[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Ausbringen eines Explosivstoffs
aus einem großformatigen Kampfmittel in Form einer Abwurfmunition o.ä., und eine Vorrichtung
zu dessen Umsetzung.
[0002] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung von dem Begriff der "großformatigen Kampfmittel"
über Abwurfmunition hinaus auch für Raketen, Grundminen oder Torpedos verwendet. Alle
diese Kampfmittel zeichnen sich bei großer Masse und einem hohen Gehalt von darin
enthaltenen Explosivstoffen durch eine längliche und i.d.R. längssymmetrische Form
aus. In gewisser Weise können alle der vorstehend genannten Formen von Kampfmitteln
im Zuge von Kampfhandlungen auch abgeworfen werden, so dass nachfolgend die Begriffe
"großformatiges Kampfmittel" und "Abwurfmunition" auch synonym verwendet werden.
[0003] Aus dem Stand der Technik sind diverse Ansätze zum Ausbringen eines Explosivstoffs
aus einem großformatigen Kampfmittel im Zuge einer Delaborierung zur vollständigen
Kampfmittelbeseitigung bekannt. Aufgrund der mit ca. 60°C bis etwa 85°C vergleichsweise
niedrigen Schmelzpunkte sind bekannte Explosivstoffe anfänglich durch Erwärmen der
Kampfmittel in einem Wasserbad oder durch Wasserdampf verflüssigt und nachfolgend
aus einer metallischen Umhüllung des geöffneten Kampfmittels ausgetragen bzw. ausgegossen
worden.
[0004] Ein Verfahren mit einer Vorrichtung zur Minimierung der Gefährdung von Menschen und
Material sowie zur Senkung der Kosten ist z.B. in der
DE 101 29 016 A1 offenbart. Hier wird eine metallische Umhüllung des Kampfmittels an einem größten
Querschnitt eines mit Explosivstoff gefüllten Innenraums der Umhüllung aufgetrennt.
Die Teile des zerschnittenen Kampfmittels werden dann über ein temperiertes Wasserbad
oder trocken in einem Ofen induktiv soweit erwärmt, dass ein Block aus Explosivstoff
zumindest in einem Kontaktbereich mit der Umhüllung an- oder aufgeschmolzen ist und
der Block aus Explosivstoff in Richtung des größten Querschnitts aus der Umhüllung
unter Wirkung der Schwerkraft herausrutschen oder herausgestoßen werden kann. Eine
Kontamination von Hilfsstoffen, wie z.B. Wasser oder Wasserdampf, konnte damit vermieden
werden.
[0005] Aus der
WO 2014 054 007 A1 ist ein Verfahren zum Entleeren von explosivem Material aus einer Munitionshülle
bekannt mit den Schritten:
* Bilden einer ausreichend großen Öffnung durch Auftrennen an einem Ende der metallischen
Umhüllung des Kampfmittels, z.B. durch Entfernen eines Bodens;
* Entlüften des gegenüberliegenden Endes der Umhüllung,
* Aufhängen der Umhüllung an dem gegenüberliegenden Ende und
* Erwärmen der Umhüllung durch Leiten eines hochfrequenten Wechselstroms durch eine
die Umhüllung nach Art eines Ofens umgebende Induktionsspule,
* wobei der Umhüllung Wärme zugeführt wird, um das explosive Material soweit zu erweichen,
dass es unter der Wirkung der Schwerkraft aus der Umhüllung herausfällt.
[0006] Bekannte Ansätze sind augenscheinlich nur für Kampfmittel in Form von Granaten kleinerer
Kaliber konzipiert worden. Granaten weisen ein gegenüber Abwurfmunition vergleichsweise
geringes Gewicht bei kleinerem Kaliber auf und enthalten auch deutlich geringere Mengen
an explosiven Materialien. Schon von daher sind die Ansätze für eine Anwendung auf
großformatige Kampfmittel, wie insbesondere Abwurfmunition, wenig geeignet. Für die
Beseitigung großformatiger Abwurfmunition wird heute nach einer Entschärfung regelmäßig
ein mechanisches Zersägen des auch mehr als 1 m langen Kampfmittels mit ca. 12 bis
zu über 20 Schnitten vorgesehen, üblicherweise unter Verwendung einer Bandsäge. So
werden mit einem Explosivstoff gefüllte Scheiben als Abschnitte der Umhüllung erhalten,
die in einzelnen Portionen unter Einhaltung maximaler Abmessungen und einer Höchstfüllmenge
in einem Hochtemperaturofen thermisch entsorgt werden können. Dieser Vorgang ist unter
genauer Beachtung von Gefahrgut- und Umweltschutzvorgaben durchzuführen. Ein solcher
Prozess einer Beseitigung kann schon für das Zerschneiden etwa zwei bis drei Tage
in Anspruch nehmen. Ein bekannter Hochtemperaturofen benötigt schon aufgrund von restriktiven
Mengenbeschränkungen auf ca. 1 kg Explosivstoff je Brennvorgang für die anschließende
Verbrennung mit Nachbehandlung der Abgase ca. 1 Woche. Alternativ dazu werden aber
auch heute Kampfmittel nach ihrer Entschärfung einfach gesprengt, ohne dass dabei
besondere Umweltschutzauflagen eingehalten werden könnten. Gemäß der Lehre der
DE 41 40 001 C1 wird eine geöffnete Umhüllung eines Kampfmittels nach einem Verflüssigen des enthaltenen
Explosivstoffs durch Erhitzen gasdicht mit einem Auffangbehälter verbunden. Beim Entleeren
können damit keine Anteile des Explosivstoffs entweichen.
[0007] Die vorliegende Erfindung hat die Aufgabe, eine bekannte Vorrichtung weiterzubilden,
um damit auch ein entsprechendes Verfahren unter Erschließung weiterer Kosten- und
Effizienz-Potentiale bei erhöhter Sicherheit und vereinfachter Handhabung großformatiger
Kampfmittel zu schaffen.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Schritte des Verfahrens von Anspruch
1 und durch die Merkmale der Vorrichtung von Anspruch 11 gelöst. Die Erfindung betrifft
ein Verfahren zum Ausbringen eines Explosivstoffs oder einer Mischung mehrerer Explosivstoffe
aus einer Umhüllung eines großformatigen Kampfmittels, insbesondere einer Abwurfmunition,
mit Auftrennen der Umhüllung in einem Bereich eines maximalen Durchmessers, wobei
das Kampfmittel an einem Übergang in einen zylindrischen Abschnitt geschnitten und
die eine sich ergebende Öffnung des Abschnitts über einem Aufnahmeraum in einer Einrichtung
gehalten wird, die eine Ausnehmung aufweist, wobei die Umhüllung des Abschnitts von
einer Induktionsspule überfahren und eine induktive Erwärmung überwacht wird, um den
Explosivstoff zum Ausbringen aus der metallischen Umhüllung ausreichend thermisch
zu erweichen und durch die Ausnehmung hindurch definiert in den Aufnahmeraum zu verbringen.
Ein erfindungsgemäßes Verfahren umfasst demnach über ein Zerteilen des Kampfmittels
in einem Bereich eines maximalen Durchmessers hinaus folgende Schritte:
- Schneiden des Kampfmittels an einem Übergang in einen zylindrischen Abschnitt;
- Fixieren des sich so ergebenden Abschnitts senkrecht mit einer nach unten hin orientierten
Öffnung bzw. Schnittfläche in einer eine Ausnehmung aufweisenden Einrichtung über
einem Aufnahmeraum;
- Überfahren einer Induktionsspule zum überwachten thermischen Erweichen des in Kontakt
mit der metallischen Umhüllung stehenden Explosivstoffs durch induktive Erwärmung
soweit, dass es zum Ausbringen des Explosivstoffs aus der Umhüllung ausreichend ist
und
- ein mittels eines in einem Ausgangszustand in der Ausnehmung angeordneten Absenktellers
definiertes und daher erschütterungsfreies Verbringen des Explosivstoffs durch die
Ausnehmung hindurch in den Aufnahmeraum unter Einwirkung der Schwerkraft.
[0009] Damit wird ein von seiner Größe und Masse an Explosivstoff her kaum sicher handhabbares
großformatiges Kampfmittel erfindungsgemäß in mindestens zwei Teile geschnitten. Diese
Teile sind gegenüber Granaten weiterhin vergleichsweise groß und werden von einer
Induktionsspule an der metallischen Umhüllung soweit gezielt und durch eine auf einer
Überwachung des Induktionsverfahrens aufbauenden Regelung durch induzierte Ströme
erwärmt, so dass ein angrenzender Explosivstoff soweit erweicht wird, dass der Explosivstoff
durch eine Öffnung hin aus der Umhüllung heraus definiert in einen Aufnahmeraum verbracht
werden kann. Das Verfahren zielt also durch das Erweichen darauf ab, dass nur eine
dünne Schicht das Explosivstoffs in einen gleitfähigen Zustand versetzt wird, um den
Explosivstoff von einer Innenwandung der Umhüllung unter Einwirkung der Schwerkraft
trennen bzw. lösen zu können.
[0010] Eine neuartige Art der Erwärmung wird durch eine punkt-, linien- oder auf einen kleineren
Bereich der Umhüllung beschränkte, induktiv bewirkte Erwärmung einer Grenzschicht
des Explosivstoffs über die Umhüllung mit dem Ziel einer ausreichenden thermischen
Erweichung des über diese Grenzschicht in Kontakt mit der Umhüllung stehenden Explosivstoffs
vorgeschlagen. Aufgrund einer generell guten Wärmeleitfähigkeit der i.d.R. aus einem
Eisenmaterial bestehenden Umhüllung des Kampfmittels kann schon nach einem Zyklus
mit einem mehr oder weniger vollständigen Überfahren der Umhüllung durch einen nachfolgend
noch konkret anhand von Ausführungsbeispielen beschriebenen Induktors eine deutliche
und recht homogene Erwärmung der Umhüllung erzielt werden, die eine thermische Erweichung
des an die Umhüllung angrenzenden Explosivstoffs hervorruft. Sollte zwischen der Umhüllung
und dem Explosivstoff in der Grenzschicht ein Phlegmatisator, z.B. Paraffin, Kreatin
o.ä., verwendet worden sein, so erweicht sich auch dieser in dem genannten Temperaturfenster
ausreichend.
[0011] Zudem wird der zumindest erweichte Explosivstoff nicht mehr aus der geöffneten Umhüllung
unkontrolliert herausrutschen oder herunterfallen gelassen, sondern insbesondere zur
Vermeidung von Schlageinwirkungen oder Erschütterungen definiert in einen Aufnahmeraum
verbracht. Unter einer definierten Verbringung wird im Rahmen dieser Erfindung insbesondere
ein so weitgehend als möglich von Erschütterungen freier Transport verstanden. Eine
Schlageinwirkung auf den Explosivstoff ist damit erfindungsgemäß ausgeschlossen. Es
ist gerade bei Abwurfmunition als wichtig erkannt worden, Maßnahmen gegen möglichst
jede Art der mechanischen Beanspruchung des Explosivstoffs zu ergreifen, da z.B. Alterungserscheinungen
und/oder chemische Veränderungen eine mechanische und/oder chemische Instabilität
des Explosivstoffs bewirkt haben können. Durch undefinierbare mechanische Beanspruchungen
könnte eine Umsetzung des Explosivstoffs hervorgerufen werden.
[0012] Dementsprechend bildet eine Vorrichtung zum Ausbringen von Explosivstoffen aus einer
Umhüllung eines großformatigen Kampfmittels, insbesondere einer Abwurfmunition, eine
Lösung der vorstehend genannten Aufgabe, wobei die Vorrichtung eine Einrichtung umfasst,
die mit einer Ausnehmung versehen über an einem den Explosivstoff angepassten Aufnahmeraum
angeordnet ist, und die Einrichtung zur fixierenden Aufnahme eines Abschnitts eines
Kampfmittels ausgebildet ist, sowie einen Roboterarm mit einer Induktionsspule, der
zum berührungslosen Überfahren einer Oberfläche des Abschnitts und definierten Verbringung
des entnommenen Sprengstoffs in einen Aufnahmeraum ausgebildet ist. Damit verzichtet
die beschriebene Vorrichtung auf einen geschlossenen Induktionsofen und zeigt damit
bei erhöhter Effizienz und Betriebssicherheit einen sehr kompakten Aufbau.
[0013] Ein Kern einer solchen Vorrichtung ist die Konzentration auf eine im Wesentlichen
linienförmige oder kleinflächige induktive Erwärmungszone auf der Umhüllung, die durch
die durch den Roboterarm gebildeten Positionierungseinheit oberflächlich über die
Umhüllung des betreffenden Abschnitts bewegt wird. Eine derartige Induktionsvorrichtung
weist insgesamt weniger Gewicht als ein das Kampfmittel umschließender induktiver
Erwärmungsofen auf, der i.d.R. für jede Bauform eines großformatigen Kampfmittels
passend anzufertigen und bereitzustellen ist. Eine erfindungsgemäße Lösung weist durch
Einsatz eines Roboterarms zudem den Vorteil einer einfachen und grundsätzlich an jede
Bauform großformatiger Kampfmittel flexibel anpassbaren Vorrichtung vergleichsweise
geringer Abmessung und verminderten Gewichts auf. In einer Ausführungsform der Erfindung
sind diverse Bauformen von Induktoren mit voneinander abweichenden Durchmessern vorgesehen,
die schnell an dem Roboterarm auswechselbar sind. Eine derartige Vorrichtung kann
als transportable Einheit ausgeführt mit geringem Aufwand mobil an nahezu jeden Ort
verbracht werden.
[0014] Ein weiterer Kern der erfindungsgemäßen Vorrichtung liegt darin, dass hier konkrete
Mittel zum definierten Verbringen des Explosivstoffs vorgesehen sind, da ein in einem
Ausgangszustand in der Ausnehmung angeordneter Absenkteller zur definierten Überführung
des Explosivstoffs in den Aufnahmeraum verwendet wird. Der Explosivstoff steht damit
in einer Ausgangsposition mit einer Schnittfläche also im Wesentlichen lotrecht auf
dem Absenkteller. Dieses Sicherheitsmittel fügt sich vorteilhafterweise nahtlos in
eine Haltevorrichtung für einen Abschnitt eines Kampfmittels ein, ohne einen Erwärmungsvorgang
stören zu können. Neben einem Erreichen einer Mindesttemperatur der Umhüllung und
damit durch Wärmeleitung auch angrenzender Bereiche des Explosivstoffs zum ausreichenden
Erweichen desselben oder einer Grenzschicht kann nun z.B. in einer Ausführungsform
der Erfindung auch eine Zunahme einer auf den Absenkteller einwirkenden Gewichtskraft,
die durch ein Lösen des Explosivstoffs aus der radial fixierten Umhüllung hervorgerufen
wird, als Regelgröße zum definierten vorsichtigen Absenken des Absenktellers in den
Aufnahmeraum hinein verwendet werden. Erschütterungen durch sogar ein Herabfallen
des Explosivstoffs und damit einhergehenden Gefahren etwaiger Schlageinwirkungen werden
damit effektiv vermieden. Damit wird eine Betriebssicherheit einer Vorrichtung deutlich
erhöht. Vorteilhafte Weiterbildungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche. Demnach
wird in einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung die sich durch die Schnittebene
ergebende Öffnung des Abschnitts mit ihrer Symmetrie- bzw. Mittelachse parallel zur
Wirkungsrichtung der Schwerkraft über der Ausnehmung in der Vorrichtung und über dem
Aufnahmeraum gehalten, also lot- bzw. senkrecht. Damit kann sich der Explosivstoff
durch sein Gewicht rein unter Wirkung der Schwerkraft senkrecht aus der Umhüllung
herauslösen.
[0015] Vorteilhafterweise wird als Trennebene ein Übergang der Umhüllung in einen zylindrischen
Abschnitt mit maximalem Durchmesser gewählt, sodass größere Hinterschneidungen in
einem Innenraum der Umhüllung vermieden werden, die ein frühzeitiges Herausrutschen
des darin enthaltenen Explosivstoffs behindern oder verzögern könnten. Vorzugsweise
werden zwei Trennebenen zur Bildung von drei Abschnitten eines Kampfmittels verwendet.
Damit ergeben sich aus einem Kampfmittel regelmäßig ein zylindrischer Abschnitt und
zwei kegelstumpfförmige Abschnitte der Endbereiche deutlich reduzierten Gewichts,
die in angepasster Weise zur Entfernung des jeweils darin enthaltenen Explosivstoffs
behandelt werden.
[0016] In einer Ausführungsform der Erfindung wird eine einem jeweiligen Typ des Kampfmittels
sowie einer Art eines Abschnitts angepasste Induktionsspule verwendet. Damit ist eine
optimale Anpassung an eine jeweilige Form eines Abschnitts der Umhüllung bei Minimierung
eines Abstandes einer jeweiligen Induktionsspule zu einer Oberfläche der Umhüllung
zur Intensivierung und Optimierung der Einwirkung der magnetischen Induktion gegeben.
Auch kann so eine Anpassung in elektrischer Hinsicht durch diese auswechselbaren Induktionsspulen
realisiert werden.
[0017] In einer wesentlichen Weiterbildung der Erfindung wird eine Induktionsspule dazu
benutzt, in eine Aufnahme für einen Detonator linear eingeführt zu werden. Durch diesen
Verfahrensschritt wird eine gezielte induktive Erwärmung der Aufnahmen erreicht, die
im Zuge der vorstehend beschriebenen Verwendung einer auf eine metallische Hülle angepassten
Induktionsspule sonst nur unzureichend erwärmt werden könnte. Hierdurch könnte eine
Entnahme des enthaltenen Explosivstoffs behindert werden.
[0018] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die mindestens eine Induktionsspule
unter Verwendung eines Roboterarms positioniert. Schon unter Verwendung eines zwei
oder drei Achsen aufweisenden Roboterarms kann jeder Punkt an einer Außenkontur der
jeweiligen Umhüllung schnell, berührungsfrei und genau erreicht werden. Derartige
Roboterarme sind heute in den beschriebenen Anforderungen angepasster Größe und mechanischer
Belastbarkeit mit entsprechenden Steuerungs- und Regelungsvorrichtungen schon verbreitet
am Markt erhältlich. Vorzugsweise wird eine Führung der Induktionsspule über eine
Kamera überwacht und geregelt. Hierdurch kann die Induktionsspule berührungsfrei und
unter möglichst geringem Abstand einer jeweiligen Außenkontur folgend über die Umhüllung
bewegt werden. Hierdurch können eine induktive Erwärmung und auch ein Einsatz elektrischer
Energie optimiert werden. Durch diese Regelung ist es zudem möglich, im Fall einer
Verformung der Umhüllung eine induktive Erwärmung soweit zu verstärken bzw. zu erhöhen,
dass ein Verklemmen des Explosivstoffs in der Umhüllung des Abschnitts des Kampfmittels
verhindert wird.
[0019] In einer Ausführungsform der Erfindung wird eine jeweilige Oberflächentemperatur
über Wärme- oder Wärmebild-Sensoren erfasst. Dadurch ist eine Temperatur auch aus
einem sicheren Abstand schnell und berührungsfrei messbar. Ein Überfahren insbesondere
unzureichend erwärmter Regionen kann damit bis zum Erreichen eines Zielwertes des
Abschnitts wiederholt werden. Vorteilhafterweise ist eine Sensorik vorgesehen, die
durch rechtzeitige Abschaltung der induktiven Erhitzung ein Erreichen oder gar Überschreiten
einer kritischen Temperatur sicher verhindert. Eine Überhitzung mit der Gefahr einer
Umsetzung des Explosivstoffs wird damit sicher verhindert.
[0020] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Ausbringen eines Explosivstoffs aus einer Umhüllung
eines großformatigen Kampfmittels, wie eine Abwurfmunition, weist zur Umsetzung des
erfindungsgemäßen Verfahrens einen Roboterarm mit einer Induktionsspule sowie Mittel
zum definierten Verbringen des Explosivstoffs aus der Umhüllung in den Aufnahmeraum
auf. Die Mittel zum definierten Verbringen des Explosivstoffs sind als ein mit der
Ausnehmung in der Einrichtung korrespondierender Absenkteller ausgebildet, der in
den Aufnahmeraum hinein absenkbar ist.
[0021] Vorzugsweise weist die Einrichtung radial verschiebliche Klemmbacken zur Fixierung
eines jeweiligen Abschnitts des Kampfmittels auf. Die Klemmbacken geben eine Öffnung
frei, durch die der Explosivstoff auch rein unter Wirkung der Schwerkraft aus der
Umhüllung heraus unter definierter Führung in eine Auffangkammer gleiten kann. Damit
löst sich der Explosivstoff also aus der Umhüllung und wird auf dem Absenkteller stehend
definiert langsam und erschütterungsfrei in Richtung der Schwerkraft in den Aufnahmeraum
hinein abgesenkt. Besonders bevorzugt ist, dass der Aufnahmeraum mit einem Verpackungsmaterial
zum Umschließen des Explosivstoffs ausgekleidet ist. Eine direkte Verpackung des Explosivstoffs
in dem Aufnahmeraum mindert u.a. die Gefahr, dass feste oder verflüssigte Bestandteile
des Explosivstoffs in die Umwelt austreten können.
[0022] Nachfolgend werden weitere Merkmale und Vorteile erfindungsgemäßer Ausführungsformen
unter Bezugnahme auf Ausführungsbeispiele anhand der Zeichnung näher erläutert. Darin
zeigen in schematischer Darstellung:
- Figur 1:
- eine Schnittdarstellung eines Kampfmittels unter Andeutung zweier Schnittebenen;
- Figur 2:
- eine dreidimensionale Darstellung eines Verfahrens anhand des Kampfmittels von Figur
1
- Figur 3:
- eine Schnittdarstellung in einer Ebene III-III von Figur 2 und
- Figur 4:
- eine Schnittdarstellung analog der Darstellung von Figur 2 mit Details zu Mitteln
zum definierten Verbringen des Explosivstoffs aus einer Umhüllung in einen Aufnahmeraum.
[0023] Über die verschiedenen Abbildungen hinweg werden für gleiche Elemente oder Verfahrensschritte
stets die gleichen Bezugszeichen verwendet. Ohne Beschränkung der Erfindung wird nachfolgend
nur ein Einsatz anhand einer großformatigen Abwurfmunition in Form einer nur schematisch
wiedergegebenen dünnwandigen 1000 lb Bombe britischer Bauart dargestellt und beschrieben.
Es ist aber für den Fachmann offensichtlich, dass in gleicher Weise auch eine Anpassung
auf andere Bauformen großformatiger Kampfmittel, wie Bomben, Granaten, Raketen oder
Torpedos möglich ist, die allesamt an ihren Umhüllungen einen Übergang in einen längssymmetrischen
oder gar zylindrischen Abschnitt mit einem maximalen Durchmesser aufweisen.
[0024] Figur 1 zeigt eine Schnittdarstellung eines Kampfmittels 1, das um eine Mittelachse
M rotationssymmetrisch ausgebildet ist. Ein durch Befestigungsschrauben an einer metallischen
Umhüllung 2 fixiertes Leitwerk L mit Stützblechen, einem Windrad und sonstigen mechanischen
Bestandteilen sind hier bereits demontiert, wie durch die gestrichelten Linien angedeutet.
Auch werden Aufhängeösen A zuvor von der Umhüllung 2 des Kampfmittels 1 entfernt.
Aus dem verbleibenden Kampfmittel 1 sind die Detonatoren D sowie beispielsweise mit
dem Initialsprengstoff Tetryl gefüllte Übertragungsladungen auch schon entnommen worden,
so dass ein Explosivstoff 3 aus einem TNT-Gemisch in einer Umhüllung 2 noch durch
Halter für einen Detonator und Buchsen für eine Übertragungsladung von der Umgebung
getrennt ist.
[0025] Die Umhüllung 2 umfasst einen zylindrischen Abschnitt 4 mit einem für den vorliegenden
Typ von Kampfmittel typischen maximalen Durchmesser von 38 cm bis ca. 42 cm, der endseitig
jeweils in kegelstumpfförmige Endbereiche 5 ausläuft. An Übergangsstellen des zylindrischen
Abschnitts 4 in die kegelstumpfförmigen Endbereiche 5 sind in Figur 1 zwei Schnittebenen
S angedeutet. Da der Explosivstoff 3 durch die Halter für die Detonatoren D sowie
die anschließenden Buchsen 2a für Übertragungsladungen von der Umgebung getrennt ist,
reicht ein Schnitt alleine i.d.R. nicht aus, um den Explosivstoff 3 nach ausreichendem
thermischem Erweichen aus der Umhüllung 2 herausrutschen zu lassen. Hierfür wäre ggf.
eine zusätzliche Entlüftungsöffnung notwendig. Diese zusätzliche Entlüftungsöffnung
kann aber z.B. durch Entnahme einer der Schnittebene S gegenüberliegende Buchse 2a
gebildet werden. Bevorzugt wird es jedoch, in der in Figur 2 angedeuteten Weise in
einer zweiten Ebene S zu schneiden, so dass nun mit zwei Schnittebenen S an Übergangsstellen
des zylindrischen Abschnitts 4 in die kegelstumpfförmigen Endbereiche 5 drei Abschnitte
des Kampfmittels 1 gebildet werden, die separat voneinander gemäß dem nachfolgend
beschriebenen Verfahren von dem jeweils darin enthaltenen Explosivstoff 3 getrennt
werden.
[0026] Figur 2 stellt Schritte eines Ausführungsbeispiels eines Verfahrens in einer dreidimensionalen
Darstellung anhand des Kampfmittels 1 von Figur 1 in einem Ausführungsbeispiel einer
Vorrichtung V dar. Nach dem Abschneiden eines oder beider kegelstumpfförmigen Endbereiche
5 wird der zylindrische Abschnitt 4 senkrecht auf eine Einrichtung 6 gestellt und
derart fixiert, dass die Mittel- und Symmetrieachse dieses Abschnitts 4 sich im Zentrum
der Einrichtung 6 befindet. Hierzu sind auf der als Teller ausgebildeten Einrichtung
6 radial 3 bis 4 in radialer Richtung verschiebliche Klemmbacken 7 vorgesehen, die
auch einer Anpassung der beschriebenen Vorrichtung V an größere oder kleinere Durchmesser
DM der Umhüllung 2 eines jeweiligen Kampfmittels 1 dienen. Diese Klemmbacken 7 sind
so ausgebildet, dass die in der Schnittebene S liegende Öffnung des zylindrischen
Abschnitts 4 in der Einrichtung 6 zentriert fixierbar ist.
[0027] Die Vorrichtung V umfasst weiterhin einen Roboterarm 8 mit einer Induktionsspule
9. Der Roboterarm 8 ist zum berührungslosen Überfahren einer Oberfläche des Abschnitts
5 ausgebildet. Insbesondere regelt eine Regelung des Roboterarms 8 stets einen ausreichenden
Abstand der Induktionsspule 9 zu einer Oberfläche der jeweiligen Umhüllung 2 ein und
gleicht dabei auch etwaige Unrundheiten oder einen Achsversatz aus, d.h. einen Versatz
der Mittelachse M gegenüber einer Mittelachse der Einrichtung 6 oder eine Winkelabweichung
durch ein leicht verkipptes Einsetzen des zu behandelnden Abschnitts in der Einrichtung
6. Dazu umfasst der Roboterarm 8 im vorliegenden Ausführungsbeispiel mindestens drei
Achsen, wobei heutige Standard-Roboter i.d.R. als 6-Achs-Roboter ausgeführt sind.
Es können aber einem jeweiligen Anwendungsfall entsprechend angepasste Roboterarme
8 anderer Bauarten vorgesehen werden, wie z.B. ein 2-achsiger Roboterarm 8 mit linearem
Schiebelager, oder aber ein Roboterarm 8 mit einem gekrümmt statt linear verschieblichen
Teil-Arm. Hierdurch können Gewicht und Bauraum eingespart werden, was beispielsweise
bei einer Auslegung einer Vorrichtung V als mobil z.B. an verschiedenen Standorten
nutzbare Anlage wichtig sein kann.
[0028] In jedem Fall wird die mit einem hochfrequenten Strom HF gespeiste Induktionsspule
9 durch den Roboterarm 8 in einem möglichst geringen Abstand d unter Überwachung durch
eine nicht weiter dargestellte Kameraeinrichtung über die Oberfläche der metallischen
Umhüllung 2 des Abschnitts 4 geführt. Durch die Induktionsspule 9 fließt ein Strom
von ca. 60 A bei einer Spannung von etwa 100 V und einer Frequenz von ca. 6 bis etwa
10 kHz, was z.B. in Abhängigkeit einer jeweiligen Wandstärke der vorliegenden Umhüllung
2 zur Erzeugung einer optimalen Eindringtiefe von induzierten Wirbelströmen einstellbar
ist. Eine Erwärmung der als Kupferrohr mit geschlossenem rechteckigem Querschnitt
ausgebildeten Induktionsspule 9 selber wird in nicht weiter dargestellter Weise durch
eine Wasserkühlung ausreichend entgegengewirkt, ohne dass eine Erwärmung der Umhüllung
3 dadurch merklich beeinträchtigt würde.
[0029] Eine gleichmäßige Verschiebung der Induktionsspule 9 erzeugt damit eine in Figur
2 angedeutete Bahn über der Oberfläche der Umhüllung 2. Die Oberfläche der Umhüllung
2 kann mehrfach komplett oder auch nur abschnittsweise durchlaufen werden, um an jeder
Stelle eine ausreichende Erwärmung zu gewährleisten. Eine entsprechende Ansteuerung
des Roboterarms 8 erfolgt dadurch, dass eine jeweilige Oberflächentemperatur über
nicht weiter dargestellte Wärmebild-Sensoren erfasst und ein Überfahren insbesondere
unzureichend erwärmter Regionen bis zum Erreichen eines Zielwertes z.B. unter entsprechender
Verdrehung des Abschnitts 4 durch die Induktionsspule 9 an dem Roboterarm 8 wiederholt
wird. Dieses Verfahren ist von einer Größe und Außenform eines jeweiligen Abschnitts
eines Kampfmittels unabhängig und entsprechend leicht und flexibel anpassbar durchführbar.
Das Ziel dieses Verfahrens ist es, eine möglichst gleichmäßige Erwärmung der metallischen
Umhüllung 2 des Abschnitts 4 zu erzielen, die zu einem hinreichenden Erweichen des
an die Umhüllung 2 angrenzenden Explosivstoffs 3 oder Phlegmatisators und damit zu
einem Lösen des Explosivstoffs 3 aus der Umhüllung 2 unter Wirkung der Schwerkraft
führt. Hierzu werden einem jeweiligen Typ des Kampfmittels 1 sowie Art eines Abschnitts
4, 5 angepasste Induktionsspule 9 verwendet. Auch wird ein hochfrequenter Strom HF
durch die Induktionsspule 9 entsprechend eingestellt.
[0030] In der Einrichtung 6 ist der zylindrische Abschnitt 4 so fixiert, dass er senkrecht
über einer Ausnehmung 10 angeordnet ist. Mit Erreichen eines ausreichenden Temperaturbereichs
über die gesamte Oberfläche der Umhüllung 2 hinweg wird der an die Umhüllung 2 angrenzende
Explosivstoff 3 soweit erweicht, dass der Explosivstoff 3 schon unter Wirkung der
Schwerkraft aus der Umhüllung 2 heraus und durch die Ausnehmung 10 hindurch in einen
hier nur angedeuteten Aufnahmeraum 11 hinein gleitet, um definiert und insbesondere
erschütterungsfrei in den Aufnahmeraum 11 verbracht zu werden. Anschließend findet
dort eine Weiterverarbeitung statt, insbesondere eine Verpackung zum sicheren Weitertransport,
wie nachfolgend noch anhand der Zeichnung beschrieben wird.
[0031] Figur 3 zeigt eine Schnittdarstellung in einer Ebene III-III von Figur 2, um mögliche
Ausformungen der Induktionsspule 9 anzudeuten. Wie schon in Figur 2 angedeutet, so
bildet eine Induktionsspule 9 in diesem Ausführungsbeispiel nicht zwingend eine um
eine Schnittfläche des Kampfmittels 1 geschlossene Schleife mit leicht vergrößertem
Durchmesser zur Sicherstellung eines Mindestabstands für einen Luftspalt zwischen
der Induktionsspule 9 und der metallischen Umhüllung 2 des Kampfmittels 1. Das magnetischen
Wechselfeld B dieser Induktionsspule 9 steht über den Abstand d zwischen der Umhüllung
2 und der Induktionsspule 9 im Wesentlichen senkrecht zu der Außenfläche der metallischen
Umhüllung 2. Dazu umschließt die Induktionsspule 9 jeweils nur einen Bogen eines schmalen
Kreissegments, wie anhand eines Winkels α in Figur 3 angedeutet. Dieser Winkel α beträgt
zwischen ca. 30° bis 360°, bevorzugt sind 180°. Kleinere Winkel α eignen sich dabei
besser für einen Einsatz einer Induktionsspule 9 über weitere Bereiche der maximalen
Durchmesser DM der Abschnitte 4, 5.
[0032] Figur 4 zeigt als Schnittdarstellung analog der Darstellung von Figur 2 Details zu
einem Mittel zum definierten Verbringen des Explosivstoffs 3 aus einer Umhüllung 2
in den unter der Einrichtung 6 vorgesehenen Aufnahmeraum 11. Demnach ist dieses Mittel
als ein mit der Ausnehmung 10 der Einrichtung 6 korrespondierender und in den Aufnahmeraum
11 hinein verschieblicher Absenkteller 12 ausgebildet.
[0033] Eine in Figur 4 exemplarisch an einem Abschnitt eines kegelstumpfförmigen Endbereichs
5 gezeigte Detonator-Aufnahme in Form einer Buchse 2a stellt für die vorstehend beschriebene
induktive Erwärmung der metallischen Umhüllung 2 des Kampfmittels 1 regelmäßig eine
Störstelle auf. Das metallische Material kann hier durch die induzierten Wirbelströme
nicht ausreichend erwärmt werden, was zu einer Behinderung hinsichtlich des erwünschten
Herausgleitens des Explosivstoff 3 aus der Umhüllung 2 führen kann. Daher ist in Figur
4 eine gesonderte Induktionsspule 9a angedeutet, die speziell zur Erwärmung der Aufnahme
bzw. Buchse 2a vorgesehen ist. Je nach Anwendungsfall wird diese gesonderte Induktionsspule
9a gemeinsam mit der eigentlichen Induktionsspule 9 durch den Roboterarm 8 positioniert
und geführt, oder diese Induktionsspule 9a muss in einem eigenen Verfahrensschritt
zur induktiven Erwärmung in die betreffende Buchse 2a eingeführt werden. Dieser eigene
Verfahrensschritt kann einer induktiven Erwärmung der sonstigen Umhüllung 2 vor- oder
auch nachgeschaltet sein, zumal ein zeitlicher Mehraufwand schon aufgrund der im Vergleich
mit der sonstigen Umhüllung 2 kleinen Abmaße einer oder auch mehrerer Buchsen 2a mit
allem Positionierungsaufwand und Wechsel auf die Induktionsspule 9a gegenüber einer
Gesamt-Prozesszeit kaum ins Gewicht fällt.
[0034] Wenn der Explosivstoff 3 im Kontakt mit der Umhüllung 2 ausreichend thermisch erweicht
ist, sinkt der Explosivstoff 3 aus der fixierten Umhüllung 2 auf den Absenkteller
12. Eine auf den Absenkteller 12 einwirkende Gewichtskraft erhöht sich, was in diesem
Ausführungsbeispiel ein Signal für eine Regelung darstellt, den Absenkteller 12 langsam
in den Aufnahmeraum 11 hinein abzusenken. Dabei ist über den Aufnahmeraum 11 und den
Absenkteller 12 hinaus ein Verpackungsmaterial 13 vorgesehen, in dem der Explosivstoff
3 im Zuge des Absenkens in den Aufnahmeraum 11 hinein automatisch eingeschlagen wird.
Dieses Verpackungsmaterial 13 kann ab dem Moment, wo Explosivstoff 3 aus der Umhüllung
2 vollständig entnommen ist, in einfacher Weise geschlossen werden. Damit ist die
Umwelt durch das Verpackungsmaterial 13 hier in Form einer Kunststofffolie vor dem
Einfluss des Explosivstoffs 3 in dem Sinne geschützt, dass keine festen oder verflüssigten
Teile davon verloren gehen oder in sonstiger Weise die Umwelt kontaminieren können.
[0035] Nach einer Beendigung des Ausbringens des Explosivstoffs 3 aus der Umhüllung 2 sind
regelmäßig nur geringe Restmengen des Explosivstoffs 3 als dünnschichtige Anhaftungen
an den Metallteilen der Umhüllung 2 vorhanden. Zu deren Beseitigung sind u.a. thermische
Verfahren bekannt. Eine weitere Behandlung der Teile der Umhüllung 2 als kontaminierter
metallischer Schrott ist schon aufgrund der vergleichsweise kleinen anhaftenden Mengen
von Explosivstoff 2 auch mit Blick auf die Umweltsicherheit deutlich weniger kritisch
und kann daher in größerer Menge und in kürzerer Zeit durchgeführt werden, als eine
thermische Umsetzung großer Explosivstoff-Mengen, wie sie nach dem Stand der Technik
noch vorgenommen werden.
[0036] Die vorstehend beschriebene Vorrichtung V zeichnet sich im Verhältnis zu den dadurch
behandelbaren großformatigen Kampfmittel 1 durch ein gegenüber dem Stand der Technik
deutlich geringes Gewicht, niedrigeren Energieaufwand sowie eine schon aufgrund der
geringeren Prozesszeit effizientere und sicherer Handhabung des aus einer jeweiligen
Umhüllung 2 zu entfernenden Explosivstoffs 3 bis in den Aufnahmeraum 11 hinein aus.
Bezugszeichenliste
[0037]
- 1
- Kampfmittel
- 2
- metallische Umhüllung
- 2a
- Detonator-Aufnahme in Form einer metallischen Buchse
- 3
- Explosivstoff
- 4
- zylindrischer Abschnitt mit maximalem Durchmesser DM
- 5
- Abschnitt eines kegelstumpfförmigen Endbereichs
- 6
- Einrichtung zum Tragen und Halten des Abschnitts (4) oder Endbereichs (5)
- 7
- radial an der Einrichtung (6) verschiebliche Klemmbacke zur klemmenden Fixierung des
Abschnitts (4) oder Endbereichs (5)
- 8
- Roboterarm
- 9
- Induktionsspule
- 9a
- kleinere Induktionsspule zur Erwärmung einer Aufnahme bzw. Buchse (2a) eines Detonators
(D)
- 10
- Ausnehmung im Zentrum der Einrichtung (6)
- 11
- Aufnahmeraum unter der Einrichtung (6)
- 12
- Absenkteller
- 13
- Verpackungsmaterial
- α
- Winkel der Induktionsspule (11) als Kreissegment
- A
- Aufhänge-Öse an der metallischen Umhüllung (2)
- B
- Magnetfeld
- d
- Abstand zwischen Umhüllung (2) und Induktionsspule (11)
- D
- Detonator
- DM
- maximaler Durchmesser
- HF
- durch die Induktionsspule (11) fließender hochfrequenter Strom
- L
- gesamtes Leitwerk des Kampfmittels (1)
- M
- Mittelachse / Symmetrielinie
- S
- Schnittebene / Trennebene
- V
- Vorrichtung
1. Verfahren zum Entfernen eines Explosivstoffs (3) aus einer Umhüllung (2) eines großformatigen
Kampfmittels (1), insbesondere einer Abwurfmunition,
mit Auftrennen der metallischen Umhüllung (2) in einem Bereich eines maximalen Durchmessers
(DM),
wobei die Umhüllung (2) zur Erweichung des angrenzenden Explosivstoffs (3) durch Induktion
erwärmt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Kampfmittel (1) an einem Übergang in einen zylindrischen Abschnitt (4) als Trennebene
(S) geschnitten und eine sich ergebende Öffnung des Abschnitts (4, 5) über einem Aufnahmeraum
(11) in einer Einrichtung (6) gehalten wird, die eine Ausnehmung (10) aufweist, wobei
die Umhüllung (2) des Abschnitts (4, 5) von einer Induktionsspule (9) überfahren und
die Erwärmung überwacht wird,
um den Explosivstoff (3) zum Entfernen aus der Umhüllung (2) ausreichend thermisch
so zu erweichen, dass der Explosivstoff (3) dadurch nachfolgend erschütterungsfrei
durch die Ausnehmung (10) hindurch in den Aufnahmeraum (11) verbracht wird, dass ein
in einem Ausgangszustand in der Ausnehmung (10) der Einrichtung (6) angeordneter Absenkteller
(12) verwendet wird, um den Explosivstoff (3) senkrecht in Wirkungsrichtung der Schwerkraft
in den Aufnahmeraum (11) definiert zu verbringen bzw. zu überführen.
2. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die eine sich ergebende Öffnung des Abschnitts (4, 5) mit einer Symmetrieachse (M)
parallel zur Wirkungsrichtung der Schwerkraft über dem Aufnahmeraum (11) an der Ausnehmung
(10) in der Einrichtung (6) gehalten wird.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass als eine Trennebene (S) ein Übergang in einen zylindrischen Abschnitt (4) mit maximalem
Durchmesser (DM) gewählt wird.
4. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass zwei Trennebenen (S) zur Bildung von drei Abschnitten (4, 5) eines Kampfmittels (1)
gebildet werden.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass eine einem jeweiligen Typ des Kampfmittels (1) sowie Art eines Abschnitts (4, 5)
angepasste Induktionsspule (9) verwendet wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass eine an eine Aufnahme (2a) für einen Detonator (D) angepasst geformte Induktionsspule
(9a) verwendet wird.
7. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass diese Induktionsspule (9a) in die Aufnahme (2a) zur gezielten induktiven Erwärmung
eingeführt wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Induktionsspule (9, 9a) unter Verwendung eines Roboterarms (8) positioniert wird,
wobei eine Führung der Induktionsspule (9, 9a) an dem Roboterarm (8) geregelt durchgeführt
und über Sensoren vorzugweise unter Verwendung einer Kamera überwacht wird.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass eine jeweilige Oberflächentemperatur der metallischen Umhüllung (2) über Wärmebild-Sensoren
erfasst und ein Überfahren unzureichend erwärmter Regionen bis zum Erreichen eines
Zielwertes wiederholt werden.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass der Explosivstoff (3) im Zuge des Absenkens in den Aufnahmeraum (11) hinein automatisch
in ein Verpackungsmaterial (13) eingeschlagen wird.
11. Vorrichtung (V) zum Entfernen eines Explosivstoffs (3) aus einer Umhüllung (2) eines
großformatigen Kampfmittels (1), insbesondere einer Abwurfmunition, zur Umsetzung
eines Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Vorrichtung (V) eine Einrichtung (6) umfasst,
die mit einer Ausnehmung (10) versehen über einem an den Explosivstoff angepassten
Aufnahmeraum (11) angeordnet ist,
wobei die Einrichtung (6) zur fixierenden Aufnahme eines Abschnitts (4, 5) des Kampfmittels
(1) in einer Ausrichtung parallel zur Wirkung der Schwerkraft ausgebildet ist, sowie
einen Roboterarm (8) mit einer Induktionsspule (9), der zum berührungslosen Überfahren
einer Oberfläche des Abschnitts (4, 5) ausgebildet ist, und
als Mittel zum erschütterungsfreien Verbringen des Explosivstoffs (3) aus der Umhüllung
(2) in den lotrecht unter der Ausnehmung (10) der Einrichtung (6) angeordneten Aufnahmeraum
(11) ein mit der Ausnehmung (10) in der Einrichtung (6) korrespondierender Absenkteller
(12) vorgesehen ist, der in den Aufnahmeraum (11) hinein in aufrechter Position absenkbar
ist.
12. Vorrichtung nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die Einrichtung (6) als Teller mit radial verschieblichen Klemmbacken (7) unter Freigabe
der Öffnung bzw. Ausnehmung (10) im Zentrum der Einrichtung (6) ausgebildet ist.
13. Vorrichtung nach einem der zwei vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Aufnahmeraum (11) mit einem Verpackungsmaterial (13) zum Umschließen des Explosivstoffs
(3) ausgekleidet ist.
14. Vorrichtung nach einem der drei vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine an eine Aufnahme (2a) für einen Detonator (D) angepasst geformte Induktionsspule
(9a) zur gezielten induktiven Erwärmung der Aufnahme (2a) vorgesehen ist.
15. Vorrichtung nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die Induktionsspule (9a) zum Einführen in eine Aufnahme (2a) für einen Detonator
(D) angepasst ausgeformt und ausgebildet ist.
1. Method for removing an explosive (3) from an casing (2) of a large-sized explosive
ordnance (1), in particular of a drop munition,
with severing of the metallic casing (2) in a region of maximum diameter (DM),
the casing (2) being heated by induction to soften the adjacent explosive (3),
characterized in that
the ordnance (1) is cut at a transition into a cylindrical section (4) as a parting
plane (S) and
a resulting opening of the section (4, 5) is held above a receiving space (11) in
a device (6) which has a recess (10), wherein
the casing (2) of the section (4, 5) is passed over by an induction coil (9) and the
heating is monitored,
in order to soften the explosive (3) sufficiently thermally for removal from the casing
(2) in such a way that the explosive (3) is subsequently brought through the recess
(10) into the receiving space (11) without shaking, in that a lowering plate (12) arranged in an initial state in the recess (10) of the device
(6) is used in order to bring or transfer the explosive (3) vertically in a defined
manner in the direction of action of the force of gravity into the receiving space
(11). transfer.
2. Method according to the preceding claim, characterized in that the resulting opening of the section (4, 5) with an axis of symmetry (M) parallel
to the direction of action of gravity is held above the receiving space (11) at the
recess (10) in the device (6).
3. Method according to one of the preceding claims, characterized in that a transition into a cylindrical section (4) with maximum diameter (DM) is selected
as a parting plane (S).
4. Method according to the preceding claim, characterized in that two separation planes (S) are formed to form three sections (4, 5) of an ordnance
(1).
5. Method according to one of the preceding claims, characterized in that an induction coil (9) adapted to a respective type of ordnance (1) and type of a
section (4, 5) is used.
6. Method according to one of the preceding claims, characterized in that an induction coil (9a) shaped to fit a receptacle (2a) for a detonator (D) is used.
7. Method according to the preceding claim, characterized in that this induction coil (9a) is introduced into the receptacle (2a) for targeted inductive
heating.
8. Method according to one of the preceding claims, characterized in that the induction coil (9, 9a) is positioned using a robot arm (8), wherein guidance
of the induction coil (9, 9a) on the robot arm (8) is carried out in a controlled
manner and monitored via sensors, preferably using a camera.
9. Method according to one of the preceding claims, characterized in that a respective surface temperature of the metallic casing (2) is detected via thermal
image sensors and a passing over of insufficiently heated regions is repeated until
a target value is reached.
10. Method according to one of the preceding claims, characterized in that the explosive (3) is automatically wrapped in a packaging material (13) in the course
of lowering into the receiving space (11).
11. Device (V) for removing an explosive (3) from an casing (2) of a large-format ordnance
(1), in particular of a drop munition, for implementing a method according to one
of the preceding claims,
characterized in that
the device (V) comprises a device (6)
which is provided with a recess (10) and is arranged above a receiving space (11)
adapted to the explosive, the device (6) being designed to fixably receive a portion
(4, 5) of the ordnance (1) in an orientation parallel to the action of gravity, and
a robot arm (8) with an induction coil (9),
which is designed to traverse a surface of the section (4, 5) without contact, and
a lowering plate (12) corresponding to the recess (10) in the device (6) is provided
as means for the vibration-free transfer of the explosive (3) from the casing (2)
into the receiving space (11) arranged vertically below the recess (10) of the device
(6), which lowering plate (12) can be lowered into the receiving space (11) in the
upright position.
12. Device according to the preceding claim, characterized in that the device (6) is designed as a plate with radially displaceable clamping jaws (7)
with release of the opening or recess (10) in the center of the device (6).
13. Device according to one of the two preceding claims, characterized in that the receiving space (11) is lined with a packaging material (13) for enclosing the
explosive (3) .
14. Device according to one of the three preceding claims, characterized in that an induction coil (9a) shaped to fit a receptacle (2a) for a detonator (D) is provided
for selective inductive heating of the receptacle (2a).
15. Device according to the preceding claim, characterized in that the induction coil (9a) is shaped and formed adapted for insertion into a receptacle
(2a) for a detonator (D).
1. Procédé pour enlever une substance explosive (3) d'une enveloppe (2) d'un moyen de
combat (1) de grand format, en particulier d'une munition de largage,
avec séparation de l'enveloppe métallique (2) dans une zone d'un diamètre maximal
(DM),
l'enveloppe (2) étant chauffée par induction pour ramollir la matière explosive (3)
adjacente,
caractérisé en ce que
le moyen de combat (1) est découpé en un plan de séparation (S) au niveau d'une transition
vers une section cylindrique (4), et
une ouverture résultante de la section (4, 5) est maintenue au-dessus d'un espace
de réception (11) dans un dispositif (6) qui présente un évidement (10), où l'enveloppe
(2) du tronçon (4, 5) est parcourue par une bobine d'induction (9) et le réchauffement
est surveillé, pour ramollir suffisamment thermiquement la matière explosive (3) pour
l'enlever de l'enveloppe (2) de telle sorte que la matière explosive (3) soit ensuite
amenée sans secousses à travers l'évidement (10) dans l'espace de réception (11),
en ce qu'un plateau d'abaissement (12) disposé dans un état initial dans l'évidement (10) du
dispositif (6) est utilisé pour amener ou définir la matière explosive (3) verticalement
dans la direction d'action de la force de gravité à l'intérieur de l'espace de réception
(11) .
2. Procédé selon la revendication précédente, caractérisé en ce que l'une des ouvertures résultantes de la section (4, 5) est maintenue avec un axe de
symétrie (M) parallèle à la direction d'action de la gravité au-dessus de l'espace
de réception (11) au niveau de l'évidement (10) dans le dispositif (6).
3. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'on choisit comme plan de joint (S) une transition vers une section cylindrique
(4) de diamètre maximal (DM).
4. Procédé selon la revendication précédente, caractérisé en ce que deux plans de joint (S) sont formés pour former trois sections (4, 5) d'un moyen
de combat (1).
5. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'on utilise une bobine d'induction (9) adaptée à chaque type de moyen de combat
(1) et à chaque type de section (4, 5).
6. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'on utilise une bobine d'induction (9a) dont la forme est adaptée à un logement
(2a) pour un détonateur (D).
7. Procédé selon la revendication précédente, caractérisé en ce que cette bobine d'induction (9a) est introduite dans le logement (2a) pour un chauffage
par induction ciblé.
8. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la bobine d'induction (9, 9a) est positionnée en utilisant un bras de robot (8),
un guidage de la bobine d'induction (9, 9a) sur le bras de robot (8) étant effectué
de manière régulée et étant surveillé par des capteurs, de préférence en utilisant
une caméra.
9. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'une température de surface respective de l'enveloppe métallique (2) est détectée par
des capteurs d'image thermique et qu'un passage sur des régions insuffisamment chauffées
est répété jusqu'à ce qu'une valeur cible soit atteinte.
10. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'explosif (3) est enveloppé automatiquement dans un matériau d'emballage (13) au
cours de sa descente dans l'espace de réception (11).
11. Dispositif (V) pour retirer une substance explosive (3) d'une enveloppe (2) d'un moyen
de combat (1) de grand format, en particulier d'une munition de largage, pour la mise
en œuvre d'un procédé selon l'une des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
le dispositif (V) comprend un dispositif (6), qui, pourvu d'un évidement (10), est
disposé au-dessus d'un espace de réception (11) adapté à la substance explosive,
le dispositif (6) étant conçu pour recevoir de manière fixe une section (4, 5) de
l'moyen de combat (1) dans une orientation parallèle à l'effet de la gravité, ainsi
que un bras de robot (8) avec une bobine d'induction (9),
qui est conçu pour passer sans contact sur une surface de la section (4, 5), et
un plateau d'abaissement (12) correspondant à l'évidement (10) dans le dispositif
(6) est prévu comme moyen pour amener sans vibration l'explosif (3) de l'enveloppe
(2) dans l'espace de réception (11) disposé verticalement sous l'évidement (10) du
dispositif (6), lequel plateau peut être abaissé en position verticale dans l'espace
de réception (11).
12. Dispositif selon la revendication précédente, caractérisé en ce que le dispositif (6) est réalisé sous forme de plateau avec des mâchoires de serrage
(7) déplaçables radialement en libérant l'ouverture ou l'évidement (10) au centre
du dispositif (6).
13. Dispositif selon l'une des deux revendications précédentes, caractérisé en ce que l'espace de réception (11) est revêtu d'un matériau d'emballage (13) destiné à entourer
la substance explosive (3).
14. Dispositif selon l'une des trois revendications précédentes, caractérisé en ce qu'une bobine d'induction (9a) de forme adaptée à un logement (2a) pour un détonateur
(D) est prévue pour le chauffage inductif ciblé du logement (2a) .
15. Dispositif selon la revendication précédente, caractérisé en ce que la bobine d'induction (9a) est formée et conçue pour être insérée dans un logement
(2a) pour un détonateur (D) .