[0001] Die Erfindung betrifft ein Walzgerüst für ein Warmwalzwerk, aufweisend wenigstens
eine gegen ein Walzgut anstellbare obere Arbeitswalze, wenigstens eine einlaufseitige
oder auslaufseitige Führungseinheit zum Führen des in das Walzgerüst einlaufenden
bzw. aus dem Walzgerüst auslaufenden Walzgut und wenigstens eine mit der Führungseinheit
verbundene, ansteuerbare Anstelleinheit, wobei die Führungseinheit wenigstens ein
walzennahes Führungselement mit fixem Anstellwinkel und wenigstens ein mit der Anstelleinheit
und gelenkig mit dem walzennahen Führungselement verbundenes walzenfernes Führungselement
aufweist, und wobei ein Anstellwinkel des walzenfernen Führungselements mittels der
Anstelleinheit variierbar ist.
[0002] Bei einem Walzgerüst sind üblicherweise eine Einlaufführung und eine Auslaufführung
zum Führen eines in das Walzgerüst einlaufenden bzw. aus dem Walzgerüst auslaufenden
Walzguts zwischen Holmen von Walzenständern des Walzgerüsts angeordnet. Im Bereich
dieser Führungen können diverse Spritzbalken und/oder Kühlbalken mit Spritzdüsen angeordnet
sein, die beispielsweise zur Kühlung von Arbeitswalzen und/oder Stützwalzen des Walzgerüsts,
zur Dunstunterdrückung im Bereich eines Walzspalts des Walzgerüsts oder zur Materialentzunderung
verwendet werden können. Die Führungen werden entsprechend den Walzendurchmessern
an eine obere Arbeitswalze des Walzgerüsts angestellt und werden beim vertikalen Anstellen
der oberen Arbeitswalze auf die geforderte Walzspalthöhe entsprechend mitverlagert.
Speziell bei Grobblechgerüsten und Vorgerüsten mit einlaufenden Walzgutdicken bis
zu 800 mm und vorverformten Walzgut mit einlaufendem Ski einer Dicke von bis zu 200
mm sind die Einlaufführungen höchsten Belastungen ausgesetzt, die deutlich höher sind
als in einer Fertigstraße auftretende Belastungen.
[0003] Eine herkömmliche Konstruktion der Führungen weist für jede Führung ein Leitblech
mit einem fixen Anstellwinkel auf, an dem ein Spritzbalken angeordnet ist. Durch den
Anstellwinkel des Leitblechs relativ zu einer Walzlinie bzw. dem Walzgut wird das
Walzgut mittels des schräg angestellten Leitblechs in den Walzspalt geführt. Zurzeit
existieren unterschiedliche Bauarten der Einlaufführung und Auslaufführung, die sich
unter anderem durch verschiedene fixe Anstellwinkel des jeweiligen Leitblechs relativ
zur Walzlinie unterscheiden, wobei speziell bei Vorstraßen und Fertigstraßen Unterschiede
in der Stabilität und Verfahrbarkeit offenkundig werden.
[0004] Bauarten, bei denen das Leitblech einen steilen fixen Anstellwinkel aufweist, führen
zu einem zuverlässigeren Einfädeln des Walzguts in den Walzspalt. Bei dieser Bauart
ist die Entzunderung jedoch meist sehr nahe am Walzspalt angeordnet, damit ein kleiner
Abstand der Entzunderungsdüsen zum Walzgut erreicht und somit die Oberfläche des Walzguts
zuverlässig entzundert werden kann. Die Anordnung der Entzunderung nahe am Walzspalt
bringt jedoch zwei entscheidende Nachteile mit sich. Zum einen ist eine aufwändige
Abdichtung der Entzunderungsspritzdüsen in dem Leitblech nötig, damit das Wasser der
Walzenkühlung nicht auf das Walzgut fließen kann. Zum anderen sind dadurch Bauteile,
wie beispielsweise die Ständerholme, die in diesem Bereich angeordnet sind, der abrasiven
Wirkung des vom Walzgut reflektierten Entzunderungswassers ausgesetzt. Aus diesem
Grund wird der Einsatz dieser Bauart der Einlaufführung und der Auslaufführung in
den meisten Fällen vermieden.
[0005] Bei Bauarten, bei denen das Leitblech einen flachen fixen Anstellwinkel aufweist,
wird die Entzunderung mit größerem Abstand zur Walzgerüstmitte bzw. zum Walzspalt
angeordnet. Bei diesen Bauarten kann es jedoch zu einer Kollision des Walzguts mit
dem Leitblech kommen, ohne dass das Walzgut in den Walzspalt geführt wird. Insbesondere
kann der Fall auftreten, dass das Walzgut aufgrund von zu großer Verformung nicht
unter das Leitblech gelangt und somit nicht in den Walzspalt geführt werden kann.
[0006] DE 199 46 946 A1 offenbart eine Führungsvorrichtung zum Einführen von Walzgut in einen Walzspalt eines
Walzgerüsts bzw. zum Abstreifen des Walzguts von Walzen des Walzgerüsts. Bei der Führungsvorrichtung
sind jeweils oberhalb und unterhalb einer Mittenebene des Walzspalts in Richtung auf
den Walzspalt hin verschiebbare und gegebenenfalls verschwenkbare Führungselemente
an einem mit dem Walzgerüst verbundenen Träger angeordnet. Die Führungselemente sind
durch Paare von, mit horizontalem Abstand in Walzrichtung hintereinander angeordneter,
drehverstellbarer und festlegbarer Exzenterbolzen mit dem Träger verbunden.
[0007] EP 7 454 440 A1 offenbart eine Warmwalzanlage zum Walzen von Flachgut, mit mehreren Walzgerüsten,
die geneigte und die Walzbahn des Flachguts vertikal umgebende Flachgutführungselemente
aufweisen. Ein Vorgerüst weist eine erste Walze zumindest an seiner Auslaufseite auf,
das nächste folgende Walzgerüst ist mit einer zweiten Walze zumindest an seiner Einlaufseite
versehen. Jede Walze ist in der Nähe des zugehörigen Flachgutführungselements angeordnet
und zum Unterdrücken eines Aufschwimmens des Flachguts in eine gewünschte Position
anhebbar und absenkbar.
[0008] JP 58 081 509 offenbart ein Leitblech zum Führen eines in ein Walzgerüst einlaufenden Walzguts.
Ein Anstellwinkel des Leitblechs ist mittels einer Stelleinheit variierbar. An dem
Leitblech ist einlaufseitig eine Niederhalterolle angeordnet.
[0009] JP S61 102 305 U,
JP 62 54 516 und
KR 973 902 offenbaren jeweils eine zweiteilig ausgebildete Führungseinheit zum Führen eines
in ein Walzgerüst einlaufenden Walzguts. Ein Anstellwinkel eines walzenfern angeordneten
Teils der Führungseinheit ist mittels einer Stelleinheit variierbar. Ein Anstellwinkel
eines walzennah angeordneten Teils der Führungseinheit kann nicht variiert werden.
An der Führungseinheit ist einlaufseitig eine Niederhalterolle angeordnet.
[0011] JP 2013 240 829 A offenbart eine zweiteilig ausgebildete Führungseinheit zum Führen eines in ein Walzgerüst
einlaufenden Walzguts. Ein Anstellwinkel eines walzennah angeordneten Teils der Führungseinheit
ist mittels einer Stelleinheit variierbar. Ein Anstellwinkel eines walzenfern angeordneten
Teils der Führungseinheit kann nicht variiert werden.
[0012] Eine Aufgabe der Erfindung ist es, stark verformtes dickeres Walzgut zuverlässig
in einen Walzspalt eines Walzgerüsts einfädeln und walzen zu können, wie es insbesondere
bei Grobblechgerüsten und Vorgerüsten erforderlich ist.
[0013] Diese Aufgabe wird durch den unabhängigen Patentanspruch gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen
sind in der nachfolgenden Beschreibung, den abhängigen Patentansprüchen und der Figur
wiedergegeben, wobei diese Ausgestaltungen jeweils für sich genommen oder in verschiedener
Kombination von wenigstens zwei dieser Ausgestaltungen miteinander einen weiterbildenden,
insbesondere auch bevorzugten oder vorteilhaften, Aspekt der Erfindung darstellen
können.
[0014] Ein erfindungsgemäßes Walzgerüst für ein Warmwalzwerk weist wenigstens eine gegen
ein Walzgut anstellbare obere Arbeitswalze, wenigstens eine einlaufseitige oder auslaufseitige
Führungseinheit zum Führen des in das Walzgerüst einlaufenden bzw. aus dem Walzgerüst
auslaufenden Walzgut und wenigstens eine mit der Führungseinheit verbundene, ansteuerbare
Anstelleinheit auf. Die Führungseinheit weist wenigstens ein walzennahes Führungselement
mit fixem Anstellwinkel und wenigstens ein mit der Anstelleinheit und gelenkig mit
dem walzennahen Führungselement verbundenes walzenfernes Führungselement auf, wobei
ein Anstellwinkel des walzenfernen Führungselements mittels der Anstelleinheit variierbar
ist. Des Weiteren weist das Walzgerüst wenigstens eine mit der Anstelleinheit verbundene
Ansteuerelektronik auf, die eingerichtet ist, die Anstelleinheit unter Berücksichtigung
von wenigstens einem Walzgutparameter, wenigstens einem Walzparameter und/oder wenigstens
einem Entzunderungsparameter anzusteuern.
[0015] Aufgrund der erfindungsgemäßen Variierbarkeit des Anstellwinkels des walzenfernen
Führungselements kann das Walzgerüst auf einfache Art und Weise an das jeweilige Walzgut
bzw. dessen Geometrie angepasst werden. Insbesondere kann durch die Variierbarkeit
des Anstellwinkels des walzenfernen Führungselements ein sicheres Einfädeln auch von
dickem und/oder stark verformtem Walzgut in das Walzgerüst bzw. dessen Walzspalt gewährleistet
werden. Insofern ist das erfindungsgemäße Walzgerüst besonders für den Einsatz als
Grobblech- oder Vorgerüste geeignet. Es kann gemäß der Erfindung also eine Anpassung
des Anstellwinkels des walzenfernen Führungselements auf die jeweilige Größe bzw.
Stärke der Verformung des Walzguts erfolgen. Mit der Erfindung können folglich Ausfallzeiten
bzw. Unterbrechungen eines Walzprozesses reduziert werden, die durch ein Fehlschlagen
des Einfädelungsvorgangs von Walzgut in den Walzspalt hervorgerufen werden.
[0016] Durch die Ansteuerung der Anstelleinheit mittels der Ansteuerelektronik unter Berücksichtigung
von wenigstens einem Walzgutparameter, wenigstens einem Walzparameter und/oder wenigstens
einem Entzunderungsparameter kann die Anstellung des walzenfernen Führungselements
an die jeweiligen Gegebenheiten und Anforderungen angepasst werden. Die Ansteuerelektronik
kann eingerichtet sein, aus wenigstens einem der genannten Parameter einen optimalen
Anstellwinkel des walzenfernen Führungselements zu ermitteln und die Anstelleinheit
entsprechend anzusteuern.
[0017] Ein Walzgutparameter im Sinne der Erfindung ist eine physikalische oder geometrische
Eigenschaft des Walzguts, wie beispielsweise dessen Dicke, Breite, Form, Temperatur,
Festigkeitswert etc.. Ein Walzparameter im Sinne der Erfindung ist eine Einstellungen
des Walzgerüsts für die Umformung, wie beispielsweise die Höhe des Walzspalts, die
Walzkraft, die Umformgeschwindigkeit etc.. Ein Entzunderungsparameter im Sinne der
Erfindung ist ein Prozessparameter zur Oberflächenbeeinflussung des Walzguts, wie
beispielsweise die Einstellung der Höhe des Entzunderungsspritzbalkens über dem Walzgut,
die aufgebrachte Menge des Entzunderungswassers etc..
[0018] Erfindungsgemäß kann der Anstellwinkel des walzenfernen Führungselements auf einfache
Art und Weise variabel an die jeweiligen Prozesserfordernisse angepasst werden. Diese
Anpassung kann auch während eines Walzprozesses erfolgen, wodurch der Walzprozess
flexibler wird. Insbesondere kann die Anpassung des Anstellwinkels des walzenfernen
Führungselements mit entkoppelten Bewegungsabläufen realisiert werden, die jeweils
eine geringe Komplexität aufweisen. Durch die Variierbarkeit des Anstellwinkels des
walzenfernen Führungselements wird zusätzlich zu der, insbesondere vertikalen, linearen
Anstellbarkeit der Führungseinheit über eine Anstellung des Anstellelements ein zweiter
Freiheitsgrad der Bewegung des walzenfernen Führungselements erhalten.
[0019] Zudem wird die Erfindung vorzugsweise derart realisiert, dass Schnittstellen der
Bauteile des Walzgerüsts mit umliegenden Bauteilen bzw. Baugruppen des Walzgerüsts,
wie beispielsweise die vertikale Führung in den Walzgerüstständern und der Übergang
von der Führungseinheit zu einem Walzbalken des Walzgerüsts, im Vergleich zu herkömmlichen
Walzgerüstbauarten weitestgehend unverändert bleiben. Hierdurch kann ein bereits bestehendes
Walzgerüst im Falle einer Modernisierung bzw. Nachrüstung unter geringem Änderungsaufwand
umgebaut werden, um ein erfindungsgemäßes Walzgerüst zu bilden.
[0020] Die Führungseinheit kann je nach ihrer Anordnung relativ zu der oberen Arbeitswalze
des Walzgerüsts zum Führen des in das Walzgerüst einlaufenden (Einlaufführung) bzw.
aus dem Walzgerüst auslaufenden (Auslaufführung) Walzguts eingesetzt werden. Die Führungseinheit,
insbesondere deren walzenfernes Führungselement, hat lediglich die Aufgabe, das Walzgut
zu führen. Mit der Führungseinheit wird somit die Geometrie des Walzguts nicht aktiv
beeinflusst bzw. verändert.
[0021] Das walzennahe Führungselement kann beispielsweise als Leitblech ausgebildet sein.
Das walzennahe Führungselement bzw. die gesamte Führungseinheit kann außerhalb eines
Walzbetriebs, beispielsweise zum Austausch der Walzen des Walzgerüsts, von den Walzen
wegbewegt, beispielsweise weggeschwenkt, werden. Das walzenferne Führungselement ist
weiter entfernt von der oberen Arbeitswalze des Walzgerüsts angeordnet als das walzennahe
Führungselement. Durch die zerstörungsfrei lösbare oder nicht zerstörungsfrei lösbare
gelenkige Anbindung des walzenfernen Führungselements an das walzennahe Führungselement
sind die beiden Führungselemente mechanisch aneinandergekoppelt. Durch die gelenkige
Verbindung zwischen den Führungselementen wird eine quer zur Walzrichtung und parallel
zur Walzgutoberseite verlaufende Schwenkachse definiert, um die das walzenferne Führungselement
relativ zu dem walzennahen Führungselement verschwenkbar angeordnet ist, um den Anstellwinkel
des walzenfernen Führungselements variieren zu können. Das walzenferne Führungselement
kann beispielsweise als Leitblech ausgebildet sein.
[0022] Die elektromechanische, hydraulische oder pneumatische Anstelleinheit ist einerseits
an dem walzenfernen Führungselement, beispielsweise an dessen walzenfernen Endabschnitt,
und andererseits an einem feststehenden oder beweglichen Bauteil des Walzgerüsts abgestützt.
[0023] Das erfindungsgemäße Walzgerüst weist zusätzlich zu der gegen das Walzgut anstellbaren
oberen Arbeitswalze eine, eventuell ebenfalls gegen das Walzgut anstellbare, untere
Arbeitswalze auf. Das erfindungsgemäße Walzgerüst kann zudem weitere Walzen, beispielsweise
Stützwalzen zum Abstützen der Arbeitswalzen, aufweisen. Das Walzgerüst kann beispielsweise
als Quarto-Walzgerüst ausgebildet sein. Das erfindungsgemäße Walzgerüst kann in einem
Warmwalzwerk für Stahl oder Nichteisenmetalle eingesetzt werden.
[0024] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung weist das Walzgerüst wenigstens einen gegen
das Walzgut anstellbar angeordneten Entzunderungsspritzbalken mit Spritzdüsen auf,
wobei die Spritzdüsen in wenigstens eine Durchbrechung an dem walzenfernen Führungselement
eingreifen. Hierdurch kann eine optimierte Entzunderung eines mit dem Walzgerüst zu
bearbeitenden bzw. bearbeiteten Walzguts gewährleistet werden. Die Ansteuerelektronik
kann zudem einen optimierten Entzunderungsprozess in Abhängigkeit von wenigstens einem
der oben genannten Parameter bewirken, unabhängig davon, ob der Entzunderungsspritzbalken
aktiv oder passiv anstellbar ist. Die Entzunderung bzw. der Entzunderungsspritzbalken
ist in einem relativ großen Abstand zur Walzgerüstmitte bzw. zum Walzspalt angeordnet.
Hierdurch gelangt während eines Entzunderungsvorgangs weniger abrasiv wirkendes Entzunderungswasser
in den Bereich von Bauteilen des Walzgerüsts, die in Walzspaltnähe liegen, wodurch
der Verschleiß dieser Bauteile reduziert wird. Durch die Anstellbarkeit des Entzunderungsspritzbalkens
gegen das Walzgut kann bei dem Walzgerüst der Abstand der Spritzdüsen des Entzunderungsspritzbalkens
zum Walzgut relativ geringgehalten werden. Dadurch wird eine hohe Entzunderungsleistung
und Impact gewährleistet. Der Entzunderungsspritzbalken ist derart gegen das Walzgut
anstellbar angeordnet, dass ein, insbesondere vertikaler, Abstand zwischen dem Entzunderungsspritzbalken
und dem Walzgut zur Variation der Entzunderungsleistung variiert werden kann. Die
Anstellbewegung des Entzunderungsbalkens kann insbesondere linear sein. Der Entzunderungsspritzbalken
wird mit Entzunderungswasser versorgt, das aus den Spritzdüsen des Entzunderungsbalkens
austritt und senkrecht oder anderweitig quer auf das Walzgut auftrifft. Die Spritzdüsen
sind in Walzgutquerrichtung beabstandet voneinander an dem Entzunderungsspritzbalken
angeordnet. Da die Spritzdüsen in die Durchbrechung oder in jeweils eine eigene Durchbrechung
an dem walzenfernen Führungselement eingreifen, ist der Abstand der Spritzdüsen zu
dem Walzgut relativ gering, insbesondere wenn der Anstellwinkel des walzenfernen Führungselements
nach dem Einfädeln des Walzguts in das Walzgerüst verringert wird. Dadurch, dass die
Schwenkbewegung des walzenfernen Führungselements auch ausgeführt werden kann, während
sich das Walzgut im Eingriff der Walzen befindet, kann nach erfolgreichem Einfädeln
des Walzguts in das Walzgerüst der Anstellwinkel des walzenfernen Führungselements
verringert werden, um die Wirkung der Entzunderung zu optimieren.
[0025] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung weist das Walzgerüst wenigstens ein
linear gegen das Walzgut anstellbares Anstellelement, an dem die Anstelleinheit abgestützt
ist und an dem das walzennahe Führungselement fixiert ist, und wenigstens eine mit
dem Anstellelement verbundene Stelleinheit, mit der das Anstellelement gegen das Walzgut
anstellbar ist, auf. Das gegen das Walzgut anstellbare Anstellelement kann mittels
wenigstens eines elektromechanischen oder hydraulischen Aktuators, der sich beispielsweise
an einem Abschnitt eines Walzgerüstständers abgestützt sein kann, linear verlagerbar
sein. Die Anstellung des Anstellelements kann mit einer Anstellbewegung der oberen
Arbeitswalze des Walzgerüsts synchronisiert sein. Das walzennahe Führungselement wird
aufgrund seiner Fixierung an dem Anstellelement bei einer Anstellung des Anstellelements
mitbewegt. Insbesondere kann das walzennahe Führungselement an einer dem Walzgut zugewandten
Seite des Anstellelements angeordnet und fixiert sein. Da der Anstellwinkel des walzennahen
Führungselements fix ist, kann dieser Anstellwinkel nicht variiert werden. Daher kann
das walzennahe Führungselement ausschließlich zusammen mit dem Anstellelement verlagert
werden. Die Stelleinheit kann beispielsweise ein Balancierzylinder sein, der üblicherweise
zum Ausbalancieren einer oberen Stützwalze in einem Walzgerüst verbaut wird, so dass
zum Anstellen des Anstellelements kein zusätzlicher Aktuator verbaut werden muss.
Hierdurch ist das Walzgerüst kostengünstig realisierbar, beispielsweise durch eine
entsprechende Nachrüstung eines bestehenden Walzgerüsts.
[0026] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung sieht vor, dass das Walzgerüst wenigstens
eine mit dem Entzunderungsspritzbalken und dem Anstellelement verbundene, ansteuerbare
Stelleinheit aufweist, mit der der Entzunderungsspritzbalken gegen das Walzgut anstellbar
ist. Hierdurch lässt sich der Entzunderungsspritzbalken aktiv und im Wesentlichen
unabhängig von anderen Bauteilen des Walzgerüsts anstellen. Die Stelleinheit kann
wenigstens einen elektromechanischen, hydraulischen oder pneumatischen Aktuator aufweisen.
Die Anstellbewegung des Entzunderungsspritzbalkens kann mit der Verschwenkbewegung
des walzenfernen Führungselements synchronisiert sein.
[0027] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist der Entzunderungsspritzbalken
derart mit dem walzenfernen Führungselement verbunden, dass der Entzunderungsspritzbalken
bei einer Verlagerung des walzenfernen Führungselements mitbewegt wird. Hierdurch
lässt sich der Entzunderungsspritzbalken passiv und im Wesentlichen abhängig von anderen
Bauteilen des Walzgerüsts anstellen. Es ist also keine zusätzliche Stelleinheit zum
Anstellen des Entzunderungsspritzbalkens vorhanden, wodurch das Walzgerüst kostengünstig,
beispielsweise durch eine entsprechende Nachrüstung eines bestehenden Walzgerüsts,
realisierbar ist.
[0028] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung sind die Anstelleinheit und der
Entzunderungsspritzbalken auf einer der oberen Arbeitswalze abgewandten Seite des
Anstellelements angeordnet. Hierdurch ist insbesondere der Entzunderungsspritzbalken
in einem relativ großen Abstand zur Walzgerüstmitte bzw. zum Walzspalt angeordnet,
was mit dem oben genannten Vorteil verbunden ist. Zudem kann die Walzgerüstmitte mittels
des Anstellelements abgeschirmt werden, so dass kein Entzunderungswasser in die Nähe
der Walzgerüstmitte gelangt.
[0029] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung sieht vor, dass die Ansteuerelektronik eingerichtet
ist, die Anstelleinheit unter Berücksichtigung von wenigstens einem Entzunderungsparameter
anzusteuern.
[0030] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung sieht vor, dass das Walzgerüst eine einlaufseitige
Führungseinheit, eine auslaufseitige Führungseinheit, wenigstens eine Anstelleinheit
pro Führungseinheit, wenigstens ein Anstellelement pro Führungseinheit und wenigstens
einen Entzunderungsspritzbalken pro Führungseinheit aufweist. Hiernach weist das Walzgerüst
eine erfindungsgemäße Einlaufführung und eine erfindungsgemäße Auslaufführung auf,
die wie oben beschrieben ausgebildet bzw. ausgestaltet sein können. Insbesondere können
die Einlaufführung und die Auslaufführung gleich oder verschieden ausgebildet sein.
[0031] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist das Walzgerüst ein Grobblechgerüst
oder ein Vorgerüst.
[0032] Im Folgenden wird die Erfindung unter Bezugnahme auf die anliegende Figur anhand
einer bevorzugten Ausführungsform beispielhaft erläutert, wobei die nachfolgend erläuterten
Merkmale sowohl jeweils für sich genommen als auch in unterschiedlicher technisch
sinnvoller Kombination von wenigstens zwei dieser Merkmale miteinander einen vorteilhaften
oder weiterbildenden Aspekt der Erfindung darstellen können. Es zeigt:
- Figur 1:
- eine schematische Darstellung eines Abschnitts eines Ausführungsbeispiels für ein
erfindungsgemäßes Walzgerüst.
[0033] Figur 1 zeigt eine schematische Darstellung eines Abschnitts eines Ausführungsbeispiels
für ein erfindungsgemäßes Walzgerüst 1 in Form eines Vorgerüsts für ein nicht gezeigtes
Warmwalzwerk. Das Walzgerüst 1 kann als Quarto-Walzgerüst ausgebildet sein.
[0034] Das Walzgerüst 1 weist eine gegen ein nicht gezeigtes Walzgut anstellbare obere Arbeitswalze
2, eine untere Arbeitswalze 3 und eine obere Stützwalze 4 auf. Die untere Arbeitswalze
3 kann an einer nicht gezeigten unteren Stützwalze abgestützt sein.
[0035] Des Weiteren weist das Walzgerüst 1 eine einlaufseitige Führungseinheit 5 zum Führen
des in das Walzgerüst 1 einlaufenden Walzguts und eine auslaufseitige Führungseinheit
6 zum Führen des aus dem Walzgerüst auslaufenden Walzguts auf.
[0036] Zudem weist das Walzgerüst 1 eine mit der Führungseinheit 5 verbundene, ansteuerbare
Anstelleinheit 7 und eine mit der Führungseinheit 6 verbundene, ansteuerbare Anstelleinheit
8 auf.
[0037] Jede Führungseinheit 5 bzw. 6 weist ein walzennahes Führungselement 9 bzw. 10 mit
fixem Anstellwinkel und ein mit der Anstelleinheit 7 bzw. 8 und entsprechend dem Doppelpfeil
11 gelenkig mit dem walzennahen Führungselement 9 bzw. 10 verbundenes walzenfernes
Führungselement 12 bzw. 13 auf. Ein Anstellwinkel α
1 bzw. α
2 des jeweiligen walzenfernen Führungselements 12 bzw. 13 ist mittels der jeweiligen
Anstelleinheit 7 bzw. 8 variierbar.
[0038] Das Walzgerüst 1 weist ein linear gegen das Walzgut anstellbares Anstellelement 14,
an dem die Anstelleinheit 7 abgestützt ist und an dem das walzennahe Führungselement
9 fixiert ist, und ein linear gegen das Walzgut anstellbares Anstellelement 15, an
dem die Anstelleinheit 8 abgestützt ist und an dem das walzennahe Führungselement
10 fixiert ist, auf. Zudem weist das Walzgerüst 1 eine mit dem Anstellelement 14 verbundene
Stelleinheit 16, mit der das Anstellelement 14 entsprechend dem Doppelpfeil 17 gegen
das Walzgut anstellbar ist, und eine mit dem Anstellelement 15 verbundene Stelleinheit
18, mit der das Anstellelement 15 entsprechend dem Doppelpfeil 17 gegen das Walzgut
anstellbar ist, auf. Jedes Anstellelement 14 bzw. 15 weist an seiner dem Walzgut zugewandten
Unterseite eine Abschrägung 29 bzw. 30 auf, um dem jeweiligen walzenfernen Führungselement
12 bzw. 13 eine ausreichende Bewegungsfreiheit zu geben. Das jeweilige walzennahe
Führungselement 9 bzw. 10 liegt an einem Walzbalken 31 an.
[0039] Des Weiteren weist das Walzgerüst 1 einen gegen das Walzgut anstellbar an dem Anstellelement
14 angeordneten Entzunderungsspritzbalken 19 mit Spritzdüsen 20 auf, wobei die Spritzdüsen
20 in wenigstens eine Durchbrechung 21 an dem walzenfernen Führungselement 12 eingreifen.
Die Anstelleinheit 7 und der Entzunderungsspritzbalken 19 sind auf einer der oberen
Arbeitswalze 2 abgewandten Seite des Anstellelements 14 angeordnet.
[0040] Zudem weist das Walzgerüst 1 einen gegen das Walzgut anstellbar an dem Anstellelement
15 angeordneten Entzunderungsspritzbalken 22 mit Spritzdüsen 23 auf, wobei die Spritzdüsen
23 in wenigstens eine Durchbrechung 24 an dem walzenfernen Führungselement 13 eingreifen.
Die Anstelleinheit 8 und der Entzunderungsspritzbalken 22 sind auf einer der oberen
Arbeitswalze 2 abgewandten Seite des Anstellelements 15 angeordnet.
[0041] Das Walzgerüst 1 weist eine mit dem Entzunderungsspritzbalken 19 und dem Anstellelement
14 verbundene, ansteuerbare Stelleinheit 25 auf, mit der der Entzunderungsspritzbalken
19 entsprechend dem Doppelpfeil 26 gegen das Walzgut anstellbar ist. Alternativ kann
der Entzunderungsspritzbalken 19 derart mit dem walzenfernen Führungselement 12 verbunden
sein, dass der Entzunderungsspritzbalken 19 bei einer Verlagerung des walzenfernen
Führungselements 12 mitbewegt wird.
[0042] Das Walzgerüst 1 weist zudem eine mit dem Entzunderungsspritzbalken 22 und dem Anstellelement
15 verbundene, ansteuerbare Stelleinheit 27 auf, mit der der Entzunderungsspritzbalken
22 entsprechend dem Doppelpfeil 26 gegen das Walzgut anstellbar ist. Alternativ kann
der Entzunderungsspritzbalken 22 derart mit dem walzenfernen Führungselement 13 verbunden
sein, dass der Entzunderungsspritzbalken 22 bei einer Verlagerung des walzenfernen
Führungselements 13 mitbewegt wird.
[0043] Das Walzgerüst 1 weist zudem eine mit den Anstelleinheiten 7 und 8 verbundene Ansteuerelektronik
28 auf, die eingerichtet ist, die Anstelleinheiten 7 und 8 unter Berücksichtigung
von wenigstens einem Walzgutparameter P
1, wenigstens einem Walzparameter P
2, wenigstens einem Entzunderungsparameter P
3 anzusteuern.
Bezugszeichenliste
[0044]
- 1
- Walzgerüst
- 2
- obere Arbeitswalze
- 3
- untere Arbeitswalze
- 4
- obere Stützwalze
- 5
- einlaufseitige Führungseinheit
- 6
- auslaufseitige Führungseinheit
- 7
- Anstelleinheit von 5
- 8
- Anstelleinheit von 6
- 9
- walzennahes Führungselement von 5
- 10
- walzennahes Führungselement von 6
- 11
- Doppelpfeil (Verschwenkbarkeit von 12, 13)
- 12
- walzenfernes Führungselement von 5
- 13
- walzenfernes Führungselement von 6
- 14
- Anstellelement
- 15
- Anstellelement
- 16
- Stelleinheit
- 17
- Doppelpfeil (Anstellung von 14, 15)
- 18
- Stelleinheit
- 19
- Entzunderungsspritzbalken
- 20
- Spritzdüse
- 21
- Durchbrechung an 12
- 22
- Entzunderungsspritzbalken
- 23
- Spritzdüse
- 24
- Durchbrechung an 13
- 25
- Stelleinheit für 19
- 26
- Doppelpfeil (Anstellung von 19, 22)
- 27
- Stelleinheit für 22
- 28
- Ansteuerelektronik
- 29
- Abschrägung von 14
- 30
- Abschrägung von 15
- 31
- Walzbalken
- P1
- Walzgutparameter
- P2
- Walzparameter
- P3
- Entzunderungsparameter
- α1
- Anstellwinkel von 12
- α2
- Anstellwinkel von 13
1. Walzgerüst (1) für ein Warmwalzwerk, aufweisend
wenigstens eine gegen ein Walzgut anstellbare obere Arbeitswalze (2), wenigstens eine
einlaufseitige oder auslaufseitige Führungseinheit (5, 6) zum Führen des in das Walzgerüst
(1) einlaufenden bzw. aus dem Walzgerüst (1) auslaufenden Walzguts und
wenigstens eine mit der Führungseinheit (5, 6) verbundene, ansteuerbare Anstelleinheit
(7, 8),
wobei die Führungseinheit (5, 6) wenigstens ein walzennahes Führungselement (9, 10)
mit fixem Anstellwinkel und wenigstens ein mit der Anstelleinheit (7, 8) und gelenkig
mit dem walzennahen Führungselement (9, 10) verbundenes walzenfernes Führungselement
(12, 13) aufweist, und wobei ein Anstellwinkel (α1, α2) des walzenfernen Führungselements (12, 13) mittels der Anstelleinheit (7, 8) variierbar
ist,
gekennzeichnet durch
wenigstens eine mit der Anstelleinheit (7, 8) verbundene Ansteuerelektronik (28),
die eingerichtet ist, die Anstelleinheit (7, 8) unter Berücksichtigung von wenigstens
einem Walzgutparameter (P1), wenigstens einem Walzparameter (P2) und/oder wenigstens einem Entzunderungsparameter (P3) anzusteuern.
2. Walzgerüst (1) nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch wenigstens einen gegen das Walzgut anstellbar angeordneten Entzunderungsspritzbalken
(19, 22) mit Spritzdüsen (20, 23), wobei die Spritzdüsen (20, 23) in wenigstens eine
Durchbrechung (21, 24) an dem walzenfernen Führungselement (12, 13) eingreifen.
3. Walzgerüst (1) nach Anspruch 1 oder 2, gekennzeichnet durch wenigstens ein linear gegen das Walzgut anstellbares Anstellelement (14, 15), an
dem die Anstelleinheit (7, 8) abgestützt ist und an dem das walzennahe Führungselement
(9, 10) fixiert ist, und wenigstens eine mit dem Anstellelement (14, 15) verbundene
Stelleinheit (16, 18), mit der das Anstellelement (14, 15) gegen das Walzgut anstellbar
ist.
4. Walzgerüst (1) nach einem Ansprüche 1 bis 3, gekennzeichnet durch wenigstens eine mit dem Entzunderungsspritzbalken (19, 22) und dem Anstellelement
(14, 15) verbundene, ansteuerbare Stelleinheit (25, 27), mit der der Entzunderungsspritzbalken
(19, 22) relativ zu dem Anstellelement (14, 15) gegen das Walzgut anstellbar ist.
5. Walzgerüst (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Entzunderungsspritzbalzen (19, 22) derart mit dem walzenfernen Führungselement
(12, 13) verbunden ist, dass der Entzunderungsspritzbalken (19, 22) bei einer Verlagerung
des walzenfernen Führungselements (12, 13) mitbewegt wird.
6. Walzgerüst (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Anstelleinheit (7, 8) und der Entzunderungsspritzbalken (19, 22) auf einer der
oberen Arbeitswalze (2) abgewandten Seite des Anstellelements (14, 15) angeordnet
sind.
7. Walzgerüst (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Ansteuerelektronik (28) eingerichtet ist, die Anstelleinheit (7, 8) unter Berücksichtigung
von wenigstens einem Entzunderungsparameter (P3) anzusteuern.
8. Walzgerüst (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 7, gekennzeichnet durch eine einlaufseitige Führungseinheit (5), eine auslaufseitige Führungseinheit (6),
wenigstens eine Anstelleinheit (7, 8) pro Führungseinheit (5, 6), wenigstens ein Anstellelement
(14, 15) pro Führungseinheit (5, 6) und wenigstens einen Entzunderungsspritzbalken
(19, 22) pro Führungseinheit (5, 6).
9. Walzgerüst (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Walzgerüst (1) ein Grobblechgerüst oder ein Vorgerüst ist.