[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Holzspanwerkstoffen
nach Anspruch 1 und die Verwendung eines hydrothermisch und mechanisch aufgeschlossenen
lignocelluloshaltigen Materials als Härter für ein Aminoplastharz nach Anspruch 20.
Werkstoffe auf Spanbasis, sogenannte Holzspanwerkstoffe, bestehen aus zerkleinertem
Holzmaterial, das sowohl zu Ein- als auch zu Mehrschichtplatten verpresst werden kann.
Die Klassifizierung von Holzspanwerkstoffen erfolgt üblicherweise nach EN 309. Wichtige
Klassifizierungsmerkmale sind das Herstellungsverfahren (stranggepresst oder flachgepresst),
die Oberflächenbeschaffenheit (roh, geschliffen, pressbeschichtet), die Form und Größe
der eingesetzten Holzmaterialien (Holzspäne, Holzflakes, Holzwafer, Holzstrands),
der Plattenaufbau (einschichtig oder mehrschichtig) und der Verwendungszweck.
[0002] Da in Holzspanwerkstoffen der massive Holzverbund größtenteils aufgehoben ist, haben
diese Platten in Richtung der Plattenebene, also in Richtung der Länge und Breite
der Platte, nahezu die gleichen Quell- und Schwindeigenschaften. Holzspanwerkstoffe
finden beispielsweise im Baugewerbe als isolierendes, konstruktives oder verkleidendes
Element, in der Möbelindustrie sowie als Bodenbelag Verwendung.
[0003] Bei der Herstellung von Holzspanwerkstoffen kann eine hohe stoffliche Verwertung
des Holzes sichergestellt werden. So findet neben Waldholz auch Restholz aus der Industrie
und Gebrauchtholz seinen Einsatz.
[0004] Spanwerkstoffe werden aus feinteiligem Holzmaterial verschiedenster Holzarten unter
Hinzufügung natürlicher und/oder synthetischer Bindemittel sowie weiterer Stoffe hergestellt.
Zur Aufbereitung des Holzmaterials werden schneidende Verfahren eingesetzt, um Holzpartikel
zu gewinnen. Beispiele für Holzpartikel sind, Holzflakes, Holzstrands, Holzwafer,
Holzspäne und Hackschnitzel. Anschließend werden die Holzpartikel üblicherweise getrocknet,
mit einer Zusammensetzung (Leimflotte), die ein Bindemittel enthält, beleimt und in
einer oder unterschiedlichen Schichten angeordnet (Streuung). Schließlich wird das
gestreute Holzmaterial unter Druck und Temperatureinwirkung zu dem jeweils gewünschten
Holzspanwerkstoff verpresst.
[0005] Der Fachmann unterscheidet zwischen Holzspanwerkstoffen und Holzfaserwerkstoffen.
Holzspanwerkstoffe und Holzfaserwerkstoffe sowie deren Herstellungsverfahren unterscheiden
sich grundlegend voneinander. Holzfaserwerkstoffe enthalten als Hauptkomponente aus
Holz gewonnenes Fasermaterial. Dieses Fasermaterial wird durch Dämpfen oder Kochen
(z.B. in einem Vorkocher oder Kocher) von Holzmaterial und durch chemisches oder mechanisches
Aufschließen (z.B. in einem Refiner) bis hin zur Einzelfaser, Faserbündel oder Faserbruchstücken
erhalten. Im Gegensatz hierzu enthalten Holzspanwerkstoffe als Hauptkomponente Spanmaterial,
d.h. Holzstückchen. Das Spanmaterial wird durch bloßes Zerkleinern von Holzmaterial
erhalten. Eine Behandlung durch Dämpfen, Kochen oder durch chemisches oder mechanisches
Aufschließen wie bei der Zerfaserung erfolgt gerade nicht.
[0006] Bindemittel für die Herstellung von Holzspanwerkstoffen können einen oder mehrere
Bestandteile aufweisen. Üblicherweise bestehen oder enthalten Bindemittel zur Herstellung
von Holzspanwerkstoffen Kunstharze.
[0008] Aminoplastharze haben sich als besonders praxisgerecht im Zusammenhang mit der Herstellung
von Holzspanwerkstoffen erwiesen. Üblicherweise enthält ein Holzspanwerkstoff mindestens
ein Aminoplastharz als Bindemittel. Aminoplastharze werden in Holzspanwerkstoffen
normalerweise dazu verwendet, die lignocellulosehaltigen Teile oder Holzpartikel miteinander
zu verbinden. Dabei kann ein einzelnes Aminoplastharz oder Mischung verschiedener
Aminoplastharzen verwendet werden.
[0009] Aminoplastharze sind dem Fachmann bekannt und z.B. in "
Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie", 4. Auflage, Band 7, S. 403ff. beschrieben. Aminoplastharze können durch Kondensation einer Amino-, Imino oder
Amidgruppen enthaltenden Komponente mit einer Carbonylverbindung erhalten werden.
Häufige Ausgangsmaterialien für Aminoplastharze sind beispielsweise Harnstoff und/oder
Melamin (als Aminogruppen enthaltende Komponente) und Formaldehyd (als Carbonylverbindung).
In letzterem Fall wird die Aminogruppen enthaltende Komponente zumeist in einem ersten
Schritt mit der Carbonylverbindung bis zu einem bestimmten Grad vorkondensiert. Je
nachdem ob im ersten Schritt z.B. nur Melamin oder nur Harnstoff als Aminogruppen
enthaltende Komponente eingesetzt wird, erhält man ein sogenanntes Melaminharz oder
ein Harnstoffharz. Derartige Melamin- und/oder Harnstoffharze können insbesondere
die Hauptbestandteile von Aminoplastharzen bilden. In einem zweiten Schritt, oft auch
als Aushärtung bezeichnet, kann das Aminoplastharz dann durchgehend vernetzt werden.
Harze, die aus Harnstoff und Formaldehyd gebildet werden, bezeichnet man auch als
Harnstoffformaldehydharze. Harze, die aus Melamin und Formaldehyd gebildet werden,
bezeichnet man als Melaminformaldehydharz.
[0010] Wenn hier oder an anderer Stelle von Aminoplastzharzen die Rede ist, dann sind damit
auch Aminoplastharzzusammensetzungen gemeint. Aminoplastharze und/oder Aminoplastharzzusammensetzungen
können auch Wasser enthalten.
[0011] Die Aushärtung von Kunstharzen, insbesondere von Aminoplastharzen, kann zum Beispiel
durch Zusatz saurer Katalysatoren erfolgen. Dabei kommen üblicherweise konventionelle
Härter in Betracht. Härter und ihre Reaktion zur Initiierung der Aushärtungsreaktion
sind beispielsweise in "
Holzwerkstoffe und Leime: Technologie und Einflussfaktoren" von M. Dunky und P. Niemz,
Springer-Verlag, 2013, Seite 265-270 beschrieben. Grundsätzlich ist den typischen Härtern für Aminoplastharze gemein,
dass diese Säure enthalten, daraus bestehen oder freisetzen können. Diese Säure katalysiert
bzw. initiiert die Aushärtungsreaktion. Beispiele für konventionelle Härter sind starke
organische Säuren, anorganische Säuren, wie Schwefelsäure und Phosphorsäure, Salze,
die in Wasser sauer reagieren, wie Aluminiumchlorid und Aluminiumnitrat (auch als
saure Salze bezeichnet), Salze, die durch Reaktion mit Komponenten des Kunstharzes,
vorzugsweise mit Formaldehyd, eine Säure generieren (auch als Säure generierende Salze
bezeichnet) wie Ammoniumphosphat, Ammoniumnitrat, Ammoniumsulfat und Ammoniumchlorid,
und Mischungen der vorgenannten Substanzen.
[0012] Formaldehyd kann bei menschlicher oder tierischer Exposition gesundheitsschädlich
sein und zu Allergien, Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen führen. Bei chronischer
Exposition kann es sogar karzinogen sein. Daher ist es erstrebenswert Holzspanwerkstoffe
mit einem reduzierten Formaldehydgehalt herzustellen. Dies ist insbesondere im Hinblick
auf die Verwendung von Holzspanwerkstoffen zur Herstellung von Möbelstücken oder als
Bodenbelag wichtig.
[0013] JP S60 210406 A beschreibt ein Verfahren zur Herstellung eines lignocellulosehaltigen Bodenbelags,
wobei gemischte, trockene Cellulose Feinaggregate, pulverförmiges Korkmaterial und
Harnstoff-Harz zum Einsatz kommt.
[0014] DE 10 2004 010796 A1 betrifft ein Verfahren zur Verminderung der Formaldehydabgabe und der anderer organischer
flüchtiger Verbindungen von Platten aus lignocellulosehaltigem Material, bei dem das
Material zu Teilchen und/oder Fasern durch thermomechanischen Aufschluss zerfasert,
beleimt, zu Matten geformt und zu einer fertigen Platte gepresst wird, wobei die durch
den Aufschluss entstehenden Abbauprodukte des lignocellulosischen Materials durch
Auswaschen teilweise oder vollständig entfernt werden.
[0015] Zur Aushärtung speziell von Aminoplastharzen sind dem Fachmann verschiedene Härter
bekannt:
Die
WO 02/068178 A2 beschreibt ein Verfahren zum Verkleben laminierter Produkte mit einem Aminoplastharz,
wobei ein Härter, der Säure, ein saures Salz und/oder ein Säure generierendes Salz
sowie eine Polmyerdispersion enthält, verwendet wird.
[0016] Die
WO 2005/030895 A1 beschreibt Bindemittelsysteme, die neben Aminoplastharzen und N-funktionalisierten
Copolymeren auch mindestens eine Säure, ein saures Salz und/oder ein Säure generierendes
Salz enthalten.
[0017] Die
WO 2007/012615 A1 beschreibt eine Härterzusammensetzung für Aminoplastharze, die eine Säure, ein saures
Salz und/oder ein Säure generierendes Salz und eine Aminoplastharz-Dispersion mit
einer Restaktivität von kleiner gleich 100 J/g aufweist.
[0018] Nachteilig an den im Stand der Technik aufgeführten Härterzusammensetzungen ist,
dass die Aushärtung des Kunstharzes bei Verwendung von starken Säuren als Härter schwer
zu kontrollieren ist, da die Aushärtung schon bei Zugabe der Säure beginnen kann.
[0019] Um diese unerwünschte Voraushärtung zu vermeiden, ist im Stand der Technik das sogenannten
Härtervorstrichverfahren vorgeschlagen worden, bei dem zuerst die Säure auf das Vor-
oder Zwischenprodukt des Holzspanwerstoffs aufgetragen und danach erst die Beleimung
mit einem Kunstharz vorgenommen wird. Nachteilig hieran ist jedoch der ökonomische
Aufwand durch die zusätzlichen Verfahrensschritte.
[0020] Überdies tragen starke Säuren verstärkt zur unerwünschten Hydrolyse der Leimfuge
bei. Oftmals müssen zusätzliche Puffersysteme zur Verringerung dieser Nachteile eingesetzt
werden, was aber wiederrum zu einer ungenügenden Härtung des Harzes führen kann. Gleiches
gilt für den Einsatz von sauren Salzen, bei denen die Aushärtung ebenfalls mit der
Zugabe der sauren Salze beginnen kann. Ein weiterer Nachteil der Säure generierenden
Salze besteht darin, dass diese Salze üblicherweise freies Formaldehyd benötigen,
um die entsprechende starke Säure zu bilden, die dann zur Aushärtung des Harzes beiträgt.
Insofern benötigen Bindemittelzusammensetzungen (Leimflotten), die Härtersysteme auf
Basis von Säure generierenden Salzen enthalten, einen erhöhten Formaldehydanteil.
Dieses Formaldehyd ist normalerweise nicht dauerhaft gebunden und kann nach Beendigung
des Herstellungsverfahrens langsam wieder freigesetzt werden. Somit sind diese Härterzusammensetzungen
für die Herstellung von Holzspanwerkstoffen mit einem reduzierten Formaldehydgehalt
nicht optimal.
[0021] Ferner kann der Einsatz von Ammoniumsalzen auch aus ökologischen, ökonomischen und
sicherheitstechnischen Aspekten problematisch sein. Zum einen stellen Ammoniumverbindungen
vor, während und nach der Herstellung eine potentielle Emissionsquelle für Ammoniak
dar, zum anderen ist auch der Einsatz von Ammoniumchlorid hinsichtlich des Recyclings
und der thermischen Endverwertung kritisch zu beurteilen. Weiterhin stellt Ammoniumnitrat
bei der Lagerung ein Risiko dar, da es brandfördernd und explosiv ist.
[0022] Ein anderer bedenklicher Aspekt ist, dass beim Einsatz von Ammoniumverbindungen oder
bei direkter Säurezugabe nach der Herstellung des Holzspanwerkstoffs weiterhin Säure
gebildet werden kann oder freie starke Säure im Holzspanwerkstoff verbleibt. Diese
Säure kann zur Hydrolyse der Leimfuge führen, was sich negativ auf die Festigkeit
und Quellungseigenschaften des Holzspanwerkstoffs auswirken kann.
[0023] Ausgehend von dem vorstehend erläuterten Stand der Technik und dessen Nachteilen
bestand eine Aufgabe der Erfindung darin, ein Verfahren bereitzustellen, das ein verbessertes,
alternatives Härtersystem einsetzt. Insbesondere bestand eine Aufgabe der Erfindung
darin, ein Verfahren bereitzustellen, welches erlaubt, Holzspanwerkstoffe mit einem
reduzierten Formaldehydgehalt herzustellen.
[0024] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren nach Anspruch 1, und der Verwendung
gemäß Anspruch 20 gelöst.
[0025] Vorteilhafte Ausführungsformen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen beschrieben
und werden nachfolgend wie der allgemeine Erfindungsgedanke im Einzelnen erläutert
[0026] Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung eines Holzspanwerkstoffs umfasssend
die Schritte:
- a) Bereitstellen eines ersten lignocellulosehaltigen Materials in Form von Holzpartikeln;
- b) Beleimen des ersten lignocellulosehaltigen Materials mit einer Zusammensetzung,
die mindestens ein Aminoplastharz und mindestens einen ersten Härter umfasst, wobei
der erste Härter durch hydrothermischen und mechanischen Aufschluss eines zweiten
lignocellulosehaltigen Materials erhalten wurde, und wobei das zweite lignocellulosehaltige
Material aus einem anderen Rohstoff als das erste lignocellulosehaltige Material stammt;
- c) Verpressen zu einem Holzspanwerkstoff.
[0027] Optional können weitere Verfahrensschritte vor, nach und/oder zwischen den Schritten
a) bis c) durchgeführt werden. Optionale Schritte können beispielsweise das Anwärmen
in einem Vorwärmbehälter, Zerkleinern, Lagern, Mischen, der Zusatz weiterer Stoffe,
Streuen oder Trocknen des in den Schritten a) bis c) verwendeten oder erhaltenen Materials
sein.
[0028] Überraschenderweise wurde festgestellt, dass durch den Einsatz eines Härters aus
hydrothermisch und mechanisch aufgeschlossenem lignocellulosehaltigem Material, die
oben aufgeführten, aus dem Stand der Technik bekannten Probleme weitestgehend vermieden
oder reduziert werden können.
[0029] Da das im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzte Aminoplastharz auch weitere Härter
enthalten kann, wird der durch hydrothermischen und mechanischen Aufschluss von lignocellulosehaltigem
Material erhaltene Härter hier als "erster Härter" bezeichnet.
[0030] Vorteilhaft ist, dass sich der Einsatz des ersten Härters auf einfache Weise in übliche
Verfahren der Holzindustrie zur Herstellung von Holzspanwerkstoffen integrieren lässt
Es sind keine aufwändigen Zwischenschritte oder Verfahrensunterbrechungen erforderlich.
[0031] Vorteilhaft ist ferner, dass der erfindungsgemäß verwendete erste Härter kostengünstig
erhältlich und leicht verfügbar ist. Er ist durch hydrothermischen und mechanischen
Aufschluss von lignocellulosehaltigem Material erhältlich. In einer bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung wird der erste Härter aus Biomasse, die Lignocellulose enthält, gewonnen.
Wenn hier von Biomasse die Rede ist, dann sind damit unterschiedlichste Pflanzen,
Pflanzenteile, Früchte und Mischungen hiervon, insbesondere auch Pflanzenabfälle aus
der Landwirtschaft oder der Holzindustrie gemeint. Die Verwertung dieser Biomasse
zur Herstellung des ersten Härters ist somit ein ökologisch sehr relevanter Vorteil,
da Biomasse einen nachwachsenden Rohstoff darstellt Eine besondere Ausführungsform
der Erfindung ermöglicht es, Pflanzenabfälle, die nur noch oder schon gar nicht mehr
zur Endverwertung geeignet sind, zur Herstellung des ersten Härters zu verwenden.
Insgesamt kann durch das erfindungsgemäße Verfahren eine verbesserte Kaskadennutzung
pflanzlicher Rohstoffe erreicht werden.
[0032] Ein weiterer praxisrelevanter und ökonomischer Vorteil des ersten Härters ist, dass
er besonders einfach und kostengünstig hergestellt werden kann. Verfahren zum hydrothermischen
und mechanischen Aufschluss von lignocellulosehaltigem Material sind dem Fachmann
beispielsweise aus der Faserplattenherstellung bekannt. Auch von praktischer Bedeutung
ist, dass der erste Härter besonders einfach der Bindemittelzusammensetzung (Leimflotte)
zugesetzt werden kann und mit dieser kompatibel ist. Dies ist beispielsweise bei dem
im Stand der Technik mitunter praktizierten Einsatz starker Säuren, wie sie beispielsweise
beim Härtervorstrichverfahren eingesetzt werden, nicht möglich.
[0033] Ferner erlaubt das erfindungsgemäße Verfahren einen reduzierten Einsatz der oben
angesprochenen Chemikalien. Durch die erfindungsgemäße verwendung des ersten nach
Anspruch 20 Härters nach Anspruch 20 Kann der Bedarf an freiem Formaldehyd und/oder
die Menge konventioneller Härter, wie z. B. Säure generierende Salze, deutlich reduziert
werden. Somit stellt der erste Härter eine umweltfreundliche Alternative und/oder
Ergänzung zu den eingangs erläuterten konventionellen Härtern dar.
[0034] Ohne auf eine bestimmte wissenschaftliche Theorie beschränkt sein zu wollen, erscheint
sich diese überraschende Wirkung des ersten Härters dadurch erklären zu lassen, dass
während des hydrothermischen und mechanischen Aufschlusses eine oder mehrere Säuren
freigesetzt werden. Diese mindestens eine Säure scheint zur Aushärtung des Harzes
beizutragen.
[0035] Bei der während des hydrothermischen und mechanischen Aufschlusses freigesetzten,
mindestens eine Säure scheint es sich zudem um eine leicht flüchtige Säure zu handeln.
Dadurch verbleibt diese Säure nicht oder nur kurze Zeit in der Leimfuge des fertigen
Holzspanwerkstoffs. Durch diese kurze Verbleibzeit der Säure kann eine Hydrolyse der
Leimfuge durch diese Säure weitgehend vermieden werden. Wenn hier von Säure die Rede
ist, kann eine einzelne Säure oder Mischungen verschiedener Säuren gemeint sein.
[0036] Wichtige Kenngrößen für Holzspanwerkstoffe sind Quellung, Querzugfestigkeit und Wasseraufnahme.
Überraschenderweise wurde in praktischen Versuchen herausgefunden, dass diese Kenngrößen
in Holzspanwerkstoffen, die durch das erfindungsgemäße Verfahren hergestellt wurden,
verbessert sind. Insbesondere kann bei Verwendung des erfindungsgemäßen ersten Härters,
der durch hydrothermischen und mechanischen Aufschluss erhältlich ist, die Menge an
konventionellem Härter reduziert und teilweise sogar darauf verzichtet werden, ohne
dass es zu einer Verschlechterung dieser Kenngrößen kommt So kann beispielsweise die
Querzugfestigkeit der hergestellten Holzspanwerkstoffe verbessert werden. Ferner kann
die Quellung und/oder die Wasseraufnahme der hergestellten Holzspanwerkstoffe deutlich
reduziert werden.
[0037] Wenn hier von "lignocellulosehaltigem Material" die Rede ist, ist damit pflanzliches
Material gemeint, das Lignocellulose enthält. Lignocellulose im Sinne der Erfindung
enthält Cellulose und/oder Hemicellulose sowie Lignin.
[0038] "Cellulose" ist ein unverzweigtes Polysaccharid, das aus mehreren hundert bis zehntausend
Cellobiose-Einheiten besteht. Diese Cellobiose-Einheiten bestehen wiederum aus zwei
Molekülen Glucose, die über eine 6-1,4-glykosidische Bindung verknüpft sind.
[0039] "Hemicellulose" ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Bestandteile pflanzlicher
Zellwände. Bei den Hemicellulosen handelt sich um verzweigte Polysaccharide mit einer
geringeren Kettenlänge - üblicherweise weniger als 500 Zuckereinheiten - welche aus
verschiedenen Zucker-Monomeren aufgebaut sind. Hemicellulose ist im Wesentlichen aus
verschiedenen Zucker-Monomeren, wie beispielsweise Glucose, Xylose, Arabinose, Galactose
und Mannose, aufgebaut, wobei die Zucker Acetyl- sowie Methylsubstituierte Gruppen
aufweisen können. Sie besitzen eine zufällige, amorphe Struktur und sind gut hydrolysierbar.
Xylose bzw. Arabinose bestehen zum überwiegenden Teil aus Zucker-Monomeren mit fünf
Kohlenstoffatomen (Pentosen). Mannose bzw. Galactose bestehen hauptsächlich aus Zucker-Monomeren
mit sechs Kohlenstoffatomen (Hexosen).
[0040] "Lignine" sind amorphe, unregelmäßig verzweigte aromatische Makromoleküle, welche
in der Natur als Bestandteil von Zellwänden vorkommen und dort die Verholzung (Lignifizierung)
der Zelle bewirken. Sie sind aus substituierten Phenylpropanol-Einheiten aufgebaut,
zeigen einen lipophilen Charakter und sind bei Zimmertemperatur in neutralen Lösemitteln,
wie beispielsweise Wasser, unlöslich. Vorläufersubstanzen von Lignin sind beispielsweise
p-Coumaryl-Alkohol, Coniferyl-Alkohol und Sinapyl-Alkohol. Die Molmassen von Lignin
liegen üblicherweise zwischen 10000 und 20000 g/mol.
[0041] "Hydrolyse" im Sinne der Offenbarung kann insbesondere die Spaltung einer (bio)chemischen
Verbindung durch Reaktion mit Wasser bedeuten. Insbesondere kann dabei formal ein
Wasserstoffatom an das eine Spaltstück und der verbleibende Hydroxylrest an das andere
Spaltstück abgegeben werden.
[0042] Wenn hier von "Holzspanwerkstoff" die Rede ist, dann werden darunter erfindungsgemäß
verschiedenste Werkstoffe auf Spanbasis verstanden, die aus Holz bestehen oder Holz
enthalten. Holzspanwerkstoffe (Spanplatten im weiteren Sinne) bezeichnet eine Produktgruppe
im Bereich der Holzwerkstoffe, die aus Holzpartikeln und mindestens einem Bindemittel
mittels Wärme und Druck hergestellt werden. Eine andere Produktgruppe im Bereich der
Holzwerkstoffe, die nicht von dem Begriff "Holzspanwerkstoff' wie hier verwendet umfasst
ist, stellen die Holzfaserwerkstoffe dar. Zu letzteren gehören Faserplatten, wie beispielsweise
die mitteldichten (MDF) und hochdichten (HDF) Faserplatten. Im Gegensatz zu den Holzspanwerkstoffen,
wird zur Herstellung der Faserplatten das verwendete Holz bis hin zur Holzfaser, Faserbündeln
oder Faserbruchstücken aufgeschlossen. Für den Fachmann sind Holzspanwerkstoffe und
Holzfaserstoffe zwei grundsätzlich verschiedene Werkstoffkategorien, die zu unterscheiden
sind.
[0043] Grundsätzlich kennt der Fachmann unterschiedliche Holzspanwerkstoffe. Beispiele hierfür
sind Spanplatten, Flachpressplatten, Einschichtplatten, Mehrschichtplatten, leichte
Flachpressplatten, Strangpressplatten, Strangpressröhrenplatten (ET - Extruded Tubular),
Strangpressvollplatten (ES -Extruded Solid), kunststoffbeschichtete dekorative Flachpressplatten
(MFB - Melanin Faced Board), Spanholzformteile oder Grobspanplatten (OSB - Oriented
Strand Board). Die Einteilung der Spanplatten kann nach DIN EN 312 erfolgen, wobei
sich die Spanplatten in Festigkeit und Feuchtebeständigkeit unterscheiden können.
OSB-Platten können gemäß ihrer Verwendung nach EN 300 eingeteilt werden. Solche Holzspanwerkstoffe
können beispielsweise zu Laminaten, Bodenbelägen, Arbeitsplatten, Tischplatten, Paletten
und/oder Holzformteilen weiterverarbeitet werden. Holzspanwerkstoffe, ihre Herstellung
und Anforderungen an diese sind auch in "
Taschenbuch der Holztechnik", A. Wagenführ, F. Scholz, Carl Hanser Verlag, 2. Auflage,
2012 auf den Seiten 143 bis 146 beschrieben.
[0044] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung ist der Holzspanwerkstoff eine Holzspanwerkstoffplatte.
Vorzugsweise ist der Holzspanwerkstoff eine Span- oder OSB-Platte. Praktische Versuche
haben gezeigt, dass sich das erfindungsgemäße Verfahren sowie die beschriebenen Ausführungsformen
besonders gut zur Herstellung von gepressten Holzspanwerkstoffen, insbesondere zur
Herstellung von Span- und OSB-Platten eignen.
[0045] Vorzugsweise besteht der Holzspanwerkstoff, beziehungsweise dessen Vor- oder Zwischenprodukt,
im Wesentlichen aus lignocellulosehaltigem Material und Bindemitteln. "Im Wesentlichen"
bedeutet hierbei zu 90 Gew.-%, 95 Gew.-%, 99 Gew.-% oder 99,9 Gew.-%, jeweils bezogen
auf das Gesamtgewicht des Holzspanwerkstoffs.
[0046] Es ist jedoch auch möglich, dass der Holzspanwerkstoff, beziehungsweise dessen Vor-
oder Zwischenprodukt, weitere Stoffe enthält. Beispielsweise können Netz- und/oder
Trennmittel für einen verbesserten Pressvorgang zugesetzt werden. Weiterhin können
Pilzschutzmittel oder Feuerschutzmittel zugesetzt werden. Dadurch können die fertigen
lignocellulosehaltigen Holzspanwerkstoffe speziellen Anforderungen genügen. Derartige
Anforderungen wurden oben bereits erwähnt und sind dem Fachmann bekannt. Insbesondere
können derartige weitere Stoffe im erfindungsgemäßen Verfahren vor, während und/oder
nach einem der Schritte a) bis c) hinzugefügt werden.
[0047] Schritt a) des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht die Bereitstellung von Holzpartikeln
vor. Wenn hier von Holzpartikeln die Rede ist, so sind damit jegliche Holzpartikel,
die für die Herstellung von Holzspanwerkstoffen eingesetzt werden können, gemeint
Holzpartikel können jegliche Zerkleinerungsprodukte von Lignocellulose enthaltenden
Materialien sein. Unter Holzpartikel, wie hier verwendet, fallen keine Holzfasern.
[0048] Da der erfindungsgemäß verwendete Härter ebenfalls Lignocellulose enthält, werden
die in Schritt a) eingesetzten Holzpartikel hier als "erstes lignocellulosehaltiges
Material" bezeichnet Das zur Herstellung des Härters eingesetzte Material wird zur
Unterscheidung als "zweites lignocellulosehaltiges Material" bezeichnet. Das erste
lignocellulosehaltige Material unterscheidet sich von dem zweiten lignocellulosehaltigen
Material wie weiter unten erläutert.
[0049] Zur Herstellung von Holzspanwerkstoffen gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren sowie
seinen Ausführungsformen wird in Schritt a) ein erstes lignocellulosehaltiges Material
verwendet, welches in Form von Holzpartikeln vorliegt. Je nach Art des Holzspanwerkstoffs
kann das erste lignocellulosehaltige Material durch Zerkleinern von Lignocellulose
enthaltenden Materialien erzeugt werden. Erfindungsgemäß wird das erste lignocellulosehaltige
Material in Form von Holzpartikeln bereitgestellt, d. h. es kann Holzpartikel enthalten
oder daraus bestehen. Holzpartikel, wie hier verwendet, können Holz enthalten oder
aus Holz bestehen. Beispiele für Holzpartikel sind feinteiliges Holzmaterial, Holzspäne,
Holzstrands, Holzwafer, Holzflakes und Hackschnitzel. Üblicherweise werden die Holzpartikel
für Holzspanwerkstoffe durch schneidende Verfahren gewonnen. In einem optionalen Schritt
können die Holzpartikel vor der Weiterverarbeitung getrocknet oder zwischengelagert
werden. Auch können dem ersten und/oder zweiten lignocellulosehaltigen Material weitere
Stoffe zugemischt werden.
[0050] Grundsätzlich sind dem Fachmann verschiedene Methoden bekannt, um Holzspanwerkstoffe
durch Verpressen herzustellen. Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung werden die
in Schritt b) beleimten Holzpartikel in Schritt c) zu einem Holzspanwerkstoff verpresst.
Vorzugsweise handelt es sich bei Schritt c) um eine Heißverpressung. Optimale Ergebnisse
können erzielt werden, wenn der Pressfaktor beim Heißpressen von 2 bis 10 s/mm, bevorzugt
von 3 bis 6 s/mm, beträgt. Unter Pressfaktor wird hier insbesondere die Verweilzeit
des lignocellulosehaltigen Holzspanwerkstoffs in Sekunden je Millimeter Dicke oder
Stärke des fertigen gepressten lignocellulosehaltigen Holzspanwerkstoffs in der Presse
verstanden.
[0051] Geeignete Temperaturen für das Verpressen in Schritt c) des erfindungsgemäßen Verfahrens
oder einer seiner Ausführungsformen sind Temperaturen von 150 °C bis 250 °C, bevorzugt
von 160 °C bis 240 °C, insbesondere bevorzugt von 180 °C bis 230 °C. Bei Temperaturen
in diesen Bereichen kann das Verfahren besonders wirtschaftlich durchgeführt werden.
[0052] Aus ökonomischen und verfahrenstechnischen Gründen hat es sich als vorteilhaft erwiesen,
wenn beim Verpressen ein spezifischer Pressdruck (aktiver Druck auf der Plattenoberfläche)
von 50 bis 300 N/cm
2, verwendet wird. Derartige Drücke stellen eine besonders gute Verklebung der lignocellulosehaltigen
Partikel miteinander sicher. Zudem kann mit einem solchen Pressdruck eine hohe Festigkeit
der lignocellulosehaltigen Holzspanwerkstoffe erreicht werden.
[0053] Da es sich bei dem erfindungsgemäßen Verfahren um ein Verfahren zur Herstellung von
Holzspanwerkstoffen aus den in Schritt a) eingesetzten Holzpartikel (hier als "erstes
lignocellulosehaltiges Material" bezeichnet) handelt, beinhaltet dieses Verfahren
kein Zerfasern, Dämpfen, Kochen oder chemisches und/oder mechanisches Aufschließen
(z.B. in einem Refiner) des ersten lignocellulosehaltigen Materials, wie es beispielsweise
bei der Herstellung von Holzfaserplatten praktiziert wird.
[0054] In Schritt b) des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das erste lignocellulosehaltige
Material mit einer Zusammensetzung, die mindestens ein Aminoplastharz und mindestens
einen ersten Härter umfasst, beleimt. Wenn hier von "Beleimen" die Rede ist, dann
kann darunter das ganz oder teilweise Benetzen mit einer Zusammensetzung, die ein
Bindemittel enthält ("Bindemittel-haltige Zusammensetzung"), verstanden werden. Derartige
Zusammensetzungen werden vom Fachmann insbesondere auch als "Leimflotte" bezeichnet.
Erfindungsgemäß handelt es sich bei dem Bindemittel um ein Aminoplastharz. Beleimen
kann insbesondere auch das gleichmäßige Verteilen der Bindemittel-haltigen Zusammensetzung
auf den Holzpartikeln bedeuten. Das Auftragen der Bindemittel-haltigen Zusammensetzung
kann beispielsweise durch Tränken oder Aufsprühen erfolgen.
[0055] Das erfindungsgemäße Verfahren umfasst in Schritt b) das Beleimen von Holzpartikeln
mit einer Zusammensetzung, die mindestens ein Aminoplastharz und mindestens einen
ersten Härter umfasst. Dies kann auf vielfältige Weise verwirklicht werden. Insbesondere
kann zur Herstellung der Zusammensetzung dem Aminoplastharz der Härter vor und/oder
beim Beleimen zugesetzt werden. Gemäß einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens wird als Zusammensetzung zum Beleimen der Holzpartikel eine vorher hergestellte
Mischung aus Aminoplastharz und erstem Härter verwendet und auf die Holzpartikel aufgebracht.
Gemäß dieser Ausführungsform des Verfahrens werden die Holzpartikel also mit einer
Zusammensetzung, die ein Aminoplastharz und einen ersten Härter enthält, beleimt,
indem eine vorher hergestellte Mischung aus Aminoplastharz und erstem Härter auf die
Holzpartikel aufgebracht wird.
[0056] Vom erfindungsgemäßen Verfahren sind jedoch ebenfalls solche Ausführungsformen umfasst,
bei denen der Härter dem Aminoplastharz erst während des Beleimens zugesetzt wird
und die Zusammensetzung also erst
in situ beim Beleimen entsteht Dies kann insbesondere dadurch erfolgen, dass beim Beleimen
der Holzpartikel das Aminoplastharz und der erste Härter getrennt voneinander, ggf.
mit weiteren Additiven oder Bindemitteln, auf die Holzpartikel aufgebracht werden.
Dabei vermischen sich das Aminoplastharz und der Härter, sodass eine Zusammensetzung
gebildet wird, die ein Aminoplastharz und einen ersten Härter "enthält". Beispielweise
kann in einem ersten Schritt das Aminoplastharz und in einem zweiten Schritt der erste
Härter auf die Holzpartikel aufgebracht werden. Umgekehrt ist es auch möglich, in
einem ersten Schritt zunächst den ersten Härter und dann in einem zweiten Schritt
das Aminoplastharz auf die Holzpartikel aufzubringen. Auch ein gleichzeitiges Aufbringen
von Aminoplastharz und erstem Härter durch zwei getrennte Aufbringvorrichtungen, wie
zum Beispiel Düsen, auf die Holzpartikel ist möglich. Demgemäß sieht eine weitere
Ausführungsform des Verfahrens vor, dass die Holzpartikel mit einer Zusammensetzung,
die ein Aminoplastharz und einen ersten Härter enthält, beleimt werden, indem das
Aminoplastharz und der erste Härter getrennt voneinander auf die Holzpartikel aufgebracht
werden.
[0057] Die Menge des beim Beleimen eingesetzten Bindemittels beträgt vorzugsweise 0,1 bis
20 Gew.-%, insbesondere 1 bis 16 Gew.-%, noch bevorzugter 4 bis 14 Gew.-%, bezogen
auf das Holztrockengewicht (Festharz/atro). Für viele Anwendungen ist es besonders
praxisgerecht, wenn das Bindemittel in einer Menge von 0,1 bis 15 Gew.-% bezogen auf
das Holztrockengewicht (Festharz/atro) eingesetzt wird.
[0058] Grundsätzlich ist das erfindungsgemäße Verfahren oder eine seiner Ausführungsformen
für eine Vielzahl von Bindemittel-Holzpartikel-Kombinationen geeignet. Erfindungsgemäß
wird mindestens ein Aminoplastharz als Bindemittel eingesetzt. Alternativ oder zusätzlich
sind auch andere Kunstharze, insbesondere Phenoplaste, Vinylacetate, Isocyanate, Epoxidharze
und/oder Acrylharze im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbar. In einer Ausführungsform
der Erfindung besteht das Bindemittel aus einem Aminoplastharz und einem oder mehreren
Härtern. Beispiele für Aminoplastharze sind Harnstoff-Formaldehyd-Harze (UF), Melamin
verstärkte Harnstoff-Formaldehyd-Harze (MUF), Melamin-Harnstoff-Phenol-Formaldehyd-Harze
(MUPF), oder Mischungen hiervon. In der Praxis lassen sich besonders gute Ergebnisse
mit Harnstoff-Formaldehyd-Harzen (UF), Melamin verstärkten Harnstoff-Formaldehyd-Harzen
(MUF) oder Mischungen davon erzielen.
[0059] Vorzugsweise ist das Aminoplastharz durch Kondensation einer Aminogruppen-enthaltenden
Komponente mit einer Carbonylverbindung erhältlich. Bei der Carbonylverbindung handelt
es sich vorzugsweise um Formaldehyd. Bei der Aminogruppen-enthaltenden Komponente
handelt es sich vorzugsweise um Melamin und/oder Harnstoff. Besonders bevorzugt ist
das Aminoplastharz ein Melaminharz oder ein Harnstoffharz, insbesondere ein Melamin-Formaldehyd-Harz
oder ein Harnstoff-Formaldehyd-Harz.
Die in dem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzte Zusammensetzung (Leimflotte) enthält
ferner mindestens einen ersten Härter. Vorteilhafterweise enthält das Bindemittel
0,1 bis 15 Gew.-% des ersten Härters, insbesondere 0,5 bis 10 Gew.-%, bezogen auf
den Festharzanteil des Aminoplastharzes.
[0060] Der Begriff "Härter", wie hier verwendet, ist ein dem in der Holzspanwerkstoff-Herstellung
tätigen Fachmann bekannter Fachbegriff. Härter sind Katalysatoren, die eine Aushärtungs-
bzw. Vernetzungsreaktion katalysieren, d.h. fördern bzw. initiieren, ohne selbst dabei
verbraucht zu werden. Wie dem Fachmann bekannt ist, sind Katalysatoren Stoffe, die
die Reaktionsgeschwindigkeit durch Senkung der Aktivierungsenergie einer chemischen
Reaktion erhöhen, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Die Aushärtung von Aminoplastharzen
erfolgt durch Säurekatalyse. Die Säure, welche als Härter fungiert, initiiert bzw.
treibt hierbei die Aushärtungs- bzw. Vernetzungsreaktion voran, ohne dabei selbst
verbraucht zu werden. Härter sind daher von den Edukten der Aminoplastharz-Vernetzungsreaktion
zu unterscheiden, welche während der Aminoplastharz-Aushärtung miteinander reagieren
und folglich verbraucht werden. Gleichfalls sind Härter auch von Zusatzstoffen, z.B.
Verdünnungsmitteln wie Lignin, zu unterscheiden, welche über funktionale Gruppen in
der Lage sind, in das Aminoplastharz einzupolymerisieren. Solche Zusatzstoffe, welche
während der Aminoplastharz-Aushärtung einpolymerisieren und dadurch abreagieren und
verbraucht werden können fallen nicht unter den Begriff "Härter", wie hier verwendet.
[0061] Der ertindungsgemäß verwendete erste Härter basiert auf lignocellulosehaltigem Material.
Er wird durch hydrothermischen und mechanischen Aufschluss eines solchen lignocellulosehaltigen
Materials erhalten. Gemäß einer Ausführungsform enthält der erfindungsgemäß verwendete
erste Härter daher hydrothermisch und mechanisch aufgeschlossenes lignocellulosehaltiges
Material oder besteht daraus.
[0062] Der erfindungsgemäß verwendete Härten wird aus einem zweiten lignocellulosehaltigen
Material erhalten, welches sich von dem oben beschriebenen, in Schritt a) verwendeten
ersten lignocellulosehaltigen Material unterscheidet Dieser Unterschied besteht insbesondere
in der Herkunft und/oder der zugrundeliegenden Rohstoffe. Erfindungsgemäß ist insbesondere
vorgesehen, dass das zweite lignocellulosehaltige Material aus einem anderen Rohstoff
als das erste lignocellulosehaltige Material stammt Das erste und zweite lignocellulosehaltige
Material können dabei unterschiedliche Rohstoffe darstellen oder aus unterschiedlichen
Rohstoffen hergestellt oder gewonnen worden sein. Gemäß einer Ausführungsform besteht
der Unterschied bei den Rohstoffen in der Pflanzenart oder der Zusammenstellung an
Pflanzenarten aus denen die beiden lignocellulosehaltigen Materialien gewonnen werden.
Gemäß einer anderen Ausführungsform besteht der Unterschied bei den Rohstoffen in
der Pflanzengattung oder der Zusammenstellung an Pflanzengattungen aus denen die beiden
lignocellulosehaltigen Materialien gewonnen werden. Die Begriffe Pflanzenart und Pflanzengattung
sind gemäß der üblichen botanischen Definition (Taxon und Genus) zu verstehen.
[0063] Das erste lignocellulosehaltige Material wird erfindungsgemäß in Form von Holzpartikeln
bereitgestellt, das heißt, dass zumindest ein Rohstoff aus dem das erste lignocellulosehaltige
Material stammt, Holz ist Das zweite lignocellulosehaltige Material kann aus einer
anderen Holzart gewonnen sein, als die, welche als Rohstoff für das erste lignocellulosehaltige
Material verwendet wurde. Vorzugsweise unterscheiden sich die Rohstoffe für das erste
und zweite lignocellulosehaltige Material jedoch derart, dass das zweite lignocellulosehaltige
Material aus einem Rohstoff stammt, der von Holz, insbesondere von Baumholz, verschieden
ist.
[0064] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist das zweite lignocellulosehaltige
Material ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus einjährigen Pflanzen, Nutzpflanzen,
Gräsern, Laub, Getreide, deren Bestandteilen und Abfällen oder Mischungen hiervon.
Unter Nutzpflanze wird insbesondere Stroh, Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hirse, Mais,
Miscanthus, Reis, deren Bestandteile, deren Abfälle und/oder Mischungen davon verstanden.
Wenn hiervon "einjährigen Pflanzen" die Rede ist, dann sind damit Pflanzen und/oder
ihre Bestandteile gemeint, die Lignocellulose enthalten und von der Keimung ihres
Samens bis zur Befruchtung ihrer Blüte und zur Reife des neuen Samens eine Vegetationsperiode
benötigen und nach der Reife des neuen Samens absterben. In einer besonders bevorzugten
Ausführungsform werden ein oder mehrere dieser ausgewählten zweiten lignocellulosehaltigen
Materialen hydrothermisch und mechanisch aufgeschlossen. Dieses hydrothermisch und
mechanisch aufgeschlossene Material kann dann als erster Härter eingesetzt werden.
Der Einsatz der oben beschriebenen lignocellulosehaltigen Materialien zur Herstellung
des ersten Härters hat sich als wirtschaftlich vorteilhaft erwiesen. Die genannten
Pflanzen sind leicht sowie schnell zu kultivieren und lassen sich einfach und in wenigen
Verfahrensschritten verarbeiten. Beispielsweise wird durch die Verarbeitung von Pflanzenabfällen
nicht nur ein kostengünstiger Rohstoff, sondern auch eine verbesserte Kaskadennutzung
der pflanzlichen Rohstoffe sichergestellt. Im Gegensatz dazu wären beim Einsatz von
Holz, insbesondere Baumholz, als Rohstoff zur Herstellung des ersten Härters die viel
längeren Kultivierungszeiten, der deutlich erhöhte Arbeitsaufwand sowie die Kosten
der Verarbeitung des Holzes nachteilig. Es hat sich erfindungsgemäß daher als vorteilhaft
erwiesen, wenn sich das zur Herstellung des erfindungsgemäß verwendeten Härters eingesetzte,
sogenannte "zweite" lignocellulosehaltige Material von dem in Schritt a) des erfindungsgemäßen
Verfahrens zur Herstellung des Holzspanwerkstoffs eingesetzten, sogenannten "ersten"
lignocellulosehaltigen Material unterscheidet
[0065] Aus diesen Gründen ist es gemäß einer besonderen Ausführungsform der Erfindung vorgesehen,
dass das zweite lignocellulosehaltige Material kein Holz, insbesondere kein Baumholz,
enthält und auch nicht aus derartigen Rohstoffen stammt. Erfindungsgemäß fallen die
oben für das zweite lignocellulosehaltige Material aufgezählten Rohstoffe (siehe oben
und Ansprüche 14 und 15) nicht unter den Oberbegriff Holz.
[0066] In einer Ausführungsform der Erfindung kann das zweite lignocellulosehaltige Material
für den hydrothermischen und mechanischen Aufschluss unzerkleinert eingesetzt werden.
In einer anderen Ausführungsform der Erfindung kann das zweite lignocellulosehaltige
Material für den hydrothermischen und mechanischen Aufschluss auch vorzerkleinert
werden. Vorzugsweise wird dieses trocken vorzerkleinert. Das zerkleinerte zweite lignocellulosehaltige
Material kann eine mittlere Partikelgröße - bestimmt nach der Maschenweite des Siebes
- von 20 µm bis 20 mm, 0,05 µm bis 1 mm oder 0,4 µm bis 0,4 mm aufweisen.
[0067] Bei den hier angegebenen "mittleren Partikelgrößen" handelt es sich um mittlere Siebdurchmesser,
welche darüber bestimmt werden, dass die Partikel eine definierte Maschenweite eines
Siebes passieren. Dem Fachmann sind grundsätzlich Methoden zur Bestimmung von Partikelgrößen
bekannt, beispielsweise die Siebanalyse gemäß DIN 66165. Zur Analyse des mittleren
Siebdurchmessers kann z.B. ein Siebsystem mit von oben nach unten kleiner werdenden
Maschenweiten gewählt werden. Beim Siebvorgang bleibt dann in jedem Sieb jener Anteil
liegen, der durch das obere Sieb durchgegangen ist, jedoch durch das betrachtete Sieb
nicht mehr durchgekommen ist Die einzelnen Anteile können gewogen und in Form einer
Partikelverteilung prozentual dargestellt werden. Hieraus lässt sich auch der mittlere
Siebdurchmesser nach DIN 66165 berechnen. Für kleine Partikelgrößen bzw. Partikelfraktionen
können zur Bestimmung der Partikelgröße mikroskopische Verfahren herangezogen werden.
[0068] Vorzugsweise hat das zerkleinerte zweite lignocellulosehaltige Material eine Partikelgrößenverteilung
bei der mindestens 70, 80, 90 oder 95 Gew.-% des Materials einen Siebdurchmesser von
20 µm bis 20 mm, 0,05 µm bis 1 mm, oder 0,1 µm bis 0,4 mm, bestimmt durch die Maschenweite
des Siebes, aufweist Diese Partikelgrößenverteilung kann vor oder nach dem mechanischen
Aufschluss vorliegen. Vorzugsweise bezieht sich diese Partikelgrößenverteilung auf
das Material, das bereits mechanisch zerkleinert wurde und nur noch einem hydrothermischen
und mechanischen Aufschluss unterzogen wird.
[0069] In einer Ausführungsform kann die Partikelgröße bzw. mittlere Partikelgröße derart
bestimmt werden, dass die Partikel des zweiten lignocellulosehaltigen Materials ein
Sieb mit einer Maschenweite von 20 mm, vorzugsweise von 1 mm, besonders bevorzugt
von 0,4 mm und insbesondere bevorzugt von 0,2 mm passieren. Für die Praxis bedeutet
dies, dass gemäß einer Ausführungsform der Erfindung Partikelfraktionen eingesetzt
werden können, die sich aus Partikeln ergeben, die diese Maschenweiten passieren.
Die mittlere Partikelgröße wird in dieser Ausführungsform durch eine "Höchstgröße"
der Partikel durch die oben definierten Maschenweiten bestimmt Diese Partikelgrößen
können vor oder nach dem hydrothermischen und mechanischen Aufschluss vorliegen. Vorzugsweise
beziehen sich diese Partikelgrößen auf das Material, das bereits mechanisch zerkleinert
wurde und nur noch einem hydrothermischen und mechanischen Aufschluss unterzogen wird.
[0070] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung hat das zerkleinerte zweite lignocellulosehaltige
Material eine Partikelgrößenverteilung bei der mindestens 70, 80, 90 oder 95 Gew.-%
des Materials einen Siebdurchmesser kleiner 20 mm, vorzugsweise kleiner 1 mm, kleiner
0,4 mm oder kleiner 0,2 mm aufweist, jeweils bestimmt durch das Passieren eines Siebes
mit entsprechender Maschenweite.
[0071] Wenn hier von "Trockengewicht" die Rede ist, dann ist damit der Trockenmassegehalt
gemeint. Der Trockenmassegehalt ist jener Bestandteil einer Substanz, der nach Abzug
der Masse des enthaltenen Wassers übrig bleibt Dies bedeutet, dass sich der Trockenmassegehalt
und der Wassergehalt einer Substanz zu 100 Prozent ergänzen. In einer Ausführungsform
der Erfindung kann der erste Härter ein Trockengewicht von 5 bis 25 Gew.-%, insbesondere
von 10 bis 20 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht des Materials aufweisen.
[0072] Während des hydrothermischen und mechanischen Aufschlusses des zweiten lignocellulosehaltigen
Materials kann Säure freigesetzt werden. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform enthält
der erste Härter in Schritt b) eine Säure, die durch den hydrothermischen und mechanischen
Aufschluss des zweiten lignocellulosehaltigen Materials freigesetzt wurde. Dies ist
insbesondere deshalb von Vorteil, da das hydrothermisch und mechanisch aufgeschlossene
zweite lignocellulosehaltigen Material direkt die Säure, die als Katalysator bei der
Aushärtungsreaktion (wie weiter oben beschrieben) wirken kann, enthält und nicht erst
freigesetzt werden muss. In einer Ausführungsform der Erfindung setzt das zweite lignocellulosehaltige
Material während des hydrothermischen und mechanischen Aufschlusses in Gegenwart von
Wasser und/oder Wärmeeinwirkung mindestens eine Säure frei. Überraschenderweise wurde
festgestellt, dass während des hydrothermischen und mechanischen Aufschlusses bevorzugt
schwache und/oder flüchtige Säuren freigesetzt werden. In einer bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung wird während des hydrothermischen und mechanischen Aufschlusses Ameisensäure
und/oder Essigsäure freigesetzt Da Ameisensäure und/oder Essigsäure schwache Säuren
sind, können somit die oben beschriebenen Nachteile der starken Säuren weitestgehend
vermieden werden.
[0073] "Hydrothermisch", wie hier verwendet, bedeutet, dass der Aufschluss unter Einwirkung
von Wasser und erhöhter Temperatur erfolgt. Das Wasser kann dabei aus den verwendeten
Materialien selbst stammen oder zugesetzt werden. Vorzugsweise wird Wasser zugesetzt,
insbesondere in Form von Wasserdampf. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der
Erfindung handelt es sich bei dem in Schritt b) genannten Aufschluss um einen gleichzeitigen
hydrothermischen und mechanischen Aufschluss.
[0074] Ohne an eine wissenschaftliche Theorie gebunden sein zu wollen, scheint die Freisetzung
der Säure auf die gute Hydrolysierbarkeit der Hemicellulose zurückzuführen zu sein.
So führten Vergleichsversuche mit mikrokristalliner Cellulose, die den Bedingungen
des hydrothermischen und mechanischen Aufschlusses unterworfen wurde, nicht zur Freisetzung
der Säure. Grundsätzlich sind die β-1,4-glykosidischen Bindungen der Glucosemoleküle
sehr stabil. Somit bedarf es zur Hydrolyse der Cellulose drastischer Bedingungen,
wie beispielsweise stark sauren oder stark alkalischen Bedingungen oder spezieller
Enzyme. Ein Grund dafür, dass die mikrokristalline Cellulose während des hydrothermischen
und mechanischen Aufschlusses keine Säure freisetzt, könnte somit sein, dass dieser
Aufschluss nicht ausreichend sauer oder alkalisch ist.
[0075] Damit scheint sich auch erklären zu lassen, warum zur Herstellung des ersten Härters
das oben bereits beschriebene zweite lignocelluosehaltige Material viel besser geeignet
ist als beispielsweise Baumholz. Ein Grund hierfür könnte sein, dass das erfindungsgemäß
verwendete zweite lignocellulosehaltige Material, insbesondere die oben genannten
Pflanzen einen höheren durchschnittlichen Hemicelluloseanteil aufweisen als beispielsweise
Baumholz, insbesondere Nadelholz.
[0076] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung trägt die Freisetzung der Säure zur Härtung
des Harzes bei. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das Harz durch Säurekatalyse
ausgehärtet werden kann. Zu den durch Säurekatalyse aushärtbaren Harzen gehören insbesondere
Aminoplastharze. Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung trägt die während des hydrothermischen
und mechanischen Aufschlusses freigesetzte Säure zur Härtung des in der Bindemittel-haltigen
Zusammensetzung enthaltenen Aminoplastharzes bei.
[0077] In einer Ausführungsform der Erfindung weist die während des hydrothermischen und
mechanischen Aufschlusses freigesetzte Säure ein Molekulargewicht von 40 g/mol bis
500 g/mol, insbesondere 40 g/mol bis 250 g/mol auf. Gemäß einer weiteren Ausführungsform
ist die Säure eine Brönsted-Säure mit einem pK
a von 2 bis 8, insbesondere von 3 bis 6. Bevorzugt ist die Säure eine Carbonsäure mit
einer Kettenlänge von 1 bis 5 Kohlenstoffatomen. Beispiele für Carbonsäuren sind Ameisensäure,
Essigsäure, Propansäure, Butansäure, Pentansäure und Derivate davon. Beispiele und
Eigenschaften von Brönsted-Säuren sind beispielsweise im "
Basiswissen der Chemie", C. Mortimer, Thieme, 7. Auflage, 2001 auf den Seiten 281
bis 290 beschrieben. Unter pK
a wird der negative dekadische Logarithmus der Säurekonstante K
a bei Standardbedingungen verstanden (vgl. auch "
Organic Chemistry", Jonathan Clayden, Nick Greeves, Stuart Warren, OUP Oxford, 2012,
Seiten 163-181). Je kleiner der pK
a -Wert ist, desto stärker ist die Säure. Weist eine Säure mehrere Dissoziationsstufen
auf (z.B. H
2SO
4: pK
a 1. Stufe: -3, 2. Stufe: 1,92), so ist hier mit dem pK
a -Wert, der pK
a -Wert der 1. Dissoziationsstufe gemeint Die pK
a -Werte einiger wichtiger Brönsted-Säuren finden sich in nachfolgender Tabelle.
| Säurestãrke |
pKa |
Säure |
| sehr stark |
-10 |
HClO4 |
| -10 |
HI |
| -8,9 |
HBr |
| -6 |
HCl |
| -3 |
H2SO4 |
| -1,32 |
HNO3 |
| stark |
0 |
H3O+ |
| 1,92 |
HSO4- |
| 2,13 |
H3PO4 |
| schwach |
3,77 |
HCOOH |
| 4,76 |
CH3COOH |
[0078] In einer Ausführungsform der Erfindung ist die Carbonsäure eine schwache Säure. Wenn
hier oder anderer Stelle von schwachen Säuren die Rede ist, dann ist damit gemeint,
dass der pK
a gleich oder größer 3 ist Bei einem pK
a der Brönsted-Säure von kleiner als 3 kann das Bindemittel durch die Säure angegriffen
und zumindest teilweise hydrolysiert werden.
[0079] Praktische Versuche mit dem erfindungsgemäß einzusetzenden ersten Härter haben eine
deutlich verminderte Hydrolyse der Leimfuge ergeben, wenn die Säure, die während des
hydrothermischen und mechanischen Aufschlusses freigesetzt wird und zur Härtung des
Aminoplastharzes beitragen kann, eine schwache Säure ist. Ein Grund hierfür könnte
sein, dass durch die geringe Acidität der schwachen Säuren die Hydrolyse nicht so
stark ausgeprägt ist, wie dies bei Säuren aus konventionellen Härtern und/oder starken
Säuren der Fall ist Konventionelle Härter, wie beispielsweise Ammoniumsalze, sind
auch noch nach Fertigstellung des Holzspanwerkstoffs in der Lage weitere Säuren freizusetzen,
die in die Leimfuge diffundieren und diese hydrolysieren können.
[0080] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist die Carbonsäure eine flüchtige
Säure. Beispiele für flüchtige Säuren sind Ameisensäure oder Essigsäure. Die Flüchtigkeit
der Säure kann weiter zur besseren Stabilität der Leimfuge beitragen. Ein Grund hierfür
könnte sein, dass eine flüchtige Säure eine kürzere Zeit in der Leimfuge verbleibt
als Säuren aus konventionellen Härtern. Durch diese kürzere Verbleibzeit kann eine
unerwünschte Hydrolyse der Leimfuge reduziert oder sogar verhindert werden.
[0081] Der erste Härter ist durch hydrothermischen und mechanischen Aufschluss erhältlich.
Geeignete Temperaturen für den hydrothermischen und mechanischen Aufschluss des zweiten
lignocellulosehaltigen Materials sind Temperaturen von 120 bis 180 °C, bevorzugt 130
bis 170 °C und insbesondere bevorzugt 140 bis 160 °C.
[0082] Aus verfahrenstechnischen Gründen ist es besonders praxisgerecht, wenn der hydrothermische
und mechanische Aufschluss des zweiten lignocellulosehaltigen Materials bei einem
Druck von 3 bis 10 bar, insbesondere bei 4 bis 8 bar, erfolgt.
[0083] In einer Ausführung der Erfindung beträgt die Dauer des hydrothermischen und mechanischen
Aufschlusses 2 Sekunden bis 40 Minuten, insbesondere 5 Sekunden bis 30 Minuten.
[0084] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann der hydrothermische und mechanische
Aufschluss in einem Vorwärmbehälter, Kocher und/oder Refiner durchgeführt werden.
Vorzugsweise wird der hydrothermische und mechanische Aufschluss in einem Kocher und/oder
Druckreaktor durchgeführt. Alternativ oder zusätzlich wird der hydrothermische und
mechanische Aufschluss vorzugsweise in einem Refiner durchgeführt. Weiterhin kann
der hydrothermische und mechanische Aufschluss die folgenden Schritte umfassen:
- (i) hydrothermischer Aufschluss des zweiten lignocellulosehaltigen Materials in einem
Köcher und/oder Druckreaktor;
- (ii) mechanischer Aufschluss durch Zerkleinern des zweiten lignocellulosehaltigen
Materials aus Schritt (i) in einem Refiner.
[0085] Die Begriffe Kocher, Druckreaktor und Refiner sind dem in der Holzindustrie tätigen
Fachmann bekannt. Unter "Kocher" wird insbesondere eine Vorrichtung verstanden, die
zum hydrothermischen Aufschluss des zweiten lignocellulosehaltigen Materials geeignet
ist. "Druckreaktor" ist jeder Reaktionsbehälter, der einen abgedichteten, abgegrenzten
Raum darstellt, in dem ein Druck aufgebaut werden kann und der für die Durchführung
des hydrothermischen Aufschluss des zweiten lignocellulosehaltigen Materials geeignet
ist. Unter "Refiner" versteht der Fachmann eine Vorrichtung zur Zerkleinerung bzw.
Zerfaserung von Holz, insbesondere unter Druckeinwirkung. Beispiele für in der Praxis
gebräuchliche Refiner sind Southerland-Refiner mit Hohlachse und einer beweglichen
Mahlscheibe, Fritz-Refiner mit 10 Mahlscheiben, Calfin-Refiner oder Hydrorefiner.
[0086] Der hydrothermische Aufschluss in Schritt (i) kann bei einer Temperatur von 120 bis
180 °C, insbesondere bei 140 bis 160 °C erfolgen. Geeignete Drücke für den hydrothermischen
Aufschlusses liegen zwischen 3 bis 8 bar, insbesondere bei 4 bis 6 bar. Die Dauer
des Aufschlusses kann zwischen 5 und 40 Minuten betragen. Als vorteilhaft hat sich
eine Aufschlussdauer von 30 min erwiesen. Gute Ergebnisse lassen sich erzielen, wenn
Schritt (i) in Anwesenheit von Wasser durchgeführt wird. Als besonders praxisgerecht
hat sich der Einsatz von Wasserdampf erwiesen.
[0087] Der mechanische Aufschluss im Schritt (ii) erfolgt in einem Refiner. Besonders geeignete
Prozesstemperatur liegen in einem Bereich von 140 bis 180 °C, insbesondere von 150
bis 160 °C und bei einem Druck von 1 bis 8 bar, insbesondere bei 4 bis 6 bar. Die
Dauer des mechanischen Aufschlusses kann 2 Sekunden bis 5 Minuten, insbesondere 5
Sekunden bis 3 Minuten betragen. In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann
Schritt (ii) unter Anwesenheit von Wasser, insbesondere Wasserdampf durchgeführt werden.
[0088] In einer weiteren Aufführungsform der Erfindung können optional weitere Verfahrensschritte
vor, nach oder zwischen den Schritten (i) und (ii) durchgeführt werden. Optionale
Schritte können das Anwärmen in einem Vorwärmbehälter, Zerkleinern, Lagern, Mischen,
Streuen, Zusatz weiterer Stoffe oder Trocknen des lignocellulosehaltigen Materials
oder einer Mischung enthaltend das lignocellulosehaltige Material aus Schritt (i)
und/oder (ii) sein.
[0089] In der Praxis hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die Bindemittel-haltige
Zusammensetzung neben dem erfindungsgemäßen verwendeten ersten Härter auch noch einen
zweiten Härter enthält Der zweite Härter kann dabei ein oben beschriebener konventioneller
Härter, insbesondere ein Ammoniumsalz sein. Beispiele für geeignete Ammoniumsalze
sind Ammoniumnitrat, Ammoniumphosphat, Ammoniumchlorid und Ammoniumsulfat. Unter Reaktion
mit Formaldehyd bilden diese Ammoniumsalze ihre korrespondierende Säure die als saurer
Katalysator zur Aushärtung des Harzes beiträgt. Beispiele hierfür sind Salpetersäure,
Phosphorsäure, Salzsäure, Schwefelsäure.
[0090] Es hat sich gezeigt, dass der erfindungsgemäß verwendete erste Härter besonders kompatibel
mit Aminoplastharzen und den dort üblicherweise eingesetzten konventionellen Härtern
ist. Weiterhin haben sich Bindemittelzusammensetzungen enthaltend ein Aminoplastharz,
einen erfindungsgemäßen ersten Härter und einen zweiten Härter als stabil erwiesen.
[0091] In einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens enthält die Bindemittel-haltige
Zusammensetzung 0,1 bis 4 Gew.-% Ammoniumsalz, insbesondere 0,5 bis 3,0 Gew.-%, bezogen
auf Festharzanteil des Harzes. In einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens
ist das Ammoniumsalz Ammoniumnitrat und das Harz ein Aminoplastharz. Besonders vorteilhaft
ist, dass sich durch den Einsatz des ersten Härters der Anteil des konventionellen
zweiten Härters verringern lässt. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform der
Erfindung kann der zweite Härter bis zur Hälfte oder mehr eingespart werden, wenn
der zweite Härter in Kombination mit dem erfindungsgemäß verwendeten ersten Härter
eingesetzt wird.
[0092] Grundsätzlich bedeutet dies auch, dass beispielsweise im Vergleich zum alleinigen
Einsatz von Ammoniumsalzen als Härter für Aminoplastharze deutlich weniger Ammoniumsalz
dem Verfahren zugeführt werden muss. Durch den verringerten Ammoniumsalzgehalt muss
dem Verfahren damit auch weniger Formaldehyd zugeführt werden. Dadurch können Holzspanwerkstoffe
mit verringertem Formaldehydgehalt erhalten werden. Das gleiche gilt für andere, eingangs
erläuterte konventionelle Härter.
[0093] Die Offenbarung betrifft ferner lignocellulosehaltige Holzspanwerkstoffe, die nach
dem oben beschriebenen erfindungsgemäßen Verfahren oder dessen Ausführungsformen hergestellt
worden oder erhältlich sind. Ein derartiger Holzspanwerkstoff kann besonders gut zur
Herstellung eines Laminats, Bodenbelags, einer Arbeitsplatte, Tischplatte, eines Möbels
oder einer Palette verwendet werden.
[0094] Zudem betrifft die Erfindung auch die Verwendung des erfindungsgemäßen ersten Härters
nach Anspruch 20, der durch hydrothermischen und mechanischen Aufschluss eines zweiten
lignocellulosehaltigen Materials erhalten wurde, in einem oben beschriebenen erfindungsgemäßen
Verfahren zur Herstellung von Holzspanwerkstoffen. Dabei gilt für die Merkmale der
Verwendung das oben zu den Merkmalen des erfindungsgemäßen Verfahrens oder seinen
Ausführungsformen Ausgeführte entsprechend. Insbesondere setzt gemäß einer bevorzugten
Ausführungsform der erfindungsgemäßen Verwendung der erste Härter eine Säure frei.
In einer weiteren Ausführungsform der erfindungsgemäßen Verwendung setzt der erste
Härter Essigsäure und/oder Ameisensäure frei.
[0095] Die oben bereits genannten Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens gelten auch
für die erfindungsgemäße Verwendung des ersten Härters. Insbesondere kann durch die
Verwendung des ersten Härters die Festigkeit von konventionellen Holzspanwerkstoffen
selbst bei gleichzeitiger Reduzierung der Menge von konventionellen Härtern gehalten
oder sogar verbessert werden. Auch kann durch die Verwendung des ersten Härters selbst
bei gleichzeitiger Reduzierung der Menge von konventionellen Härtern eine Verbesserung
des Quellverhaltens und/oder der Wasseraufnahme erreicht werden. Ein Grund hierfür
könnte sein, dass die während des hydrothermischen und mechanischen Aufschlusses freigesetzte
Säure frei vorhanden ist und sich rascher verflüchtigt als konventionelle Härter.
Dadurch entsteht eine neutrale Leimfuge, welche die oben beschriebenen Kenngrößen
des Holzspanwerkstoffs positiv beeinflusst.
[0096] Nachfolgend wird die Erfindung beispielhaft anhand von Ausführungsbeispielen näher
beschrieben.
Beispiel 1
[0097] Zunächst wird die Herstellung des ersten Härters beschrieben. Als lignocellulosehaltiges
Material wurde Stroh verwendet.
[0098] Variante 1:
In der ersten Variante wurde der Aufschluss des lignocellulosehaltigen Materials in
einen diskontinuierlichen Einscheibenrefiner (Sprout Waldron) durchgeführt. Der Refiner
wurde dazu mit dem Material befüllt und Dampf (160 °C) in den Zyklon eingelassen.
Das Material verblieb bei 160 °C und 6 bar für etwa 2 Minuten im Refiner, danach wurde
der Zyklon geöffnet und das Material über die Schnecke und ein 2,5 mm Ventil innerhalb
von ca. 5 Minuten heraustransportiert.
[0099] Variante 2:
In der zweiten Variante wurde das lignocellulosehaltige Material trocken in einem
Ecopulser (Krause Maschinenbau GmbH) vorzerkleinert und gesiebt (Retsch AS 200). Die
Partikelfraktion kleiner als 0,6 mm wurde anschließend in einem Druckreaktor (Büchiglasuster
Cyclon 300) bei 160 °C und 5 bis 6 bar unter einer etwa 1:5 Verdünnung mit Wasser
für ca. 30 min aufgekocht.
[0100] Die so erhältlichen Materialien wurden nachfolgend als erster Härter eingesetzt.
Beispiel 2
[0101] Es wurden Plattenversuche unter folgenden Bedingungen durchgeführt:
Plattendicke: 14 mm
Zieldichte: 600 kg/m3
Pressfaktor: 9,3 s/mm
Pressentemperatur: 200°C
Beleimgrad: 8,0 Gew.-% bezogen auf die Gesamtmasse der Spanplatte
Erstes lignocellulosehaltiges Material: Holzspäne
Erster Härter: Das in Beispiel 1 gewonnene Material (Variante 1 oder 2)
Zweiter Härter: Ammoniumnitrat
Presse: Laborpresse von Siempelkamp
[0102] Es wurden mehrere Pressungen mit unterschiedlichen Dosierungen des ersten Härters
und/oder des zweiten Härters durchgeführt. Als erster Härter wurde das gemäß Beispiel
1 aufbereitete lignocellulosehaltige Material in den Dosierungen von 1, 3, 6 und 10
Gew.-% des Feststoffs bezogen auf den Festharzanteil (im Folgenden % fest/FH verwendet.
Als zweiter Härter wurde Ammoniumnitrat verwendet und zwar in Mengen von 1, 1.5, 2
und 3 % fest/FH.
[0103] Das aufbereitete lignocellulosehaltige Material wurde der Leimflotte, die ein Aminoplastharz
enthielt, zugefügt. Im Anschluss an die Plattenpressung wurden die Querzugfestigkeit,
Quellung und Wasseraufnahme ermittelt. Hierzu wurden zuerst Prüfkörper der Geometrie
50 x 50 x 14 mm zugeschnitten. Jeder Prüfkörper wurde vor der Prüfung mittels eines
digitalen Dickentasters vermessen, sowie die Masse bestimmt und daraus die Dichte
errechnet.
Querzugfestigkeit
[0104] Die Bestimmung der Querzugfestigkeit erfolgte nach EN 319. Hierzu wurde jeder Prüfkörper
mittels eines Schmelzklebers mit zwei Aluminiumjochen an der Ober- und Unterseite
verklebt und dann nach Abkühlen an der Prüfmaschine (Zwick Zmart.Pro) bei konstanter
Prüfgeschwindigkeit von 1 mm/min auseinander gezogen.
Die zum Bruch in der Mitte des Prüfkörpers führende Kraft wurde aufgezeichnet und
die daraus resultierende Querzugfestigkeit über die Probenfläche berechnet [N/mm
2].
Dickenquellung
[0105] Die Bestimmung der Dickenquellung nach 24-stündiger Wasserlagerung erfolgte nach
DIN EN 317. Die Prüfkörper wurden hierfür bei einer Wassertemperatur von 20 °C für
24 h unter Wasser gelagert. Anschließend wurde die Dickenzunahme relativ zur Ausgangsdicke
bestimmt und die prozentuelle Dickenquellung berechnet.
Wasseraufnahme
[0106] Die Wasseraufnahme wurde an den Proben der Dickenquellung bestimmt, also ebenfalls
nach 24 h Wasserlagerung. Zur Berechnung wurde das Gewicht nach diesen 24 h gemessen
und die Wasseraufnahme anschließend nach folgender Formel berechnet:

[0107] Die ermittelten Ergebnisse wurden mittels Excel, Minitab bzw. DesignExpert ausgewertet.
[0108] Im Folgenden werden die Versuchsergebnisse von Referenzplatten, die nur Ammoniumnitrat
enthielten und Platten, die den ersten Härter (aufgeschlossenes Material aus Beispiel
1) und Ammoniumnitrat als zweiten Härter enthielten, dargestellt. Die Platten wurden
mit folgenden Härterzusammensetzungen hergestellt:
| Versuchsplatte |
Herstellvariante Erster Härte (aus Beispiel 1) |
Erster Härter (Material aus Beispiel 1) Gew.- % [fest/FH] |
Zweiter Härter (Ammoniumnitrat) Gew.-% [fest/FH] |
| Referenz 1 |
- |
- |
1,5 % |
| Referenz 2 |
- |
- |
3 % |
| 1 |
1 |
3 % |
1,5 % |
| 2 |
1 |
6 % |
1,5 % |
| 3 |
1 |
10 % |
1,5 % |
| 4 |
2 |
1 % |
2 % |
| 5 |
2 |
1 % |
1 % |
[0109] Die Referenzplatten 1 und 2 wurden ohne Zusatz des ersten Härters hergestellt. Die
Versuchsplatten 1 bis 3 wurden mit dem ersten Härter der Variante 1 aus Beispiel 1
und die Versuchsplatten 4 und 5 wurden mit dem ersten Härter der Variante 2 aus Beispiel
1 hergestellt.
[0110] Die Versuchsplatten wurden jeweils mindestens zweifach hergestellt und die Querzugfestigkeit,
die Quellung und die Wasseraufnahme bestimmt. Bei den unten angegebenen Messwerten
handelt es sich um Mittelwerte von mindestens zwei Platten.
Ergebnis der Querzugfestigkeit:
[0111] Die Querzugfestigkeit wurde für die Referenzplatten 1 und 2 und die Versuchsplatten
1 bis 3 bestimmt. Die Ergebnisse sind in Diagramm 1 dargestellt.

[0112] Aus Diagramm 1 ist ersichtlich, dass die Querzugfestigkeit der Versuchsplatten 1
bis 3 ungefähr der Querzugfestigkeit der Referenzplatte 2 entsprach. Durch die Zugabe
des in Beispiel 1 aufgeschlossenen Materials als erster Härter konnte die Menge des
Ammoniumnitrats um die Hälfte reduziert und trotzdem die gute Querzugfestigkeit beibehalten
werden.
Ergebnis der Quellung:
[0113] Die Quellung wurde bei Referenzplatte 2 und Versuchsplatten 4 und 5 bestimmt. Die
Ergebnisse sind in Diagramm 2 dargestellt.

[0114] Die Messung ergab für die Versuchsplatten 4 und 5 eine verminderte Quellung trotz
verringertem Gehalt an Ammoniumnitrat.
Ergebnis der Wasseraufnahme:
[0115] Die Wasseraufnahme wurde für Referenzplatte 2 und Versuchsplatte 4 bestimmt. Die
Ergebnisse sind in Diagramm 3 dargestellt.

[0116] Es zeigt sich, dass bei Verwendung des ersten Härters die Wasseraufnahme gesenkt
werden konnte, und das trotz reduzierten Ammoniumnitratgehalt.
1. Verfahren zur Herstellung eines Holzspanwerkstoffs, umfassend die Schritte:
a) Bereitstellen eines ersten lignocellulosehaltigen Materials in Form von Holzpartikeln;
b) Beleimen des ersten lignocellulosehaltigen Materials mit einer Zusammensetzung,
die mindestens ein Aminoplastharz und mindestens einen ersten Härter und einen zweiten
Härter umfasst, wobei der erste Härter durch hydrothermischen und mechanischen Aufschluss
eines zweiten lignocellulosehaltigen Materials erhalten wurde, wobei das zweite lignocellulosehaltige
Material aus einem anderen Rohstoff als das erste lignocellulosehaltige Material stammt;
und wobei der zweite Härter ein Ammoniumsalz ist,
c) Verpressen zu einem Holzspanwerkstoff.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass während des hydrothermischen und/oder mechanischen Aufschlusses mindestens eine Säure
aus dem zweiten lignocellulosehaltigen Material freigesetzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Säure zur Härtung des Aminoplastharzes beiträgt.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Säure ein Molekulargewicht von 40 g/mol bis 500 g/mol, insbesondere 40 g/mol
bis 250 g/mol aufweist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Säure eine Brönstedsäure mit einem pKa von 2 bis 8, insbesondere von 3 bis 6 ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Säure eine Carbonsäure ist, insbesondere ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend
aus Ameisensäure, Essigsäure, Propansäure, Butansäure, Pentansäure und Derivaten davon.
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der hydrothermische und/oder mechanische Aufschluss des zweiten lignocellulosehaltigen
Materials bei einer Temperatur von 120 bis 180 °C, insbesondere bei 140 bis 160 °C
erfolgt.
8. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der hydrothermische und/oder mechanische Aufschluss des zweiten lignocellulosehaltigen
Materials bei einem Druck von 3 bis 10 bar, insbesondere bei 4 bis 8 bar, erfolgt.
9. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Dauer des hydrothermischen und/oder mechanischen Aufschlusses 2 Sekunden bis
40 Minuten, insbesondere 5 Sekunden bis 30 Minuten, beträgt.
10. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der hydrothermische und/oder mechanische Aufschluss in einem Vorwärmbehälter, Kocher
und/oder Refiner erfolgt.
11. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Zusammensetzung 0,1 bis 15 Gew.-% des ersten Härters, insbesondere 0,5 bis 10
Gew.-%, jeweils bezogen auf den Festharzanteil des Aminoplastharzes, enthält.
12. Verfahren zur Herstellung eines Holzspanwerkstoffs nach einem der voranstehenden Ansprüche,
wobei der in Schritt b) angegebene hydrothermische und/oder mechanische Aufschluss
die folgenden Schritte umfasst:
(i) hydrothermischer Aufschluss des zweiten lignocellulosehaltigen Materials in einem
Kocher und/oder Druckreaktor;
(ii) mechanischer Aufschluss durch Zerkleinern des zweiten lignocellulosehaltigen
Materials aus Schritt (i) in einem Refiner.
13. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Holzpartikel in Schritt a) ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus feinteiligem
Holzmaterial, Holzflakes, Holzwafer, Holzstrands, Holzspänen und Hackschnitzel.
14. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das zweite lignocellulosehaltige Material ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend
aus einjährigen Pflanzen, Nutzpflanzen, Gräsern, Laub, Getreide, deren Bestandteilen,
Abfällen und Mischungen daraus.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Nutzpflanze ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Stroh, Weizen, Roggen,
Gerste, Hafer, Hirse, Mais, Miscanthus, Reis, deren Bestandteilen, Abfällen und Mischungen
davon.
16. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Aminoplastharz ein Melamin- oder Harnstoffharz ist.
17. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Ammoniumsalz ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Ammoniumnitrat, Ammoniumchlorid
und Ammoniumsulfat.
18. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Zusammensetzung 0,1 bis 4 Gew.-% des zweiten Härters, insbesondere 0,5 bis 3,0
Gew.-%, jeweils bezogen auf Festharzanteil des Aminoplastharzes, umfasst.
19. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Holzspanwerkstoff eine Spanplatte oder eine OSB-Platte ist.
20. Verwendung eines hydrothermisch und mechanisch aufgeschlossenen lignocellulosehaltigen
Materials als Härter für ein Aminoplastharz in einem Verfahren zur Herstellung eines
Holzspanwerkstoffs gemäß einem der Ansprüche 1 bis 19.
1. Method for producing a pressed wood material, comprising the steps:
a) providing a first lignocellulosic material in the form of wood particles;
b) contacting the first lignocellulosic material with a composition which comprises
at least one aminoplast resin and at least one first hardener and one second hardener,
wherein the first hardener was obtained by hydrothermal and mechanical pulping of
a second lignocellulosic material, wherein the second lignocellulosic material comes
from a different raw material than the first lignocellulosic material; and wherein
the second hardener is an ammonium salt,
c) pressing it to form a pressed wood material.
2. Method according to Claim 1, characterised in that at least one acid is released from the second lignocellulosic material during the
hydrothermal and/or mechanical pulping.
3. Method according to Claim 2, characterised in that the acid contributes to hardening the aminoplast resin.
4. Method according to Claim 2 or 3, characterised in that the acid has a molecular weight of 40 g/mol to 500 g/mol, in particular 40 g/mol
to 250 g/mol.
5. Method according to any one of Claims 2 to 4, characterised in that the acid is a Brønsted acid having a pKa of 2 to 8, in particular of 3 to 6.
6. Method according to any one of Claims 2 to 5, characterised in that the acid is a carboxylic acid, in particular selected from the group consisting of
formic acid, acetic acid, propanoic acid, butanoic acid, pentanoic acid and derivatives
thereof.
7. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the hydrothermal and/or mechanical pulping of the second lignocellulosic material
takes place at a temperature of 120 °C to 180 °C, in particular at 140 °C to 160 °C.
8. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the hydrothermal and/or mechanical pulping of the second lignocellulosic material
takes place at a pressure of 3 bar to 10 bar, in particular at 4 bar to 8 bar.
9. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the duration of the hydrothermal and/or mechanical pulping is 2 seconds to 40 minutes,
in particular 5 seconds to 30 minutes.
10. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the hydrothermal and/or mechanical pulping takes place in a preheating tank, boiler
and/or refiner.
11. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the composition contains 0.1 % wt. to 15 % wt. of the first hardener, in particular
0.5 % wt. to 10 % wt., in each case relating to the solid resin proportion of the
aminoplast resin.
12. Method for producing a pressed wood material according to any one of the preceding
claims, wherein the hydrothermal and/or mechanical pulping specified in step b) comprises
the following steps:
(i) hydrothermal pulping of the second lignocellulosic material in a boiler and/or
pressure reactor;
(ii) mechanical pulping by breaking up of the second lignocellulosic material from
step (i) in a refiner.
13. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the wood particles in step a) are selected from the group consisting of fine-particle
wood material, wood flakes, wood wafers, wood strands, wood shavings and wood chips.
14. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the second lignocellulosic material is selected from the group consisting of one-year
old plants, crop plants, grasses, leaves, cereals, their constituents, waste and mixtures
thereof.
15. Method according to Claim 14, characterised in that the crop plant is selected from the group consisting of straw, wheat, rye, barley,
oats, millet, maize, miscanthus, rice, their constituents, waste and mixtures thereof.
16. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the aminoplast resin is a melamine resin or a urea resin.
17. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the ammonium salt is selected from the group consisting of ammonium nitrate, ammonium
chloride and ammonium sulphate.
18. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the composition comprises 0.1 % wt. to 4 % wt. of the second hardener, in particular
0.5 % wt. to 3.0 % wt., in each case relating to the solid resin proportion of the
aminoplast resin.
19. Method according to any one of the preceding claims, characterised in that the pressed wood material is a particle board or an oriented strand board.
20. Use of a hydrothermally and mechanically pulped lignocellulosic material as a hardener
for an aminoplast resin in a method for producing a pressed wood material according
to any one of Claims 1 to 19.
1. Procédé de fabrication d'un matériau à base de particules de bois, qui comprend les
étapes
a) mise à disposition d'un premier matériau contenant de la lignocellulose sous la
forme de particules de bois,
b) encollage du premier matériau contenant de la lignocellulose avec une composition
qui comprend au moins une résine aminoplaste et au moins un premier durcisseur et
un deuxième durcisseur, sachant que le premier durcisseur a été obtenu par la décomposition
hydrothermique et / ou mécanique d'un deuxième matériau contenant de la lignocellulose,
sachant que le deuxième durcisseur provient d'une matière brute autre que celle du
premier durcisseur, et sachant que le deuxième durcisseur est un sel d'ammonium,
c) compression pour l'obtention d'un matériau à base de particules de bois.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que, pendant la décomposition hydrothermique et / ou mécanique, un acide est libéré à
partir du deuxième matériau contenant de la lignocellulose.
3. Procédé selon la revendication 2, caractérisé en ce que l'acide contribue au durcissement de la résine aminoplaste.
4. Procédé selon revendication 2 ou 3, caractérisé en ce que l'acide présente un poids moléculaire de 40 g / mol à 500 g / mol, en particulier
de 40 g / mol à 250 g / mol.
5. Procédé selon l'une des revendications 2 à 4, caractérisé en ce que l'acide est un acide selon Brönsted, dont le pKa est de 2 à 8, en particulier de
3 à 6.
6. Procédé selon l'une des revendications 2 à 5, caractérisé en ce que l'acide est un acide carboxylique, choisi, en particulier, à partir du groupe qui
comprend l'acide formique, l'acide acétique, l'acide propionique, l'acide butylique,
l'acide valérique et des dérivés de ceux-ci.
7. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la décomposition hydrothermique et / ou mécanique du deuxième matériau contenant
de la lignocellulose est exécutée à une température de 120 à 180 °C, en particulier
de 140 à 160 °C.
8. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la décomposition hydrothermique et / ou mécanique du deuxième matériau contenant
de la lignocellulose est exécutée à une pression de 3 à 10 bar, en particulier de
4 à 8 bar.
9. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la durée de la décomposition hydrothermique et / ou mécanique est de 2 secondes à
40 minutes, en particulier de 5 secondes à 30 minutes.
10. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la décomposition hydrothermique et / ou mécanique est exécutée dans un conteneur
de préchauffage, un appareil de cuisson et / ou un raffineur.
11. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la composition contient 0,1 à 15 % en poids du premier durcisseur, en particulier
0,5 à 10 % en poids, en référence respective à la part de résine solide de la résine
aminoplaste.
12. Procédé de fabrication d'un matériau à base de particules de bois selon l'une des
revendications précédentes, sachant que la décomposition hydrothermique et / ou mécanique,
mentionnée dans l'étape b), comprend les étapes suivantes :
(i) décomposition hydrothermique du deuxième matériau contenant de la lignocellulose
dans un appareil de cuisson et / ou dans un réacteur sous pression,
(ii) décomposition mécanique par broyage du deuxième matériau contenant de la lignocellulose
en provenance de l'étape (i) dans un raffineur.
13. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que les particules de bois de l'étape a) sont choisies à partir du groupe qui comprend
des matières à base de bois à fines particules, des flocons de bois, des tranches
de bois, du bois d'épaves, des copeaux de bois et des rognures de bois.
14. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le deuxième matériau contenant de la lignocellulose est choisi à partir du groupe
qui comprend des plantes annuelles, des plantes de culture, des herbes, des feuilles,
des céréales, ainsi que des composants, déchets et mélanges de celles-ci.
15. Procédé selon la revendication 14, caractérisé en ce que les plantes de culture sont choisies à partir du groupe qui comprend la paille, le
blé, le seigle, le sarrasin, l'avoine, le millet, le maïs, le miscanthus, le riz,
ainsi que des composants, déchets et mélanges de ceux-ci.
16. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la résine aminoplaste est une résine de mélamine ou d'urée.
17. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le sel d'ammonium est choisi à partir du groupe qui comprend le nitrate d'ammonium,
le chlorure d'ammonium et le sulfate d'ammonium.
18. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la composition contient 0,1 à 4 % en poids du deuxième durcisseur, en particulier
0,5 à 3,0 % en poids, en référence respective à la part de résine solide de la résine
aminoplaste.
19. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le matériau à base de particules de bois est une plaque de copeaux ou une plaque
OSB.
20. Utilisation d'un matériau contenant de la lignocellulose décomposé par traitement
hydrothermique et / ou mécanique en tant que durcisseur pour une résine aminoplaste
dans un procédé de fabrication d'un matériau à base de particules de bois selon l'une
des revendications 1 à 19.