[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erfassen einer Maut eines Kraftfahrzeuges.
[0003] Das dort beschriebene Mautsystem umfasst einen Tachographen und eine Maut-On-Board-Unit
als Kommunikationspartner, die jeweils eine Datenschnittstelle für eine Datenkommunikation
über einen Fahrzeugdatenbus umfassen, mit dem die Kommunikationspartner koppelbar
sind.
[0004] Der Tachograph und/oder die Maut-On-Board-Unit sind als ein Sender von Daten ausgebildet
zum Ermitteln eines kryptographischen Prüfwerts abhängig von Nutzdaten, die an den
Kommunikationspartner übertragen werden sollen, und zum Senden des kryptographischen
Prüfwerts zusätzlich zu den Nutzdaten an den Kommunikationspartner.
[0005] Die Maut-On-Board-Unit beziehungsweise der Tachograph als ein jeweiliger Empfänger
von Daten ist ausgebildet zum Empfangen von Nutzdaten und des den Nutzdaten zugehörigen
kryptographischen Prüfwerts von dem Kommunikationspartner und zum Überprüfen der empfangenen
Nutzdaten auf Verfälschungen abhängig von dem empfangenen kryptographischen Prüfwert.
[0006] Die
US 2009/0157566 A1 betrifft ein Verfahren und Prozess, welche dazu vorgesehen sind sicherzustellen,
dass eine Aufzeichnung eines Fahrwegs eines Fahrzeugs, die Positionsfehler enthält,
zur Bestimmung einer zuverlässigen und wiederholbaren Straßenbenutzungsgebühr verwendet
werden kann.
[0007] Die
EP 2 423 885 A1 betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Funktionsüberwachung eines Straßenmautsystems.
[0008] Die
AT 505 017 A4 beschreibt ein Verfahren zum Erfassen von orts- und/oder zeitabhängigen Daten. In
dem Verfahren werden Daten, die in einer mobilen Station fortlaufend anfallen und
von der Station über ein vorgewähltes Funknetz an eine Zentrale zur Erfassung gesendet
werden, bis zum Versand als Einträge in zumindest einem Zwischenspeicher gespeichert.
[0009] Die
EP 1 708 143 A2 beschreibt ein System zur Verarbeitung von positions- und/oder mautbezogenen Daten
für Fahrzeuge.
[0011] Die
DE 10 2006 032 468 B3 beschreibt adaptive Datenvolumen bei der Übertragung von Daten für eine zentrale
Geoobjekterkennung. Bekannte Mautsysteme werden entweder basierend auf einer sogenannten
"Thin-Client-Lösung" oder auf einer "Thick-Client-Lösung" realisiert.
[0012] Bei der Thin-Client-Lösung werden hauptsächlich GNSS-Daten von den On-Board-Units
gesammelt und an das Backoffice gesendet, wobei das Backoffice die Straße- und Tarifzonenidentifikation
zur Berechnung der Maut vornimmt.
[0013] In der Thick-Client-Lösung werden Straße- und Tarifzonenidentifikation sowie gegebenenfalls
eine Fahrtstreckenmessung und gegebenenfalls die Mautgebührenberechnung von den On-Board-Units
errechnet und die berechnete Fahrtstrecke, Straße- und Tarifzonenidentifikation an
das Backoffice übermittelt, wobei die On-Board-Units dadurch komplex im Aufbau und
folglich teuer werden.
[0014] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zum Erfassen einer Maut
eines Kraftfahrzuges bereitzustellen.
[0015] Die Aufgabe wird durch die Merkmale des unabhängigen Anspruchs 1 gelöst.
[0016] Das Verfahren umfasst die folgenden Verfahrensschritte:
Im Verfahrensschritt S10-1 wird Folgendes durchgeführt: Die Mauterfassungseinrichtung
bzw. die Maut-On-Board-Unit erkennt das Einfahren oder Befahren in eine oder einer
Tarifzone. Ein Land -oder ein Mautbereich kann eine oder mehrere Tarifzonen haben.
Im Verfahrensschritt S10-2 erfolgt eine Abfrage, ob ein Einfahren in eine Tarifzone
erfasst wurde, falls ja erfolgt eine Abarbeitung von Verfahrensschritt S10-3, falls
nein wird weiter Verfahrensschritt S10-1 wiederholt.
[0017] Im Verfahrensschritt S10-3 wird Folgendes durchgeführt: Die Maut-On-Board-Unit führt
eine vorläufige Registrierung von abgefahrenen Kilometern innerhalb der derzeit befahrenen
Tarifzone mit der verfügbaren GNSS ermöglichten Genauigkeit durch. Im Verfahrensschritt
S10-4 erfolgt ein Zwischenspeichern aller GNSS-Daten für eine begrenzte Zeit von der
Maut-On-Board-Unit. Im Verfahrensschritt S10-5 erfolgt eine Abfrage, ob ein Verlassen
der derzeit befahrenen Tarifzone erfasst wurde, falls ja erfolgt eine Abarbeitung
von Verfahrensschritt S10-6, falls nein werden weiter die Verfahrensschritte S10-3
und S10-4 wiederholt.
[0018] Im Verfahrensschritt S10-6 wird Folgendes durchgeführt: Beim Verlassen der Tarifzone
speichert die Maut-On-Board-Unit 10 die Aufzeichnung in Form eines Datensatzes, data
record, über die innerhalb der Tarifzone erhaltenen GNSS-Daten und über die vorläufige
registrierten, abgefahrenen Kilometern innerhalb der Tarifzone.
[0019] Der gespeicherte Datensatz kann ferner ein oder mehrere Elemente der folgenden Liste
aufweisen:
- a. eine ID der Tarifzone
- b. Einfahrt- oder Eingangszeit in UTC
- c. Ausfahrt- oder Ausgangszeit in UTC
- d. gefahrene Strecke
- e. Zeit und/oder Stecke der Bewegung ohne GNSS fix
- f. Angepasste Anzahl von GNSS-Daten
[0020] UTC steht hierbei für die koordinierte Weltzeit, von englisch "Coordinated Universal
Time" u. französisch "Temps universel coordonne" abgeleitet, die heute gültige Weltzeit.
[0021] ID steht hierbei für einen Identifikator (auch Kennung oder kurz ID) . Ein Identifikator
ist ein künstlich zugewiesenes Merkmal zur eindeutigen Identifizierung eines Objektes,
vorliegend der Tarifzone.
[0022] Die Anzahl der GNSS-Daten die zur Überprüfung der vorläufigen Streckenmessung mit
übertragen werden, kann automatisch angepasst werden in Abhängigkeit von der Fahrtdynamik,
von dem Fahrprofil, von Strecken- und Zoneneigenschaften oder von weiteren Bedingungen.
[0023] Im Verfahrensschritt S10-7 erfolgt eine Abfrage, ob ein Triggerereignis für eine
Datenübertragung erfasst wurde, falls ja erfolgt eine Abarbeitung von Verfahrensschritt
S10-8, falls nein wird weiter der Verfahrensschritte S10-1 abgearbeitet.
[0024] Im Verfahrensschritt S10-8 erfolgt ein Übersenden des Datensatzes von der Maut-On-Board-Unit
10 an die Datenzentrale.
[0025] Die Verfahrensschritte S10-1 bis S10-8 werden von der Maut-On-Board-Unit 10 abgearbeitet
und eine oder mehrere der Verfahrensschritte S10-1 bis S10-8 können beispielsweise
eine vorläufige Fahrdatenberechnung darstellen.
[0026] Die folgenden Verfahrensschritte S100-1 bis S100-6 werden von der Datenzentrale abgearbeitet.
[0027] Im Verfahrensschritt S100-1 wird Folgendes durchgeführt: Die Datenzentrale 100 überprüft
den von der Maut-On-Board-Unit 10 übersendeten Datensatz, beispielsweise mittels Map
Matching.
[0028] Mit Kartenabgleich, Karteneinpassung oder auch Map Matching wird ein Verfahren bezeichnet,
welches die durch eine Ortung gemessene Position eines Objektes mit den Ortsinformationen
einer digitalen Karte abgleicht.
[0029] Wenn die mit einem Ortungsverfahren gemessene geographische Koordinate direkt in
das Koordinatensystem einer digitalen Karte abgebildet wird, so kann die wahre Position
des Objektes in der Karte von der abgebildeten Position des Objektes in der Karte
abweichen.
[0030] Im Verfahrensschritt S100-2 erfolgt eine Abfrage, ob zusätzliche Daten erforderlich
sind, falls ja erfolgt eine Abarbeitung von Verfahrensschritt S100-3, falls nein wird
weiter der Verfahrensschritte S100-4 abgearbeitet.
[0031] Im Verfahrensschritt S100-3 erfolgt ein Anfragen weiterer Datensätze.
[0032] Im Verfahrensschritt S100-4 erfolgt ein Bestätigen des übermittelten Datensatzes.
[0033] Im Verfahrensschritt S100-5 erfolgt eine endgültige Mautberechnung anhand der weiteren
Datensätze.
[0034] Im Verfahrensschritt S100-6 erfolgt gegebenenfalls ein Übersenden der endgültigen
Mautberechnung an die Maut-On-Board-Unit 10.
[0035] Um Map-Matching und/oder eine Doppelprüfung im Proxy oder in der Datenzentrale durchführen
zu können, werden folgenden Daten erfasst:
- Geographische Breite des Kraftfahrzeuges,
- Geographische Länge des Kraftfahrzeuges,
- Geschwindigkeit des Kraftfahrzeuges,
- Richtung der Bewegung des Kraftfahrzeuges,
- relative Zeitinformation, d. h. eine Abweichung zum vorher gehenden Datensatz, oder
- absolute Zeitinformation
[0036] Dabei ist mit dem Begriff Proxy die im Kontext von Mautsystemen übliche Bezeichnung
für eine dem Backoffice vorgelagerten Instanz gemeint, die die Kommunikation mit den
im Feld befindlichen Maut-On-Board-Units organisiert.
[0037] Wenn für Map-Matching und/oder eine Doppelprüfungen zusätzliche Daten und Zeitstempel
erforderlich sind, können beispielsweise gesendet werden:
VDOP, Vertical DOP, Vertikalrichtung,
HDOP, Horizontal DOP, Horizontalrichtung,
EHPE, Expected Horizontal Position Error,
PDOP, Positional DOP, Positionsgenauigkeit.
[0038] Dilution of Precision (DOP), zu Deutsch etwa Verringerung der Genauigkeit, ist bei
Satellitennavigationssystemen ein Maß für die Streubreite der Messwerte.
[0039] Da DOP von der relativen Position der Satelliten zueinander und zum Beobachter abhängt,
spricht man auch von geometric dilution of precision (GDOP), in Abhängigkeit der Anzahl
der zur Positionsbestimmung verwendeten Satelliten und der UTC-Zeit.
[0040] Die GNSS-Daten können unter Verwendung eines Kompressionsalgorithmus übermittelt
werden, um die Größe der an die Datenzentrale 100 gesendeten Daten zu minimieren.
[0041] Die vorliegende Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass ein kombiniertes Verfahren
angewandt wird, bei dem eine vorläufige Mautgebührenabrechnung in Form einer vorläufigen
Fahrdatenberechnung von der Maut-On-Board-Unit (OBU) vorgenommen wird und eine endgültige
Berechnung in der Back Office (BO), basierend auf den von der On-Board-Unit übermittelten
Daten, welche vorläufige Berechnungen oder erfasste Roh- oder Primärdaten, wie etwa
GNSS-Daten, umfassen können.
[0042] Das Verfahren der vorliegenden Erfindung führt zu einem hochgenauen, robusten und
zuverlässigen Registrierungsverfahren mit optimierten Kommunikationskosten für die
Mautberechnung des Mautsystems und kann bei der Mautberechnung für Kraftfahrzeuge
zum Einsatz kommen.
[0043] Die Zuverlässigkeit wird dadurch gewährleistet, dass auch in den Fällen, wenn das
Back-Office aus bestimmten Gründen überlastet wird, die Maut-On-Board-Unit weiter
eine Erfassung und Registrierung der Tarifzonen und der gefahrenen Kilometer autonom
durchführt.
[0044] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass ferner ein Übermitteln von GNSS-Daten an die
Datenzentrale zur Überprüfung der vorläufigen Fahrdatenberechnung erfolgt.
[0045] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass ein Umfang der zu übermittelnden GNSS-Daten
automatisch angepasst wird in Abhängigkeit von einer Fahrtdynamik und/oder einer Streckeneigenschaft
und/oder von einer Zoneneigenschaft.
[0046] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass die übermittelte vorläufige Fahrdatenberechnung
von der Datenzentrale überprüft wird.
[0047] Dadurch kann die Fehlersicherheit und Zuverlässigkeit des Mautsystems gesteigert
werden.
[0048] In einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass das Übermitteln der berechneten
vorläufigen Fahrdatenberechnung an die Datenzentrale durch ein Triggerereignis gestartet
wird.
[0049] Dadurch kann vorteilhaft das Datenübertragungsvolumen reduziert werden.
[0050] In einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass als das Triggerereignis
eine vom Kraftfahrzeug zurückgelegte Streckenlänge oder eine vom Kraftfahrzeug zurückgelegte
Fahrtdauer oder ein Verlassen einer Tarifzone verwendet wird.
[0051] Nach einem nicht beanspruchten Aspekt ist eine Mauterfassungseinrichtung zum Erfassen
einer Maut eines Kraftfahrzuges vorgesehen, umfassend: eine Ortungseinheit, welche
dazu ausgelegt ist, Fahrdaten über mindestens eine von dem Kraftfahrzeug zurückgelegte
Fahrtstrecke zu erfassen, eine Rechnereinheit, welche dazu ausgelegt ist, anhand der
erfassten Fahrdaten eine vorläufige Fahrdatenberechnung zu berechnen; und eine Schnittstelleneinheit,
welche dazu ausgelegt ist, die berechnete vorläufige Fahrdatenberechnung an eine Datenzentrale
zu übermitteln.
[0052] In einer vorteilhaften, nicht beanspruchten, Ausführungsform ist vorgesehen, dass
die Rechnereinheit dazu ausgelegt ist, ein Befahren eines mautpflichtigen Straßenabschnitts
zu erfassen und ein Berechnungsverfahren zum Berechnen der vorläufigen Mautgebührenabrechnung
zu starten.
[0053] Dadurch kann vorteilhaft erreicht werden, dass Rechnerleistung eingespart wird und
nur im Falle eines Befahrens eines mautpflichtigen Straßenabschnitts oder Tarifzone
eine Mautberechnung gestartet wird.
[0054] In einer weiteren bevorzugten, nicht beanspruchten, Ausführungsform ist vorgesehen,
dass die Rechnereinheit dazu ausgelegt ist, die erfassten Fahrdaten zu speichern und
die Schnittstelleneinheit dazu ausgelegt ist, die Fahrdaten an die Datenzentrale zu
übermitteln.
[0055] Dies erlaubt auf einfache Weise, eine endgültige Mautberechnung in der Datenzentrale
mit den übermittelten Fahrdaten zu erleichtern bzw. die vorläufige Mautberechnung
anhand der übermittelten Fahrdaten zu verifizieren.
[0056] In einer weiteren bevorzugten, nicht beanspruchten, Ausführungsform ist vorgesehen,
dass die Ortungseinheit dazu ausgelegt ist, von einem Navigationssatellitensystem
ausgesendete Positionsdaten zu erfassen und die Fahrdaten anhand der Positionsdaten
zu ermitteln.
[0057] Durch das Ermitteln der Fahrdaten anhand der Positionsdaten kann vorteilhaft die
Positionsgenauigkeit der Positionsbestimmung, wie von der Ortungseinheit vorgenommen,
verbessert werden.
[0058] In einer weiteren bevorzugten, nicht beanspruchten, Ausführungsform ist vorgesehen,
dass die Ortungseinheit dazu ausgelegt ist, die Fahrdaten anhand von tachographischen
Daten zu ermitteln.
[0059] Dadurch kann vorteilhaft die Positionsbestimmung auch bei einem kurzeitigen Ausfall
des Navigationssatellitensystems weitergeführt werden.
[0060] In einer weiteren bevorzugten, nicht beanspruchten, Ausführungsform ist vorgesehen,
dass die Rechnereinheit dazu ausgelegt ist, als die vorläufige Fahrdatenberechnung
eine vorläufige Streckenmessung und/oder eine vorläufige Straßenidentifikation und/oder
eine vorläufige Tarifzonenidentifikation und/oder eine vorläufige Mautgebührenabrechnung
zu berechnen.
[0061] Die beiliegenden Zeichnungen sollen ein weiteres Verständnis der Ausführungsformen
der Erfindung vermitteln. Sie veranschaulichen Ausführungsformen und dienen im Zusammenhang
mit der Beschreibung der Erklärung von Konzepten der Erfindung. Andere Ausführungsformen
und viele der genannten Vorteile ergeben sich im Hinblick auf die Zeichnungen. Die
dargestellten Elemente der Zeichnungen sind nicht notwendigerweise maßstabsgetreu
zueinander gezeigt. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung eines Mautsystems mit einer Mauterfassungseinrichtung
zum Erfassen einer Maut eines Kraftfahrzuges , welches nicht Teil der Erfindung ist;
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung eines Flussdiagramms eines Verfahrens zum Erfassen einer
Maut eines Kraftfahrzeuges , welches nicht Teil der Erfindung ist; und
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung eines Flussdiagramms eines Verfahrens zum Erfassen einer
Maut eines Kraftfahrzeuges gemäß der Erfindung.
[0062] In den Figuren der Zeichnungen bezeichnen gleiche Bezugszeichen gleiche oder funktionsgleiche
Elemente, Bauteile, Komponenten oder Verfahrensschritte, soweit nichts Gegenteiliges
angegeben ist.
[0063] Die Maut-On-Board-Unit 10 oder On-Board-Unit (OBU) ist ein Gerät, das in Kraftfahrzeugen,
wie etwa Personenkraftwagen oder Lastkraftwagen oder sonstige durch einen Motor angetriebene
Fahrzeuge, eingebaut wird, um die automatische Abrechnung in einem Gebührenerhebungs-
oder Mautsystem zu ermöglichen.
[0064] Das Back Office (BO) kann beispielsweise als eine Datenzentrale ausgebildet werden
und als Abrechnungsserver verwendet werden und dazu ausgebildet sein, eine endgültige
Mautberechnung durchzuführen.
[0065] Die Figur 1 zeigt eine schematische Darstellung eines Mautsystems mit einer Mauterfassungseinrichtung
zum Erfassen einer Maut eines Kraftfahrzeuges , welches nicht Teil der Erfindung ist.
[0066] Eine Mauterfassungseinrichtung 10 zum Erfassen einer Maut eines Kraftfahrzeuges 1
umfasst beispielsweise eine Ortungseinheit 11, eine Rechnereinheit 12 und eine Schnittstelleneinheit
13.
[0067] Die Ortungseinheit 11 kann dazu ausgelegt sein, Fahrdaten über mindestens eine von
dem Kraftfahrzeug 1 zurückgelegte Fahrtstrecke zu erfassen.
[0068] Die Rechnereinheit 12 ist beispielsweise dazu ausgelegt, anhand der erfassten Fahrdaten
eine vorläufige Fahrdatenberechnung zu berechnen.
[0069] Die Schnittstelleneinheit 13 kann dazu ausgelegt sein, die berechnete vorläufige
Fahrdatenberechnung an eine Datenzentrale 100 zu übermitteln.
[0070] Ein Mautsystem 200 umfasst beispielsweise mindestens eine Mauterfassungseinrichtung
10 eines Kraftfahrzeuges 1 und eine Datenzentrale 100.
[0071] Die Ortungseinheit 11 kann dazu ausgelegt sein, von einem Navigationssatelliten 1000
ausgesendete Positionsdaten zu erfassen und die Fahrdaten anhand der Positionsdaten
zu ermitteln. Die Figur 2 zeigt eine schematische Darstellung eines Flussdiagramms
eines Verfahrens zum Erfassen einer Maut eines Kraftfahrzeuges , welches nicht Teil
der Erfindung ist.
[0072] Ein Verfahren zum Erfassen einer Maut eines Kraftfahrzeuges 1, umfasst die folgenden
Verfahrensschritte:
Als ein erster Verfahrensschritt wird ein Erfassen S1 von Fahrdaten über mindestens
eine von dem Kraftfahrzeug 1 zurückgelegte Fahrtstrecke durchgeführt.
[0073] Als ein zweiter Verfahrensschritt erfolgt ein Berechnen S2 einer vorläufigen Fahrdatenberechnung
anhand der erfassten Fahrdaten. Als ein dritter Verfahrensschritt wird ein Übermitteln
S3 der berechneten vorläufigen Fahrdatenberechnung an eine Datenzentrale 100 vorgenommen.
[0074] Die Figur 3 zeigt eine schematische Darstellung eines Flussdiagramms eines Verfahrens
zum Erfassen einer Maut eines Kraftfahrzeuges gemäß der Erfindung.
[0075] Abweichend von dem in der Figur 2 dargestellten Verfahren ist bei dem in der Figur
3 dargestellten Verfahren die räumliche bzw. organisatorische Aufteilung des Verfahrens
abgebildet.
[0076] In anderen Worten, es wird in der Figur 3 dargestellt, welche Funktionseinheit die
einzelnen Verfahrensschritte ausführt. Eine vorläufige Fahrdatenberechnung erfolgt
in einem ersten Teil S10 des Verfahrens, während ein zweiter Teil S100 des Verfahrens
eine finale Fahrdatenberechnung oder Mautgebührenabrechnung, beispielsweise mit einer
Verifikation der vorläufigen Fahrdatenberechnung darstellt.
[0077] Ferner kann das Verfahren auch einen oder mehrere der folgenden Verfahrensschritte
aufweisen:
Im Verfahrensschritt S10-1 wird Folgendes durchgeführt: Die Mauterfassungseinrichtung
10 bzw. die Maut-On-Board-Unit 10 erkennt das Einfahren oder Befahren in eine oder
einer Tarifzone. Ein Land -oder ein Mautbereich kann eine oder mehrere Tarifzonen
haben.
[0078] Im Verfahrensschritt S10-2 erfolgt eine Abfrage, ob ein Einfahren in eine Tarifzone
erfasst wurde, falls ja erfolgt eine Abarbeitung von Verfahrensschritt S10-3, falls
nein wird weiter Verfahrensschritt S10-1 wiederholt.
[0079] Im Verfahrensschritt S10-3 wird Folgendes durchgeführt: Die Maut-On-Board-Unit 10
führt eine vorläufige Registrierung von abgefahrenen Kilometern innerhalb der derzeit
befahrenen Tarifzone mit der verfügbaren GNSS ermöglichten Genauigkeit durch.
[0080] Im Verfahrensschritt S10-4 erfolgt ein Zwischenspeichern aller GNSS-Daten für eine
begrenzte Zeit von der Maut-On-Board-Unit.
[0081] Im Verfahrensschritt S10-5 erfolgt eine Abfrage, ob ein Verlassen der derzeit befahrenen
Tarifzone erfasst wurde, falls ja erfolgt eine Abarbeitung von Verfahrensschritt S10-6,
falls nein werden weiter die Verfahrensschritte S10-3 und S10-4 wiederholt.
[0082] Im Verfahrensschritt S10-6 wird Folgendes durchgeführt: Beim Verlassen der Tarifzone
speichert die Maut-On-Board-Unit 10 die Aufzeichnung in Form eines Datensatzes, data
record, über die innerhalb der Tarifzone erhaltenen GNSS-Daten und über die vorläufige
registrierten, abgefahrenen Kilometern innerhalb der Tarifzone.
[0083] Der gespeicherte Datensatz kann ferner ein oder mehrere Elemente der folgenden Liste
aufweisen:
- a. eine ID der Tarifzone
- b. Einfahrt- oder Eingangszeit in UTC
- c. Ausfahrt- oder Ausgangszeit in UTC
- d. gefahrene Strecke
- e. Zeit und/oder Stecke der Bewegung ohne GNSS fix
- f. Angepasste Anzahl von GNSS-Daten
[0084] UTC steht hierbei für die koordinierte Weltzeit, von englisch "Coordinated Universal
Time" u. französisch "Temps universel coordonné" abgeleitet, die heute gültige Weltzeit.
[0085] ID steht hierbei für einen Identifikator (auch Kennung oder kurz ID) . Ein Identifikator
ist ein künstlich zugewiesenes Merkmal zur eindeutigen Identifizierung eines Objektes,
vorliegend der Tarifzone.
[0086] Die Anzahl der GNSS-Daten die zur Überprüfung der vorläufigen Streckenmessung mit
übertragen werden, kann automatisch angepasst werden in Abhängigkeit von der Fahrtdynamik,
von dem Fahrprofil, von Strecken- und Zoneneigenschaften oder von weiteren Bedingungen.
[0087] Im Verfahrensschritt S10-7 erfolgt eine Abfrage, ob ein Triggerereignis für eine
Datenübertragung erfasst wurde, falls ja erfolgt eine Abarbeitung von Verfahrensschritt
S10-8, falls nein wird weiter der Verfahrensschritte S10-1 abgearbeitet.
[0088] Im Verfahrensschritt S10-8 erfolgt ein Übersenden des Datensatzes von der Maut-On-Board-Unit
10 an die Datenzentrale.
[0089] Die Verfahrensschritte S10-1 bis S10-8 werden von der Maut-On-Board-Unit 10 abgearbeitet
und eine oder mehrere der Verfahrensschritte S10-1 bis S10-8 können beispielsweise
eine vorläufige Fahrdatenberechnung darstellen.
[0090] Die folgenden Verfahrensschritte S100-1 bis S100-6 werden von der Datenzentrale abgearbeitet.
[0091] Im Verfahrensschritt S100-1 wird Folgendes durchgeführt: Die Datenzentrale 100 überprüft
den von der Maut-On-Board-Unit 10 übersendeten Datensatz, mittels Map Matching. Mit
Kartenabgleich, Karteneinpassung oder auch Map Matching wird ein Verfahren bezeichnet,
welches die durch eine Ortung gemessene Position eines Objektes mit den Ortsinformationen
einer digitalen Karte abgleicht.
[0092] Wenn die mit einem Ortungsverfahren gemessene geographische Koordinate direkt in
das Koordinatensystem einer digitalen Karte abgebildet wird, so kann die wahre Position
des Objektes in der Karte von der abgebildeten Position des Objektes in der Karte
abweichen.
[0093] Im Verfahrensschritt S100-2 erfolgt eine Abfrage, ob zusätzliche Daten erforderlich
sind, falls ja erfolgt eine Abarbeitung von Verfahrensschritt S100-3, falls nein wird
weiter der Verfahrensschritte S100-4 abgearbeitet.
[0094] Im Verfahrensschritt S100-3 erfolgt ein Anfragen weiterer Datensätze.
[0095] Im Verfahrensschritt S100-4 erfolgt ein Bestätigen des übermittelten Datensatzes.
[0096] Im Verfahrensschritt S100-5 erfolgt eine endgültige Mautberechnung anhand der weiteren
Datensätze.
[0097] Im Verfahrensschritt S100-6 erfolgt gegebenenfalls ein Übersenden der endgültigen
Mautberechnung an die Maut-On-Board-Unit 10.
[0098] Um Map-Matching und/oder eine Doppelprüfung im Proxy oder in der Datenzentrale 100
durchführen zu können, werden folgenden Daten erfasst:
- Geographische Breite des Kraftfahrzeuges 1,
- Geographische Länge des Kraftfahrzeuges 1,
- Geschwindigkeit des Kraftfahrzeuges 1,
- Richtung der Bewegung des Kraftfahrzeuges,
- relative Zeitinformation, d. h. eine Abweichung zum vorhergehenden Datensatz, oder
- absolute Zeitinformation
[0099] Dabei ist mit dem Begriff Proxy die im Kontext von Mautsystemen übliche Bezeichnung
für eine dem Backoffice vorgelagerten Instanz gemeint, die die Kommunikation mit den
im Feld befindlichen Maut-On-Board-Units 10 organisiert.
[0100] Wenn für Map-Matching und/oder eine Doppelprüfungen zusätzliche Daten und Zeitstempel
erforderlich sind, können beispielsweise gesendet werden:
VDOP, Vertical DOP, Vertikalrichtung 1D,
HDOP, Horizontal DOP, Horizontalrichtung 2D,
EHPE, Expected Horizontal Position Error,
PDOP, Positional DOP, Positionsgenauigkeit 3D.
[0101] Dilution of Precision (DOP), zu Deutsch etwa Verringerung der Genauigkeit, ist bei
Satellitennavigationssystemen ein Maß für die Streubreite der Messwerte.
[0102] Da DOP von der relativen Position der Satelliten zueinander und zum Beobachter abhängt,
spricht man auch von geometric dilution of precision (GDOP), in Abhängigkeit der Anzahl
der zur Positionsbestimmung verwendeten Satelliten und der UTC-Zeit.
[0103] Die GNSS-Daten können unter Verwendung eines Kompressionsalgorithmus übermittelt
werden, um die Größe der an die Datenzentrale 100 gesendeten Daten zu minimieren.
[0104] Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass "umfassend" und "aufweisend" keine anderen
Elemente oder Schritte ausschließt und "eine" oder "ein" keine Vielzahl ausschließt.
Bezugszeichen in den Ansprüchen sind nicht als Einschränkungen anzusehen.