[0001] Die Erfindung betrifft eine Dachziegelpresse mit den Merkmalen nach dem Oberbegriff
des Anspruchs 1.
[0002] Zur Herstellung von Ton-Dachziegeln werden mehrheitlich sogenannte Trommelpressen
eingesetzt. Diese Dachziegelpressen weisen Unterformen und Oberformen zur Pressung
von Rohlingen dazwischen auf. Außerdem weisen sie einen Maschinenrahmen bzw. Maschinengestell,
einen darin angeordneten und verschiebbar gelagerten Pressstempel und eine im Pressenrahmen
drehbar gelagerte sogenannte Trommel mit mindestens vier Arbeitsflächen auf. Der Pressstempel
realisiert den Arbeitshub und trägt die Oberformen. Die Unterformen sind auf den Flächen
der Trommel angebracht.
[0003] Der Antrieb des Pressstempels erfolgt in den meisten Fällen über eine Welle mit exzentrischen
Kurvenscheiben und festem Arbeitshub. Der Arbeitshub kann aber auch rein hydraulisch
ober über ein Kniehebelsystem aufgebracht werden.
[0004] Zum Pressen eines Dachziegelformlings, d.h. eines noch plastisch verformbaren Körpers
mit bereits endgültiger Geometrie, wird ein Rohling zwischen Ober- und Unterform eingebracht.
Durch das Absenken des Pressstempels wird der Rohling zwischen Ober- und Unterform
zu der durch die Formen vorgegebenen Geometrie verformt.
[0005] Beim Umformen des Rohlings zum Formling mit der gewünschten Ziegelgeometrie treten
Kräfte in allen drei Achsen auf. Die Presskraft in Hochrichtung (z-Richtung) wird
anteilig in X-Richtung (Trommelachse, Seitenrichtung) und Y-Richtung (Trommelumfangsrichtung,
Tiefenrichtung) umgewandelt. Diese Kräfte in der Ebene der Formenspannfläche bzw.
in der Pressebene müssen durch Führungen des Pressstempels aufgenommen werden.
[0006] Die Steifigkeit der Führungen hat dabei einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität
des Ziegels. Eine Verschiebung von Oberform zu Unterform wird als Ziegelbildverschiebung
bezeichnet. Je geringer diese ist, desto höher ist die Qualität des Ziegels. Ziegelbildverschiebungen
größer 1 mm können zusätzlich zu Problemen in den Nachfolgeprozessen, d.h. bei Trocknen
und Brennen führen.
[0007] Üblicherweise weist das Maschinengestell zwei Führungssäulen auf, zwischen denen
der Pressstempel in der Hochrichtung bewegbar gelagert ist. Stand der Technik ist
es, den Pressstempel über Schrägführungen zu führen. Hierzu sind insgesamt vier schräge
Führungswangen (ca. 120° zur Frontebene des Pressstempels) vorgesehen, von denen sich
je eine an den vier Ecken des Pressstempels befindet. Diese sind mit ausreichend Spiel
zu vier ebenfalls schrägen Gleitflächen an den Führungssäulen ausgerichtet und eingestellt.
Durch die Schrägstellung der vier Gleitflächen ist der Pressstempel gegen seitliche
Verschiebungen innerhalb der Pressebene, also sowohl in der X-Richtung als auch in
der Y-Richtung abgestützt.
[0008] Allerdings treten trotz dieser Abstützung zum Teil sehr deutliche Verformungen auf,
die zu einer unerwünschten Ziegelbildverschiebung führen. Insbesondere bei großformatigen
Ziegeln oder Pressmassen mit reduzierter Feuchte wird dieser Effekt sehr deutlich.
Im Extremfall kommt es zum Kontaktverlust und Abheben der Führungselemente von der
Führungsbahn. Außerdem ist es sehr schwierig und zeitaufwändig, die Führungen richtig
einzustellen. Eine Abhilfe mittels Reduzierung der Presskraft durch Erhöhung der Pressfeuchte
und damit Erhöhung der Plastizität des Ziegelrohlings ist zwar möglich, erhöht aber
den Energieverbrauch für das Trocknen des Ziegels und somit die Produktionskosten.
[0009] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine gattungsgemäße Dachziegelpresse derart
weiterzubilden, dass die Führung des Pressstempels verbessert ist.
[0010] Diese Aufgabe wird durch eine Dachziegelpresse mit den Merkmalen des Anspruchs 1
gelöst.
[0011] Nach der Erfindung ist vorgesehen, dass die vier Gleitführungen jeweils eine Prismenschiene
an der Führungssäule mit jeweils zwei V-förmig zueinander stehenden Gleitflächen sowie
mindestens einen dazu korrespondierenden Prismenschuh am Pressstempel umfassen.
[0012] Die Erfindung basiert zunächst auf der Erkenntnis, dass die beobachteten Verformungen
zu einem signifikanten Anteil aus dem Wechselspiel der schrägen Gleitflächen mit der
Nachgiebigkeit des Rahmens und des Pressstempels folgen. Der Pressstempel ist in üblicher
Bauform zwar als steifer Kasten aufgebaut, weist jedoch Stirnflächen mit U-förmigen
Durchbrüchen für Exzenterwellen oder dergleichen auf. Dies macht ihn nachgiebig insbesondere
in der Y-Richtung. Die vier Gleitflächen der Führungen an den vier Ecken können nur
Kräfte als Druckkräfte in Normalrichtung zur Oberfläche aufnehmen, nicht jedoch tangential
dazu. Aufgrund der Schrägstellung entstehen also bei Belastung erhebliche Kraftkomponenten
auch in Y-Richtung. Bei einer Belastung in X-Richtung wird ein Paar von schrägen Gleitflächen
auf Druck belastet, was in Folge der Schrägstellung dazu führt, dass die schrägen
Führungswangen auch in Y-Richtung belastet und aufgespreizt werden. Zusätzlich neigt
auch der kastenförmige, aber mit den genannten U-förmigen Durchbrüchen versehene Druckstempel
zur Aufspreizung. Im Falle von Belastungen in Y-Richtung sieht dies ähnlich aus, da
auf beiden Seiten eine Schrägfläche mehr, und die andere dafür weniger belastet wird.
Auch dies trägt zur Gesamtverformung bei.
[0013] Im Unterschied dazu führen die zwei V-förmig zueinander stehenden Gleitflächen der
nach der Erfindung zum Einsatz kommenden Prismenschiene dazu, dass aufgebrachte Druckkräfte
nicht zu sekundären Reaktionskräften in einer anderen Richtung führen. Der Pressstempel
ist an allen seinen vier Ecken kraftneutral geführt. Die gewünschte Abstützung in
X- und/oder Y-Richtung findet zwar statt, führt aber nicht zu Aufspreizungen zwischen
zwei benachbarten Führungen der gleichen Führungssäule. Sowohl die Führungssäule selbst
als auch insbesondere der Führungsstempel bleiben frei von auseinanderziehenden Kraftkomponenten.
Selbst bei sehr hoher Presskraft sind die entstehenden Verformungen erheblich reduziert.
Ziegelbildverschiebungen beschränken sich auf ein Minimum. Die geringeren Verformungen
erleichtern auch ein korrektes Einstellen der Führungen.
[0014] In bevorzugter Weiterbildung der Erfindung sind die Normalrichtungen der beiden Gleitflächen
von zumindest einer Prismenschiene und insbesondere von allen vier Prismenschienen
bezogen auf die Seitenrichtung gleich gerichtet und bezogen auf die Tiefenrichtung
entgegengesetzt gerichtet orientiert. Mit anderen, einfachen Worten sind die Gleitflächen
in der X-Richtung nach innen gerichtet und insbesondere einander zugewandt. Hierdurch
weisen sie insbesondere in der X-Richtung eine hohe Tragfähigkeit ohne resultierende
Kraftkomponenten in der Y-Richtung auf.
[0015] Die beiden Gleitflächen einer einzelnen Prismenschiene sind zweckmäßig spiegelsymmetrisch
zur Seitenrichtung angeordnet. Hierdurch ergeben sich gleiche Tragfähigkeiten in der
Tiefen- bzw. Y-Richtung sowohl nach vorne als auch nach hinten. Insbesondere in Verbindung
mit zwei gleich ausgebildeten benachbarten Prismenschienen werden auch Lasten in Y-Richtung
gleichmäßig verteilt, so dass die zwischenliegende Tragstruktur unbelastet bleibt
und folglich frei von zugehörigen Verformungen ist.
[0016] Es kann zweckmäßig sein, für jede der Prismenschienen zwei oder mehr Prismenschuhe
vorzusehen, wobei dann aber mindestens je ein Prismenschuh ganz oben und ein weiterer
ganz unten an der zugeordneten Ecke des Pressstempels anzuordnen wäre. Bevorzugt erstreckt
sich jedoch der Prismenschuh in der Hochrichtung zumindest näherungsweise über die
gesamte Höhe des Pressstempels. Hierdurch erfährt der Pressstempel zusätzlich auch
die bestmögliche Stützung gegen Kippbewegungen, so dass insgesamt eine präzise Beweglichkeit
in Z-Richtung bei sauberer Führung und Abstützung in allen übrigen räumlichen Freiheitsgraden
erzielt ist.
[0017] Es kann zweckmäßig sein, metallische Gleitflächen von Prismenschiene und Gleitschuh
unter Anwendung einer geeigneten Schmierung beispielsweise mit Fett aufeinander gleiten
zu lassen. Vorteilhaft ist zwischen dem Prismenschuh und der Prismenschiene ein Gleitbelag
beispielsweise aus einem selbstschmierenden Kunststoff wie PTFE oder dergleichen angeordnet.
Neben besserer Gleitfähigkeit und verringertem Wartungsaufwand kann auch eine geringere
Empfindlichkeit gegen Verschmutzung beispielsweise durch Ziegelton erreicht werden.
[0018] In bevorzugter Weiterbildung umfasst der Prismenschuh ein an der Prismenschiene anliegendes
Druckprisma und ein gegen das Druckprisma verspannbares Justierprisma. Anders als
bei den schrägen Einzelflächen des Standes der Technik führt eine gegenseitige Verspannung
nicht dazu, dass die Prismenschienen seitlich ausweichen. Folglich ist eine einfache
aber zuverlässig einstellbare Verspannung bzw. Justierung der Gleitführung möglich.
[0019] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist nachstehend anhand der Zeichnung näher
erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- in einer perspektivischen Übersichtsdarstellung eine erfindungsgemäß ausgeführte Dachziegelpresse,
- Fig. 2
- in einer Seitenansicht einen Vertikalschnitt durch die Dachziegelpresse aus Fig. 1
mit weiteren Details,
- Fig. 3
- in einer perspektivischen Einzelansicht die Baugruppe aus Trommel und Pressstempel
der Dachziegelpresse nach den Fig. 1 und 2 mit Einzelheiten zur Entstehung der Presskräfte
in allen Raumrichtungen,
- Fig. 4
- in einer Draufsicht die Anordnung nach Fig. 3 mit Prismenschienen an allen vier Ecken
des Pressstempels,
- Fig. 5
- in einer vergrößerten Detaildarstellung die Einzelheit V aus Fig. 4 mit Einzelheiten
zur Ausgestaltung einer Prismenschiene und eines darauf abgleitenden, verspannbaren
Prismenschuhs, und
- Fig. 6
- in einer Explosionsdarstellung die Prismenschiene und den Prismenschuh nach Fig. 5
mit Einzelheiten zu deren geometrischen Ausgestaltung.
[0020] Fig. 1 zeigt eine erfindungsgemäß ausgeführte Dachziegelpresse 1. In der Dachziegelpresse
1 wird aus einem plastischen Rohling 2 aus Lehm bzw. aus Ton ein Formling 22 hergestellt.
Der Rohling 2 wird auf einem Förderband 21 zur Dachziegelpresse 1 gefördert. Der fertige
Formling 22 wird mit einem Förderer 16 von der Dachziegelpresse 1 zur Weiterprozessierung
abtransportiert.
[0021] Wie in Fig. 2 dargestellt, wird der Formling 22 durch Verpressen des Rohlings 2 zwischen
einer Oberform 4 und einer Unterform 6 an einer Pressstelle 7 der Dachziegelpresse
1 hergestellt. Die Formen können abhängig vom Ziegeltyp und regionalen Präferenzen
unterschiedlich aufgebaut sein. Sie können beispielsweise einen Aluminiumkörper mit
einer Kunststoffeinlage und einer Gummimembran oder einem Gummituch umfassen oder
aus einem Stahlkörper hergestellt sein. Im gezeigten Ausführungsbeispiel umfassen
sowohl die Oberform 4 als auch die Unterform 6 einen Aluminiumkörper und eine darin
angeordnete Gipseinlage. Die Oberform 4 ist am unteren Ende eines Pressstempels 3
befestigt. Der Pressstempel 3 ist in Vertikalrichtung hin- und her bewegbar gelagert.
Der Pressstempel 3 lässt sich mittels einer Kurvenscheibe 23 der Dachziegelpresse
1 nach unten drücken und mittels einer weiteren Kurvenscheibe 94 wieder anheben. Beide
Kurvenscheiben 23, 94 werden mittels einer gemeinsamen Welle 95 angetrieben.
[0022] Die Unterform 6 ist auf einer Bewegungseinrichtung 5 angeordnet. Im Ausführungsbeispiel
ist die Bewegungseinrichtung 5 eine Trommel. Es kann aber auch vorgesehen sein, dass
die Bewegungseinrichtung ein schwenkbar gelagerter Tisch ist und die Unterform auf
einer Oberfläche des Tischs angeordnet ist. Die Trommel im Ausführungsbeispiel ist
um eine Drehachse 90 drehbar gelagert. Die Drehachse 90 verläuft horizontal. In einem
Schnitt senkrecht zur Drehachse 90 bildet die Umfangsfläche der Trommel ein gleichseitiges
Sechseck. Auf jeder Seite der sechseckigen Umfangsfläche sind je vier Unterformen
6 angeordnet, demnach insgesamt vierundzwanzig Unterformen 6 vorhanden sind. Korrespondierend
zur Anzahl der auf einer Trommelfläche befindlichen Unterformen 6 weist die Dachziegelpresse
die gleiche Anzahl, hier also vier Oberformen 4 auf.
[0023] Im Betrieb führt die Dachziegelpresse 1 mehrere Bearbeitungsschritte an verschiedenen
Rohlingen 2 und Formlingen 22 gleichzeitig aus. Die Dachziegelpresse 1 umfasst verschiedene
Bearbeitungsstellen zur Bearbeitung des Rohlings 2 und des Formlings 22. Die Bearbeitungsstellen
umfassen eine Befüllstelle 12 zur Befüllung der Unterform 6 mit einem zu pressenden
Rohling 2, die schon erwähnte Pressstelle 7 zur Pressung des Rohlings 2 zwischen der
Oberform 4 und der Unterform 6, eine Entnahmestelle 8 mit einer Saugkopfvorrichtung
60 zur Entnahme des gepressten Formlings 22 aus der Unterform 6 und zu dessen Ablage
auf einem Formlingsträger 20, sowie eine Abwurfstelle 11 zur Entfernung eines möglicherweise
ungewollt in der Unterform 6 verbliebenen Inhalts 19. Die Bewegungseinrichtung 5 bewegt
die Unterform 6 in einer Bewegungsrichtung 100 zyklisch von einer Bearbeitungsstelle
zur nächsten. Im Ausführungsbeispiel verläuft die Bewegungsrichtung 100 kreisförmig
im Uhrzeigersinn um die Längsachse 90 der Trommel. Die Bewegungsrichtung 100 verläuft
in Richtung von der Entnahmestelle 8 über die Befüllstelle 12 zur Pressstelle 7 und
von der Pressstelle 7 wieder zurück zur Entnahmestelle 8. Die Trommel dreht sich im
Uhrzeigersinn in ihre Umfangsrichtung. Die Trommel wird über ein Dreh- oder Rastgetriebe
angetrieben. Im Ausführungsbeispiel ist das Dreh- oder Rastgetriebe ein nicht dargestelltes
Maltesergetriebe. Dadurch wird die Unterform 6, die auf einer Seitenfläche der Trommel
angeordnet ist, im Betrieb der Dachziegelpresse 1 um einen bestimmten Drehwinkel um
die Längsachse 90 der Trommel gedreht und verharrt dann eine bestimmte Zeit in einer
Position. Anschließend wird die Trommel und damit auch die auf der Seitenfläche angeordnete
Unterform 6 um den Drehwinkel weiter um die Längsachse 90 gedreht. Im Ausführungsbeispiel
beträgt der Drehwinkel 60°. Nach einer bestimmten Anzahl Drehungen erreichen die Unterform
6 und die Bewegungseinrichtung 5 wieder ihren Ausgangszustand. Im Ausführungsbeispiel
geschieht dies nach sechs Drehungen.
[0024] Aus den vorgenannten Bewegungsabläufen ergibt sich ein Koordinatensystem der Dachziegelpresse
1, bei dem die Hubrichtung des Pressstempels 3 eine Hochrichtung Z vorgibt, während
eine Seitenrichtung X durch die Abstandsrichtung zwischen den beiden Führungssäulen
82 vorgegeben ist und damit parallel zur Drehachse 90 der Trommel liegt. An der Pressstelle
7 befindet sich zwischen der Oberform 4 und der Unterform 6 eine senkrecht zur Hochrichtung
Z und folglich horizontal liegende Pressebene, in der sich einerseits die genannte
Seitenrichtung X und andererseits senkrecht dazu eine Tiefenrichtung Y befinden.
[0025] Für die mechanische Integrität weist die Dachziegelpresse 1 ein rahmenförmiges Gestell
81 mit zwei vertikalen Führungssäulen 82 auf. Die beiden Führungssäulen 82 sind oben
und unten über Quertraversen miteinander zu einem geschlossenen Rahmen verbunden.
Sowohl die Welle 95 zum Antrieb des Pressstempels 3 als auch die trommelförmige Bewegungseinrichtung
5 erstrecken sich in der Seitenrichtung X zwischen den beiden Führungssäulen 82 und
sind an diesen gelagert. Der Pressstempel 3 ist als geschweißter Kasten ausgeführt,
der im Wesentlichen geschlossen und deshalb mechanisch steif ist. Allerdings weisen
seine seitlichen Stirnwände nach Fig. 1 U-förmige Aussparungen 96 für die Durchführung
der dort nicht, wohl aber in Fig. 2 gezeigten Welle 95 auf, die dem kastenförmigen
Pressstempel insbesondere in der Tiefenrichtung Y eine gewisse Nachgiebigkeit verleihen.
[0026] Fig. 3 zeigt in einer perspektivischen Einzelansicht eine Baugruppe aus der Dachziegelpresse
nach den Fig. 1 und 2 umfassend den Pressstempel 3 und die trommelförmige Bewegungseinrichtung
5. Zu erkennen sind die vier am Pressstempel angebrachten Oberformen 4 und vier dazu
korrespondierende Unterformen 6 der Bewegungseinrichtung 5. Dazwischen befindet sich
je ein gepresster Formling 22. Die Formlinge 22 sind insbesondere in der Seitenrichtung
X, aber auch in der Tiefenrichtung Y nicht spiegelsymmetrisch. Deshalb führt eine
entgegen der Hochrichtung Z aufgebrachte Presskraft nicht nur zu Reaktionskräften
in der Hochrichtung Z, sondern auch in der Seitenrichtung X und in der Tiefenrichtung
Y.
[0027] Neben der Welle 95 (Fig. 2) und der trommelförmigen Bewegungseinrichtung 5 ist auch
der Pressstempel 3 an den beiden Führungssäulen 82 (Fig. 1, 4) bewegbar gelagert,
wozu nach Fig. 3 insgesamt vier Gleitführungen 83, nämlich je eine Gleitführung 83
an allen vier in der Pressebene bzw. in der X-Y-Ebene liegenden Ecken des Pressstempels
3 vorgesehen sind. Fig. 4 zeigt in einer Draufsicht die Anordnung nach Fig. 3 im Einbauzustand
zwischen den beiden Führungssäulen 82. Aus der Zusammenschau der Fig. 3 und 4 ergibt
sich, dass der Pressstempel 3 an vier in der Seitenrichtung X und in der Tiefenrichtung
Y paarweise sich gegenüberliegenden Ecken mittels je einer Gleitführung 83 gleitend
an der jeweils zugeordneten Führungssäule 82 (Fig. 1) geführt ist, wobei ein Paar
von Gleitführungen 83 an einer der beiden Führungsschienen 82 positioniert ist, und
wobei ein weiteres Paar von Gleitführungen 83 an der anderen Führungsschiene 82 positioniert
ist. Die Führungsschienen 82 sind dazu ausgelegt, eine geführte Beweglichkeit des
Pressstempels 3 in der Hochrichtung Z zuzulassen, und im Übrigen eine Abstützung in
der Seitenrichtung X, in der Tiefenrichtung Y und gegen Rotation um alle drei genannten
Raumachsen bereitzustellen.
[0028] Fig. 5 zeigt in einer vergrößerten Detaildarstellung die Einzelheit V aus Fig. 4
mit Details zur Ausgestaltung einer der Gleitführungen 83. Eine einzelne Gleitführung
83 setzt sich aus einer Prismenschiene 84 und mindestens einem darauf abgleitenden
Prismenschuh 87 zusammen. Die Prismenschiene 84 ist ortsfest an der Führungssäule
82 befestigt, während der Prismenschuh 87 am Pressstempel 3 befestigt ist und sich
gemeinsam mit diesem relativ zur Baueinheit aus Führungssäule 82 und Prismenschiene
84 bewegt. Aus der Zusammenschau mit Fig. 3 ergibt sich noch, dass an jeder der vier
Ecken des Pressstempels 3 je ein Prismenschuh 87 der Gleitführung 83 angeordnet ist,
welcher sich in der Hochrichtung Z zumindest näherungsweise über die gesamte Höhe
des Pressstempels 3 erstreckt. Es kann aber auch zweckmäßig sein, an jeder Ecke je
einen oberen und einen unteren Prismenschuh 87 oder mehrere davon zu positionieren.
Die zugehörigen Prismenschienen 84 sind in der Länge derart bemessen, dass sie ein
Abgleiten der Prismenschuhe 87 auf den Prismenschienen 84 über den gesamten Hub des
Pressstempels 3 zulassen und führen.
[0029] Nach Fig. 5 setzt sich ein einzelner Prismenschuh 87 aus einem an der Prismenschiene
84 anliegenden Druckprisma 92 und einem gegen das Druckprisma 92 verspannbaren Justierprisma
93 zusammen. Hierzu weisen das Justierprisma 93 und das Druckprisma 92 aneinander
anliegende Keilflächen schräg zur Seitenrichtung X und auch schräg zur Tiefenrichtung
Y auf. In einem Justierrahmen 79 lässt sich das Justierprisma 93 mittels einer Zugschaube
97 und einer Druckschraube 98 in der Tiefenrichtung Y bewegen und positionieren. Die
genannte Bewegung führt über die schrägen Keilflächen zu einer Verschiebung des Druckprismas
92 in der Seitenrichtung X, wodurch das Druckprisma 92 zur Anlage gegen die Prismenschiene
84 gebracht und hinsichtlich Spiel bzw. Anpresskraft eingestellt werden kann. Nach
erfolgter Einstellung kann die gefundene Position des Justierprismas 93 mittels einer
Fixierschraube 99 gegenüber dem Justierrahmen 79 fixiert werden.
[0030] Fig. 6 zeigt noch in einer Explosionsdarstellung die Prismenschiene 84 und den Prismenschuh
87 nach Fig. 5 mit Einzelheiten zu deren geometrischen Ausgestaltung. Die Prismenschiene
84 weist mindestens zwei, hier genau zwei V-förmig zueinander stehende und über die
gesamte Länge der Prismenschiene 84 verlaufende Gleitflächen 85, 86 auf. Diese können
direkt in einen einteiligen Grundkörper 78 der Prismenschiene 84 eingearbeitet sein.
Im gezeigten bevorzugten Ausführungsbeispiel sind sie durch je einen auf den Grundkörper
78 aufgebrachten Gleitbelag 91 gebildet. Der oder die Gleitbeläge 91 können aber auch
zusätzlich oder alternativ am Prismenschuh 87 angebracht sein oder auch ganz fehlen.
[0031] Senkrecht auf die beiden Gleitflächen 85, 86 der Prismenschiene 84 steht jeweils
eine Normalrichtung u, v. Sie sind bezogen auf die Tiefenrichtung Y einander zugewandt,
also entgegengesetzt gerichtet, während sie bezogen auf die Seitenrichtung X gleichsinnig
orientiert sind. Hierdurch nehmen die Gleitflächen 85, 86 eine konkave Form an, deren
Öffnung in der Seitenrichtung X zur Mitte des Pressstempels 3 bzw. zur gegenüberliegenden
Führungssäule 82 gerichtet ist. Es kann aber auch eine konvexe Bauform zweckmäßig
sein, bei der zwar die Normalrichtungen u, v, in der Seitenrichtung X weiterhin gleichsinnig
und in der Tiefenrichtung Y weiterhin gegensinnig, diesmal jedoch voneinander fortgewandt
orientiert sind. In der gezeigten bevorzugten Ausführungsform liegen die beiden Gleitflächen
85, 86 der einzelnen Prismenschiene mit ihren Normalrichtungen u, v übrigens noch
spiegelsymmetrisch zur Seitenrichtung X. Es kann aber auch eine unsymmetrische Querschnittsgestaltung
zweckmäßig sein.
[0032] Das Druckprisma 92 des zugehörigen Prismenschuhs 87 weist Gleitflächen 88, 89 auf,
die mit den Gleitflächen 85, 86 der Prismenschiene 84 derart korrespondieren, dass
sie im montierten Zustand nach Fig. 5 flächig darauf aufliegen und darauf abgleiten
können. Für die Orientierung der Gleitflächen 88, 89 des Prismenschuhs 87 gilt das
zu den Gleitflächen 85, 86 der Prismenschiene 84 Gesagte in analoger Weise, demnach
sie bei der gezeigten konkaven Ausgestaltung der Prismenschiene 84 konvex angeordnet
sind und im Falle der nicht gezeigten, aber möglichen konvexen Ausgestaltung der Prismenschiene
84 konkav angeordnet werden müssen.
[0033] Das oben für eine einzige Gleitführung 83 Gesagte gilt in gleicher Weise auch für
die übrigen Gleitführungen 83, demnach alle vier geometrisch analog aufgebaut und
im Übrigen spiegelsymmetrisch zu einer in der Seitenrichtung X verlaufenden Achse
und auch spiegelsymmetrisch zu einer in der Tiefenrichtung Y verlaufenden Achse positioniert
und ausgestaltet sind.
[0034] Insgesamt gilt für jede der gezeigten Gleitführungen 83, dass sie insbesondere bei
Druckbelastungen in der Seitenrichtung X frei von Reaktionskräften in der Tiefenrichtung
Y sind, demnach die Gesamtstruktur der Dachziegelpresse 1 und insbesondere die Struktur
des Pressstempels 3 entlastet wird. Zugehörige Verformungen und daraus resultierende
Relativverschiebungen der Oberformen 4 gegenüber den Unterformen 6 sind erheblich
reduziert.
1. Dachziegelpresse zur Herstellung eines gepressten Formlings (22) aus einem plastischen
Rohling (2), wobei die Dachziegelpresse (1) eine Unterform (6) und eine Oberform (4)
zur Pressung des Rohlings (2) dazwischen umfasst, wobei die Dachziegelpresse (1) des
Weiteren ein Gestell (81) mit zwei Führungssäulen (82) und einen zwischen den Führungssäulen
(82) in einer Hochrichtung (Z) bewegbar gelagerten Pressstempel (3) zur Pressung der
Oberform (4) gegen die Unterform (6) aufweist, wobei in einer senkrecht zur Hochrichtung
(Z) liegenden Pressebene eine durch die beiden Führungssäulen (82) vorgegebene Seitenrichtung
(X) und eine senkrecht dazu liegende Tiefenrichtung (Y) definiert ist, wobei der Pressstempel
(3) an vier in der Seitenrichtung (X) und in der Tiefenrichtung (Y) paarweise sich
gegenüberliegenden Ecken mittels je einer Gleitführung (83) gleitend an der jeweils
zugeordneten Führungssäule (82) geführt ist,
dadurch gekennzeichnet, dass die vier Gleitführungen (83) jeweils eine Prismenschiene (84) an der Führungssäule
(82) mit jeweils zwei V-förmig zueinander stehenden Gleitflächen (85, 86) sowie mindestens
einen dazu korrespondierenden Prismenschuh (87) am Pressstempel (3) umfassen.
2. Dachziegelpresse nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass Normalrichtungen (u, v) der beiden Gleitflächen (85, 86) von zumindest einer Prismenschiene
(84) und insbesondere von allen vier Prismenschienen (86) bezogen auf die Seitenrichtung
(X) gleichsinnig und bezogen auf die Tiefenrichtung (Y) entgegengesetzt gerichtet
orientiert sind.
3. Dachziegelpresse nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Gleitflächen (85, 86) spiegelsymmetrisch zur Seitenrichtung (X) angeordnet
sind.
4. Dachziegelpresse nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass sich der Prismenschuh (87) in der Hochrichtung (Z) zumindest näherungsweise über
die gesamte Höhe des Pressstempels (3) erstreckt.
5. Dachziegelpresse nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Prismenschuh (87) und der Prismenschiene ein Gleitbelag (91) angeordnet
ist.
6. Dachziegelpresse nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass der Prismenschuh (87) ein an der Prismenschiene (84) anliegendes Druckprisma (92)
und ein gegen das Druckprisma (92) verspannbares Justierprisma (93) umfasst.