(19)
(11) EP 3 784 764 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
07.06.2023  Patentblatt  2023/23

(21) Anmeldenummer: 19713777.1

(22) Anmeldetag:  26.03.2019
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
C11D 3/32(2006.01)
C11D 7/32(2006.01)
C11D 3/04(2006.01)
C11D 3/34(2006.01)
C11D 7/34(2006.01)
(52) Gemeinsame Patentklassifikation (CPC) :
C11D 3/044; C11D 3/323; C11D 3/3427; C11D 7/06; C11D 7/3272; C11D 7/34
(86) Internationale Anmeldenummer:
PCT/EP2019/057492
(87) Internationale Veröffentlichungsnummer:
WO 2019/206544 (31.10.2019 Gazette  2019/44)

(54)

WÄSSRIGE ZUSAMMENSETZUNG ZUM AUFLÖSEN VON HAAREN SOWIE ENTSPRECHENDE VERWENDUNGEN UND VERFAHREN

AQUEOUS COMPOSITION FOR DISSOLVING HAIR AND CORRESPONDING USES AND METHODS

COMPOSITION AQUEUSE POUR DISSOUDRE DES POILS AINSI QU'UTILISATIONS ET PROCÉDÉ CORRESPONDANTS


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR

(30) Priorität: 27.04.2018 DE 102018110284

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
03.03.2021  Patentblatt  2021/09

(73) Patentinhaber: Werner & Mertz GmbH
55120 Mainz (DE)

(72) Erfinder:
  • SCHNEIDER, Kai-Reinhard
    55129 Mainz (DE)
  • AHR, Annette
    55232 Alzey (DE)
  • ENDLEIN, Edgar
    29559 Wrestedt (DE)

(74) Vertreter: Eisenführ Speiser 
Patentanwälte Rechtsanwälte PartGmbB Postfach 10 60 78
28060 Bremen
28060 Bremen (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
EP-A1- 0 125 801
JP-A- H06 192 056
US-A- 4 587 032
DE-A1- 10 066 097
KR-A- 20080 001 056
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine wässrige Zusammensetzung zum Auflösen von Haaren, welche ein oder mehrere Thioglykolate und Harnstoff umfasst. Die Erfindung betrifft zudem die Verwendung einer erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung zum Auflösen von Haaren und/oder als Rohr- oder Abflussreiniger. Die Erfindung betrifft darüber hinaus ein Verfahren zum Auflösen von Haaren.

    [0002] Die Erfindung ist in den beigefügten Ansprüchen definiert und wird in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.

    [0003] Der jeweilige Zustand von Abwasserrohrsystemen privater Haushalte ist individuell, vor allem alters- und baulich bedingt, stark unterschiedlich. Im Laufe jahrelanger Nutzung von Leitungswasser für verschiedene Zwecke wie Spülen, Waschen und Reinigen sowie Duschen, Baden und Toilettenspülungen, kommt es beispielsweise in Abwasserrohren an unterschiedlichen Stellen zur Ablagerung von Verunreinigungen, welche besonders häufig in abgesackten Rohren (auch als Lunker bezeichnet) oder in Rohrkrümmungen vorzufinden sind. In der Küche bestehen derartige Verunreinigungen in den Abwasserleitungen überwiegend aus Fetten, die zusammen mit Essensresten früher oder später ganze Abwasserrohre verstopfen können. In Bädern führt hingegen üblicherweise eine kontinuierliche Ablagerung von vornehmlich Haare enthaltenden Verunreinigungen in den Abwasserleitungen zusammen mit anderen Rückständen wie beispielsweise Seifenresten und Haarspülungen bzw. Conditionern zu hartnäckigen Blockaden. Darüber hinaus kann es vor allem bei Toiletten durch falsches Nutzungsverhalten, z.B. Entsorgung von großvolumigen Hygieneartikeln, zu akuten Verstopfungen kommen.

    [0004] Insbesondere durch Haare verursachte Blockaden sind in der Praxis nur schwer zu beseitigen; für eine chemische Abflussreinigung ohne oder mit nur geringem mechanischen Einsatz stehen zwar einige bekannte Mittel (chemische Abflussreiniger-Zusammensetzungen) zur Verfügung, jedoch entsprechen diese Mittel in der Regel nicht den Anforderungen an eine nachhaltige, resourcenschonende Wirtschaft.

    [0005] In vielen Fällen werden zur Beseitigung von durch solche Verunreinigungen hervorgerufenen Blockaden in Abwasserleitungen Spezialfirmen gerufen, die mit aufwendigen Mitteln wie Spiralen und Schleuderketten oder auch Hochdruckspülen versuchen die Verstopfung zu beseitigen; es werden also häufig mechanische Maßnahmen von spezialisierten Handwerkern durchgeführt. Einerseits ist aber der Erfolg solcher Maßnahmen nicht garantiert, andererseits kann es im schlechtesten Fall sogar zu Beschädigungen am Abwasserrohrsystem kommen. Wird dies nicht gleich bemerkt, kommt es in der Folge aufgrund von austretendem Wasser zu Sekundärschäden in Böden und Wänden. Solche Wasserschäden müssen dann mit hohem Zeit- und Kostenaufwand mit entsprechenden Trocknungs- und Hygienemaßnahmen durch Experten saniert werden, meist begleitet durch zusätzliche Kosten der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands von Wänden und auch Möbeln, die durch Schimmelbildung indirekt betroffen sein können.

    [0006] Insbesondere im häuslichen Bereich werden Blockaden in Abwasserleitungen häufig ohne das Hinzuziehen von Spezialfirmen beseitigt oder zumindest behandelt. Dabei werden häufig sowohl mechanische als auch chemische Maßnahmen (zum Beispiel unter Verwendung eines chemischen Abflussreinigers) vorgenommen; allerdings besteht beim Versuch der Beseitigung einer Blockade auf mechanischem Wege, zum Beispiel unter Verwendung einer Saugglocke, immer die Gefahr einer weiteren Verdichtung der Blockade.

    [0007] Chemisch wirkende Abflussreiniger sind einfach zu handhabende und zudem kostengünstige Alternativen zu mechanischen Maßnahmen für die Beseitigung von Blockaden in Abwasserleitungen. Die aus dem Stand der Technik bekannten und auf dem Markt verfügbaren Angebotsformen von Abflussreinigern reichen von Pulvern bzw. Granulaten bis zu "flüssigen" (d.h. vergleichsweise niedrigviskosen flüssigen) oder "gelartigen" (d.h. höherviskosen flüssigen) Mitteln. Den verschiedenen Darreichungsformen von konventionellen (chemisch wirkenden) Abflussreinigern ist oft eine mehr oder weniger hoch alkalische Rezepturbasis gemeinsam, die durch stark alkalisch wirkende Inhaltsstoffe wie in der Regel Natriumhydroxid bzw. Natronlauge gebildet wird. Die hohe Alkalität bewirkt einerseits primär ein Aufquellen der komplexen Schmutzpfropfen, andererseits zudem eine zumindest teilweise chemische Hydrolyse von in den Ablagerungen enthaltenen Verbindungen (zum Beispiel Hydrolyse der Triglyceride von Fettablagerungen). Im Ergebnis kann eine in der Abwasserleitung befindliche Ablagerung durch den verwendeten Abflussreiniger in manchen Fällen so weit an- bzw. aufgelöst werden, dass überstehendes Wasser wieder frei abfließen kann bzw. die durch den Abflussreiniger gelöste und/oder aufgelockerte Ablagerung durch Spülen mit Wasser aus der Abwasserleitung entfernt werden kann und somit die durch die Ablagerung hervorgerufene Blockade in der Abwasserleitung beseitigt wird. Jedoch wird insbesondere bei Blockaden, die wesentlich durch Haare verursacht sind, die chemische Wirkung solcher konventionellen Abflussreiniger häufig als nicht ausreichend angesehen; Haare erweisen sich als besonders widerstandsfähig gegenüber der chemischen Wirkung solcher Abflussreiniger.

    [0008] Eine weitere Funktionsweise konventioneller alkalischer Abflussreiniger besteht darin, dass bei deren Auflösen die frei werdende Hydratationswärme typischerweise zu einem starken Temperaturanstieg führt. In der Folge werden die Ablagerungen in der Abwasserleitung somit sowohl physikalisch, das heißt insbesondere durch die Erweichung bzw. das Schmelzen von Fettablagerungen aufgrund der Temperaturerhöhung, als auch chemisch durch die Erhöhung der Hydrolysegeschwindigkeit schneller aufgelöst bzw. gelockert. Ein diesbezüglicher Nachteil besteht z.B. in der Gefahr eines unkontrollierten Temperaturanstieges infolge einer Überdosierung. Zur Vermeidung einer solchen Überdosierung werden von den Herstellern ausgewogene Rezepturen mit entsprechend sorgfältig ausgearbeiteten Anwendungshinweisen angeboten, zudem werden von manchen Herstellern spezielle Dosiersysteme eingesetzt, vgl. die Veröffentlichung EP 2008940B1. Der Überdosierung wird somit mit einem beträchtlichen Aufwand entgegengewirkt. Haare und wesentlich durch Haare verursachte Blockaden besitzen im Übrigen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber einer Temperaturerhöhung.

    [0009] Die Leistungskraft von festen Abflussreinigern wird häufig noch weiter gesteigert, indem man diesen mehr oder weniger feine Aluminium-Granulatkörper hinzufügt. Bei gleichzeitiger Anwesenheit einer alkalischen Substanz, wie zum Beispiel Natriumhydroxid, und Wasser werden die Aluminium-Granulatkörper auf an sich bekannte Weise unter der Bildung von gasförmigem Wasserstoff aufgelöst und die in der Abwasserleitung befindliche Ablagerung (z.B. eine wesentlich durch Haare verursachte Blockade) durch die Gasentwicklung zusätzlich mechanisch gelockert. Ein wesentlicher Nachteil in der Lockerung von Ablagerungen durch die Bildung von Wasserstoffgas besteht aber darin, dass sich unter widrigen Verhältnissen (zum Beispiel Kavitäten im Siphon) aus dem entstehenden Wasserstoff und dem Sauerstoff in der Luft ein Knallgasgemisch bilden kann, welches beim gleichzeitigen Auftreten eines Zündfunkens die Gefahr einer Explosion bzw. einer Verpuffung in der Abwasserleitung in sich birgt. Um dieses grundsätzliche Risiko zu vermeiden, ist es bereits bekannt, alkalischen, Alumimium enthaltenden Formulierungen auch noch zusätzlich ein wirksames Oxidationsmittel zuzusetzen, das den Wasserstoff abfängt. Ein typisches in diesem Sinne hoch wirksames Oxidationsmittel ist ein Nitrat-Salz, z.B. Natriumnitrat (sog. Chilesalpeter) mit Stickstoff in der Oxidationsstufe +5, das im Laufe der Reaktion zu Ammoniak mit Stickstoff in der niedrigsten Oxidationsstufe -3 reduziert wird. Mit der Vermeidung des beschriebenen Risikos ist ein zusätzlicher Aufwand und der Einsatz zusätzlicher Chemikalien verbunden, was zunehmend als nachteilig empfunden wird.

    [0010] Nachteile von festen Abflussreinigern (zumindest in Form von Pulvern) bestehen neben den vorstehend genannten Sicherheitsbedenken einiger Rezepturen auch darin, dass sie aufgrund der mikroskopischen Natur von Natriumhydroxid zum Verklumpen neigen. Zudem besteht bei der Verwendung von konventionellen, pulverförmigen Abflussreinigern für den Verbraucher stets die nicht unerhebliche Gesundheitsgefahr eines Einatmens von durch den pulverförmigen Abflussreiniger hervorgerufenen atemwegsreizenden alkalischen Stäuben. Der Einsatz von Granulaten kann hier dazu beitragen, die Sicherheitsrisiken zu reduzieren, ist aber mit zusätzlichem Fertigungsaufwand verbunden.

    [0011] Übliche flüssige bzw. gelförmige Abflussreiniger basieren häufig auf verdünnter Natronlauge und sind somit im Allgemeinen ebenfalls hoch alkalisch. Konventionelle gelförmige Abflussreiniger (d.h. flüssige Zusammensetzungen mit vergleichsweise hoher Viskosität) besitzen zudem in der Praxis fast immer als weiteren Bestandteil ein starkes Oxidationsmittel in Form von Salzen der unter- bzw. hypochlorigen Säure in Form von zum Beispiel Natriumhypochlorit (sogenannte Chlorbleichlauge). Derartige Verbindungen innerhalb der Rezepturen von gelförmigen Abflussreinigern bewirken sowohl ein Quellen als auch eine Oxidation der oxidierbaren Bestandteile von in Abwasserleitungen enthaltenen Ablagerungen, wodurch diese Verbindungen eine doppelte Funktion zur Auflösung bzw. Lockerung von Ablagerungen besitzen. Derartige Verbindungen haben zudem eine desodorierende Wirkung. Hypochlorit enthaltende Abflussreiniger neigen allerdings zur chemischen Instabilität und werden daher in manchen Fällen mit geeigneten Stabilisatoren und einer Alkalireserve versehen, um etwa ein Aufblähen des für die Lagerung bzw. den Vertrieb verwendeten Behälters zu vermeiden. Darüber hinaus sollten während der Lagerung vorstehend genannter Abflussreiniger dauerhaft erhöhte Umgebungstemperaturen und auch eine direkte Bestrahlung durch zum Beispiel Sonnenlicht vermieden werden; hierzu werden vielfach vollständig opake Flaschen eingesetzt. Die Wirkung der besagten Oxidationsmittel enthaltenden Abflussreiniger unter praktischen Bedingungen auf Haare wird im Übrigen häufig als nicht ausreichend empfunden. Auch im Zusammenhang mit dem Einsatz von Hypochlorit in Abflussreinigern gibt es ergänzende Sicherheitsmaßnahmen. So werden beispielsweise in manchen Fällen die Verschlusskappen entsprechender Produkte nicht nur kindersicher konzipiert, sondern erlauben durch innenliegende spezielle Membranen auch eine gezielte Entgasung. Die Herstellung derartiger Produkte erfordert allerdings spezielle Anlagen, bei denen alle Teile mit direktem Produktkontakt möglichst aus Kunststoff oder auch speziellen Titan-Legierungen, keinesfalls aber aus normalem Stahl bestehen sollten, da es sonst durch Spuren von Eisen-Ionen u.a. Metallen zu Zersetzungsreaktionen kommen kann. Die ergänzenden Sicherheitsmaßnahmen werden somit unter technischen Gesichtspunkten in manchen Fällen als problematisch angesehen.

    [0012] Der Umgang mit den vorstehend beschriebenen und als potentiell bis hochgradig gesundheitsgefährdend einzuschätzenden Abflussreinigern verlangt regelmäßig eine besondere Vorsicht sowohl bei der Lagerung dieser Substanzen als auch bei der entsprechenden Verwendung, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden. Derartige Abflussreiniger sollten zudem generell für Kinder unzugänglich aufbewahrt werden, da eine hohe Gefahr der Verätzung bzw. der Vergiftung eines Kindes beim Kontakt mit den vorstehend genannten Abflussreinigern droht. Wirksame Sicherheitsmaßnahmen wie das Vorsehen kindersicherer Verschlüsse und klarer Warnhinweise werden dringend empfohlen.

    [0013] Verbraucher, die keine schnell wirksamen Produkte benötigen, sondern eher eine längere Einwirkzeit, zum Beispiel über Nacht, bevorzugen, können zu auf dem Markt verfügbaren und aus dem Stand der Technik bekannten weniger aggressiven Abflussreinigern greifen. Das Wirkprinzip dieser weniger gesundheitsgefährdenden Abflussreiniger basiert üblicherweise auf in den Rezepturen enthaltenen Enzymen (Lipasen, Proteasen, Amylasen) oder Mikroorganismen. Solche Abflussreiniger sind allerdings aufgrund ihres Wirkprinzips in einer Vielzahl praktischer Situationen nicht brauchbar, insbesondere dann nicht, wenn ein schneller Erfolg entscheidend ist.

    [0014] Es ist zudem bekannt, dass manche Verbindungen, wie z.B. Salze der Thioglykolsäure (nachfolgend auch als Thioglykolate bezeichnet), durch reduktive Spaltung keratinischer Disulfid-Brücken im Keratin von Haaren deren Auflösung fördern. Die vorliegende Erfindung basiert teilweise auf der in eigenen Untersuchungen erlangten Erkenntnis, dass durch den Einsatz von auf Thioglykolaten basierenden Abflussreinigern Blockaden in Abwasserleitungen, die wesentlich durch Ablagerungen von Haaren verursacht sind, in manchen Fällen wieder beseitigt werden können. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass Thioglykolate oxidationsempfindlich sind, insbesondere bei hohen pH-Werten, und daher im Interesse einer längeren Lagerbarkeit und hohen Wirksamkeit nicht mit üblichen Bestandteilen (alkalischen Substanzen; Oxidationsmitteln) von Abflussreinigern kombiniert werden sollten. Diese Erkenntnisse stehen dem Einsatz von Thioglykolaten in Abflussreinigern entgegen.

    [0015] Das Dokument DE 199 33 968 A1 offenbart ein Hilfsmittel für den Hautaufschluss und die Haarlockerung von Tierhäuten, das in wässriger Lösung 10 bis 50 Gew.-% einer Polysaccharidlösung, 5 bis 25 Gew.-% einer Mercaptocarbonsäure oder eines ihrer Salze und 1 bis 10 Gew.-% eines Mercaptoalkohols oder eines seiner Alkalisalze enthält.

    [0016] Das Dokument DE 40 38 693 A1 offenbart ein Mittel zum Reduzieren des Wachstums bzw. Entfernen der Haare am menschlichen Körper, welches eine Grundsubstanz zum Auftragen auf die Haut, insbesondere demineralisiertes und sterilisiertes Wasser, sowie Harnstoff (Urea) enthält.

    [0017] Das Dokument US 4 587 032 A offenbart eine Abflussreinigerzusammensetzung, umfassend (i) etwa 5 bis etwa 20 Gew.-% eines organischen Lösungsmittels ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Lactonen, Pyrrolidinonen, deren Derivaten und deren Mischungen, (ii) etwa 1 bis etwa 10 Gew.-% einer thioorganischen Verbindung (bevorzugt ein Thioglykolat) zum Abbau von Proteinfasern, (iii) etwa 1 bis etwa 5 Gew.-% einer oberflächenaktiven Substanz, (iv) etwa 10 bis etwa 25 Gew.-% eines wasserlöslichen Verdickungsmittels, und (vi) etwa 50 bis etwa 80 Gew.-% Wasser. Das Dokument US 4 587 032 A offenbart zudem, dass die entsprechenden Abflussreinigerzusammensetzungen keine stark sauren oder alkalischen Inhaltsstoffe enthalten.

    [0018] Der Interneteintrag "Verstopften Abfluss mit Enthaarungscreme frei machen" (ins Internet eingestellt am 15.08.2010, URL: https://www.frag-mutti.de/verstopften-abfluss-mit-enthaarungscreme-frei-machen-a20789/) betrifft die Entfernung von Haaren aus dem Abfluss mithilfe von Enthaarungscreme.

    [0019] Das Sicherheitsdatenblatt des Produktes "Veet® Natural Inspirations Hair Removal Cream" (Reckitt Benckiser (Canada) Inc., Version #24404, Mississauga (CAN), 2014, Firmenschrift) offenbart die Zusammensetzung einer Enthaarungscreme, umfassend 5-10 Gew.-% Harnstoff und 3 bis 7 Gew.-% Kaliumthioglykolat.

    [0020] EP125801 und DE10066097 offenbaren Abflussreiniger.

    [0021] Enthaarungsmittel, welche Harnstoff und Thioglykolat enthalten, sind aus KR20080001056 und JPH06192056 bekannt.

    [0022] Offenbarungen zum technischen Hintergrund der vorliegenden Erfindung finden sich auch in dem Artikel "Aqueous Extraction as a Function of pH and Temperature after Reductive or Oxidative Treatments" (J.P. Danehy, Proc. Indiana Acad. Sci., Bd. 68, 1958, S. 128-138) sowie in dem Artikel "Keratin: dissolution, extraction and biomedical application" (A. Shavandi et al., Biomater. Sci., Bd. 5, 2017, Nr. 9, S. 1699-1735).

    [0023] Eigene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wirksamkeit von wässrigen Abflussreinigern auf Basis von Thioglykolat (in Abwesenheit von spezifischen Additiven, welche die Wirkung des Thioglykolats beeinflussen) im Wesentlichen von der Einsatzkonzentration des Thioglykolats und dem pH-Wert des entsprechenden Abflussreinigers abhängt. Zum Erreichen einer zufriedenstellenden haarauflösenden und abflussreinigenden Wirkung müssten solche auf Thioglykolat basierenden wässrigen Abflussreiniger somit hohe Konzentrationen an Thioglykolat (Aktivgehalt an Natriumthioglykolat von ≥ 1 Gew.-%) bzw. hohe pH-Werte (pH-Wert > 11,5) besitzen. Dabei nimmt allerdings auch die Gefährlichkeit entsprechender Abflussreiniger sowohl mit Erhöhung der Thioglykolat-Konzentration als auch mit Erhöhung des pH-Wertes gleichermaßen zu. Derartige Abflussreiniger müssten gemäß Europäischem Chemikaliengesetz REACh (EG 1907/2006) bzw. CLP ("Classification, Labelling and Packaging")-Verordnung (EG 1272/2008, Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen) beispielsweise als augen- und/oder hautreizend oder gar als ätzend eingestuft werden.

    [0024] Es war eine primäre Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine wässrige Zusammensetzung zum Auflösen von Haaren anzugeben, die eine hohe Wirksamkeit mit einem nur geringen Gefährdungspotential vereinigt.

    [0025] Vorzugsweise sollte die anzugebende wässrige Zusammensetzung nicht augenreizend und nicht hautreizend oder gar ätzend sein, sodass eine entsprechende Gefahrenkennzeichnung nicht erforderlich ist. Vorzugsweise sollte die anzugebende wässrige Zusammensetzung allenfalls mild-alkalisch sein (d.h. der pH-Wert der wässrigen Zusammensetzung sollte nicht größer sein als 11,5). Vorzugsweise sollte die anzugebende wässrige Zusammensetzung ihre Wirkung direkt an üblichen Blockaden von Rohren oder Abflüssen entfalten können, die wesentlich durch Haare bzw. Haarablagerungen hervorgerufen sind.

    [0026] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung, die in den beigefügten Ansprüchen definiert ist, wird eine wässrige Zusammensetzung zum Auflösen von Haaren angegeben, die ein oder mehrere Thioglykolate enthält. Die Erfindung wendet sich also einem Wirkstoff zu, der für sich betrachtet und vor allem bei höheren Konzentrationen als durchaus problematisch empfunden wird. Auf Basis dieser Entscheidung war es somit eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die wässrige Zusammensetzung, welche ein oder mehrere Thioglykolate enthält, so auszugestalten, dass trotz der Anwesenheit des bzw. der besagten Thioglykolat(e) das Gefährdungspotential niedrig ist. In diesem Zusammenhang ist es eine besondere Erkenntnis der vorliegenden Erfindung, dass Thioglykolate in Kombination mit Harnstoff eine hervorragende Wirkstoffkombination darstellen, die für die Zwecke der vorliegenden Erfindung besonders geeignet ist.

    [0027] Die vorliegende Erfindung löst die primäre Aufgabe durch eine wässrige Zusammensetzung zum Auflösen von Haaren, umfassend
    • ein oder mehrere Thioglykolate und
    • Harnstoff,
    wobei
    • die Konzentration an Harnstoff 6 Gew.-% oder weniger beträgt, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung,
    • die Gesamtkonzentration an Thioglykolat-Ionen weniger als 1 Gew.-% beträgt, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung, und
    • das Verhältnis der Masse an Harnstoff zu der Gesamtmasse an Thioglykolat-Ionen im Bereich von 2:1 bis 14:1 liegt, vorzugsweise im Bereich von 4:1 bis 8:1.


    [0028] Die Erfindung basiert wesentlich auf der überraschenden Erkenntnis, dass eine Kombination von Thioglykolat-Ionen mit Harnstoff im angegebenen Massenverhältnis und unter Berücksichtigung der angegebenen Konzentrationsobergrenzen eine überraschend starke Fähigkeit zum Auflösen von Haaren mit einem überraschend niedrigen Gefährdungspotential vereinigt.

    [0029] Harnstoff wirkt in Kombination mit Thioglykolat wie ein Additiv, welches die haarlösenden Eigenschaften des Thioglykolats bzw. der Thioglykolate in überraschender Weise verstärkt. Diese Eigenschaft des Harnstoffs war bislang nicht bekannt.

    [0030] Für erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzungen, die Natriumthioglykolat als primären Wirkstoff enthalten und vorzugsweise mild-alkalisch eingestellt sind (pH < 11,5), wurde in eigenen Untersuchungen ermittelt, dass der systematische Zusatz von Harnstoff überraschenderweise zu der gewünschten Verbesserung der haarauflösenden Eigenschaften des Natriumthioglykolats führt. Harnstoff selbst besitzt zwar gegenüber Horn weichmachende Eigenschaften und wird deshalb in dem Fachmann bekannten pharmazeutischen Anwendungen in hohen Konzentrationen (zum Beispiel 40 Gew.-%) als Keratolytikum bzw. keratoplastisch wirksames Mittel eingesetzt, doch haben eigene Untersuchungen gezeigt, dass Harnstoff hierbei keratinbasierende Strukturen und insbesondere Haare nicht auflöst; insbesondere aber löst es Haare nicht in einer wässrigen Lösung mit einer geringen Einsatzkonzentration von nur 10 Gew.-% oder weniger auf. Im Gegenteil zeigte sich in eigenen Untersuchungen, dass mit einer entsprechenden wässrigen Harnstoff-Lösung behandelte Haare Wasser aufnehmen und es somit zu einer Zunahme des wirksamen Gewichts der Haare kommt. Eine entsprechende Quellwirkung würde aber natürlich im praktischen Einsatz eine vorhandene Rohrblockade nur noch weiter verschlimmern.

    [0031] Weitere eigene Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Konzentration an Harnstoff von mehr als 6 Gew.-% das Auflösen von Haaren nicht mehr befördert. Zudem trägt ein Massenverhältnis von Harnstoff zu der Gesamtmasse an Thioglykolat-Ionen von mehr als 14:1 nicht mehr zu einem verbesserten Auflösen von Haaren bei.

    [0032] Der Wirkmechanismus der Wirkstoffkombination aus Thioglykolat-Ionen und Harnstoff und der Mechanismus des Zusammenspiels zwischen diesen beiden Wirkstoffen ist bislang nicht geklärt. Es erscheint jedoch möglich, dass der Harnstoff das behandelte Haar oberflächlich so modifiziert, dass die Thioglykolat-Ionen anschließend die modifizierte Haaroberfläche besonders effektiv angreifen und auflösen können.

    [0033] Vorzugsweise ist die erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung eine Lösung; die Anwesenheit einer suspendierten (emulgierten und/oder dispergierten) Phase bzw. mehrerer solcher Phasen ist jedoch nicht ausgeschlossen.

    [0034] Eine erfindungsgemäße Zusammensetzung ist bevorzugt, wenn sie eine Viskosität von größer als 50 mPas besitzt, vorzugsweise größer als 200 mPas, besonders vorzugsweise größer als 500 mPas, wobei die Viskosität mit einem Brookfield Rotationsviskosimeter mit einer LV3 Spindel,

    mit 4 UPM für den Bereich > 12.000 mPas,

    mit 10 UPM für den Bereich 10.000 - 12.000 mPas,

    mit 12 UPM für den Bereich 6.000 - 10.000 mPas,

    mit 20 UPM für den Bereich 4.000 - 6.000 mPas und

    mit 30 UPM für den Bereich < 4.000 mPas,

    bei einer Temperatur von 20 °C und einem Druck von 1013 mbar bestimmt wird.



    [0035] Die Viskosität der bevorzugten wässrigen Zusammensetzung ist somit höher als die Viskosität von Wasser, der Anwender setzt somit eine vergleichsweise zähflüssige wässrige Zusammensetzung ein. Die Handhabung entspricht der Handhabung üblicher höher viskoser und dabei flüssiger Abflussreiniger.

    [0036] Es ist eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung bevorzugt (insbesondere eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung, wie sie vorstehend oder nachfolgend als bevorzugt bezeichnet ist), bei der die Dichte der Zusammensetzung bei 25 °C größer ist als 1,0 g/mL und dabei vorzugsweise zwischen 1,0 g/mL und 1,4 g/mL liegt, bevorzugt zwischen 1,0 g/mL und 1,2 g/mL, besonders bevorzugt zwischen 1,0 g/mL und 1,1 g/mL, bestimmt mit Hilfe der Schwingrohrmethode.

    [0037] Vorzugsweise ist somit die Dichte einer erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung höher als die Dichte von Wasser. Dies bewirkt, dass eine bevorzugte erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung nach dem Eingießen in ein Abflussrohr in diesem Rohr hinabsinkt und (bei Vorliegen einer üblichen Blockade) in Kontakt mit den die Blockade bewirkenden Haaren gelangt.

    [0038] Der Fachmann kann sowohl die Viskosität (siehe oben) als auch die Dichte einer erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung in üblicher Weise durch den Einsatz abgestimmter Mengen von Additiven einstellen bzw. vorbestimmen. Überraschenderweise stört die Anwesenheit von Harnstoff nicht oder nicht in signifikanter Weise beim Einstellen einer vorteilhaften Viskosität. Für den Fachmann überraschend ist dieser Sachverhalt deshalb, weil Harnstoff als effizient wirksame hydrotrope Substanz bekannt ist und solche hydrotropen Substanzen vielfach zur Verringerung einer vor ihrer Zugabe vorliegenden Viskosität beitragen.

    [0039] Weiter oben wurde bereits ausgeführt, dass eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung vorzugsweise mild-alkalisch eingestellt sein sollte. Es ist daher eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung bevorzugt (insbesondere eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung, wie sie vorstehend oder nachfolgend als bevorzugt bezeichnet ist), die ein oder mehrere Hydroxide umfasst, wobei
    • das eine oder eines der mehreren Hydroxide Natriumhydroxid ist
      und/oder
    • die Gesamtkonzentration an Hydroxid-lonen 0,4 Gew.-% oder weniger beträgt, vorzugsweise weniger als 0,3 Gew.-%, besonders vorzugsweise weniger als 0,2 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung.


    [0040] Besonders bevorzugt ist eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung (vorzugsweise eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung, wie sie vorstehend oder nachfolgend als bevorzugt bezeichnet ist), die einen pH-Wert im Bereich von 8 bis 12 besitzt, vorzugsweise im Bereich von 10 bis 12, besonders vorzugsweise im Bereich von 11,0 bis 11,4.

    [0041] Solche mild-alkalisch eingestellten erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzungen tragen auf die weiter oben dargelegte Weise dazu bei, dass neben den primär zu behandelnden Haaren vorliegende Fette oder dergleichen hydrolysiert werden; hierdurch wird in vielen praktischen Anwendungsfällen ein besonders guter Reinigungserfolg erreicht. Entsprechende Abflussreiniger sind besonders vielseitig einsetzbar.

    [0042] Bevorzugt ist somit eine wässrige Zusammensetzung zum Auflösen von Haaren, umfassend
    • ein oder mehrere Thioglykolate,
    • Harnstoff, und
    • ein oder mehrere Hydroxide, vorzugsweise Natriumhydroxid,
    wobei
    • die Konzentration an Harnstoff 6 Gew.-% oder weniger beträgt, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung,
    • die Gesamtkonzentration an Thioglykolat-Ionen weniger als 1 Gew.-% beträgt, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung,
    • das Verhältnis der Masse an Harnstoff zu der Gesamtmasse an Thioglykolat-Ionen im Bereich von 2:1 bis 14:1 liegt,
    • die Zusammensetzung einen pH-Wert im Bereich von 8 bis 12 besitzt, vorzugsweise im Bereich von 10 bis 12, besonders vorzugsweise im Bereich von 11,0 bis 11,4,
      und vorzugsweise
    • die Gesamtkonzentration an Hydroxid-lonen 0,4 Gew.-% oder weniger beträgt, vorzugsweise weniger als 0,3 Gew.-%, besonders vorzugsweise weniger als 0,2 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung.


    [0043] Erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzungen wie vorstehend beschrieben (insbesondere die als bevorzugt bezeichneten erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzungen) besitzen eine für Praxiszwecke hervorragende Fähigkeit, Haare aufzulösen. Weitere Bestandteile zum Auflösen von Haaren müssen in einer erfindungsgemäßen Zusammensetzung nicht enthalten sein. Dennoch ist es in der Praxis vorteilhaft, zum Erreichen bestimmter zusätzlicher Zwecke weitere Bestandteile vorzusehen. Bevorzugt ist daher eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung (bevorzugt eine Zusammensetzung, die vorstehend oder nachfolgend aus bevorzugt bezeichnet ist), die zudem ein oder mehrere Bestandteile umfasst, die ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus
    • oberflächenaktive Substanzen
    • Elektrolyte,
    • Farbstoffe, und
    • Duftstoffe.


    [0044] Der Begriff "oberflächenaktive Substanzen" bezeichnet in üblicher Weise Tenside, die gemeinsam mit den Pflichtbestandteilen Thioglykolat und Harnstoff sowie vorzugsweise gemeinsam mit Hydroxiden wie Natriumhydroxid eingesetzt werden können. Vorzugsweise ist die eine oder zumindest eine der mehreren oberflächenaktiven Substanzen, die in einer bevorzugten erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung enthalten sind, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus anionischen, kationischen und nichtionischen Tensiden, vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus anionischen und nichtionischen Tensiden,

    wobei das eine oder eines der mehreren anionischen Tenside vorzugsweise ein Laurylethersulfat ist, besonders vorzugsweise Natriumlaurylethersulfat ist
    und/oder

    wobei das eine oder eines der mehreren nichtionischen Tenside PEG-4 Rapeseedamide ist
    und/oder

    wobei vorzugsweise die Gesamtmenge der einen oder mehreren oberflächenaktiven Substanzen ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus anionischen und nichtionischen Tensiden kleiner ist als 3,5 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung,

    besonders vorzugsweise die Gesamtmenge der einen oder mehreren oberflächenaktiven Substanzen ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus anionischen, kationischen und nichtionischen Tensiden kleiner ist als 3,5 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung,

    ganz besonders vorzugsweise die Gesamtmenge der einen oder mehreren oberflächenaktiven Substanzen kleiner ist als 3,5 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung.



    [0045] Bevorzugt sind Natriumlaurylethersulfat und PEG-4 Rapeseedamide. Natriumlaurylethersulfat (englisch: sodium laureth sulfate) besitzt die CAS-Nummer 68891-38-3, PEG-4 rapeseedamide besitzt die CAS-Nummer 85536-23-8

    [0046] Als "Elektrolyte" werden vorzugsweise Alkali- und/oder Erdalkalihalogenide eingesetzt, wobei vorzugsweise als Elektrolyt Natriumchlorid (NaCl) eingesetzt wird. Die Auswahl des Elektrolyts beeinflusst die Viskosität und die Dichte der jeweiligen erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung.

    [0047] Der Begriff "Farbstoffe" umfasst jegliche Substanzen, die als Bestandteil einer erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung deren Farbgebung beeinflussen. Vorzugsweise ist der bzw. zumindest einer der eingesetzten Farbstoffe ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus wasserlöslichen natürlichen und synthetischen Farbstoffen und Pigmenten, die für Lebensmittel und/oder Kosmetika zugelassen sind gemäß Lebens- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB, E-Nummern Liste) und/oder gemäß Anhang IV der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel.

    [0048] Als "Duftstoffe" (Riechstoffe) können sämtliche Substanzen eingesetzt werden, die als Bestandteil einer erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung deren Duft bestimmen oder mitbestimmen. Vorzugsweise ist der oder zumindest einer der eingesetzten Duftstoffe ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus natürlichen und synthetischen Duftstoffen, vorzugsweise Extrakte von Blüten (Lilie, Lavendel, Rosen, Jasmin, Neroli, Ylang-Ylang), Extrakte von Stengeln und Blättern (Geranium, Patchouli, Petitgrain), Extrakte von Früchten (Anis, Koriander, Kümmel, Wacholder), Extrakte von Fruchtschalen (Bergamotte, Zitrone, Orangen), Extrakte von Wurzeln (Macis, Angelica, Sellerie, Kardamon, Costus, Iris, Calmus), Extrakte von Hölzern (Pinien-, Sandel-, Guajak-, Zedern-, Rosenholz), Extrakte von Kräutern und Gräsern (Estragon, Zitronengras, Salbei, Thymian), Extrakte von Nadeln und Zweigen (Fichte, Tanne, Kiefer, Latschen), Extrakte von Harzen und Balsamen (Galbanum, Elemi, Benzoe, Myrrhe, Olibanum, Opoponax), Zibet, Castoreum, Benzylacetat, Phenoxyethylisobutyrat, p-tert.-Butylcyclohexylacetat, Linalylacetat, Dimethylbenzylcarbinylacetat, Phenylethylacetat, Linalylbenzoat, Benzylformiat, Ethylmethylphenylglycinat, Allylcyclohexylpropionat, Styrallylpropionat und Benzylsalicylat, Citral, Citronellal, Citronellyloxyacetaldehyd, Cyclamenaldehyd, Hydroxycitronellal, Lilial, Bourgeonal, Isomethylionon, Methylcedrylketon, Anethol, Citronellol, Eugenol, Isoeugenol, Geraniol, Linalool, Phenylethylalkohol, Terpineol, Terpene, Balsame, Salbeiöl, Kamillenöl, Nelkenöl, Melissenöl, Minzenöl, Zimtblätteröl, Lindenblütenöl, Wacholderbeerenöl, Vetiveröl, Olibanöl, Galbanumöl, Labolanumöl, Lavandinöl, Bergamotteöl, Dihydromyrcenol, Lyral, α-Hexylzimtaldehyd, Benzylaceton, Linalool, Ambroxan, Indol, Hedione, Sandelice, Citronenöl, Mandarinenöl, Orangenöl, Allylamylglycolat, Cyclovertal, β-Damascone, Geraniumöl, Cyclohexylsalicylat, Phenylessigsäure, Geranylacetat und Rosenoxid.

    [0049] Die Auswahl des Gegenkations zum anionischen Thioglykolat-Ion wird durch die technische Zielrichtung der vorliegenden Erfindung bestimmt. Es sollten generell Kationen eingesetzt werden, die mit den weiteren Bestandteilen der erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung kompatibel sind und beispielsweise bei Anwendung im Haushalt nicht zu einer Gesundheitsgefährdung führen. Bevorzugt sind Ammonium, Alkalimetallkationen und Erdalkalimetallkationen. Ammonium und Alkalimetallkationen sind besonders bevorzugt. Ganz besonders bevorzugt ist der Einsatz von Natriumionen und Ammonium. In der Praxis bevorzugt ist somit insbesondere eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung, wobei das eine oder eines der mehreren Thioglykolate Natriumthioglykolat ist. Kalium- und Ammoniumthioglykolat sind aufgrund ihrer etwas höheren Aggressivität etwas weniger bevorzugt.

    [0050] Vorzugsweise umfasst eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung keines der üblichen starken Oxidationsmittel, wie sie häufig in konventionellen Abflussreinigern enthalten sind. Besonders bevorzugt enthält eine erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung somit kein Hypochlorit und insbesondere bevorzugt kein Natriumhypochlorit. Auf diese Weise wird vermieden, dass das oxidationsempfindliche Thioglykolat bei Lagerung oder Einsatz oxidiert wird.

    [0051] Die vorliegende Erfindung betrifft auch die Verwendung einer erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung (wie vorstehend und/oder in den Ansprüchen definiert, vorzugsweise in einer als bevorzugt angegebenen Ausgestaltung) zum Auflösen von Haaren und/oder als Rohr- oder Abflussreiniger. Vorzugsweise betrifft die vorliegende Erfindung also die Verwendung einer erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung zum Auflösen von Haaren und als Rohr-oder Abflussreiniger. Sämtliche vorstehenden Ausführungen zu bevorzugten erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzungen gelten auch im Zusammenhang mit der erfindungsgemäßen Verwendung. Vorzugsweise betrifft die Verwendung das Auflösen von Haaren in einem (gegebenenfalls verstopften) Rohr oder Abfluss.

    [0052] Die vorliegende Erfindung betrifft auch ein Verfahren zum Auflösen von Haaren, mit folgenden Schritten:
    1. (i) Bereitstellen oder Herstellen einer erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung wie in den Ansprüchen und/oder vorstehend definiert, vorzugsweise wie vorstehend als bevorzugt bezeichnet,
      und
    2. (ii) Kontaktieren der bereitgestellten oder hergestellten erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung mit Haaren, bis die Haare zumindest teilweise aufgelöst sind.


    [0053] Angesichts der vorstehenden Ausführungen versteht es sich, dass dieser Aspekt der vorliegenden Erfindung vorzugsweise ein Verfahren betrifft zum Auflösen von Haare enthaltenden Verunreinigungen in einem Rohr (z. B. einem Abflussrohr) und/oder zum Entfernen von Haare enthaltenden Verunreinigungen aus einem Rohr. Ein solches bevorzugtes Verfahren umfasst dann zusätzlich die folgenden Schritte:
    • nach Schritt (i) zur Durchführung des Schrittes (ii) Einfüllen einer Menge der bereitgestellten oder hergestellten wässrigen Zusammensetzung in das Rohr mit der Haare enthaltenden Verunreinigung,
    • vorzugsweise nach Schritt (ii) Spülen des Rohres, sodass die Haare enthaltende Verunreinigung ganz oder teilweise aus dem Rohr entfernt wird.


    [0054] Sämtliche Ausführungen zu bevorzugten erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzungen und zu bevorzugten erfindungsgemäßen Verwendungen gelten für das erfindungsgemäße Verfahren und dessen bevorzugte Ausgestaltungen entsprechend, mutatis mutandis, und umgekehrt.

    [0055] Bevorzugt ist ein erfindungsgemäßes Verfahren wie in den Ansprüchen definiert und/oder vorstehend angegeben (vorzugsweise eines der vorstehend angegebenen bevorzugten Verfahren), wobei zusätzlich zu Haaren weitere Substanzen aufgelöst oder entfernt werden, vorzugsweise ein oder mehr Substanzen ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Fetten, Ölen, weiteren keratinhaltigen Substanzen und Papier. Der Begriff "weitere keratinhaltige Substanzen" umfasst hierbei insbesondere menschliche oder tierische Fuß- und Fingernägel.

    [0056] Soweit Fette und/oder Öle aufgelöst oder entfernt werden sollen, umfasst die im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzte wässrige Zusammensetzung vorzugsweise Hydroxide (zwecks Hydrolyse von Fettsäuren oder dergleichen) und/oder übliche Fettlösemittel (z. B. übliche fettlösende Tenside).

    [0057] Das erfindungsgemäße Verfahren wird vorzugsweise eingesetzt, wenn Haare enthaltende Verunreinigungen in einem Rohr aufgelöst und/oder Haare enthaltende Verunreinigungen aus einem Rohr entfernt werden sollen, wobei die Verunreinigungen zusätzlich zu Haaren eine oder mehr Substanzen enthalten, die ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus Fetten, Ölen, weiteren keratinhaltigen Substanzen und Papier.

    [0058] Vor, gleichzeitig oder nach Einsatz einer erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung (wie in den Ansprüchen definiert, wie vorstehend beschrieben und vorzugsweise wie vorstehend als bevorzugt bezeichnet) wird der Fachmann weitere Maßnahmen zum Auflösen und/oder Entfernen der Haare enthaltenden Verunreinigungen in bzw. aus dem Rohr durchführen, sofern dies notwendig erscheint. Vorzugsweise werden ergänzend mechanische Maßnahmen ergriffen, z. B. wie sie vorstehend erläutert sind. Es können aber auch ergänzende chemische Maßnahmen durchgeführt werden und insbesondere chemische Rohr- bzw. Abflussreiniger eingesetzt werden. Eine solche Kombination von Maßnahmen kann insbesondere erforderlich sein, wenn Haare zwar wesentlich für eine vorliegende Rohr- bzw. Abflussblockade sind, daneben aber derart große Mengen an Fetten und/oder Ölen vorliegen, dass die bloße Behandlung der Haare nicht zum angestrebten Reingungserfolg führt.

    [0059] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Beispielen näher erläutert.

    Bestimmung der Haarauflösekraft von erfindungsgemäßen und nicht erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzungen:



    [0060] Die Haarauflösekraft von erfindungsgemäßen und nicht erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzungen wurde bestimmt. Die untersuchten wässrigen Zusammensetzungen beinhalteten neben Wasser jeweils die in Tabelle 1 angegebenen Bestandteile in den dort angegebenen Mengen sowie die in Tabelle 2 angegebenen Mengen an Natriumthioglykolat und Harnstoff.
    Tabelle 1: Basis-Bestandteile der untersuchten erfindungsgemäßen und nicht erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzungen.
    Bestandteil Mengenanteil [Gew.-%]
    Natriumhydroxid (Hydroxid) 0,33
    Natriumlaurylethersulfat (oberflächenaktive Substanz) 2,80
    PEG-4 Rapeseedamide (oberflächenaktive Substanz) 0,25


    [0061] Zur Bestimmung der Haarauflösekraft wurde jeweils 1 g eines standardisierten kaukasischen Haargemisches in eine Mischung bestehend aus 250 mL einer erfindungsgemäßen oder nicht erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung gemäß Tabelle 2 und 250 mL Wasser gegeben. Die nach Verdünnung der erfindungsgemäßen oder nicht erfindungsgemäßen wässrigen Zusammensetzung gemäß Tabelle 2 mit 250 mL Wasser erhaltene Mischung stellt selbst wieder eine erfindungsgemäße oder nicht erfindungsgemäße wässrige Zusammensetzung dar, wobei die nach Verdünnung erhaltene Mischung (im Vergleich zu der wässrigen Zusammensetzung gemäß Tabelle 2) geringere Konzentrationen an Natriumthioglykolat und/oder Harnstoff aufweist. Nach der Zugabe von weiteren 250 mL heißen Wassers wurde umgerührt und das Haargemisch für 8 Stunden im entstandenen Gemisch belassen. Danach wurden die noch verbliebenen Haare abgesiebt, mit warmen Wasser gut ausgespült, bei 40 °C bis zur Gewichtskonstanz getrocknet und anschließend gewogen.

    [0062] Zur Bestimmung der prozentualen Haarauflösekraft wurden die jeweils nach 8 Stunden Einwirkzeit ermittelten Haarmengen auf den Wert der Haarmenge normiert, welcher unter Verwendung einer Vergleichszusammensetzung ohne Natriumthioglykolat und ohne Harnstoff ("Zusammensetzung I") erhalten wurde und basierend darauf der prozentuale Anteil an aufgelösten Haaren pro verwendeter wässriger Zusammensetzung ermittelt.

    [0063] Die Gleichung zur Ermittlung der Haarauflösekraft lautet somit wie folgt:

    Tabelle 2: Haarauflösekraft von erfindungsgemäßen und nicht erfindungsgemäßen Zusammensetzungen.
      Natrium-thioglykolat [Gew.-%] Harnstoff [Gew.-%] Gemessene Masse Haar nach 8 h Einwirkzeit [g] Haarauflöse-kraft [%]
    Zusammensetzung I ohne Natriumthioglykolat und ohne Harnstoff (nicht erfindungsgemäß) I 0 0 0,93 0,0
    Zusammensetzungen II ohne Harnstoff (nicht erfindungsgemäß) II-1 1,0 0,0 0,90 3,2
    II-2 2,0 0,0 0,88 5,4
    II-3 3,0 0,0 0,87 6,5
    II-4 4,0 0,0 0,86 7,5
    Zusammensetzungen III ohne Natriumthioglykolat, (nicht erfindungsgemäß) III-1 0,0 5,0 0,96 -3,2
    III-2 0,0 10,0 0,98 -5,4
    III-3 0,0 15,0 0,99 -6,5
    III-4 0,0 20,0 0,97 -4,3
    Zusammensetzungen IV mit Natriumthioglykolat und Harnstoff (erfindungsgemäß) IV-1 1,0 2,5 0,82 11,8
    IV-2 1,0 5,0 0,77 17,2
    Zusammensetzungen IV mit Natriumthioglykolat und Harnstoff (erfindungsgemäß nach Verdünnung) IV-3 1,0 7,5 0,75 19,4
    IV-4 1,0 10,0 0,72 22,6


    [0064] Wie aus Tabelle 2 hervorgeht, wird bei Verwendung von erfindungsgemäßen Zusammensetzungen durch das gleichzeitige Vorhandensein von Thioglykolat und Harnstoff eine hervorragende Haarauflösung erzielt, welche deutlich über jener von nicht erfindungsgemä-ßen Zusammensetzungen liegt. Grund hierfür ist vermutlich ein synergistischer Effekt, welcher bei gleichzeitigem Vorliegen von Thioglykolat und Harnstoff in einer erfindungsgemä-ßen wässrigen Zusammensetzung auftritt.

    [0065] Ein additiver Effekt von Thioglykolat und Harnstoff kann indes ausgeschlossen werden. Wie an Untersuchungen mit nicht erfindungsgemäßen Zusammensetzungen, welche ausschließlich Thioglykolat (Zusammensetzungen II) oder ausschließlich Harnstoff (Zusammensetzungen III) enthielten, deutlich wurde, kann auch bei einem mengenmäßig deutlich höheren Einsatz von ausschließlich Thioglykolat oder ausschließlich Harnstoff nicht annähernd jene Haarauflösekraft erreicht werden, wie sie in einer Kombination beider Verbindungen miteinander resultiert. Bei nicht erfindungsgemäßen Zusammensetzungen, welche Harnstoff aber kein Thioglykolat enthalten (Zusammensetzungen III), sind zudem im Gegenteil negative Werte für die Haarauflösekraft zu beobachten, da das Vorliegen von Harnstoff ohne Thioglykolat in einer Zusammensetzung während der Einwirkzeit zu einer Wasseraufnahme (Quellung) und somit zu einer Gewichtszunahme des Haargemisches führt, welche durch die vor dem Auswiegen der Haarmenge stattfindende Trocknung nicht vollständig ausgeglichen wird.

    [0066] Besonders beeindruckend ist der Vergleich der Untersuchungen zu den Zusammensetzungen II-1, III-1 und IV-2. Die Haarauflösekraft zu Zusammensetzung II-1 beträgt 3,2%, die Haarauflösekraft zu Zusammensetzung III-1 beträgt-3,2%, sodass bei einer rein additiven Wirkung bei Kombination von 1,0 Gew.-% Natriumthioglykolat (vgl. II-1) mit 5,0 Gew.-% Harnstoff (vgl. III-1) ein Wert von 0% für die Haarauflösekraft zu erwarten wäre. Stattdessen ergibt sich jedoch für die Zusammensetzung IV-2, die 1,0 Gew.-% Natriumthioglykolat und 5,0 Gew.-% Harnstoff enthält, eine Haarauflösekraft von 17,2%. Die experimentell bestimmte Haarauflösekraft für Zusammensetzung IV-2 ist somit nicht das lediglich additive Ergebnis der individuellen Haarauflösekräfte, wie sie für die Zusammensetzungen II-1 und III-1 bestimmt wurde.

    [0067] Ebenso eindrucksvoll ist ein Vergleich der Ergebnisse zu den Zusammensetzungen II-1, III-2 und IV-4. Die Addition der Haarauflösekräfte für die Zusammensetzungen II-1 und III-2 ergibt einen Wert von -2,2%. Tatsächlich wird jedoch für Zusammensetzung IV-4, welche 1 Gew.-% Natriumthioglykolat und 10,0 Gew.-% Harnstoff enthält, eine Haarauflösekraft von 22,6% gemessen.


    Ansprüche

    1. Wässrige Zusammensetzung zum Auflösen von Haaren, umfassend

    - ein oder mehrere Thioglykolate und

    - Harnstoff,
    wobei

    - die Konzentration an Harnstoff 6 Gew.-% oder weniger beträgt, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung,

    - die Gesamtkonzentration an Thioglykolat-Ionen weniger als 1 Gew.-% beträgt, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung, und

    - das Verhältnis der Masse an Harnstoff zu der Gesamtmasse an Thioglykolat-Ionen im Bereich von 2:1 bis 14:1 liegt.


     
    2. Wässrige Zusammensetzung nach Anspruch 1, wobei die Zusammensetzung

    eine Viskosität von größer als 50 mPas besitzt, vorzugsweise größer als 200 mPas, besonders vorzugsweise größer als 500 mPas, wobei die Viskosität mit einem Brookfield Rotationsviskosimeter mit einer LV3 Spindel,

    mit 4 UPM für den Bereich > 12.000 mPas,

    mit 10 UPM für den Bereich 10.000 - 12.000 mPas,

    mit 12 UPM für den Bereich 6.000 - 10.000 mPas,

    mit 20 UPM für den Bereich 4.000 - 6.000 mPas und

    mit 30 UPM für den Bereich < 4.000 mPas,

    bei einer Temperatur von 20 °C und einem Druck von 1013 mbar bestimmt wird.


     
    3. Wässrige Zusammensetzung nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Dichte der Zusammensetzung bei 25 °C größer ist als 1,0 g/mL und dabei vorzugsweise zwischen 1,0 g/mL und 1,4 g/mL liegt, bevorzugt zwischen 1,0 g/mL und 1,2 g/mL, besonders bevorzugt zwischen 1,0 g/mL und 1,1 g/mL, bestimmt mit Hilfe der Schwingrohrmethode.
     
    4. Wässrige Zusammensetzung nach einem der vorangehenden Ansprüche, umfassend ein oder mehrere Hydroxide,
    wobei vorzugsweise

    - das eine oder eines der mehreren Hydroxide Natriumhydroxid ist
    und/oder

    - die Gesamtkonzentration an Hydroxid-lonen 0,4 Gew.-% oder weniger beträgt, vorzugsweise weniger als 0,3 Gew.-%, besonders vorzugsweise weniger als 0,2 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung.


     
    5. Wässrige Zusammensetzung nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Zusammensetzung einen pH-Wert im Bereich von 8 bis 12 besitzt, vorzugsweise im Bereich von 10 bis 12, besonders vorzugsweise im Bereich von 11,0 bis 11,4.
     
    6. Wässrige Zusammensetzung nach einem der vorangehenden Ansprüche, zudem umfassend ein oder mehrere Bestandteile ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus

    - oberflächenaktive Substanzen

    - Elektrolyte,

    - Farbstoffe, und

    - Duftstoffe.


     
    7. Wässrige Zusammensetzung nach Anspruch 6, wobei die eine oder zumindest eine der mehreren oberflächenaktiven Substanzen ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus anionischen, kationischen und nichtionischen Tensiden, vorzugsweise ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus anionischen und nichtionischen Tensiden,

    wobei das eine oder eines der mehreren anionischen Tenside vorzugsweise ein Laurylethersulfat ist, besonders vorzugsweise Natriumlaurylethersulfat ist
    und/oder

    wobei das eine oder eines der mehreren nichtionischen Tenside PEG-4 Rapeseedamide ist
    und/oder

    wobei vorzugsweise die Gesamtmenge der einen oder mehreren oberflächenaktiven Substanzen ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus anionischen und nichtionischen Tensiden kleiner ist als 3,5 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung,

    besonders vorzugsweise die Gesamtmenge der einen oder mehreren oberflächenaktiven Substanzen ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus anionischen, kationischen und nichtionischen Tensiden kleiner ist als 3,5 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung,

    ganz besonders vorzugsweise die Gesamtmenge der einen oder mehreren oberflächenaktiven Substanzen kleiner ist als 3,5 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Zusammensetzung.


     
    8. Wässrige Zusammensetzung nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das eine oder eines der mehreren Thioglykolate Natriumthioglykolat ist.
     
    9. Verwendung einer wässrigen Zusammensetzung nach einem der vorangehenden Anspruche zum Auflösen von Haaren und/oder als Rohr- oder Abflussreiniger.
     
    10. Verfahren zum Auflösen von Haaren, mit folgenden Schritten:

    (i) Bereitstellen oder Herstellen einer wässrigen Zusammensetzung wie in einem der Ansprüche 1 bis 8 definiert,
    und

    (ii) Kontaktieren der bereitgestellten oder hergestellten wässrigen Zusammensetzung mit Haaren, bis die Haare zumindest teilweise aufgelöst sind.


     
    11. Verfahren nach Anspruch 10, zum Auflösen von Haare enthaltenden Verunreinigungen in einem Rohr und/oder zum Entfernen von Haare enthaltenden Verunreinigungen aus einem Rohr, mit folgenden Schritten:

    - nach Schritt (i) zur Durchführung des Schrittes (ii) Einfüllen einer Menge der bereitgestellten oder hergestellten wässrigen Zusammensetzung in das Rohr mit der Haare enthaltenden Verunreinigung,

    - vorzugsweise nach Schritt (ii) Spülen des Rohres, sodass die Haare enthaltende Verunreinigung ganz oder teilweise aus dem Rohr entfernt wird.


     
    12. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 11, wobei zusätzlich zu Haaren weitere Substanzen aufgelöst oder entfernt werden, vorzugsweise ein oder mehr Substanzen ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Fetten, Ölen, weiteren keratinhaltigen Substanzen und Papier.
     
    13. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 oder 12, wobei die Verunreinigung zusätzlich zu Haaren ein oder mehr Substanzen enthält, die ausgewählt sind aus der Gruppe bestehend aus Fetten, Ölen, weiteren keratinhaltigen Substanzen und Papier.
     


    Claims

    1. Aqueous composition for dissolving hair, comprising

    - one or more thioglycolates and

    - urea,
    wherein

    - the concentration of urea is 6 wt% or less, based on the total amount of the composition,

    - the total concentration of thioglycolate ions is less than 1 wt%, based on the total amount of the composition, and

    - the ratio of the mass of urea to the total mass of thioglycolate ions is in the range from 2 : 1 to 14 : 1.


     
    2. Aqueous composition according to Claim 1, where the composition possesses a viscosity of greater than 50 mPas, preferably greater than 200 mPas, more preferably greater than 500 mPas, the viscosity being determined using a Brookfield rotary viscosimeter with an LV3 spindle,

    at 4 rpm for the range > 12 000 mPas,

    at 10 rpm for the range 10 000 - 12 000 mPas,

    at 12 rpm for the range 6000 - 10 000 mPas,

    at 20 rpm for the range 4000 - 6000 mPas and

    at 30 rpm for the range < 4000 mPas,

    at a temperature of 20°C and a pressure of 1013 mbar.


     
    3. Aqueous composition according to either of the preceding claims, where the density of the composition at 25°C is greater than 1.0 g/mL and is preferably between 1.0 g/mL and 1.4 g/mL, more preferably between 1.0 g/mL and 1.2 g/mL, very preferably between 1.0 g/mL and 1.1 g/mL, determined by means of the vibrating tube method.
     
    4. Aqueous composition according to any of the preceding claims, comprising one or more hydroxides,
    where preferably

    - the one or one of the two or more hydroxides is sodium hydroxide
    and/or

    - the total concentration of hydroxide ions is 0.4 wt% or less, preferably less than 0.3 wt%, more preferably less than 0.2 wt%, based on the total amount of the composition.


     
    5. Aqueous composition according to any of the preceding claims, where the composition possesses a pH in the range from 8 to 12, preferably in the range from 10 to 12, more preferably in the range from 11.0 to 11.4.
     
    6. Aqueous composition according to any of the preceding claims, further comprising one or more constituents selected from the group consisting of

    - surface-active substances,

    - electrolytes,

    - dyes, and

    - fragrances.


     
    7. Aqueous composition according to Claim 6, where the one or at least one of the two or more surface-active substances is selected from the group consisting of anionic, cationic and nonionic surfactants, preferably selected from the group consisting of anionic and nonionic surfactants,

    where the one or one of the two or more anionic surfactants is preferably a lauryl ether sulfate, more preferably sodium lauryl ether sulfate,
    and/or

    where the one or one of the two or more nonionic surfactants is PEG-4 rapeseedamide, and/or

    where preferably the total amount of the one or more surface-active substances selected from the group consisting of anionic and nonionic surfactants is less than 3.5 wt%, based on the total amount of the composition,

    more preferably the total amount of the one or more surface-active substances selected from the group consisting of anionic, cationic and nonionic surfactants is less than 3.5 wt%, based on the total amount of the composition,

    very preferably the total amount of the one or more surface-active substances is less than 3.5 wt%, based on the total amount of the composition.


     
    8. Aqueous composition according to any of the preceding claims, where the one or one of the two or more thioglycolates is sodium thioglycolate.
     
    9. Use of an aqueous composition according to any of the preceding claims for dissolving hair and/or as pipe or drain cleaner.
     
    10. Method for dissolving hair, comprising the following steps:

    (i) providing or producing an aqueous composition as defined in any of Claims 1 to 8,
    and

    (ii) contacting the provided or produced aqueous composition with hair until the hair is at least partly dissolved.


     
    11. Method according to Claim 10, for dissolving hair-containing fouling in a pipe and/or for removing hair-containing fouling from a pipe, comprising the following steps:

    - after step (i), for implementing step (ii), introducing an amount of the provided or produced aqueous composition into the pipe with the hair-containing fouling,

    - preferably after step (ii), rinsing the pipe, so that the hair-containing fouling is removed wholly or partly from the pipe.


     
    12. Method according to one of Claims 10 to 11, where, in addition to hair, further substances are dissolved or removed, preferably one or more substances selected from the group consisting of fats, oils, other keratinous substances, and paper.
     
    13. Method according to one of Claims 11 or 12, where the fouling, in addition to hair, comprises one or more substances selected from the group consisting of fats, oils, other keratinous substances, and paper.
     


    Revendications

    1. Composition aqueuse destinée à dissoudre des cheveux, la composition comprenant

    - un ou plusieurs thioglycolates et

    - de l'urée

    - la concentration en urée étant de 6% en poids ou moins par rapport à la quantité
    totale de la composition,

    - la concentration totale en ions de thyoglycolate étant inférieure à 1% en poids par rapport à la quantité totale de la composition, et

    - le rapport de la masse d'urée à la masse totale d'ions de thioglycolate se situant dans la plage de 2 :1 à 1 :14.


     
    2. Composition aqueuse suivant la revendication 1, la composition présentant une viscosité supérieure à 50 mPas, de préférence supérieure à 200 mPas, mieux encore supérieure à 500 mPas, la viscosité étant déterminée à l'aide d'un viscosimètre rotatif Brookfield avec une broche LV3,

    avec 4 tr/min. pour la plage supérieure à 12.000 mPas

    avec 10 tr/min. pour la plage de 10.000 à 12.000 mPas

    avec 12 tr/min. pour la plage de 6.000 à 10.000 mPas

    avec 20 tr/min. pour la plage de 4000 à 6.000 mPas

    avec 30 tr/min. pour la plage inférieure à 4.000 mPas

    à une température de 20°C et une pression de 1013 mbar.


     
    3. Composition aqueuse suivant une des revendications précédentes, la masse volumique de la composition étant, à 25°C, supérieure à 1,0 g/mL tout en se situant de préférence entre 1,0 g/mL et 1,4 g/ml ; de préférence entre 1,0 g/mL et 1,2 g/mL, mieux encore entre 1,0 g/mL et 1,1 g/mL, déterminée par la méthode du tube oscillant.
     
    4. Composition aqueuse suivant une des revendications précédentes, la composition comprenant un ou plusieurs hydroxydes, de préférence

    l'un ou un des plusieurs hydroxydes étant de l'hydroxyde de sodium
    et/ou

    la concentration totale d'ions d'hydroxyde étant de 0,4 % en poids ou moins, de préférence inférieure à 0,3 % en poids, mieux encore inférieure à 0,2% en poids par rapport à la quantité totale de la composition.


     
    5. Composition aqueuse suivant une des revendications précédentes, la composition présentant une valeur pH dans la plage de 8 à 12, de préférence dans la plage de 10 à 12, mieux encore dans la plage de 11,0 à 11,4.
     
    6. Composition aqueuse suivant une des revendications précédentes, la composition comprenant en plus un ou plusieurs constituants sélectionnés parmi le groupe constitué de

    - substances tensioactives

    - électrolytes

    - colorants, et

    - parfums,


     
    7. Composition aqueuse suivant la revendication 6, dans laquelle l'une ou au moins une des plusieurs substances tensioactives est sélectionnée parmi le groupe constitué de tensioactifs anioniques, cationiques et non ioniques, de préférence sélectionnée parmi le groupe constitué de tensioactifs anioniques et non ioniques,

    l'un ou un des plusieurs tensioactifs anioniques étant de préférence un lauryléthersulfate, mieux encore du lauryléthersulfate de sodium
    et/ou

    l'un ou un des plusieurs tensioactifs non ioniques étant du PEG-4 Rapeseedamide et/ou

    la quantité totale de l'une ou des plusieurs substances tensioactives sélectionnées parmi le groupe constitué de tensioactifs anioniques et non ioniques étant inférieure à 3,5% en poids par rapport à la quantité totale de la composition,

    mieux encore, la quantité totale de l'une ou des plusieurs substances tensioactives sélectionnées parmi le groupe constitué de tensioactifs anioniques, cationiques et non ioniques étant inférieure à 3,5 % en poids par rapport à la quantité totale de la composition,

    encore plus préférentiellement, la quantité totale de l'une ou des plusieurs substances tensioactives étant inférieure à 3,5% en poids par rapport à la quantité totale de la composition.


     
    8. Composition aqueuse suivant une des revendications précédentes, l'un ou un des plusieurs thioglycolates étant du thyoglycolate de sodium.
     
    9. Utilisation d'une composition aqueuse suivant une des revendications précédentes servant à dissoudre des cheveux et/ou comme déboucheur de tuyau ou de siphon.
     
    10. Procédé de dissolution de cheveux comportant les étapes suivantes :

    (i) Fourniture ou fabrication d'une composition aqueuse telle que définie dans une des revendications 1 à 8,
    et

    (ii) Mise en contact de la composition aqueuse fournie ou fabriquée avec des cheveux jusqu'à ce que les cheveux soient au moins partiellement dissolus.


     
    11. Procédé suivant la revendication 10 destinée à dissoudre des salissures contenant des cheveux dans un tuyau et/ou à éliminer des salissures contenant des cheveux dans un tuyau, le procédé comprenant les étapes suivantes :

    - suite à l'étape (i), introduire pour l'exécution de l'étape (ii) une quantité de la composition aqueuse fournie ou fabriquée dans le tuyau avec les salissures contenant des cheveux,

    - de préférence après l'étape (ii), rinçage du tuyau de sorte que les salissures contenant des cheveux sont entièrement ou partiellement éliminées du tuyau.


     
    12. Procédé suivant une des revendications 10 à 11, dans lequel en plus de cheveux, d'autres substances sont dissoutes ou éliminées, de préférence une ou plusieurs substances sélectionnées parmi le groupe constitué de graisses, d'huiles, d'autres substances kératineuses et de papier.
     
    13. Procédé suivant une des revendications 11 ou 12, dans lequel les salissures contiennent en plus des cheveux une ou plusieurs autres substances qui sont sélectionnées parmi le groupe constitué de graisses, d'huiles, d'autres substances kératineuses et de papier.
     






    Angeführte Verweise

    IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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    In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente




    In der Beschreibung aufgeführte Nicht-Patentliteratur