Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Pulver als Antriebspulver oder Anzündpulver zur Beschleunigung
von Geschossen für Mörsersysteme, welches auf Nitrocellulose basiert und einen kristallinen
Energieträger auf Nitramin-Basis in 1-30 Gew.-% und einen anorganischen Mündungsfeuerdämpfer
enthält, wobei das Pulver in Form von Körnern vorliegt, und die Körner an ihrer Oberfläche
optional einen inerten plastifizierenden Zusatzstoff aufweisen. Weiterhin betrifft
die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung eines solchen Pulvers.
Stand der Technik
[0002] Innerhalb der letzten Jahre hat auf dem Gebiet der grosskalibrigen Rohrwaffen eine
deutliche Verschiebung stattgefunden. So bildeten bis zum Ende des kalten Krieges
grosskalibrige Panzer- und Artilleriesysteme das Rückgrat von landgestützten Verbänden.
Diese Systeme waren auf die Verteidigung des eigenen Territoriums optimiert und wiesen
wegen ihres grossen Gewichts nur eine begrenzte Mobilität auf. Insbesondere waren
derartige Waffensysteme nicht luftverladbar, was eine rasche territoriale Verschiebung
stark erschwerte.
[0003] Der Ausbruch des 1. Irak-Konflikts zu Beginn der Neunzigerjahre hat jedoch eine deutliche
Abkehr von den bisher gängigen Einsatzszenarien eingeläutet. Grosskalibrige Rohrwaffen
mussten innerhalb kurzer Zeit über weite Strecken zum Einsatzort transportiert werden.
Der 1. Irak-Krieg markierte somit die Wiederentdeckung von Mörsersystemen. Wegen ihres
relativ geringen Gewichts sind derartige grosskalibrige Rohrwaffen problemlos in grosser
Stückzahl luftverladbar und somit im Konfliktfall rasch einsetzbar. Zudem konnten
Dank des Aufkommens leistungsfähiger Elektronik wie etwa Satellit-Navigation oder
Zielführung die Präzision massiv verbessert werden.
[0004] Die jüngere Vergangenheit hat nun gezeigt, dass dieser Mobilitätstrend von Streitkräften
rund um den Globus mitgetragen wird. Dank dem grossen Interesse an Mörsersystemen
stieg die Nachfrage und damit gekoppelt auch der Wunsch nach Leistungssteigerung.
So weisen die neuen Mörsergranaten mit elektronischer Zielführung und Möglichkeit
zur präzisen Punktdetonation ein höheres Gewicht auf als die bisherigen Standardgranaten.
Hieraus leitete sich der Bedarf nach einem leistungsgesteigerten Antrieb ab, welcher
den Effekt des höheren Gewichts auf die Reichweite kompensiert oder die Reichweite
sogar noch erhöhen kann.
[0005] Zudem hat sich gezeigt, dass in den letzten zwanzig Jahren militärische Konflikte
primär in heissen Klimazonen lokalisiert waren, z. B. im Irak oder in Afghanistan.
Die bis dahin verwendeten Antriebe enthielten verbreitet Nitroglyzerin zur Erreichung
eines hohen Leistungspotenzials und waren nicht auf die hohe thermische Belastung
ausgelegt. Es wurde festgestellt, dass sich wichtige innenballistische Daten wie Mündungsgeschwindigkeit
und Spitzengasdruck in Folge von monatelangem Einsatz und Lagerung in heissen Klimazonen
verändern. Die geringere Mündungsgeschwindigkeit führt zu einer Reduktion der Reichweite
und vermindert somit die Trefferwahrscheinlichkeit. Dagegen nimmt der Gasdruck um
bis zu 50% zu, was ein grosses Sicherheitsrisiko bei der Schussabgabe darstellt. Die
starke klimatische Wärmeeinwirkung setzt zudem der chemischen Stabilität eines Antriebs
stark zu, indem u.a. der Stabilisator rascher aufgebraucht wird. Insgesamt stellen
konventionelle nitroglyzerinhaltige Pulver somit bei der Lagerung in heissen Bunkern
oder unter in Munitionskisten unter direkter Sonneneinstrahlung ein Sicherheitsrisiko
dar, indem sie spontan in die Autokatalyse übergehen können und durch die Explosion
umgebendes Personal verletzen und Gebäude zerstören können.
[0006] Die Firma Nitrochemie hatte schon vor einiger Zeit die Zeichen der Zeit erkannt und
mit der Entwicklung einer neuen Generation von nitroglyzerinfreien Hochleistungspulvern
begonnen, welche auch bei langen Einsätzen in heissen Klimazonen keine Veränderung
der ballistischen und chemischen Stabilität zeigten, d. h. deren Verwendung und Lagerung
in heissen Klimazonen absolut kein Sicherheitsrisiko darstellte. Diese neue Pulvergeneration
wurde zuerst speziell für Hochleistungsanwendungen in mittelkalibrigen Rohrwaffen
entwickelt, wie etwas unterkalibrige APFSDS-T- oder vollkalibrige Alrburst-Munition.
Derartige Waffensysteme sind typischerweise mit relativ langen Waffenläufen ausgestattet,
wobei bei der Schussabgabe relativ hohe Spitzengasdrücke von typischerweise 3000-5000
bar auftreten.
[0007] Im Gegensatz dazu sind die Rohrläufe bei Mörsersystemen deutlich kürzer und die bei
der Schussabgabe resultierenden Spitzengasdrücke tiefer, d. h. bei maximaler Ladung
um 1000 bar und bei tieferen Ladungen entsprechend tiefer. Dies bedeutet, dass sich
das Pulver auch bei wenigen 100 bar Gasdruck noch ausreichend umsetzen muss. Dieses
Kriterium konnte mit den ursprünglichen nitroglyzerinfreien Hochleistungsrezepturen
nicht erreicht werden. Es bestand daher das Bedürfnis nach einem neuen Ansatz für
eine adäquate Antriebstechnologie, welche auf die speziellen Verhältnisse von Mörsersystemen
mit tiefen Spitzengasdrücken und kurzen Waffenrohren ausgelegt ist. Von einem derartigen
neuen Antrieb wird ebenfalls eine ausgezeichnete chemische und ballistische Stabilität
gefordert, wobei der Antrieb gleichzeitig die Eigenschaft aufweisen muss, sich in
Mörsersystemen unter hoher Leistungsausbeute umzusetzen.
[0008] Die
WO 2011/153655 A2 (Nitrochemie Wimmis AG) offenbart ein Antriebssystem für Geschosse, welches kein
Nitroglycerin enthält und für Kleinkaliber- und Mörsergeschosse geeignet ist. Die
Zusammensetzung des Korns besteht aus Nitrocellulose, einem Energieträger auf Nitramin-Basis
sowie einen oder mehrere inerte Weichmacher, die vorzugsweise in einem Bereich nahe
der Oberfläche eine erhöhte Konzentration aufweisen.
[0009] Die
EP 1 857 429 A1 (Nitrochemie Wimmis AG) beschreibt einen Antrieb zur Beschleunigung von Geschossen,
welcher auf Nitrocellulose basiert. Der Antrieb umfasst als Basis Nitrocellulose,
ein kristalliner Energieträger auf Nitramin-Basis in einer Menge von 1 - 25 Gew.-%
sowie mindestens zwei inerte plastifizierende Zusatzstoffe, wobei einer der Zusatzstoffe
homogen in der Matrix des Antriebs verteilt ist und der zweite Zusatzstoff in einer
oberflächennahen Zone eine erhöhte Konzentration aufweist. Diese Zusammensetzung ergibt
einen Antrieb mit einem hohen Energieumsetzungsgrad, wobei der Antrieb vorzugsweise
in der Form von Körnern vorliegt.
Darstellung der Erfindung
[0010] Aufgabe der Erfindung ist es, ein dem eingangs genannten technischen Gebiet zugehörendes
Pulver als Antriebspulver oder Anzündpulver zur Beschleunigung von Geschossen für
Mörsersysteme zu schaffen, welches eine ausgezeichnete chemische und ballistische
Stabilität aufweist und sich dabei unter hoher Leistungsausbeute umsetzen kann.
[0011] Die Lösung der Aufgabe ist durch die Merkmale des Anspruchs 1 definiert. Gemäss der
Erfindung wird ein Pulver als Antriebspulver oder Anzündpulver zur Beschleunigung
von Geschossen für Mörsersysteme bereitgestellt, welches auf Nitrocellulose basiert.
Das Pulver enthält einen kristallinen Energieträger auf Nitramin-Basis in 1-30 Gew.-%
und einen anorganischen Mündungsfeuerdämpfer in 0.1-10 Gew.-%. Das Pulver liegt in
Form von Körnern vor. Die Körner weisen an ihrer Oberfläche einen inerten plastifizierenden
Zusatzstoff auf. Dieser
[0012] Zusatzstoff ist Campher und liegt in einem Bereich von 0.01 - 1 Gew.-%, vor.
[0013] Es ist überraschend, dass durch die Verwendung von relativ kleinen Mengen eines inerten
plastifizierenden Zusatzstoffs an der Oberfläche des Pulvers die Abhängigkeit des
Drucks bei steigenden Temperaturen gemindert werden kann. Von den Antriebspulvern
für Mittelkaliber-Anwendungen ist nämlich bekannt, dass man mit grösseren Mengen eines
inerten plastifizierenden Zusatzstoffs den Druckverlauf flacher einstellen kann. Mit
weniger als 2 Gew.-% sind dabei kaum Effekte zu erzielen. Es hat sich jedoch gezeigt,
dass dieser Zusammenhang nicht für Antriebspulver für Mörser-Anwendungen gilt. Bei
den erfindungsgemässen Antrieben für Mörsersysteme wird mit relativ kleinen Mengen
eines inerten plastifizierenden Zusatzstoffes ein flacher Druckverlauf erreicht. Bei
einer Erhöhung der Konzentration wird der Druckverlauf allmählich steiler, und bei
einer Zugabe von deutlich mehr als 1 Gew.-% steigt der Druck mit steigender Temperatur
signifikant an.
[0014] Im bevorzugten Bereich des inerten plastifizlerenden Zusatzstoffes ist auch der Anstieg
der Mündungsgeschwindigkeit mit steigender Temperatur relativ gering, so dass sich
der Antrieb insgesamt durch eine weitgehend neutrale Temperaturcharakteristik auszeichnet
[0015] Das erfindungsgemässe Pulver weist bei einem flachen Druckverlauf einen hohen Energieumsetzungsgrad
auf, was zu einem hohen innenballistischen Leistungsvermögen führt.
[0016] Als Mörsersysteme werden im Allgemeinen Systeme verstanden, die ein relativ kurzes
Rohr aufweisen und in relativ steilen Winkeln abgeschossen werden. Es gibt Mörser
ab Kaliber 37 mm (leichte Mörser) bis hin zu 240 mm (überschwere Mörser). Die wichtigsten
sind dabei die schweren Mörser in den Kalibern 60 - 120 mm. Besonders im Fokus der
Erfindung stehen die Mörser bzw. die entsprechenden Antriebe für Systeme der Kaliber
60 mm, 81 mm und 120 mm.
[0017] Zudem können die erfindungsgemässen Pulver auch als Anzündpulver für Mörseranwendungen
verwendet werden. Ein Anzündpulver ist im Schaft einer Mörsergranate untergebracht
und wird dazu benötigt, den Impuls der pyrotechnischen Initialzündung zu verstärken
und auf das Antriebspulver in den umgebenden Inkrementen (Horse Shoes) zu übertragen.
Die Zusammensetzung eines Anzündpulvers ist identisch wie die Zusammensetzung eines
Antriebspulvers. Sie können sich jedoch in der Korndimension und in der Korngeometrie
unterscheiden.
[0018] Sowohl das Antriebspulver als auch das Anzündpulver sind extrudierbare, im Lösungsmittelprozess
herstellbare Schüttpulver, die als Hauptkomponente Nitrocellulose enthalten. Nitrocellulose
ist seit über hundert Jahren das wichtigste Ausgangsmaterial für die Herstellung von
ein-, zwei- und dreibasigen Treibladungspulvern. Sie wird durch Nitrierung von Cellulose
(Baumwoll-Linters, Zellstoff) gewonnen, ist in grossen Mengen preisgünstig verfügbar
und wird mit einer grossen Spannbreite an verschiedenen chemisch-physikalischen Eigenschaften
angeboten. Nitrocellulose variiert z. B. bezüglich des Stickstoffgehalts, Molekulargewichts
oder der Viskosität und kann aufgrund dieser Unterschiede zu den verschiedenen homogenen
Treibladungspulvertypen verarbeitet werden. Der Energieinhalt von Nitrocellulose wird
über den Stickstoffgehalt eingestellt. In einbasigen Rezepturen ist Nitrocellulose
der alleinige Energieträger, was bedeutet, dass die Energiedichte von Nitrocellulose
im Vergleich zu anderen synthetischen Binderpolymeren relativ hoch ist.
[0019] Die vorliegenden Pulver basieren auf Nitrocellulose. Diese weist bevorzugt einen
mittleren Stickstoffgehalt von 12.6 - 13.25% auf. Die weiteren in der Kornmatrix enthaltenen
Schlüsselkomponenten sind ein kristalliner Energieträger sowie ein anorganischer Mündungsfeuerdämpfer.
[0020] Der kristalline Energieträger erhöht den Energieinhalt des Pulvers und wird in einer
Konzentration im Bereich von 1 - 30 Gew.-% eingesetzt. Bei diesen Anteilen in einer
Basis aus Nitrocellulose wird erreicht, dass die mittleren Abstände zwischen den einzelnen
Kristallen des kristallinen Energieträgers ausreichend gross sind, so dass sich die
einzelnen Kristalle überwiegend nicht berühren. Dadurch wird erreicht, dass bei Einwirkung
externer mechanischer Stimuli der Schockimpuls nicht von einem Explosivstoff-Kristall
an die benachbart liegenden Kristalle weitergegeben werden kann. So wird ein primär
einwirkender Schockimpuls nicht multipliziert und über die gesamte Pulvermenge übertragen.
Dagegen befinden sich bei höheren Gewichtsanteilen an kristallinem Energieträger die
einzelnen Kristalle statistisch betrachtet zu nahe beieinander, wodurch die Verwundbarkeit
des Pulvers stark ansteigt.
[0021] Der anorganische Mündungsfeuerdämpfer wird in einer Konzentration im Bereich von
0.1 - 10 Gew.-% eingesetzt. Durch die Zugabe eines anorganischen Mündungsfeuerdämpfers
wird die Umsetzung unverbrannter Gase wie Wasserstoff oder Kohlenmonoxid im Bereich
der Waffenmündung unterdrückt, so dass sich diese nicht oder nur in sehr geringerem
Ausmass entzünden. Somit wird das Mündungsfeuer reduziert, was zum einen die Blendwirkung
des Feuers für den Schützen reduziert und ausserdem die Ortung des Schützen erschwert.
[0022] Bevorzugterweise handelt es sich bei dem kristallinen Energieträger auf Nitramin-Basis
um mindestens eine Verbindung aus der Gruppe umfassend Hexogen (RDX) und Oktogen (HMX).
Diese beiden Verbindungen der allgemeinen Formel R-N-NO
2 (R = Rest) haben einen relativ kleinen Rest R, der im Vergleich zum Nitramin-Strukturelement
einen kleinen Anteil am Gesamtmolekül darstellt. Dadurch weisen die beiden Verbindungen
einen relativ hohen Energiegehalt auf.
[0023] Bevorzugt wird RDX als kristalliner Energieträger verwendet. Es ist im Vergleich
zu HMX günstiger und sicherer in der Herstellung. HMX ist teurer als RDX, bietet aber
keine besonderen Vorteile. Andere Nitraminverbindungen (wie z. B. NIGU etc.) haben
relativ wenig Leistung im Vergleich zu RDX. Zur Stabilisierung können auch an sich
bekannte Wirkstoffe wie z. B. Akardit II verwendet werden
[0024] Besonders bevorzugt weist die kristalline Nitraminverbindung eine definierte mittlere
Korngrösse auf. So wird z. B. RDX bevorzugt mit einer mittleren Korngrösse von 4 -
8 Mikrometer, insbesondere 6 Mikrometer verwendet. Die homogene Partikelgrösse des
kristallinen Energieträgers erlaubt es Pulver herzustellen, die relativ konstante
chemische und ballistische Eigenschaften aufweisen.
[0025] Alternativ zu den Nitraminverbindungen wäre z. B. auch ein Nitratester der allgemeinen
Formel R-O-NO
2 denkbar. Allerdings sind Nitratester im Vergleich zu Nitraminverbindungen weniger
chemisch stabil. Es ist auch möglich, mindestens eine der folgenden Verbindungen als
kristalline Nitraminverbindungen zu verwenden: Hexanitroisowurtzitan (CL-20,
CAS-# 14913-74-7), Nitroguanidin (NIGU, NQ,
CAS-# 70-25-7, N-Metylnitramin (Tetryl, N-Methyl-N,2,4,6-tetranitrobenzolamin,
CAS-# 479-45-8) sowie Nitrotriazolon (NTO,
CAS# 932-64-9) und Triaminotrinitrobenzol (TATB,
CAS# 3058-38-6). All diese energetischen Verbindungen können einzeln oder in Kombination miteinander
eingesetzt werden.
[0026] Besonders bevorzugt liegt der Anteil des kristallinen Energieträgers bei 5 - 25 Gew.-%.
Insbesondere werden Pulver favorisiert, die kristalline Energieträger in Anteilen
von 10 - 20 Gew.-% aufweisen. Bei Gewichtsanteilen unter 25 Gew.-%, insbesondere bis
20 Gew.-% sind die einzelnen Kristalle des Energieträgers derart voneinander beabstandet,
dass die Verwundbarkeit des Pulvers auf einem sehr tiefen Niveau liegt. Die Verwendung
eines inerten plastifizierenden Zusatzstoffs kann die Verwundbarkeit des Pulvers bei
relativ hohem Gewichtsanteil der kristallinen Nitraminverbindung etwas abschwächen.
Es ist dadurch ohne weiteres möglich, hohe Anteile der kristallinen Nitraminverbindung
zu verwenden.
[0027] Neben seiner Eigenschaft als kristalliner Energieträger hat RDX auch gewisse Stabilisierungseigenschaften,
die schon ab ca. 1 Gew.-% zum Tragen kommen und mit zunehmendem Anteil nur unwesentlich
ansteigen.
[0028] Bei dem anorganischen Mündungsfeuerdämpfer handelt es sich bevorzugt um mindestens
eine Verbindung aus der Gruppe der Alkalisalze wie z. B. Kaliumnitrat und Kaliumsulfat.
Neben der Minderung des Mündungsfeuers können diese Verbindungen auch den Abbrand
beschleunigen und hierdurch die Bildung von Rückständen reduzieren, was den Energieumsetzungsgrad
weiter erhöht.
[0029] In einer besonderen Ausführungsform liegt der anorganische Mündungsfeuerdämpfer in
einem Anteil von 0.1 - 5 Gew.-% vor.
[0030] Zudem ist die Oberfläche des Pulverkorns bevorzugt mit Graphit und Ethanol behandelt.
[0031] Die extrudierten Pulverkörner werden bevorzugt einer Oberflächenbehandlung mit Ethanol
und Graphit unterzogen. Die Oberfläche wird mit Campher als inerten plastifizierenden
Zusatzstoff behandelt. Der inerte plastifizierende Zusatzstoff dringt in die oberflächennahen
Zonen des Pulverkorns ein und verbleibt dort, d. h. er ist lokalisiert und verteilt
sich nicht in der Kornmatrix. Der inerte plastlfizierende Zusatzstoff weist eine Eindringtiefe
von einigen wenigen 100 Mikrometern auf, z. B. maximal 400 Mikrometer, bevorzugt 100
- 300 Mikrometer. Das bedeutet, dass mindestens 95 Gew.-% des inerten plastifizierenden
Zusatzstoffes bis zu dieser Tiefe enthalten sind.
[0032] Das aufgetragene Graphit verbleibt bevorzugt an der Oberfläche des Pulverkorns.
[0033] Durch die Oberflächenbehandlung, d.h. durch das Auftragen von Ethanol, Graphit und
des inerten plastifizierenden Zusatzstoffs auf die Oberfläche des extrudierten Pulverkorns
werden die Eigenschaften des Pulverkorns positiv beeinflusst. So wird ein temperaturneutrales
Verhalten und die Schüttdichte (d. h. wie viel Pulver in einem vorgegebenen Containervolumen
Platz finden) insbesondere durch eine Oberflächenbehandlung mit Graphit und Ethanol
verbessert. Das Druckniveau (d. h. das Verhältnis von Spitzengasdruck zu Mündungsgeschwindigkeit)
wird besonders durch die Zugabe des inerten plastifizierenden Zusatzstoffs auf die
Oberfläche des extrudierten Pulverkorns verbessert, wodurch jedoch der Temperaturkoeffizient
verschlechtert werden kann. Gleichzeitig enthält die Kornmatrix nicht mehr inerte
Verbindungen als nötig, und kann dadurch die grösstmögliche Menge an energetischen
Verbindungen aufweisen. Durch eine Oberflächenbehandlung mit einer Kombination dieser
Substanzen kann ein grösstmöglicher Effekt erzielt werden.
[0034] Bei Pulvern für Mörseranwendungen liegt der inerte plastifizierende Zusatzstoff an
der Oberfläche des Korns vorzugsweise in nicht mehr als 0.1 Gew.-%, insbesondere in
einem Bereich von 0.01-0.1 Gew.-% vor. Gerade bei diesen Mengen des inerten plastifizierenden
Zusatzstoffs ist die Änderung der Mündungsgeschwindigkeit und auch der Druckanstieg
beim Übergang zu hohen Temperaturen relativ klein. Bei deutlich grösseren Mengen des
inerten plastifizierenden Zusatzstoffs nimmt die Möglichkeit ab, ein temperaturneutrales
Verhalten zu erzielen.
[0035] Vorzugsweise haben die Körner für den Antrieb eine kreiszylindrische Geometrie mit
Längskanälen in axialer Richtung. Die Anzahl der Kanäle ist beliebig, häufig weist
ein Korn einen Kanal, 7 oder 19 Kanäle auf. Ein solches Treibladungspulver, auch Lochpulver
genannt, ist infolgedessen schüttbar bzw. rieselfähig, und kann so industriell in
Hülsen abgefüllt werden.
[0036] Typischerweise weist das Verhältnis von Länge (L) zu Durchmesser (D) des zylindrischen
Korns einen Wert L/D - 0.25 - 5 auf. Die Länge des Kreiszylinders liegt z. B. im Bereich
von 0.3 - 10 mm und der Durchmesser im Bereich von 0.3 - 10 mm.
[0037] Wird die Erfindung als Mehrlochpulver ausgeführt, so ist eine Geometrie mit einem
kleinen Teilkreis und somit einer grösseren äusseren Wandstärke bevorzugt. Das bedeutet,
dass die einzelnen Längskanäle im Querschnitt betrachtet dichter am Zentrum angeordnet
sind und insgesamt einen kleineren Teilkreis einnehmen. Bevorzugt bilden z. B. sechs
Längskanäle in einem 7-Loch-Pulver mit einem Gesamt-Durchschnitt von ca. 3.6 mm einen
Teilkreis mit einem Durchmesser von ca. 2.1 mm.
[0038] In einer besonderen Ausführungsform weisen die einzelnen Längskanäle eines Antriebspulvers
einen Lochdurchmesser von 0.1 - 0.5 mm auf.
[0039] Werden die erfindungsgemässen Pulver als Anzündpulver verwendet, sind die Komdimensionen
typischerweise kleiner als bei der Anwendung für den Antrieb. Zudem haben sie häufig
eine kreiszylindrische Geometrie mit einem zentralen Längskanal. Sie weisen z. B einen
Aussendurchmesser von 1.3-1.7 mm, eine Länge von 1.5-2.0 mm, eine mittlere Wandstärke
von 0.6-0.8 mm und einen Lochdurchmesser von ca. 0.10 mm auf.
[0040] Alternativ kann das Material für die Pulver in Form von Streifen vorliegen oder direkt
in eine bestimmte, für Rohrwaffen geeignete Form extrudiert werden. In dieser Form
ist es besonders für grosskalibrige Munition geeignet. Darunter fallen typischerweise
Formen, bei denen die Breite viel kleiner (z. B. mindestens 5 Mal oder mindestens
10 Mal) ist als die Länge, und die Dicke ihrerseits viel kleiner ist (z. B. mindestens
5 Mal oder mindestens 10 Mal) ist als die Breite. Typischerweise liegt die Dicke bei
z. B. 1-2 mm, die Breite bei z. B. 10 mm oder mehr und die Länge bei z. B. 100 - 150
mm.)
[0041] Denkbar sind auch sog. "Formkörper", d.h. hohlzylindrische Formen für eine Munition,
bei welcher die Hülse fehlt bzw. durch den hinter der Anzündung angeordneten "Formkörper"
ersetzt ist.
[0042] Die Kornmatrix kann ggf. weitere, an sich bekannte Zusätze enthalten. Zur Stabilitätserhöhung
können etwa Natriumhydrogenkarbonat (
CAS-#: 144-55-8), Calziumkarbonat (
CAS-#: 471-34-1), Magnesiumoxid (
CAS-#: 1309-48-4), Akardit II (
CAS-#: 724-18-5), Centralit I (
CAS-#: 90-93-7), Centralit II (
CAS-#: 611-92-7), 2-Nitrodiphenylamin (
CAS-#: 836-30-6) und Diphenylamin (
CAS-#: 122-39-4) zugegeben werden. Additive wie etwa Kalk, Manganoxid, Magnesiumoxid (
CAS-#: 1303-48-4), Molybdäntrioxid (
CAS-#: 1313-27-5), Magnesiumsilikat (
CAS-#: 14807-96-6), Calciumkarbonat (
CAS-#: 471-34-1), Titandioxid (
CAS-#: 13463-67-7), Wolframtrioxid (
CAS-#: 1314-35-8) dienen der Rohrschonung. Verbindungen wie Phthalsäureester, Citronensäureester oder
Adipinsäureester sind übliche Weichmacher.
[0043] Ferner kann das Grünkorn, also das an sich noch unbehandelte Pulver, in der Matrix
noch weitere bekannte Zusätze, z. B. zur Verbesserung des Anzündverhaltens und zur
Modulierung des Abbrandverhaltens, enthalten.
[0044] Ein Verfahren zur Herstellung eines erfindungsgemässen Pulvers zeichnet sich dadurch
aus, dass ein lösungsmittelhaltiger Pulverteig auf der Basis von Nitrocellulose und
einem kristallinen Energieträger auf Nitramin-Basis in 1-30 Gew.-% und einem anorganischen
Mündungsfeuerdämpfer hergestellt wird. Anschliessend wird aus dem lösungsmittelhaltigen
Pulverteig durch Extrudieren ein Grünkorn hergestellt. Aus diesem Grünkorn wird das
Lösungsmittel entfernt, und das Grünkorn wird mit Campher als inerten plastifizierenden
Zusatzstoff oberflächenbehandelt. Schliesslich wird das oberflächenbehandelte Grünkorn
getrocknet.
[0045] Ein erfindungsgemässes Pulver, dessen Binder vorwiegend aus Nitrocellulose besteht,
und das zusätzlich einen kristallinen Energieträger auf Nitramin-Basis und einen anorganischen
Mündungsfeuerdämpfer enthält, kann auf bestehenden Fertigungsanlagen hergestellt werden.
Die festen Rezepturkomponenten können z.B. mit einem Lösungsmittel-Gemisch versetzt
werden. Der resultierende lösungsmittelfeuchte Knetteig kann in einem Kneter geknetet
und danach in einer Presse auf die gewünschte Geometrie extrudiert werden. Die extrudierten
Stränge können vorgetrocknet und auf die gewünschte Kornlänge geschnitten werden.
Anschliessend kann dem Korn das Lösungsmittel entzogen werden. Das Korn wird mit dem
inerten plastifizierenden Zusatzstoff oberflächenbehandelt und kann optional einem
Finishing unterzogen werden.
[0046] Bevorzugt wird das Grünkorn mit Ethanol und Graphit oberflächenbehandelt, d.h. graphitiert.
Das Graphitieren kann als einzelner Verfahrensschritt durchgeführt werden. Es ist
jedoch auch möglich, Graphit und Ethanol zusammen mit dem inerten plastifizierenden
Zusatzstoff auf das Grünkorn aufzutragen.
[0047] Besonders bevorzugt wird das Lösungsmittel aus dem Grünkorn über ein Feuchtluftverfahren
entfernt.
[0048] Das durch Extrusion erhaltene Grünkorn enthält einen anorganischen Mündungsfeuerdämpfer
in der Kornmatrix. Somit sollte das Grünkorn für das Entfernen des Lösungsmittels
aus der Kornmatrix nicht einem Badeprozess unterzogen werden, da dabei sonst der wasserlösliche
anorganische Mündungsfeuerdämpfer aus der Kornmatrix ausgewaschen würde.
[0049] Das Lösungsmittel, welches im Herstellungsprozess verwendet wurde, wird daher mittels
Feuchtluftverfahren entfernt. Dabei wird das lösungsmittelfeuchte Grünkorn während
10 - 60 Stunden mit einem Luftstrom mit Temperaturen zwischen 20 - 70 °C, welcher
mit Wasserdampf gesättigt ist, mit hohen Flussraten von mehreren hundert m
3 pro Stunde durchströmt. So wird der Anteil des Lösungsmittels auf <1 % reduziert,
während der wasserlösliche Mündungsfeuerdämpfer nicht aus der Kornmatrix entfernt
wird, sondern dort verbleibt.
[0050] Es ist bevorzugt, dass nach dem Trocknen des oberflächenbehandelten Korns ein Finishing
erfolgt. Darunter wird insbesondere das sorgfältige Trocknen und Sieben des oberflächenbehandelten
Korns verstanden.
[0051] Aus der nachfolgenden Detailbeschreibung und der Gesamtheit der Patentansprüche ergeben
sich weitere vorteilhafte Ausführungsformen und Merkmalskombinationen der Erfindung.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0052] Während der Grünkornherstellung werden dem Pulverteig, der auf Nitrocellulose basiert,
verschiedene Zusätze zugegeben, d.h. die Zusätze sind gleichmässig in der Matrix verteilt.
Die Gesamtmenge dieser Zusätze mit Ausnahme der kristallinen Nitraminverbindung liegt
bei 0-10 Gew.-% gegenüber Nitrocellulose, bevorzugt bei 2-7 Gew.-%. Die Gesamtmenge
der kristallinen Nitraminverbindung, bei der es sich typischerweise um RDX handelt,
liegt bei 1-30 Gew.-% der Menge von Nitrocellulose. Die kristalline Nitraminverbindung
muss gegebenenfalls zur Verbesserung der Anbindung an die Matrix einer Vorbehandlung
unterzogen werden, bevor sie dem Pulverteig zugegeben wird.
[0053] Nach dem Kneten des Pulverteigs mit Lösungsmitteln wird das Grünkorn durch eine Matrize
extrudiert. Anschliessend werden das Wasser und das Lösungsmittel entfernt, bevorzugt
mittels Feuchtlufttrocknung. Das Grünkorn wird einer Oberflächenbehandlung unterzogen,
bei der der inerte plastifizierende Zusatzstoff und bevorzugt weitere Zusatzstoffe
wie z.B. Graphit in Anwesenheit von Ethanol aufgebracht werden (Imprägnierung+ Coating).
Beispiel 1 - Antriabspulvar 1 (FM 4651 /21)
[0054] Für die Herstellung von 520 kg eines 7-Loch-Pulvers werden 20 Gew.-% RDX, 1.2 Gew.-%
Akardit-II und 3.2 Gew.-% Kaliumnitrat und Nitrocellulose mit einem Stickstoffgehalt
von 13.20 Gew.-% (Ergänzung auf 100 Gew.-%) unter Zugabe von Diethylether und Ethanol
während 70 min zu einem lösungsmittelfeuchten Knetteig verarbeitet. Anschliessend
wird der Pulverteig durch eine Matrize mit 7-Lochgeometrie und 5.2 mm Strangquerschnitt
gepresst (d. h. extrudiert). Die extrudierten Stränge werden kurz an der Luft vorgetrocknet,
auf die gewünschte Länge geschnitten, und das so erhaltene Grünkorn auf feinmaschigen
Sieben gleichmässig ausgelegt Das Grünkorn wird danach während 30 Stunden mit einem
wassergesättigten Luftstrom von 200 m
3/h und einer Temperatur von 30 °C und
anschliessend während 30 Stunden mit einem Luftstrom 400 m
3/h und einer Temperatur von 65 °C durchströmt (Feuchtlufttrocknung). Zu 60 kg des
auf 60 °C geheizten Grünkorns werden anschliessend in einer auf 55 °C beheizten Poliertrommel
aus Kupfer 0.05 Gew.-% Graphit und 1.2 Liter Ethanol zugegeben, danach lässt man während
1 Stunde unter ständigem Drehen einwirken. Abschliessend wird das Pulver auf Blechen
ausgebreitet und während 24 Stunden bei 60 °C getrocknet.
[0055] Das resultierende Antriebspulver 1 mit der Bezeichnung FM 4651/21 hat folgende physikalische
Eigenschaften: 3.63 mm Aussendurchmesser, 3.61 mm Länge, 0.76 mm mittlere Wandstärke
und 0.20 mm Lochdurchmesser, 4251 J/g Wärmeinhalt und 1048 g/l Schüttdichte. Chemische
Stabilität: Verpuffungstemperatur = 172 °C. Wärmeflusskalorimetrie nach STANAG 4582
= 44 J/g resp. 30.4 µW (Anforderung nach Norm STANAG 4582: maximale Wärmeentwicklung
<114 µW).
Beispiel 2 - Antriebspulver 2 (FM 4650/22)
[0056] Ein Pulverteig gemäss Beispiel 1 wird durch eine Matrize mit 7-Lochgeometrie und
4.8 mm Strangquerschnitt gepresst (d. h. extrudiert). Die extrudierten Stränge werden
kurz an der Luft vorgetrocknet, auf die gewünschte Länge geschnitten, und das so erhaltene
Grünkorn einer Feuchtlufttrocknung (wie in Bsp. 1 beschrieben) unterzogen. Anschliessend
werden 60 kg des Grünkorns auf 60 °C vorgeheizt und in eine auf 55 °C beheizte Poliertrommel
aus Kupfer transferiert. Das Grünkorn wird mit 0.05 % Graphit und einer Lösung von
1 Gew.-% Campher in 1.2 kg Ethanol versetzt und während 1 Stunde ständig gedreht.
Abschliessend wird das Pulver auf Blechen ausgebreitet und während 24 Stunden bei
60 °C getrocknet.
[0057] Das resultierende Antriebspulver 2 mit der Bezeichnung FM 4650/22 hat folgende physikalische
Eigenschaften: 3.42 mm Aussendurchmesser, 3.45 mm Länge, 0.71 mm mittlere Wandstärke
und 0.19 mm Lochdurchmesser, 4152 J/g Wärmeinhalt und 1002 g/l Schüttdichte. Chemische
Stabilität: Verpuffungstemperatur - 172 °C. Wärmeflusskalorimetrie nach STANAG 4582
- 47 J/g resp. 30.9 µW (Anforderung nach Norm STANAG 4582: maximale Wärmeentwicklung
<114 µW).
Vergleich der Antriebspulver 1 und 2
Vergleich des Druckanstiegs bei hohen Pulvertemperaturen durch Variation der Camphermenge
[0058] System: 120 mm Drucklauf mit identischer innenballistischer Charakteristik wie der
120 mm Standardmörser M120 der US-Streitkräfte, insbesondere bezüglich Rohrlänge und
Mündungsgeometrie. Die Geschossmasse der verwendeten inerten Mörsergranate betrug
15.5 kg. Die Geschwindigkeitsmessung erfolgte mittels Dopplerradar, die Erfassung
des Spitzengasdrucks erfolgte piezoelektronisch im Bereich der Mündung. Die Resultate
der Temperaturbeschüsse der beiden Antriebspulver mit 0 Gew.-% und 1 Gew.-% Campherbeschichtung,
durchgeführt bei Pulvertemperaturen von 21 °C und 63 °C, sind in den folgenden Tabellen
1 und 2 zusammengestellt.
Tabelle 1
| FM 4651/21 |
0 Gew.-% Campher |
| Ladungsmasse [g] |
Pulver-Temperatur [°C] |
Geschwindigkeit [m/s] |
Spitzengasdruck [psi] |
Druckanstieg [psi] |
Druckveränderung [%] |
| 740 |
21 |
369.0 |
18224 |
2458 |
13 |
| 740 |
63 |
378.5 |
20682 |
Tabelle 2
| FM 4650/22 |
1 Gew.-% Campher |
| Ladungsmasse [g] |
Pulver-Temperatur [°C] |
Geschwindigkeit [m/s] |
Spitzengasdruck [psi] |
Druckanstieg [psi] |
Druckveränderung [%] |
| 740 |
21 |
366.1 |
17494 |
4015 |
23 |
| 740 |
63 |
376.3 |
21509 |
[0059] Die Resultate in den Tabellen 1 und 2 zeigen, dass der Druckanstieg beim Übergang
von 21 °C nach 63 °C bei dem Antriebspulver 1 (FM 4651/21) mit 0 Gew.-% Campher deutlich
weniger hoch ausfällt als bei dem Antriebspulver 2 (FM 4650/22) mit 1 Gew.-% Campher.
Dieser Befund ist überraschend und steht im Gegensatz zu den bisherigen Erfahrungen
im Mittelkalibergebiet, wonach sich der Druckanstieg durch eine Erhöhung der Camphermenge
senken lässt.
Beispiel 3 - Antriebspulver 3 (FM 4714)
[0060] Ein Pulverteig gemäss Beispiel 1 wird durch eine Matrize mit 7-Lochgeometrie und
5.1 mm Strangquerschnitt extrudiert. Die extrudierten Stränge werden kurz an der Luft
vorgetrocknet, auf die gewünschte Länge geschnitten, und das so erhaltene Grünkorn
einer Feuchtlufttrocknung (wie in Bsp. 1 beschrieben) unterzogen. Anschliessend werden
120 kg des Grünkorns auf 60°C vorgeheizt und in eine auf 55 °C beheizte Poliertrommel
aus Kupfer transferiert. Das Grünkorn wird mit 0.05% Graphit und einer Lösung von
0.1 Gew.-% Campher in 2.4 kg Ethanol versetzt und während 1 Stunde ständig gedreht.
Abschliessend wird das Pulver auf Blechen ausgebreitet und während 24 Stunden bei
60 °C getrocknet.
[0061] Das resultierende Antriebspulver 3 mit der Bezeichnung FM 4714 hat folgende physikalische
Eigenschaften: 3.58 mm Aussendurchmesser, 3.59 mm Länge, 0.75 mm mittlere Wandstärke
und 0.20 mm Lochdurchmesser, 4269 J/g Wärmeinhalt und 1026 g/l Schüttdichte. Chemische
Stabilität: Verpuffungstemperatur = 172°C. Wärmeflusskalorimetrie nach STANAG 4582
= 50 J/g resp. 32.6 µW (Anforderung nach Norm STANAG 4582: maximale Wärmeentwicklung
<114 µW).
Vergleich des Antriebspulvers 3 mit einem Kugelpulver
Vergleich des Druckanstiegs bei hohen Pulvertemperaturen und der ballistischen Leistungsfähigkeit
mit nitroglyzerinhaltigem Vergleichspulver (Kugelpulver GD St. Marks)
[0062] System: 120 mm Drucklauf mit identischer innenballistischer Charakteristik wie der
120 mm Standardmörser M120 der US-Streitkräfte, insbesondere bezüglich Rohrlänge und
Mündungsgeometrie. Die Geschossmasse der verwendeten inerten Mörsergranate betrug
15.1 kg. Die Geschwindigkeitsmessung erfolgte mittels Dopplerradar, die Erfassung
des Spitzengasdrucks erfolgte piezoelektronisch im Bereich der Mündung. Die Resultate
der Temperaturbeschüsse der beiden Pulvertypen, durchgeführt bei Pulvertemperaturen
von 21 °C und 63 °C, sind in den folgenden Tabellen 3 und 4 zusammengestellt.
Tabelle 3
| FM 4714 |
0.1 Gew.-% Campher |
| Ladungsmasse [g] |
Pulver-Temperatur [°C] |
Geschwindigkeit [m/s] |
Spitzengasdruck [psi] |
Druckanstieg [psi] |
Druckveränderung [%] |
| 728 |
21 |
373.5 |
18643 |
2013 |
11 |
| 728 |
63 |
378.5 |
20656 |
Tabelle 4
| Vergleichspulver |
>10 Gew.-% Nitroglyzerin |
| Ladungsmasse [g] |
Pulver-Temperatur [°C] |
Geschwindigkeit [m/s] |
Spitzengas -druck [psi] |
Druckanstieg [psi] |
Druckveränderung [%] |
| 756 |
21 |
349.4 |
14659 |
2261 |
15 |
| 756 |
63 |
362.1 |
16920 |
[0063] Die Ergebnisse in den Tabellen 3 und 4 zeigen, dass bei dem Nitroglyzerin-haltigen
Vergleichspulver der Druckanstieg beim Übergang zu 63 °C deutlich höher ist als bei
dem Antriebspulver 3 (FM 4714) mit 0.1 Gew.-% Campher. Zudem liegt die Geschwindigkeit
des Vergleichspulvers bei 21 °C trotz einer um 28 g höheren Ladungsmasse ca. 25 m/s
tiefer, wodurch die Reichweite empfindlich reduziert wird.
[0064] Insgesamt zeigen Untersuchungen des Pulvers gemäss Beispiel 3, dass hier ein Pulver
mit einer besseren Leistung bei einer geringen Temperaturabhängigkeit vorliegt. Zudem
ist die Streuung bei einzelnen Messungen viel geringer als bei den anderen Pulvern,
was auf ein sehr homogenes und daher bezüglich seiner Leistungsfähigkeit konstantes
Pulver deutet.
Beispiel 4 - Anzündpulver 1 (FM 4483/21)
[0065] Ein Pulverteig gemäss Beispiel 1 wird durch eine Matrize mit 1-Lochgeometrie und
2.1 mm Strangquerschnitt gepresst (d. h. extrudiert). Die extrudierten Stränge werden
kurz an der Luft vorgetrocknet, auf die gewünschte Länge geschnitten und das so erhaltene
Grünkorn einer Feuchtlufttrocknung (wie in Bsp. 1 beschrieben) unterzogen. Anschliessend
werden 20 kg des Grünkorns auf 60 °C vorgeheizt und in eine auf 55 °C beheizte Poliertrommel
aus Kupfer transferiert. Dem Grünkorn werden 0.3 Gew.-% Graphit und 0.3 kg Ethanol
zugegeben, danach lässt man während 1 Stunde unter ständigem Drehen einwirken. Abschliessend
wird das Pulver auf Blechen ausgebreitet und während 24 Stunden bei 60 °C getrocknet.
[0066] Das resultierende Anzündpulver 1 mit der Bezeichnung FM 4483/21 hat folgende physikalische
Eigenschaften: 1.47 mm Aussendurchmesser, 1.75 mm Länge, 0.69 mm mittlere Wandstärke
und 0.10 mm Lochdurchmesser, 4393 J/g Wärmeinhalt und 1001 g/l Schüttdichte. Chemische
Stabilität: Verpuffungstemperatur = 172 °C. Wärmeflusskalorimetrie nach STANAG 4582
= 46 J/g resp. 30.2 µW (Anforderung nach Norm STANAG 4582: maximale Wärmeentwicklung
<114 µW).
Beispiel 5 - Anzündpulver 2 (FM 4483/22)
[0067] Ein Pulverteig gemäss Beispiel 1 wird durch eine Matrize mit 1-Lochgeometrie und
2.1 mm Strangquerschnitt gepresst (d. h. extrudiert). Die extrudierten Stränge werden
kurz an der Luft vorgetrocknet, auf die gewünschte Länge geschnitten, und das so erhaltene
Grünkorn einer Feuchtlufttrocknung (wie in Bsp. 1 beschrieben) unterzogen. Anschliessend
werden 20 kg des Grünkoms auf 60 °C vorgeheizt und in eine auf 55 °C beheizte Poliertrommel
aus Kupfer transferiert. Das Grünkorn wird mit 0.3 Gew.-% Graphit, 0.5 Gew.-% Campher
und 0.15 Kilo Ethanol versetzt, danach lässt man während 1 Stunde unter ständigem
Drehen einwirken. Abschliessend wird das Pulver auf Blechen ausgebreitet und während
24 Stunden bei 60 °C getrocknet.
[0068] Das resultierende Anzündpulver 2 mit der Bezeichnung FM 4483/22 hat folgende physikalische
Eigenschaften: 1.47 mm Aussendurchmesser, 1.75 mm Länge, 0.69 mm mittlere Wandstärke
und 0.10 mm Lochdurchmesser, 4343 J/g Wärmeinhalt und 995 g/l Schüttdichte. Chemische
Stabilität: Verpuffungstemperatur - 172 °C. Wärmeflusskalorimetrie nach STANAG 4582
= 52 J/g resp. 32.4 µW (Anforderung nach Norm STANAG 4582: maximale Wärmeentwicklung
<114 µW).
Vergleich der Anzündpulver 1 und 2 mit einem Kugelpulver
[0069] Vergleich des Druckanstiegs bei hohen Pulvertemperaturen durch Variation der Camphermenge
der Anzündpulver 1 und 2 und Vergleich mit eingeführtem M48-Kugelpulver.
[0070] System: 120 mm Drucklauf mit identischer innenballistischer Charakteristik wie der
120 mm Standardmörser M120 der US-Streitkräfte, insbesondere bezüglich Rohrlänge und
Mündungsgeometrie. Die Geschossmasse der verwendeten inerten Mörsergranate betrug
14.0 kg. Die Geschwindigkeitsmessung erfolgte mittels Dopplerradar, die Erfassung
des Spitzengasdrucks erfolgte piezoelektronisch im Bereich der Mündung. Der Versuch
wurde mit Ladung 4 durchgeführt, d. h. unter Verwendung von vier M234-Standardinkrementen.
Die Resultate der Temperaturbeschüsse der beiden Pulver mit Campherbeschichtungen
von 0 Gew.-% (FM 4483/21) und 0.5 Gew.-% (FM 4483/22) im Vergleich zum eingeführten
M48-Kugelpulver in der Standard-M1020 Anzündpatrone, durchgeführt bei Pulvertemperaturen
von 21 °C und 63 °C, sind in den folgenden Tabellen 5, 6 und 7 zusammengestellt.
Tabelle 5
| FM 4483/21 |
0 Gew.-% Campher |
| Ladungsmasse [g] |
Pulver-Temperatur [°C] |
Geschwindigkeit [m/s] |
Spitzengasdruck [psi] |
Druckanstieg [psi] |
Temperaturkoeffizient |
| 60.9 |
21 |
320.9 |
13150 |
1708 |
1.13 |
| 60.9 |
63 |
328.8 |
14858 |
Tabelle 6
| FM 4483/22 |
0.5 Gew.-% Campher |
| Ladungsmasse [g] |
Pulver-Temperatur [°C] |
Geschwindigkeit [m/s] |
Spitzengasdruck [psi] |
Druckanstieg [psi] |
Temperaturkoeffizient |
| 62.8 |
21 |
318.5 |
12139 |
1933 |
1.16 |
| 62.8 |
63 |
326.4 |
14072 |
Tabelle 7
| M48 Kugelpulver |
| Pulver-Temperatur [°C] |
Geschwindigkeit [m/s] |
Spitzengasdruck [psi] |
Druckanstieg [psi] |
Temperatur-koeffizient |
| 21 |
322.4 |
13650 |
2284 |
1.17 |
| 63 |
329.7 |
15934 |
[0071] Man erkennt, dass die Anwesenheit von 0.5 Gew.-% Campher im erfindungsmässigen Anzündpulver
2 den Spitzengasdruck bei 21 °C reduziert, was für gewisse Anwendungen vorteilhaft
sein kann. Allerdings zeigt das Anzündpulver 2 mit 0.5 Gew.-% Campher einen höheren
Druckanstieg als dasjenige ohne Campher. Je nach Anwendung ist somit ein genaues Abwägen
der optimalen Camphermenge vorzunehmen, damit die von der Anwendung vorgegebenen Systemanforderungen
bestmöglich erfüllt werden können. Zudem erkennt man, dass beim eingeführten M48-Kugelpulver
bei 21 °C der höchste Gasdruck resultiert. Der Druckanstieg von 21 °C auf 63 °C ist
beim eingeführten Kugelpulver M48 mit ca. 2300 psi im Vergleich zu den beiden erfindungsgemässen
Anzündpulvern 1 und 2 deutlich höher.
[0072] Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die erfindungsgemässen nitrocellulosehaltigen
Pulver als Antriebspulver oder Anzündpulver, welche einen kristallinen Energieträger
auf Nitramin-Basis und einen anorganischen Mündungsfeuerdämpfer enthalten, und geringe
Mengen eines inerten plastifizierenden Zusatzstoffs an der Oberfläche aufweisen, zur
Beschleunigung von Geschossen für Mörsersysteme eignen, dabei ein temperaturunabhängiges
Verhalten zeigen und somit unabhängig von klimatischen Bedingungen eingesetzt werden
können.
1. Pulver als Antriebspulver oder Anzündpulver zur Beschleunigung von Geschossen für
Mörsersysteme, welches auf Nitrocellulose basiert und einen kristallinen Energieträger
auf Nitramin-Basis in 1-30 Gew.-% und einen anorganischen Mündungsfeuerdämpfer enthält,
wobei das Pulver in Form von Körnern vorliegt, und die Körner an ihrer Oberfläche
einen inerten plastifizierenden Zusatzstoff aufweisen, wobei der anorganische Mündungsfeuerdämpfer
in 0.1-10 Gew.-% vorliegt, dadurch gekennzeichnet, dass der inerte plastifizierende Zusatzstoff Campher ist und in 0.01 - 1 Gew.-% vorliegt.
2. Pulver nach der Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem kristallinen Energieträger auf Nitramin-Basis um mindestens eine
Verbindung aus der Gruppe umfassend Hexogen (RDX) und Oktogen (HMX) handelt.
3. Pulver nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der kristalline Energieträger in 5 - 25 Gew.-% vorliegt.
4. Pulver nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem anorganischen Mündungsfeuerdämpfer um mindestens eine Verbindung
aus der Gruppe umfassend Kaliumnitrat und Kaliumsulfat handelt.
5. Pulver nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der anorganische Mündungsfeuerdämpfer in 0.1-5 Gew.-% vorliegt.
6. Pulver nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der inerte plastifizierende Zusatzstoff in 0.01-0.1 Gew.-% vorliegt.
7. Pulver nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Körner eine kreiszylindrische Geometrie und in axialer Richtung verlaufende Längskanäle
haben.
8. Verfahren zur Herstellung eines Pulvers als Antriebspulver oder Anzündpulver nach
einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
a) ein lösungsmittelhaltiger Pulverteig auf der Basis von Nitrocellulose und einem
kristallinen Energieträger auf Nitramin-Basis in 1-30 Gew.-%, und einem anorganischen
Mündungsfeuerdämpfer hergestellt wird,
b) durch Extrudieren des lösungsmittelhaltigen Pulverteigs ein Grünkorn hergestellt
wird,
c) das Lösungsmittel aus dem Grünkorn entfernt wird,
d) das Grünkorn mit einem inerten plastifizierenden Zusatzstoff oberflächenbehandelt
wird, und
e) das oberflächenbehandelte Grünkorn getrocknet wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Lösungsmittel aus dem Grünkorn mittels Feuchtluftverfahren entfernt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Trocknen des oberflächenbehandelten Grünkorns ein Finishing erfolgt.
1. A powder, as propulsion powder or ignition powder for accelerating projectiles for
mortar systems, which is based on nitrocellulose and comprises a crystalline, nitramine-based
energetic material at 1-30 wt% and an inorganic muzzle flash suppressor, the powder
being present in the form of grains, and the grains having on their surface an inert
plasticizing additive, wherein the inorganic muzzle flash suppressor is present at
0.1-10 wt% and, characterized in that the inert plasticizing additive is camphor and is present at 0.01-1 wt%.
2. The powder as claimed in claim 1, characterized in that the crystalline, nitramine-based energetic material comprises at least one compound
from the group encompassing hexogen (RDX) and octogen (HMX).
3. The powder as claimed in any of claims 1 or 2, characterized in that the crystalline energetic material is present at 5-25 wt%.
4. The powder as claimed in any of claims 1 to 3, characterized in that the inorganic muzzle flash suppressor comprises at least one compound from the group
encompassing potassium nitrate and potassium sulfate.
5. The powder as claimed in any of claims 1 to 4, characterized in that the inorganic muzzle flash suppressor is present at 0.1-5 wt%.
6. The powder as claimed in any of claims 1 to 5, characterized in that the inert plasticizing additive is present at 0.01-0.1 wt%.
7. The powder as claimed in any of claims 1 to 6, characterized in that the grains have a circular-cylindrical geometry and have lengthwise channels running
in the axial direction.
8. A method for producing a powder as propulsion powder or ignition powder as claimed
in any of claims 1 to 7,
characterized in that
a) a solvent-containing powder dough based on nitrocellulose and on a crystalline,
nitramine-based energetic material at 1-30 wt%, and on an inorganic muzzle flash suppressor,
is produced,
b) a green grain is produced by extrusion of the solvent-containing powder dough,
c) the solvent is removed from the green grain,
d) the green grain is optionally surface-treated with an inert plasticizing additive,
and
e) the optionally surface-treated green grain is dried.
9. The method as claimed in claim 8, characterized in that the solvent is removed from the green grain by means of humid air methods.
10. The method as claimed in either of claims 8 and 9, characterized in that the drying of the surface-treated green grain is followed by finishing.
1. Poudre servant de poudre propulsive ou de poudre d'allumage pour l'accélération de
projectiles destinés à des mortiers, qui est à base de nitrocellulose et contient
une source d'énergie cristalline à base de nitramine en une quantité de 1 à 30 % en
poids et un antilueur inorganique, la poudre se présentant sous forme de grains, et
les grains présentant sur leur surface un additif plastifiant inerte, l'antilueur
inorganique étant présent en une quantité de 0,1 à 10 % en poids, caractérisée en ce que l'additif plastifiant inerte est le camphre et est présent en une quantité de 0,01
à 1 % en poids.
2. Poudre selon la revendication 1, caractérisée en ce que, pour ce qui concerne la source d'énergie cristalline à base de nitramine, il s'agit
d'au moins un composé du groupe comprenant l'hexogène (RDX) et l'octogène (HMX).
3. Poudre selon l'une des revendications 1 ou 2, caractérisée en ce que la source d'énergie cristalline est présente en une quantité de 5 à 25 %.
4. Poudre selon l'une des revendications 1 à 3, caractérisée en ce que, pour ce qui concerne l'antilueur inorganique, il s'agit d'au moins un composé du
groupe comprenant le nitrate de potassium et le sulfate de potassium.
5. Poudre selon l'une des revendications 1 à 4, caractérisée en ce que l'antilueur inorganique est présent en une quantité de 0,1 à 5 % en poids.
6. Poudre selon l'une des revendications 1 à 5, caractérisée en ce que l'additif plastifiant inerte est présent en une quantité de 0,01 à 0,1 % en poids.
7. Poudre selon l'une des revendications 1 à 6, caractérisée en ce que les grains ont une géométrie cylindrique circulaire et des canaux longitudinaux courant
dans la direction axiale.
8. Procédé de fabrication d'une poudre servant de poudre propulsive ou de poudre d'allumage
selon l'une des revendications 1 à 7,
caractérisé en ce que
a) on fabrique une pâte de poudre contenant un solvant, à base de nitrocellulose et
d'une source d'énergie cristalline à base de nitramine en une quantité de 1 à 30 %
en poids et d'un antilueur inorganique,
b) par extrusion de la pâte de poudre contenant un solvant, on fabrique un grain vert,
c) on élimine le solvant du grain vert,
d) on soumet à un traitement de surface le grain vert avec un additif plastifiant
inerte, et
e) on sèche le grain vert traité en surface.
9. Procédé selon la revendication 8, caractérisé en ce que le solvant est éliminé du grain vert par un procédé à l'air humide.
10. Procédé selon l'une des revendications 8 à 9, caractérisé en ce qu'on procède à une finition après le séchage du grain vert traité en surface.