[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Hörsystem umfassend ein Hörgerät mit einer
Signalverarbeitungseinrichtung zur Verarbeitung eines Eingangsschalls zu einem Ausgangsschall,
wobei in der Signalverarbeitungseinrichtung ein perzeptives Modell implementiert ist,
mit dem bezogen auf den Ausgangsschall eine psychoakustische Größe bereitstellbar
ist. Darüber hinaus betrifft die vorliegende Erfindung ein entsprechendes Verfahren
zum Betreiben eines Hörsystems. Unter einem Hörgerät wird hier auch ein Headset, Kopfhörer
und andere am Ohr tragbare Systeme verstanden.
[0002] Hörgeräte sind tragbare Hörvorrichtungen, die zur Versorgung von Schwerhörenden dienen.
Um den zahlreichen individuellen Bedürfnissen entgegenzukommen, werden unterschiedliche
Bauformen von Hörgeräten wie Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO), Hörgerät mit externem
Hörer (RIC: receiver in the canal) und In-dem-Ohr-Hörgeräte (IdO), z.B. auch Concha-Hörgeräte
oder Kanal-Hörgeräte (ITE, CIC), bereitgestellt. Die beispielhaft aufgeführten Hörgeräte
werden am Außenohr oder im Gehörgang getragen. Darüber hinaus stehen auf dem Markt
aber auch Knochenleitungshörhilfen, implantierbare oder vibrotaktile Hörhilfen zur
Verfügung. Dabei erfolgt die Stimulation des geschädigten Gehörs entweder mechanisch
oder elektrisch.
[0003] Hörgeräte besitzen prinzipiell als wesentliche Komponenten einen Eingangswandler,
einen Verstärker und einen Ausgangswandler. Der Eingangswandler ist in der Regel ein
Schallempfänger, z. B. ein Mikrofon, und/oder ein elektromagnetischer Empfänger, z.
B. eine Induktionsspule. Der Ausgangswandler ist meist als elektroakustischer Wandler,
z. B. Miniaturlautsprecher, oder als elektromechanischer Wandler, z. B. Knochenleitungshörer,
realisiert. Der Verstärker ist üblicherweise in eine Signalverarbeitungseinheit integriert.
Dieser prinzipielle Aufbau ist in FIG 1 am Beispiel eines Hinter-dem-Ohr-Hörgeräts
dargestellt. In ein Hörgerätegehäuse 1 zum Tragen hinter dem Ohr sind ein oder mehrere
Mikrofone 2 zur Aufnahme des Schalls aus der Umgebung eingebaut. Eine Signalverarbeitungseinheit
3, die ebenfalls in das Hörgerätegehäuse 1 integriert ist, verarbeitet die Mikrofonsignale
und verstärkt sie. Das Ausgangssignal der Signalverarbeitungseinheit 3 wird an einen
Lautsprecher bzw. Hörer 4 übertragen, der ein akustisches Signal ausgibt. Der Schall
wird gegebenenfalls über einen Schallschlauch, der mit einer Otoplastik im Gehörgang
fixiert ist, zum Trommelfell des Geräteträgers übertragen. Die Stromversorgung des
Hörgeräts und insbesondere die der Signalverarbeitungseinheit 3 erfolgt durch eine
ebenfalls ins Hörgerätegehäuse 1 integrierte Batterie 5.
[0004] Die Druckschrift
US 2002/0111745 A1 offenbart ein tragbares Höranalysesystem. Dabei können Parameter einer Hörantwort
durch Audiometer gewonnen werden. Eine Antwortvorhersage wird benutzt, um eine Grundeinstellung
eines Hörgeräts durchzuführen.
[0005] Des Weiteren beschreibt die Druckschrift
EP 0 661 905 A2 ein Verfahren zur Anpassung eines Hörgeräts und ein entsprechendes Hörgerät. Mit
einem perzeptiven Modell wird eine psychoakustische Größe, insbesondere die Lautheit,
einerseits für eine Norm-Personengruppe und andererseits für ein einzelnes Individuum
gewonnen. Auf der Grundlage der Differenz der beiden psychoakustischen Größen werden
Stellangaben ermittelt, womit die Signalübertragung an einem Hörgerät ex situ konzipiert
oder eingestellt wird bzw. in situ geführt wird.
[0006] Ferner ist in der Druckschrift
EP 1 676 529 A1 ein Verfahren zum Visualisieren des Hörvermögens bzw. des Hörempfindens beschrieben.
Dabei wird mindestens eine Hördimension, wie z. B. die Lautheitswahrnehmung, mittels
eines Bildes sichtbar gemacht durch Verändern mindestens eines Bildparameters, wie
beispielsweise der Helligkeit. Eine aufgrund audiometrischer Messungen gewonnene Lautheitskurve
wird herangezogen, um die Helligkeitsverteilung in einem Bild zu steuern. Gegebenenfalls
werden auch mehrere Lautheitskurven in unterschiedlichen Frequenzbereichen ermittelt
und damit die Farbgestaltung eines Bilds gesteuert. Durch die visuelle Unterstützung
ist es für den Akustiker wesentlich einfacher möglich, eine optimale Einstellung zu
finden.
[0007] In der
US 2005/0141737 A1 wird vorgeschlagen, in einem Hörgerät anhand des Spektrums eines Sprachsignals einen
standardisierten Sprachverständlichkeitsindex ("speech intelligibility index", SII)
zu berechnen, welcher ein objektives Maß für die Verständlichkeit der im Sprachsignal
enthaltenen Phoneme bildet, und somit insbesondere für ein Fitting des Hörgerätes
beim Hörgeräteakustiker herangezogen werden kann, um für einzelne Hörsituationen eine
bzgl. des SII optimierte Hörgeräteeinstellung zu erzielen.
[0008] Die Hörgeräteversorgung von Menschen mit Mehrfachbehinderungen oder aber die Versorgung
von Kindern basiert im Wesentlichen darauf, dass die betreuenden Personen in den Anpassprozess
und auch in den späteren Nachsorgeprozess eingebunden werden. Darüber hinaus spielen
diese Personen im täglichen Umfeld des Hörsystemträgers eine wesentliche Rolle und
passen möglicherweise auch Parameter eines Hörgeräts, wie z. B. die Lautstärke des
Hörgeräts, für den Schwerhörigen an. Dabei sind sie lediglich auf Erfahrungswerte
angewiesen. Sie wissen jedoch nicht, welches Problem der Schwerhörige tatsächlich
hat. Damit sind ihre Eingriffe in die Hörgeräteeinstellung nicht notwendigerweise
richtig.
[0009] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht somit darin, die Einstellung oder
die Anpassung eines Hörgeräts für einen Nutzer oder für eine den Nutzer betreuende
Person zu erleichtern.
[0010] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch ein Hörsystem, welches ein Hörgerät
mit einer Signalverarbeitungseinrichtung zur Verarbeitung eines Eingangsschalls zu
einem Ausgangsschall und einer Analyseeinrichtung, um eine aktuelle Hörsituation zu
analysieren, sowie eine Fernbedienung mit einer Visualisierungseinrichtung umfasst,
wobei in der Signalverarbeitungseinrichtung oder in einer mit ihr in Datenverbindung
stehenden Verarbeitungseinrichtung der Fernbedienung ein perzeptives Modell implementiert
ist, mit dem bezogen auf den Ausgangsschall eine psychoakustische Größe bereitstellbar
ist, wobei die Visualisierungseinrichtung mit der Signalverarbeitungseinrichtung oder
der Verarbeitungseinrichtung verbunden ist, um einen Wert der psychoakustischen Größe
zu visualisieren. Hierbei ist vorgesehen, dass aus entsprechenden Analysewerten der
Analyseeinrichtung mit dem perzeptiven Modell der Signalverarbeitungseinrichtung oder
Verarbeitungseinrichtung mindestens ein psychoakustischer Referenzwert unabhängig
von einer Einstellung der Signalverarbeitungseinrichtung erzeugbar ist, welcher durch
die Visualisierungseinrichtung zusammen mit einem psychoakustischen Wert betreffend
eine aktuelle Einstellung der Signalverarbeitungseinrichtung optisch dargestellt wird.
[0011] Darüber hinaus wird erfindungsgemäß bereitgestellt ein Verfahren zum Betreiben eines
Hörsystems mit einem Hörgerät und einer Visualisierungseinrichtung, welches die folgenden
Schritte umfasst: Verarbeiten eines Eingangsschalls zu einem Ausgangsschall in dem
Hörgerät, Bereitstellen einer psychoakustischen Größe bezogen auf den Ausgangsschall
mit Hilfe eines perzeptiven Modells durch das Hörgerät oder durch eine mit der Visualisierungseinrichtung
verbundene Verarbeitungseinrichtung, Visualisieren eines Werts der psychoakustischen
Größe durch die Visualisierungseinrichtung, sowie Analyse einer aktuellen Hörsituation.
Hierbei ist vorgesehen, dass aus entsprechenden Analysewerten der Analyseeinrichtung
mit dem perzeptiven Modell der Signalverarbeitungseinrichtung oder Verarbeitungseinrichtung
mindestens ein psychoakustischer Referenzwert unabhängig von einer Einstellung der
Signalverarbeitungseinrichtung erzeugbar ist, welcher durch die Visualisierungseinrichtung
zusammen mit einem psychoakustischen Wert betreffend eine aktuelle Einstellung der
Signalverarbeitungseinrichtung optisch dargestellt wird.
[0012] In vorteilhafter Weise ist es somit möglich, eine psychoakustische Größe, die angibt,
wie der Nutzer einen Schall wahrnimmt, optisch darzustellen, so dass es insbesondere
für betreuende Personen von Hörgeschädigten möglich ist, die Einstellung des oder
der Hörgeräte für den Nutzer so angenehm wie möglich zu machen.
[0013] Da die Signalverarbeitungseinrichtung in dem Hörgerät die psychoakustische Größe
liefert, ist es nicht notwendig, ein breitbandiges Signal an ein externes Gerät zur
Visualisierung zu übertragen, das daraus erst mit Hilfe eines perzeptiven Modells
eine psychoakustische Größe berechnet.
[0014] Besonders vorteilhaft ist auch, wenn das Hörgerät die Fernbedienung umfasst, welche
die Visualisierungseinheit und eine bzw. die Verarbeitungseinrichtung enthält. Da
Hörgeräte ohnehin vielfach mit einer Fernbedienung bedient werden, ist somit kein
zusätzliches Gerät für die Visualisierung notwendig, was die Handhabung des Hörgeräts
erleichtert. Bei einem derartigen Hörsystem besitzen das Hörgerät und die Fernbedienung
jeweils eine Kommunikationseinrichtung, mit denen der jeweils aktuelle Wert der von
der Signalverarbeitungseinrichtung bereitgestellten psychoakustischen Größe von dem
Hörgerät zu der Fernbedienung zur optischen Darstellung übertragbar ist.
[0015] Entsprechend einer Weiterbildung können mehrere psychoakustische Größen von der Signalverarbeitungseinrichtung
oder der Verarbeitungseinrichtung bereitgestellt und die entsprechenden Werte von
der Visualisierungseinrichtung visualisiert werden. Gegebenenfalls können mehrere
Werte gleichzeitig visualisiert werden. So können beispielsweise Klangqualität und
Sprachverständlichkeit gleichzeitig visualisiert werden, so dass der Nutzer oder die
betreuende Person einen Kompromiss dieser Größen finden kann, wenn sich diese gegenläufig
beeinflussen.
[0016] Entsprechend der Erfindung umfasst das Hörgerät eine Analyseeinrichtung, um eine
aktuelle Hörsituation zu analysieren, so dass aus entsprechenden Analysewerten mit
dem perzeptiven Modell der Signalverarbeitungseinrichtung oder Verarbeitungseinrichtung
mindestens ein psychoakustischer Referenzwert unabhängig von einer Einstellung der
Signalverarbeitungseinrichtung erzeugbar ist, welcher durch die Visualisierungseinrichtung
zusammen mit einem psychoakustischen Wert betreffend eine aktuelle Einstellung der
Signalverarbeitungseinrichtung optisch dargestellt wird. Auf diese Weise ist es möglich,
neben dem aktuellen psychoakustischen Wert auch beispielsweise einen Maximalwert und
einen Minimalwert, gegebenenfalls auch einen Mittelwert, die sich aus der aktuellen
Hörsituation ergeben, optisch darzustellen, wodurch der Einstellende objektive Anhaltspunkte
für die Einstellung erhält.
[0017] Des Weiteren kann vorgesehen sein, dass neben dem Hörgerät ein weiteres Hörgerät
zur Versorgung des linken und des rechten Ohrs eines Nutzers vorgesehen ist, wobei
die Signalverarbeitungseinrichtung in einem der beiden Hörgeräte angeordnet ist und
das perzeptive Modell auf der Grundlage von Signalen beider Hörgeräte eine psychoakustische
Größe bezüglich binauraler Wahrnehmung liefert. Hierdurch ist es möglich, die Einstellung
bzw. Anpassung eines Hörgeräts auch hinsichtlich binauraler Wahrnehmung zu erleichtern.
Insbesondere kann hierdurch beispielsweise die Richtwirkung eines Hörgeräts für den
Nutzer leichter optimiert werden.
[0018] Die vorliegende Erfindung ist anhand der beigefügten Zeichnungen näher erläutert,
in denen zeigen:
- FIG 1
- den prinzipiellen Aufbau eines Hörgeräts gemäß dem Stand der Technik und
- FIG 2
- eine schematische Ansicht eines erfindungsgemäßen Hörsystems mit zwei Hörgeräten und
einer Fernbedienung zur Visualisierung.
[0019] Die nachfolgend näher geschilderten Ausführungsbeispiele stellen bevorzugte Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung dar.
[0020] In dem Beispiel von FIG 2 ist ein Hörsystem mit einem ersten Hörgerät 10 dargestellt,
das eine interne Signalverarbeitungseinrichtung aufweist, um einen Eingangsschall
E1 in einen Ausgangsschall A1 zu wandeln. Die Signalverarbeitungseinrichtung ist durch
ein Mikrofon 11, einen Verstärkerbaustein 12 und einen Hörer 13 symbolisiert. In dem
Verstärkerbaustein 12, der einen digitalen Prozessor beinhaltet, ist ein perzeptives
Modell 14 implementiert. Mit dem perzeptiven Modell 14 können psychoakustische Kenngrößen,
wie Lautheit, Angenehmheit, Höranstrengung und andere, in Abhängigkeit von dem Ausgangssignal
A1 bzw. eines entsprechend modellierten Signals bereitgestellt werden. Eine derartige
psychoakustische Kenngröße ist in FIG 2 mit P gekennzeichnet. Sie kann an einem Computer,
ein Fernsehgerät oder ein anderes Gerät zur Visualisierung drahtgebunden oder drahtlos
übertragen werden.
[0021] Günstigerweise erfolgt die Berechnung der psychoakustischen Größe im Hörgerät, so
dass die vorzugsweise drahtlos erfolgende Sendung der Daten mit niedriger Bitrate
erfolgen kann. Wird anderenfalls die Analyse extern, z. B. in der Fernbedienung, vorgenommen,
muss zunächst das gesamte Signal mit hoher Bandbreite übertragen werden.
[0022] In dem Beispiel von FIG 2 wird die psychoakustische Größe P bzw. der entsprechende
Wert von dem Hörgerät 10 über eine nicht dargestellte Drahtlosschnittstelle zu einer
Fernbedienung 15 übertragen. Diese besitzt neben einigen Bedienelementen 16 einen
kleinen Bildschirm 17 als Visualisierungseinrichtung. Gegebenenfalls genügt zur Visualisierung
auch ein eindimensionaler Anzeigebalken bestehend aus einer Reihe von LEDs oder ähnlichem.
Im vorliegenden Beispiel ist der Bildschirm 17 in der Lage, die Werte mehrerer psychoakustischen
Größen P darzustellen, die von dem Hörgerät 10 geliefert werden.
[0023] Darüber hinaus ist die Verstärkerkomponente 12 des Hörgeräts 10 im vorliegenden Beispiel
auch in der Lage, die aktuelle Hörsituation zu analysieren bzw. zu klassifizieren.
Damit kann das Hörgerät bezüglich einer oder mehrerer psychoakustischer Dimensionen
Referenzdaten R an die Fernbedienung 15 senden, so dass die Anzeige beispielsweise
speziell für die Hörsituation skaliert werden kann. Die Referenzdaten R können aber
auch dazu verwendet werden, um dem Einstellenden Anhaltspunkte zu geben, in welchem
Bereich die jeweilige akustische Größe überhaupt in der Hörsituation verändert werden
kann. So ist es unter Umständen günstig, den entsprechenden Minimal- und Maximalwert
bezüglich einer psychoakustischen Größe anzuzeigen. Beispielsweise wird eine Schallquelle
nie mit mittlerer Lautheit wahrgenommen werden können, wenn sie sehr weit entfernt
oder sehr nahe gelegen ist. Dies kann dem Einstellenden durch Referenzwerte, die von
der Hörgeräteeinstellung unabhängig sind und die Hörsituation objektiv bewerten, grafisch
symbolisiert werden, so dass er nicht vergebens eine bessere Einstellung sucht.
[0024] Ist ein Hörgeräteträger beidseitig schwerhörig, so kann er zusätzlich mit einem zweiten
Hörgerät 20 binaural versorgt werden. In FIG 2 ist ein derartiges zweites Hörgerät
20 ebenfalls symbolisch dargestellt. Es besitzt wie das erste Hörgerät 10 eine Signalverarbeitungseinrichtung
bestehend aus einem Mikrofon 21, einem Verstärkerbaustein 22 und einem Hörer 23. Prinzipiell
könnte in dem Verstärkerbaustein 22 ebenfalls ein perzeptives Modell implementiert
sein, das eine psychoakustische Größe an die Fernbedienung 15 zur Visualisierung überträgt.
Ebenso könnte die psychoakustische Größe von dem zweiten Hörgerät 20 auch an das erste
Hörgerät 10 übertragen werden. Diese monaurale psychoakustische Größe kann dann gegebenenfalls
mit einer monauralen psychoakustischen Größe des ersten Hörgeräts 10 mit Hilfe eines
perzeptiven Modells für binaurale Wahrnehmung zur Berechnung einer binauralen psychoakustischen
Größe herangezogen werden. Letztere wird dann wieder zur Fernbedienung übertragen.
Somit können je nach Wunsch monaurale und binaurale Größen zur Darstellung auf der
Fernbedienung zu dieser übertragen werden.
[0025] In dem vorliegenden Beispiel besitzt das zweite Hörgerät 20 kein perzeptives Modell
und es wird lediglich ein Signal S, das den Ausgangsschall bzw. das Ausgangssignal
A2 repräsentiert, zu dem ersten Hörgerät 10 übertragen. Dort wird es in dem perzeptiven
Modell für binaurale Wahrnehmung mit anderen vorliegenden Größen zu einer oder mehreren
psychoakustischen Größen verarbeitet, die dann an die Fernbedienung 15 zur Visualisierung
übermittelt werden.
[0026] Alternativ kann das perzeptive Modell auch in einer Verarbeitungseinrichtung der
Fernbedienung 15 implementiert sein. Dann sind das oder die entsprechenden das/die
Ausgangssignale A1, A2 repräsentierenden Signale S direkt an die Fernbedienung 15
zu übertragen. Diese erstellt dann die zu visualisierenden psychoakustischen Daten.
[0027] Bei Mehrfachbehinderungen ist es denkbar, ein Wahrnehmungsmodell, dem die psychoakustischen
Daten als Eingangsparameter dienen, beispielsweise für haptische Wahrnehmung nachzuschalten.
[0028] Die über die Wahrnehmung des Schwerhörenden angebotenen Größen können betreuende
Personen nutzen, um gegebenenfalls die Einstellung des Hörsystems zu ändern. Alternativ
ist es auch möglich, anhand dieser Information die Situation aktiv zu verändern, um
diese psychoakustischen Größen positiv zu verändern. So kann beispielsweise ein anderer
Sitzplatz für ein hörgeschädigtes Kind in einer Schule ausgewählt werden.
[0029] Zusätzlich bietet die Darstellung psychoakustischer Kenngrößen die Möglichkeit einer
Unterstützung des Schwerhörenden in einer Audiotherapie. Der Hörgeräteträger kann
nämlich selbst die dargebotenen psychoakustischen Größen beobachten und gegebenenfalls
selbst aktiv sein akustisches Umfeld anpassen. So kann er beispielsweise in einem
Saal einen anderen Sitzplatz wählen oder ein offenes Fenster schließen. Besonders
hilfreich sind hierbei Referenzdaten die mit visualisiert werden. Sie geben an, was
in der vorliegenden, akustischen Situation oder in einer generischen, vergleichbaren
Situation tatsächlich in den verschiedenen psychoakustischen Dimensionen erreicht
werden könnte.
[0030] In vorteilhafter Weise ist es mit dem oben geschilderten System bzw. Verfahren so
möglich, psychoakustische Kenngrößen zu visualisieren, um objektive Informationen
über das Empfinden eines Hörsystemträgers anbieten zu können. So sind insbesondere,
wie oben bereits geschildert, zwei Einsatzgebiete besonders erwähnenswert, nämlich
der Einsatz bei Menschen mit Mehrfachbehinderungen oder Kindern, um die betreuenden
Personen mit bisher unzugänglichen Informationen zu versorgen, oder aber das Darstellen
psychoakustischer Kenngrößen für den Hörsystemträger selbst, z. B. im Rahmen einer
Audiotherapie.
1. Hörsystem, umfassend
ein Hörgerät (10, 20) mit
- einer Signalverarbeitungseinrichtung zur Verarbeitung eines Eingangsschalls (E1)
zu einem Ausgangsschall (A1, A2), und
- einer Analyseeinrichtung, um eine aktuelle Hörsituation zu analysieren, und
eine Fernbedienung (15) mit einer Visualisierungseinrichtung (17),
- wobei in der Signalverarbeitungseinrichtung oder in einer mit ihr in Datenverbindung
stehenden Verarbeitungseinrichtung der Fernbedienung (15) ein perzeptives Modell (14)
implementiert ist, mit dem bezogen auf den Ausgangsschall (A1, A2) eine psychoakustische
Größe (P) bereitstellbar ist, und
- wobei die Visualisierungseinrichtung (17) mit der Signalverarbeitungseinrichtung
oder der Verarbeitungseinrichtung verbunden ist, um einen Wert der psychoakustischen
Größe (P) zu visualisieren,
dadurch gekennzeichnet, dass
- aus entsprechenden Analysewerten der Analyseeinrichtung mit dem perzeptiven Modell
(14) der Signalverarbeitungseinrichtung oder Verarbeitungseinrichtung mindestens ein
psychoakustischer Referenzwert (R) unabhängig von einer Einstellung der Signalverarbeitungseinrichtung
erzeugbar ist, welcher durch die Visualisierungseinrichtung (17) zusammen mit einem
psychoakustischen Wert betreffend eine aktuelle Einstellung der Signalverarbeitungseinrichtung
optisch dargestellt wird.
2. Hörsystem nach Anspruch 1, wobei das Hörgerät die Fernbedienung (15) umfasst, welches
die Visualisierungseinrichtung (17) und eine bzw. die Verarbeitungseinrichtung enthält.
3. Hörsystem nach Anspruch 2, wobei das Hörgerät (10, 20) und die Fernbedienung (15)
jeweils eine Kommunikationseinrichtung besitzen, mit denen der jeweils aktuelle Wert
der von der Signalverarbeitungseinrichtung bereitgestellten psychoakustischen Größe
(P) von dem Hörgerät (10, 20) zu der Fernbedienung (15) zur optischen Darstellung
übertragbar ist.
4. Hörsystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei mehrere psychoakustische
Größen (P) von der Signalverarbeitungseinrichtung oder Verarbeitungseinrichtung bereitstellbar
und die entsprechenden Werte gleichzeitig von der Visualisierungseinrichtung (17)
visualisierbar sind.
5. Hörsystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Hörgerät zwei Hörvorrichtungen
(10, 20) zur Versorgung des linken und des rechten Ohrs eines Nutzers aufweist, wobei
die Signalverarbeitungseinrichtung in einer der beiden Hörvorrichtungen angeordnet
ist, und das perzeptive Modell (14) auf der Grundlage von Signalen beider Hörvorrichtungen
eine psychoakustische Größe (P) bezüglich binauraler Wahrnehmung liefert.
6. Verfahren zum Betreiben eines Hörsystems mit einem Hörgerät (10, 20) und einer Visualisierungseinrichtung
(17), durch
- Verarbeiten eines Eingangsschalls (E1) zu einem Ausgangsschall (A1, A2) in dem Hörgerät
und
- Bereitstellen einer psychoakustischen Größe (P) bezogen auf den Ausgangsschall (A1,
A2) mit Hilfe eines perzeptiven Modells (14) durch das Hörgerät oder durch eine mit
der Visualisierungseinrichtung (17) verbundene Verarbeitungseinrichtung,
- Visualisieren eines Werts der psychoakustischen Größe (P) durch die Visualisierungseinrichtung
(17), und
- Analyse einer aktuellen Hörsituation,
dadurch gekennzeichnet, dass
- aus entsprechenden Analysewerten mit dem perzeptiven Modell (14) mindestens ein
psychoakustischer Referenzwert (R) unabhängig von einer Einstellung des Hörgeräts
erzeugt wird, welcher zusammen mit einem psychoakustischen Wert betreffend eine aktuelle
Einstellung des Hörgeräts optisch dargestellt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, wobei mehrere psychoakustische Größen durch das Hörgerät
bereitgestellt und die entsprechenden Werte gleichzeitig visualisiert werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 oder 7, wobei neben dem Hörgerät (10, 20) ein
zweites Hörgerät (20, 10) vorgesehen ist, die zusammen zur Versorgung des linken und
des rechten Ohrs eines Nutzers vorgesehen sind, und das perzeptive Modell (14) auf
der Grundlage von Signalen beider Hörgeräte eine psychoakustische Größe (P) bezüglich
binauraler Wahrnehmung für das Visualisieren liefert.
1. Hearing system comprising
a hearing device (10, 20) having
- a signal processing device for processing an input sound (E1) to produce an output
sound (A1, A2) and
- an analysis device in order to analyse a current hearing situation, and
a remote control (15) having a visualization device (17),
- wherein the signal processing device or a processing device of the remote control
(15) with a data connection to said signal processing device has a perceptive model
(14) implemented in it by means of which a psychoacoustic variable (P) is providable
for the output sound (A1, A2), and
- wherein the visualization device (17) is connected to the signal processing device
or the processing device in order to visualize a value of the psychoacoustic variable
(P),
characterized in that
- at least one psychoacoustic reference value (R) is generable from applicable analysis
values of the analysis device by means of the perceptive model (14) of the signal
processing device or processing device regardless of a setting of the signal processing
device, said reference value being visually presented by the visualization device
(17) together with a psychoacoustic value relating to a current setting of the signal
processing device.
2. Hearing system according to Claim 1, wherein the hearing device comprises the remote
control (15) containing the visualization device (17) and a or the processing device.
3. Hearing system according to Claim 2, wherein the hearing device (10, 20) and the remote
control (15) each have a communication device by means of which the respective current
value of the psychoacoustic variable (P) provided by the signal processing device
is transferable from the hearing device (10, 20) to the remote control (15) for visual
presentation.
4. Hearing system according to one of the preceding claims, wherein multiple psychoacoustic
variables (P) are providable by the signal processing device or processing device
and the applicable values are visualizable by the visualization device (17) at the
same time.
5. Hearing system according to one of the preceding claims, wherein the hearing device
has two hearing apparatuses (10, 20) for serving the left and right ears of a user,
wherein the signal processing device is arranged in one of the two hearing apparatuses,
and the perceptive model (14) takes signals of both hearing apparatuses as a basis
for delivering a psychoacoustic variable (P) for binaural perception.
6. Method for operating a hearing system having a hearing device (10, 20) and a visualization
device (17), by
- processing an input sound (E1) to produce an output sound (A1, A2) in the hearing
device and
- providing a psychoacoustic variable (P) for the output sound (A1, A2) by means of
the hearing device or by means of a processing device connected to the visualization
device (17) by using a perceptive model (14),
- visualizing a value of the psychoacoustic variable (P) by means of the visualization
device (17), and
- analysing a current hearing situation, characterized in that
- at least one psychoacoustic reference value (R) is generated from applicable analysis
values by means of the perceptive model (14) independently of a setting of the hearing
device, said reference value being visually presented together with a psychoacoustic
value relating to a current setting of the hearing device.
7. Method according to Claim 6, wherein multiple psychoacoustic variables are provided
by the hearing device and the applicable values are visualized at the same time.
8. Method according to either of Claims 6 and 7, wherein besides the hearing device (10,
20) there is provision for a second hearing device (20, 10), these together being
intended to serve the left and right ears of a user, and the perceptive model (14)
takes signals of both hearing devices as a basis for delivering a psychoacoustic variable
(P) for binaural perception for the visualization.
1. Système d'audition, comportant un appareil auditif (10, 20) qui comprend
- un dispositif de traitement de signal destiné à transformer un son entrant (E1)
en un son sortant (A1, A2), et
- un dispositif d'analyse destiné à analyser une situation d'écoute actuelle, et
une télécommande (15) dotée d'un dispositif de visualisation (17),
- un modèle de perspective (14) étant mis en œuvre dans le dispositif de traitement
de signal, ou dans un dispositif de traitement de la télécommande (15) qui se trouve
en liaison de données avec lui, avec lequel peut être fournie une grandeur psychoacoustique
(P) en rapport avec le son sortant (A1, A2), et
- le dispositif de visualisation (17) étant relié au dispositif de traitement de signal
ou au dispositif de traitement afin de visualiser une valeur de la grandeur psychoacoustique
(P),
caractérisé en ce que
- au moins une valeur de référence (R) psychoacoustique peut être générée avec le
modèle de perspective (14) du dispositif de traitement de signal ou du dispositif
de traitement à partir des valeurs d'analyse correspondantes du dispositif d'analyse,
indépendamment d'un réglage du dispositif de traitement de signal, laquelle est représentée
optiquement par le dispositif de visualisation (17) conjointement avec une valeur
psychoacoustique concernant un réglage actuel du dispositif de traitement de signal.
2. Système d'audition selon la revendication 1, l'appareil auditif comportant la télécommande
(15), laquelle contient le dispositif de visualisation (17) et un ou le dispositif
de traitement.
3. Système d'audition selon la revendication 2, l'appareil auditif (10, 20) et la télécommande
(15) possédant respectivement un dispositif de communication avec lequel la valeur
actuelle respective de la grandeur psychoacoustique (P) fournie par le dispositif
de traitement de signal peut être transmise par l'appareil auditif (10, 20) à la télécommande
(15) en vue de la représentation optique.
4. Système d'audition selon l'une des revendications précédentes, plusieurs grandeurs
psychoacoustiques (P) pouvant être fournies par le dispositif de traitement de signal
ou le dispositif de traitement et les valeurs correspondantes pouvant être visualisées
simultanément par le dispositif de visualisation (17).
5. Système d'audition selon l'une des revendications précédentes, l'appareil auditif
possédant deux arrangements d'audition (10, 20) destinés à alimenter l'oreille gauche
et droite d'un utilisateur, le dispositif de traitement de signal étant disposé dans
l'un des deux arrangements d'audition et le modèle de perspective (14) délivrant une
grandeur psychoacoustique (P) relative à une perception binaurale sur la base des
signaux des deux arrangements d'audition.
6. Procédé pour faire fonctionner un système d'audition comprenant un appareil auditif
(10, 20) et un dispositif de visualisation (17), par
- transformation d'un son entrant (E1) en un son sortant (A1, A2) dans l'appareil
auditif et
- fourniture d'une grandeur psychoacoustique (P) en rapport avec le son sortant (A1,
A2) à l'aide d'un modèle de perspective (14) par l'appareil auditif ou par un dispositif
de traitement relié au dispositif de visualisation (17),
- visualisation d'une valeur de la grandeur psychoacoustique (P) par le dispositif
de visualisation (17), et
- analyse d'une situation d'écoute actuelle, caractérisé en ce que
- au moins une valeur de référence (R) psychoacoustique est générée avec le modèle
de perspective (14) à partir des valeurs d'analyse correspondantes, indépendamment
d'un réglage de l'appareil auditif, laquelle est représentée optiquement conjointement
avec une valeur psychoacoustique concernant un réglage actuel de l'appareil auditif.
7. Procédé selon la revendication 6, plusieurs grandeurs psychoacoustiques étant fournies
par l'appareil auditif et les valeurs correspondantes étant visualisées simultanément.
8. Procédé selon la revendication 6 ou 7, un deuxième appareil auditif (20, 10) étant
présent en plus de l'appareil auditif (10, 20), lesquels sont conçus pour alimenter
ensemble l'oreille gauche et droite d'un utilisateur, et le modèle de perspective
(14) délivrant une grandeur psychoacoustique (P) relative à une perception binaurale
pour la visualisation sur la base des signaux des deux appareils auditifs.