[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Überwachungsverfahren sowie eine Überwachungsvorrichtung
für elektrische Isolierungen eines industriellen Elektroofens, insbesondere eines
Reduktionsofens, nach Gattung des unabhängigen Anspruchs 1 bzw. 7. Gegenstand der
Erfindung ist auch ein industrieller Elektroofen gemäß Anspruch 9.
Stand der Technik
[0002] Industrielle Elektroöfen werden insbesondere zum Schmelzen von Metallen und Metallgemischen
eingesetzt. Die zum Erwärmen des Schmelzgutes benötigte Energie wird derartigen industriellen
Elektroöfen als elektrische Energie über spannungsführende Anlagenteile, wie beispielsweise
Kabel und Elektroden, zugeführt. Diese spannungsführenden Anlagenteile müssen gegenüber
spannungsfreien und/oder geerdeten Anlagenteilen mittels zwischen den Anlagenteilen
eingebrachten elektrischen Isolierungen elektrisch isoliert werden. Bei industriellen
Elektroöfen mit mehrphasiger Spannungsversorgung sind zudem elektrische Isolierungen
zwischen spannungsführenden Anlagenteilen unterschiedlicher Phasen erforderlich. Im
Fall von schadhaften Isolierungen können Spannungsüberschläge, Lichtbögen und Funkenerosionsvorgänge
zwischen den Anlagenteilen, wie beispielsweise Elektroden, Ofengefäß und Ofendeckel,
auftreten, wodurch die Lebensdauer und Betriebssicherheit eines industriellen Elektroofens
leiden.
[0003] Heutzutage werden die elektrischen Isolierungen derartiger industrieller Elektroöfen,
wenn überhaupt, manuell mit einem Isolationsmessgerät überprüft, und die Messwerte
werden händisch ausgewertet. Diese Arbeiten können nur im abgeschalteten Zustand eines
industriellen Elektroofens vorgenommen werden, was mit einem Produktionsausfall einhergeht.
Zudem sind die Erfassung und die Auswertung der Messwerte sehr zeitaufwändig.
Offenbarung der Erfindung
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren sowie
eine entsprechende Vorrichtung für die im Vergleich zum Stand der Technik verbesserte
Überwachung und Überprüfung der elektrischen Isolierungen eines industriellen Elektroofens
bereitzustellen. Die Überwachung und Überprüfung der elektrischen Isolierungen sollen
schneller und komfortabler als bisher und zugleich aufwandsarm erfolgen, so dass die
Stillstandzeiten und der erforderliche Personalaufwand für die Wartung industrieller
Elektroöfen reduziert werden. Außerdem soll die vorliegende Erfindung einen industriellen
Elektroofen bereitstellen, dessen elektrische Isolierungen aufwandsarm überwacht und
überprüft werden können, so dass die Betriebssicherheit des industriellen Elektroofens
gesteigert werden kann, und die Stillstandzeiten minimiert werden können.
[0005] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung wird durch ein Überwachungsverfahren mit den
Merkmalen des Anspruchs 1, eine Überwachungsvorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs
7 sowie durch einen industriellen Elektroofen mit den Merkmalen des Anspruchs 9 gelöst.
Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den Merkmalen der abhängigen Ansprüche,
die beliebig kombiniert werden können.
[0006] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die Aufgabe der Erfindung dadurch
gelöst wird, dass die elektrischen Isolierungen eines industriellen Elektroofens kontinuierlich
und automatisch während des Produktionsbetriebs des industriellen Elektroofens mittels
einer entsprechend ausgebildeten Überwachungsvorrichtung hinsichtlich ihrer Isoliereigenschaften
überwacht und überprüft werden. Die Überprüfung der elektrischen Isolierungen erfolgt
nicht wie bisher manuell während des Stillstands des industriellen Elektroofens, sondern
automatisch durch eine Überwachungsvorrichtung während des Produktionsbetriebs, also
wenn im laufenden Betrieb der Elektroofen die diesem zugeführte elektrische Energie
in Wärmeenergie umsetzt, um beispielsweise ein Schmelzgut zu schmelzen. Ohne Beschränkung
darauf kann ein derartiger industrieller Elektroofen beispielsweise ein Reduktionsofen,
Elektroschmelzofen, Pfannenofen, Induktionsofen oder Elektrolichtbogenofen sein.
[0007] Gemäß dem vorgeschlagenen Verfahren ist der industrielle Elektroofen mit vorgegebenen
Messpunkten versehen, die auf mehreren, voneinander elektrisch isolierten Abschnitten
des Elektroofens angeordnet sind. Die vorgegebenen Messpunkte können beispielsweise
auf Elektroden, der Erdung, einem Chargierrohr, Segmenten eines Ofengefäßes und Segmenten
eines Ofendeckels so angeordnet sein, dass ein an dem Anlagenteil bzw. Abschnitt des
industriellen Elektroofens anliegendes Spannungspotential an dem zugehörigen Messpunkt
abgreifbar bzw. messbar ist. Zur Überprüfung einer jeweiligen elektrischen Isolierung,
die zur elektrischen Trennung von zwei räumlich benachbarten Abschnitten des Elektroofens
vorgesehen und zwischen diesen zwei Abschnitten angeordnet ist und somit diese zwei
Abschnitte elektrisch und räumlich voneinander trennt, muss jeder dieser zwei Abschnitte
einen jeweiligen Messpunkt aufweisen. Unter der Annahme, dass die Abschnitte selbst
elektrisch leitend sind, kann sich ein jeweiliger Messpunkt an einem beliebigen Ort
des jeweiligen Abschnitts befinden. Bevorzugt weist der durch das vorgestellte Überwachungsverfahren
und die vorgestellte Überwachungsvorrichtung zu überwachende industrielle Elektroofen
eine große Anzahl von elektrischen Isolierungen und somit auch eine entsprechend große
Anzahl vorgegebener Messpunkte auf.
[0008] Das vorgestellte Verfahren sieht vor, dass die Überwachungsvorrichtung während des
Produktionsbetriebs des industriellen Elektroofens in einem jeweiligen Prüfdurchlauf
automatisch, also selbstständig und ohne Veranlassung bzw.
[0009] Auslösung durch Bedienungspersonal des industriellen Elektroofens, Widerstandsmesswerte
der elektrischen Isolierungen zwischen auf den Abschnitten des Elektroofens vorgesehenen,
vorgegebenen Messpunkten ermittelt. Zum Ermitteln eines jeweiligen Widerstandsmesswertes,
also des gemessenen Wertes des ohmschen Widerstands zwischen einem jeweiligen Paar
vorgegebener Messpunkte, kann die Überwachungsvorrichtung den Widerstandsmesswert
eigenständig messen und/oder kann den Widerstandsmesswert von einem Isolationsmessgerät
empfangen, das mit der Überwachungsvorrichtung elektrisch und/oder über eine Datenschnittstelle
verbunden ist. Als Isolationsmessgerät kann dabei ein konventionelles Isolationsmessgerät
verwendet werden, das die Messung des Isolierungswiderstands gemäß etablierten Prüfstandards
oder gesetzlicher Vorgaben durchführt und eine entsprechende Zertifizierung einer
Prüforganisation aufweisen kann.
[0010] Das vorgestellte Verfahren sieht ferner vor, dass die Überprüfungsvorrichtung die
Isoliereigenschaften der elektrischen Isolierungen, die zwischen den mit den vorgegebenen
Messpunkten versehenen Abschnitten des Elektroofens angeordnet sind, auf Grundlage
der ermittelten Widerstandsmesswerte überprüft. Bei dieser Überprüfung kann der für
eine zu überprüfende elektrische Isolierung ermittelte Widerstandsmesswert mit einem
allgemein oder isolierungsspezifisch vorgegebenen Referenzwert bzw. Sollwert verglichen
werden. Unterschreitet der ermittelte Widerstandsmesswert den vorgegebenen Referenzwert,
so bewertet die Überwachungsvorrichtung die zugehörige elektrische Isolierung als
schadhaft bzw. ersatzwürdig und setzt eine entsprechende Nachricht an eine Speichervorrichtung
oder Signalisierungsvorrichtung für Bedienungs- oder Wartungspersonal des industriellen
Elektroofens ab.
[0011] Das vorgestellte Verfahren ermöglicht eine schnelle und aufwandsarme Überwachung
der elektrischen Isolierungen eines industriellen Elektroofens. Da das vorgestellte
Verfahren während des laufenden Betriebs des Elektroofens durchgeführt wird, können
die für präventive Routinearbeiten an den elektrischen Isolierungen eingeplanten Stillstandzeiten
des Elektroofens und auch das für diese Routinearbeiten erforderliche Personal reduziert
werden. Aufgrund der automatischen Überwachung der elektrischen Isolierungen während
des Produktionsbetriebs wird die Betriebssicherheit des industriellen Elektroofens
erhöht, der Verschleiß der Anlagenteile wird reduziert, und zudem sind während der
Stillstandzeiten durchzuführende Arbeiten besser im voraus planbar.
[0012] In einer Weiterbildung des vorgestellten Verfahrens ist vorgesehen, dass während
des Produktionsbetriebs des industriellen Elektroofens ein jeweiliger Prüfdurchlauf
manuell gestartet wird und anschließend durch die Überwachungsvorrichtung vollautomatisch
durchgeführt wird. Diese teilautomatische Weiterbildung des Verfahrens wird bevorzugt
im abgeschalteten Zustand des industriellen Elektroofens ausgeführt. Diese Weiterbildung
ermöglicht, dass Wartungs- oder Bedienpersonal jederzeit und flexibel eine Diagnose
bzw. Überprüfung des aktuellen Zustands der elektrischen Isolierungen veranlassen
und die aktuellen Überprüfungsergebnisse abrufen kann.
[0013] In einer Weiterbildung des vorgestellten Verfahrens ist vorgesehen, dass die Überwachungsvorrichtung
während des Produktionsbetriebs des industriellen Elektroofens kontinuierlich Prüfdurchläufe
vollautomatisch ausführt. Die Überwachungsvorrichtung führt also wiederholt und ohne
Veranlassung durch Wartungs- oder Bedienpersonal Prüfdurchläufe aus, um die elektrischen
Isolierungen kontinuierlich während des laufenden Betriebs des industriellen Elektroofens
hinsichtlich ihrer Isoliereigenschaften zu überwachen. Dadurch werden die Betriebssicherheit
und die Ausfallssicherheit des industriellen Elektroofens erheblich gesteigert.
[0014] In einer Weiterbildung des vorgestellten Verfahrens ist vorgesehen, dass die Überwachungsvorrichtung
einen Verlauf der ermittelten Widerstandsmesswerte speichert und zur Auswertung eines
Veränderungstrends der elektrischen Isolierungen nutzbar macht oder selbst nutzt.
Die Überwachungsvorrichtung kann den gespeicherten Verlauf der ermittelten Widerstandsmesswerte
nutzen, um Langzeittrends der Isoliereigenschaften der elektrischen Isolierungen auszuwerten
und eine voraussichtliche Lebensdauer der elektrischen Isolierungen zu prognostizieren.
Alternativ oder optional kann die Überwachungsvorrichtung einen aktuellen Widerstandsmesswert
mit einem gespeicherten Verlauf eines gemessenen Widerstandsmesswertes vergleichen,
um bei einer zu großen Abweichung zwischen dem aktuellen Wert und den gespeicherten
Werten eine Beschädigung der dem Widerstandsmesswert zugeordneten elektrischen Isolierung
zu diagnostizieren bzw. zu melden. Die Überwachungsvorrichtung kann den gespeicherten
Verlauf von Widerstandsmesswerten auch an andere Auswertungseinrichtungen übertragen.
Bevorzugt speichert die Überwachungsvorrichtung für jede zu überprüfende elektrische
Isolierung einen individuellen Verlauf der für diese elektrische Isolierung ermittelten
Widerstandsmesswerte. Diese Weiterbildung ermöglicht in Bezug auf die elektrischen
Isolierungen eine Optimierung der Wartungsarbeiten und Reduzierung der Stillstandzeiten
des Elektroofens.
[0015] In einer Weiterbildung des vorgestellten Verfahrens ist vorgesehen, dass die Überwachungsvorrichtung
in einem jeweiligen Prüfdurchlauf die vorgegebenen Messpunkte gemäß einer vorgegebenen
Sequenz temporär mit einem Isolationsmessgerät elektrisch verbindet, und das Isolationsmessgerät
mindestens einen Widerstandsmesswert zwischen den mit dem Isolationsmessgerät verbundenen
Messpunkten misst. Bevorzugt verbindet die Überwachungsvorrichtung dabei temporär
die vorgegebenen Messpunkte paarweise zu einer Messzeit mit dem Isolationsmessgerät,
damit das Isolationsmessgerät den ohmschen Widerstand zwischen einem Paar der Messpunkte
messen und an die Überwachungsvorrichtung übermitteln kann. Bevorzugt verbindet die
Überwachungsvorrichtung sukzessive alle möglichen Paare auf räumlich-benachbarten
Anlagenteilen bzw. Abschnitten des Elektroofens angeordneter Messpunkte mit dem Isolationsmessgerät,
damit das Isolationsmessgerät in einem jeweiligen Prüfdurchlauf sukzessive die jeweiligen
Widerstandsmesswerte zwischen den paarweise mit dem Isolationsmessgerät verbundenen
Messpunkten messen und an die Überwachungsvorrichtung übermitteln kann. Die Überwachungsvorrichtung
ist gemäß dieser Weiterbildung mit der Funktion einer Umschaltlogik oder Multiplexeinrichtung
zwischen den vorgegebenen Messpunkten versehen.
[0016] In einer Weiterbildung des vorgestellten Verfahrens ist zudem vorgesehen, dass die
Überwachungsvorrichtung in einem jeweiligen Prüfdurchlauf Widerstandsmesswerte zwischen
vorgegebenen Messpunkten ermittelt, die nicht räumlich-benachbarten Abschnitten des
industriellen Elektroofens zugeordnet sind. Diese Widerstandswerte repräsentieren
den Gesamtwiderstand der einzelnen elektrischen Isolierungen, die im Sinne von ohmschen
Reihen- und/oder Parallelwiderständen zwischen den verwendeten vorgegebenen Messpunkten
wirken. Die Überwachungsvorrichtung berücksichtigt daher diese ermittelten Widerstandsmesswerte
auch zum Überprüfen der elektrischen Isolierungen hinsichtlich ihrer Isoliereigenschaften,
und zwar zum gleichzeitigen Überprüfen einer Mehrzahl elektrischer Isolierungen.
[0017] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung wird auch durch eine Überwachungsvorrichtung
für elektrische Isolierungen eines industriellen Elektroofens gelöst, die zum Ausführen
des zuvor vorgestellten Verfahrens oder einer seiner Weiterbildungen ausgebildet ist.
Die vorgestellte Überwachungsvorrichtung ist mit vorgegebenen Messpunkten des industriellen
Elektroofens elektrisch koppelbar oder gekoppelt. Ferner ist die Überwachungsvorrichtung
ausgebildet zum automatischen Ermitteln, während des Produktionsbetriebs des industriellen
Elektroofens, von Widerstandsmesswerten von elektrischen Isolierungen zwischen den
vorgegebenen Messpunkten und zum Überprüfen der elektrischen Isolierungen hinsichtlich
ihrer Isoliereigenschaften auf Grundlage der ermittelten Widerstandsmesswerte. Ferner
ist die Überwachungsvorrichtung ausgebildet zum automatischen und kontinuierlichen
Ermitteln mehrerer derartiger Widerstandsmesswerte und zum automatischen und kontinuierlichen
Überprüfen bzw. Diagnostizieren mehrerer elektrischer Isolierungen des industriellen
Elektroofens. Die Überwachungsvorrichtung ist zur Umsetzung des zuvor vorgestellten
Verfahrens ausgebildet. Daher bietet die vorgestellte Überwachungsvorrichtung auch
dieselben Vorteile wie das zuvor vorgestellte Verfahren.
[0018] Ferner wird die Aufgabe der vorliegenden Erfindung auch durch einen industriellen
Elektroofen gelöst, der mit der vorgestellten Überwachungsvorrichtung ausgestattet
ist. Der industrielle Elektroofen weist auf mehreren, voneinander elektrisch isolierten
Abschnitten vorgegebene Messpunkte auf, die mit der Überwachungsvorrichtung elektrisch
verbunden oder verbindbar sind.
[0019] Die Erfindung umfasst beliebige Kombinationen der oben vorgestellten Überwachungsverfahren,
Überwachungsvorrichtungen und industriellen Elektroöfen und ihrer Weiterbildungen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0020] Zur Verdeutlichung des vorgeschlagenen Überwachungsverfahrens, der Überwachungsvorrichtung
und des industriellen Elektroofens gemäß der vorliegenden Erfindung werden nun Ausführungsbeispiele
mit Verweis auf die folgenden Figuren vorgestellt.
- Fig. 1
- veranschaulicht schematisch ein Ausführungsbeispiel des vorgestellten industriellen
Elektroofens mit der vorgestellten Überwachungsvorrichtung.
- Fig. 2
- veranschaulicht ein weiteres Ausführungsbeispiel des vorgestellten industriellen Elektroofens
mit der vorgestellten Überwachungsvorrichtung.
[0021] Fig. 1 veranschaulicht ein Ausführungsbeispiel des vorgestellten industriellen Elektroofens
mit der vorgestellten Überwachungsvorrichtung. In Fig. 1 ist der industrielle Elektroofen
100 schematisch in der Draufsicht durch einen Ofendeckel eines nicht gezeigten Ofengefäßes
veranschaulicht, das zum Schmelzen eines in das Ofengefäß eingebrachten Schmelzguts
vorgesehen ist. Die unterschiedlichen Anlagenteile bzw. räumlich-benachbart angeordnete
Abschnitte des Ofendeckels sind durch elektrische Isolierungen getrennt, die in Fig.
1 durch eingekreiste, fortlaufend nummerierte Bezugszeichen 1 bis 36 weder form- noch
maßstabsgetreu markiert sind. Der Ofendeckel ist aus mehreren Ofendeckelsegmenten
S1, S1A, S1B, S1C, S2, S2A, S2B, S2C, S3, S3A, S3B, S3C zusammengesetzt, die durch
elektrische Isolierungen 10 bis 27 und 31 bis 33 elektrisch voneinander getrennt sind.
Durch die Ofendeckelsegmente S1, S2 und S3 sind, durch elektrische Isolierungen 30,
29 bzw. 28 isoliert, spannungsführende Elektroden ER, ES bzw. ET in das Ofengefäß
eingeführt, die von einer nicht veranschaulichten dreiphasigen Spannungsversorgung
gespeist werden. Zudem bilden die Ofendeckelsegmente S1, S2 und S3 eine Aussparung
aus, durch die ein Chargierrohr CT in dem Ofendeckel eingebracht ist, das zum Einbringen
von Schmelzgut in das Ofengefäß vorgesehen ist. Das Chargierrohr CT ist elektrisch
durch die Isolierungen 36, 35, 34 von den Ofendeckelsegmenten S1, S2 bzw. S3 isoliert.
Der Außenrand 40 des Ofendeckels ist elektrisch mit der Erdungsmasse bzw. dem Schutzleiter
PE verbunden und elektrisch von den räumlich-benachbarten Ofendeckelsegmenten durch
die elektrischen Isolierungen 1 bis 9 isoliert.
[0022] Jedes der oben erwähnten Ofendeckelsegmente Sx weist einen vorgegebenen Messpunkt
Mx auf, der über eine jeweilige Messleitung elektrisch mit der Überwachungsvorrichtung
200 verbunden ist. Die Elektroden ER, ES, ET, das Chargierrohr CT sowie die Erdungsmasse
PE weisen jeweilige vorgegebene Messpunkte MER, MES, MET, MCT bzw. MPE auf, die über
jeweilige Messleitungen elektrisch mit der Überwachungsvorrichtung 200 verbunden sind.
[0023] Die Überwachungsvorrichtung 200 überprüft während des laufenden Betriebs des industriellen
Elektroofens kontinuierlich und automatisch die elektrischen Isolierungen 1 bis 36,
indem sie den jeweiligen ohmschen Widerstand zwischen zwei Messpunkten räumlich-benachbarter
Abschnitte des Elektroofens als Widerstandsmesswert der zwischen diesen Abschnitten
angeordneten elektrischen Isolierung misst. Wie in Fig. 1 beispielhaft veranschaulicht,
ermittelt die Überwachungsvorrichtung 200 den Widerstandsmesswert R28 der elektrischen
Isolierung 28, welche die Elektrode ET und das Ofendeckelsegment S3 elektrisch voneinander
isoliert, durch Messung des ohmschen Widerstands zwischen dem vorgegebenen Messpunkt
MET und dem vorgegebenen Messpunkt M3. Auf diese beispielhaft für den Widerstandsmesswert
R28 dargestellte Weise ermittelt die Überwachungsvorrichtung 200 während des laufenden
Betriebs des industriellen Elektroofens in einem Prüfdurchlauf für sämtliche der elektrischen
Isolierungen 1 bis 36 den jeweiligen Widerstandsmesswert R1 bis R36 und wiederholt
diese Messungen kontinuierlich während des Produktionsbetriebs des Elektroofens.
[0024] Ein jeweiliger Verlauf der derart ermittelten Widerstandsmesswerte R1 bis R36 wird
in einem jeweiligen Speicher SP-R1 bis SP-R36 gespeichert, indem beispielsweise isolierungsspezifisch
jeweils die jüngsten 1000 Widerstandmesswerte gespeichert werden oder für jede elektrische
Isolierung 1 bis 36 ein jeweiliger Durchschnittswert DR1 bis DR16 als gleitender Mittelwert
berechnet und gespeichert wird.
[0025] Anschließend überprüft die Überwachungsvorrichtung 200 jede elektrische Isolierung
1 bis 36 hinsichtlich ihrer Isoliereigenschaften. Beispielsweise stuft die Überwachungsvorrichtung
200 eine elektrische Isolierung x als schadhaft ein, wenn der für sie ermittelte Widerstandsmesswert
Rx einen vorgegebenen Sollwert MinRx unterschreitet oder zu stark von dem Durchschnittswert
DRx abweicht. Eine demgemäß als schadhaft bewertete elektrische Isolierung x wird
von der Überwachungsvorrichtung 200 an Bedienungs- oder Wartungspersonal des industriellen
Elektroofens gemeldet (in Fig. 1 beispielhaft für Isolierung 30 wegen Unterschreitung
des Sollwertes MinR30 veranschaulicht).
[0026] Fig. 2 veranschaulicht ein weiteres Ausführungsbeispiel des vorgestellten industriellen
Elektroofens mit der vorgestellten Überwachungsvorrichtung. Der industrielle Elektroofen
100 ist stark vereinfacht durch Segmente S1 bis S13 veranschaulicht, die durch einheitlich
als Zwischenraum veranschaulichte elektrische Isolierungen getrennt sind, wobei die
Segmente S1 bis S3 die Elektroden des dreiphasigen Elektroofens darstellen. Die Segmente
S1 bis S13 weisen einen jeweiligen vorgegebenen Messpunkt MS1 bis MS13 auf, der mit
der Überwachungsvorrichtung 200A über eine jeweilige Leitung elektrisch verbunden
ist. Die elektrische Isolierungen trennen zudem alle Segmente S1 bis S13 elektrisch
von der Erdungsmasse (bzw. Schutzleiter) PE, die einen vorgegebenen Messpunkt MPE
aufweist, der ebenfalls mit der Überwachungsvorrichtung 200A elektrisch verbunden
ist.
[0027] Im Unterschied zu der in Fig. 1 veranschaulichten Überwachungsvorrichtung 200 misst
die in Fig. 2 veranschaulichte Überwachungsvorrichtung 200A den ohmschen Widerstand
zwischen einem jeweiligen Paar der Messpunkte MS1 bis MS13 sowie MPE nicht selbst,
sondern ermittelt die jeweiligen Widerstandsmesswerte, indem sie in einem Prüfdurchlauf
die vorgegebenen Messpunkte MS1 bis M13 sowie MPE paarweise gemäß einer vorgegebenen
Sequenz bzw. Schaltabfolge 210 temporär mit einem Isolationsmessgerät 400 verbindet.
Die vorgegebene Sequenz bzw. Schaltabfolge 210 der als Multiplexer agierenden Überwachungsvorrichtung
200A legt die Paare der Messpunkte MS1 bis MS11 sowie MPE fest, für die die Widerstandswerte
durch das Isolationsmessgerät 400 gemessen und an die Überwachungsvorrichtung 200A
gemeldet werden sollen. Mit der in Fig. 2 im Sinne von zu kombinierenden Paaren Sx-Sy
bzw. PE-Sz veranschaulichten Schaltabfolge 210 werden die Widerstandsmesswerte für
alle elektrischen Isolierungen zwischen räumlich-benachbarten Segmenten S1 bis S13
bzw. PE gemessen. Als das in Fig. 2 veranschaulichte Isolationsmessgerät 400 kann
beispielsweise ein handelsübliches Gerät der Serie IR425 der Firma Bender eingesetzt
werden.
Bezugszeichenliste
[0028]
- 1-36
- elektrische Isolierung
- 40
- Außenrand des Ofendeckels
- 100
- industrieller Elektroofen
- 200, 200A
- Überwachungsvorrichtung
- 210
- Schaltsequenz
- 400
- Isolationsmessgerät
- CT
- Chargierrohr
- ER, ES, ET
- Elektrode
- Mx
- vorgegebener Messpunkt des Segments x
- PE
- Erdungsmasse bzw. Schutzleiter
- Rx
- Widerstandsmesswert der elektrischen Isolierung x
- SP
- Speicher
- Sx
- Segment x
1. Überwachungsverfahren für elektrische Isolierungen (1-36) eines industriellen Elektroofens
(100), insbesondere eines Reduktionsofens, dadurch gekennzeichnet, dass während des laufenden Produktionsbetriebs des industriellen Elektroofens (100) eine
Überwachungsvorrichtung (200; 200A) in einem jeweiligen Prüfdurchlauf automatisch
Widerstandsmesswerte (R1-R36, Rx) elektrischer Isolierungen (1-36) zwischen vorgegebenen
Messpunkten (Mx) des industriellen Elektroofens (100) ermittelt und die elektrischen
Isolierungen (1-36) hinsichtlich ihrer Isoliereigenschaften auf Grundlage der ermittelten
Widerstandsmesswerte (R1-R36, Rx) überprüft.
2. Überwachungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass während des laufenden Produktionsbetriebs des industriellen Elektroofens ein jeweiliger
Prüfdurchlauf manuell gestartet wird und anschließend durch die Überwachungsvorrichtung
(200; 200A) vollautomatisch durchgeführt wird.
3. Überwachungsverfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Überwachungsvorrichtung (200; 200A) während des laufenden Produktionsbetriebs
des industriellen Elektroofens kontinuierlich Prüfdurchläufe vollautomatisch ausführt.
4. Überwachungsverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Überwachungsvorrichtung (200; 200A) einen Verlauf der ermittelten Widerstandsmesswerte
(R1-R36, Rx) speichert und zur Auswertung eines Veränderungstrends der elektrischen
Isolierungen bereitstellt und/oder verwendet.
5. Überwachungsverfahren nach einen der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Überwachungsvorrichtung (200A) in einem jeweiligen Prüfdurchlauf die vorgegebenen
Messpunkte (Mx), bevorzugt paarweise, gemäß einer vorgegebenen Sequenz (210) temporär
mit einem Isolationsmessgerät (400) elektrisch verbindet, und das Isolationsmessgerät
(400) mindestens einen Widerstandsmesswert (Rx) zwischen den mit dem Isolationsmessgerät
(400) verbundenen Messpunkten (Mx) misst.
6. Überwachungsverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Überwachungsvorrichtung (200; 200A) in einem jeweiligen Prüfdurchlauf Widerstandsmesswerte
(R1-R36, Rx) zwischen vorgegebenen Messpunkten (Mx) ermittelt, die nicht räumlich-benachbarten
Abschnitten des industriellen Elektroofens zugeordnet sind, und zum Überprüfen der
elektrischen Isolierungen (1-36) hinsichtlich ihrer Isoliereigenschaften berücksichtigt.
7. Überwachungsvorrichtung (200; 200A) für elektrische Isolierungen (1-36) eines industriellen
Elektroofens (100), insbesondere eines Reduktionsofens, die mit vorgegebenen Messpunkten
(Mx) des industriellen Elektroofens elektrisch koppelbar oder gekoppelt ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Überwachungsvorrichtung (200; 200A) ausgebildet ist zum automatischen Ermitteln,
während des laufenden Produktionsbetriebs des industriellen Elektroofens, von Widerstandsmesswerten
(R1-R36, Rx) von elektrischen Isolierungen (1-36) zwischen den vorgegebenen Messpunkten
(Mx) und zum Überprüfen der elektrischen Isolierungen (1-36) hinsichtlich ihrer Isoliereigenschaften
auf Grundlage der ermittelten Widerstandsmesswerte (R1-R36, Rx).
8. Überwachungsvorrichtung (200; 200A) nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass sie ferner zum Ausführen eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 2 bis 6 ausgebildet
ist.
9. Industrieller Elektroofen (100), insbesondere ein Reduktionsofen, der mit einer Überwachungsvorrichtung
(200; 200A) nach Anspruch 7 oder 8 ausgestattet ist, wobei der industrielle Elektroofen
(100) auf mehreren, voneinander elektrisch isolierten Abschnitten (Sx) vorgegebene
Messpunkte (Mx) aufweist, die mit der Überwachungsvorrichtung (200; 200A) elektrisch
verbunden oder verbindbar sind.