(19)
(11) EP 3 486 055 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
22.05.2019  Patentblatt  2019/21

(21) Anmeldenummer: 17400066.1

(22) Anmeldetag:  16.11.2017
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B28B 5/12(2006.01)
B30B 15/04(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
MA MD

(71) Anmelder: HÄNDLE GmbH Maschinen und Anlagenbau
75417 Mühlacker (DE)

(72) Erfinder:
  • TREUT, Andreas
    75417 Mühlacker (DE)
  • BAYRL, Sven
    75417 Mühlacker (DE)
  • HÄNDLE, Philipp
    75417 Mühlacker (DE)

(74) Vertreter: Zurhorst, Stefan et al
Patentanwälte Dipl.Ing. W. Jackisch & Partner mbB Menzelstraße 40
70192 Stuttgart
70192 Stuttgart (DE)

   


(54) DACHZIEGELPRESSE


(57) Die Erfindung betrifft eine Dachziegelpresse zur Herstellung eines gepressten Formlings (22) aus einem plastischen Rohling (2). Die Dachziegelpresse (1) umfasst eine Unterform (6) und eine Oberform (4) zur Pressung des Rohlings (2) dazwischen, ein Gestell (81) mit zwei Führungssäulen (82) und einen zwischen den Führungssäulen (82) in einer Hochrichtung (Z) bewegbar gelagerten Pressstempel (3). In einer senkrecht zur Hochrichtung (Z) liegenden Pressebene ist eine durch die beiden Führungssäulen (82) vorgegebene Seitenrichtung (X) und eine senkrecht dazu liegende Tiefenrichtung (Y) definiert. Der Pressstempel (3) ist an vier in der Seitenrichtung (X) und in der Tiefenrichtung (Y) paarweise sich gegenüberliegenden Ecken mittels je einer Gleitführung (83) gleitend an der jeweils zugeordneten Führungssäule (82) geführt. Die vier Gleitführungen (83) umfassen jeweils eine Prismenschiene (84) an der Führungssäule (82) mit jeweils zwei V-förmig zueinander stehenden Gleitflächen (85, 86) sowie mindestens einen dazu korrespondierenden Prismenschuh (87) am Pressstempel (3).




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Dachziegelpresse mit den Merkmalen nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

[0002] Zur Herstellung von Ton-Dachziegeln werden mehrheitlich sogenannte Trommelpressen eingesetzt. Diese Dachziegelpressen weisen Unterformen und Oberformen zur Pressung von Rohlingen dazwischen auf. Außerdem weisen sie einen Maschinenrahmen bzw. Maschinengestell, einen darin angeordneten und verschiebbar gelagerten Pressstempel und eine im Pressenrahmen drehbar gelagerte sogenannte Trommel mit mindestens vier Arbeitsflächen auf. Der Pressstempel realisiert den Arbeitshub und trägt die Oberformen. Die Unterformen sind auf den Flächen der Trommel angebracht.

[0003] Der Antrieb des Pressstempels erfolgt in den meisten Fällen über eine Welle mit exzentrischen Kurvenscheiben und festem Arbeitshub. Der Arbeitshub kann aber auch rein hydraulisch ober über ein Kniehebelsystem aufgebracht werden.

[0004] Zum Pressen eines Dachziegelformlings, d.h. eines noch plastisch verformbaren Körpers mit bereits endgültiger Geometrie, wird ein Rohling zwischen Ober- und Unterform eingebracht. Durch das Absenken des Pressstempels wird der Rohling zwischen Ober- und Unterform zu der durch die Formen vorgegebenen Geometrie verformt.

[0005] Beim Umformen des Rohlings zum Formling mit der gewünschten Ziegelgeometrie treten Kräfte in allen drei Achsen auf. Die Presskraft in Hochrichtung (z-Richtung) wird anteilig in X-Richtung (Trommelachse, Seitenrichtung) und Y-Richtung (Trommelumfangsrichtung, Tiefenrichtung) umgewandelt. Diese Kräfte in der Ebene der Formenspannfläche bzw. in der Pressebene müssen durch Führungen des Pressstempels aufgenommen werden.

[0006] Die Steifigkeit der Führungen hat dabei einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität des Ziegels. Eine Verschiebung von Oberform zu Unterform wird als Ziegelbildverschiebung bezeichnet. Je geringer diese ist, desto höher ist die Qualität des Ziegels. Ziegelbildverschiebungen größer 1 mm können zusätzlich zu Problemen in den Nachfolgeprozessen, d.h. bei Trocknen und Brennen führen.

[0007] Üblicherweise weist das Maschinengestell zwei Führungssäulen auf, zwischen denen der Pressstempel in der Hochrichtung bewegbar gelagert ist. Stand der Technik ist es, den Pressstempel über Schrägführungen zu führen. Hierzu sind insgesamt vier schräge Führungswangen (ca. 120° zur Frontebene des Pressstempels) vorgesehen, von denen sich je eine an den vier Ecken des Pressstempels befindet. Diese sind mit ausreichend Spiel zu vier ebenfalls schrägen Gleitflächen an den Führungssäulen ausgerichtet und eingestellt. Durch die Schrägstellung der vier Gleitflächen ist der Pressstempel gegen seitliche Verschiebungen innerhalb der Pressebene, also sowohl in der X-Richtung als auch in der Y-Richtung abgestützt.

[0008] Allerdings treten trotz dieser Abstützung zum Teil sehr deutliche Verformungen auf, die zu einer unerwünschten Ziegelbildverschiebung führen. Insbesondere bei großformatigen Ziegeln oder Pressmassen mit reduzierter Feuchte wird dieser Effekt sehr deutlich. Im Extremfall kommt es zum Kontaktverlust und Abheben der Führungselemente von der Führungsbahn. Außerdem ist es sehr schwierig und zeitaufwändig, die Führungen richtig einzustellen. Eine Abhilfe mittels Reduzierung der Presskraft durch Erhöhung der Pressfeuchte und damit Erhöhung der Plastizität des Ziegelrohlings ist zwar möglich, erhöht aber den Energieverbrauch für das Trocknen des Ziegels und somit die Produktionskosten.

[0009] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine gattungsgemäße Dachziegelpresse derart weiterzubilden, dass die Führung des Pressstempels verbessert ist.

[0010] Diese Aufgabe wird durch eine Dachziegelpresse mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.

[0011] Nach der Erfindung ist vorgesehen, dass die vier Gleitführungen jeweils eine Prismenschiene an der Führungssäule mit jeweils zwei V-förmig zueinander stehenden Gleitflächen sowie mindestens einen dazu korrespondierenden Prismenschuh am Pressstempel umfassen.

[0012] Die Erfindung basiert zunächst auf der Erkenntnis, dass die beobachteten Verformungen zu einem signifikanten Anteil aus dem Wechselspiel der schrägen Gleitflächen mit der Nachgiebigkeit des Rahmens und des Pressstempels folgen. Der Pressstempel ist in üblicher Bauform zwar als steifer Kasten aufgebaut, weist jedoch Stirnflächen mit U-förmigen Durchbrüchen für Exzenterwellen oder dergleichen auf. Dies macht ihn nachgiebig insbesondere in der Y-Richtung. Die vier Gleitflächen der Führungen an den vier Ecken können nur Kräfte als Druckkräfte in Normalrichtung zur Oberfläche aufnehmen, nicht jedoch tangential dazu. Aufgrund der Schrägstellung entstehen also bei Belastung erhebliche Kraftkomponenten auch in Y-Richtung. Bei einer Belastung in X-Richtung wird ein Paar von schrägen Gleitflächen auf Druck belastet, was in Folge der Schrägstellung dazu führt, dass die schrägen Führungswangen auch in Y-Richtung belastet und aufgespreizt werden. Zusätzlich neigt auch der kastenförmige, aber mit den genannten U-förmigen Durchbrüchen versehene Druckstempel zur Aufspreizung. Im Falle von Belastungen in Y-Richtung sieht dies ähnlich aus, da auf beiden Seiten eine Schrägfläche mehr, und die andere dafür weniger belastet wird. Auch dies trägt zur Gesamtverformung bei.

[0013] Im Unterschied dazu führen die zwei V-förmig zueinander stehenden Gleitflächen der nach der Erfindung zum Einsatz kommenden Prismenschiene dazu, dass aufgebrachte Druckkräfte nicht zu sekundären Reaktionskräften in einer anderen Richtung führen. Der Pressstempel ist an allen seinen vier Ecken kraftneutral geführt. Die gewünschte Abstützung in X- und/oder Y-Richtung findet zwar statt, führt aber nicht zu Aufspreizungen zwischen zwei benachbarten Führungen der gleichen Führungssäule. Sowohl die Führungssäule selbst als auch insbesondere der Führungsstempel bleiben frei von auseinanderziehenden Kraftkomponenten. Selbst bei sehr hoher Presskraft sind die entstehenden Verformungen erheblich reduziert. Ziegelbildverschiebungen beschränken sich auf ein Minimum. Die geringeren Verformungen erleichtern auch ein korrektes Einstellen der Führungen.

[0014] In bevorzugter Weiterbildung der Erfindung sind die Normalrichtungen der beiden Gleitflächen von zumindest einer Prismenschiene und insbesondere von allen vier Prismenschienen bezogen auf die Seitenrichtung gleich gerichtet und bezogen auf die Tiefenrichtung entgegengesetzt gerichtet orientiert. Mit anderen, einfachen Worten sind die Gleitflächen in der X-Richtung nach innen gerichtet und insbesondere einander zugewandt. Hierdurch weisen sie insbesondere in der X-Richtung eine hohe Tragfähigkeit ohne resultierende Kraftkomponenten in der Y-Richtung auf.

[0015] Die beiden Gleitflächen einer einzelnen Prismenschiene sind zweckmäßig spiegelsymmetrisch zur Seitenrichtung angeordnet. Hierdurch ergeben sich gleiche Tragfähigkeiten in der Tiefen- bzw. Y-Richtung sowohl nach vorne als auch nach hinten. Insbesondere in Verbindung mit zwei gleich ausgebildeten benachbarten Prismenschienen werden auch Lasten in Y-Richtung gleichmäßig verteilt, so dass die zwischenliegende Tragstruktur unbelastet bleibt und folglich frei von zugehörigen Verformungen ist.

[0016] Es kann zweckmäßig sein, für jede der Prismenschienen zwei oder mehr Prismenschuhe vorzusehen, wobei dann aber mindestens je ein Prismenschuh ganz oben und ein weiterer ganz unten an der zugeordneten Ecke des Pressstempels anzuordnen wäre. Bevorzugt erstreckt sich jedoch der Prismenschuh in der Hochrichtung zumindest näherungsweise über die gesamte Höhe des Pressstempels. Hierdurch erfährt der Pressstempel zusätzlich auch die bestmögliche Stützung gegen Kippbewegungen, so dass insgesamt eine präzise Beweglichkeit in Z-Richtung bei sauberer Führung und Abstützung in allen übrigen räumlichen Freiheitsgraden erzielt ist.

[0017] Es kann zweckmäßig sein, metallische Gleitflächen von Prismenschiene und Gleitschuh unter Anwendung einer geeigneten Schmierung beispielsweise mit Fett aufeinander gleiten zu lassen. Vorteilhaft ist zwischen dem Prismenschuh und der Prismenschiene ein Gleitbelag beispielsweise aus einem selbstschmierenden Kunststoff wie PTFE oder dergleichen angeordnet. Neben besserer Gleitfähigkeit und verringertem Wartungsaufwand kann auch eine geringere Empfindlichkeit gegen Verschmutzung beispielsweise durch Ziegelton erreicht werden.

[0018] In bevorzugter Weiterbildung umfasst der Prismenschuh ein an der Prismenschiene anliegendes Druckprisma und ein gegen das Druckprisma verspannbares Justierprisma. Anders als bei den schrägen Einzelflächen des Standes der Technik führt eine gegenseitige Verspannung nicht dazu, dass die Prismenschienen seitlich ausweichen. Folglich ist eine einfache aber zuverlässig einstellbare Verspannung bzw. Justierung der Gleitführung möglich.

[0019] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist nachstehend anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1
in einer perspektivischen Übersichtsdarstellung eine erfindungsgemäß ausgeführte Dachziegelpresse,
Fig. 2
in einer Seitenansicht einen Vertikalschnitt durch die Dachziegelpresse aus Fig. 1 mit weiteren Details,
Fig. 3
in einer perspektivischen Einzelansicht die Baugruppe aus Trommel und Pressstempel der Dachziegelpresse nach den Fig. 1 und 2 mit Einzelheiten zur Entstehung der Presskräfte in allen Raumrichtungen,
Fig. 4
in einer Draufsicht die Anordnung nach Fig. 3 mit Prismenschienen an allen vier Ecken des Pressstempels,
Fig. 5
in einer vergrößerten Detaildarstellung die Einzelheit V aus Fig. 4 mit Einzelheiten zur Ausgestaltung einer Prismenschiene und eines darauf abgleitenden, verspannbaren Prismenschuhs, und
Fig. 6
in einer Explosionsdarstellung die Prismenschiene und den Prismenschuh nach Fig. 5 mit Einzelheiten zu deren geometrischen Ausgestaltung.


[0020] Fig. 1 zeigt eine erfindungsgemäß ausgeführte Dachziegelpresse 1. In der Dachziegelpresse 1 wird aus einem plastischen Rohling 2 aus Lehm bzw. aus Ton ein Formling 22 hergestellt. Der Rohling 2 wird auf einem Förderband 21 zur Dachziegelpresse 1 gefördert. Der fertige Formling 22 wird mit einem Förderer 16 von der Dachziegelpresse 1 zur Weiterprozessierung abtransportiert.

[0021] Wie in Fig. 2 dargestellt, wird der Formling 22 durch Verpressen des Rohlings 2 zwischen einer Oberform 4 und einer Unterform 6 an einer Pressstelle 7 der Dachziegelpresse 1 hergestellt. Die Formen können abhängig vom Ziegeltyp und regionalen Präferenzen unterschiedlich aufgebaut sein. Sie können beispielsweise einen Aluminiumkörper mit einer Kunststoffeinlage und einer Gummimembran oder einem Gummituch umfassen oder aus einem Stahlkörper hergestellt sein. Im gezeigten Ausführungsbeispiel umfassen sowohl die Oberform 4 als auch die Unterform 6 einen Aluminiumkörper und eine darin angeordnete Gipseinlage. Die Oberform 4 ist am unteren Ende eines Pressstempels 3 befestigt. Der Pressstempel 3 ist in Vertikalrichtung hin- und her bewegbar gelagert. Der Pressstempel 3 lässt sich mittels einer Kurvenscheibe 23 der Dachziegelpresse 1 nach unten drücken und mittels einer weiteren Kurvenscheibe 94 wieder anheben. Beide Kurvenscheiben 23, 94 werden mittels einer gemeinsamen Welle 95 angetrieben.

[0022] Die Unterform 6 ist auf einer Bewegungseinrichtung 5 angeordnet. Im Ausführungsbeispiel ist die Bewegungseinrichtung 5 eine Trommel. Es kann aber auch vorgesehen sein, dass die Bewegungseinrichtung ein schwenkbar gelagerter Tisch ist und die Unterform auf einer Oberfläche des Tischs angeordnet ist. Die Trommel im Ausführungsbeispiel ist um eine Drehachse 90 drehbar gelagert. Die Drehachse 90 verläuft horizontal. In einem Schnitt senkrecht zur Drehachse 90 bildet die Umfangsfläche der Trommel ein gleichseitiges Sechseck. Auf jeder Seite der sechseckigen Umfangsfläche sind je vier Unterformen 6 angeordnet, demnach insgesamt vierundzwanzig Unterformen 6 vorhanden sind. Korrespondierend zur Anzahl der auf einer Trommelfläche befindlichen Unterformen 6 weist die Dachziegelpresse die gleiche Anzahl, hier also vier Oberformen 4 auf.

[0023] Im Betrieb führt die Dachziegelpresse 1 mehrere Bearbeitungsschritte an verschiedenen Rohlingen 2 und Formlingen 22 gleichzeitig aus. Die Dachziegelpresse 1 umfasst verschiedene Bearbeitungsstellen zur Bearbeitung des Rohlings 2 und des Formlings 22. Die Bearbeitungsstellen umfassen eine Befüllstelle 12 zur Befüllung der Unterform 6 mit einem zu pressenden Rohling 2, die schon erwähnte Pressstelle 7 zur Pressung des Rohlings 2 zwischen der Oberform 4 und der Unterform 6, eine Entnahmestelle 8 mit einer Saugkopfvorrichtung 60 zur Entnahme des gepressten Formlings 22 aus der Unterform 6 und zu dessen Ablage auf einem Formlingsträger 20, sowie eine Abwurfstelle 11 zur Entfernung eines möglicherweise ungewollt in der Unterform 6 verbliebenen Inhalts 19. Die Bewegungseinrichtung 5 bewegt die Unterform 6 in einer Bewegungsrichtung 100 zyklisch von einer Bearbeitungsstelle zur nächsten. Im Ausführungsbeispiel verläuft die Bewegungsrichtung 100 kreisförmig im Uhrzeigersinn um die Längsachse 90 der Trommel. Die Bewegungsrichtung 100 verläuft in Richtung von der Entnahmestelle 8 über die Befüllstelle 12 zur Pressstelle 7 und von der Pressstelle 7 wieder zurück zur Entnahmestelle 8. Die Trommel dreht sich im Uhrzeigersinn in ihre Umfangsrichtung. Die Trommel wird über ein Dreh- oder Rastgetriebe angetrieben. Im Ausführungsbeispiel ist das Dreh- oder Rastgetriebe ein nicht dargestelltes Maltesergetriebe. Dadurch wird die Unterform 6, die auf einer Seitenfläche der Trommel angeordnet ist, im Betrieb der Dachziegelpresse 1 um einen bestimmten Drehwinkel um die Längsachse 90 der Trommel gedreht und verharrt dann eine bestimmte Zeit in einer Position. Anschließend wird die Trommel und damit auch die auf der Seitenfläche angeordnete Unterform 6 um den Drehwinkel weiter um die Längsachse 90 gedreht. Im Ausführungsbeispiel beträgt der Drehwinkel 60°. Nach einer bestimmten Anzahl Drehungen erreichen die Unterform 6 und die Bewegungseinrichtung 5 wieder ihren Ausgangszustand. Im Ausführungsbeispiel geschieht dies nach sechs Drehungen.

[0024] Aus den vorgenannten Bewegungsabläufen ergibt sich ein Koordinatensystem der Dachziegelpresse 1, bei dem die Hubrichtung des Pressstempels 3 eine Hochrichtung Z vorgibt, während eine Seitenrichtung X durch die Abstandsrichtung zwischen den beiden Führungssäulen 82 vorgegeben ist und damit parallel zur Drehachse 90 der Trommel liegt. An der Pressstelle 7 befindet sich zwischen der Oberform 4 und der Unterform 6 eine senkrecht zur Hochrichtung Z und folglich horizontal liegende Pressebene, in der sich einerseits die genannte Seitenrichtung X und andererseits senkrecht dazu eine Tiefenrichtung Y befinden.

[0025] Für die mechanische Integrität weist die Dachziegelpresse 1 ein rahmenförmiges Gestell 81 mit zwei vertikalen Führungssäulen 82 auf. Die beiden Führungssäulen 82 sind oben und unten über Quertraversen miteinander zu einem geschlossenen Rahmen verbunden. Sowohl die Welle 95 zum Antrieb des Pressstempels 3 als auch die trommelförmige Bewegungseinrichtung 5 erstrecken sich in der Seitenrichtung X zwischen den beiden Führungssäulen 82 und sind an diesen gelagert. Der Pressstempel 3 ist als geschweißter Kasten ausgeführt, der im Wesentlichen geschlossen und deshalb mechanisch steif ist. Allerdings weisen seine seitlichen Stirnwände nach Fig. 1 U-förmige Aussparungen 96 für die Durchführung der dort nicht, wohl aber in Fig. 2 gezeigten Welle 95 auf, die dem kastenförmigen Pressstempel insbesondere in der Tiefenrichtung Y eine gewisse Nachgiebigkeit verleihen.

[0026] Fig. 3 zeigt in einer perspektivischen Einzelansicht eine Baugruppe aus der Dachziegelpresse nach den Fig. 1 und 2 umfassend den Pressstempel 3 und die trommelförmige Bewegungseinrichtung 5. Zu erkennen sind die vier am Pressstempel angebrachten Oberformen 4 und vier dazu korrespondierende Unterformen 6 der Bewegungseinrichtung 5. Dazwischen befindet sich je ein gepresster Formling 22. Die Formlinge 22 sind insbesondere in der Seitenrichtung X, aber auch in der Tiefenrichtung Y nicht spiegelsymmetrisch. Deshalb führt eine entgegen der Hochrichtung Z aufgebrachte Presskraft nicht nur zu Reaktionskräften in der Hochrichtung Z, sondern auch in der Seitenrichtung X und in der Tiefenrichtung Y.

[0027] Neben der Welle 95 (Fig. 2) und der trommelförmigen Bewegungseinrichtung 5 ist auch der Pressstempel 3 an den beiden Führungssäulen 82 (Fig. 1, 4) bewegbar gelagert, wozu nach Fig. 3 insgesamt vier Gleitführungen 83, nämlich je eine Gleitführung 83 an allen vier in der Pressebene bzw. in der X-Y-Ebene liegenden Ecken des Pressstempels 3 vorgesehen sind. Fig. 4 zeigt in einer Draufsicht die Anordnung nach Fig. 3 im Einbauzustand zwischen den beiden Führungssäulen 82. Aus der Zusammenschau der Fig. 3 und 4 ergibt sich, dass der Pressstempel 3 an vier in der Seitenrichtung X und in der Tiefenrichtung Y paarweise sich gegenüberliegenden Ecken mittels je einer Gleitführung 83 gleitend an der jeweils zugeordneten Führungssäule 82 (Fig. 1) geführt ist, wobei ein Paar von Gleitführungen 83 an einer der beiden Führungsschienen 82 positioniert ist, und wobei ein weiteres Paar von Gleitführungen 83 an der anderen Führungsschiene 82 positioniert ist. Die Führungsschienen 82 sind dazu ausgelegt, eine geführte Beweglichkeit des Pressstempels 3 in der Hochrichtung Z zuzulassen, und im Übrigen eine Abstützung in der Seitenrichtung X, in der Tiefenrichtung Y und gegen Rotation um alle drei genannten Raumachsen bereitzustellen.

[0028] Fig. 5 zeigt in einer vergrößerten Detaildarstellung die Einzelheit V aus Fig. 4 mit Details zur Ausgestaltung einer der Gleitführungen 83. Eine einzelne Gleitführung 83 setzt sich aus einer Prismenschiene 84 und mindestens einem darauf abgleitenden Prismenschuh 87 zusammen. Die Prismenschiene 84 ist ortsfest an der Führungssäule 82 befestigt, während der Prismenschuh 87 am Pressstempel 3 befestigt ist und sich gemeinsam mit diesem relativ zur Baueinheit aus Führungssäule 82 und Prismenschiene 84 bewegt. Aus der Zusammenschau mit Fig. 3 ergibt sich noch, dass an jeder der vier Ecken des Pressstempels 3 je ein Prismenschuh 87 der Gleitführung 83 angeordnet ist, welcher sich in der Hochrichtung Z zumindest näherungsweise über die gesamte Höhe des Pressstempels 3 erstreckt. Es kann aber auch zweckmäßig sein, an jeder Ecke je einen oberen und einen unteren Prismenschuh 87 oder mehrere davon zu positionieren. Die zugehörigen Prismenschienen 84 sind in der Länge derart bemessen, dass sie ein Abgleiten der Prismenschuhe 87 auf den Prismenschienen 84 über den gesamten Hub des Pressstempels 3 zulassen und führen.

[0029] Nach Fig. 5 setzt sich ein einzelner Prismenschuh 87 aus einem an der Prismenschiene 84 anliegenden Druckprisma 92 und einem gegen das Druckprisma 92 verspannbaren Justierprisma 93 zusammen. Hierzu weisen das Justierprisma 93 und das Druckprisma 92 aneinander anliegende Keilflächen schräg zur Seitenrichtung X und auch schräg zur Tiefenrichtung Y auf. In einem Justierrahmen 79 lässt sich das Justierprisma 93 mittels einer Zugschaube 97 und einer Druckschraube 98 in der Tiefenrichtung Y bewegen und positionieren. Die genannte Bewegung führt über die schrägen Keilflächen zu einer Verschiebung des Druckprismas 92 in der Seitenrichtung X, wodurch das Druckprisma 92 zur Anlage gegen die Prismenschiene 84 gebracht und hinsichtlich Spiel bzw. Anpresskraft eingestellt werden kann. Nach erfolgter Einstellung kann die gefundene Position des Justierprismas 93 mittels einer Fixierschraube 99 gegenüber dem Justierrahmen 79 fixiert werden.

[0030] Fig. 6 zeigt noch in einer Explosionsdarstellung die Prismenschiene 84 und den Prismenschuh 87 nach Fig. 5 mit Einzelheiten zu deren geometrischen Ausgestaltung. Die Prismenschiene 84 weist mindestens zwei, hier genau zwei V-förmig zueinander stehende und über die gesamte Länge der Prismenschiene 84 verlaufende Gleitflächen 85, 86 auf. Diese können direkt in einen einteiligen Grundkörper 78 der Prismenschiene 84 eingearbeitet sein. Im gezeigten bevorzugten Ausführungsbeispiel sind sie durch je einen auf den Grundkörper 78 aufgebrachten Gleitbelag 91 gebildet. Der oder die Gleitbeläge 91 können aber auch zusätzlich oder alternativ am Prismenschuh 87 angebracht sein oder auch ganz fehlen.

[0031] Senkrecht auf die beiden Gleitflächen 85, 86 der Prismenschiene 84 steht jeweils eine Normalrichtung u, v. Sie sind bezogen auf die Tiefenrichtung Y einander zugewandt, also entgegengesetzt gerichtet, während sie bezogen auf die Seitenrichtung X gleichsinnig orientiert sind. Hierdurch nehmen die Gleitflächen 85, 86 eine konkave Form an, deren Öffnung in der Seitenrichtung X zur Mitte des Pressstempels 3 bzw. zur gegenüberliegenden Führungssäule 82 gerichtet ist. Es kann aber auch eine konvexe Bauform zweckmäßig sein, bei der zwar die Normalrichtungen u, v, in der Seitenrichtung X weiterhin gleichsinnig und in der Tiefenrichtung Y weiterhin gegensinnig, diesmal jedoch voneinander fortgewandt orientiert sind. In der gezeigten bevorzugten Ausführungsform liegen die beiden Gleitflächen 85, 86 der einzelnen Prismenschiene mit ihren Normalrichtungen u, v übrigens noch spiegelsymmetrisch zur Seitenrichtung X. Es kann aber auch eine unsymmetrische Querschnittsgestaltung zweckmäßig sein.

[0032] Das Druckprisma 92 des zugehörigen Prismenschuhs 87 weist Gleitflächen 88, 89 auf, die mit den Gleitflächen 85, 86 der Prismenschiene 84 derart korrespondieren, dass sie im montierten Zustand nach Fig. 5 flächig darauf aufliegen und darauf abgleiten können. Für die Orientierung der Gleitflächen 88, 89 des Prismenschuhs 87 gilt das zu den Gleitflächen 85, 86 der Prismenschiene 84 Gesagte in analoger Weise, demnach sie bei der gezeigten konkaven Ausgestaltung der Prismenschiene 84 konvex angeordnet sind und im Falle der nicht gezeigten, aber möglichen konvexen Ausgestaltung der Prismenschiene 84 konkav angeordnet werden müssen.

[0033] Das oben für eine einzige Gleitführung 83 Gesagte gilt in gleicher Weise auch für die übrigen Gleitführungen 83, demnach alle vier geometrisch analog aufgebaut und im Übrigen spiegelsymmetrisch zu einer in der Seitenrichtung X verlaufenden Achse und auch spiegelsymmetrisch zu einer in der Tiefenrichtung Y verlaufenden Achse positioniert und ausgestaltet sind.

[0034] Insgesamt gilt für jede der gezeigten Gleitführungen 83, dass sie insbesondere bei Druckbelastungen in der Seitenrichtung X frei von Reaktionskräften in der Tiefenrichtung Y sind, demnach die Gesamtstruktur der Dachziegelpresse 1 und insbesondere die Struktur des Pressstempels 3 entlastet wird. Zugehörige Verformungen und daraus resultierende Relativverschiebungen der Oberformen 4 gegenüber den Unterformen 6 sind erheblich reduziert.


Ansprüche

1. Dachziegelpresse zur Herstellung eines gepressten Formlings (22) aus einem plastischen Rohling (2), wobei die Dachziegelpresse (1) eine Unterform (6) und eine Oberform (4) zur Pressung des Rohlings (2) dazwischen umfasst, wobei die Dachziegelpresse (1) des Weiteren ein Gestell (81) mit zwei Führungssäulen (82) und einen zwischen den Führungssäulen (82) in einer Hochrichtung (Z) bewegbar gelagerten Pressstempel (3) zur Pressung der Oberform (4) gegen die Unterform (6) aufweist, wobei in einer senkrecht zur Hochrichtung (Z) liegenden Pressebene eine durch die beiden Führungssäulen (82) vorgegebene Seitenrichtung (X) und eine senkrecht dazu liegende Tiefenrichtung (Y) definiert ist, wobei der Pressstempel (3) an vier in der Seitenrichtung (X) und in der Tiefenrichtung (Y) paarweise sich gegenüberliegenden Ecken mittels je einer Gleitführung (83) gleitend an der jeweils zugeordneten Führungssäule (82) geführt ist,
dadurch gekennzeichnet, dass die vier Gleitführungen (83) jeweils eine Prismenschiene (84) an der Führungssäule (82) mit jeweils zwei V-förmig zueinander stehenden Gleitflächen (85, 86) sowie mindestens einen dazu korrespondierenden Prismenschuh (87) am Pressstempel (3) umfassen.
 
2. Dachziegelpresse nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass Normalrichtungen (u, v) der beiden Gleitflächen (85, 86) von zumindest einer Prismenschiene (84) und insbesondere von allen vier Prismenschienen (86) bezogen auf die Seitenrichtung (X) gleichsinnig und bezogen auf die Tiefenrichtung (Y) entgegengesetzt gerichtet orientiert sind.
 
3. Dachziegelpresse nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Gleitflächen (85, 86) spiegelsymmetrisch zur Seitenrichtung (X) angeordnet sind.
 
4. Dachziegelpresse nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass sich der Prismenschuh (87) in der Hochrichtung (Z) zumindest näherungsweise über die gesamte Höhe des Pressstempels (3) erstreckt.
 
5. Dachziegelpresse nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Prismenschuh (87) und der Prismenschiene ein Gleitbelag (91) angeordnet ist.
 
6. Dachziegelpresse nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass der Prismenschuh (87) ein an der Prismenschiene (84) anliegendes Druckprisma (92) und ein gegen das Druckprisma (92) verspannbares Justierprisma (93) umfasst.
 




Zeichnung













Recherchenbericht









Recherchenbericht