[0001] Die Erfindung betrifft einen hochfesten Mehrphasenstahl gemäß dem Oberbegriff des
Anspruchs 1.
[0002] Des Weiteren betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung eines warm- oder
kaltgewaltzten Bandes aus einem solchen Stahl gemäß Patentanspruch 6.
[0003] Insbesondere betrifft die Erfindung Stähle mit Zugfestigkeiten im Bereich von 580-900
MPa mit niedrigen Streckgrenzenverhältnissen von unter 67% zur Herstellung von Bauteilen,
die eine hervorragende Umformbarkeit und Schweißeigenschaften aufweisen.
[0004] Der heiß umkämpfte Automobilmarkt zwingt die Hersteller ständig nach Lösungen zur
Senkung des Flottenverbrauches unter Beibehaltung eines größtmöglichen Komforts und
Insassenschutzes zu suchen. Dabei spielt einerseits die Gewichtsersparnis aller Fahrzeugkomponenten
eine entscheidende Rolle andererseits aber auch ein möglichst günstiges Verhalten
der einzelnen Bauteile bei hoher statischer und dynamischer Beanspruchung im Betrieb
wie auch im Crashfall. Dieser Notwendigkeit versuchen die Vormaterial-Lieferanten
dadurch Rechnung zu tragen, dass durch die Bereitstellung hochfester und höchstfester
Stähle und die Reduzierung der Blechdicke das Gewicht der Fahrzeuge reduziert werden
kann, bei gleichzeitig verbessertem Umform- und Bauteilverhalten bei der Fertigung
und im Betrieb.
[0005] Hochfeste und höherfeste Stähle ermöglichen leichtere Fahrzeugkomponenten (z.B. PKW,
LKW), folgerichtig damit verbunden ist ein geringerer Kraftstoffverbrauch. Über den
damit reduzierten CO
2 Anteil wird die Umweltbelastung vermindert.
[0006] Diese Stähle müssen daher vergleichsweise hohen Anforderungen hinsichtlich ihrer
Festigkeit und Duktilität, Energieaufnahme und bei ihrer Verarbeitung, wie beispielsweise
beim Stanzen, der Warm- und Kaltumformung, dem Schweißen und/oder der Oberflächenveredelung
(z.B. metallisch veredelt, organisch beschichtet, lackieren) genügen.
[0007] Neu entwickelte Stähle müssen sich somit den Anforderungen nach der geforderten Gewichtsreduzierung,
den zunehmenden Materialanforderungen an Dehngrenze, Zugfestigkeit und Bruchdehnung
bei guter Umformbarkeit stellen, wie auch den Bauteilanforderungen nach hoher Zähigkeit,
Kantenrissunempfindlichkeit, Energieabsorption sowie Festigkeit über den Work-Hardening-Effekt
und den Bake-Hardening-Effekt, aber auch verbesserter Fügeeignung in Form von z.B.
verbesserte Schweißbarkeit.
[0008] Verbesserte Kantenrißunempfindlichkeit bedeutet erhöhte Lochaufweitung und ist durch
Synonyme, wie High Hole Expansion (HHE) bzw. Low Edge Crack (LEC) bekannt.
[0009] Verbesserte Schweißbarkeit wird u.a. durch ein abgesenktes Kohlenstoffäquivalent
erreicht. Dafür stehen Synonyme, wie Low Carbon Equivalent (LCE) bzw. Under Peritectical
(UP).
[0010] Im Fahrzeugbau finden daher zunehmend Dualphasenstähle Anwendung, die aus einem ferritischen
Grundgefüge bestehen, in das eine martensitische Zweitphase und möglicherweise eine
weitere Phase mit Bainit und Restaustenit eingelagert ist.
[0011] Der Bainit kann in unterschiedlichen Erscheinungsformen vorliegen.
[0012] Die die Stahlsorten bestimmenden Verarbeitungseigenschaften der Dualphasenstähle,
wie ein sehr niedriges Streckgrenzenverhältnis bei gleichzeitig sehr hoher Zugfestigkeit,
eine starke Kaltverfestigung und eine gute Kaltumformbarkeit, sind hinreichend bekannt.
[0013] Mit steigender Tendenz finden auch Mehrphasenstähle Anwendung, wie Complexphasenstähle,
ferritisch-bainitische Stähle, bainitische Stähle sowie martensitische Stähle, die
durch unterschiedliche Gefügezusammensetzungen charakterisiert sind wie in der EN
10346 beschrieben.
[0014] Complexphasenstähle sind Stähle, die kleine Anteile von Martensit, Restaustenit und/oder Perlit in einem
ferritisch/bainitischen Grundgefüge enthalten, wobei durch eine verzögerte Rekristallisation
oder durch Ausscheidungen von Mikrolegierungselementen eine extreme Kornverfeinerung
bewirkt wird.
[0015] Ferritisch-bainitische Stähle sind Stähle, die Bainit oder verfestigten Bainit in einer Matrix aus Ferrit
und/oder verfestigten Ferrit enthalten.
[0016] Die Verfestigung der Matrix wird durch eine hohe Versetzungsdichte, durch Kornfeinung
und die Ausscheidung von Mikrolegierungselementen bewirkt.
[0017] Bainitische Stähle sind Stähle, die sich durch eine sehr hohe Streckgrenze und Zugfestigkeit bei einer
ausreichend hohen Dehnung für Kaltumformprozesse auszeichnen. Aufgrund der chemischen
Zusammensetzung ist eine gute Schweißbarkeit gegeben. Das Gefüge besteht typischerweise
aus Bainit. Vereinzelt können geringe Anteile anderer Phasen, wie z. B. Martensit
und Ferrit, enthalten sein.
[0018] Martensitische Stähle sind Stähle, die durch thermomechanisches Walzen kleine Anteile von Ferrit und/oder
Bainit in einem Grundgefüge aus Martensit enthalten. Die Stahlsorte zeichnet sich
durch eine sehr hohe Streckgrenze und Zugfestigkeit bei einer ausreichend hohen Dehnung
für Kaltumformprozesse aus. Innerhalb der Gruppe der Mehrphasenstähle weisen die martensitischen
Stähle die höchsten Zugfestigkeitswerte auf.
[0019] Zum Einsatz kommen diese Stähle u. a. in Struktur-, Fahrwerks- und crashrelevanten
Bauteilen, sowie als flexibel kaltgewalzte Bänder. Diese
Tailor
Rolled
Blank Leichtbau-Technologie (TRB®) ermöglicht eine signifikante Gewichtsreduktion durch
die belastungsangepasste Wahl der Blechdicke über die Bauteillänge.
[0020] Die Herstellung von TRB®s mit Mehrphasengefüge ist mit heute bekannten Legierungen
und verfügbaren kontinuierlichen Glühanlagen für stark variierende Banddicken allerdings
nicht ohne Einschränkungen, wie z.B. für die Wärmebehandlung vor dem Kaltwalzen, möglich.
In Bereichen unterschiedlicher Banddicke, d.h. bei Vorliegen unterschiedlicher Kaltabwalzgrade,
kann aufgrund eines bei den gängigen Prozessfenstern auftretenden Temperaturgefälles
kein homogenes mehrphasiges Gefüge in kalt- wie auch warmgewalzten Stahlbändern eingestellt
werden.
[0021] Üblicherweise werden kaltgewalzte hochfeste Stahlbänder aus wirtschaftlichen Gründen
im Durchlaufglühverfahren rekristallisierend zu gut umformbarem Feinblech geglüht.
Abhängig von der Legierungszusammensetzung und dem Bandquerschnitt werden die Prozessparameter,
wie Durchlaufgeschwindigkeit, Glühtemperaturen und Abkühlgeschwindigkeit, entsprechend
den geforderten mechanisch-technologischen Eigenschaften mit dem dafür notwendigen
Gefüge eingestellt.
[0022] Zur Einstellung des Dualphasengefüges wird das Warmband, in typischen Dicken zwischen
1,50mm bis 4,00mm oder Kaltband, in typischen Dicken von 0,50mm bis 3,00mm, im Durchlaufglühofen
auf eine solche Temperatur aufgeheizt, dass sich während der Abkühlung die geforderte
Gefügeausbildung einstellt. Gleiches gilt für die Einstellung eines Stahls mit Complexphasengefüge,
martensitischem, ferritisch-bainitischem sowie rein bainitischem Gefüge.
[0023] In der kontinuierlichen Glühanlage findet eine spezielle Wärmebehandlung statt, wo
z.B. durch vergleichsweise weiche Bestandteile, wie Ferrit bzw. bainitischer Ferrit
der Stahl seine geringe Streckgrenze und durch seine harten Bestandteile, wie Martensit
bzw. kohlenstoffreicher Bainit seine Festigkeit erhält.
[0024] Wenn aufgrund hoher Korrosionsschutzanforderungen die Oberfläche des Warm- oder Kaltbandes
schmelztauchverzinkt werden soll, erfolgt die Glühbehandlung üblicherweise in einem
dem Verzinkungsbad vorgeschalteten Durchlaufglühofen.
[0025] Auch beim Warmband wird fallweise je nach Legierungskonzept das geforderte Gefüge
erst bei der Glühbehandlung im Durchlaufofen eingestellt, um die geforderten mechanischen
Eigenschaften zu realisieren.
[0026] Beim Durchlaufglühen von warm- oder kaltgewalzten Stahlbändern mit z.B. aus der
EP 1 113 085 A1 US2012 0018028 A1,
WO 2012100762 A1,
EP 1 201 780 A1 und
EP 0 796 928 A1 bekannten Legierungskonzepten für einen Mehrphasenstahl besteht das Problem, dass
mit den dort getesteten Legierungszusammensetzungen zwar die geforderten mechanischen
Eigenschaften erfüllt werden, es ist aber nur ein enges Prozessfenster für die Glühparameter
vorhanden ist, um bei Querschnittssprüngen ohne Anpassung der Prozessparameter gleichmäßige
mechanische Eigenschaften über die Bandlänge zu gewährleisten.
[0027] Bei dem aus der
EP 0 796 928 A1 bekannten Stahl besteht zudem der Nachteil darin, dass die sehr hohen Al-Gehalte
von 0,4-2,5% die Stahlherstellung über konventionelles Stranggießen durch Makroseigerungen
und Gießpulvereinschlüsse negativ beeinflussen.
[0028] Bei ausgeweiteten Prozessfenstern sind bei gleichen Prozessparametern die geforderten
Bandeigenschaften auch bei größeren Querschnittsänderungen der zu glühenden Bänder
möglich.
[0029] Dies gilt neben flexibel gewalzten Bändern mit unterschiedlichen Banddicken über
die Bandlänge vor allen Dingen auch bei Bändern mit unterschiedlicher Dicke und/oder
unterschiedlicher Breite, die nacheinander geglüht werden müssen.
[0030] Eine homogene Temperaturverteilung ist gerade bei unterschiedlichen Dicken im Übergangsbereich
von einem Band zum anderen nur schwierig zu erreichen. Dies kann bei Legierungszusammensetzungen
mit zu kleinen Prozessfenstern bei der Durchlaufglühung dazu führen, dass z.B. das
dünnere Band entweder zu langsam durch den Ofen gefahren wird und dadurch die Produktivität
gesenkt wird, oder dass das dickere Band zu schnell durch den Ofen gefahren wird und
die notwendigen Glühtemperaturen und Kühlgradienten zur Erreichung des gewünschten
Gefüges nicht erreicht wird. Die Folgen sind vermehrter Ausschuss mit entsprechenden
Fehlleistungskosten.
[0031] Der entscheidende Prozessparameter ist somit die Einstellung der Geschwindigkeit
bei der Durchlaufglühung, da die Phasenumwandlung temperatur- und zeitabhängig abläuft.
Je unempfindlicher der Stahl in Bezug auf die Gleichmäßigkeit der mechanischen Eigenschaften
bei Änderungen im Temperatur- und Zeitverlauf bei der Durchlaufglühung ist, desto
größer ist somit das Prozessfenster.
[0032] Besonders gravierend wird das Problem eines sehr engen Prozessfensters bei der Glühbehandlung,
wenn belastungsoptimierte Bauteile aus Warm- oder Kaltband hergestellt werden sollen,
die über die Bandlänge und Bandbreite (z.B. durch flexibles Walzen) variierende Banddicken
aufweisen.
[0033] Ein Verfahren zur Herstellung eines Stahlbandes mit unterschiedlicher Dicke über
die Bandlänge wird z. B. in der
DE 100 37 867 A1 beschrieben.
[0034] Bei Anwendung der bekannten Legierungskonzepte für die Gruppe der Mehrphasenstähle
ist es aufgrund des engen Prozessfensters schon beim Durchlaufglühen unterschiedlich
dicker Bänder nur schwer möglich, über die gesamte Bandlänge des Bandes gleichmäßige
mechanische Eigenschaften zu erreichen.
[0035] Bei flexibel gewalzten Kaltbändern aus Mehrphasenstählen bekannter Zusammensetzungen
weisen, wegen des zu kleinen Prozessfensters, die Bereiche mit geringerer Banddicke
aufgrund der Umwandlungsvorgänge bei der Abkühlung entweder zu hohe Festigkeiten durch
zu große Martensitanteile auf oder die Bereiche mit größerer Banddicke erreichen zu
geringe Festigkeiten durch zu geringe Martensitanteile. Homogene mechanisch-technologische
Eigenschaften über die Bandlänge oder -breite sind mit den bekannten Legierungskonzepten
beim Durchlaufglühen praktisch nicht zu erreichen.
[0036] Das Ziel, die resultierenden mechanisch-technologischen Eigenschaften in einem engen
Bereich über Bandbreite und Bandlänge durch die gesteuerte Einstellung der Volumenanteile
der Gefügephasen zu erreichen, hat oberste Priorität und ist deshalb nur durch ein
vergrößertes Prozessfenster möglich. Die bekannten Legierungskonzepte für Mehrphasenstähle
sind durch ein zu enges Prozessfenster charakterisiert und deshalb zur Lösung der
vorliegenden Problematik, insbesondere bei flexibel gewalzten Bändern, ungeeignet.
Mit den bekannten Legierungskonzepten sind derzeit nur Stähle einer Festigkeitsklasse
mit definierten Querschnittsbereichen (Banddicke und Bandbreite) darstellbar, so dass
für unterschiedliche Festigkeitsklassen und oder Querschnittsbereiche veränderte Legierungskonzepte
notwendig sind.
[0037] Stand der Technik ist, dass eine Zunahme der Festigkeit durch das mengenmäßige Steigern
von Kohlenstoff und/oder Silizium und/oder Mangan und eine Zunahme der Festigkeit
über die Gefügeeinstellungen und die Mischkristallverfestigung (Mischkristallhärtung)
bei angepasster Temperaturführung erreicht wird.
[0038] Durch die Mengensteigerung der vorgenannten Elemente verschlechtern sich jedoch zunehmend
die Materialverarbeitungseigenschaften, beispielsweise beim Schweißen, Umformen und
Schmelztauchveredeln.
[0039] Bei der Stahlherstellung zeigt sich allerdings auch ein Trend zur Reduzierung des
Kohlenstoff- und/oder Mangangehaltes, um eine verbesserte Kaltverarbeitbarkeit sowie
bessere Gebrauchseigenschaften zu erreichen.
[0040] Zur Beschreibung und Quantifizierung des Kantenrissverhaltens findet der Lochaufweitungstest
nach ISO 11630 als eins von mehreren möglichen Prüfverfahren Anwendung.
[0041] Bei entsprechend optimierten Güten erwartet der Stahlanwender höhere Werte als beim
Standardmaterial. Aber auch die Schweißeignung charakterisiert durch das Kohlenstoffäquivalent,
rückt weiter in den Fokus.
[0042] Ein niedriges Streckgrenzenverhältnis (Re/Rm) ist typisch für einen Dualphasenstahl
und dient vor allem der Umformbarkeit bei Streck- und Tiefziehvorgängen. Dieses gibt
dem Konstrukteur Auskunft über den Abstand zwischen einsetzender plastischer Deformation
und Versagen des Werkstoffes bei quasistatischer Beanspruchung. Dementsprechend stellen
niedrigere Streckgrenzenverhältnisse einen größeren Sicherheitsabstand zum Bauteilversagen
dar.
[0043] Ein höheres Streckgrenzenverhältnis (Re/Rm) wie es für Komplexphasenstähle typisch
ist, zeichnet sich auch durch den Widerstand gegen Kantenrisse aus. Dies lässt sich
auf die geringeren Unterschiede in den Festigkeiten der einzelnen Gefügebestandteile
zurückführen, was sich günstig auf eine homogene Verformung im Bereich der Schnittkante
auswirkt.
[0044] Die analytische Landschaft zur Erreichung von Mehrphasenstählen mit Mindestzugfestigkeiten
von 580 MPa ist sehr vielfältig geworden und zeigt sehr große Legierungsbereiche bei
den festigkeitssteigernden Elementen Kohlenstoff, Silizium, Mangan, Phosphor, Aluminium
sowie Chrom und/oder Molybdän, wie auch in der Zugabe von Mikrolegierungen, wie Titan
und Vanadium, sowie in den materialcharakterisierenden Eigenschaften.
[0045] Das Abmessungsspektrum ist breit und liegt im Dickenbereich von etwa 0,50 bis 4,00mm.
Es finden überwiegend Bänder bis etwa 1850mm Anwendung, aber auch Spaltbandabmessungen,
die durch Längsteilen der Bänder entstehen. Bleche bzw. Tafeln werden durch Querteilen
der Bänder gefertigt.
[0046] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein neues Legierungskonzept für einen
hochfesten Mehrphasenstahl mit einer Mindestzugfestigkeit von 580 MPa längs und quer
zur Walzrichtung, vorzugsweise mit Dualphasengefüge und einem Streckgrenzenverhältnis
von weniger als 67%, mit dem das Prozessfenster für die Durchlaufglühung von Warm-
oder Kaltbändern so erweitert werden kann, dass neben Bändern mit unterschiedlichen
Querschnitten auch Stahlbänder mit über Bandlänge und ggf. Bandbreite variierender
Dicke, und den damit entsprechend variierenden Kaltabwalzgraden, mit möglichst homogenen
mechanisch-technologischen Eigenschaften erzeugt werden können. Außerdem soll ein
Verfahren zur Herstellung eines aus diesem Stahl hergestellten Bandes angegeben werden.
[0047] Nach der Lehre der Erfindung wird diese Aufgabe gelöst durch einen Stahl mit folgenden
Gehalten in Gewichts-%:
| C |
0,075 bis ≤ 0,105 |
| Si |
0,200 bis ≤ 0,300 |
| Mn |
1,000 bis ≤ 2,000 |
| Cr |
0,280 bis ≤ 0,480 |
| Al |
0,010 bis ≤ 0,060 |
| P |
≤ 0,020 |
| Nb |
≥ 0,005 bis ≤ 0,025 |
| N |
≤ 0,0100 |
| S |
≤ 0,0050 |
[0048] Rest Eisen, einschließlich erschmelzungsbedingter Verunreinigungen.
[0049] Der erfindungsgemäße Stahl bietet den Vorteil eines deutlich vergrößerten Prozessfensters
im Vergleich zu den bekannten Stählen. Daraus resultiert eine erhöhte Prozesssicherheit
beim Durchlaufglühen von Kalt- und Warmband mit Dualphasengefüge. Somit können für
durchlaufgeglühte Warm- oder Kaltbänder homogenere mechanisch-technologische Eigenschaften
im Band auch bei unterschiedlichen Querschnitten und sonst gleichen Prozessparametern
gewährleistet werden.
[0050] Dies gilt für das Durchlaufglühen aufeinander folgender Bänder mit unterschiedlichen
Bandquerschnitten wie auch für Bänder mit variierender Banddicke über Bandlänge bzw.
Bandbreite. Z.B. ist damit eine Prozessierung in ausgewählten Dickenbereichen möglich
(z.B., wie kleiner 1mm Banddicke, 1 bis 2mm Banddicke und 2 bis 4mm Banddicke).
[0051] Werden erfindungsgemäß im Durchlaufglühverfahren erzeugte höherfeste Warm- oder Kaltbänder
aus Mehrphasenstahl mit variierenden Banddicken erzeugt, können aus diesem Material
vorteilhaft belastungsoptimierte Bauteile umformtechnisch hergestellt werden.
[0052] Das erzeugte Material kann sowohl als Kalt- wie auch als Warmband über eine Feuerverzinkungslinie
oder eine reine Durchlaufglühanlage erzeugt werden im dressierten und undressierten
und auch im wärmebehandelten Zustand (Zwischenglühen).
[0053] Gleichzeitig besteht die Option, durch gezielte Variierung der Prozessparameter die
Gefügeanteile so einzustellen, dass Stähle in unterschiedlichen Festigkeitsklassen,
wie HDT580X, HCT600X und HCT780X, z.B. nach EN 10346 herstellbar sind.
[0054] Die mit der erfindungsgemäßen Legierungszusammensetzung erzeugten Stahlbänder zeichnen
sich bei der Fertigung eines Dualphasenstahles durch ein im Vergleich zum Standard
deutlich breiteres Prozessfenster hinsichtlich Temperatur und Durchlaufgeschwindigkeit
bei der interkritischen Glühung zwischen A
c1 und A
c3 bzw. bei einer austenitisierenden Glühung über A
c3 mit abschließender gesteuerter Abkühlung bzw. einer Glühung unterhalb des Beginn's
des Zweiphasengebietes (z.B. A
c1 - zirka 20 °C) im Vergleich zu den bekannten Legierungskonzepten aus (siehe Figur
9a, 9b, 9c).
[0055] Als vorteilhaft haben sich Glühtemperaturen von etwa 700 bis 950°C herausgestellt.
Abhängig von dem Gesamtprozess gibt es unterschiedliche Ansätze zur Realisierung der
Wärmebehandlung.
[0056] Bei einer Durchlaufglühanlage ohne anschließende Schmelztauchveredelung wird das
Band ausgehend von der Glühtemperatur mit einer Abkühlgeschwindigkeit von 15 bis 100°C/s
auf eine Zwischentemperatur von 200 bis 250°C abgekühlt.
[0057] Erfindungsgemäß wird vorab mit einer Abkühlgeschwindigkeit von 15 bis 100°C/s auf
eine vorherige Zwischentemperatur von 300 bis 500°C abgekühlt werden. Die Abkühlung
bis zur Raumtemperatur erfolgt abschließend mit einer Abkühlgeschwindigkeit von 2
bis 30°C/s.
[0058] Bei einer Wärmebehandlung im Rahmen einer Schmelztauchveredelung gibt es zwei Möglichkeiten
der Temperaturführung. Die Kühlung wie oben beschrieben wird vor dem Eintritt in das
Schmelzbad angehalten und erst nach dem Austritt aus dem Bad bis zum Erreichen der
Zwischentemperatur von 200 bis 250°C fortgesetzt. Abhängig von der Schmelzbadtemperatur
ergibt sich dabei eine Haltetemperatur von zirka 420 bis 470°C. Die Abkühlung bis
zur Raumtemperatur erfolgt wieder mit einer Abkühlgeschwindigkeit von 2 bis 30°C/s.
[0059] Die zweite Variante der Temperaturführung bei der Schmelztauchveredelung beinhaltet
das Halten der Temperatur für zirka 1 bis 20s bei der Zwischentemperatur von 200 bis
250°C und ein anschließendes Wiedererwärmen auf die zur Schmelztauchveredelung benötigte
Temperatur von zirka 420 bis 470°C. Das Band wird nach der Veredelung wieder auf 200
bis 250°C abgekühlt. Die Abkühlung auf Raumtemperatur erfolgt wieder mit einer Abkühlgeschwindigkeit
von 2 bis 30°C/s.
[0060] Bei klassischen Dualphasenstählen ist neben Mangan, Chrom und Silizium auch der Kohlenstoff
für die Umwandlung von Austenit zu Martensit verantwortlich.
[0061] Erst die erfindungsgemäße Kombination der in den angegebenen Grenzen zulegierten
Elemente Kohlenstoff, Silizium, Mangan und Chrom sowie Niob sichert einerseits die
geforderten mechanischen Eigenschaften von Mindestzugfestigkeiten von 580 MPa und
Streckgrenzenverhältnisse von unterhalb 67% bei gleichzeitig deutlich verbreitertem
Prozessfenster bei der Duchlaufglühung.
[0062] Die Grundlage für das Erreichen eines breiten Prozessfensters ist die erfindungsgemäße
Mikrolegierung ausschließlich mit Niob, bei Berücksichtigung der o.g. klassischen
Zusammensetzung Kohlenstoff/Silizium/Mangan/Chrom, bei einem nach der Banddicke darzustellenden,
abgestuften und definierten Mangangehalt.
[0063] Da mit zunehmendem Querschnitt bzw. Banddicke bei gleicher Breite die Geschwindigkeit
in der Durchlaufglühanlage sich verringert, d.h. die damit vorhandene Zeit zur Umwandlung
größer wird, muss zur Einstellung ähnlicher Gefügeanteile über den ausgewählten Dickenbereich
(z.B. 0,5 bis 4,0mm) der Mangangehalt diese Aufgabe übernehmen und die Phasenumwandlungen
entsprechend verschieben, wie in Figur 6 in den Varianten1,2 und 3 schematisch dargestellt.
[0064] Werkstoffcharakteristisch bewirkt die Zugabe von Niob eine Verzögerung der Rekristallisation
bei der Glühbehandlung, dadurch wird die Austinitkorngröße stabilisiert und ein breiteres
Prozessfenster bei der abschließenden Glühbehandlung erreicht.
[0065] Werkstoffcharakteristisch ist auch, dass durch die Zugabe von Mangan mit ansteigenden
Gewichtsprozenten das Ferritgebiet zu längeren Zeiten und tieferen Temperaturen während
der Abkühlung verschoben wird.
[0066] Die Anteile von Ferrit werden dabei durch erhöhte Anteile von Bainit je nach Prozessparameter
mehr oder weniger stark reduziert.
[0067] Bei Versuchen hat sich gezeigt, dass allein die Mikrolegierungselementzugabe von
Niob in Gehalten von 0,005 bis 0,025% ausreichend ist, um ein breites Prozessfenster
und den typischerweise hierfür geforderten Zugfestigkeiten von mindestens 580 MPa
für Warmband und mindestens 600 MPa für kaltnachgewalztes Warmband und Kaltband zu
erreichen ist.
[0068] Erst durch die abgestimmte Zugabe von Mangan in den angegebenen Gehalten, als Steuerungsgröße
zur Kompensierung des Querschnitteinflusses, können gleichmäßige mechanischen Kennwerte
und Gefügezusammensetzungen bei unterschiedlichen Banddicken ermöglicht werden.
[0069] Durch die Mikrolegierung von Niob wird die zuvor beschriebene Prozessrobustheit ermöglicht.
[0070] Durch die Manganvariation wird der Querschnittseinfluss im Zeit-Temperatur-Umwandlungsverhalten
kompensiert.
[0071] Durch die Einstellung eines niedrigen Kohlenstoffgehaltes von ≤ 0,105% kann das Kohlenstoffäquivalent
reduziert werden, wodurch die Schweißbarkeit verbessert und zu große Aufhärtungen
beim Schweißen vermieden werden. Beim Widerstandspunktschweißen kann darüber hinaus
die Elektrodenstandzeit deutlich erhöht werden.
[0072] Nachfolgend wird die Wirkung der Elemente in der erfindungsgemäßen Legierung näher
beschrieben. Die Mehrphasenstähle sind typischerweise chemisch so aufgebaut, dass
Legierungselemente mit und auch ohne Mikrolegierungselemente kombiniert werden. Begleitelemente
sind unvermeidlich und werden im Analysenkonzept hinsichtlich ihrer Wirkung wenn notwendig
berücksichtigt.
[0073] Begleitelemente sind Elemente, die bereits im Eisenerz vorhanden sind bzw. herstellungsbedingt in
den Stahl gelangen. Aufgrund ihrer überwiegend negativen Einflüsse sind sie in der
Regel unerwünscht. Es wird versucht, sie bis zu einem tolerierbaren Gehalt zu entfernen
bzw. in unschädlichere Formen zu überführen.
[0074] Wasserstoff (H); kann als einziges Element ohne Gitterverspannungen zu erzeugen durch das Eisengitter
diffundieren. Dies führt dazu, dass der Wasserstoff im Eisengitter relativ beweglich
ist und während der Fertigung verhältnismäßig leicht aufgenommen werden kann. Wasserstoff
kann dabei nur in atomarer (ionischer) Form ins Eisengitter aufgenommen werden.
[0075] Wasserstoff wirkt stark versprödend und diffundiert bevorzugt zu energetisch günstigen
Stellen (Fehlstellen, Korngrenzen etc.). Dabei fungieren Fehlstellen als Wasserstofffallen
und können die Verweildauer des Wasserstoffes im Werkstoff erheblich erhöhen.
[0076] Durch eine Rekombination zu molekularem Wasserstoff können Kaltrisse entstehen. Dieses
Verhalten tritt bei der Wasserstoffversprödung oder bei wasserstoffinduzierter Spannungsrisskorrosion
auf. Auch beim verzögerten Riss, dem sogenannten Delayed-Fracture, der ohne äußere
Spannungen auftritt, wird Wasserstoff oft als Grund genannt.
[0077] Ein gleichmäßigeres Gefüge, was bei dem erfindungsgemäßen Stahl u.a. durch seine
Mikrolegierung erzielt wird, vermindert die Anfälligkeit gegenüber einer Wasserstoffversprödung.
[0078] Daher sollte der Wasserstoffgehalt im Stahl so gering wie möglich sein.
[0079] Sauerstoff (O): Im schmelzflüssigen Zustand hat der Stahl eine verhältnismäßig große Aufnahmefähigkeit
für Gase, bei Raumtemperatur ist Sauerstoff jedoch nur in sehr geringen Mengen löslich.
Analog zum Wasserstoff kann Sauerstoff nur in atomarer Form in den Werkstoff diffundieren.
Wegen der stark versprödenden Wirkung sowie der negativen Auswirkungen auf die Alterungsbeständigkeit
wird während der Herstellung so weit wie möglich versucht, den Sauerstoffgehalt zu
reduzieren.
[0080] Zur Verringerung des Sauerstoffs existieren zum Einen verfahrenstechnische Ansätze
wie eine Vakuumbehandlung und zum Anderen analytische Ansätze. Durch Zugabe von bestimmten
Legierungselementen kann der Sauerstoff in ungefährlichere Zustände überführt werden.
So ist ein Abbinden des Sauerstoffes über Mangan, Silizium und/oder Aluminium in der
Regel üblich. Die dadurch entstehenden Oxide können jedoch als Fehlstellen im Werkstoff
negative Eigenschaften hervorrufen. Bei einer feinen Ausscheidung, speziell von Aluminiumoxiden,
kann hingegen auch eine Kornfeinung erfolgen.
[0081] Aus vorgenannten Gründen sollte deshalb der Sauerstoffgehalt im Stahl so gering wie
möglich sein.
[0082] Stickstoff (N): ist ebenfalls ein Begleitelement aus der Stahlherstellung. Stähle mit freiem Stickstoff
neigen zu einem starken Alterungseffekt. Der Stickstoff diffundiert schon bei geringen
Temperaturen an Versetzungen und blockiert diese. Er bewirkt damit einen Festigkeitsanstieg
verbunden mit einem rapiden Zähigkeitsverlust. Ein Abbinden des Stickstoffes in Form
von Nitriden ist durch Zulegieren von Aluminium oder Titan möglich.
[0083] Aus vorgenannten Gründen ist der Stickstoffgehalt auf ≤ 0,0100%, vorteilhaft auf
≤ 0,0090% bzw. optimal auf ≤ 0,0080% bzw. auf bei der Stahlherstellung unvermeidbare
Mengen begrenzt.
[0084] Schwefel (S): ist wie Phosphor als Spurenelement im Eisenerz gebunden. Er ist im Stahl unerwünscht
(Ausnahme Automatenstähle), da er zu starker Seigerung neigt und stark versprödend
wirkt. Es wird deshalb versucht, möglichst geringe Mengen an Schwefel in der Schmelze
zu erreichen (z. B. durch eine Tiefvakuumbehandlung). Des Weiteren wird der vorhandene
Schwefel durch Zugabe von Mangan in die relativ ungefährliche Verbindung Mangansulfid
(MnS) überführt.
[0085] Die Mangansulfide werden während des Walzprozesses oft zeilenartig ausgewalzt und
fungieren als Keimstellen für die Umwandlung. Dies führt vor allem bei diffusionsgesteuerter
Umwandlung zu einem zeilig ausgeprägten Gefüge und kann bei stark ausgeprägter Zeiligkeit
zu verschlechterten mechanischen Eigenschaften führen (z.B. ausgeprägte Martensitzeilen
statt verteilte Martensitinseln, anisotropes Werkstoffverhalten, verminderte Bruchdehnung).
[0086] Aus vorgenannten Gründen ist der Schwefelgehalt auf ≤ 0,0050% bzw. auf bei der Stahlherstellung
unvermeidbare Mengen begrenzt.
[0087] Phosphor (P): ist ein Spurenelement aus dem Eisenerz und wird im Eisengitter als Substitutionsatom
gelöst. Phosphor steigert durch Mischkristallverfestigung die Härte und verbessert
die Härtbarkeit.
[0088] Es wird allerdings in der Regel versucht, den Phosphorgehalt soweit wie möglich abzusenken,
da er unter anderem durch seine geringe Diffusionsgeschwindigkeit stark zur Seigerung
neigt und im hohen Maße die Zähigkeit vermindert. Durch die Anlagerung von Phosphor
an den Korngrenzen treten Korngrenzenbrüche auf. Zudem setzt Phosphor die Übergangstemperatur
von zähem zu sprödem Verhalten bis zu 300°C herauf. Während des Warmwalzens können
oberflächennahe Phosphoroxide an den Korngrenzen zu Bruchaufreißungen führen.
[0089] In einigen Stählen wird er allerdings aufgrund der niedrigen Kosten und der hohen
Festigkeitssteigerung in geringen Mengen (< 0,1%) als Mikrolegierungselement verwendet.
Beispielsweise in höherfesten IF-Stählen (interstitial free) oder auch in einigen
Legierungskonzepten für Dualphasenstählen.
[0090] Aus vorgenannten Gründen ist der Phosphorgehalt auf ≤ 0,020% bzw. auf bei der Stahlherstellung
unvermeidbare Mengen begrenzt.
[0091] Legierungselemente werden dem Stahl in der Regel zugegeben, um gezielt bestimmte Eigenschaften zu beeinflussen.
Dabei kann ein Legierungselement in verschiedenen Stählen unterschiedliche Eigenschaften
beeinflussen. Die Wirkung hängt im Allgemeinen stark von der Menge und dem Lösungszustand
im Werkstoff ab.
[0092] Die Zusammenhänge können demnach durchaus vielseitig und komplex sein. Im Folgenden
soll auf die Wirkung der Legierungselemente näher eingegangen werden.
[0093] Kohlenstoff (C): gilt als das wichtigste Legierungselement im Stahl. Durch seine gezielte Einbringung
bis zu 2,06 % wird Eisen erst zum Stahl. Oft wird während der Stahlherstellung der
Kohlenstoffanteil drastisch abgesenkt. Bei Dualphasenstählen für eine kontinuierliche
Schmelztauchveredelung beträgt sein Anteil maximal 0,23%, ein Mindestwert ist nicht
vorgegeben.
[0094] Kohlenstoff wird aufgrund seines vergleichsweise kleinen Atomradius interstitiell
im Eisengitter gelöst. Die Löslichkeit beträgt dabei im α-Eisen maximal 0,02% und
im γ-Eisen maximal 2,06%. Kohlenstoff steigert in gelöster Form die Härtbarkeit von
Stahl erheblich.
[0095] Durch die unterschiedliche Löslichkeit werden ausgeprägte Diffusionsvorgänge bei
der Phasenumwandlung notwendig, die zu sehr verschiedenen kinetischen Bedingungen
führen können. Zudem erhöht Kohlenstoff die thermodynamische Stabilität des Austenits,
was sich im Phasendiagramm in einer Erweiterung des Austenitgebiets zu niedrigeren
Temperaturen zeigt. Mit steigendem zwangsgelösten Kohlenstoffgehalt im Martensit steigen
die Gitterverzerrungen und damit verbunden die Festigkeit der diffusionslos entstandenen
Phase.
[0096] Kohlenstoff ist zudem erforderlich um Carbide zu bilden. Ein nahezu in jedem Stahl
vorkommender Vertreter ist der Zementit (Fe
3C). Es können sich jedoch auch wesentlich härtere Sondercarbide mit anderen Metallen
wie zum Beispiel Chrom, Titan, Niob, Vanadium bilden. Dabei ist nicht nur die Art
sondern auch die Verteilung und Größe der Ausscheidungen von entscheidender Bedeutung
für die resultierende Festigkeitssteigerung. Um einerseits eine ausreichende Festigkeit
und andererseits eine gute Schweißbarkeit sicherzustellen, werden deshalb der minimale
C-Gehalt auf 0,075% und der maximale C-Gehalt auf 0,105% festgelegt.
[0097] Silizium (Si): bindet beim Vergießen Sauerstoff und vermindert somit Seigerungen sowie Verunreinigungen
im Stahl. Zudem erhöht Silizium durch Mischkristallverfestigung die Festigkeit und
das Streckgrenzenverhältnis des Ferrits bei nur geringfügig absinkender Bruchdehnung.
Ein weiterer wichtiger Effekt ist, dass Silizium die Bildung von Ferrit zu kürzeren
Zeiten verschiebt und somit die Entstehung von ausreichend Ferrit vor der Abschreckung
ermöglicht. Durch die Ferritbildung wird derAustenit mit Kohlenstoff angereichert
und stabilisiert. Bei höheren Gehalten stabilisiert Silizium im unteren Temperaturbereich
speziell im Bereich der Bainitbildung durch Verhinderung von Carbidbildung den Austenit
merklich.
[0098] Während des Warmwalzens kann sich bei hohen Siliziumgehalten stark haftender Zunder
bilden, der die Weiterverarbeitung beeinträchtigen kann.
[0099] Beim kontinuierlichen Verzinken kann Silizium während des Glühens an die Oberfläche
diffundieren und alleine oder zusammen mit Mangan filmartige Oxide bilden. Diese Oxide
verschlechtern die Verzinkbarkeit durch Beeinträchtigung der Verzinkungsreaktion (Eisenlösung
und Hemmschichtausbildung) beim Eintauchen des Stahlbandes in die Zinkschmelze. Dies
äußert sich in einer schlechten Zinkhaftung und unverzinkten Bereichen. Durch eine
geeignete Ofenfahrweise mit angepasstem Feuchtegehalt im Glühgas und/oder durch ein
geringes Si/Mn-Verhältnis und/oder durch die Verwendung moderater Mengen an Silizium
kann jedoch eine gute Verzinkbarkeit des Stahlbandes und eine gute Zinkhaftung sichergestellt
werden.
[0100] Aus den vorgenannten Gründen werden der minimale Si-Gehalt auf 0,200% und der maximale
Silizium-Gehalt auf 0,300% festgelegt.
[0101] Mangan (Mn): wird fast allen Stählen zur Entschwefelung zugegeben, um den schädlichen Schwefel
in Mangansulfide zu überführen. Zudem erhöht Mangan durch Mischkristallverfestigung
die Festigkeit des Ferrits und verschiebt die α-/γ-Umwandlung zu niedrigeren Temperaturen.
[0102] Ein Hauptgrund für das Zulegieren von Mangan in Dualphasenstählen ist die deutliche
Verbesserung der Einhärtbarkeit. Aufgrund der Diffusionsbehinderung wird die Perlit-
und Bainitumwandlung zu längeren Zeiten verschoben und die Martensitstarttemperatur
gesenkt.
[0103] Mangan neigt wie Silizium zur Bildung von Oxiden auf der Stahloberfläche während
der Glühbehandlung. In Abhängigkeit von den Glühparametern und den Gehalten an anderen
Legierungselementen (insbesondere Silizium und Aluminium) können Manganoxide (z. B.
MnO) und/oder Mn-Mischoxide (z.B. Mn
2SiO
4) auftreten. Allerdings ist Mangan bei einem geringen Si/Mn bzw. Al/Mn Verhältnis
als weniger kritisch zu betrachten, da sich eher globulare Oxide statt Oxidfilme ausbilden.
Dennoch können hohe Mangangehalte das Erscheinungsbild der Zinkschicht und die Zinkhaftung
negativ beeinflussen.
[0104] Der Mangan-Gehalt wird deshalb abhängig vom Querschnitt (Banddicke bei gleicher Bandbreite)
auf 1,000 bis 2,000% festgelegt. Als vorteilhaft hat sich für einen Banddickenbereich
von 0,5-1,0mm ein Mangan-Gehalt von 1,00-1,50 Gew.%, für den Bereich 1,0-2,0mm 1,25-1,75
Gew.% und für den Bereich 2,0-4,0mm ein Mangan-Gehalt von 1,50-2,00 Gew.% herausgestellt.
[0105] Chrom (Cr): So kann einerseits Chrom in gelöster Form schon in geringen Mengen die Härtbarkeit
von Stahl erheblich steigern. Andererseits bewirkt Chrom bei entsprechender Temperaturführung
in Form von Chromcarbiden eine Teilchenverfestigung. Die damit verbundene Erhöhung
der Anzahl von Keimstellen bei gleichzeitig gesenktem Gehalt an Kohlenstoff führt
zu einer Herabsetzung der Härtbarkeit.
[0106] In Dualphasenstählen wird durch die Zugabe von Chrom hauptsächlich die Einhärtbarkeit
verbessert. Chrom verschiebt im gelösten Zustand die Perlit- und Bainitumwandlung
zu längeren Zeiten und senkt dabei gleichzeitig die Martensitstarttemperatur.
[0107] Ein weiterer wichtiger Effekt ist, dass Chrom die Anlassbeständigkeit erheblich steigert,
so dass es im Zinkbad zu fast keinen Festigkeitsverlusten kommt.
[0108] Chrom ist zudem ein Carbidbildner. Sollte Chrom in Carbidform vorliegen, muss die
Austenitisierungstemperatur vor dem Härten hoch genug gewählt werden, um die Chromcarbide
zu lösen. Ansonsten kann es durch die erhöhte Keimzahl zu einer Verschlechterung der
Einhärtbarkeit kommen.
[0109] Chrom neigt ebenfalls dazu während der Glühbehandlung Oxide auf der Stahloberfläche
zu bilden, wodurch sich die Verzinkungsqualität verschlechtern kann.
[0110] Der Chrom-Gehalt wird deshalb auf Werte von 0,280 bis 0,480% festgelegt.
[0111] Molybdän (Mo): Die Zugabe von Molybdän erfolgt ähnlich wie bei Chrom zur Verbesserung der Härtbarkeit.
Die Perlit- und Bainitumwandlung wird zu längeren Zeiten geschoben und die Martensitstarttemperatur
gesenkt.
[0112] Molybdän erhöht zudem die Anlassbeständigkeit erheblich, so dass im Zinkbad keine
Festigkeitsverluste zu erwarten sind und bewirkt durch Mischkristallverfestigung eine
Festigkeitssteigerung des Ferrits.
[0113] Aus Kostengründen wird auf die Zugabe von Molybdän verzichtet.
[0114] Der Gehalt an Molybdän wird bis auf die unvermeidbaren, stahlbegleitenden Mengen
begrenzt.
[0115] Kupfer (Cu): Der Zusatz von Kupfer kann die Zugfestigkeit sowie die Einhärtbarkeit steigern. In
Verbindung mit Nickel, Chrom und Phosphor kann Kupfer eine schützende Oxidschicht
an der Oberfläche bilden, die die Korrosionsrate deutlich reduzieren kann.
[0116] In Verbindung mit Sauerstoff kann Kupfer an den Korngrenzen schädliche Oxide bilden,
die besonders für Warmumformprozesse negative Auswirkungen hervorrufen können. Der
Gehalt an Kupfer ist deshalb bis auf bei der Stahlherstellung unvermeidbare Mengen
begrenzt.
[0117] Andere Legierungselemente wie z.B.
Nickel (Ni) oder
Zinn (Sn) sind in ihren Gehalten auf bei der Stahlherstellung unvermeidbare Mengen begrenzt.
[0118] Mikrolegierungselemente werden in der Regel nur in sehr geringen Mengen zugegeben (< 0,1%). Sie wirken im
Gegensatz zu den Legierungselementen hauptsächlich durch Ausscheidungsbildung können
aber auch in gelöstem Zustand die Eigenschaften beeinflussen. Trotz der geringen Mengenzugaben
beeinflussen Mikrolegierungselemente die Herstellungsbedingungen sowie die Verarbeitungs-
und Endeigenschaften stark.
[0119] Als Mikrolegierungselemente kommen in der Regel im Eisengitter lösliche Carbid- und
Nitridbildner zum Einsatz. Eine Bildung von Carbonitriden ist aufgrund der vollständigen
Löslichkeit von Nitriden und Carbiden ineinander ebenfalls möglich. Die Neigung, Oxide
und Sulfide zu bilden ist bei den Mikrolegierungselementen in der Regel am stärksten
ausgeprägt wird aber aufgrund anderer Legierungselemente in der Regel gezielt verhindert.
[0120] Diese Eigenschaft kann positiv genutzt werden, indem die im Allgemeinen schädlichen
Elemente Schwefel und Sauerstoff abgebunden werden können. Die Abbindung kann aber
auch negative Auswirkungen haben, wenn dadurch nicht mehr genügend Mikrolegierungselemente
für die Bildung von Carbiden zur Verfügung stehen.
[0121] Typische Mikrolegierungselemente sind Aluminium, Vanadium, Titan, Niob und Bor. Diese
Elemente können im Eisengitter gelöst werden und bilden mit Kohlenstoff und Stickstoff
Carbide und Nitride.
[0122] Aluminium (Al) wird in der Regel dem Stahl zulegiert, um den im Eisen gelösten Sauerstoff und Stickstoff
zu binden. Der Sauerstoff und Stickstoff wird so in Aluminiumoxide und Aluminiumnitride
überführt. Diese Ausscheidungen können über eine Erhöhung der Keimstellen eine Kornfeinung
bewirken und so die Zähigkeitseigenschaften sowie Festigkeitswerte steigern.
[0123] Aluminiumnitrid wird nicht ausgeschieden, wenn Titan in ausreichenden Mengen vorhanden
ist. Titannitride haben eine geringere Bildungsenthalpie und werden bei höheren Temperaturen
gebildet.
[0124] In gelöstem Zustand verschiebt Aluminium wie Silizium die Ferritbildung zu kürzeren
Zeiten und ermöglicht so die Bildung von ausreichend Ferrit im Dualphasenstahl. Es
unterdrückt zudem die Carbidbildung und führt so zu einer verzögerten Umwandlung des
Austenits. Aus diesem Grund wird Aluminium auch als Legierungselement in Restaustenitstählen
verwendet, um einen Teil des Siliziums durch Aluminium zu substituieren. Der Grund
für diese Vorgehensweise liegt darin, dass Aluminium etwas weniger kritisch für die
Verzinkungsreaktion als Silizium ist.
[0125] Der Aluminium-Gehalt wird deshalb auf 0,010 bis maximal 0,060% begrenzt.
[0126] Niob (Nb): Neben dem oben beschriebenen Effekt auf eine Verbreiterung des Prozessfensters durch
eine verzögerte Phasenumwandlung bei der Durchlaufglühung, bewirkt Niob eine starke
Kornfeinung, da es am effektivsten von allen Mikrolegierungselementen eine Verzögerung
der Rekristallisation bewirkt und zudem das Austenitkornwachstum hemmt.
[0127] Die festigkeitssteigernde Wirkung ist qualitativ höher als die von Titan einzuschätzen,
ersichtlich durch den erhöhten Kornfeinungseffekt und die größere Menge an festigkeitssteigernden
Teilchen (Abbindung des Titans zu TiN bei hohen Temperaturen). Niobcarbide bilden
sich bei Temperaturen unterhalb von 1200°C. Bei Stickstoffabbindung mit Titan kann
Niob durch Bildung von kleinen und in Hinblick auf ihre Wirkung effektiven Carbiden
im unteren Temperaturbereich (kleinere Carbidgrößen) seine festigkeitssteigernde Wirkung
erhöhen.
[0128] Ein weiterer Effekt des Niobs ist die Verzögerung der α/γ-Umwandlung und das Absenken
der Martensitstarttemperatur im gelösten Zustand. Zum Einen geschieht dies durch den
Solute-Drag-Effekt und zum Anderen durch die Kornfeinung. Diese bewirkt eine Festigkeitssteigerung
des Gefüges und somit auch einen höheren Widerstand gegen die Volumenvergrößerung
bei der Martensitbildung.
[0129] Prinzipiell ist das Zulegieren von Niob begrenzt bis zum Erreichen seiner Löslichkeitsgrenze.
Diese begrenzt zwar die Menge an Ausscheidungen bewirkt aber beim Überschreiten vor
allem eine frühe Ausscheidungsbildung mit recht groben Partikeln.
[0130] Die Ausscheidungshärtung kann somit vor allem bei Stählen mit geringem KohlenstoffGehalt
(größere Übersättigung möglich) und bei Warmumformprozessen (verformungsinduzierte
Ausscheidung) effektiv wirksam werden.
[0131] Der Niob-Gehalt wird deshalb auf Werte zwischen 0,005 und 0,025% begrenzt, wobei
die Gehalte vorteilhaft auf ≥ 0,005 bis ≤ 0,020% aus Kostengründen eingeschränkt sind.
Titan (Ti):
[0132] Da bei dem vorliegenden Legierungskonzept eine Zugabe von Titan nicht notwendig ist,
wird der Gehalt an Titan bis auf unvermeidbare, stahlbegleitende Mengen begrenzt.
Vanadium (V):
[0133] Da bei dem vorliegenden Legierungskonzept eine Zugabe von Vanadium nicht notwendig
ist, wird der Gehalt an Vanadium bis auf unvermeidbare, stahlbegleitende Mengen begrenzt.
Bor (B):
[0134] Da bei dem vorliegenden Legierungskonzept eine Zugabe von Bor nicht notwendig ist,
wird der Gehalt an Bor bis auf unvermeidbare, stahlbegleitende Mengen begrenzt.
[0135] Bei mit dem erfindungsgemäßen Stahl durchgeführten Versuchen wurde herausgefunden,
dass mit dem vorliegenden Legierungskonzept durch eine austenitisierende Glühung eines
Warmbandes über A
c3 ein Dualphasenstahl mit einer Mindestzugfestigkeit von 580MPa erreicht werden kann.
[0136] Mit einer interkritischen Glühung zwischen A
c1 und A
c3 bzw. einer austenitisierenden Glühung über A
c3 mit abschließender gesteuerter Abkühlung wurde ein Mehrphasenstahlband mit Dualphasengefüge
in einer Dicke von 0,50 bis 4,00mm erzeugt, welches sich durch eine große Toleranz
gegenüber Prozessschwankungen auszeichnete.
[0137] Damit liegt ein deutlich aufgeweitetes Prozessfenster für die erfindungsgemäße Legierungszusammensetzung
im Vergleich zu bekannten Legierungskonzepten vor.
[0138] Die Glühtemperaturen für das zu erzielende Dualphasengefüge liegen für den erfindungsgemäßen
Stahl zwischen zirka 700 und 950°C, damit wird so je nach Temperaturbereich ein rekristallisiertes
(Einphasengebiet), teilaustenitisches (Zweiphasengebiet) bzw. ein vollaustenitisches
Gefüge (Austenitgebiet) erreicht.
[0139] Die Versuche zeigen, dass die eingestellten Gefügeanteile nach der interkritischen
Glühung zwischen A
c1 und A
c3 bzw. der austenitisierenden Glühung über A
c3 mit anschließender gesteuerter Abkühlung, auch nach einem weiteren Prozessschritt
"Schmelztauchveredelung" bei Temperaturen zwischen 420 bis 470°C beispielsweise bei
Z (Zink) und ZM (Zink-Magnesium) erhalten blieben.
[0140] Das schmelztauchveredelte Material kann sowohl als Warmband, als auch als kalt nachgewalztes
Warmband bzw. Kaltband im dressierten (kaltnachgewalzten) bzw. undressierten Zustand
und/oder streckbiegegerichteten bzw. nicht streckbiegerichteten Zustand gefertigt
werden.
[0141] Stahlbänder, vorliegend als Warmband, kaltnachgewalztes Warmband bzw. Kaltband aus
der erfindungsgemäßen Legierungszusammensetzung zeichnen sich außerdem bei der Weiterverarbeitung
durch einen hohen Widerstand gegen kantennahe Rissbildung aus.
[0142] Die geringen Kennwertunterschiede des Stahlbandes, längs und quer zu seiner Walzrichtung,
sind vorteilhaft beim späteren Materialeinsatz, der dadurch quer, längs und diagonal
zur Walzrichtung erfolgen kann.
[0143] Um die Kaltwalzbarkeit eines aus dem erfindungsgemäßen Stahl erzeugten Warmbandes
zu gewährleisten, wird das Warmband erfindungsgemäß mit Endwalztemperaturen im austenitischen
Gebiet oberhalb A
c3 und Haspeltemperaturen oberhalb der Bainitstarttemperatur erzeugt.
[0144] Weitere Vorteile und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung von in einer Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispielen.
[0145] Es zeigen:
Figur 1: schematisch die Prozesskette für die Herstellung des erfindungsgemäßen Stahles
Figur 2: Ergebnisse eines Lochaufweitungsversuches (Blechdicke 2,50mm) beispielhaft für den
erfindungsgemäßen Stahl (Variante1) gegenüber dem Stand der Technik
Figur 3: Beispiele für analytische Unterschiede des erfindungsgemäßen Stahls gegenüber der
Standardgüte, die den Stand der Technik beispielhaft darstellt
Figur 4a: Beispiele für mechanische Kennwerte (quer und längs zur Walzrichtung) des erfindungsgemäßen
Stahls im Vergleich zur Standardgüte, die den Stand der Technik in der Festigkeitsklasse
HCT600X beispielhaft darstellt
Figur 4b: Regressionsberechnungen für mechanische Kennwerte quer zur Walzrichtung des erfindungsgemäßen
Stahls Variante 1, 2 und 3
Figur 4c: Beispiel für mechanische Kennwerte (quer zur Walzrichtung) des erfindungsgemäßen
Stahls (Variante 1) im Vergleich zur Standardgüte, die den Stand der Technik in der
Festigkeitsklasse HCT780X für Banddicke < 1mm beispielhaft darstellt
Figur 4d: Beispiel für mechanische Kennwerte (quer zur Walzrichtung) des erfindungsgemäßen
Stahls Variante 1 in der Festigkeitsklasse HDT580X für Banddicke 2,50mm
Figur 5: schematisch den Zeit-Temperaturverlauf der Prozessschritte Warmwalzen und Durchlaufglühen,
beispielhaft für Erfindung Variante 1
Figur 6: schematisches ZTU-Diagramm für den erfindungsgemäßen Stahl mit den Varianten 1,2
und 3
Figur 7: mechanische Kennwerte (längs zur Walzrichtung) bei Variation der Abwalzgrade (beispielhaft
Variante 1)
Figur 8: Übersicht über die mit dem erfindungsgemäßen Legierungskonzept (beispielhaft für
Variante 3) einstellbaren Festigkeitsklassen
Figur 9a: Temperatur-Zeit-Kurve (schematisch, Verfahren 1)
Figur 9b: Temperatur-Zeit-Kurve (schematisch, Verfahren 2)
Figur 9c: Temperatur-Zeit-Kurve (schematisch, Verfahren 3)
[0146] Figur 1 zeigt schematisch die Prozesskette für die Herstellung des erfindungsgemäßen Stahles.
Dargestellt sind die unterschiedlichen die Erfindung betreffenden Prozessrouten. Bis
zur Position 5 (Beize) ist die Prozessroute für alle erfindungsgemäßen Stähle gleich,
danach erfolgen je nach den gewünschten Ergebnissen abweichende Prozessrouten. Beispielsweise
kann das gebeizte Warmband verzinkt werden oder kaltgewalzt und verzinkt werden. Oder
es kann weichgeglüht kaltgewalzt und verzinkt werden.
[0147] Figur 2 zeigt Ergebnisse eines Lochaufweitungsversuches (relative Werte im Vergleich). Dargestellt
sind die Ergebnisse der Lochaufweitungstests für einen erfindungsgemäßen Stahl (Variante
1, siehe Figur 3) im Vergleich zu den Standardgüten, als Referenz dient die Standardgüte
Prozess 1. Alle Werkstoffe haben eine Blechdicke von 2,50mm. Die Ergebnisse gelten
für den Test nach ISO 16630. Es ist zu sehen, dass die erfindungsgemäßen Stähle bessere
Aufweitungswerte bei gestanzten Löchern erzielen als die Standardgüten mit gleicher
Prozessierung. Der Prozess 1 entspricht hierbei einer Glühung beispielsweise an einer
Feuerverzinkung mit kombiniertem direkt befeuertem Ofen und Strahlrohrofen, wie er
in Figur 9b beschrieben ist. Der Prozess 2 entspricht beispielsweise einer Prozessführung
in einer Durchlaufglühanlage, wie er in Figur 9c beschrieben ist. Zudem kann hier
mittels Induktionsofen ein Wiederaufheizen des Stahls optional direkt vor dem Zinkbad
erreicht werden. Durch die unterschiedlichen erfindungsgemäßen Temperaturführungen
innerhalb der genannten Spannbreite ergeben sich voneinander unterschiedliche Kennwerte
bzw. auch unterschiedliche Lochaufweitungsergebnisse, die für beide Prozesse im Vergleich
zu den Standardgüten deutlich verbessert sind. Prinzipieller Unterschied sind also
die Temperatur-Zeit-Parameter bei der Wärmebehandlung und der nachgeschalteten Abkühlung.
[0148] Figur 3 zeigt die maßgeblichen Legierungselemente des erfindungsgemäßen Stahls gegenüber
der Standardgüte, die den Stand der Technik beispielhaft darstellt. Bei dem Vergleichsstahl
(Standardgüte), der dem Stand der Technik entspricht, liegt der hauptsächliche Unterschied
im Kohlenstoffgehalt, der im überperitektischen Bereich liegt, aber auch in den Elementen
Silizium, Mangan und Chrom. Darüber hinaus ist die Standardgüte Phosphor-mikrolegiert.
Die erfindungsgemäßen Stähle sind Niob-mikrolegiert und weisen einen deutlich erhöhten
Mangan-Gehalt auf.
[0149] Figur 4a: zeigt die mechanischen Kennwerte quer und längs zur Walzrichtung des erfindungsgemäßen
Stahls, beispielhaft in seinen Variante 1, 2 und 3, im Vergleich mit der Standardgüte,
die den Stand der Technik beispielhaft darstellt. Alle Kennwerte, die durch Glühung
im Zweiphasengebiet erzielt wurden, entsprechen der normativen Vorgabe eines HCT600X.
[0150] Figur 4b: zeigt die mechanischen Kennwerte quer zur Walzrichtung des erfindungsgemäßen Stahls,
beispielhaft in seinen Varianten 1, 2 und 3, die über eine Regressionsberechnung ermittelt
wurde. Dargestellt sind die mechanischen Kennwerte in Abhängigkeit von der banddickenbezogenen
Mangangehaltvariationen (Erfindung Variante 1,2 und 3). Alle Kennwerte entsprechen
der normativen Vorgabe. Das Streckgrenzenverhältnis ist für alle Varianten deutlich
unter 67 %.
[0151] Figur 4c: zeigt die mechanischen Kennwerte quer zur Walzrichtung und die chemische Zusammensetzung
des erfindungsgemäßen Stahls, in seiner Variante 1, bei einer Materialdicken von 0,77mm
und einer Glühung unterhalb des Beginns des Zweiphasengebietes (z.B. A
c1 - zirka 20 °C) im Vergleich mit der Standardgüte, die den Stand der Technik beispielhaft
darstellt. Alle Kennwerte entsprechen der normativen Vorgabe eines HCT780X, also der
nächst höheren Festigkeitsklasse bezogen auf den HCT600X.
[0152] Figur 4d: zeigt die mechanischen Kennwerte quer zur Walzrichtung und die chemische Zusammensetzung
des erfindungsgemäßen Stahls (Variante 1) bei einer Materialdicke von 2,50mm und einer
Glühung oberhalb A
c3. Alle Kennwerte entsprechen der normativen Vorgabe eines HDT580X.
[0153] Figur 5: zeigt schematisch den Zeit-Temperaturverlauf der Prozessschritte Warmwalzen und Durchlaufglühen
von Bändern aus der erfindungsgemäßen Legierungszusammensetzung. Dargestellt ist die
zeit- und temperaturabhängige Umwandlung für den Warmwalzprozess als auch für eine
Wärmebehandlung nach dem Kaltwalzen, beispielhaft für die Variante 1.
[0154] Figur 6: zeigt ein schematisches ZTU-Diagramm für den erfindungsgemäßen Stahl, differenziert
nach den Variante 1, 2 und 3. Hierin ist das ermittelte ZTU Diagramm mit der entsprechenden
chemischen Zusammensetzung (Variation ausschließlich von Gehalten an Mangan) und der
A
c1 und A
c3 Temperatur dargestellt. Durch Einstellung entsprechender Temperatur-Zeit-Verläufe
bei der Abkühlung lässt sich vorteilhaft ein breites Spektrum an Gefügezusammensetzungen
im Stahlwerkstoff einstellen.
Besonderes Interesse liegt hierbei auf der Verschiebung der Ferritnase, Perlitnase
und Bainitnase zu späteren Zeiten bei der gestaffelten Zunahme der Mangangehalte.
Hierdurch wird das Potenzial ermöglicht, bei einer von der Banddicke abhängigen Anlagengeschwindigkeit,
über das gesamte betrachtete Dickenspektrum ähnliche Gefügeanteile einzustellen.
[0155] Figur 7: zeigt die mechanischen Kennwerte längs zur Walzrichtung mit gleichen Parametern durchlaufgeglühter
Bänder bei Variation der Abwalzgrade bzw. unterschiedlicher Banddicke bei beispielhafter
Betrachtung der Variante 1. Dargestellt sind die Kennwerte Zugfestigkeit, Dehngrenze
und Bruchdehnung in Abhängigkeit ausgewählter Abwalzgrade. Allein die Zugfestigkeit
steigt mit zunehmendem Abwalzgrad an. Alle Werte bis 30% Abwalzgrad liegen im Bereich
der Norm für einen HCT600X.
Höhere Abwalzgrade (größer 75%) führen zum Stahlsortensprung in Richtung HCT780X,
mit Mindestfestigkeiten von 780 MPa.
[0156] Figur 8: zeigt eine Übersicht über die mit dem erfindungsgemäßen Legierungskonzept (Variante
1) einstellbaren Festigkeitsklassen. Die eingesetzte Legierungszusammensetzung entspricht
der in der Figur 3 gezeigten. Dargestellt sind die unterschiedlich prozessierten Stahlbänder
mit ihren Kennwerten längs zur Walzrichtung und Gefügezusammensetzungen. Deutlich
wird hieraus die Bandbreite an einstellbaren Festigkeitsklassen für Warm- und Kaltband
mit den sich ergebenden Gefügebestandteilen abhängig von den durchgeführten Prozessschritten
und den eingestellten Prozessparametern.
[0157] Die Figuren 9 zeigen schematisch die Temperatur-Zeit-Verläufe bei der Glühbehandlung und Abkühlung
mit drei verschiedenen Varianten und jeweils verschiedenen Austenitisierungsbedingungen
entsprechend der angemeldeten Ansprüche zum Verfahren.
[0158] Das Verfahren 1 (Figur 9a) zeigt die Glühung und Abkühlung vom erzeugten kalt- oder
warmgewalzten Stahlband in einer Durchlaufglühanlage. Zuerst wir das Band auf eine
Temperatur im Bereich von 700 bis 950°C aufgeheizt. Das geglühte Stahlband wird anschließend
von der Glühtemperatur mit einer Abkühlgeschwindigkeit zwischen 15 und 100°C/s bis
zu einer Zwischentemperatur zirka 200 bis 250°C abgekühlt. Auf die Darstellung einer
zweiten Zwischentemperatur (zirka 300 bis 500°C) wird in dieser schematischen Darstellung
verzichtet. Anschließend wird das Stahlband mit einer Abkühlgeschwindigkeit zwischen
2 und 30°C/s bis zum Erreichen der Raumtemperatur an Luft abgekühlt bzw. die Kühlung
mit einer Abkühlgeschwindigkeit zwischen 15 und 100°C/s wird bis auf Raumtemperatur
beibehalten.
[0159] Das Verfahren 2 (
Figur 9b) zeigt den Prozess gemäß Verfahren 1, jedoch wird die Kühlung des Stahlbandes zum
Zwecke einer Schmelztauchveredelung kurzzeitig beim Durchlaufen des Schmelztauchgefäßes
unterbrochen, um anschließend die Kühlung mit einer Abkühlgeschwindigkeit zwischen
15 und 100°C/s bis zu einer Zwischentemperatur von 200 bis 250°C fortzusetzen. Anschließend
wird das Stahlband mit einer Abkühlgeschwindigkeit zwischen 2 und 30°C/s bis zum Erreichen
der Raumtemperatur an Luft abgekühlt.
[0160] Das Verfahren 3 (
Figur 9c) zeigt ebenfalls den Prozess gemäß Verfahren 1 bei einer Schmelztauchveredelung,
jedoch wird die Kühlung des Stahlbandes durch eine kurze Pause (
zirka 1 bis 20 s) bei einer Zwischentemperatur im Bereich von 200 bis 250°C unterbrochen
und bis auf die Temperatur, die zum Schmelztauchveredeln notwendig ist (
zirka 420 bis 470°C) wieder erwärmt. Anschließend wird das Stahlband wieder bis zu einer
Zwischentemperatur von 200 bis 250°C gekühlt. Mit einer Abkühlgeschwindigkeit von
2 und 30°C/s erfolgt bis zum Erreichen der Raumtemperatur an Luft die abschließende
Kühlung des Stahlbandes.