATO auf. Die Waffe 2 ist eine vollautomatische Schusswaffe, insbesondere ein Maschinengewehr.
Das Waffensystem 1 kann auch mehrere Waffen 2 umfassen. Das Waffensystem 1 ist geeignet
für einen stationären oder mobilen Betrieb. Insbesondere ist das Waffensystem 1 für
eine Verwendung an oder auf einem Fahrzeug, insbesondere einem Landfahrzeug, einem
Wasserfahrzeug oder einem Luftfahrzeug, geeignet.
[0043] Das Waffensystem 1 umfasst neben der Waffe 2 einen Basisträger 3, der die Waffe 2
trägt, eine Optronik 4, beispielsweise eine Zieloptik, und eine Munitionszuführungs-
und/oder Munitionsfördereinheit 5. Das Waffensystem 1 ist um eine Elevationsachse
6 verschwenkbar, wobei ein Elevationswinkel α der Waffe 2 eingestellt werden kann.
Der Elevationswinkel α ist definiert als ein Winkel zwischen einer Horizontalen h
und einer Mittel- oder Symmetrieachse M2 eines Rohrs oder Laufs der Waffe 2. Die Horizontale
h ist senkrecht zu einer Schwerkraftrichtung g positioniert.
[0044] Zur Einstellung der Elevation der Waffe 2, das heißt, zur Veränderung des Elevationswinkels
α umfasst das Waffensystem eine Antriebseinrichtung 7. Die Antriebseinrichtung 7 weist
ein Antriebselement 8, beispielsweise einen Elektromotor, einen Hydraulikmotor oder
einen Hydraulikkolben, und ein Kopplungselement 9, das das Antriebselement 8 zum Verschwenken
der Waffe 2 mit derselben koppelt. Das Kopplungselement 9 kann beispielsweise ein
Getriebe, ein Kettenantrieb oder dergleichen sein. An der Elevationsachse 6 kann eine
Antriebswelle 10 vorgesehen sein, auf die die Antriebseinrichtung 7 zum Verstellen
des Elevationswinkels α ein Drehmoment aufbringt.
[0045] Das Waffensystem 1 umfasst ferner eine Elevationsausgleichsvorrichtung 11. Die Elevationsausgleichsvorrichtung
11 weist eine Ausgleichseinrichtung 12 auf. Die Ausgleichseinrichtung 12 kann ein
oder mehrere Federelemente, wie beispielsweise Zylinderfedern, Blattfedern oder dergleichen,
umfassen. Die Ausgleichseinrichtung 12 kann ferner alternativ oder zusätzlich hydraulische
oder pneumatische Elemente, wie beispielsweise einen Hydraulikkolben, umfassen. Die
Antriebswelle 10 kann Teil der Elevationsausgleichsvorrichtung 11 sein.
[0046] Die Ausgleichseinrichtung 12 ist mit Hilfe eines Kopplungselements 13 mit der Antriebswelle
10 gekoppelt. Das Kopplungselement 13 kann ein Zahnradgetriebe, einen Kettenantrieb
oder dergleichen umfassen. Die Ausgleichseinrichtung 12 ist mit Hilfe eines ersten
Loslagers 14 mit dem Kopplungselement 13 verbunden. Das erste Loslager 14 ist verschiebbar.
Die Ausgleichseinrichtung 12 weist dem ersten Loslager 14 abgewandt ein verschiebbares
zweites Loslager 15 auf. Die Verschiebbarkeit des zweiten Loslagers 15 ist in der
Fig. 1 mit Hilfe eines Doppelpfeils 16 angedeutet.
[0047] Das zweite Loslager 15 ist mit Hilfe eines Stellelements 17 verstellbar. Das Stellelement
17 kann ein Elektromotor, beispielsweise ein Linearmotor, ein Hydraulikmotor, ein
Hydraulikkolben oder ein beliebiger Linearantrieb sein. In diesem Fall kann dem Stellelement
17 ein Steuerelement 18, beispielsweise eine Motorsteuerung, das mit dem Stellelement
17 wirkverbunden ist, zugeordnet sein. Mit Hilfe des Stellelements 17 kann eine Vorspannung
der Ausgleichseinrichtung 12 im Betrieb des Waffensystems 1 verändert werden.
[0048] Das Steuerelement 18 kann mit einer Sensorik 19 wirkverbunden sein. Die Sensorik
19 ist dazu eingerichtet, dem Steuerelement 18 im Betrieb des Waffensystems 1 Sensorsignale
zur Verfügung zu stellen, auf deren Basis das Steuerelement 18 das Stellelement 17
so ansteuert, dass sich die Vorspannung der Ausgleichseinrichtung 12 ändert. Die Sensorik
19 kann beispielsweise dazu eingerichtet sein, einen Füllstand der Munitionszuführungs-
und/oder Munitionsfördereinheit 5 beziehungsweise eines Munitionsbehälters derselben,
die Anzahl der abgefeuerten Schüsse und/oder den Elevationswinkel α zu erfassen. Die
Sensorik 19 kann eine Vielzahl verschiedenster Sensoren umfassen. Die Sensorik 19
bildet mit dem Steuerelement 18 und dem Stellelement 17 einen Regelkreis 20. Die Elevationsausgleichsvorrichtung
11 kann Teil einer Waffenstabilisierungsanordnung 21 sein. Die Antriebseinrichtung
7 kann ebenfalls Teil der Waffenstabilisierungsanordnung 21 sein. Der Regelkreis 20
kann Teil der Waffenstabilisierungsanordnung 21 sein.
[0049] Das Stellelement 17 kann alternativ, wie in der Fig. 3 gezeigt, auch eine beliebig
geformte Steuerkurve 22 einer Kulissenführung umfassen. In diesem Fall ist das Stellelement
17 kein aktiv antreibendes Element und das Steuerelement 18 ist verzichtbar. Für den
Fall, dass das Stellelement 17 ein Motor ist, kann die Ausgleichseinrichtung 12 in
das Stellelement 17 integriert sein. Das Stellelement 17 kann entweder mit Hilfe des
Regelkreises 20 angesteuert oder zwangsangesteuert sein.
[0050] Die Funktionalität des Waffensystems 1 und der Elevationsausgleichsvorrichtung 11
wird nachfolgend erläutert. Im Betrieb des Waffensystems 1 kann um die Elevationsachse
6 ein Unwuchtmoment U (engl.: Unbalance Moment) wirken. Dieses Unwuchtmoment U kann
im oder entgegen dem Uhrzeigersinn orientiert sein. Die Sensorik 19 kann auch dazu
eingerichtet sein, das Unwuchtmoment U direkt zu erfassen. Das Unwuchtmoment U entsteht,
da sich ein Gesamtschwerpunkt S einer elevierenden Masse m, das heißt, einer Masse
m der Waffe 2, des Basisträgers 3, der Optronik 4 und/oder der Munitionszuführungs-
und/oder Munitionsfördereinheit 5 aufgrund der Anordnung der Waffe 2, des Basisträgers
3, der Optronik 4 und der Munitionszuführungs- und/oder Munitionsfördereinheit 5 entweder,
wie in der Fig. 2 gezeigt, vor oder links der Elevationsachse 6 oder hinter oder rechts
dieser befindet. Dies ist unabhängig von der Lagerungs- und Laffetierungsart, wie
beispielsweise Zapfenlagerung, Drehringlagerung oder Scheitellaffetierung.
[0051] Über den überschwenkten Bereich der elevierenden Masse m, das heißt, dem Elevationsbereich
des Waffensystems 1 hinweg kann sich der Betrag und/oder die Wirkungsrichtung dieses
Unwuchtmoments U aufgrund der geometrischen Verschiebung des Gesamtschwerpunkts S
der elevierenden Masse m hin zu oder weg von der Elevationsachse 6 ändern. Ferner
kann sich auch der Betrag der elevierenden Masse m selbst, beispielsweise aufgrund
eines Munitionsverbrauchs, ändern. Diese Varianz des Unwuchtmoments U kann über den
Elevationsbereich zu unterschiedlichen Standardabweichungen der erzeugten Trefferbilder
führen, was der Leistungsfähigkeit des Waffensystems 1 nicht zuträglich ist. Die Varianz
des Unwuchtmoments U kann jedoch mit Hilfe der Elevationsausgleichsvorrichtung 11
ausgeglichen werden.
[0052] Während der Auslegung der elevierenden Masse m und der Antriebseinrichtung 7 sind
die variablen Größen aufgrund der Anordnung der Waffe 2, des Basisträgers 3, der Optronik
4 und/oder der Munitionszuführungs- und/oder Munitionsfördereinheit 5 bekannt und
rechnerisch erfasst. Des Weiteren sind auch die variablen Größen in der elevierenden
Masse m, wie beispielsweise ein Munitionsverbrauch bekannt und sensorisch erfasst,
da derartige Waffensysteme 1 mit einem Schusszähler ausgestattet sind oder bei Fehlen
eines Schusszählers im Sinne einer Nachrüstlösung mit geringem technischen Aufwand
damit ausgerüstet werden können.
[0053] Die Elevationsausgleichseinrichtung 11 ist dazu eingerichtet, auf die Antriebswelle
ein dem Unwuchtmoment U entgegenwirkendes Ausgleichsmoment A aufzubringen. Dadurch,
dass die Vorspannung der Ausgleichseinrichtung 12 im Betrieb des Waffensystems 1 in
Abhängigkeit der zuvor genannten Eingangsgrößen, wie beispielsweise der Veränderung
der elevierenden Masse m aufgrund eines sich verändernden Füllstands des Munitionsbehälters
oder dem Elevationswinkel α, verändert werden kann, kann auch der Betrag des Ausgleichsmoments
A angepasst werden, so dass das Unwuchtmoment U beziehungsweise ein von der Antriebseinrichtung
7 auf die Antriebswelle 10 aufzubringendes Restmoment R über den gesamten Elevationsbereich
und den Einsatzbereich des Waffensystems 1 hinweg konstant gehalten werden kann. Die
Varianz des Unwuchtmoments U beziehungsweise des Restmoments R kann somit mit Hilfe
der Elevationsausgleichseinrichtung 11 ausgeglichen werden. Mit Hilfe des Restmoments
R kann der Elevationswinkel α verstellt werden oder ein bestimmter Elevationswinkel
α kann im Sinne einer Stabilisierung des Waffensystems 1 gehalten werden.
[0054] Hierdurch kann die Antriebseinrichtung 7 im Vergleich zu einem Waffensystem ohne
eine derartige Elevationsausgleichsvorrichtung 11 aufgrund des Wegfalls der Varianz
des Unwuchtmoments U deutlich kleiner dimensioniert werden. Hierdurch reduziert sich
die Leistungsaufnahme beziehungsweise der Leistungsbedarf des Waffensystems 1. Ferner
kann eine deutliche Leistungsverbesserung des Waffensystems 1 beziehungsweise der
Waffenstabilisierungsanordnung 21 aufgrund des Wegfalls der unbestimmten Varianz des
Unwuchtmoments U und damit eine deutliche Reduzierung der Standardabweichung der erzeugten
Trefferbilder erreicht werden.
[0055] Obwohl die vorliegende Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen beschrieben wurde,
ist sie vielfältig modifizierbar.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0056]
- 1
- Waffensystem
- 2
- Waffe
- 3
- Basisträger
- 4
- Optronik
- 5
- Munitionszuführungs- und/oder Munitionsfördereinheit
- 6
- Elevationsachse
- 7
- Antriebseinrichtung
- 8
- Antriebselement
- 9
- Kopplungselement
- 10
- Antriebswelle
- 11
- Elevationsausgleichsvorrichtung
- 12
- Ausgleichseinrichtung
- 13
- Kopplungselement
- 14
- Loslager
- 15
- Loslager
- 16
- Doppelpfeil
- 17
- Stellelement
- 18
- Steuerelement
- 19
- Sensorik
- 20
- Regelkreis
- 21
- Waffenstabilisierungsanordnung
- 22
- Steuerkurve
- A
- Ausgleichsmoment
- g
- Schwerkraftrichtung
- h
- Horizontale
- m
- Masse
- M2
- Symmetrieachse
- R
- Restmoment
- S
- Gesamtschwerpunkt
- U
- Unwuchtmoment
- α
- Elevationswinkel
1. Elevationsausgleichsvorrichtung (11) für ein Waffensystem (1), mit:
einer Antriebswelle (10), die zum Verstellen eines Elevationswinkels (a) des Waffensystems
(1) um eine Elevationsachse (6) verschwenkbar ist,
einer Ausgleichseinrichtung (12), die dazu eingerichtet ist, bei einem Verstellen
des Elevationswinkels (a) ein auf die Antriebswelle (10) wirkendes Ausgleichsmoment
(A) zu erzeugen, das einem auf die Antriebswelle (10) wirkenden Unwuchtmoment (U)
des Waffensystems (1) entgegenwirkt, wobei die Ausgleichseinrichtung (12) ein verschiebbares
Loslager (15) umfasst,
einer Sensorik (19), die dazu eingerichtet ist, den Elevationswinkel (a) und einen
Füllstand einer Munitionszuführungs- und/oder Munitionsfördereinheit (5) des Waffensystems
(1) zu erfassen, und
einem Stellelement (17), mit dessen Hilfe das Loslager (15) verschiebbar ist, um eine
Vorspannung der Ausgleichseinrichtung (12) in Abhängigkeit von Sensorsignalen der
Sensorik (19) derart zu verstellen, dass sich das Ausgleichsmoment (A) bei dem Verstellen
des Elevationswinkels (a) und bei einem sich verändernden Füllstand der Munitionszuführungs-
und/oder Munitionsfördereinheit (5) an eine Veränderung des Unwuchtmoments (U) anpasst.
2. Elevationsausgleichsvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass mit Hilfe des Stellelements (17) die Vorspannung der Ausgleichseinrichtung (12) derart
verstellbar ist, dass bei dem Verstellen des Elevationswinkels (a) ein aus einer Differenz
des Unwuchtmoments (U) und des Ausgleichsmoments (A) resultierendes Restmoment (R)
konstant ist.
3. Elevationsausgleichsvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2,
gekennzeichnet durch
einen Regelkreis (20), der die Sensorik (19), das Stellelement (17), die Ausgleichseinrichtung
(12) und/oder ein Steuerelement (18) aufweist.
4. Elevationsausgleichsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 - 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Ausgleichseinrichtung (12) mit Hilfe eines Kopplungselements (13), insbesondere
eines Zahnradgetriebes, mit der Antriebswelle (10) gekoppelt ist.
5. Elevationsausgleichsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 - 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Ausgleichseinrichtung (12) ein mechanisches Federelement, ein hydraulisches Element
und/oder ein pneumatisches Element umfasst.
6. Elevationsausgleichsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 - 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Stellelement (17) einen Elektromotor, ein pneumatisches Antriebselement und/oder
ein hydraulisches Antriebselement umfasst.
7. Elevationsausgleichsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 - 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Stellelement (17) eine Steuerkurve (22) aufweist, mit deren Hilfe ein Loslager
(15) der Ausgleichseinrichtung (12) zum Verstellen der Vorspannung desselben in Wirkverbindung
ist.
8. Elevationsausgleichsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 - 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Ausgleichseinrichtung (12) in das Stellelement (17) integriert ist.
9. Waffensystem (1) mit einer Waffe (2) und einer Elevationsausgleichsvorrichtung (11)
nach einem der Ansprüche 1 - 8.
10. Waffensystem nach Anspruch 9,
gekennzeichnet durch
eine Antriebseinrichtung (7) zum Verschwenken der Antriebswelle (10).
11. Waffensystem nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Antriebseinrichtung (7) ein Antriebselement (8) und ein Kopplungselement (9),
insbesondere ein Zahnradgetriebe, zum Koppeln des Antriebselements (8) mit der Antriebswelle
(10) aufweist.
12. Waffensystem nach einem der Ansprüche 9 - 11,
gekennzeichnet durch
eine Munitionszuführungs- und/oder Munitionsfördereinheit (5), deren Füllstand mit
Hilfe einer Sensorik (19) der Elevationsausgleichsvorrichtung (11) ermittelbar ist.